Freitag, 15.01.2021
 
16.02.2012

Medizin Die Weltgesundheitsorganisation sollte Alkoholmissbrauch stärker bekämpfen.

Das fordert eine britische Wissenschaftlerin im Fachmagazin "Nature". Jährlich – so die Forscherin der Universität Oxford - sterben etwa 2,5 Millionen Menschen an den Folgen von Alkohol. Das seien mehr Todesfälle als durch Tuberkulose, Malaria oder Aids. Die Weltgesundheitsorganisation WHO sei das einzige Organ für globale Gesundheit, das rechtlich verbindliche Konventionen erlassen kann. Deshalb sei sie in der Pflicht, ein Abkommen zu erstellen, ähnlich dem für die Kontrolle des Tabakkonsums. In der Folge könnten dann die einzelnen Nationen entsprechende Rechtsgrundlagen schaffen und Gelder im Kampf gegen den Alkohol bereitstellen. //[tj]//

Quelle: Nature

Umwelt In überdüngten Seen schrumpft die Artenvielfalt.

Bei einer Untersuchung der Schweizer Seen stellte sich heraus: Innerhalb von nur wenigen Jahrzehnten hat sich die Zahl der einheimischen Fischarten - der Felchen - dramatisch verringert: nur 60 Prozent überlebten die Zeit zwischen 1950 und 1990, in der die Seen überdüngt wurden. Im Fachjournal "Nature" erläutern Forscher der Universität Bern weshalb: so führte die Überdüngung dazu, dass im tiefen Wasser der Seen kaum noch Sauerstoff vorhanden war. Die dort lebenden Felchenarten mussten in seichteres Wasser ausweichen. Hier nun kreuzten sie sich mit verwandten Arten und verloren in nur wenigen Generationen ihre genetische und funktionale Einzigartigkeit. Dieser Prozess wird auch als "Umkehr der Artenentstehung" bezeichnet. //[tj]//

Quelle: Nature

Paläontologie Verkrümmte Dinosaurierskelette deuten nicht auf Todeskrämpfe hin.

Mit weit geöffnetem Maul, den Kopf und den Schwanz stark über den Rücken geborgen – in dieser verkrümmten Körperhaltung wurden viele fossile Dinosaurier gefunden. Lange gingen Wissenschaftler davon aus, dass Krämpfe kurz vor dem Tod der Tiere für die Haltung verantwortlich waren. Paläontologen aus Basel und Mainz widersprechen der These. Sie haben mithilfe eines Experimentes herausgefunden: Die Krümmungen entstanden erst während der Zersetzung einer Dinosaurierleiche. Ursächlich dafür ist das sogenannte Ligamentum elasticum – ein Band, das die Wirbel vom Hals bis zum Schwanz oberseitig miteinander verbindet. Dieses Band ist so vorgespannt, dass es einen starken Zug zwischen den Wirbeln ausübt. Wenn ein Dinosaurier nach seinem Tod unter Wasser geriet, wo die Wirkung der Schwerkraft weitgehend aufgehoben ist, dann konnten sich die Zugkräfte entspannen. //[tj]//

Quelle: Palaeobiodiversity and Palaeoenvironments

Biologie Meckern ist nicht gleich meckern.

Schon in den ersten Wochen ihres Lebens passen Ziegen ihr Meckern an ihr soziales Umfeld an – versuchen sich an den Lauten der Geschwister und anderer Artgenossen. Das konnten jetzt Biologen von der Queen Mary University in London nachweisen. Sie zeichneten die eben gehörten Laute von Ziegenkitzen auf. Dabei ähnelte sich das Meckern von Tieren, die in einer Gruppe aufwuchsen, stärker, als das von zwar verwandten, aber nicht zusammen lebenden Tieren. Offenbar- so die Forscher im Fachblatt "Animal Behaviour" -sind neben Menschen und Primaten auch andere Säugetiere in der Lage sich an Dialekte ihrer Umgebung anzupassen. //[tj]//

Quelle: Animal Behaviour

Umwelt Japan senkt die Strahlengrenzwerte für Lebensmittel.

