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03.05.2006

Medizin Neuer Impfstoff für Alzheimer entwickelt.

Forscher aus Zürich und Boston haben einen neuen Impfstoff gegen Alzheimer entwickelt, der wahrscheinlich ohne gefährliche Nebenwirkungen für Menschen auskommt. Der Impfstoff reduziert das Eiweiß Beta-Amyloid, den wichtigsten Bestandteil der schädlichen Ablagerungen im Alzheimer-Gehirn. Das konnten die Wissenschaftler der Universität Zürich im Tierversuch an Mäusen zeigen. Tests mit einem ähnlichen Alzheimer-Impfstoff bei Menschen hatte man im Jahr 2002 vorzeitig abgebrochen, weil einige der Probanden an einer Hirnhautentzündung erkrankt waren. Denn neben der erwünschten Wirkung, der Bildung von Antikörpern gegen Beta-Amyloid, hatte der erste Impfstoff damals auch eine Überreaktion des Immunsystems hervorgerufen. Der neue Impfstoff soll das verhindern, so die Fachleute im "Journal of Neuroscience". Seine Moleküle bestehen aus zwei Kopien des verkürzten Beta-Amyloid-Eiweiß, welche die Forscher aneinander gekoppelt haben. //[reu]//

Medizin Passivrauchen führt bei Kindern zu Verhaltensstörungen.

So lautet das Ergebnis einer Studie des Kinderhospitals von Cincinnati in den USA. Mediziner hatten dort über 200 Kinder untersucht, die in ihrem Alltag Zigarettenrauch ausgesetzt sind. Im Blut der Kinder hatten sie die Konzentration von Cotinin bestimmt, einem Abbau-Produkt von Nikotin. Kinder mit hohen Cotinin-Spiegel tendierten häufiger zu Verhaltensproblemen in der Schule und im Elternhaus. Auch Angstgefühle und Depressionen traten bei ihnen häufiger auf. In vorangegangenen Studien hatten die Wissenschaftler bereits zeigen können, dass die Fähigkeit für logisches und mathematisches Denken durch Passivrauchen abnimmt. //[reu]//

Quelle: spektrumdirekt, mp

Klimaforschung Es wird wärmer.

Und der Mensch ist daran schuld. Die globale Erwärmung der Erdatmosphäre ist nun auch von einer wissenschaftlichen Kommission bestätigt worden, die im Auftrag der amerikanischen Regierung geforscht hat. Das meldet heute die New York Times. Die Forscher hatten sich mit Unstimmigkeiten in der Temperaturaufzeichnung beschäftigt, welche von Kritikern immer wieder gegen die Theorie eines menschengemachten Treibhauseffektes ins Feld geführt wurde. Unterschiedliche Messmethoden hatten in der Vergangenheit nämlich Aufwärmraten gezeigt, die am Boden und in der Troposphäre voneinander abwichen. Diese Diskrepanz sei mit der neuesten Studie ausgeräumt worden, hieß es in einer Mitteilung des amerikanischen Handelsministeriums. Ein Sprecher des Weißen Hauses sagte, die Regierung werde ihre Politik weiterverfolgen und die verbleibenden ungelösten Fragen hinsichtlich der Erderwärmung klären. Ansonsten setze sie auf freiwilligen Verzicht bei der Reduzierung des Klimagases Kohlendioxid. //[reu]//

Quelle: New York Times

Physik Radioaktivität könnte Prozessoren antreiben.

Amerikanische Forscher haben ein Bauteil entwickelt, das zukünftig wie ein Miniatur-Atomkraftwerk Computerchips mit Energie versorgen könnte. Die Wissenschaftler der Universität Pittsburgh haben dazu radioaktiven Wasserstoff in einem Plättchen aus Quarz verankert. Dazu haben sie das Quarzglas in einen Behälter mit Wasserstoff-Gas gegeben und dann mit einem starken Laser beschossen. Der Wasserstoff konnte in die oberen Quarzschichten einwandern und sich dort chemisch mit dem Glas verbinden. Durch seinen radioaktiven Zerfall entsteht Wärme, die möglicherweise einmal zur Energieversorgung von Computerchips verwendet werden könnte, schreiben die Forscher im Fachblatt "Applied Physics Letters". //[reu]//

Quelle: wissenschaft.de

Biologie Naturstoff macht Mäuse schlank.

Eine Verbindung, die vor allem in Seefisch vorkommt, kann fettleibigen Mäusen beim Abnehmen helfen. Das berichten Biochemiker vom japanischen nationalen Institut für Gesundheit und Ernährung. Sie hatten Labormäuse zuerst mit einer fettreichen Diät zunehmen lassen. Nach ungefähr zwei Wochen mangelte es den Tieren an der natürlichen Verbindung Taurin, die normalerweise vom Körper selbst hergestellt werden kann. Daher verabreichten die Forscher den Mäusen eine tägliche Dosis Taurin, sozusagen zum Ausgleich, woraufhin die Tiere ihr Gewicht wieder verloren. Die Wissenschaftler erklären sich diese Beobachtung damit, dass das Taurin die Fettverbrennung ankurbelt, selbst dann, wenn die Tiere sich kaum bewegen. Auf Menschen lassen sich die Ergebnisse aber wohl kaum übertragen, denn wollte ein Erwachsener dieselbe Dosis zu sich nehmen wie die Mäuse, müsste er täglich ungefähr 200 Gramm Taurin schlucken. // [reu]//

Quelle: ScienceNOW

Medizin Geschlossene Flughäfen nützen nichts.

Zumindest, wenn es darum geht, eine weltweite Grippe-Epidemie aufzuhalten. Dieses Ergebnis liefert eine Computer-Simulation britischer Wissenschaftler von der Health Protection Agency in London. Die Experten hatten untersucht, wie schnell sich eine Pandemie um den Globus bewegt, wenn man alle Flugverbindungen streicht, die aus einer Stadt herausführen, in der einhundert Influenza-Fälle gemeldet worden sind. In diesem Fall verzögerte sich die Ausbreitung der Krankheit nur wenige Tage, verglichen mit einem Flugverkehr ohne Beschränkungen. Reiseverbote seien nur dann sinnvoll, wenn sie sofort erlassen werden, nachdem der erste Grippefall festgestellt worden ist, schreiben die Forscher im Journal PLoS Medicine. In ihr Modell waren Reisedaten von etwas über 100 Flughäfen aus aller Welt eingegangen. // [reu]//

Quelle: ScienceNOW, PLoS

02.05.2006

Biologie Tropensonne heizt Evolution an.

Forscher aus Neuseeland glauben zu wissen, warum in den Tropenwäldern eine höhere Artenvielfalt herrscht als in den gemäßigten Zonen. Der Grund dafür sei, dass die Evolution in heißen Gebieten schneller ablaufe als in kühlen, schreiben sie heute im Fachblatt PNAS. Die Wissenschaftler hatten das Erbgut von 45 Baumarten aus den Tropen untersucht und mit der DNA von nah verwandten Hölzern aus gemäßigten Breiten verglichen. Die Bäume aus den heißen und feuchten Regenwäldern zeigten deutlich mehr Variationen innerhalb des Erbmoleküls als die Vergleichsarten. Durch die hohen Temperaturen liefen auch alle Stoffwechselvorgänge schneller ab, so die Forscher aus Auckland. In der Erbsubstanz entstünden dabei mehr Mutationen, von denen einige auch Vorteile für die Pflanzen hätten und zu einer Weiterentwicklung führten. //[reu]//

Genetik Genetisch veränderte Baumwollpflanzen erhöhen die Ausbeute bei der Ernte nicht.

Aber die Bauern sparen bei ihnen Pestizide ein. So das Ergebnis einer zweijährigen Studie aus Arizona. Dort hatten Wissenschaftler Baumwollfelder auf einer Fläche von über 6000 Quadratkilometern untersucht. Auf einigen der Felder wuchs herkömmliche Baumwolle, auf anderen sogenannte Bt-Baumwolle. Diese Pflanzen verfügen über ein zusätzliches Gen, mit dem sie ein natürliches Gift gegen einen Schädling herstellen können, gegen den roten Baumwollkapselwurm. Außer der Ausbeute und dem Pestizidverbrauch hatten die Forscher auch untersucht, ob die Pflanzen mit den fremden Erbanlagen die Artenvielfalt auf den Feldern verringern. Dafür hätten sie keine Hinweise finden können, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt PNAS. //[reu]//

Physik Neutronenquelle in Jülich erlischt.

Das Forschungszentrum Jülich hat heute seinen dritten und letzten Reaktor – DIDO - abgeschaltet. Fast 44 Jahre lang hatte DIDO für die Forschung Neutronen erzeugt. Mit diesen Teilchen lässt sich die innere Struktur von Werkstoffen und anderen Materialien sichtbar machen. Nach einer politischen Grundsatzentscheidung, keine hoch angereicherten Brennelemente in Forschungsreaktoren mehr zu verwenden, hätte DIDO umgerüstet werden müssen. Stattdessen werden die Wissenschaftler zukünftig den Forschungsreaktor Garching benutzen. //[reu]//

Medizin Zahl der HIV-Neuinfektionen in Deutschland ist gestiegen.

Und zwar um 13 Prozent im Jahr 2005, verglichen mit dem Vorjahr. Das teilte das Robert-Koch-Institut, RKI, heute in Berlin mit. Demnach haben sich knapp 2500 Menschen mit dem Erreger der Immunschwächekrankheit Aids neu infiziert, so viele wie seit den frühen 90er Jahren nicht mehr. In der ersten Hälfte des vergangenen Jahres allerdings habe die Quote noch bei 20 Prozent gelegen, so das RKI. Nach einer Phase nachlassenden Schutzes sei jetzt wieder ein Anstieg der Kondomnutzung zu beobachten. //[reu]//

Klimaforschung Das Dach der Welt schmilzt.

Die Gletscher in Tibet gehen jährlich um sieben Prozent zurück, berichtet die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua. Dabei beruft sie sich auf Daten, die von rund 700 Wetterstationen in über vier Jahrzehnten gesammelt worden sind. Die Ursache für die Gletscherschmelze sehen Forscher der nationalen Meteorologiebehörde in der globalen Klimaerwärmung. Der Rückgang der Gletscher werde zu Dürren, vermehrter Wüstenbildung und mehr Sandstürmen führen. //[reu]//

Mikrobiologie Forscher finden Waffe gegen multiresistente Keime.

Ein natürlicher Wirkstoff mit Namen MMA könnte einige gefährliche Krankheitserreger bekämpfen, gegen die eine Vielzahl von Antibiotika nicht mehr hilft. Das berichten Forscher der Gesellschaft für Biotechnologische Forschung in Braunschweig. Die Substanz hindere verschiedene Arten von Bakterien am Wachsen, unter anderem auch das methicillinresistente //Staphylococcus aureus//, kurz MRSA, welches im Körper schwere Entzündungen auslösen kann. Der neue entdeckte Wirkstoff, der MRSA stoppt, wird in der Natur ebenfalls von Bakterien hergestellt, vom //Bacillus subtilis//, das im Erdboden vorkommt. Die Wissenschaftler vermuten, dass sich dieser Stamm mit Hilfe des natürlichen Antibiotikums MMA gegen die Konkurrenz anderer Bakterien durchsetzt. Bevor MMA allerdings als Medikament zugelassen wird, dürften noch Jahre vergehen. Die Substanz muss zuvor noch gründlich erprobt werden. //[reu]//
28.04.2006

Umwelt Die Nasa räumt die Strassen auf.

Starts und Landungen von US-amerikanischen Weltraumfähren in Cape Canaveral sollen sicherer werden. Die Nasa hat deshalb angeordnet, überfahrene Wildtiere von den Strassen aufzusammeln. Die Kadaver zögen Geier an und diese könnten den Raumfähren der Nasa gefährlich werden, hieß es zur Begründung. Beim Start der `Discovery" im vergangenen Jahr sei ein Geier gegen den Treibstofftank geflogen und habe diesen leicht beschädigt. Das Gelände um die Startrampe für die Space Shuttles hat sich zum Biotop für rund 500 Tierarten entwickelt, darunter auch Adler, Schildkröten, Alligatoren und Seekühe. Immer wieder komme es vor, dass Tiere von Einsatzwagen der Nasa überfahren würden. //[mawi]//

Biologie Der erste Zoo-Panda wurde ausgewildert.

In China ist erstmals ein in Gefangenschaft gezüchteter Riesenpanda in die freie Wildbahn entlassen worden. Wissenschaftler brachten heute den vier Jahre alten Xiang Xiang in eine entlegene Bergregion in der Provinz Sichuan in Südwestchina. Das 80 Kilogramm schwere Bärenmännchen trägt einen Sender. Die Wissenschaftler wollen lernen, wie sich in Gefangenschaft aufgezogene Pandas in der Wildnis anpassen. Der Panda war drei Jahre lang auf seine Auswilderung vorbereitet worden. In China leben noch knapp 1600 Riesen-Pandas in freier Wildbahn. Hinzu kommen etwa 180 Zoo-Tiere. //[mawi]//

Medizin Ein Mann starb zwei Jahre nach einer Gentherapie.

Wie jetzt bekannt wurde, starb der 28 Jahre alte Mann bereits vor zwei Wochen in Düsseldorf an den Folgen einer schweren Infektion - einer so genannten Sepsis. Der Mann litt seit seiner Geburt unter seiner seltenen angeborenen Immunschwäche - einer septischen Granulomatose. Im Rahmen einer Gentherapie waren vor zwei Jahren seine Blutzellen außerhalb des Körpers gentechnisch verändert worden. Ein zusätzliches gesundes Gen war mit Hilfe von Viren als Transportmittel in die Zellen eingeschleust worden. Die Gentherapie verlief zunächst erfolgreich. Forscher aus Deutschland und der Schweiz hatten Anfang April im Fachblatt "Nature Medicine" darüber berichtet. Unklar ist, ob der Todesfall im direkten Zusammenhang steht mit der Gentherapie. //[mawi]//

Endokrinologie Ein Hormon aus dem Dünndarm zügelt den Appetit...

... und steigert gleichzeitig den Bewegungsdrang. In einer ersten Studie mit 15 übergewichtigen Freiwilligen entdeckten britische Forscher vom Imperial College diese doppelte Wirkung des Hormons Oxyntomodulin. Versuchsteilnehmer, bei denen der Hormonspiegel jeweils vor einer Mahlzeit künstlich erhöht wurde, nahmen 17 Prozent weniger Kalorien zu sich als Vergleichspersonen. Und sie verbrauchten im Alltag 26 Prozent mehr Energie. Unangenehme Nebenwirkungen seien nicht aufgetreten, schrieben die Forscher in der Online Ausgabe des "International Journal of Obesity". Menschen, die Diät halten, bewegen sich gewöhnlich weniger. Aus Angst vor Energiemangel, so die Forscher, schraube der Körper den Bewegungsdrang zurück. Das Oxyntomodulin aber teile dem Körper mit, es gebe ausreichend Energie - er könne daher auch in Bewegung investieren. Die Forscher wollen jetzt testen, ob der Effekt auch bei einer Langzeitanwendung erhalten bleibt. //[mawi]//

Medizin Kortison könnte eine Krebs-Therapie weniger wirksam machen.

Ergebnisse von Tierversuchen deuteten darauf hin, dass Tumore unter dem Einfluss von Kortisonpräparaten weniger empfindlich seien für eine Chemo- oder Strahlentherapie. Auch die Neigung von Krebs-Geschwulsten, Tochterzellen im Körper zu streuen, sei beim Einsatz der so genannten Glukokortikoide erhöht, berichten Forscher vom Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg. Die Ergebnisse müssten jedoch in Studien am Menschen überprüft werden, betonen die Mediziner. Kortisonpräparate kommen in der Krebstherapie häufig zum Einsatz, um Nebenwirkungen der Chemotherapie abzumildern - wie etwa Übelkeit und Erbrechen. //[mawi]//
27.04.2006

Medizin Neue Studien wecken Zweifel am Früherkennungstest für Prostatakrebs.

Eine Untersuchung an der nordamerikanischen Universität Yale weckt Zweifel am so genannten PSA-Test. Mit diesem Test soll Prostatakrebs in einem sehr frühen Stadium entdeckt werden. Wie die Zeitschrift "Test" in ihrer Mai-Ausgabe berichtet, habe die Yale-Studie nachgewiesen, dass Männer, die vor der Krebsdiagnose den Test gemacht haben, nicht länger leben als Patienten ohne Früherkennungsuntersuchung. Andererseits hätten erhöhte PSA-Werte beim Test – die noch nichts über einen tatsächlichen Tumor aussagen - häufig zu diagnostischen und therapeutischen Überreaktionen geführt. Für die Studie waren 1000 Krankenakten ausgewertet worden. //[teja]//

Quelle: "Test", Mai-Ausgabe

Technik Der Mobilfunk hat meist geringere elektromagnetische Wellen als das Radio.

Eine flächendeckende Messung elektromagnetischer Felder im Saarland hat ergeben, dass die Feldstärke des Mobilfunks in der Regel geringer ist, als die von Radio und Fernsehen. Von 96 Messpunkten im Bundesland war nur bei zehn Punkten der Wert für eine mögliche Körpererwärmung durch den Mobilfunk höher als durch andere Quellen. Die Belastung des menschlichen Körpers erreichte zu keinem Zeitpunkt bedenkliche Werte. Im Durchschnitt lag die Belastung bei maximal einem Prozent des Grenzwertes, teilte die Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes mit. //[tj]//

Biologie Hyänen vererben ihren sozialen Status.

Wie amerikanische Forscher in "Nature" berichten, wird der soziale Rang, den eine Hyäne im Rudel einnimmt, an den Nachwuchs vererbt. Dies geschehe mit Hilfe männlicher Geschlechtshormone. Die Wissenschaftler stellten fest, dass der Androgen-Gehalt bei frei lebenden Tüpfelhyänen mit dem sozialen Rang der Tiere variiert. Je weiter oben ein Weibchen in der Rangordnung steht, desto höher ist in einer Schwangerschaft der Androgen-Gehalt im Blut. Die Nachkommen verhalten sich nach der Geburt deutlich aggressiver, was ihnen wiederum beim Kampf um Nahrung und Partner Vorteile verschafft. Die amerikanische Studie belege erstmals bei Säugetieren eine Übertragung des sozialen Rangs von der Mutter an ihren Nachwuchs. //[tj]//

Quelle: Nature Band 440 Seite 1190

Biologie Singvögel können komplexe grammatikalische Strukturen erfassen.

Zu diesem unerwarteten Ergebnis kommt eine Studie von Psychologen an der Universität von Kalifornien in San Diego. Wie die Forscher im Fachmagazin "Nature" schreiben, können Stare zwischen einem normalen Vogelstimmensatz und einem mit eingebetteten Nebensatz unterscheiden. Den Vögeln wurden künstliche Starengesänge vorgespielt, die aus Triller- und Rätschlauten zusammengesetzt worden waren. Nach einem Monat und 15.000 Versuchen konnten neun der elf Versuchsvögel normale und verschachtelte Muster von Vogelgezwitscher voneinander unterscheiden. Bislang gingen Forscher davon aus, dass nur der Mensch die Fähigkeit besitzt, verschachtelte Sätze zu bilden und zu verstehen. Das Experiment zeige, dass Sprache und Verständnisfähigkeit bei Tieren weitaus komplizierter ist, als gedacht. //[tj]//

Quelle: Nature Band 440, Seite 1204

Technik Neue Tattoo-Tinte soll sich einfach entfernen lassen.

Das Fachmagazin "New Scientist" berichtet heute über eine neuartige Tattoo-Tinte, die im kommenden Jahr auf den Markt kommen soll. Forscher vom Massachusetts General Hospital in Boston haben ein Verfahren entwickelt, bei dem Farben in winzige Kügelchen mit einem Durchmesser von nur einem bis drei Tausendstel Millimeter eingebettet werden. Die Substanzen werden von den Hautzellen aufgenommen und ergeben eine Tätowierung. Der Vorteil: Die Pigmente können in nur einer Lasersitzung wieder entfernt werden. Der Laser zerstört die Polymerkugeln, die austretenden Farben werden von den Körperzellen absorbiert und die Tätowierung verschwindet. Gewöhnliche Tinten enthalten unter anderem Ruß und Metallsalze. Die Tätowierungen lassen sich erst mit einer Serie von bis zu zehn Laserbehandlungen "ausbleichen" – komplett entfernen lässt sich nur die Hälfte. //[tj]//

Quelle: New Scientist, Nr. 2549, Seite 25

Umwelt Regen und Schnee nehmen seit hundert Jahren deutlich zu.

Wissenschaftler vom Forschungszentrum Jülich haben gemeinsam mit Kollegen herausgefunden, dass in den vergangenen einhundert Jahren in vielen Regionen der Erde Regen und Schnee deutlich zugenommen haben. Die langfristige Entwicklung konnten sie an den Jahresringen von uralten Wacholderbäumen in Nordpakistan ablesen. Diese verglichen sie mit Klimadaten aus anderen Regionen der Erde. Dabei stellte sich heraus, dass die Zunahme des Niederschlags mit dem Beginn der Industrialisierung und der globalen Erwärmung einhergeht, berichten die Forscher in "Nature". Ein allgemeiner Anstieg der Niederschlagsmenge im 20. Jahrhundert sei sehr deutlich, wie viel es genau in welcher Region geregnet habe, sei allerdings noch unklar. //[teja]//

Quelle: Nature Band 440, Seite 1179

Medizin Ein Aidsmedikament hilft auch gegen Hepatitis B.

Das Aidsmedikament mit dem Wirkstoff Tenofovir wirkt offenbar auch gegen die chronische Leberentzündung Hepatitis B. Wie die Universität Bonn mitteilte, konnte bei drei Patienten die Virenzahl unter die Nachweisgrenze gesenkt werden. Auch wenn die Viren möglicherweise nicht vollständig eliminiert seien, könne das Unterdrücken der Viren weitere Leberschäden verhindern. Bislang ist das Medikament mit dem Wirkstoff Tenofovir nicht zur Behandlung von Hepatitis-Patienten zugelassen. Dass der Wirkstoff bei Patienten erfolgreich ist, die gegen die herkömmliche Hepatitis-Therapie resistent sind, war für die Forscher überraschend. Allerdings handelt es sich erst um eine sehr kleine Studie. Veröffentlicht ist sie im "New England Journal of Medicine". //[tj]//

Quelle: New England Journal Of Medicine, Band 3554, Seite 1807

26.04.2006

Genforschung Gene beeinflussen das Trinken von Alkohol.

Wissenschaftler des Nationalen Genomforschungsnetzes NGFN in Bonn haben zwei Varianten eines Gens (CRHR1) entschlüsselt, die die Trinkgewohnheiten beeinflussen. Betroffene betrinken sich etwa doppelt so häufig wie Menschen, die diese Genveränderungen nicht aufweisen. Dabei trinken sie durchschnittlich nicht häufiger als andere, trinken aber bei jedem Anlass im Schnitt wesentlich mehr. Beide Genvarianten seien in der Bevölkerung weit verbreitet, etwa jeder Fünfte beziehungsweise jeder Zehnte weise diese Veränderung im Erbgut auf, so das NGFN. Die Forscher vom Institut für Psychiatrie des King' s College London und des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit in Mannheim untersuchten das Trinkverhalten von 600 Menschen. Darunter waren auch 300 Jugendliche, die durchschnittlich im Alter von 13 Jahren erste Erfahrungen mit Alkohol machten. Das Gen liefert die Bauanleitung für ein Protein, das bei der Verarbeitung von Stress eine Rolle spielt und wichtig ist, um Gefühle zu steuern. Das deute auf einen Zusammenhang zwischen Stressbewältigung und Trinkverhalten, so die beteiligten Forscher. Auch darum werde die Alkoholsucht vererbt. Die Ergebnisse der Forscher wurden in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Molecular Psychiatry" veröffentlicht.

Quelle: Idw-Ticker

Astronomie Sternexplosionen erzeugen seltene Stoffe.

Wie einige besonders seltene Isotope des Periodensystems entstehen, berichten Forscher in den Physical Review Letters. Schon länger ist bekannt, dass die schwersten Elemente des Periodensystems durch gewaltige Explosionen großer Sterne im Weltraum, so genannte Supernovae, erzeugt werden. Allerdings fehlten noch etliche Reaktionsschritte in diesem Prozess. So konnten die bisherigen Modelle dieser Kernreaktionen beispielsweise nicht die Herstellung von bestimmten Isotopen der Metalle Ruthenium und Molybdän erklären. Die Wissenschaftler haben nun herausgefunden, dass die bei den Explosionen erzeugten Antineutrinos dafür verantwortlich sein könnten. Diese wandeln nämlich einen Teil der bei Explosionen entstehenden freien Protonen in Neutronen um. Da diese elektrisch neutral sind, können sie selbst von protonenreichen Kernen ohne Probleme aufgenommen werden. Die zusätzlichen Neutronen ermöglichen es den Kernen nun, trotz ihrer hohen positiven Ladung weitere Protonen aufzunehmen und somit die seltenen Isotope zu bilden. Antineutrinos könnten demnach bei der Erzeugung leichterer Elemente eine Rolle gespielt haben, insbesondere in der Umgebung primitiver Sterne in der Frühzeit des Universums, glauben die Forscher. //[dk]//

Quelle: Physical Review Letters, Band 96, Artikel 142502

Biologie Parasiten leben von Parasiten.

Max-Planck-Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Fadenwürmer der Gattung Pristionchus von Mikroorganismen leben, die ihrerseits auf Käfern vorkommen. Fadenwürmer gibt es im Meer, im Strandsand und im Ackerboden. Bestimmte Arten können sich sogar in den Augen des Menschen einnisten und die in den Tropen gefürchtete Flussblindheit auslösen. Die Tübinger Max-Planck-Forscher haben jetzt entdeckt, das einige Fadenwürmer der Gattung Pristionchus auf Maikäfern, Mistkäfern und Kartoffelkäfern vorkommen. Solange die Käfer leben, harren die Fadenwürmer als Dauerlarven aus. Erst wenn die Käfer sterben, fressen sie Bakterien, Pilze und andere Fadenwurmarten, die sich auf dem Kadaver ausbreiten. Biologen halten es für möglich, dass diese Lebensweise eine Vorstufe des Parasitismus darstellt. //[dk]//

Quelle: mpg.de, Zoology

Medizin Forscher entdecken Schlüsselfaktor für die ALS-Krankheit.

Zwei Forscherteams der Northwestern University melden den Fortschritt, der bei der Bekämpfung von ALS, der Amyotrophischen Lateralsklerose helfen soll. ALS ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die den Patienten zunehmend paralysiert, weil Nervenzellen zugrunde gehen. Die Neurologen und Biologen konnten zeigen, wie das Protein SOD1 sich verändert und schließlich zur Klumpenbildung neigt. Die berichten darüber in der Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences" (PNAS). Demnach sorgt erhöhter oxidativer Stress für eine genetische Mutation, bei der unregelmäßige chemische Bindungen in dem Gen entstehen, das die Produktion des SOD1-Proteins steuert. Auf diese Weise entstehen in den Nervenzellen des Rückenmarks Verklumpungen, die schließlich zum Ausfall der Zellen führen. //[dk]//

Quelle: www.eurekalert.org

Medizin Das Gehirn verbirgt Ausfallerscheinungen recht geschickt.

US-Forscher am Dartmouth College haben festgestellt, dass das Gehirn auf die Zufuhr von Alkohol reagiert, indem es motorische und Koordinationsstörungen gezielt ausgleicht. Da Alkohol selektiv die Gehirnregionen außer Gefecht setzt, die nötig sind, um Informationen in eine richtige Motorik zu übersetzen, maßen sie bei Probanden die Gehirnaktivität mit Hilfe der Magnetresonanztomographie. Die Versuchspersonen mussten mit und ohne Alkoholeinfluss einen Joystick bedienen. Dabei zeigte sich in den Bildern des Gehirns, dass der Alkohol vor allem im Frontallappen des Gehirns wirkt, dort werden visuelle und motorische Prozesse verarbeitet. Auf diese Weise konnten die Forscher erstmals zeigen, welche Regionen des Gehirns durch den Alkohol blockiert waren. //[dk]//

Quelle: www.eurekalert.org

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