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20.02.2012

Planetologie Das Innere des Mondes ist flüssig und zugleich sehr schwer

Im Gegensatz zur Erde gibt es auf dem Mond keine aktiven Vulkane mehr. Spuren, die auf Mondvulkanismus hindeuten, sind Milliarden Jahre alt. Dabei legen Mond-Beben-Daten nahe, dass es in den Tiefen des Mondes reichlich flüssiges Magma gibt. Forscher aus Amsterdam haben gemeinsam mit französischen, britischen und schweizerischen Kollegen eine Erklärung dafür gefunden, warum es auf dem Mond keine spektakulären Vulkanausbrüche gibt. Sie haben im Labor Mondgestein nach dem Vorbild von Proben der Apollo Missionen hergestellt. Dann haben sie das Gestein extrem hohem Druck und einer Temperatur von etwa 1500 Grad Celsius ausgesetzt. Mithilfe starker Röntgenstrahlen analysierten sie die Dichte der Proben. Das Magma tief im Innern des Mondes ist wahrscheinlich zu dicht und damit zu schwer, um an die Oberfläche zu steigen, schreiben die Forscher im Fachblatt "Nature Geosciences". Das könnte sich ändern, wenn sich der Mond weiter abkühlt. Dann würde sich die Zusammensetzung des Magmas ändern, es würde dann möglicherweise leicht genug um aufzusteigen. //[mawi]//

Quelle: Nature Geosciences

Physik Der kleinste Transistor besteht aus nur einem Atom

Wissenschaftler von der australischen Universität von New South Wales berichten, dass es möglich ist, aus einem einzelnen Atom gezielt einen funktionierenden Transistor herzustellen. Transistoren sind als Schalter und Verstärker von elektrischen Signalen die wichtigsten Komponenten von Computerchips. Mithilfe eines Rastertunnelmikroskops ätzten die Forscher in ein Silizium-Kristall eine winzige Furche, in die sie Phosphoratome ablegten. Anschließend entfernten sie überschüssige Atome, das verbliebene Phosphoratom verbanden sie fest mit dem Kristall. In der extremen Kälte von flüssigem Helium funktioniere das Konstrukt als kleinster Transistor der Welt, schreiben die Forscher im Fachblatt "Nature Nanotechnology". In der Vergangenheit gab es bereits Tranistoren von der Größe von Atomen. Doch diese seien meist zufällig entstanden und nicht aufgrund eines genauen Bauplans, betonen die Forscher. //[mawi]//

Quelle: Nature Nanotechnology Online

Biologie Aus Stammzellen sollen einmal Frikadellen werden

Im Oktober wollen niederländische Forscher das erste mithilfe von Stammzellen aus Rindermuskeln gewonnene Fleisch präsentieren. Das Gewebe aus dem Labor solle einmal so schmecken und aussehen wie echtes Fleisch, kündigte Mark Post von der Universität Maastricht auf der AAAS in Vancouver an. Bislang habe er erst winzige Streifen des neuen Fleisches im Labor produziert. Es seien mehrere tausend davon nötig, um etwa eine Frikadelle herzustellen. Bis das Laborfleisch im großen Maßstab hergestellt werden könne, würden aber noch Jahre vergehen. Die Tierzucht sei bei weitem die größte anhaltende Umweltkatastrophe, warnte der Biochemiker Patrick Brown von der kalifornischen Stanford Universität in Vancouver. Die derzeitige Gewinnung von Fleischprodukten verbrauche mehr landwirtschaftliche Fläche, Wasser und Getreide als jedes andere Nahrungsmittel für Menschen. //[mawi]//

Quelle: AAAS

Medizin In Hamburg ist ein Mädchen an einer EHEC-Infektion gestorben

Das sechsjährige Mädchen starb am Wochenende. Die Hamburger Gesundheitsbehörde teilte heute mit, es würden Lebensmittelproben untersucht. Erste Ergebnisse des Instituts für Hygiene und Umwelt stehen noch aus. Bei dem Tod der Erstklässlerin handele es sich um einen Einzelfall. Es gebe keine weiteren Krankheitsfälle im Umfeld der Familie. Unklar ist, ob der Todesfall in Zusammenhang mit dem EHEC-Ausbruch im vergangenen Jahr steht. Damals hatten sich knapp 4000 Menschen mit einem EHEC-Erreger vom Typ O 104: H4 infiziert. 53 Menschen waren an den Folgen der Infektion gestorben. //[mawi]//