Über ein Jahr nach dem GAU im Atomkraftwerk Fukushima will Japan die Grenzwerte für radioaktiv belastete Lebensmittel wieder deutlich absenken. Nach der Atomkatastrophe hatte der japanische Staat zunächst für Trinkwasser, Milch und Milchprodukte einen Grenzwert von 200 Becquerel pro Kilogramm festgelegt und von 500 Bequerel pro Kilogramm für Getreide, Fisch, Gemüse und andere Lebensmittel. Jetzt sollen die Grenzwerte auf 10 – maximal 100 Becquerel sinken. //[tj]//

Quelle: Agenturen

Astronomie Astronomen kommen der vorgegaukelten Supernova einen Schritt näher.

Als "vorgegaukelte Supernova" wird eine Eruption bezeichnet, die zwar viele Merkmale einer Supernova-Explosion besitzt, den Stern aber nicht zerstört. Im Carinanebel in unserer Milchstraße ereignete sich Mitte des 19. Jahrhunderts ein derartiges Phänomen. Dank einer Art Lichtecho haben Astronomen die gewaltige Sterneruption noch einmal beobachten können. Dabei stellten sie fest, dass sie anders abgelaufen sein muss als gedacht: Der enorme Helligkeitsausbruch ereignete sich bei deutlich geringeren Temperaturen, die bei rund 4700 Grad Celsius lagen. Diese vergleichsweise niedrige Temperatur setzte dem Eruptionsmechanismus Grenzen. In "Nature" vermuten die Astronomen, dass eine energiereiche Druckwelle den Ausbruch ausgelöst hat. Die genaue Ursache für die Große Eruption bleibe aber noch ungeklärt. //[tj]//

Quelle: Nature

15.02.2012

Biologie Frühe Huftiere könnten Sonare benutzt haben.

Das vermuten französische und belgische Paläontologinnen, nachdem sie die Schädel von 50 Millionen Jahre alten Säugetieren untersucht haben. Bei einem der analysierten Exemplare handelte es sich um ein wieselgroßes Stammhuftier namens Hyopsodus. Demnach wiesen diese Vertreter eine Gehirnstruktur auf, wie sie typisch für heutige Fledermäuse und andere Tiere ist, die sich mithilfe des Echolots orientieren, schreiben die Wissenschaftlerinnen im Fachblatt PLoS ONE. Das Tier weist noch Klauen auf und wurde deswegen lange für einen Baumbewohner gehalten. Insgesamt deutet sein Skelett jedoch eher auf das eines am Boden lebenden, nachtaktiven Tieres hin. Die Hinweise auf Echoortung ständen im Einklang mit einer derartigen Lebensweise, so das Fazit. [mst]

Quelle: PLoS ONE (DOI 10.1371/journal.pone.0030000)

Biologie Der Rekordhalter unter den Zugvögeln wiegt nur 25 Gramm.

Der Steinschmätzer legt an einzelnen Tagen bis zu 850 Kilometer zurück. Bei seinen Pendelflügen zwischen Sommer- und Winterquartier kommt er auf rund 30.000 Kilometer im Jahr. Das berichtet ein deutsch-kanadisches Forscherteam in den Biology Letters. Die Biologen hatten Mini-Datenspeicher mit einem Gewicht von nur 1,2 Gramm entwickelt, die sie den Tieren anheften konnten. Der Steinschmätzer ist kleiner als ein Rotkehlchen und verbringt den Sommer meist in Kanada und in Alaska. Im Winter zieht er bis in den Sudan, nach Uganda oder Kenia. Hinsichtlich der Körpergröße gehören diese Distanzen zu den längsten, die jemals beobachtet wurden. Die Strecken seien auch bezüglich der Tatsache erstaunlich, so die Forscher, da diese Zugvögel Einzelgänger sind und nicht wie etwa Gänse im Schwarm fliegen. [mst]

Quelle: Biology Letters (doi:10.1098/rsbl.2011.1223)

Astronomie Nur große Kugelsternhaufen haben überlebt.

