Donnerstag, 21.11.2019
 
01.04.2010

Klimaforschung Britische Klimaforscher haben Daten "nicht" manipuliert.

Zu diesem Schluss kommt ein britischer Parlamentsausschuss. Er hat sich jetzt mit der Causa Phil Jones befasst. Im vergangenen November waren dem Klimaforscher Phil Jones und seinen Kollegen von der University of East Anglia zahlreiche E-Mails und Dokumente abhanden gekommen und anschließend veröffentlicht worden. Nach dem Datenklau gerieten die Forscher unter Fälschungsverdacht. Dafür aber gebe es keinerlei Hinweise, entschied der britische Parlamentsausschuss. Er rügte allerdings erneut, dass die betreffenden Klimaforscher sich fortwährend weigern, ihre Daten anderen zur Verfügung zu stellen. //[tj]//

Medizin Möglicherweise gibt es bald ein neues Medikament gegen die Schlafkrankheit.

Im Fachmagazin "Nature" berichten britische Forscher, dass sie einen Wirkstoff entwickelt haben, der die Parasiten im Körper eines Erkrankten abtötet. In Versuchen mit Mäusen gelang es, die Tiere von der Schlafkrankheit zu heilen. Nebenwirkungen traten dabei kaum auf. Die Entdeckung könnte besonders für Menschen in Afrika lebensrettend werden. Bislang gibt es nur zwei Medikamente gegen die Schlafkrankheit. Das eine ist extrem teuer und das andere führt zu schweren Nebenwirkungen. Die britischen Forscher wollen den neuen, preiswerten Wirkstoff innerhalb der kommenden 18 Monate für klinische Tests an Menschen bereitstellen. //[tj]//

Quelle: Nature

Genetik Eine Genmutation könnte zur Schizophrenie-Krankheit führen.

Die Genmutation stört die Kommunikation zwischen zwei Gehirnarealen, die für das Gedächtnis zuständig sind: den Hippocampus und den präfrontalen Cortex. Zu diesem Ergebnis kommt eine US-amerikanische Studie, die im Fachjournal "Nature" veröffentlicht ist. Bei Mäuseexperimenten ließ sich zeigen, dass im Normalfall Hippocampus und präfrontaler Cortex zusammenarbeiten. Diese Kommunikation funktionierte dann nicht richtig , wenn eine bestimmte Genmutation vorhanden war: Sie ist als Mikrodeletion 22q11 bekannt und gilt als zweihäufigster Gendefekt beim Menschen. Bei Mäusen führte der Defekt zu Schizophrenie-Symptomen. Ob die Entdeckung auf den Menschen übertragbar ist, müssen die Forscher allerdings noch herausfinden. //[tj]//

Quelle: Nature

Genetik Das Erbgut der Zebrafinken ist entschlüsselt.

Wenn Zebrafinken zwitschern, dann sind mehr als 800 Gene beteiligt. Das schreibt ein internationales Forscherteam in "Nature". Der Zebrafink ist - nach dem Huhn – jetzt der zweite Vogel, dessen Genom vollständig entschlüsselt ist. Dabei stellten die Forscher fest, dass die Genome beider Vögel in Grundaufbau und Struktur recht ähnlich sind, obgleich sich ihre Entwicklungswege schon von 100 Millionen Jahren trennten. Viele der festgestellten Unterschiede scheinen dabei mit der Evolution des Gesangs zusammenzuhängen. Zebrafinken tauschen sich aktiv über ihr Zwitschern aus. Zum Erstaunen der Wissenschaftler gehören viele der gefundenen Gene zu den so genannten "nicht-codierten" Genen. Vor einigen Jahren war man noch davon ausgegangen, dass die nicht-codierten Gene als "genetischer" Müll anzusehen sind, die keine wichtigen Funktionen besitzen. //[tj]//

Quelle: Nature

Astronomie Nicht nur ein Schwarzes Loch sorgt für Geschwindigkeit im All.

Einige Sterne unserer Galaxie rasen mit der kaum vorstellbaren Geschwindigkeit von zwei Millionen Kilometern pro Stunde durchs All. Ihre Beschleunigung verdanken sie aber nicht zwangsläufig einem schwarzen Loch – wie bislang angenommen. Wissenschaftler von der Universität Erlangen-Nürnberg haben anhand eines neu entdeckten superschnellen Sterns nachgewiesen, dass es weitere Faktoren gibt wie ein explodierender Doppelstern oder der Zusammenprall mit einem anderen Stern. //[tj]//
31.03.2010

Umweltschutz Im US-Staat Vermont haben radioaktive Substanzen den Boden verseucht.