Biologie Der neue BAI ist dem alten Body-Mass-Index nicht überlegen

US-amerikanische Forscher haben im letzten Jahr eine neue Gleichung vorgelegt, um den Körperfettanteil eines Menschen einfach und genau abzuschätzen. Der sogenannte Body-Adiposity-Index – kurz: BAI – berücksichtigt neben der Körperlänge den Hüftumfang einer Person. Basis für den herkömmlichen Body-Mass-Index hingegen sind Körpergewicht und Körperlänge. In einer Studie in der Fachzeitschrift "Diabetologia" kommen Potsdamer Ernährungsforscher und Tübinger Diabetes-Forscher zu dem Schluss, dass der BAI bei der Einschätzung des Körperfettanteils dem BMI nicht überlegen ist. Gerade bei Männern liefere der neue Index häufig ungenaue Resultate. Als Alternative zum BMI komme der neue Index nicht in Frage, so die Forscher. Sinnvoll sei aber - zusätzlich zum BMI – den Bauchumfang zu messen. Fettdepots im Bauchraum gelten als besonders ungesund. Der Bauchumfang von Männern sollte nicht größer als 102 Zentimeter sein, der von Frauen nicht größer als 88 Zentimeter. //[mawi]//

Quelle: DIfE Potsdam-Rehbrücke

17.02.2012

Medizin Trauer ist keine Krankheit.

Trauernde Menschen sollten daher auch nicht Antidepressiva als Standard-Therapie erhalten. Davon zeigt sich die Redaktion des "Lancet" überzeugt. Sie kritisiert damit die Neuauflage von Behandlungsrichtlinien der Amerikanischen Psychiatrischen Gesellschaft. In diesen wurde bisher festgehalten, dass Menschen nach Trauerfällen nicht auf Depressionen untersucht werden sollten. Denn die Symptome bei Trauer und bei Depressionen sind ähnlich, und das kann zu Fehldiagnosen führen. Die Neuauflage enthält diese Richtlinien jedoch nicht. Sie würde daher einer Behandlung von Trauer mit Antidepressiva Tür und Tor öffnen. //[gät]//

Quelle: The Lancet

Biologie Fruchtfliegenmaden trinken Alkohol als Schlupfwespen-Medizin.

Schlupfwespen legen ihre Eier in die Larven der Taufliege. Dort schlüpft die Nachkommenschaft der Wespe, frisst die Made von innen auf und verpuppt sich dann. Ganz hilflos ist der Wirt gegen diesen Fraß jedoch offenbar nicht. Das geht aus einer Untersuchung von Forschern aus Atlanta hervor, die sie in "Current Biology" veröffentlichen. Demnach sucht die Taufliegenlarve nach dem Stich der Wespe gezielt besonders vergorene Früchte auf, und nimmt große Mengen Alkohol zu sich. Der Alkohol tötet das Ei im Körper des Wirts ab; zudem wird die Made seltener von Wespen angegriffen. Wie die Forscher weiter schreiben, ist das der erste Nachweis einer quasi medizinischen Anwendung von Alkohol in der Natur. Allerdings hilft die Behandlung nicht gegen alle Schlupfwespenarten gleich gut. //[gät]//

Quelle: Current Biology

Biologie Pflanzen sind Hybridwesen.

Sie entstanden aus einem Cyanobakterium, einer Alge und einem Bakterium der Chlamydien. Das schreibt ein US-Forscherteam in "Science". Die Wissenschaftler hatten das Erbgut einer sehr alten einzelligen Algenart untersucht und festgestellt, dass der Teil der Zelle, der für die Photosynthese zuständig ist, noch Spuren des ursprünglichen Cyanobakterien-Genoms enthält. Allerdings, so die Wissenschaftler weiter, hätten sich die beiden nur mit Hilfe von Genen eines Chlamydien-ähnlichen Bakteriums verbinden können. Sehr wahrscheinlich habe diese Verbindung nur einmal stattgefunden. Die ersten photosynthesefähigen Lebewesen dürften vor rund 1,6 Milliarden Jahren entstanden sein. //[gät]//

Quelle: Science

Materialforschung Eisen und Kohlenstoff-Nanofasern könnten den Weg zu Biomasse-Kunststoff weisen.