Rund um die Milchstraße befinden sich etwa 200 kompakte Sterngruppen, die jeweils aus bis zu einer Million Sterne bestehen. Deutsche und niederländische Astronomen haben die Entstehung dieser Kugelsternhaufen simuliert. Demzufolge handelt es sich um "Überlebende" eines zerstörerischen Prozesses vor 13 Milliarden Jahren. Wie die Forscher in den Monthly Notices of the Royal Astronomical Society schreiben, wurden damals die meisten kleinen Sterne ausgelöscht. Nur die hellsten und größten Haufen überlebten demnach eine Galaxienkollision aufgrund ihrer eigenen Anziehungskraft. Kleinere Ansammlungen wurden den Simulationen zufolge durch die sich rasch ändernden Gravitationskräfte zerstört. [mst]

Quelle: Mon.Not.R.Astron.Soc./MPG

Biologie Biologen entdecken das kleinste Chamäleon der Welt

Der Körper des braunen Winzlings misst gerade einmal 16 Millimeter, inklusive Schwanz kommen die Reptilien auf Madagaskar gerade einmal auf eine Körperlänge von 2,9 Zentimetern. Die von Chamäleons bekannte Fähigkeit, die Farbe ihrer Umgebung anzupassen, hätten sie hingegen nicht, schreiben Forscher der Technischen Universität Braunschweig im Fachblatt PLoS ONE. Die winzigen Chamäleons leben im Norden der ostafrikanischen Insel und ernähren sich von noch kleineren Insekten oder Milben. Wie es zu dieser Verzwergung im Laufe der Zeit gekommen ist, wissen die Forscher noch nicht. [mst]

Quelle: PLoS ONE (doi:10.1371/journal.pone.0031314)

Medizin Dreckige Luft erhöht das Herzinfarktrisiko binnen weniger Tage.

Das ist das Ergebnis einer Studie, die französische Mediziner vom Cardiovascular Research Center in Paris im Fachblatt JAMA vorstellen. Bei der Auswertung der Daten von 34 Einzelstudien sahen sie, dass Kohlenmonoxid das Herzinfarkt-Risiko am stärksten erhöht, gefolgt von Stickstoffdioxid, Schwefeldioxid und Staubpartikeln. Wodurch verschmutzte Luft das Herzinfarktrisiko vergrößert, wissen die Forscher noch nicht. Sie vermuten jedoch, dass die Schadstoffe Entzündungen bedingen und den Herzschlag irritieren, zudem könnten sie das Blut verdicken. Zwar werde das Herzinfarktrisiko etwa durch Rauchen wesentlich erhöht, jedoch betreffe verschmutzte Luft wesentlich mehr Menschen. Daher sei dieser Faktor als gesundheitliche Gefährdung der Bevölkerung nicht zu unterschätzen, warnen die Forscher. [mst]

Quelle: Eurekalert!

Medizin Antibiotika bleiben bei einer Nasennebenhöhlenentzündung wirkungslos.

Demnach lindern Antibiotika weder die Symptome noch die Dauer der Entzündung. Das schreiben US-Mediziner im Fachblatt JAMA, nachdem sie eine Studie mit 170 Patienten durchgeführt hatten, die an einer akuten Entzündung der Schleimhäute und Nasennebenhöhlen litten. Während die eine Hälfte der Probanden mit dem Antibiotikum Amoxicillin behandelt wurde, erhielten die Teilnehmer der Vergleichsgruppe Placebos. Nach drei, sieben und zehn Tagen wurden alle befragt. Dabei sahen die Forscher, dass sich lediglich am siebten Tag die mit Antibiotika behandelten Patienten etwas besser fühlten. Ansonsten habe es keine Unterschiede gegeben. Auch hinsichtlich der Krankheitsdauer und der Rückfallquote schnitten beide Gruppen nahezu gleich ab. Die Mediziner empfehlen daher einen sparsamen Einsatz von Antibiotika bei Nasennebenhöhlenentzündungen. [mst]

Quelle: Eurekalert!

