Donnerstag, 24.10.2019
 
Seit 02:00 Uhr Nachrichten
15.02.2016

Biologie Darwins hatte offenbar Recht mit seiner Theorie der sexuellen Selektion

Evolutionsbiologen der Universitäten Tübingen, Montpellier und Tampa haben an 66 Tierarten Geschlechterunterschiede analysiert. Sie kommen zu dem Schluss, dass Darwin Recht hatte. Seine Theorie der sexuellen Selektion sieht als grundlegendsten Geschlechterunterschied die Größe der Keimzellen an. Männchen produzieren viele kleine Spermien, Weibchen hingegen wenige große Eizellen. Der Effekt für die Rolle der Männchen: Rivalität um die Gunst der Weibchen. Dafür weitgehende Entbindung von der Brutpflege. Allerdings könnten die Geschlechterrollen durch Einflüsse der Umwelt geschwächt oder verstärkt werden, schreiben die Forscher im Fachblatt "Science Advances". So unterlägen bei Vögeln und Fischen mit vertauschten Geschlechterrollen die Weibchen einer stärkeren sexuellen Selektion, und überließen auch den Vätern den Großteil der Brutpflege. [mawi]

Materialforschung Eine neuartige Beschichtung soll es Bakterien ungemütlich machen

Züricher Materialwissenschaftler haben ein Polymer zur Beschichtung von Oberflächen entwickelt. Das Polymer soll verhindern, dass sich Bakterien ansiedeln und einen Biofilm bilden. Dafür sorgen wasseranziehende Seitenketten des Moleküls. Außerdem gibt es Seitenketten für die Bindung an Silizium und an Titan- oder Eisen-Oxide. Die Beschichtung sei sehr belastbar, sie widerstehe Säuren, Basen, hohen Salzkonzentrationen und Tensiden, berichten die Forscher im Fachblatt "Macromolecular Rapid Communications". Mögliche Anwendungen sehen die Wissenschaftler vor allem in der Medizintechnik – etwa für Biosensoren oder Implantate. Denkbar wäre auch, Verpackungen für besonders empfindliche Lebensmittel mit dem bakterienhemmenden Polymer zu beschichten. [mawi]

Quelle: Macromolecular Rapid Communications - doi: 10.1002/marc.201500683

Biologie Menschen in der Stadt leben mit anderen Bakterien zusammen ...

... als Menschen, die naturnah leben. Die Verstädterung verändert die Bakteriengemeinschaften, die an Wänden und auf Böden menschlicher Behausungen zu finden sind, berichtet ein internationales Forscherteam im Fachblatt "Science Advances". Es fänden sich dann vermehrt Bakterien, die gewöhnlich in der menschlichen Mundhöhle oder im Darm leben. In traditionellen Urwald-Siedlungen im Amazonas-Becken hingegen seien eher Bakterien aus der Umwelt zu finden. Diese Unterschiede könnten sich eventuell auch auf die Gesundheit auswirken. Möglicherweise begünstige das Fehlen von typischen Umweltbakterien die Entstehung von Zivilisationskrankheiten, wie Übergewicht oder Allergien, so die Forscher. [mawi]

 

 

Quelle: Science Advances, - DOI: 10.1126/sciadv.1501061

Materialwissenschaft Van Goghs Schlafzimmer war tatsächlich lila

Es ist eines der bekanntesten Bilder der Welt: das "Schlafzimmer in Arles" von Vincent van Gogh: Eine schlichte Kammer mit Bett, Stühlen und Nachttisch. Auf dem Gemälde sieht man heute hellblaue Wände. Van Gogh aber hatte die Wände ursprünglich lila und nicht blau gemalt, berichten Forscher vom Art Institute in Chicago auf der Wissenschaftstagung AAAS in Washington. In zahlreichen Briefen habe van Gogh alle drei Versionen des Bildes immer als lila beschrieben. Als die Forscher kleine Proben der oberen Farbschichten der in Chicago hängenden Fassung des Bildes entnahmen und sie umdrehten - sahen sie plötzlich lila. Bei Untersuchungen der beiden anderen Versionen des Ölgemäldes in Museen in Amsterdam und Paris habe es ähnliche Ergebnisse gegeben.