Nach Angaben von Gesundheitsbehörden ist auf dem Gelände des Kraftwerks Vermont Yankee radioaktives Cäsium-137 nachgewiesen worden. Es gebe jedoch keine Hinweise, dass die Substanz ins Grundwasser gelangt sei. Das Leck in unterirdischen Leitungen sei mittlerweile behoben. Cäsium-137 ist ein Produkt der Kernspaltung und kann krebserregend wirken. Erste Spuren waren bereits im Februar entdeckt worden. Die Betreiber führten dies auf US-Atomwaffentests in den 50er- und 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts zurück. Die Regierung Vermonts erklärte, dass die nun ermittelte Cäsium-137-Konzentration drei bis zwölf Mal höher sei, als es aufgrund der Atomwaffentests zu erwarten wäre. Daher sei es wahrscheinlich, dass diese Substanz aus Quellen stammt, die mit dem betreffenden Reaktor zusammenhängen. Die Erde um den Reaktor soll nun abgetragen und als radioaktiver Abfall entsorgt werden. //[mst]//

Quelle: http://healthvermont.gov/enviro/rad/yankee/tritium.aspx

Biologie Kröten sollen Erdbeben wittern können.

Bereits fünf Tage vor dem Erdbeben in L'Aquila im Frühjahr 2009 verließen plötzlich 96 Prozent der Erdkröten-Männchen die Brutplätze. Das ist das Ergebnis einer Studie von Forschern aus London, die im "Journal of Zoology" erscheint. Drei Tage vor den Erdstößen fanden die Forscher kein einziges Erdkröten-Paar mehr an dem Paarungsort, der 74 Kilometer vom Epizentrum des Bebens entfernt lag. Die Forscher können Einflüsse wie etwa Mondphasen oder Wetterbedingungen für das ungewöhnliche Verhalten ausschließen. Sie vermuten einen Zusammenhang mit Störungen der obersten elektromagnetischen Schicht der Erdatmosphäre. Solche Prozesse könnten durch aus der Erde austretendes Radongas entstehen, welches die Kröten zur Flucht veranlasste. Bei dem Erdbeben am 6. April 2009 kamen fast 300 Menschen ums Leben. [mst]

Quelle: AlphaGalileo

Medizin Zu wenig Sonnenlicht kann Blasenkrebs verursachen.

Diesen Zusammenhang haben Mediziner aus Kalifornien festgestellt, nachdem sie bei einer Studie die Daten von Blasenkrebspatienten aus 174 Ländern verglichen haben. Demnach hatten Länder höherer Breitengrade mehr registrierte Blasenkrebsfälle als Länder in Äquatornähe. Wie die Forscher im "American Journal of Preventive Medicine" berichten gebe es eindeutige Hinweise, dass ein Vitamin-D-Mangel zu erhöhten Blasenkrebsraten führen kann. Vitamin D wird in der Haut mithilfe von UVB-Strahlen gebildet. //[mst]//

Quelle: American Journal of Preventive Medicine

Paläontologie Die letzten Mammuts sind schnell ausgestorben.

Zu diesem Schluss kommt ein internationales Genetikerteam im Fachblatt "Proceedings of the Royal Society". Noch vor 3700 Jahren lebten die letzten der heute ausgestorbenen Mammuts isoliert auf der westsibirischen Wrangelinsel. Bislang gingen Experten davon aus, dass Erbkrankheiten die Ursache für ihren Untergang sein könnten. Erbgutanalysen von 36 Tieren zeigten jedoch, dass trotz einer 5000-jährigen Isolation die geringe genetische Vielfalt nicht die Ursache des Aussterbens sein kann. Als Auslöser für das Aussterben komme daher nur eine plötzliche Katastrophe infrage wie etwa ein rascher Klimawechsel oder die Einwanderung des Menschen auf der 7600 Quadratkilometer großen Insel im arktischen Ozean. //[mst]//

Paläontologie Ötzi wurde gefriergetrocknet.

Dies sei der Grund, warum die 5300 Jahre alte Gletschermumie so gut erhalten sei, berichten Forscher der Ludwig-Maximilians-Universität München in den Mitteilungen der britischen Royal Society. Sie hatten drei Hautproben des Leichnams untersucht. Dabei sahen sie, dass das Kollagen in der Haut extrem ausgetrocknet war. Die Fasern des Strukturproteins verleihen der Haut normalerweise Zugfestigkeit und Flexibilität. Bei Ötzi war das Bindegewebematerial jedoch relativ steif. Grund sei ein schneller Wasserentzug. Die dehydrierte Haut konnte so ihre Schutzfunktion erhalten und das Gewebe vor Zersetzung durch Mikroorganismen und andere biologische Einflüsse bewahren. Demnach muss der Körper des Jägers aus der Jungsteinzeit nach dem Tod sehr schnell von Eis bedeckt worden sein. //[mst]//

Genetik Ein Selbstheilungsgen könnte der Stammzellforschung helfen.

Verliert ein Plattwurm einen Teil seines Körpers, regeneriert er sich nicht nur, aus dem amputierten Glied entwickelt sich ebenso ein neues Tier. Welcher Mechanismus dahinter steckt, war bislang unklar. Forscher des Max-Planck-Instituts für molekulare Biomedizin in Münster sind dem Geheimnis des Tieres nun einen Schritt näher gekommen. Im Fachjournal "Development "schreiben sie, dass das Gen Smed-SmB bei der Regeneration eine Schlüsselrolle spielt. Unterdrückten sie im Labor die Produktion des auf Smed-SmB zurückgehenden Proteins im Plattwurm, konnten sich die Tiere nicht mehr wiederherstellen. Das betreffende Gen kommt in ähnlicher Form auch beim Menschen vor. Die Forscher hoffen, dass diese Erkenntnisse die Stammzellforschung weiter voranbringen können. //[mst]//

Quelle: DOI: 10.1242/dev.042564

30.03.2010

Justiz Ein Gericht in New York hat grundsätzlich bezweifelt, dass sich menschliche Erbanlagen patentieren lassen.

Der Bezirksrichter Robert Sweet annullierte gestern die Patente des US-Konzerns Myriad Genetics auf zwei Gene, die mit einem erhöhten Krebsrisiko einhergehen. Er erklärte, er halte die DNA-Sequenzen nicht für patentierbar, denn das Unternehmen habe sie nicht erfunden oder etwas an ihrer Funktion geändert. Einer der Kläger, die Bürgerrechtsorganisation ACLU, begrüßte die Entscheidung des Richters. Damit sei nun der Weg geebnet für den freien Gedankenaustausch in der Genomforschung. Einige Biotechnologie-Experten befürchten hingegen, dass durch das Urteil für viele Firmen die Motivation wegfällt, weiter in diese Disziplin zu investieren. //[reu]//

Neurowissenschaft Wer langsam denkt, denkt kreativ.

Wissenschaftler aus New Mexico haben heraus gefunden, dass sich die Gehirne von besonders kreativen Menschen an einer Stelle ähneln: Zwischen dem Präfrontalen Cortex an der Stirnseite des Gehirns und dem tiefer liegenden Thalamus liegt eine Region, in der Nervenreize besonders langsam weiter geleitet werden. Die verzögerte Kommunikation zwischen verschiedenen Gehirnarealen könnte eine wichtige Voraussetzung für kreatives Denken sein, vermuten die Forscher im Journal "PLoS ONE". Abwegige Gedanken könnten so zusammengebracht werden, und neue Ideen könnten entstehen. //[reu]//

Zoologie Elefanten laufen mit Vierfußantrieb.

Hinter- und Vorderbeine sind bei Elefanten gleichermaßen dafür zuständig, das Tier zu beschleunigen und abzubremsen. Das ist ungewöhnlich, weil es bei den meisten Vierfüßern eine klare Aufgabenverteilung gibt: Die Hinterläufe sorgen hauptsächlich für die Beschleunigung, die Vorderläufe für das Abbremsen. Dass der Gang bei Elefanten anders funktioniert, haben nun Wissenschaftler aus London entdeckt. Sie hatten sechs Asiatische Elefanten gefilmt, während die Tiere über spezielle Plattformen liefen, mit denen sich biomechanische Werte messen lassen. Die Auswertung ergab, dass die Dickhäuter ihre Beine ähnlich einsetzen wie ein Allradantrieb bei einem Auto. Das berichten die Forscher heute im Fachblatt "PNAS". //[reu]//

Zoologie Das Lachen der Hyänen ist ihre Visitenkarte.

Mit ihren charakteristischen Lachlauten verrät die Tüpfelhyäne ihr Alter, ihre Position im Rudel und ihre Identität. Das haben Wissenschaftler aus Kalifornien herausgefunden, die in einem Rudel von rund 30 Tieren knapp 700 Lautäußerung untersucht haben. Verschiedene Eigenarten des Lachens transportieren verschiedene Informationen. Durch die Tonhöhe offenbart eine Hyäne ihr Alter. Variationen in der mittleren Frequenz verraten, ob ein Mitglied der Gruppe eine dominante oder untergeordnete Rolle spielt. In der Klangfarbe definiert eine Hyäne ihre Individualität. Solch eine Kommunikation ist bisher vor allem bei Vögeln und Primaten beobachtet worden. //[reu]//

Neurowissenschaft Moral sitzt hinter dem rechten Ohr.

Davon sind amerikanische Neurowissenschaftler überzeugt, die ein Gehirnareal an dieser Stelle mithilfe von Magnetfeldern ausgeschaltet haben. Die rechte temporoparietale Übergangsregion sei dafür verantwortlich, dass sich Menschen in die Absichten und Beweggründe anderer Personen einfühlen können, schreiben die Forscher im Fachblatt "PNAS". Probanden, bei denen die Wissenschaftler das Moralzentrum abgeschaltet hatten, sollten verschiedene Handlungen als gut oder schlecht bewerten. Es zeigte sich, dass sie sich dabei nur noch an den Konsequenzen der Handlung orientierten. Die dahinter steckende Absicht blendeten sie dagegen weitgehend aus. Besonders deutlich wurde das bei der Frage nach der Schuld einer Frau, die jemanden mit Absicht vergiften will, aber irrtümlicherweise ein ungiftiges Mittel wählt, so dass das Opfer unbeschadet überlebt. Die Probanden mit der ausgeschalteten Übergangsregion beurteilten die Täterin deutlich milder als Testpersonen aus einer Vergleichsgruppe. //[reu]//
29.03.2010

Biologie Das Trüffelgenom ist entschlüsselt.

Ein internationales Wissenschaftlerteam hat das Erbgut des wertvollen Perigordtrüffels //Tuber melanosporum// entschlüsselt. Mit 7500 Genen und rund 125 Millionen Basenpaaren handele es sich um das größte sequenzierte Pilzgenom und unterscheide sich deutlich vom Erbgut anderer - mitunter sehr viel weniger wertvoller Schlauchpilze, schreiben die Forscher im Fachblatt "Nature". Der Perigordtrüffel wird auch "Schwarzer Diamant" genannt, wächst vor allem in Frankreich, Italien und Spanien und gilt weltweit als Delikatesse. Insbesondere aus China werden Trüffel-Imitate exportiert, die dem Perigordtrüffel Konkurrenz machen. Zehn typische Erbgutschnipsel sollen in einer Gen-Datenbank registriert werden, um echte Perigordtrüffel künftig sicher identifizieren zu können. //[mawi]//

Biologie Testosteron-Doping hinterlässt Spuren im Körper.

Wissenschaftler am Universitätsklinikum Dresden haben Auswirkungen von Testosteron-Doping auf den Hormonhaushalt bei jungen Bodybuildern untersucht. Sie stellten fest, dass im Hoden der Sportler weniger Inhibin B produziert wurde, wenn sie mit Testosteron gedopt hatten. Die Einnahme von Testosteron bewirke einen deutlichen Abfall des Hormons Inhibin B über einen längeren Zeitraum, berichten die Forscher im "Clinical Journal of Sport Medicine". Mit bisherigen Methoden können nur kurzfristige hormonelle Veränderungen gemessen werden, das neue in Dresden entwickelte Verfahren erfasse eine Art Langzeit-Dopinggedächtnis. Vor allem bei Wettbewerben im Breitensport könne der Test für effektivere Dopingbekämpfung sorgen. //[mawi]//

Botanik Eine neue Tomaten-Kreuzung verspricht reiche, süße Ernte.

Forscher aus den USA und Israel haben zwei Tomatenpflanzen gekreuzt, die genetisch beinahe identisch sind. Eine Pflanze wies aber an einer einzigen Position im sogenannten SFT-Gen eine Veränderung, eine Mutation auf. Das "Single Flower Truss"-Gen ist für die Produktion des Eiweißstoffes Florigen verantwortlich. Die neue Kreuzung produziere mehr Blüten und auch Früchte als herkömmliche Tomatenpflanzen, berichten die Forscher im Fachblatt "Nature Genetics". Zudem habe sich die Pflanze als widerstandsfähig erwiesen: Sie gedieh problemlos sowohl an der Hebräischen Universität in Jerusalem als auch am Cold Spring Harbour Institut bei deutlich niedrigeren New Yorker Temperaturen. Die Forscher wollen jetzt untersuchen, ob entsprechende Kreuzungen bei anderen Nutzpflanzen auch den Ertrag steigern. //[mawi]//

Medizin Ein Antibiotikum kann das Leben von Aids-Patienten verlängern.

Das belegt eine Studie mit 3200 HIV-Infizierten in Uganda und Simbabwe. Die Patienten, deren Immunsystem durch das Aidsvirus stark geschwächt war, begannen eine Medikamenten-Therapie gegen das HI-Virus. Patienten, die zusätzlich zu den Aids-Medikamenten auch das Antibiotikum Cotrimoxazol täglich vorbeugend einnahmen, hatten in den ersten drei Monaten ein um 59 Prozent niedrigeres Risiko zu sterben, berichten britische und französische Mediziner im Fachblatt "The Lancet". Die Mediziner empfehlen, Cotrimoxazol in Afrika zusammen mit der antiretroviralen Therapie einzusetzen, um so Lungenetzündungen und Parasiten-Infektionen wie Toxoplasmose oder Malaria vorzubeugen. Das Medikament verursache wenige Nebenwirkungen, sei preiswert und habe sich als sehr effektiv erwiesen. //[mawi]//

Medizin Ein Implantat gegen die Gicht hat sich bei Mäusen bewährt.

Die Gicht ist eine schmerzhafte Gelenkerkrankung, die durch einen zu hohen Harnsäurespiegel verursacht wird. Ein europäisches Forscherteam um Martin Fussenegger von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich hat einen Bioprozessor zu Behandlung der Krankheit entwickelt. Das Implantat besteht aus drei Komponenten: Ein Sensor misst die Harnsäurekonzentration und alarmiert bei zu hohen Werten einen zweiten Baustein. Dieser regt Zellen an, das Enzym Urat-Oxidase zu produzieren und so den Harnsäurespiegel zu senken. Das von Algengelantine umschlossene Implantat enthalte rund zwei Millionen genetisch veränderte Zellen, habe einen Durchmesser von 0,2 Millimetern und könne jederzeit wieder entfernt werden, berichten die Forscher im Fachblatt "Nature Biotechnology". Erste Versuche mit Mäusen hätten viel versprechende Ergebnisse geliefert: Die Harnsäurekonzentration im Blut der Tiere sei auf ein normales Niveau zurückgegangen und auch die Harnsäurekristalle in den Nieren hätten sich aufgelöst. An Menschen ist das Implantat noch nicht erprobt worden. //[mawi]//

Geografie Der Rhein ist 90 Kilometer kürzer als gedacht.

Aufgefallen ist es einem Kölner Wissenschaftler. Der Biologe Bruno Kremer von der Universität Köln stieß bei Recherchen über den Rhein auf den Fehler. In Schriften aus dem frühen 20. Jahrhundert sei die Länge des Flusses von den Alpen bis zur Nordsee noch mit 1230 Kilometern angegeben worden. In modernen Lexika aber sei nun von 1320 Kilometern die Rede. Ein banaler Zahlendreher hat - irgendwann um das Jahr 1920 - den Rhein länger gemacht, als er wirklich ist. Behörden und Verlage haben bereits angekündigt, fortan die korrekte Rhein-Länge von 1230 Kilometern zu verbreiten. //[mawi]//
26.03.2010

Paläontologie Auch auf der Südhalbkugel der Erde lebten einst Tyrannosaurier.

In der Kreidezeit waren sie die größten Fleischfresser: Tyrannosaurus rex. Fünf Meter hoch, 13 Meter lang und bis zu sieben Tonnen schwer durchstreiften sie die Dinosaurierzeit. Allerdings nur auf der Nordhalbkugel. Im Süden der Erde fanden Paläontologen bis jetzt kein erhaltenes Fossil, weder vom rex, noch von einem Verwandten. Da aus der Kreidezeit gleichmäßig viele Fossilien auf der Welt gefunden wurden, standen die Forscher vor einem Rätsel, warum darunter keine Reste des T rex waren. Wissenschaftler aus Australien konnten jetzt zumindest die Hüfte eines Ahnen dieses Fleischfressers ausgraben. Wie sie im Fachblatt "Science" schreiben, war das Tier allerdings kleiner: Es wurde nur drei Meter hoch, wog 80 Kilogramm, und lebte 40 Millionen Jahre früher. Damit gibt es den Beweis, dass es zumindest Vertreter der Art auch im Süden gab. Warum bis heute keine Exemplare des großen Tyrannosaurus Rex gefunden wurden, erklärt diese Entdeckung jedoch nicht. //[gät]//

Meteorologie Der Monsun trägt Asiens Industrieabgase in die Stratosphäre.

Das schreiben Forscher aus Kanada, den USA und Großbritannien im Fachblatt "Science". Die Wissenschaftler hatten aus Satellitendaten entnommen, dass jedes Jahr zur Monsunzeit der Anteil von Blausäure in den hohen Luftschichten stark zunimmt. Mit Hilfe von Computerberechnungen konnten sie nachweisen, dass dieses Spurengas nur durch die Winde während der Monsunzeit in diese Luftschichten getragen wird. Neben der Blausäure tragen die Aufwinde auch Schadstoffe wie Ruß, Schwefeldioxid oder Stickoxide in die Stratosphäre. Die Partikel verteilen sich rund um den Globus und verweilen dort zum Teil Jahre, so die Forscher. Welche Folgen sie dort haben, sei noch nicht abzuschätzen. //[gät]//

Medizin Aggressive Krebszellen tarnen sich als Lymphknoten.

Die wuchernden Zellen umgeben sich mit einem Gewebe, das weiße Blutkörperchen anzieht, berichten Forscher der École Polytechnique Fédérale de Lausanne in "Science". Die Tarnschicht der Krebszellen besteht dabei aus dem Eiweiß CCL21. Es spielt eine wichtige Rolle beim Wachstum von Organen und aktiviert weiße Blutkörperchen. Die Krebszellen nutzen das Eiweiß jedoch nicht nur zur Tarnung: Sie programmieren die Immunabwehr des Körper so um, dass er die wuchernden Zellen für einen Teil des eigenen Gewebes hält, und nicht mehr angreift. Die Forscher hoffen, ihr Wissen zu Verbesserung von Krebstherapien anwenden zu können. //[gät]//

Ökologie Pflanzen beeinflussen gezielt die Nahrungskette zum eigenen Vorteil.

Davon sind Forscher aus den USA und Japan überzeugt. Die Wissenschaftler weisen in "Science" darauf hin, dass es für Pflanzen drei Wege gibt, sich gegen Fressfeinde zur Wehr zu setzen: Schnelles Wachstum, stachelige Blätter und Substanzen, die Fleischfresser herbeilocken. Seidenpflanzen setzen dabei auf zwei der drei Möglichkeiten: Um sich der Blattläuse zu erwehren, sondern sie einen Stoff ab, der Marienkäfer anlockt. Während die die Blattläuse dezimieren, gedeihen die Seidenpflanzen. Gleichzeitig kurbelt dieser Stoff das Wachstum der Pflanzen an. Die Forscher ziehen aus ihrer Beobachtung den Schluss, dass der Einsatz von Insektiziden in der Landwirtschaft prinzipiell überdacht und auf die Strategien der Pflanzen besser abgestimmt werden sollte. //[gät]//

Informationstechnik Forscher aus Karlsruhe und Frankfurt haben die sparsamste Datenverarbeitung konstruiert.

Der Rechner arbeitet den Angaben der Wissenschaftler des Karlsruhe Instituts für Technologie und der Goethe-Universität in Frankfurt zufolge drei bis viermal sparsamer als der bisherige Rekordhalter der Universität Stanford. Die Forscher erzielten diese Leistung, indem sie auf sparsame Prozessoren aus Netbooks setzten. Die Festplatten ersetzten sie durch Solid State Disks, Festkörperspeicher, die mit deutlich weniger Energie auskommen und die Daten schneller ein- und auslesen sollen als die Platten. Die Forscher vermuten, dass sich in der Computertechnik noch Energie in großem Maße sparen ließe. Forschern der Boston University ist unterdessen der Schritt zu einer noch sparsameren Technik gelungen: Sie setzten auf das mechanische Prinzip, entwickelt von Charles Babbage, im 19. Jahrhundert. Ihr erster logischer Schalter arbeitet allerdings im Nano-Maßstab. Er ist knapp 300 Nanometer klein, und kann durch einen kurzen Stromstoß in einen eindeutigen Zustand versetzt werden. Der Schalter ist zwar langsamer als ein rein elektronischer, verbraucht aber deutlich weniger Energie, schreiben die Wissenschaftler in "Nano Letters". //[gät]//
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