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23.05.2006

Mathematik Der Abel-Preis ging heute an den schwedischen Mathematiker Lennart Carleson.

Carleson wurde für seine Beiträge zur so genannten Fourier-Analyse und der Theorie dynamischer Systeme ausgezeichnet. Die Theorie dynamischer Systeme hilft bei der Berechnung komplexer Geschehen - vom Wetter über Finanzmärkte bis hin zur Ausbreitung von Infektionskrankheiten. Der mit umgerechnet 760.000 Euro dotierte Abel-Preis gilt als ein "Nobelpreis für Mathematik". Der 78-jährige Lennart Carleson arbeitet am Königlich-Schwedischen Institut für Technologie in Stockholm. //[mawi]//

Klimaforschung Die Erde erwärmt sich schneller als befürchtet.

Aktuelle Analysen von Eisproben aus der Antarktis ergeben, dass die Temperatur auf der Erde bis zum Ende dieses Jahrhunderts möglicherweise um 6 Grad Celsius ansteigen wird – vielleicht sogar um 7,7 Grad. Im Fachblatt "Geophysical Research Letters" schreibt ein internationales Forscherteam, die künftige Erwärmung werde um 15 bis 78 Prozent stärker ausfallen als bislang angenommen. Frühere Studien hätten so genannte Rückkoppelungseffekte nicht ausreichend berücksichtigt. Für die Rückkoppelung seien vor allem zwei Faktoren verantwortlich: Bei steigender Wassertemperatur speicherten die Weltmeere weniger von dem Treibhausgas Kohlendioxid. Und an Land werde bei steigenden Temperaturen mehr organisches Material zersetzt, auch dabei steige der CO2-Ausstoß. Andere Wissenschaftler wenden ein, der Rückkoppelungseffekt sei in der Studie zu hoch angesetzt worden. //[mawi]//

Paläontologie Eine Dino-Kralle löst eine wissenschaftliche Debatte au.

In Brasilien haben Wissenschaftler 600 Kilometer nordwestlich von Rio de Janeiro die versteinerte Kralle eines Dinosauriers entdeckt. Paläontologen des Forschungszentrums von Minas Gerais sehen in der Kralle den Beleg dafür, dass es eine Verbindung zwischen fleischfressenden Sauriern und heutigen Vögeln gibt. US-amerikanische Paläontologen der Universität Maryland sehen in der Kralle einzig den Beweis dafür, dass vor 70 Millionen Jahren Raubsaurier im heutigen Brasilien gelebt haben. Es sei gewagt, ein theoretisches Gebäude auf einer einzigen Kralle aufzubauen. //[mawi]//

Medizin In Entwicklungsländern bergen Kaiserschnittgeburten hohe Risiken.

Auch in Entwicklungsländern kommen immer mehr Kinder per Kaiserschnitt auf die Welt. Vor den gesundheitlichen Gefahren für Mütter und Kinder warnt ein Forscherteam der Vereinten Nationen. Bei Untersuchungen von Krankenhäusern in acht lateinamerikanischen Ländern stellte sich heraus, dass mit einer höheren Kaiserschnittquote auch eine höhere Zahl von Frühgeburten sowie mehr Todesfälle von Müttern und Kindern einhergingen. In der britischen Fachzeitschrift "The Lancet" schreiben die Forscher, eine große Zahl von Kaiserschnitt-Geburten bedeute nicht zwangsläufig eine gute Versorgung. Außerdem koste jeder Kaiserschnitt umgerechnet rund 274 Euro mehr als eine natürliche Geburt. Untersucht wurden die Geburten von 97.000 Kindern in Argentinien, Brasilien, Kuba, Ecuador, Mexiko, Nicaragua, Paraguay und Peru. Etwas jedes dritte Kind dort kam per Kaiserschnitt zur Welt. In Deutschland stieg die Kaiserschnittsrate in den vergangenen zehn Jahren von 17 auf 27 Prozent. //[mawi]//

Medizin Eine Gentherapie macht blinde Hühner sehend.

US-amerikanische Forscher der Universität von Florida haben eine neuartige Gentherapie entwickelt. Sie spritzten Viren in Hühnereier, die ein Gen mit Namen GC1 in Netzhautzellen transportierten. Küken, die wegen eins Gen-Defekts normalerweise blind zur Welt gekommen wären, entwickelten einen normalen Sehsinn. Die Hühner konnten sehen, picken und normal fressen, berichten die Forscher im Online Magazin „Public Library of Science-Medicine“. Ziel der Forscher ist, die Gentherapie für Menschen zu nutzen, die unter einer genetisch bedingten Blindheit leiden, einem so genannten LCA1-Defekt. Die Viren könnten dazu direkt in das Auge gespritzt werden. Da die Viren auf die Infektion von Netzhautzellen spezialisiert sind, würden das therapeutische Gen auch nur in Netzhautzellen eingebaut. //[mawi]//

Virologie Ein Kombi-Impfstoff schützt Hühner auch vor der Vogelgrippe.

Forscher des Friedrich-Löffler-Instituts für Tiergesundheit auf der Insel Riems berichten im Fachblatt PNAS über eine wirksame und kostengünstige Impfung gegen die Vogelgrippe. Sie veränderten dazu den Impfstoff, der vor der Ansteckung mit einer anderen Geflügelkrankheit schützt - der Newcastle-Krankheit. In das Impfvirus bauten sie das Hämagglutinin-Gen H5 des Vogelgrippevirus ein. Hühner waren nach der Impfung sowohl vor der Vogelgrippe geschützt als auch vor der Newcastle-Krankheit. Der Impfstoff gegen die Newcastle-Krankheit wird Hühnern gewöhnlich über das Trinkwasser verabreicht – ein kostengünstiges Verfahren. //[mawi]//
22.05.2006

Astronomie Sonnenobservatorium war ein Ritualkalender

Mit dem ältesten Sonnenobservatorium der Welt, der Anlage in Goseck in Sachsen-Anhalt, bestimmten die Menschen vor 7000 Jahren die Tage ihrer Opferfeste. Das glauben Astronomen der Ruhr-Universität Bochum. In den kreisförmig angeordneten Palisaden haben sie spezielle Aussparungen entdeckt. Durch diese so genannten Zeitmarken fallen die Sonnenstrahlen an ganz bestimmten Tagen im Jahr. Außerdem haben Archäologen aus Halle bei der Anlage auch Opergruben gefunden, wo einst starke Feuer gelodert haben. In den Gruben entdeckten sie auch Knochen von Rindern, den bevorzugten Opfertieren der Steinzeit. Die Wissenschaftler folgern daraus, dass das Observatorium als Kalender für bestimmte Rituale gedient hat. Einer der Tage fällt offenbar auf den 1. Mai. Die Nacht zum 1. Mai ist heute als Walpurgisnacht bekannt. //[reu]//

Quelle: dpa

Medizin Milch und Fleisch in der Schwangerschaft kann Zwillinge bringen

Das sagt ein amerikanische Mediziner, welcher die Ernährungsgewohnheiten von werdenden Müttern untersucht hat. Das besondere Interesse von Gary Steinman galt Frauen, die sich vegan ernähren, also auf sämtliche tierische Nahrungsmittel verzichten. Bei ihnen fanden er eine fünfmal geringere Wahrscheinlichkeit für eine Zwillingsgeburt als bei solchen Frauen, die während der Schwangerschaft nicht auf Milch und Fleisch verzichtet hatten. Der Wissenschaftler schreibt im "Journal of Reproductive Medicine", dass eine Hormonbehandlung der Tiere dafür verantwortlich ist. Denn bei den Nicht-Veganerinnen stellte er mehr IGF im Blut fest. IGF ist ein natürlicher Wachstumsfaktor, der unter anderem für eine vermehrte Eiproduktion sorgt. In den USA wird IGF aber auch als Wachstumshormon in der Tierzucht verwendet und lässt sich in Fleisch und Milch nachweisen. In der EU ist solch eine Behandlung verboten. //[reu]//

Quelle: wissenschaft.de, spiegel-online, nature.com

Nuklearforschung Physiker halten Plasma stabil

Eine Hürde auf dem Weg zur Kernfusion als Energiequelle der Zukunft haben Forscher aus Kalifornien genommen. Sie konnten zeigen, wie man das Millionen Grad heiße Plasma in der Fusionskammer stabil hält. Dieses Plasma besteht aus Wasserstoffgas, bei dem die beiden Bestandteile der Atome - Kerne und Elektronen - getrennt voneinander vorliegen. Die Kerne sollen miteinander verschmelzen und dabei Energie freisetzen, während ein Magnetfeld das Plasma in der Fusionskammer in Form hält. Allerdings können aus solch einem heißen Plasma auch Entladungsbögen herausschlagen und die Wände der Fusionskammern beschädigen. Die Forscher um Todd Evans von General Atomics konnten diese Instabilitäten unterdrücken, indem sie gezielt magnetische Störfelder anlegten. Dadurch entsteht am Rand des Plasmas ein chaotischer Zustand, der aber das System als ganzes stabil hält. Diese Ergebnisse könnten dem internationalen Forschungsreaktor ITER zugute kommen, so die Forscher im Fachblatt "Nature Physics". //[reu]//

Quelle: Nature Phyics

Meeresforschung Forscher messen Hitzerekord in der Tiefsee

407 Grad Celsius hat die Wassertemperatur betragen, die Forscher der International University Bremen an einer Stelle des Mittelatlantischen Rückens ermittelt haben - die höchste bislang registrierte Temperatur am Meeresboden. Mit einem Tiefseeroboter hatten die Wissenschaftler die heiße Quelle, einen so genannten schwarzen Raucher, entdeckt. Der neue Temperaturrekord liegt allerdings nur um gerade mal fünf Grad über dem alten. Allerdings sei diese geringe Differenz entscheidend für den physikalischen Zustand des Wassers, so eine Sprecherin der Universität. Bei den beobachteten Temperatur- und Druckverhältnissen ist das Wasser weder eindeutig flüssig noch eindeutig gasförmig: Es liegt in einem Zwischenzustand vor und löst Bestandteile aus dem Gestein am Meeresboden auf ganz andere Weise heraus als flüssiges Wasser. Das Ergebnis seien superheiße Lösungen mit außergewöhnlicher Zusammensetzung. //[reu]//

Quelle: idw, dpa

Antriebstechnik Weniger ist mehr

Mit dieser Strategie haben französische Studenten der Lycee La Joliverie Universität den Eco-Marathon im französischen Nogaro gewonnen. Mit ihrem Gefährt, das mit reinem Alkohol angetrieben wurde, wären sie umgerechnet 2885 Kilometer mit einem Liter Sprit gefahren. Bei dem Wettbewerb im Südwesten Frankreichs fuhren sie tatsächlich aber nur die vorgegebenen sieben Runden bei einer Mindestgeschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde. Bestes deutsches Team wurden die Studenten der Hochschule Offenburg, die 2614 Kilometer mit ihrem Gefährt „Schluckspecht“ auf dem vierten Platz landeten. Insgesamt 27 Teams konnten die 1000-Kilometer-Marke durchbrechen, teilten die Veranstalter am Wochenende mit. //[Mst]//

Quelle: European Shell Eco-marathon

Medizin Kleinkinder soll man von Katzen fernhalten

Das raten Mediziner der Universität von Arizona in Tucson. Denn Neugeborene, die mit Katzen zusammen aufwachsen, entwickeln häufiger ein Ekzem als Kinder aus Haushalten ohne diese Tiere. Für ihre Studie hatten die Forscher rund 500 Kinder ein Jahr nach ihrer Geburt untersucht. In Haushalten mit Katzen lag das Ekzem-Risiko bei 28 Prozent, im katzenfreien Umfeld bei nur 17. Für Hunde konnten die Forscher diesen Zusammenhang nicht belegen. Wenn die Kinder ihr erstes Lebensjahr zusammen mit ihnen verbrachten, schien sie das sogar zu einem gewissen Grad vor einem Ekzem zu bewahren. //[reu]//

Quelle: Spiegel, Newswise

19.05.2006

Forschungspolitik Die Privat-Universität Witten-Herdecke erhält einen Aufschub.

Der Wissenschaftsrat hat seine Entscheidung über die Ausbildung von Medizinern an der Privatuniversität Witten-Herdecke aufgeschoben. Die Universität hat jetzt bis zur nächsten Sitzung des Rates im Juli Zeit, ein überarbeitetes Konzept vorzulegen. Der Wissenschaftsrat hatte im vergangen Jahr die Ausbildung der Mediziner in Witten als zu forschungsfern kritisiert. Er hatte die Universität aufgefordert, ein neues Konzept vorzulegen. Bereits vorab war bekannt geworden, dass die zuständige Arbeitsgruppe des Wissenschaftsrat dieses Konzept nicht als ausreichend für eine weitere Ausbildung von Medizinern an der Privathochschule ansieht. Auf Drängen des Landes Nordrhein-Westfalen hat der Rat jedoch eine Entscheidung über eine Empfehlung aufgeschoben. //[gät]//

Astronomie Das größte Einzel-Teleskop der Welt soll in Chile gebaut werden.

Das Fernrohr erhält einen Spiegel von 8,4 Metern Durchmesser und soll in der Lage sein, den gesamten sichtbaren Himmel in drei Tagen zu erfassen. Bisher benötigen Teleskope dafür deutlich länger. 2012 wird das Large Synoptic Survey Telescope getaufte Observatorium in Betrieb gehen. Das Astrophysikalische Institut in Potsdam hat unterdessen auf der Insel Teneriffa eine vollautomatische Sternwarte in Betrieb genommen. Das Observatorium verfügt über zwei Spiegelteleskope von je 1,2 Metern Durchmesser und soll computergesteuert den Himmel nach fremden Sonnensystemen absuchen. //[gät]//

Astronomie Neptuns Dreizack könnte einen erdähnlichen Planeten haben.

Ein internationales Forscherteam hat drei Planeten entdeckt, die um einen sonnenähnlichen Stern kreisen. Wie die Forscher aus Genf und Bern berichten, zieht dabei einer der Planeten seine Bahn innerhalb der Zone, in der auf Planeten gemäßigte Temperaturen herrschen. Damit könnte sich auf diesem Himmelskörper prinzipiell Leben entwickelt haben. Weil die drei Planeten in etwa die Größe des Neptuns haben, tragen sie die Bezeichnung Neptuns Dreizack. Die Planeten des Sterns mit der offiziellen Bezeichnung HD 69 830 sind deutlich schwerer als die Erde. Im Vergleich mit den übrigen bereits entdeckten Exoplaneten sind sie jedoch verhältnismäßig leicht. //[gät]//

Biologie Affen können im voraus planen.

Das berichten Forscher des Max Planck Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig im Fachblatt "Science". Die Wissenschaftler hatten den Tieren die Aufgabe gestellt, ein Werkzeug auszuwählen, mit dem diese mehrere Stunden später an Futter herankommen würden. Mit der Zeit lernte ein Teil der Versuchstiere tatsächlich, dieses Instrument zu nehmen und später wieder mitzubringen. Die Forscher werten das als Beleg dafür, dass auch Menschenaffen wie Schimpansen oder Orang-Utans im voraus planen. Bislang hatten Biologen diese Fähigkeit ausschließlich dem Menschen zugeschrieben. //[gät]//

Quelle: Science, Band 312, Seite 1038

Physik Laser scheren Atome passgenau vom Molekül.

Forschern der Yale-University ist es gelungen, Wasserstoffatome gezielt von Silizium-Molekülen zu lösen. Die Wissenschaftler hatten dazu die Verbindung mit einem Laser beschossen, der eine genau zu den Schwingungen der Atome passende Frequenz hatte. Die Folge davon war, dass sich die Bindung zwischen den Wasserstoff- und den Siliziumatomen löste. Einzelne Silizium-Schichten auf Chips werden durch eine Wasserstoffschicht versiegelt. Soll eine neue Schicht auf die vorhandene aufgelegt werden, muss die Wasserstoffschicht jedoch entfernt werden. Die Wissenschaftler hoffen, mit ihrem Verfahren dafür einen einfachen Weg gezeigt zu haben. //[gät]//

Evolution Die Entwicklung des Lebens könnte anders verlaufen sein, als Forscher bislang vermuten.

Während der Evolution haben sich zuerst die einfachen Einzeller ohne Zellkern – die Prokaryonten - entwickelt, dann erst die komplexen, die über einen Zellkern verfügen, die so genannten Eukaryonten. Aus diesen konnten dann mehrzellige Lebensformen entstehen. Diese Annahme gilt derzeit als Stand der Forschung. Ihr widerspricht jetzt jedoch ein Forscherteam der Universitäten Lund in Schweden und der Massey-University in Neuseeland. Die Wissenschaftler vertreten im Fachblatt „Science“ die These, die vorhandenen Daten zur Geschichte der Evolution wiesen auf eine umgekehrte Entwicklung hin. Zuerst seien Einzeller mit Zellkern, die Eukaryonten, entstanden. Aus diesen hätten sich dann die einfacheren Prokaryonten entwickelt – zum Beispiel, um den ersten zellfressenden Organismen entwischen zu können. //[gät]//
18.05.2006

Entwicklungsbiologie Videoüberwachtes Kind soll Fragen der Sprachentwicklung klären.

Von der Geburt an bis zu seinem dritten Geburtstag wollen Forscher vom Massachusetts Institute for Technology einen Jungen filmen: Vierzehn Stunden täglich soll beobachtet werden, wie das kleine Kind allmählich sprechen lernt. Der Vater, selbst Lehrstuhlinhaber am MIT, hat für das Projekt elf Videokameras und 14 Mikrofone in seinem Haus installieren lassen. So soll jede Bewegung und jedes Geräusch des Jungen aufgezeichnet werden. //[tj]//

Quelle: New Scientist, BBC

Biologie Affen können ihre Botschaften durch Lautkombinationen variieren.

Wie die Fachzeitschrift "Nature" berichtet, haben Forscher bei einer in Afrika verbreiteten Affenart eine erstaunliche Entdeckung gemacht. Die so genannten Großen Weißnasenmeerkatzen kennen einzelne Laute, mit denen sie ihre Artgenossen vor anderen Tieren warnen. Sie können diese Laute aber auch kombinieren und damit eine weitere Information übermitteln. So kennen die Affen einen Laut zur Warnung vor Leoparden und einen zur Warnung vor kreisenden Adlern. Kombiniert fordert die Lautfolge die Artgenossen auf, sich rasch in ein entferntes sicheres Gebiet zu begeben. Die Kombination von Lauten zu neuen Bedeutungen wurde bislang als ausschließlich menschliche Fähigkeit angesehen. //[tj]//

Quelle: Nature, Band 441, Seite 303

Medizin Ein neues Antibiotikum soll gefährliche, superresistente Keime in Krankenhäusern bekämpfen können.

Wie im Fachmagazin "Nature" berichtet wird, haben amerikanische Forscher möglicherweise einen entsprechenden Wirkstoff gefunden. Unter 250.000 Teststoffen entdeckten sie eine Substanz mit dem Namen Platensimycin. Dabei handelt es sich um das Molekül eines Mikroorganismus, den sie südafrikanischer Erde entnommenen hatten. Erste Tierversuche seien erfolgreich verlaufen, berichteten die Wissenschaftler des Pharmakonzerns Merck. Die wichtigsten multiresistenten Keime wurden damit ohne Nebenwirkungen abgetötet. Tests über die Wirksamkeit und die Unbedenklichkeit des Wirkstoffs am Menschen stehen noch aus. //[tj]//

Quelle: Nature, Band 441, Seite 358ff

Genetik Auch das letzte menschliche Chromosom ist entziffert.

Britische Forscher haben die Sequenz von Chromosom 1 vollständig entziffert. Damit ist das letzte der 24 verschiedenen menschlichen Chromosomen entschlüsselt. Mehr als 160 Wissenschaftler aus Großbritannien und den USA haben die genaue Abfolge der Chromosomen-Bausteine ermittelt und stellen das Ergebnis in der heutigen Ausgabe von "Nature" vor. Chromosom 1 ist das größte menschliche Chromosom. Es hat rund acht Prozent der gesamten genetischen Information gespeichert. Mehr als 350 Krankheiten stehen mit Veränderungen von Chromosom 1 in Verbindung, darunter verschiedene Krebsarten und neurologische Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson. //[tj]//

Quelle: Nature, Band 441, Seite 315ff

Technik Ultraviolettes Licht soll Datenspeicher erweitern.

Japanische Forscher wollen in Zukunft mit ultravioletten Lasern riesige Datenmengen auf DVD-Scheiben bringen. Basis dafür ist eine neue Leuchtdiode, die sie in "Nature" vorstellen. Damit können sie Licht mit Wellenlängen von 21 Nanometern aussenden. Die bisherigen blau-violetten Laser für die Standards Blu-Ray und HD-DVD lassen Licht mit einer Wellenlänge von 405 Nanometern einzelne Datenpunkte schreiben und auslesen. Sie erreichen damit eine Speicherkapazität von rund 50 Gigabyte pro DVD. Mit der neuen Leuchtdiode könnte dagegen eine Speicherdichte von mehreren hundert Gigabyte möglich werden. //[tj]//

Quelle: Nature, Band 441, Seite 325

Mikrobiologie Auch Bakterien sind resozialisierbar.

Entwicklungsbiologen vom Max-Planck-Institut in Tübingen haben entdeckt, dass sich auch Bakterien resozialisieren können. Wie sie in "NATURE" schreiben, leben Mikroben in kooperativen Gesellschaften. Allerdings gibt es dort auch einige Stämme, die das soziale Gefüge ausnutzen und so die gesamte Population gefährden. Biologen nennen sie daher "Betrüger". Bei dem Bakterium //Myxococcus xanthus// stellten die Forscher allerdings fest: der betrügerische Stamm des Bakteriums entwickelt immer gerade rechtzeitig wieder soziales Verhalten, bevor er seine Gesellschaft zu Grund richtet. Inspiriert von dem antiken Mythos nennen die Wissenschaftler diesen neuen Stamm Phönix. Interessanterweise ist er dem ursprünglichen kooperativen Stamm überlegen und gegen Betrügereien seiner Vorfahren gefeit. //[tj]//

Quelle: Nature, Band 441, Seite 310ff

17.05.2006

Klimaforschung In zwanzig Jahren werden die tropischen Gletscher Afrikas verschwunden sein.

Zu diesem Ergebnis kommt ein britisch-ugandisches Forscherteam nach der Analyse von Satellitenfotos, verschiedenen Feldstudien und Berechnungen. So hatten die Geologen am ostafrikanischen Ruwenzori-Massiv einen massiven Eisrückgang festgestellt. Allein zwischen 1987 bis 2003 habe sich die Eisfläche auf weniger als einen Quadratkilometer halbiert. Mathematisch in die Zukunft berechnet sei in 20 Jahren kein Gletscher mehr vorhanden. Auch die beiden einzigen höheren Berge Afrikas, der Kilimandscharo und der Mount Kenya, zeigten einen extremen Gletscherrückgang. Ursache für die Schmelze seien Klimaveränderungen, schreiben die Forscher im Fachmagazin "Geophysical Research Letters". Seit 1960 nehme die Lufttemperatur am Ruwenzori pro Jahrzehnt um ein halbes Grad zu. //[tj]//

Quelle: Geophysical Research Letters

Medizin Zuckerrohrextrakt wirkt nicht als Cholesterinsenker.

Ein aus dem Wachs des Zuckerrohrs isoliertes Nahrungsergänzungsmittel, das so genannte Policosanol, eignet sich nicht zur Cholesterinsenkung. Die Wirkung des Präparats entspreche der eines Placebos. Das haben Mediziner der Universitätsklinik Köln herausgefunden und heute im Fachblatt der Amerikanischen Medizinischen Vereinigung, im JAMA veröffentlicht. Zu Policosanol gibt es etwa 80 ältere Untersuchungen, die dem Mittel erstaunliche Wirkungen bescheinigen. Im Durchschnitt wurde von einer Senkung des LDL-Cholesterins um fast 24 Prozent gesprochen. Die Kölner Studie ist allerdings die einzige, die das aus Kuba stammende Präparat außerhalb der Insel getestet hat. Möglicherweise seien die unterschiedlichen Lebens- und Ernährungsweisen der Lateinamerikaner und der Europäer der Grund für das völlig andere Ergebnis. Wahrscheinlicher aber - so die Kölner Forscher - sei eine andere Erklärung: Fast alle bisherigen Studien wurden von den kubanischen Dalmer-Laboratorien gesponsert, die kommerziell mit Cholesterin-Forschung befasst sind. //[tj]//

Quelle: JAMA, Bd. 295

Umwelt Öl der "Exxon Valdez" gefährdet noch immer Alaskas Tiere.

Bei Bodenproben im Prince-William-Sund vor Alaska haben amerikanische Chemiker eine hohe Ölbelastung festgestellt. 17 Jahre nach der Havarie des Tankers "Exxon Valdez" sei bei fast der Hälfte der 32 getesteten Strände Öl aus dem Tanker nachweisbar, und das nicht nur an der Oberfläche, sondern auch vergraben in Sand und Schlick. Unerwartet stark betroffen seien die Gezeitenzonen, in denen Tiere wie Enten und Seeotter nach Nahrung wühlen. Da diese Gebiete nur wenig dem Wetter ausgesetzt sind und sich das Öl dementsprechend langsam zersetzt, könnte es die Umwelt in den Küstenstreifen noch jahrzehntelang beeinflussen. //[tj]//

Quelle: Environmental Science and Technology/wissenschaft.de

Medizin Stress während der Schwangerschaft ist gut für die spätere Entwicklung des Kindes.

Ein Forscherteam von der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health hat mehr als 130 Frauen befragt, wie viel Stress sie in der Zeit zwischen der 24. und der 32. Schwangerschaftswoche hatten. Bei der Auswertung stellte sich heraus: Kinder von Müttern mit mehr Stress sind im Alter von 2 Jahren weiter entwickelt als Kinder von Müttern ohne Stress. Bislang war man davon ausgegangen, dass Stress während der Schwangerschaft später zu Verhaltensauffälligkeiten und emotionalen Dysfunktionen beim Kind führt. Die Wissenschaftler haben zwei Erklärungsmöglichkeiten anzubieten: Frauen, die mehr Stress erleben zum Beispiel im Beruf, produzieren mehr von dem Stresshormon Cortisol. Da Cortisol aber auch zur Entwicklung der Organe gebraucht wird, könnte dies die frühere Entwicklung der Kindesorgane erklären. Auf der anderen Seite könnte jedoch auch das Verhalten der Mütter einen Einfluss haben: Mütter mit mehr Stresssituation stellen an sich und an ihre Kinder höhere Anforderungen, auch dies könnte die Entwicklung des Kindes beschleunigen. //[tj]//

Quelle: John Hopkins Bloomberg School of Public Health

Medizin Eine kleine Wunde steigert die Fruchtbarkeit.

Amerikanische Forscher vom Weizmann Institut haben bei der Behandlung von Frauen mit großen Fruchtbarkeitsproblemen eine unerwartete Entdeckung gemacht. Um ein spezielles Protein zu untersuchen, hatten sie bei den Patientinnen eine so genannte Biopsie gemacht, also eine Gewebeprobe. Beim nächsten Versuch ein befruchtetes Ei in die Gebärmutter einzupflanzen, wurden elf von zwölf Frauen schwanger. Die Forscher vermuteten, dass dafür die kleine Gewebeverletzung durch die Biopsie verantwortlich sei. Dies überprüften sie an einer Gruppe von 45 Freiwilligen, die sie mit 90 Freuen einer Kontrollgruppe verglichen. Das Ergebnis: Die Biopsie verdoppelte die Chancen schwanger zu werden. Die genauen Mechanismen, die von einer Gewebeverletzung zu einer Veränderung in der Gebärmutter führen, sollen nun ermittelt werden. //[tj]//

Quelle: American Committee for the Weizmann Institute of Science

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