14.02.2012

Gesundheit Öffentliche Rauchverbote wirken auch im privaten Bereich

Rauchverbote im öffentlichen Raum führen nicht dazu, dass zum Ausgleich mehr zu Hause geraucht wird. Das ist das Ergebnis einer Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums. Die Wissenschaftler untersuchten, wie sich die in vielen europäischen Ländern verschärften Rauchergesetze auf das Raucherverhalten auswirken. Dabei zeigte sich, dass im Schnitt jeder vierte Raucher die gesetzgeberischen Vorgaben zum Anlass nahm, auch in den eigenen vier Wänden auf das Rauchen zu verzichten. In Deutschland waren es sogar 38 Prozent. Die Forscher befragten mehr als 4000 Raucher in Irland, Frankreich, Deutschland und den Niederlanden jeweils vor und nach der Einführung von Rauchverboten in den Ländern. Die Studie ist Magazin Tobacco Control erschienen. //[luh]//

Gesundheit Feinstaubbelastung erhöht das Risiko von Schlaganfällen

Die Gesundheitsgefahren von Luftverschmutzung betreffen nicht nur die Atemwege. Forscher aus den USA haben herausgefunden, dass eine erhöhte Feinstaubbelastung auch dem Gehirn schaden kann. Demnach erleiden Menschen, die verschmutzter Luft ausgesetzt sind, häufiger einen Schlaganfall. Umweltmediziner der Harvard University untersuchten mehr als 1700 Patienten, die in den vergangenen zehn Jahren einen Schlaganfall erlitten hatten. Waren die Kranken zuvor nachweislich erhöhten Feinstaubbelastungen ausgesetzt, bekamen sie häufiger einen Infarkt der Hirnarterien durch eine verringerte Durchblutung. Vor allem Ruß und Stickstoffdioxid erhöhten das Schlaganfallrisiko deutlich. Diese Form von Feinstaub wird vor allem durch Autos und Lkws verursacht. Die Studie ist im Fachmagazin "Archives of Internal Medicine" erschienen. //[luh]//

IT Google-Algorithmus simuliert chemische Reaktionen

Pagerank nennt Google ein spezielles Programm, mit dem der Suchdienst die Bedeutung von Internetseiten gewichtet. Dabei wird untersucht, wie stark einzelne Seiten im Netz mit anderen verlinkt, also verbunden sind. US-Chemiker haben den Pagerank-Algoritmus für ein ganz neues Einsatzfeld angepasst. Sie fanden heraus, dass sich das Programm hervorragend eignet, um die Reaktionen großer organischer Moleküle im Computer zu simulieren. Statt der Links im Internet, bildet die Software die Verteilung von Wasserstoffbrücken ab, die bei allen Stoffwechselprozessen in biologischen Systemen eine zentrale Rolle spielen. Die Studie ist im Magazin "Journal of Computational Chemistry" erschienen. //[luh]//

Umwelt Bei Quecksilber zeigt Umweltschutz eine paradoxe Wirkung

Durch strenge Gesetzgebung in Europa sinken seit Jahren die Quecksilberemissionen. Dennoch steigt zugleich bei Süßwasserfischen aus Seen die Quecksilberbelastung. Norwegische Forscher haben jetzt eine mögliche Erklärung für diese paradoxe Entwicklung gefunden: Durch verbesserte Luftreinhaltung gibt es heute weniger sauren Regen. Der gestiegene pH-Wert des Wassers vieler Seen führt dazu, dass mehr organischer Kohlenstoff aus dem Boden darin gelöst wird. Der Kohlenstoff wiederum reagiert mit Quecksilber, das normalerweise im Wasser nicht löslich ist. Dabei entsteht Methylquecksilber. Diese Verbindung wird leicht von Organismen aufgenommen und in der Nahrungskette angereichert. Die Studie ist im Magazin Environmental Science Technology erschienen. //[luh]//

Medizin Herzeigene Stammzellen verringern Narben im Herzgewebe

Mediziner aus den USA haben erstmals Patienten nach einem Herzinfarkt mit Stammzellen behandelt, die direkt aus den betroffenen Herzen stammen. Dabei zeigte sich, dass sich mit der Therapie der geschädigte Herzmuskel zum Teil regenerieren kann. Die Forscher isolierten aus kleinen Gewebeproben des Herzmuskels der Patienten die darin enthaltenen Stammzellen und vermehrten sie. In einem zweiten Eingriff spritzten sie Millionen dieser Stammzellen zurück an die Stellen des Herzmuskels, die infolge des Infarkts vernarbt waren. Bei Untersuchungen nach einem Jahr zeigte sich, dass der vernarbte Anteil der Herzmuskeln im Durchschnitt der Fälle um die Hälfte zurückgegangen war. Das Ergebnis stellt eine gängige Lehrmeinung infrage, wonach einmal zerstörtes Herzgewebe sich nicht mehr regenerieren kann. Noch ist unklar, ob sich die neue Therapie im klinischen Alltag bewährt. Die Studie, die im Fachmagazin "The Lancet" erschien, beruht nur auf 25 Patienten. Das Hauptziel bestand darin, die Sicherheit der Behandlung nachzuweisen. Als nächstes planen die Forscher eine sogenannte Phase-2-Studie mit mehreren hundert Probanden. //[luh]//

Quelle: The Lancet, doi: 10.1016/S0140-6736(12)60195-0

Biologie Das Leben entstand nicht Ur-Meer, sondern in Tümpeln und Pfützen

Diese neue Theorie präsentierten russische Forscher in den Proceedings der Nationalen Akademie der Wissenschaften der USA, "PNAS". Unter Urzeit-Biologen entfachten sie damit eine Debatte. Bisher galten Heißwasserquellen in der Tiefsee als vermutliche Brutstätte des Lebens. Die Forscher weisen in ihrer Studie aber darauf hin, dass die chemische Zusammensetzung des Zellplasmas von Zellen nicht so recht zu den chemischen Bedingungen im Meer passe. Eine größere Übereinstimmung fanden sie bei der Analyse oberflächlicher Tümpel rund um heiße Geysire und Schlote – wie es sie heute zum Beispiel im Yellowstone-Nationalpark gibt. Dort herrschen ähnlich hohe Konzentrationen an Zink, Mangan, Phosphor, Kalium und Natrium wie im internen Milieu von Zellen. Nach Ansicht der Forscher konnten sich die ersten zellulären Organismen nur dort entwickeln, wo auch außerhalb ihrer Zellhülle ein passendes chemisches Umfeld herrschte. Einige Fachkollegen bezeichnen diese Annahme allerdings als falsch. //[luh]//

Quelle: PNAS - doi: 10.1073/pnas.1117774109

13.02.2012

Biologie Die RNA-Welt gibt neue Rätsel auf

Das Erbmolekül DNA muss zunächst abgeschrieben werden - in das Botenmolekül RNA. Chinesische Forscher des Genomforschungszentrums Peking haben die Gesamtheit der RNA-Moleküle eines Menschen genauer untersucht und festgestellt: Nach der Abschrift der DNA passieren zuweilen noch Änderungen. Im RNA-Molekül werden einzelne Bausteine ausgetauscht – in diesem Fall ist dies insgesamt 22.688 Mal passiert. Die Pekinger Forscher gehen davon aus, dass es sich nicht um Abschreibefehler handelt. In 93 Prozent der Fälle würde Adenosin durch Inosin ersetzt – das als Guanosin gelesen werde, berichten die Genomforscher im Fachblatt "Nature Biotechnology". Warum einzelne Bausteine ausgetauscht werden, ist noch ein Rätsel, ebenso wie dieser Prozess gesteuert wird. Allein schon der Befund aber, dass RNA-Moleküle noch einmal verändert werden, bringt ein zentrales Dogma ins Wanken – nämlich dass RNA eine reine Abschrift der DNA ist. //[mawi]//

Quelle: Nature Biotechnology

Gesundheit Nanopartikel können die Eisenaufnahme im Darm stören

US-amerikanische Forscher haben die Wirkung von Nanopartikeln auf menschliche Zellen und auf Hühner erforscht. Für ihre Experimente nutzten sie 50 Nanometer große Partikel aus Polystyrol. Dieser Kunststoff wird in Lebensmittelverpackungen verwendet und gilt bislang als ungiftig. Allerdings könnten die Styrol-Kügelchen die Aufnahme von Eisen im Magen-Darm-System stören, schreiben die Forscher der Cornell-Universität in Ithaca im Fachblatt "Nature Nanotechnology". Bekamen Hühner Nanopartikel direkt in den Dünndarm verabreicht, nahmen die Hühner durch den Darm weniger Eisen auf als normal. Wurden sie über mehrere Wochen mit Nanopartikeln gefüttert, kam es zu Veränderungen an der Darmschleimhaut. Die Folge: die Eisenaufnahme stieg. Im Zellversuch an menschlichen Zellen der Darmschleimhaut führte eine hohe Dosis der Teilchen ebenfalls zu einem gesteigerten Eisentransport. Die Forscher betonen, dass weitere Studien notwendig sind, um gesicherte Rückschlüsse auf die Wirkung von Nanopartikeln ziehen zu können. //[mawi]//

Quelle: Nature Nanotechnology, doi: 10.1038/nano.2012.3

Klima Biosprit aus Raps, Palmöl oder Soja belastet das Klima

Und zwar mitunter stärker als konventionelle Treibstoffe aus Erdöl. Zu diesem Ergebnis, berichten Medien heute, kommt eine Untersuchung der EU-Kommission. Demnach schneiden nur Biokraftstoffe aus Zuckerrohr, Zuckerrüben oder Mais klar besser ab als herkömmliche Kraftstoffe. In der Studie wurden auch die indirekten Folgen der Herstellung von Biokraftstoffen für deren Ökobilanz berücksichtigt – also etwa die Brandrodung von Regenwaldflächen zum Anbau von Biokraftstoffen. Die Biospritbranche warnte vor voreiligen Schlüssen: Die Studie beruhe auf Annahmen, die nicht realistisch seien, hieß es seitens des Verbandes der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB). In Deutschland gebe es strenge Nachhaltigkeitskriterien. So dürften für den Anbau weder Regenwälder noch Torfmoore oder sonstige schützenswerte Flächen verwendet werden. //[mawi]//

Botanik Kieselalgen profitieren vom Klimawandel

Der Klimawandel hat zu einer dramatischen Verschiebung der Artenzusammensetzung bei den Algen im Nordatlantik und der Nordsee geführt. In den vergangenen 50 Jahren seien die einst dominierenden Dinoflagellaten stark zurückgegangen. Kieselalgen hingegen hätten sich stark vermehrt, berichten Forscher der britischen Swansea University im Fachblatt "Nature Climate Change". Ursache für das Phänomen sei einerseits die Erwärmung des Meerwassers und andererseits die Zunahme von Wind über der Meeresoberfläche. Beide Faktoren verstärkten sich gegenseitig in ihrer Wirkung. Beide Algengruppen gehören zu den einzelligen Planktonorganismen, die an der Basis der Nahrungskette in den Ozeanen stehen. Die Arten-Verschiebung habe damit auch Auswirkungen auf größere Tiere wie Fische und Wale. Graeme Hays von der Universität Swansea sagte: "Stellen Sie sich vor, Sie blicken morgens in ihren Garten hinaus und das gesamte Gras ist plötzlich durch Büsche ersetzt Biologische Veränderungen in dieser Größenordnung haben wir im Nordatlantik gefunden." //[mawi]//

Quelle: Nature Climate Change, doi:10.1038/nclimate1388

10.02.2012

Planetologie Die Nasa wendet sich vom Mars ab.

Das berichtet die Nachrichtenagentur AP unter Berufung auf zwei ungenannte Nasa-Wissenschaftler. Demnach wolle die Nasa am Mars-Programm mehr als 200 Millionen Dollar einsparen. Die mit der Esa gemeinsam geplanten Missionen 2016 und 2018 sollten daher absagt werden. Die Landung 2016 soll unter anderem Aufschluss geben über die Atmosphäre des Mars und Daten für künftige Landemissionen sammeln. 2018 sollen zwei Marsrover auf dem Roten Planeten landen; das Fahrzeug der Esa soll über einen Bohrer verfügen, um Proben zu sammeln. Das Nasa-Budget soll kommende Woche vorgelegt werden. Die Planetenforschung soll dem Bericht zufolge um 300 Millionen Dollar gekürzt werden. //[gät]//

Quelle: AP

Mikrobiologie Ein Vogel-Bakterium verändert sich rasend schnell.

Und es hat ein Teil seines Erbguts – das ungefähr 50 Gene umfasst – in den vergangenen 20 Jahren verloren. Das schreibt ein internationales Forscherteam in "PLoS Genetics". Die Wissenschaftler hatten die Veränderungen mehrerer //Mycoplasma gallisepticum//-Stämme untersucht, die zwischen 1994 und 2007 gesammelt wurden. Das Bakterium befällt vor allem Geflügel, wechselte in den USA in den 90er-Jahren jedoch auf Singvögel über. Die starben reihenweise an der Infektion. Wie die Wissenschaftler schreiben, zeigt ein Vergleich der Proben, dass sich das Bakterium in einem unerwarteten Tempo veränderte. Unter anderem verlor es die Gene für sein Immunsystem. Die Forscher führen das auf fehlende Bakterienfeinde im Organismus der Singvögel zurück. //[gät]//

Genetik Den Schalter für den Pflanzenschutz vor UV-Strahlung…

… beschreiben Forscher des Scripps-Forschungsinstituts und der Universität Glasgow in "Science". Wie alle Lebewesen leiden auch Pflanzen unter kurzwelliger UV-Strahlung. Allerdings haben sie ein aufwändiges Reparatur- und Schutzprogramm in ihrem Erbgut verankert, was durch das UVR8-Protein aktiviert wird. Das Protein selbst ist dabei ein sogenanntes Dimer – ein aus zwei identischen Teilen aufgebautes Molekül. Die beiden Teile werden nur durch eine schwache Bindung zusammengehalten, trifft kurzwelliges UV-Licht auf die Zellen, löst sich diese Bindung, und die einzelnen Protein-Teile aktivieren dann die Schutzprogramme auf dem Erbmolekül. Diesen Teil des Pflanzenschutzes wollen die Wissenschaftler nun genauer untersuchen. //[gät]//

Quelle: Science

Technik Fahrtenschreiber sollen über Versicherungsprämien entscheiden.

Das ist das Ziel eines britischen Automobilclubs. Die Idee ist, dass einem Fahrzeug ein digitaler Fahrtenschreiber eingebaut wird. Der zeichnet das gefahrene Tempo auf, registriert knapp genommene Kurven oder scharfe Bremsungen. Das Gerät erhält auch einen Zugang zur Satelliten-Navigation, um die gefahrenen Straßen zu protokollieren. Die Auswertung dieser Daten soll dann zeigen, wie vorsichtig oder riskant der Fahrer oder die Fahrerin unterwegs waren– und die Prämie entsprechen dem Verhalten anpassen. Auch ein weiterer Nutzen wäre denkbar, so ein Sprecher des Clubs gegenüber der BBC: So könnten Temposünder zum Beispiel einen strengen Verweis von ihrer Versicherung erhalten. //[gät]//

Quelle: BBC

Forschungspolitik Immer mehr Forscher wollen den Elsevier Verlag boykottieren.

Vor rund drei Wochen rief der britische Mathematiker und Träger der Fields-Medaille Timothy Gowers in seinem Blog dazu auf, den Elsevier-Verlag zu boykottieren. Als Grund gab der Wissenschaftler an, der holländische Verlag verhindere den Austausch von Forschungsergebnissen, verkaufe seine Journale zu teuer, zwinge Bibliotheken, Fachjournale im Paket zu kaufen und unterstütze Regeln, die es ermöglichen, mit Steuergeld finanzierte Forschungsergebnisse geheim zu halten. Bis heute haben sich diesem Boykott mehr als 4800 Wissenschaftler angeschlossen, nur jeder Fünfte ist Mathematiker, 900 von ihnen aber Biologen oder Mediziner. Der Verlag gibt unter anderem die Journale "Cell" und "The Lancet" heraus. Welche ein Ergebnis der Boykott haben kann, ist unklar. Timothy Gowers selbst hofft, das Ergebnisse mathematischer Forschung künftig ohne große Verlage publiziert werden. //[gät]//

Quelle: <a href="http://www.nature.com/news/elsevier-boycott-gathers-pace-1.10010"> Natu

MO DI MI DO FR SA SO
30 31 1 2 3 4 5
6 7 8 9 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19
20 21 22 23 24 25 26
27 28 29 1 2 3 4

Forschung Aktuell

Computer und Kommunikation

Sternzeit

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk