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07.04.2010

Biologie Es geht auch ohne Sauerstoff.

Bislang gingen Forscher davon aus, dass mehrzellige Tiere zumindest nicht während ihres ganzen Lebens ohne Sauerstoff leben können. Italienische Biologen konnten diese Annahme nun widerlegen. Wie sie im britischen Fachblatt "BMC Biology" berichten, haben sie im Mittelmeer Tiere aus der Gruppe der Loricifera oder auch Korsett-Tierchen entdeckt, die völlig ohne Sauerstoff auskommen. Die 0,2 bis 0,3 Millimeter großen Tiere leben im Wasser in sauerstofffreien Zonen zwischen Sandkörnern, an denen sie sich anheften. Damit gelang den Forschern der Beweis, dass nicht alle mehrzelligen Tiere ihre chemische Energie mithilfe des Elements Sauerstoff gewinnen. Ob diese Tierchen ähnlich wie einige Bakterien ihre Energie aus Schwefelverbindungen ziehen, ist noch nicht bekannt. //[mst]//

Quelle: BMC Biology

Medizin Männer mit Testosteronmangel sterben früher.

Das ist das Ergebnis einer Bevölkerungsstudie der Universität Greifswald. Die Forscher hatten über sieben Jahre hinweg in Vorpommern knapp 2000 Männer im Alter zwischen 20 und 79 Jahren untersucht. Während des Untersuchungszeitraums starben knapp 200 Probanden. Die Mehrzahl dieser Teilnehmer war bereits bei der Erstuntersuchung durch einen für ihr Alter deutlich zu niedrigen Testosteronspiegel im Blut aufgefallen, schreiben die Forscher im "European Heart Journal". Ob die niedrige Testosteronkonzentration Ursache für einen früheren Tod oder lediglich eine Art Erkennungsmarker dafür ist, dass Stoffwechselvorgänge im Körper aus dem Gleichgewicht geraten sind, wissen die Forscher noch nicht. //[mst]//

Quelle: European Heart Journal

Medizin Ein Botenstoff lässt Tumore hungern.

Damit bremst der körpereigene Botenstoff Beta-Interferon das Tumorwachstum, berichten Forscher vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung im "Journal of Clinical Investigation". Der Botenstoff spiele normalerweise eine wichtige Rolle bei Virus-Infektionen und Entzündungen. Bei Untersuchungen an Mäusen sahen die Forscher jedoch, dass er auch die Zellen daran hindert, die die Signalstoffe des Tumors aussenden, damit dieser Blutgefäße bilden kann. Damit hemmt Interferon den Tumor in einem frühen Wachstumsstadium, sodass es gar nicht erst zur Bildung vieler neuer Blutgefäße kommt. //[mst]//

Quelle: Helmholtz--Gemeinschaft

Astronomie Auch auf Triton gibt es Jahreszeiten.

Das zeigen Beobachtungen des Neptunmonds mithilfe des Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte (ESO). Den Daten zufolge ist auf der Südhalbkugel gerade Sommer - bei Temperaturen um minus 200 Grad Celsius. Damit hat die Sonne selbst am Rande unseres Planetensystems noch Einfluss auf den Eismond Triton, schreiben die Forscher im Fachblatt Astronomy & Astrophysics. Neptun und sein Mond Triton sind rund 4,5 Milliarden Kilometer von der Sonne entfernt. Triton ist mit einem Durchmesser von 2700 Kilometern der größte der 13 Neptunmonde. Neptun benötigt 165 Erdenjahre für seinen Weg um die Sonne. Damit dauert eine Jahreszeit auf Triton rund 40 Erdenjahre. [mst]

Quelle: Scienceticker

Umwelt Nicht alle Asse-Akten werden herausgegeben.

Der Untersuchungsausschuss des niedersächsischen Landtags zum Atomlager Asse muss Agenturangaben zufolge ohne wichtige Unterlagen aus Berlin auskommen, da das Kanzleramt offenbar einen Teil der angeforderten Dokumente zurückhält. Demnach wurden dem Untersuchungsausschuss weniger Akten zur Verfügung gestellt als vereinbart. Es handele sich insgesamt um 201 Seiten. Die 33 Vorgänge betreffen die Jahre 1978 bis 1981. Das Kanzleramt räumt ein, in "wenigen Fällen" keine Dokumente überliefert zu haben. Die zurückgehaltenen Unterlagen beträfen den "geschützten Kernbereich des Regierungshandelns". //[mst]//

Biologie Biologen entdecken einen vegetarischen Riesenwaran.

Die auf der philippinischen Insel Luzon entdeckte Echse misst rund zwei Meter, berichten US-amerikanische Forscher aus Kansas in den "Biology Letters". Trotz seiner Größe lebt der Waran in dichten Regenwäldern im Gebirge der Sierra Madre und überquert nur selten offene Flächen. Das schwarz und goldgelb gemusterte Tier gehört zur selben Familie wie der Komodowaran, die größte Echse der Welt. Im Gegensatz zu seinen fleischfressenden Verwandten ernährt sich die neu entdeckte Art überwiegend von Früchten. //[mst]//

Quelle: Biology Letters

06.04.2010

Umwelt Los Angeles führt vor Washington.

Zumindest wenn es darum geht, welche amerikanische Stadt die meisten energieeffizienten Gebäude besitzt. In Los Angeles sind es knapp 300 Geschäftsgebäude, in der Hauptstadt Washington nur rund 200. An dritter Stelle steht San Francisco. Das teilte die amerikanische Umweltbehörde Epa mit. Das Einsparpotential in Los Angeles betrage 94 Millionen Dollar, hieß es in der jährlichen Rangliste des Amtes. //[reu]//

Quelle: Epa

Physik Im Nanokosmos läuft es nicht wie geschmiert.

Bei der Untersuchung potentieller Schmiermittel für die Nanotechnologie sind Forscher auf ein unerwartetes Phänomen gestoßen: Wie stark die Reibung zwischen zwei Oberflächen ist, hängt in der Nano-Welt nicht nur davon ab, wie diese Oberflächen beschaffen sind, oder aus welchem chemischen Stoff sie bestehen. Eine wichtige Rolle spielte ebenso die Schichtdicke. Bei Schichten, die nur wenige Atomlagen dick sind, nimmt die Reibung zu, je dünner die Schicht ist. Das haben Wissenschaftler aus New York an vier unterschiedlichen Materialien gezeigt. Im Wissenschaftsjournal „Science“ schreiben sie, dass es sich dabei um ein universelles Phänomen handele. Dahinter stecke ein mechanisches Problem, eine Art Kräusel-Effekt. Wenn eine Schicht nur wenige Atomlagen dick ist, wird sie so flexibel, dass darin schon durch den leichtesten Kontakt Falten und Wellen entstehen. Diese vergrößern die Oberfläche, und damit die Anziehung zwischen den Schichten und die Reibung. Die Forscher sind sich sicher, dass die Entdeckung weitreichende Konsequenzen hat, zum Beispiel für neuartige Datenspeicher und nanomechanische Systeme. //[reu]//

Quelle: Science

Raumfahrt US-Shuttle hat Antennenprobleme.

Die amerikanische Raumfähre „Discovery“, die sich zurzeit auf dem Weg zur Internationalen Raumstation ISS befindet, kann eine ihrer Antennenschüsseln nicht benutzen. Das Ku-Band-Kommunikationssystem, mit dem Fernsehbilder zur Erde übertragen werden, funktioniere nicht. Das teilte die Raumfahrtbehörde Nasa in Houston mit. Durch die Fehlfunktion könnten die Videoaufnahmen von der Inspektion des Hitzeschildes nicht wie üblich live zur Erde gesendet werden. Die Bilder würden nun gespeichert und später für eine Inspektion gesendet. //[reu]//

Quelle: Nasa

Biologie Baumharz konservierte afrikanisches Ökosystem.

Ein internationales Forscherteam hat erstmals in Afrika Bernstein entdeckt, in dem fossile Insekten, Spinnen und Pflanzenreste eingeschlossen sind. Die Fundstücke stammen aus den Wäldern Äthiopiens und sind rund 95 Millionen Jahre alt. Sie gehören damit zu den frühesten Fossilien Afrikas. Neben der ältesten bekannten afrikanischen Ameise konnten die Wissenschaftler auch Pilze und Bakterien nachweisen. Aus den Einschlüssen in den Bernstein-Stücken und geologischen Daten rekonstruierten die Forscher die Umweltbedingungen während der afrikanischen Kreidezeit. Damals hätten sich die Blütenpflanzen entfaltet und durch ihre gemeinsame Evolution mit den Insekten das Ökosystem auf dem Kontinent nachhaltig verändert, schreiben die Paläontologen im Fachblatt "PNAS". Bedeutsam sei der Fund auch, weil die meisten Bernsteinvorkommen aus Nordamerika und Europa überliefert seien. In Afrika hingegen ist bisher nur selten Bernstein gefunden worden. //[reu]//

Quelle: PNAS

Klima Tauwetter lässt Klimakiller entweichen.

Permafrostboden in der Arktis kann Lachgas freisetzen, wenn er auftaut. Das berichten Forscher aus Dänemark und Norwegen im Journal „Nature Geoscience“. Lachgas ist neben Kohlendioxid und Methan eines der wichtigsten Treibhausgase. Seine Rolle in der Arktis sei bisher weitgehend unbeachtet geblieben, schreiben die Wissenschaftler, die den tauenden Erdboden an verschiedenen Orten untersucht hatten. Im Osten von Grönland überstiegen die Emissionen die Werte eines tropischen Regenwaldes um das Zwanzigfache. Lachgas aus Permafrostböden habe allerdings nur einen geringen Einfluß auf den weltweiten Klimawandel, hieß es in der Veröffentlichung. //[reu]//

Quelle: Nature Geoscience

Paläontologie Urvogel jagte vielleicht im Mondschein.

Der Archaeopteryx ist möglicherweise nachts auf Beutefang gegangen. Das legen zwei Untersuchungen nahe, in denen die Augenhöhlen von Vögeln untersucht worden sind. Wissenschaftler aus Kalifornien haben sich die Augenhöhlen und die Knochen rings um den Augapfel bei knapp 80 Vogelarten angesehen. Sie glauben, dass die Tiefe der Augenhöhle und der innere und äußere Durchmesser des Knochenrings eine Aussage darüber zulassen, zu welcher Tageszeit ein Vogel Beute sammelt. Forscher aus England haben diese Ergebnisse auf den Urvogel Archaeopteryx angewandt. Wenn sich die Ergebnisse auch auf ausgestorbene Vögel übertragen lassen, dann sollte der Urvogel in der Nacht gejagt haben. //[reu]//

Quelle: New Scientist

01.04.2010

Klimaforschung Britische Klimaforscher haben Daten "nicht" manipuliert.

Zu diesem Schluss kommt ein britischer Parlamentsausschuss. Er hat sich jetzt mit der Causa Phil Jones befasst. Im vergangenen November waren dem Klimaforscher Phil Jones und seinen Kollegen von der University of East Anglia zahlreiche E-Mails und Dokumente abhanden gekommen und anschließend veröffentlicht worden. Nach dem Datenklau gerieten die Forscher unter Fälschungsverdacht. Dafür aber gebe es keinerlei Hinweise, entschied der britische Parlamentsausschuss. Er rügte allerdings erneut, dass die betreffenden Klimaforscher sich fortwährend weigern, ihre Daten anderen zur Verfügung zu stellen. //[tj]//

Medizin Möglicherweise gibt es bald ein neues Medikament gegen die Schlafkrankheit.

Im Fachmagazin "Nature" berichten britische Forscher, dass sie einen Wirkstoff entwickelt haben, der die Parasiten im Körper eines Erkrankten abtötet. In Versuchen mit Mäusen gelang es, die Tiere von der Schlafkrankheit zu heilen. Nebenwirkungen traten dabei kaum auf. Die Entdeckung könnte besonders für Menschen in Afrika lebensrettend werden. Bislang gibt es nur zwei Medikamente gegen die Schlafkrankheit. Das eine ist extrem teuer und das andere führt zu schweren Nebenwirkungen. Die britischen Forscher wollen den neuen, preiswerten Wirkstoff innerhalb der kommenden 18 Monate für klinische Tests an Menschen bereitstellen. //[tj]//

Quelle: Nature

Genetik Eine Genmutation könnte zur Schizophrenie-Krankheit führen.

Die Genmutation stört die Kommunikation zwischen zwei Gehirnarealen, die für das Gedächtnis zuständig sind: den Hippocampus und den präfrontalen Cortex. Zu diesem Ergebnis kommt eine US-amerikanische Studie, die im Fachjournal "Nature" veröffentlicht ist. Bei Mäuseexperimenten ließ sich zeigen, dass im Normalfall Hippocampus und präfrontaler Cortex zusammenarbeiten. Diese Kommunikation funktionierte dann nicht richtig , wenn eine bestimmte Genmutation vorhanden war: Sie ist als Mikrodeletion 22q11 bekannt und gilt als zweihäufigster Gendefekt beim Menschen. Bei Mäusen führte der Defekt zu Schizophrenie-Symptomen. Ob die Entdeckung auf den Menschen übertragbar ist, müssen die Forscher allerdings noch herausfinden. //[tj]//

Quelle: Nature

Genetik Das Erbgut der Zebrafinken ist entschlüsselt.

Wenn Zebrafinken zwitschern, dann sind mehr als 800 Gene beteiligt. Das schreibt ein internationales Forscherteam in "Nature". Der Zebrafink ist - nach dem Huhn – jetzt der zweite Vogel, dessen Genom vollständig entschlüsselt ist. Dabei stellten die Forscher fest, dass die Genome beider Vögel in Grundaufbau und Struktur recht ähnlich sind, obgleich sich ihre Entwicklungswege schon von 100 Millionen Jahren trennten. Viele der festgestellten Unterschiede scheinen dabei mit der Evolution des Gesangs zusammenzuhängen. Zebrafinken tauschen sich aktiv über ihr Zwitschern aus. Zum Erstaunen der Wissenschaftler gehören viele der gefundenen Gene zu den so genannten "nicht-codierten" Genen. Vor einigen Jahren war man noch davon ausgegangen, dass die nicht-codierten Gene als "genetischer" Müll anzusehen sind, die keine wichtigen Funktionen besitzen. //[tj]//

Quelle: Nature

Astronomie Nicht nur ein Schwarzes Loch sorgt für Geschwindigkeit im All.

Einige Sterne unserer Galaxie rasen mit der kaum vorstellbaren Geschwindigkeit von zwei Millionen Kilometern pro Stunde durchs All. Ihre Beschleunigung verdanken sie aber nicht zwangsläufig einem schwarzen Loch – wie bislang angenommen. Wissenschaftler von der Universität Erlangen-Nürnberg haben anhand eines neu entdeckten superschnellen Sterns nachgewiesen, dass es weitere Faktoren gibt wie ein explodierender Doppelstern oder der Zusammenprall mit einem anderen Stern. //[tj]//
31.03.2010

Umweltschutz Im US-Staat Vermont haben radioaktive Substanzen den Boden verseucht.

Nach Angaben von Gesundheitsbehörden ist auf dem Gelände des Kraftwerks Vermont Yankee radioaktives Cäsium-137 nachgewiesen worden. Es gebe jedoch keine Hinweise, dass die Substanz ins Grundwasser gelangt sei. Das Leck in unterirdischen Leitungen sei mittlerweile behoben. Cäsium-137 ist ein Produkt der Kernspaltung und kann krebserregend wirken. Erste Spuren waren bereits im Februar entdeckt worden. Die Betreiber führten dies auf US-Atomwaffentests in den 50er- und 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts zurück. Die Regierung Vermonts erklärte, dass die nun ermittelte Cäsium-137-Konzentration drei bis zwölf Mal höher sei, als es aufgrund der Atomwaffentests zu erwarten wäre. Daher sei es wahrscheinlich, dass diese Substanz aus Quellen stammt, die mit dem betreffenden Reaktor zusammenhängen. Die Erde um den Reaktor soll nun abgetragen und als radioaktiver Abfall entsorgt werden. //[mst]//

Quelle: http://healthvermont.gov/enviro/rad/yankee/tritium.aspx

Biologie Kröten sollen Erdbeben wittern können.

Bereits fünf Tage vor dem Erdbeben in L'Aquila im Frühjahr 2009 verließen plötzlich 96 Prozent der Erdkröten-Männchen die Brutplätze. Das ist das Ergebnis einer Studie von Forschern aus London, die im "Journal of Zoology" erscheint. Drei Tage vor den Erdstößen fanden die Forscher kein einziges Erdkröten-Paar mehr an dem Paarungsort, der 74 Kilometer vom Epizentrum des Bebens entfernt lag. Die Forscher können Einflüsse wie etwa Mondphasen oder Wetterbedingungen für das ungewöhnliche Verhalten ausschließen. Sie vermuten einen Zusammenhang mit Störungen der obersten elektromagnetischen Schicht der Erdatmosphäre. Solche Prozesse könnten durch aus der Erde austretendes Radongas entstehen, welches die Kröten zur Flucht veranlasste. Bei dem Erdbeben am 6. April 2009 kamen fast 300 Menschen ums Leben. [mst]

Quelle: AlphaGalileo

Medizin Zu wenig Sonnenlicht kann Blasenkrebs verursachen.

Diesen Zusammenhang haben Mediziner aus Kalifornien festgestellt, nachdem sie bei einer Studie die Daten von Blasenkrebspatienten aus 174 Ländern verglichen haben. Demnach hatten Länder höherer Breitengrade mehr registrierte Blasenkrebsfälle als Länder in Äquatornähe. Wie die Forscher im "American Journal of Preventive Medicine" berichten gebe es eindeutige Hinweise, dass ein Vitamin-D-Mangel zu erhöhten Blasenkrebsraten führen kann. Vitamin D wird in der Haut mithilfe von UVB-Strahlen gebildet. //[mst]//

Quelle: American Journal of Preventive Medicine

Paläontologie Die letzten Mammuts sind schnell ausgestorben.

Zu diesem Schluss kommt ein internationales Genetikerteam im Fachblatt "Proceedings of the Royal Society". Noch vor 3700 Jahren lebten die letzten der heute ausgestorbenen Mammuts isoliert auf der westsibirischen Wrangelinsel. Bislang gingen Experten davon aus, dass Erbkrankheiten die Ursache für ihren Untergang sein könnten. Erbgutanalysen von 36 Tieren zeigten jedoch, dass trotz einer 5000-jährigen Isolation die geringe genetische Vielfalt nicht die Ursache des Aussterbens sein kann. Als Auslöser für das Aussterben komme daher nur eine plötzliche Katastrophe infrage wie etwa ein rascher Klimawechsel oder die Einwanderung des Menschen auf der 7600 Quadratkilometer großen Insel im arktischen Ozean. //[mst]//

Paläontologie Ötzi wurde gefriergetrocknet.

Dies sei der Grund, warum die 5300 Jahre alte Gletschermumie so gut erhalten sei, berichten Forscher der Ludwig-Maximilians-Universität München in den Mitteilungen der britischen Royal Society. Sie hatten drei Hautproben des Leichnams untersucht. Dabei sahen sie, dass das Kollagen in der Haut extrem ausgetrocknet war. Die Fasern des Strukturproteins verleihen der Haut normalerweise Zugfestigkeit und Flexibilität. Bei Ötzi war das Bindegewebematerial jedoch relativ steif. Grund sei ein schneller Wasserentzug. Die dehydrierte Haut konnte so ihre Schutzfunktion erhalten und das Gewebe vor Zersetzung durch Mikroorganismen und andere biologische Einflüsse bewahren. Demnach muss der Körper des Jägers aus der Jungsteinzeit nach dem Tod sehr schnell von Eis bedeckt worden sein. //[mst]//

Genetik Ein Selbstheilungsgen könnte der Stammzellforschung helfen.

Verliert ein Plattwurm einen Teil seines Körpers, regeneriert er sich nicht nur, aus dem amputierten Glied entwickelt sich ebenso ein neues Tier. Welcher Mechanismus dahinter steckt, war bislang unklar. Forscher des Max-Planck-Instituts für molekulare Biomedizin in Münster sind dem Geheimnis des Tieres nun einen Schritt näher gekommen. Im Fachjournal "Development "schreiben sie, dass das Gen Smed-SmB bei der Regeneration eine Schlüsselrolle spielt. Unterdrückten sie im Labor die Produktion des auf Smed-SmB zurückgehenden Proteins im Plattwurm, konnten sich die Tiere nicht mehr wiederherstellen. Das betreffende Gen kommt in ähnlicher Form auch beim Menschen vor. Die Forscher hoffen, dass diese Erkenntnisse die Stammzellforschung weiter voranbringen können. //[mst]//

Quelle: DOI: 10.1242/dev.042564

30.03.2010

Justiz Ein Gericht in New York hat grundsätzlich bezweifelt, dass sich menschliche Erbanlagen patentieren lassen.

Der Bezirksrichter Robert Sweet annullierte gestern die Patente des US-Konzerns Myriad Genetics auf zwei Gene, die mit einem erhöhten Krebsrisiko einhergehen. Er erklärte, er halte die DNA-Sequenzen nicht für patentierbar, denn das Unternehmen habe sie nicht erfunden oder etwas an ihrer Funktion geändert. Einer der Kläger, die Bürgerrechtsorganisation ACLU, begrüßte die Entscheidung des Richters. Damit sei nun der Weg geebnet für den freien Gedankenaustausch in der Genomforschung. Einige Biotechnologie-Experten befürchten hingegen, dass durch das Urteil für viele Firmen die Motivation wegfällt, weiter in diese Disziplin zu investieren. //[reu]//

Neurowissenschaft Wer langsam denkt, denkt kreativ.

Wissenschaftler aus New Mexico haben heraus gefunden, dass sich die Gehirne von besonders kreativen Menschen an einer Stelle ähneln: Zwischen dem Präfrontalen Cortex an der Stirnseite des Gehirns und dem tiefer liegenden Thalamus liegt eine Region, in der Nervenreize besonders langsam weiter geleitet werden. Die verzögerte Kommunikation zwischen verschiedenen Gehirnarealen könnte eine wichtige Voraussetzung für kreatives Denken sein, vermuten die Forscher im Journal "PLoS ONE". Abwegige Gedanken könnten so zusammengebracht werden, und neue Ideen könnten entstehen. //[reu]//

Zoologie Elefanten laufen mit Vierfußantrieb.

Hinter- und Vorderbeine sind bei Elefanten gleichermaßen dafür zuständig, das Tier zu beschleunigen und abzubremsen. Das ist ungewöhnlich, weil es bei den meisten Vierfüßern eine klare Aufgabenverteilung gibt: Die Hinterläufe sorgen hauptsächlich für die Beschleunigung, die Vorderläufe für das Abbremsen. Dass der Gang bei Elefanten anders funktioniert, haben nun Wissenschaftler aus London entdeckt. Sie hatten sechs Asiatische Elefanten gefilmt, während die Tiere über spezielle Plattformen liefen, mit denen sich biomechanische Werte messen lassen. Die Auswertung ergab, dass die Dickhäuter ihre Beine ähnlich einsetzen wie ein Allradantrieb bei einem Auto. Das berichten die Forscher heute im Fachblatt "PNAS". //[reu]//

Zoologie Das Lachen der Hyänen ist ihre Visitenkarte.

Mit ihren charakteristischen Lachlauten verrät die Tüpfelhyäne ihr Alter, ihre Position im Rudel und ihre Identität. Das haben Wissenschaftler aus Kalifornien herausgefunden, die in einem Rudel von rund 30 Tieren knapp 700 Lautäußerung untersucht haben. Verschiedene Eigenarten des Lachens transportieren verschiedene Informationen. Durch die Tonhöhe offenbart eine Hyäne ihr Alter. Variationen in der mittleren Frequenz verraten, ob ein Mitglied der Gruppe eine dominante oder untergeordnete Rolle spielt. In der Klangfarbe definiert eine Hyäne ihre Individualität. Solch eine Kommunikation ist bisher vor allem bei Vögeln und Primaten beobachtet worden. //[reu]//

Neurowissenschaft Moral sitzt hinter dem rechten Ohr.

Davon sind amerikanische Neurowissenschaftler überzeugt, die ein Gehirnareal an dieser Stelle mithilfe von Magnetfeldern ausgeschaltet haben. Die rechte temporoparietale Übergangsregion sei dafür verantwortlich, dass sich Menschen in die Absichten und Beweggründe anderer Personen einfühlen können, schreiben die Forscher im Fachblatt "PNAS". Probanden, bei denen die Wissenschaftler das Moralzentrum abgeschaltet hatten, sollten verschiedene Handlungen als gut oder schlecht bewerten. Es zeigte sich, dass sie sich dabei nur noch an den Konsequenzen der Handlung orientierten. Die dahinter steckende Absicht blendeten sie dagegen weitgehend aus. Besonders deutlich wurde das bei der Frage nach der Schuld einer Frau, die jemanden mit Absicht vergiften will, aber irrtümlicherweise ein ungiftiges Mittel wählt, so dass das Opfer unbeschadet überlebt. Die Probanden mit der ausgeschalteten Übergangsregion beurteilten die Täterin deutlich milder als Testpersonen aus einer Vergleichsgruppe. //[reu]//
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