Das hoffen Forscher aus Belgien und den Niederlanden. In "Science" präsentieren die Wissenschaftler eine neue Klasse von Katalysatoren mit deren Hilfe Biomasse zu Ethylen und Propylen, umstrukturiert werden kann. Ethylen und Propylen sind Grundstoffe für die Kunststoffproduktion, sie werden normalerweise aus Öl gewonnen. Chemiker haben zwar schon versucht, diese Stoffe aus Biomasse mit Hilfe von Eisen-Katalysatoren zu gewinnen, bis jetzt entstand dabei jedoch auch viel Methan. Die Benelux-Forscher lösten das Problem, in dem sich winzige Eisenpartikel auf feinsten Kohlenstoff-Fasern platzierten, und dabei immer ein Zwischenraum zwischen den Metallteilchen frei ließen. //[gät]//

Quelle: Science

Medizin Winzige Roboter aus DNS-Molekülen sollen Krebszellen angreifen.

Die winzige Maschine ist nur 45 Nanometer weit und 35 hoch; sie sieht aus wie ein Käfig mit sechs Ecken. Die Wände bestehen aus Erbgut-Molekülen, die auf besondere Weise gefaltet wurden und durch eine Art Riegel zusammenhalten. Diese Riegel sind so beschaffen, dass sie sich an eine Krebszelle andocken. Dann öffnen sie sich, und setzen den Inhalt des Käfigs direkt am Ziel frei. In ersten Experimenten mit Zellkulturen bestückten Forscher der Harvard - University die Transporter mit auf die Zielzellen zugeschnittenen Botenstoffen, die deren programmierten Zelltod auslösten. Die Wissenschaftler betonen in "Science", dass dies erst die ersten Versuche sein – derzeit arbeiten sie an einer Variante, die im Tierversuch eingesetzt werden kann. //[gät]//

Quelle: Science

Klimaforschung Perlmutt könnte als Temperaturarchiv der Ozeane dienen.

Diese These vertreten Forscher der University of Wisconsin-Madison im "Journal of the American Chemical Society". Das Wachstum von Perlmutt in Muscheln erlaubt demnach zwei Rückschlüsse: Zum einen, in welcher Tiefe das Tier gelebt hat; zum anderen, bei welcher Temperatur das Perlmutt sich ablagerte. Das zeigten die Untersuchungen an zeitgenössischen Muscheln. Die Forscher wollen nun prüfen, ob sich das Ergebnis auch auf fossile Weichtiere übertragen lässt. Dann stünde Wissenschaftlern ein neues Klimaarchiv zur Verfügung. //[gät]//

Quelle: Journal of the American Chemical Society

16.02.2012

Medizin Die Weltgesundheitsorganisation sollte Alkoholmissbrauch stärker bekämpfen.

Das fordert eine britische Wissenschaftlerin im Fachmagazin "Nature". Jährlich – so die Forscherin der Universität Oxford - sterben etwa 2,5 Millionen Menschen an den Folgen von Alkohol. Das seien mehr Todesfälle als durch Tuberkulose, Malaria oder Aids. Die Weltgesundheitsorganisation WHO sei das einzige Organ für globale Gesundheit, das rechtlich verbindliche Konventionen erlassen kann. Deshalb sei sie in der Pflicht, ein Abkommen zu erstellen, ähnlich dem für die Kontrolle des Tabakkonsums. In der Folge könnten dann die einzelnen Nationen entsprechende Rechtsgrundlagen schaffen und Gelder im Kampf gegen den Alkohol bereitstellen. //[tj]//

Quelle: Nature

Umwelt In überdüngten Seen schrumpft die Artenvielfalt.

Bei einer Untersuchung der Schweizer Seen stellte sich heraus: Innerhalb von nur wenigen Jahrzehnten hat sich die Zahl der einheimischen Fischarten - der Felchen - dramatisch verringert: nur 60 Prozent überlebten die Zeit zwischen 1950 und 1990, in der die Seen überdüngt wurden. Im Fachjournal "Nature" erläutern Forscher der Universität Bern weshalb: so führte die Überdüngung dazu, dass im tiefen Wasser der Seen kaum noch Sauerstoff vorhanden war. Die dort lebenden Felchenarten mussten in seichteres Wasser ausweichen. Hier nun kreuzten sie sich mit verwandten Arten und verloren in nur wenigen Generationen ihre genetische und funktionale Einzigartigkeit. Dieser Prozess wird auch als "Umkehr der Artenentstehung" bezeichnet. //[tj]//

Quelle: Nature

Paläontologie Verkrümmte Dinosaurierskelette deuten nicht auf Todeskrämpfe hin.

Mit weit geöffnetem Maul, den Kopf und den Schwanz stark über den Rücken geborgen – in dieser verkrümmten Körperhaltung wurden viele fossile Dinosaurier gefunden. Lange gingen Wissenschaftler davon aus, dass Krämpfe kurz vor dem Tod der Tiere für die Haltung verantwortlich waren. Paläontologen aus Basel und Mainz widersprechen der These. Sie haben mithilfe eines Experimentes herausgefunden: Die Krümmungen entstanden erst während der Zersetzung einer Dinosaurierleiche. Ursächlich dafür ist das sogenannte Ligamentum elasticum – ein Band, das die Wirbel vom Hals bis zum Schwanz oberseitig miteinander verbindet. Dieses Band ist so vorgespannt, dass es einen starken Zug zwischen den Wirbeln ausübt. Wenn ein Dinosaurier nach seinem Tod unter Wasser geriet, wo die Wirkung der Schwerkraft weitgehend aufgehoben ist, dann konnten sich die Zugkräfte entspannen. //[tj]//

Quelle: Palaeobiodiversity and Palaeoenvironments

Biologie Meckern ist nicht gleich meckern.

Schon in den ersten Wochen ihres Lebens passen Ziegen ihr Meckern an ihr soziales Umfeld an – versuchen sich an den Lauten der Geschwister und anderer Artgenossen. Das konnten jetzt Biologen von der Queen Mary University in London nachweisen. Sie zeichneten die eben gehörten Laute von Ziegenkitzen auf. Dabei ähnelte sich das Meckern von Tieren, die in einer Gruppe aufwuchsen, stärker, als das von zwar verwandten, aber nicht zusammen lebenden Tieren. Offenbar- so die Forscher im Fachblatt "Animal Behaviour" -sind neben Menschen und Primaten auch andere Säugetiere in der Lage sich an Dialekte ihrer Umgebung anzupassen. //[tj]//

Quelle: Animal Behaviour

Umwelt Japan senkt die Strahlengrenzwerte für Lebensmittel.

Über ein Jahr nach dem GAU im Atomkraftwerk Fukushima will Japan die Grenzwerte für radioaktiv belastete Lebensmittel wieder deutlich absenken. Nach der Atomkatastrophe hatte der japanische Staat zunächst für Trinkwasser, Milch und Milchprodukte einen Grenzwert von 200 Becquerel pro Kilogramm festgelegt und von 500 Bequerel pro Kilogramm für Getreide, Fisch, Gemüse und andere Lebensmittel. Jetzt sollen die Grenzwerte auf 10 – maximal 100 Becquerel sinken. //[tj]//

Quelle: Agenturen

Astronomie Astronomen kommen der vorgegaukelten Supernova einen Schritt näher.

Als "vorgegaukelte Supernova" wird eine Eruption bezeichnet, die zwar viele Merkmale einer Supernova-Explosion besitzt, den Stern aber nicht zerstört. Im Carinanebel in unserer Milchstraße ereignete sich Mitte des 19. Jahrhunderts ein derartiges Phänomen. Dank einer Art Lichtecho haben Astronomen die gewaltige Sterneruption noch einmal beobachten können. Dabei stellten sie fest, dass sie anders abgelaufen sein muss als gedacht: Der enorme Helligkeitsausbruch ereignete sich bei deutlich geringeren Temperaturen, die bei rund 4700 Grad Celsius lagen. Diese vergleichsweise niedrige Temperatur setzte dem Eruptionsmechanismus Grenzen. In "Nature" vermuten die Astronomen, dass eine energiereiche Druckwelle den Ausbruch ausgelöst hat. Die genaue Ursache für die Große Eruption bleibe aber noch ungeklärt. //[tj]//

Quelle: Nature

15.02.2012

Biologie Frühe Huftiere könnten Sonare benutzt haben.

Das vermuten französische und belgische Paläontologinnen, nachdem sie die Schädel von 50 Millionen Jahre alten Säugetieren untersucht haben. Bei einem der analysierten Exemplare handelte es sich um ein wieselgroßes Stammhuftier namens Hyopsodus. Demnach wiesen diese Vertreter eine Gehirnstruktur auf, wie sie typisch für heutige Fledermäuse und andere Tiere ist, die sich mithilfe des Echolots orientieren, schreiben die Wissenschaftlerinnen im Fachblatt PLoS ONE. Das Tier weist noch Klauen auf und wurde deswegen lange für einen Baumbewohner gehalten. Insgesamt deutet sein Skelett jedoch eher auf das eines am Boden lebenden, nachtaktiven Tieres hin. Die Hinweise auf Echoortung ständen im Einklang mit einer derartigen Lebensweise, so das Fazit. [mst]

Quelle: PLoS ONE (DOI 10.1371/journal.pone.0030000)

Biologie Der Rekordhalter unter den Zugvögeln wiegt nur 25 Gramm.

Der Steinschmätzer legt an einzelnen Tagen bis zu 850 Kilometer zurück. Bei seinen Pendelflügen zwischen Sommer- und Winterquartier kommt er auf rund 30.000 Kilometer im Jahr. Das berichtet ein deutsch-kanadisches Forscherteam in den Biology Letters. Die Biologen hatten Mini-Datenspeicher mit einem Gewicht von nur 1,2 Gramm entwickelt, die sie den Tieren anheften konnten. Der Steinschmätzer ist kleiner als ein Rotkehlchen und verbringt den Sommer meist in Kanada und in Alaska. Im Winter zieht er bis in den Sudan, nach Uganda oder Kenia. Hinsichtlich der Körpergröße gehören diese Distanzen zu den längsten, die jemals beobachtet wurden. Die Strecken seien auch bezüglich der Tatsache erstaunlich, so die Forscher, da diese Zugvögel Einzelgänger sind und nicht wie etwa Gänse im Schwarm fliegen. [mst]

Quelle: Biology Letters (doi:10.1098/rsbl.2011.1223)

Astronomie Nur große Kugelsternhaufen haben überlebt.

Rund um die Milchstraße befinden sich etwa 200 kompakte Sterngruppen, die jeweils aus bis zu einer Million Sterne bestehen. Deutsche und niederländische Astronomen haben die Entstehung dieser Kugelsternhaufen simuliert. Demzufolge handelt es sich um "Überlebende" eines zerstörerischen Prozesses vor 13 Milliarden Jahren. Wie die Forscher in den Monthly Notices of the Royal Astronomical Society schreiben, wurden damals die meisten kleinen Sterne ausgelöscht. Nur die hellsten und größten Haufen überlebten demnach eine Galaxienkollision aufgrund ihrer eigenen Anziehungskraft. Kleinere Ansammlungen wurden den Simulationen zufolge durch die sich rasch ändernden Gravitationskräfte zerstört. [mst]

Quelle: Mon.Not.R.Astron.Soc./MPG

Biologie Biologen entdecken das kleinste Chamäleon der Welt

Der Körper des braunen Winzlings misst gerade einmal 16 Millimeter, inklusive Schwanz kommen die Reptilien auf Madagaskar gerade einmal auf eine Körperlänge von 2,9 Zentimetern. Die von Chamäleons bekannte Fähigkeit, die Farbe ihrer Umgebung anzupassen, hätten sie hingegen nicht, schreiben Forscher der Technischen Universität Braunschweig im Fachblatt PLoS ONE. Die winzigen Chamäleons leben im Norden der ostafrikanischen Insel und ernähren sich von noch kleineren Insekten oder Milben. Wie es zu dieser Verzwergung im Laufe der Zeit gekommen ist, wissen die Forscher noch nicht. [mst]

Quelle: PLoS ONE (doi:10.1371/journal.pone.0031314)

Medizin Dreckige Luft erhöht das Herzinfarktrisiko binnen weniger Tage.

Das ist das Ergebnis einer Studie, die französische Mediziner vom Cardiovascular Research Center in Paris im Fachblatt JAMA vorstellen. Bei der Auswertung der Daten von 34 Einzelstudien sahen sie, dass Kohlenmonoxid das Herzinfarkt-Risiko am stärksten erhöht, gefolgt von Stickstoffdioxid, Schwefeldioxid und Staubpartikeln. Wodurch verschmutzte Luft das Herzinfarktrisiko vergrößert, wissen die Forscher noch nicht. Sie vermuten jedoch, dass die Schadstoffe Entzündungen bedingen und den Herzschlag irritieren, zudem könnten sie das Blut verdicken. Zwar werde das Herzinfarktrisiko etwa durch Rauchen wesentlich erhöht, jedoch betreffe verschmutzte Luft wesentlich mehr Menschen. Daher sei dieser Faktor als gesundheitliche Gefährdung der Bevölkerung nicht zu unterschätzen, warnen die Forscher. [mst]

Quelle: Eurekalert!

Medizin Antibiotika bleiben bei einer Nasennebenhöhlenentzündung wirkungslos.

Demnach lindern Antibiotika weder die Symptome noch die Dauer der Entzündung. Das schreiben US-Mediziner im Fachblatt JAMA, nachdem sie eine Studie mit 170 Patienten durchgeführt hatten, die an einer akuten Entzündung der Schleimhäute und Nasennebenhöhlen litten. Während die eine Hälfte der Probanden mit dem Antibiotikum Amoxicillin behandelt wurde, erhielten die Teilnehmer der Vergleichsgruppe Placebos. Nach drei, sieben und zehn Tagen wurden alle befragt. Dabei sahen die Forscher, dass sich lediglich am siebten Tag die mit Antibiotika behandelten Patienten etwas besser fühlten. Ansonsten habe es keine Unterschiede gegeben. Auch hinsichtlich der Krankheitsdauer und der Rückfallquote schnitten beide Gruppen nahezu gleich ab. Die Mediziner empfehlen daher einen sparsamen Einsatz von Antibiotika bei Nasennebenhöhlenentzündungen. [mst]

Quelle: Eurekalert!

14.02.2012

Gesundheit Öffentliche Rauchverbote wirken auch im privaten Bereich

Rauchverbote im öffentlichen Raum führen nicht dazu, dass zum Ausgleich mehr zu Hause geraucht wird. Das ist das Ergebnis einer Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums. Die Wissenschaftler untersuchten, wie sich die in vielen europäischen Ländern verschärften Rauchergesetze auf das Raucherverhalten auswirken. Dabei zeigte sich, dass im Schnitt jeder vierte Raucher die gesetzgeberischen Vorgaben zum Anlass nahm, auch in den eigenen vier Wänden auf das Rauchen zu verzichten. In Deutschland waren es sogar 38 Prozent. Die Forscher befragten mehr als 4000 Raucher in Irland, Frankreich, Deutschland und den Niederlanden jeweils vor und nach der Einführung von Rauchverboten in den Ländern. Die Studie ist Magazin Tobacco Control erschienen. //[luh]//

Gesundheit Feinstaubbelastung erhöht das Risiko von Schlaganfällen

Die Gesundheitsgefahren von Luftverschmutzung betreffen nicht nur die Atemwege. Forscher aus den USA haben herausgefunden, dass eine erhöhte Feinstaubbelastung auch dem Gehirn schaden kann. Demnach erleiden Menschen, die verschmutzter Luft ausgesetzt sind, häufiger einen Schlaganfall. Umweltmediziner der Harvard University untersuchten mehr als 1700 Patienten, die in den vergangenen zehn Jahren einen Schlaganfall erlitten hatten. Waren die Kranken zuvor nachweislich erhöhten Feinstaubbelastungen ausgesetzt, bekamen sie häufiger einen Infarkt der Hirnarterien durch eine verringerte Durchblutung. Vor allem Ruß und Stickstoffdioxid erhöhten das Schlaganfallrisiko deutlich. Diese Form von Feinstaub wird vor allem durch Autos und Lkws verursacht. Die Studie ist im Fachmagazin "Archives of Internal Medicine" erschienen. //[luh]//

IT Google-Algorithmus simuliert chemische Reaktionen

Pagerank nennt Google ein spezielles Programm, mit dem der Suchdienst die Bedeutung von Internetseiten gewichtet. Dabei wird untersucht, wie stark einzelne Seiten im Netz mit anderen verlinkt, also verbunden sind. US-Chemiker haben den Pagerank-Algoritmus für ein ganz neues Einsatzfeld angepasst. Sie fanden heraus, dass sich das Programm hervorragend eignet, um die Reaktionen großer organischer Moleküle im Computer zu simulieren. Statt der Links im Internet, bildet die Software die Verteilung von Wasserstoffbrücken ab, die bei allen Stoffwechselprozessen in biologischen Systemen eine zentrale Rolle spielen. Die Studie ist im Magazin "Journal of Computational Chemistry" erschienen. //[luh]//

Umwelt Bei Quecksilber zeigt Umweltschutz eine paradoxe Wirkung

Durch strenge Gesetzgebung in Europa sinken seit Jahren die Quecksilberemissionen. Dennoch steigt zugleich bei Süßwasserfischen aus Seen die Quecksilberbelastung. Norwegische Forscher haben jetzt eine mögliche Erklärung für diese paradoxe Entwicklung gefunden: Durch verbesserte Luftreinhaltung gibt es heute weniger sauren Regen. Der gestiegene pH-Wert des Wassers vieler Seen führt dazu, dass mehr organischer Kohlenstoff aus dem Boden darin gelöst wird. Der Kohlenstoff wiederum reagiert mit Quecksilber, das normalerweise im Wasser nicht löslich ist. Dabei entsteht Methylquecksilber. Diese Verbindung wird leicht von Organismen aufgenommen und in der Nahrungskette angereichert. Die Studie ist im Magazin Environmental Science Technology erschienen. //[luh]//

Medizin Herzeigene Stammzellen verringern Narben im Herzgewebe

Mediziner aus den USA haben erstmals Patienten nach einem Herzinfarkt mit Stammzellen behandelt, die direkt aus den betroffenen Herzen stammen. Dabei zeigte sich, dass sich mit der Therapie der geschädigte Herzmuskel zum Teil regenerieren kann. Die Forscher isolierten aus kleinen Gewebeproben des Herzmuskels der Patienten die darin enthaltenen Stammzellen und vermehrten sie. In einem zweiten Eingriff spritzten sie Millionen dieser Stammzellen zurück an die Stellen des Herzmuskels, die infolge des Infarkts vernarbt waren. Bei Untersuchungen nach einem Jahr zeigte sich, dass der vernarbte Anteil der Herzmuskeln im Durchschnitt der Fälle um die Hälfte zurückgegangen war. Das Ergebnis stellt eine gängige Lehrmeinung infrage, wonach einmal zerstörtes Herzgewebe sich nicht mehr regenerieren kann. Noch ist unklar, ob sich die neue Therapie im klinischen Alltag bewährt. Die Studie, die im Fachmagazin "The Lancet" erschien, beruht nur auf 25 Patienten. Das Hauptziel bestand darin, die Sicherheit der Behandlung nachzuweisen. Als nächstes planen die Forscher eine sogenannte Phase-2-Studie mit mehreren hundert Probanden. //[luh]//

Quelle: The Lancet, doi: 10.1016/S0140-6736(12)60195-0

Biologie Das Leben entstand nicht Ur-Meer, sondern in Tümpeln und Pfützen

Diese neue Theorie präsentierten russische Forscher in den Proceedings der Nationalen Akademie der Wissenschaften der USA, "PNAS". Unter Urzeit-Biologen entfachten sie damit eine Debatte. Bisher galten Heißwasserquellen in der Tiefsee als vermutliche Brutstätte des Lebens. Die Forscher weisen in ihrer Studie aber darauf hin, dass die chemische Zusammensetzung des Zellplasmas von Zellen nicht so recht zu den chemischen Bedingungen im Meer passe. Eine größere Übereinstimmung fanden sie bei der Analyse oberflächlicher Tümpel rund um heiße Geysire und Schlote – wie es sie heute zum Beispiel im Yellowstone-Nationalpark gibt. Dort herrschen ähnlich hohe Konzentrationen an Zink, Mangan, Phosphor, Kalium und Natrium wie im internen Milieu von Zellen. Nach Ansicht der Forscher konnten sich die ersten zellulären Organismen nur dort entwickeln, wo auch außerhalb ihrer Zellhülle ein passendes chemisches Umfeld herrschte. Einige Fachkollegen bezeichnen diese Annahme allerdings als falsch. //[luh]//

Quelle: PNAS - doi: 10.1073/pnas.1117774109

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