Wahrscheinlich sei die Farbe auf der Oberfläche aufgrund von Lichteinwirkung über die Jahre verblasst und blauer geworden. Schon vor einigen Jahren hatten Forscher entdeckt, dass vom UV-Licht der Sonne offenbar chemische Reaktionen ausgelöst werden, die die strahlenden Farben Van Goghs beeinflussen können. [mawi]

Technologie Elektrogeräte werden immer kürzer genutzt

Die kurze Lebensdauer elektronischer Geräte sei aus ökologischer Sicht nicht akzeptabel, kritisierte das Umweltbundesamt heute in Dessau. Die Herstellung der Geräte verbrauche Ressourcen; Schadstoffe und Treibhausgase belasteten Umwelt und Klima.

Eine vom Umweltbundesamt in Auftrag gegeben Studie kommt zu dem Schluss, dass bei Unterhaltungselektronik und Informationstechnik häufig Technologiesprünge und der Wunsch nach einem neuen Gerät Auslöser für einen Neukauf sind. Eine gezielt kurze Produktlebensdauer, die die Hersteller mittels eingebauter Mängel möglicherweise erzeugen - die sogenannte geplante Obsoleszenz - konnte in der Studie nicht nachgewiesen werden.

Hersteller kalkulierten vielmehr mit einer bestimmten Produktlebensdauer.
Problematisch sei die mangelnde Transparenz für die Verbraucherinnen und Verbraucher. Man sehe dem Produkt nicht an, für welche Lebensdauer es konzipiert worden sei. Das Umweltbundesamt fordert eine Kennzeichnung, die die voraussichtliche Lebensdauer eines Geräts in Nutzungsstunden angibt. Außerdem müssten Geräte repariert werden können. [mawi]

 

12.02.2016

Paläontologie Forscher finden Insekten in 100 Millionen Jahre altem Bernstein

US-amerikanische Forscher haben in Bernsteinen aus Myanmar, die etwa 100 Millionen Jahre alt sind, mehrere sozial lebende Insekten entdeckt, darunter Termiten und Ameisen.Die ältesten bislang gefundenen Termiten sind etwa 20 Millionen Jahre alt. Die soziale Kastenstruktur der Termiten und Ameisen entstand demnach vor mindestens 100 Millionen Jahren, und damit deutlich früher als bislang angenommen. Die Studie ist im Fachblatt "Current Biology" erschienen. [Jst]

Raumfahrt „Philae" fällt in ewigen Winterschlaf

Der Landeroboter „Philae" hat seine Mission auf dem Kometen „Tschuri" beendet. Forscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt DLR gehen davon aus, dass sich das Mini-Labor wahrscheinlich nicht mehr melden werde. Die Wissenschaftler würde auch keine Kommandos mehr senden, erklärte DLR-Projektleiter Stephan Ulamec. „Philaes" Energie reiche nicht mehr aus und die Elektronik sei zu kalt. Die europäische Raumsonde „Rosetta" hatte den Landeroboter im November 2014 nach zehnjähriger Reise auf dem Kometen abgesetzt. „Philae" gelangte aber an eine schattige Stelle und konnte weniger Sonnenenergie tanken als geplant. Trotzdem war es den Wissenschaftlern möglich, 60 Stunden lang Daten von „Philae" zu übertragen. [Jst]

Energiewirtschaft Ein Gasleck in den USA scheint wieder unter Kontrolle.

Wie das verantwortliche Unternehmen Southern California Gas mitteilte, habe man ein Gasleck bei Los Angeles wieder unter Kontrolle. Das Bohrloch müsse jetzt mit Zement dauerhaft abgedichtet werden. Seit Ende Oktober 2015 war aus dem Leck unkontrolliert Erdgas ausgetreten. Tausende Menschen mussten ihre Häuser verlassen, nachdem Klagen über Kopfschmerzen, Nasenbluten und Übelkeit laut geworden waren. [Jst]

Zoologie Forscher haben geklärt, wie Wespen den Weg zurück zum Nest finden

Wenn Wespen ihr Nest verlassen, dann fliegen sie erst einige Male dorthin zurück, bevor sie auf Nahrungssuche gehen. Schon lange ist bekannt, dass sie diese "Lernflüge" stets in der gleichen Form fliegen, und zwar in immer größer werdenden Bögen vom Nest weg. Wenn sie von der Futtersuche zurückkommen, fliegen sie ähnliche Bögen, bevor sie ihr Nest wieder erreichen.

Jetzt haben Forscher aus Deutschland und Australien herausgefunden, wie die Wespen den Weg zurück zum Nest finden. Sie haben die Insekten in Australien mit Hochgeschwindigkeitskameras gefilmt und ihre Flugrouten am Computer ausgewertet. Demnach schießen Wespen ein mentales Foto ihres Nestes und der Umgebung, wenn sie in einem Bogen darüber fliegen. Sie speichern dann ihre Position und die Richtung zum Nest ab. Kommen sie von der Nahrungssuche zurück und deckt sich die Umgebung mit der eines abgespeicherten Fotos, können sie die Richtung zum Nest rekonstruieren. Landmarken am Boden, wie etwa Felsen, helfen bei der Orientierung. Die Studie ist im Fachmagazin "Current Biology" erschienen. [Jst]

 

Geologie Wasserspeicher der Erde bremsen Meeresspiegelanstieg

Zu diesem Schluss kommt ein internationales Forscherteam im Fachmagazin "Science". Die Wissenschaftler haben Satellitendaten der Jahre 2002 bis 2014 ausgewertet. Demnach habe es in der letzten Dekade mehr Niederschläge an Land gegeben als davor. Diese wurden dann von den Wasserspeichern der Erde, vor allem im Grundwasser, aufgenommen. Hauptsächlich dadurch seien die Meeresspiegel jährlich nur um 2,4 Millimeter angestiegen. Ohne diesen Effekt des Wasserspeicherns an Land hätte der Anstieg 3,2 Millimeter betragen.

Die Forscher machen klar, dass diese Wasserspeicherkapazität den Meeresspiegelanstieg nicht merklich abmildern kann. Komplexe klimatische Zusammenhänge könnten in Zukunft dazu führen, dass die Meeresspiegel wieder schneller ansteigen als in der Vergangenheit. [Jst]

11.02.2016

Pestizide In Muttermilch ist kein Glyphosat nachweisbar

Das ist das Ergebnis einer Studie, die das Bundesinstitut für Risikobewertung, kurz BfR, bei zwei unabhängigen Forschungslaboren in Auftrag gegeben hat. Die Untersuchung ist im „Journal of Agricultural and Food Chemistry" erschienen. Insgesamt wurden dafür mehr als 100 Muttermilchproben aus Bayern und Niedersachsen mit unterschiedlichen Chromatografie-Analyseverfahren auf Rückstände des Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffs untersucht. Im Juni 2015 hatte eine Untersuchung im Auftrag der Grünen mit anderer Methodik besorgniserregende Glyphosat-Konzentrationen in 16 Muttermilchproben gefunden. Das hatte zu einer Debatte über die Sicherheit des Stillens geführt. [lp]

Quelle: BfR / J of Agricultural and Food Cemistry DOI: 10.1021/acs.jafc.5b05852

Klimaforschung Plankton hilft beim Versenken von Kohlenstoff aus der Atmosphäre

Dass Ozeane als Kohlenstoffsenke fungieren und damit der Klimaerwärmung entgegen wirken, ist bekannt. In einer „Nature"-Studie schreiben Forscher nun, dass winzige, Photosynthese-betreibende Vertreter des Phytoplanktons eine wichtige Rolle dabei spielen, Kohlenstoff aus der Luft aufzunehmen und in der Tiefsee zu deponieren. Die Forscher führten dafür genetische Analysen und Berechnungen zum Sinkverhalten der strömungsabhängigen Organismen durch. Bei der Verteilung des Kohlenstoffs im Meer spielen auch Viren im Plankton eine Rolle. Dort wo sie Blaualgen – ein Vertreter des Phytoplanktons – befielen, änderte sich das Muster des absinkenden Kohlenstoffs. Die Daten der Studie wurden während der Tara Oceans Expedition zwischen 2009 und 2013 gesammelt, bei der mehr als 200 Forscher in See gestochen waren. [lp]

Quelle: Nature http://nature.com/articles/doi:10.1038/nature16942

Virologie Das Zika-Virus hängt mit Mikrozephalie zusammen

Das ist das Fazit eines Teams slowenischer Mediziner im „New England Journal of Medicine". Der Verdacht, dass mit dem Virus infizierte Mütter häufiger Babys mit sehr kleinen, fehlgebildeten Schädeln gebären, besteht schon länger. Die Studie liefert nun einen konkreten Hinweis dafür. Die Forscher untersuchten den Fall einer Frau, die während der Schwangerschaft in Brasilien unter Zika-typischen Symptomen wie Fieber und Hautausschlag gelitten hatte. Nachdem bei ihrem Fötus Mikrozephalie festgestellt worden war, bat sie um Abbruch der Schwangerschaft. Bei einer Autopsie wurde daraufhin das Zika-Virus im Gehirn des Fötus nachgewiesen. Mittlerweile ist der Erreger in mehr als 30 Ländern verbreitet, besonders in Zentral- und Südamerika sowie der Karibik. Übertragen wird er von Mücken. Anfang Februar hatte die Weltgesundheitsorganisation den globalen Gesundheitsnotstand wegen der Ausbreitung des Virus erklärt. [lp]

Quelle: New Engl J of Med DOI: 10.1056/NEJMoa1600651

Forschung Freier Daten-Austausch soll den Kampf gegen Zika und Ebola erleichtern

Wenn die öffentliche Gesundheit durch Infektionskrankheiten international gefährdet ist, sollen wissenschaftliche Informationen sofort zugänglich gemacht werden um gegenzusteuern. Das ist die zentrale Botschaft eines Statements, das gestern Abend öffentlich wurde. Unterzeichner sind unter anderem Förderorganisationen wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die Bill und Melinda Gates-Stiftung sowie zahlreiche wissenschaftliche Fachmagazine. Die Magazine, darunter „Science" und „Nature", verpflichten sich, alle Studien zum Zika-Virus frei zugänglich zu machen. Die unterzeichnenden Förderorganisationen wollen Forscher auffordern, relevante Daten im Notfall künftig so schnell und so breit wie möglich zu teilen. [lp]

Quelle: Science/Nature http://nature.com/articles/doi:10.1038/530129a

Medikamente Forscher entwickeln ein Nanopartikel-Präparat gegen Krebs

Ziel der Nanomedizin ist es, Wirkstoffe in winzigen Partikeln zielgenau an einem spezifischen Ort im Körper wirken zu lassen. In der aktuellen Ausgabe von „Science Translational Medicine" stellen Mediziner ein Nanopartikel-Präparat vor, das sich bei Mäusen mit Lymphdrüsenkrebs als effizient und verträglich erwiesen hat. Bei dem Medikament handelt es sich um einen Hemmstoff, der den Zyklus von Krebszellen stört, aber auch für gesundes Gewebe giftig ist. Die Forscher entwickelten spezielle Nanokapseln, die die toxische Arznei erst direkt am Tumor der Nager und langsam freisetzten. Die Behandlungsmethode bremste das Krebswachstum effizienter und mit weniger Nebenwirkungen als die freie Verabreichung des Wirkstoffs, schreiben die Forscher. [lp]

 

Quelle: Sci Trans Med 10.1126/scitranslmed.aad235

Anthropologie Der Glaube könnte Menschen geselliger gemacht haben

Mit Beginn des Ackerbaus nahmen Kooperation und Komplexität menschlicher Gesellschaften zu. Ein internationales Forscherteam liefert jetzt in „Nature" eine mögliche Erklärung: Den Glauben an eine allwissende und strafende Gottheit. Der stärke offenbar Vertrauen und Fairness auch gegenüber entfernt lebenden Menschen derselben religiösen Überzeugung und könnte so prosoziales Verhalten gestärkt haben. Mit einem spieltheoretischen Ansatz untersuchten die Forscher das Verhalten von knapp 600 Menschen aus unterschiedlichen Weltregionen mit unter-schiedlichen Glaubensvorstellungen. Dabei zeigte sich: Je stärker die Teil-nehmer ihren Gott als wissend und strafend einstuften, desto mehr Geld gaben sie Fremden desselben Glaubens in ökonomischen Spielsituationen. Dabei war tatsächlich der Glaube an eine übernatürliche Strafe maßgeblich, nicht die Aussicht auf eine Belohnung, berichten die Wissenschaftler. [lp]

 

Quelle: Nature http://nature.com/articles/doi:10.1038/nature16980

10.02.2016

Biologie Cyanobakterien nehmen Licht wahr

Cyanobakterien formen sich zu einer Linse und können damit Licht wahrnehmen. Das haben Biologen der Universität Freiburg herausgefunden und berichten darüber im Fachblatt "eLife". Zuvor war unklar, ob und wie die urtümlichen Bakterien überhaupt Helligkeit wahrnehmen können.

Nun beobachteten die Forscher, dass sich Cyanobakterien gezielt einer Lichtquelle nähern. Demnach benutzen die runden Einzeller ihre äußere Hülle als eine Art Linse, die das Licht auf der gegenüberliegenden Zellenseite bündelt.

Von diesem Brennpunkt bewegen sich die Bakterien dann weg und somit präzise auf die Lichtquelle zu. [mst]

 

Quelle: eLife (10.7554/eLife.12620)/idw

Erderwärmung Sonne und Kohlendioxid bedrohen Planeten gleichermaßen

Wissenschaftler des "Max-Planck-Instituts für Meteorologie" haben die langfristige Bewohnbarkeit der Erde untersucht. Dazu entwickelten sie ein dreidimensionales Atmosphärenmodell, welches sie im Fachblatt "Nature Communications" vorstellen.Demnach bedroht ein durch Kohlendioxid verursachter Strahlungsantrieb die Bewohnbarkeit erdähnlicher Planeten wie eine vergleichbare Erhöhung der solaren Einstrahlung.

Die Daten legen nahe, dass der derzeitige Zustand der Erde in mehreren zehn bis einigen hunderten Millionen Jahren in einem Klimaübergang enden wird, der ein neues stabiles Klima mit global gemittelten Bodentemperaturen über 60 Grad Celsius bringt.

Das neue Klima ist gegenüber weiteren Strahlungsantrieben stabil, was nahelegt, dass ein Planet dieses Klima für eine sehr lange Zeit beibehalten kann.

Der Planet würde über einen Zeitraum von hunderten Millionen bis zu einigen Milliarden Jahren unbewohnbar bleiben, so die Forscher. [mst]

Quelle: Nature Communications 7, 10627 (2016); doi:10.1038/ncomms10627

Reaktorforschung Auch Chinas Fusionsreaktor stellt Plasma her

Damit sei das Plasma fast drei Mal so heiß gewesen wie das Innere der Sonne.

Bei dem Experiment kam ein ringförmiger Reaktor zum Einsatz, um Wasserstoff auf extreme Temperaturen zu erhitzen. Mittels Magnetfelder wurde das Plasma von den Reaktorwänden ferngehalten – genau wie in Greifswald.

Strom wurde bei dem Versuch noch nicht gewonnen. [mst]

Quelle: South China Morning Post, 5. Feb 2016

Medizin In Deutschland gibt es immer mehr Zwillinge

Die Zahl der Zwillingsgeburten hat sich in den reichen Ländern seit 1975 nahezu verdoppelt. Das notieren Wissenschaftler des französischen Forschungsinstitut Ined im Fachblatt "Population and Development Review". So stieg in Deutschland die Zahl von 9,2 pro tausend Geburten im Jahr 1975 auf 17,4 im Jahr 2011.

Die Studienautoren führen den Anstieg auf den zunehmenden Einsatz von künstlicher Befruchtung seit den 1970er Jahren zurück. Dabei steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es mehrere Föten bei einer Schwangerschaft gibt.

Ebenso stieg die Zahl der Zwillingsgeburten in den USA von 9,5 auf 16,9, in Großbritannien von 9,9 auf 16,1, in Frankreich von 9,3 auf 17,4, in Dänemark von 9,6 auf 21,2 und in Südkorea von 5,0 auf 14,6.

Zwillingsgeburten sind ein Risiko für die Mütter, zudem werden diese Zwillinge häufiger verfrüht geboren, haben meist ein geringeres Geburtsgewicht und sterben eher in der Kindheit. [mst]

Quelle: Pison et al., Population and Development Review: 41, 629-649.

Klimaforschung In Australien gibt es immer mehr große Buschfeuer

In den vergangenen fünf Jahren hat sich die Frequenz der Brände in Australien um 40 Prozent erhöht. Das berichten Wissenschaftler der staatlichen Forschungsorganisation CSIRO.

Um herauszufinden, ob und wie die wiederkehrenden Feuer mit dem Klimawandel zusammenhängen, haben die Forscher ein lernfähiges Analyseprogramm entwickelt, schreiben sie im britischen Fachblatt "Royal Society Open Science".

Darin flossen Daten zu Bränden und Klimadaten der vergangenen acht Jahre ein.

Die Studienautoren wollen mithilfe dieser Daten präzise Vorhersagemodelle für das Auftreten der Buschfeuer erstellen.

Demnach schaffte es das Programm bei ersten Tests, aus den Klimadaten Hot-Spots drohender Buschfeuer mit einer Genauigkeit von 91 Prozent zu prognostizieren. [mst]

Quelle: R Soc open sci (10.1098/rsos.150241)

Erdbeben In Chile bebte die Erde

Gestern Abend hat ein Erdbeben der Stärke 6,3 den Norden Chiles erschüttert. Nach Angaben des United States Geological Survey (USGS) lag das Zentrum des Bebens knapp 330 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Santiago de Chile in einer Tiefe von 31,5 Kilometern. Berichte über größere Schäden oder Opfer gibt es bisher nicht.

Chile liegt am pazifischen Feuerring, diese Region gilt als besonders erdbebengefährdet. Grund ist eine Kette von Vulkanen und seismologisch aktiven Gebieten, die den pazifischen Ozean umgeben.

Das letzte starke Erdbeben in Chile ereignete sich 2010 und hatte eine Stärke von 8,8. Dabei kam es zu einem Tsunami. Bei der Katastrophe starben mehr als 500 Menschen. [mst]

Quelle: United States Geological Survey

Schlafforschung Blitze sollen Jetlag verhindern

Mediziner der Universität von Standford stellen im "Journal of Clinical Investigation" eine Methode vor, mit der sie präventiv einen Jetlag verhindern können. Dies gelang, indem sie bei Probanden die innere Uhr im Vorhinein auf den neuen Rhythmus eichten. Dazu hatten sie die Studienteilnehmer in der Nacht vor dem Flug nach dem Einschlafen je eine Stunde lang entweder einem hellen Dauerlicht ausgesetzt oder einem Wechsel von zwei Millisekunden langen Blitzen und zehn Sekunden Dunkelheit. Am folgenden Tag ermittelten die Forscher, wann die abendliche Müdigkeit bei den Probanden einsetzte.

Die Teilnehmer, die den Blitzen ausgesetzt waren, wurden zwei Stunden später müde als an den Tagen zuvor. Auch der Spiegel des Schlafhormons Melatonin stieg bei ihnen später und langsamer an.

Obwohl sie das Flackerlicht nicht bemerkt hatten und ungestört weiterschliefen, hatten die Blitze den Tag-Nacht-Rhythmus verändert.

Mithilfe dieser Methode könnte nicht nur Menschen geholfen werden, die unter Jetlag leiden, sondern auch jenen, die in Wechselschichten arbeiten, hoffen die Forscher. [mst]

Quelle: The Journal of Clinical Investigation (10.1172/JCI82306)

09.02.2016

Biologie Blutsauger geben genetische Geheimnisse preis

Zecken ernähren sich parasitisch, indem sie das Blut ihrer Wirte saugen. Dabei übertragen sie Krankheitserreger – bei Menschen besonders oft Bakterien, die Lyme-Borreliose auslösen. Ein großes, internationales Forscherteam hat nun das Genom der in den USA verbreiteten, Borreliose-übertragenden Hirschzecke entschlüsselt und stellt es in "Nature Communications" vor. Die Erbgut-Daten geben Einblicke, welche Proteine an der Übertragung verschiedener Krankheitserreger beteiligt sind. In Zukunft könnten Forscher dieses Wissen nutzen, um Gegenmittel zu entwickeln. Zecken übertragen eine größere Vielfalt an Erregern als alle anderen blutsaugenden Gliederfüßer. Durch die so ausgelösten Krankheiten sterben jedes Jahr tausende Menschen und Tiere. [lp]

Klima In 10.000 Jahren könnte der Meeresspiegel 50 Meter höher liegen

Diese Prognose wagen Forscher in "Nature Climate Change". Verantwortlich sei der menschengemachte Klimawandel, der vor allem die Eismassen in Grönland und der Antarktis schmelzen ließe. Selbst wenn Klimaschutz-Maßnahmen in diesem Jahrhundert greifen, sei die Wirkung des bereits entlassenen Treibhausgases CO2 noch Jahrtausende lang zu spüren, warnen die Forscher. Für ihre Vorhersagen modellierten sie Szenarien, in denen sie die voraussichtlichen CO2-Emissionen bis 2300 variierten. Zusätzlich flossen Daten zum Zusammenspiel von CO2-Konzentration, Meeresspiegel und Temperatur aus den vergangenen 20.000 Jahren ein. Je nach Szenario steigt der Meeresspiegel in den kommenden 10.000 Jahren dabei um gut 20 bis 50 Meter an. Länder wie Bangladesh und die Niederlande würden dann großflächig überflutet. [lp]

Quelle: Nature

Zoologie  Haie haben 2015 so oft attackiert wie nie zuvor

Nach einem Bericht der Universität Florida kam es im vergangenen Jahr zu knapp 100 unprovozierten Angriffen auf Menschen. Sechs davon endeten tödlich. Die meisten Fälle wurden in den USA, Australien und Südafrika verzeichnet. Allein 30 Angriffe gab es im US-Bundesstaat Florida. Die Forscher machen vor allem das weltweite Bevölkerungswachstum und die zunehmende Begeisterung für Wassersport für die steigende Zahl der Zwischenfälle verantwortlich. Surfer wurden besonders oft attackiert. Insgesamt seien fatale Hai-Angriffe erstaunlich selten, schreiben die Forscher. 2015 starben zum Beispiel mehr Menschen durch Spinnenbisse oder Blitze. In Zukunft könnten Angriffe durch die Erwärmung der Meere allerdings weiter zunehmen, weil sich dadurch die Badesaison verlängert. Der bisherige Rekordwert für Hai-Angriffe stammt aus dem Jahr 2000 und lag bei 88. Damals starben elf Menschen durch die Attacken. [lp]

Psychologie Schlafentzug lässt Menschen falsche Geständnisse ablegen

Darauf weist eine Studie im Fachmagazin "PNAS" hin. US-Psychologen hatten knapp 90 Studenten Aufgaben am Computer gegeben. Dabei wurden jene mehrfach gewarnt, dass das Drücken der "Escape"-Taste zu Datenverlust führe. Danach durfte die eine Hälfte im Labor schlafen, die andere blieb wach. Am Morgen sollten alle ein Formular unterschreiben, das fälschlich behauptete, sie hätten die Taste gedrückt. Die Hälfte der unausgeschlafenen Studenten unterschrieb – während es bei den ausgeschlafenen nur 18 Prozent waren. Die Psychologen warnen vor Falschaussagen, die bei Verhören durch Schlafmangel entstehen könnten. Schätzungen zufolge beruht bis zu ein Viertel der fehlerhaften Verurteilungen in den USA auf falschen Geständnissen. [lp]

Quelle: PNAS

Biologie Forscher begeben sich auf neuronale Spur des Seufzens

Menschen seufzen spontan etwa zehn Mal pro Stunde, Nagetiere sogar dutzende Male. Biologen aus Kanada und den USA haben nun offenbar den Schaltkreis im Gehirn entdeckt, der den tiefen, langen Atmern zu Grunde liegt. Das Fachmagazin "Nature" präsentiert die Studie online. In Laborexperimenten mit Ratten identifizierten die Forscher zwei parallele Bahnen aus einigen Hundert Nervenzellen im Atemzentrum. Blockierten sie in diesem Bereich bestimmte Botenstoffe, seufzten die Tiere weniger oder gar nicht mehr. Andere Aspekte des Atmens wurden dabei nicht beeinflusst. Spontanes Seufzen dient vermutlich dazu, regelmäßig auch die kleinen Luftbläschen der Lunge zu füllen. Beim Menschen wird Seufzen außerdem mit Erschöpfung oder Erleichterung in Verbindung gebracht. Künftige Studien sollen nun mehr darüber verraten, welche körperlichen und emotionalen Ursachen normales Atmen in Seufzen verwandeln. [lp]

Quelle: Nature

Robotik Roboter-Kakerlaken könnten als Katastrophenhelfer dienen

Und zwar um nach Überlebenden in Schutthaufen zu suchen, schreiben Biologen im Fachmagazin "PNAS". Entscheidendes Vorbild für die Technik ist dabei das Exo-Skelett der Insekten: einzelne starre, aber gegeneinander bewegliche Platten. So eine Konstruktion ermögliche es, auch durch kleinste Öffnungen zu gelangen.

In Experimenten mit einem Hindernis-Parcour zeigte sich: Kakerlaken können in Sekundenbruchteilen durch winzige Spalten schlüpfen, indem sie ihr Exo-Skelett auf die halbe Größe zusammenpressen. Auch zusammengedrückt in engen Passagen bewegten sich die Tiere erstaunlich schnell fort. Außerdem überlebten sie unverletzt Kräfte, die das 900-Fache ihres Gewichts betrugen.

Inspiriert von ihren Experimenten, konstruierten die Forscher den Prototyp eines Handteller-großen Roboters, der sich auf halbe Größe komprimieren lässt und eine reibungsarme Oberfläche aufweist. [lp]

Quelle: PNAS

MO DI MI DO FR SA SO
1 2 3 4 5 6 7
8 9 10 11 12 13 14
15 16 17 18 19 20 21
22 23 24 25 26 27 28
29 1 2 3 4 5 6

Forschung Aktuell

Computer und Kommunikation

Sternzeit

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk