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26.05.2006

Biologie Langusten meiden todkranke Artgenossen.

Üblicherweise schätzen Karibik-Langusten die Nähe ihrer Artgenossen; jeden Herbst zum Beispiel machen sich viele Tiere gemeinsam auf einen langen Marsch. Manche Jungtiere jedoch bleiben allein. Dabei handelt es sich stets um Krebse, die von einem tödlichen Virus befallen sind. Ein Forscherteam aus den USA berichtet jetzt im Fachblatt "Nature", dass die gesunden Tiere die Krankheit offenbar wahrnehmen und die Kranken deshalb meiden. In Experimenten hat sich gezeigt, dass die Langusten erkrankte Tiere bereits während der Inkubationszeit wahrnehmen können - noch bevor sich Symptome der Infektion zeigen, und lange bevor das Tier ansteckend ist. Wie die Krebse die erkrankten Tiere erkennen, ist den Forschern noch unklar. Sie vermuten aber, dass die gesunden die Kranken am Geruch erkennen. //[gät]//

Materialwissenschaft Aus Nanodrähten lassen sich winzige Transistoren fertigen.

Forscher vermuten, dass der Chip der Zukunft aus Kohlenstoffnanoröhrchen oder optischen Bauteilen besteht: Beide machen deutlich kleinere und leistungsfähigere Prozessoren möglich. Doch auch die konventionelle Technik lässt sich offenbar noch deutlich verkleinern: Wissenschaftler der Harvard - Universität haben einen funktionierenden Transistor konstruiert, der im Kern aus einem Germanium-Draht von nur 10 Nanometern Durchmessern besteht. Um dieses feine Metallfädchen legten die Forscher einen Siliziummantel und schufen so einen drahtförmigen Transistor. Der leitet drei bis vier mal besser Strom als konventionelle Transistoren und schaltet ähnlich schnell wie Kohlenstoffnanoröhrchen. Der Draht ist jedoch deutlich leichter herzustellen. Die Forscher hoffen daher, einen einfachen Weg zur Verkleinerung der Chips aufgezeigt zu haben. //[gät]//

Quelle: Nature, Band 441, Seiten 489-492

Raumfahrt Der Wettersatellit GOES-N ist mit einem Jahr Verspätung gestartet.

GOES-N ist der erste von drei Satelliten einer neuen Generation; zu seiner Ausstattung gehören eine hoch auflösende Kamera sowie Instrumente zur Messung der Temperaturen und Feuchtigkeit der Lufthülle. Der Trabant soll genaue Sturmvorhersagen ermöglichen und zur Beobachtung der Klimaveränderung eingesetzt werden. Eingeschaltet werden soll der Satellit allerdings erst, wenn ein anderer keinen Treibstoff mehr hat. GOES-N ist nach zahlreichen Problemen mit den Trägerraketen am Donnerstag gestartet. Der zweite Start einer Ariane-Rakete in diesem Jahr ist unterdessen auf Sonntag verschoben worden. Das teilte das Unternehmen Arianespace in Paris mit. Grund sind nach Angabe des Unternehmens technische Überprüfungen. Die Ariane 5 ECA soll zwei Telekommunikationssatelliten ins All befördern. //[gät]//

Medizin Patient starb wahrscheinlich nicht an der Gentherapie.

Der Patient hatte an einer Erbkrankheit gelitten, bei der der Körper die Fähigkeit verliert, Bakterien und Pilze im Körper zu bekämpfen. Bei einer Behandlung vor zwei Jahren waren ihm mit Hilfe eines Virus gesunde Gene in Blutstammzellen transferiert worden. Daraufhin war der Anteil an gesunden Immunzellen auf mehr als 50 Prozent gestiegen. Der Fall galt als einer der ersten gelungenen Gen-Therapien in Deutschland. Wie eine Untersuchung jetzt ergeben hat, hatten zwei Jahre später die meisten der gentechnisch veränderten weißen Blutkörperchen ihre Funktion zum Teil oder ganz verloren. Die funktionsfähigen Zellen hätten nicht ausgereicht, um eine Infektion zu bekämpfen, der Patient starb an einer Infektion, die eine Blutvergiftung nach sich zog. Warum die Zellen ihre Fähigkeit wieder verloren haben, ist den Forschern noch unklar. Einen Zusammenhang mit der Gentherapie könne aber nicht ausgeschlossen werden, so die Forscher. //[gät]//

Astronomie Die äußere Hülle des Sonnensystems hat eine Delle.

Darauf weisen Messdaten der Raumsonde Voyager 2 hin. Die Fühler der Sonde registrieren offenbar die ersten Ausläufer der Grenzschicht zwischen dem Sonnenwind - den geladenen Partikeln, die von der Sonne ausgesandt werden - und den interstellaren Teilchenströmen. Für Physiker kommen diese Daten überraschend. Voyager 2 ist noch weit von der Distanz zur Sonne entfernt, bei der die Schwestersonde Voyager 1 vor zwei Jahren die ersten Ausläufer der Grenzschicht gemessen hatte. Wissenschaftler vermuten jetzt, dass die Grenze des Sonnensystems an dieser Stelle eine Delle hat. Stimmt diese Vermutung, wäre Voyager 2 unter Umständen schon in zehn Jahren außerhalb des Sonnensystems - und hätte es damit schneller verlassen als Voyager 1. //[gät]//

Medizin Eine Nikotinsucht kann sich auch drei Jahre nach einer einzigen Zigarette einstellen.

Das notieren Forscher des University College London im Fachblatt "British Medical Journal". Die Wissenschaftler hatten knapp 6000 Jugendliche im Alter von elf bis 16 Jahren untersucht. Dabei stellten sie fest, dass Jugendliche im Alter von 14 Jahren doppelt so häufig regelmäßig zur Zigarette griffen, wenn sie bereits mit elf Jahren einmal eine versucht und danach nicht weiter geraucht hätten. Die Wissenschaftler sehen ihre Studie als Beleg dafür, dass bereits eine einzige Zigarette Nervenverschaltungen im Hirn erzeugt, die unter Stress oder Depressionen den Griff zur Zigarette wahrscheinlicher machen. //[gät]//
24.05.2006

Medizin Schlaftablette weckt Patienten im Wachkoma.

Bei drei Patienten in einem Wachkoma haben britische und südafrikanische Ärzte eine erstaunliche Entdeckung gemacht. Sie gaben ihnen den Wirkstoff Zolpidem, der in modernen Schlafmitteln enthalten ist, und konnten die Patienten damit zeitweise "aufwachen" lassen. Über mehrere Stunden sprachen die Patienten mit Freunden und der Familie, bevor die Wirkung nachließ. Darauf hin erhielten sie die Substanz über einen längeren Zeitraum jeden Morgen. Nennenswerte Nebenwirkungen seien nicht aufgetreten, berichten die Ärzte im Fachmagazin "NeuroRehabilitation". Jetzt sollen größer angelegte Studien den Behandlungserfolg von Zolpidem überprüfen. //[tj]//

Quelle: nature.com

Medizin Bestimmte Milch hilft gegen Asthma.

Milch von Schafen und Kühen, die frisches Grünfutter gegessen haben, könnte bei kindlichem Asthma helfen. Das fanden Ernährungswissenschaftler der Universität Jena heraus. In Gras, Heu und Kräutern kämen Pflanzenfette vor, die von den Wiederkäuern in eine bestimmte Milchfettsäure umgebaut würden. Diese Säure habe eine entzündungshemmende Wirkung bei Asthma. Die Ergebnisse aus Jena werden nun im Tierversuch und anschließend in klinischen Studien überprüft. Israelische Forscher setzen derzeit im Kampf gegen Asthma bei Kindern auf Kamelmilch. //[tj]//

Quelle: Uni Jena

Biologie Nordamerikas Baumwelt leidet unter europäischen Zuwanderern.

In Nordamerika heimische Baumarten wie der Kanadische Ahorn sind von zugewanderten Gewürzpflanzen aus Europa bedroht. Bei Untersuchungen der Knoblauchrauke - die 1860 nach Amerika eingeführt wurde - sind Forscher auf einen bislang unbekannten Mechanismus gestoßen, der die Vermehrung von Bäumen bremst. So sondert die Pflanze giftige Substanzen ab, die Pilze im Boden schädigen. Damit junge Baumkeimlinge aber anwachsen können, benötigen sie Bodenpilze, die ihre Wurzeln besiedeln und dabei helfen, Nährstoffe aus dem Boden aufzunehmen. Dies wird durch die Knoblauchrauke verhindert. //[tj]//

Quelle: idw Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle

Medizin Wandlungsfähige Viren führen zur Chikungunya-Ausbreitung.

Weshalb sich das Chikungungya-Virus im vergangenen Jahr so rasch auf Mauritius, den Seychellen und vor allem auf La Réunion ausgebreitet hat, scheint nun geklärt. Forscher vom Pariser Pasteur-Institut haben herausgefunden, dass sich das Erbgut des Virus verändert hat. Sie entdeckten eine veränderte Nukleotidsequenz im Genom, die zu einem modifizierten Protein der Virusoberfläche geführt habe. Dadurch könne das Virus leichter in den Darm von blutsaugenden Mücken gelangen und sich in den Insekten besser vermehren. Außerdem könnten Menschen leichter mit dem mutierten Virus infiziert werden, vermuten die Forscher. Sie schließen aber nicht aus, dass auch eine fehlende natürliche Immunität der Inselbewohner im indischen Ozean zur Ausbreitung des Virus beigetragen hat. Auf La Réunion sind mittlerweile 250.000 Menschen - etwa ein Drittel der Bevölkerung - mit dem Chikungungya-Virus infiziert. //[tj]//

Quelle: wissenschaft.de/Public Libray of Science Medicine

Medizin Kaugummi soll vor Magen- und Speiseröhrenkrebs schützen.

80 Prozent der Fälle von Mund-, Rachen und Speiseröhrenkrebs werden durch Rauchen und Alkohol verursacht. Der wichtigste Auslöser ist dabei die Substanz Acetaldehyd, die sich beim Abbau von Alkohol und bei der Verbrennung von Tabak bildet. Schon seit langem ist bekannt, das Acetaldehyd durch die Aminosäure Cystein unschädlich gemacht werden kann. Allerdings bringt eine Cysteinpille wenig, da das Cystein nach der Einnahme erst im Dünndarm freigesetzt wird. Jetzt haben finnische Wissenschaftler eine probate Lösung gefunden: Sie haben Kautabletten und Kaugummis entwickelt, die die Aminosäure Cystein enthalten. Damit konnten sie Acetaldehyd bereits am Ort des Geschehens - im Mund - in eine harmlose Form umwandeln. Allerdings - so warnten die Forscher bei der Vorstellung ihrer Methode auf dem Internationalen Krebskongress in Grado - könne der Kaugummi nicht alle Chemikalien bekämpfen, die durch Tabak oder Zigaretten entstehen. //[tj]//

Quelle: wissenschaft.de

Medizin Neue Substanz schützt Nervenzellen nach einem Schlaganfall.

Max-Planck-Forscher haben eine Substanz synthetisiert, die nach einem Schlaganfall Nervenzellen vor dem Absterben bewahrt. Dies war bislang nicht möglich. Die neue Substanz ähnelt einem Medikament, mit dem Mediziner nach einer Transplantation das Immunsystem des Patienten unterdrücken oder bestimmte Autoimmunkrankheiten behandeln. Allerdings ist die Wirkung der neuen Substanz auf die Nervenzellen beschränkt. Im Tierversuch gelang es damit nicht nur, bleibende Schäden bei Ratten mit Schlaganfallsymptomen zu begrenzen. Auch bereits entstandene Schäden konnten teilweise sogar wieder rückgängig gemacht werden. Möglicherweise - so die Max-Planck-Forscher - könnte die Substanz auch bei anderen Krankheiten helfen, bei denen Nervenzellen zerstört werden - so beispielsweise bei der Alzheimer Krankheit. //[tj]//

Quelle: Max Planck Gesellschaft

Psychologie Eine glückliche Kindheit macht schön.

Jahrelanger Stress in der Familie beeinträchtigt nicht nur die Gesundheit, sondern auch das Aussehen. Diesen Schluss ziehen britische Psychologen aufgrund einer Studie mit mehr als 200 Studentinnen. Die Tests ergaben: Frauen aus schwierigen Elternhäusern war die stressgeprägte Kindheit auch noch mit Anfang 20 ins Gesicht geschrieben: Sie wirkten weniger attraktiv, weniger gesund und maskuliner als Altersgenossinnen, die in einem intakten Elternhaus aufgewachsen waren. Den Wissenschaftlern zufolge spielt das Stresshormon Cortisol dabei eine wesentliche Rolle, außerdem sei in Familien mit sehr viel Streit meist auch der Lebensstil ungesünder als in stressfreier Umgebung. //[tj]//

Quelle: Proceedings of the Royal Society

23.05.2006

Mathematik Der Abel-Preis ging heute an den schwedischen Mathematiker Lennart Carleson.

Carleson wurde für seine Beiträge zur so genannten Fourier-Analyse und der Theorie dynamischer Systeme ausgezeichnet. Die Theorie dynamischer Systeme hilft bei der Berechnung komplexer Geschehen - vom Wetter über Finanzmärkte bis hin zur Ausbreitung von Infektionskrankheiten. Der mit umgerechnet 760.000 Euro dotierte Abel-Preis gilt als ein "Nobelpreis für Mathematik". Der 78-jährige Lennart Carleson arbeitet am Königlich-Schwedischen Institut für Technologie in Stockholm. //[mawi]//

Klimaforschung Die Erde erwärmt sich schneller als befürchtet.

Aktuelle Analysen von Eisproben aus der Antarktis ergeben, dass die Temperatur auf der Erde bis zum Ende dieses Jahrhunderts möglicherweise um 6 Grad Celsius ansteigen wird – vielleicht sogar um 7,7 Grad. Im Fachblatt "Geophysical Research Letters" schreibt ein internationales Forscherteam, die künftige Erwärmung werde um 15 bis 78 Prozent stärker ausfallen als bislang angenommen. Frühere Studien hätten so genannte Rückkoppelungseffekte nicht ausreichend berücksichtigt. Für die Rückkoppelung seien vor allem zwei Faktoren verantwortlich: Bei steigender Wassertemperatur speicherten die Weltmeere weniger von dem Treibhausgas Kohlendioxid. Und an Land werde bei steigenden Temperaturen mehr organisches Material zersetzt, auch dabei steige der CO2-Ausstoß. Andere Wissenschaftler wenden ein, der Rückkoppelungseffekt sei in der Studie zu hoch angesetzt worden. //[mawi]//

Paläontologie Eine Dino-Kralle löst eine wissenschaftliche Debatte au.

In Brasilien haben Wissenschaftler 600 Kilometer nordwestlich von Rio de Janeiro die versteinerte Kralle eines Dinosauriers entdeckt. Paläontologen des Forschungszentrums von Minas Gerais sehen in der Kralle den Beleg dafür, dass es eine Verbindung zwischen fleischfressenden Sauriern und heutigen Vögeln gibt. US-amerikanische Paläontologen der Universität Maryland sehen in der Kralle einzig den Beweis dafür, dass vor 70 Millionen Jahren Raubsaurier im heutigen Brasilien gelebt haben. Es sei gewagt, ein theoretisches Gebäude auf einer einzigen Kralle aufzubauen. //[mawi]//

Medizin In Entwicklungsländern bergen Kaiserschnittgeburten hohe Risiken.

Auch in Entwicklungsländern kommen immer mehr Kinder per Kaiserschnitt auf die Welt. Vor den gesundheitlichen Gefahren für Mütter und Kinder warnt ein Forscherteam der Vereinten Nationen. Bei Untersuchungen von Krankenhäusern in acht lateinamerikanischen Ländern stellte sich heraus, dass mit einer höheren Kaiserschnittquote auch eine höhere Zahl von Frühgeburten sowie mehr Todesfälle von Müttern und Kindern einhergingen. In der britischen Fachzeitschrift "The Lancet" schreiben die Forscher, eine große Zahl von Kaiserschnitt-Geburten bedeute nicht zwangsläufig eine gute Versorgung. Außerdem koste jeder Kaiserschnitt umgerechnet rund 274 Euro mehr als eine natürliche Geburt. Untersucht wurden die Geburten von 97.000 Kindern in Argentinien, Brasilien, Kuba, Ecuador, Mexiko, Nicaragua, Paraguay und Peru. Etwas jedes dritte Kind dort kam per Kaiserschnitt zur Welt. In Deutschland stieg die Kaiserschnittsrate in den vergangenen zehn Jahren von 17 auf 27 Prozent. //[mawi]//

Medizin Eine Gentherapie macht blinde Hühner sehend.

US-amerikanische Forscher der Universität von Florida haben eine neuartige Gentherapie entwickelt. Sie spritzten Viren in Hühnereier, die ein Gen mit Namen GC1 in Netzhautzellen transportierten. Küken, die wegen eins Gen-Defekts normalerweise blind zur Welt gekommen wären, entwickelten einen normalen Sehsinn. Die Hühner konnten sehen, picken und normal fressen, berichten die Forscher im Online Magazin „Public Library of Science-Medicine“. Ziel der Forscher ist, die Gentherapie für Menschen zu nutzen, die unter einer genetisch bedingten Blindheit leiden, einem so genannten LCA1-Defekt. Die Viren könnten dazu direkt in das Auge gespritzt werden. Da die Viren auf die Infektion von Netzhautzellen spezialisiert sind, würden das therapeutische Gen auch nur in Netzhautzellen eingebaut. //[mawi]//

Virologie Ein Kombi-Impfstoff schützt Hühner auch vor der Vogelgrippe.

Forscher des Friedrich-Löffler-Instituts für Tiergesundheit auf der Insel Riems berichten im Fachblatt PNAS über eine wirksame und kostengünstige Impfung gegen die Vogelgrippe. Sie veränderten dazu den Impfstoff, der vor der Ansteckung mit einer anderen Geflügelkrankheit schützt - der Newcastle-Krankheit. In das Impfvirus bauten sie das Hämagglutinin-Gen H5 des Vogelgrippevirus ein. Hühner waren nach der Impfung sowohl vor der Vogelgrippe geschützt als auch vor der Newcastle-Krankheit. Der Impfstoff gegen die Newcastle-Krankheit wird Hühnern gewöhnlich über das Trinkwasser verabreicht – ein kostengünstiges Verfahren. //[mawi]//
22.05.2006

Astronomie Sonnenobservatorium war ein Ritualkalender

Mit dem ältesten Sonnenobservatorium der Welt, der Anlage in Goseck in Sachsen-Anhalt, bestimmten die Menschen vor 7000 Jahren die Tage ihrer Opferfeste. Das glauben Astronomen der Ruhr-Universität Bochum. In den kreisförmig angeordneten Palisaden haben sie spezielle Aussparungen entdeckt. Durch diese so genannten Zeitmarken fallen die Sonnenstrahlen an ganz bestimmten Tagen im Jahr. Außerdem haben Archäologen aus Halle bei der Anlage auch Opergruben gefunden, wo einst starke Feuer gelodert haben. In den Gruben entdeckten sie auch Knochen von Rindern, den bevorzugten Opfertieren der Steinzeit. Die Wissenschaftler folgern daraus, dass das Observatorium als Kalender für bestimmte Rituale gedient hat. Einer der Tage fällt offenbar auf den 1. Mai. Die Nacht zum 1. Mai ist heute als Walpurgisnacht bekannt. //[reu]//

Quelle: dpa

Medizin Milch und Fleisch in der Schwangerschaft kann Zwillinge bringen

Das sagt ein amerikanische Mediziner, welcher die Ernährungsgewohnheiten von werdenden Müttern untersucht hat. Das besondere Interesse von Gary Steinman galt Frauen, die sich vegan ernähren, also auf sämtliche tierische Nahrungsmittel verzichten. Bei ihnen fanden er eine fünfmal geringere Wahrscheinlichkeit für eine Zwillingsgeburt als bei solchen Frauen, die während der Schwangerschaft nicht auf Milch und Fleisch verzichtet hatten. Der Wissenschaftler schreibt im "Journal of Reproductive Medicine", dass eine Hormonbehandlung der Tiere dafür verantwortlich ist. Denn bei den Nicht-Veganerinnen stellte er mehr IGF im Blut fest. IGF ist ein natürlicher Wachstumsfaktor, der unter anderem für eine vermehrte Eiproduktion sorgt. In den USA wird IGF aber auch als Wachstumshormon in der Tierzucht verwendet und lässt sich in Fleisch und Milch nachweisen. In der EU ist solch eine Behandlung verboten. //[reu]//

Quelle: wissenschaft.de, spiegel-online, nature.com

Nuklearforschung Physiker halten Plasma stabil

Eine Hürde auf dem Weg zur Kernfusion als Energiequelle der Zukunft haben Forscher aus Kalifornien genommen. Sie konnten zeigen, wie man das Millionen Grad heiße Plasma in der Fusionskammer stabil hält. Dieses Plasma besteht aus Wasserstoffgas, bei dem die beiden Bestandteile der Atome - Kerne und Elektronen - getrennt voneinander vorliegen. Die Kerne sollen miteinander verschmelzen und dabei Energie freisetzen, während ein Magnetfeld das Plasma in der Fusionskammer in Form hält. Allerdings können aus solch einem heißen Plasma auch Entladungsbögen herausschlagen und die Wände der Fusionskammern beschädigen. Die Forscher um Todd Evans von General Atomics konnten diese Instabilitäten unterdrücken, indem sie gezielt magnetische Störfelder anlegten. Dadurch entsteht am Rand des Plasmas ein chaotischer Zustand, der aber das System als ganzes stabil hält. Diese Ergebnisse könnten dem internationalen Forschungsreaktor ITER zugute kommen, so die Forscher im Fachblatt "Nature Physics". //[reu]//

Quelle: Nature Phyics

Meeresforschung Forscher messen Hitzerekord in der Tiefsee

407 Grad Celsius hat die Wassertemperatur betragen, die Forscher der International University Bremen an einer Stelle des Mittelatlantischen Rückens ermittelt haben - die höchste bislang registrierte Temperatur am Meeresboden. Mit einem Tiefseeroboter hatten die Wissenschaftler die heiße Quelle, einen so genannten schwarzen Raucher, entdeckt. Der neue Temperaturrekord liegt allerdings nur um gerade mal fünf Grad über dem alten. Allerdings sei diese geringe Differenz entscheidend für den physikalischen Zustand des Wassers, so eine Sprecherin der Universität. Bei den beobachteten Temperatur- und Druckverhältnissen ist das Wasser weder eindeutig flüssig noch eindeutig gasförmig: Es liegt in einem Zwischenzustand vor und löst Bestandteile aus dem Gestein am Meeresboden auf ganz andere Weise heraus als flüssiges Wasser. Das Ergebnis seien superheiße Lösungen mit außergewöhnlicher Zusammensetzung. //[reu]//

Quelle: idw, dpa

Antriebstechnik Weniger ist mehr

Mit dieser Strategie haben französische Studenten der Lycee La Joliverie Universität den Eco-Marathon im französischen Nogaro gewonnen. Mit ihrem Gefährt, das mit reinem Alkohol angetrieben wurde, wären sie umgerechnet 2885 Kilometer mit einem Liter Sprit gefahren. Bei dem Wettbewerb im Südwesten Frankreichs fuhren sie tatsächlich aber nur die vorgegebenen sieben Runden bei einer Mindestgeschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde. Bestes deutsches Team wurden die Studenten der Hochschule Offenburg, die 2614 Kilometer mit ihrem Gefährt „Schluckspecht“ auf dem vierten Platz landeten. Insgesamt 27 Teams konnten die 1000-Kilometer-Marke durchbrechen, teilten die Veranstalter am Wochenende mit. //[Mst]//

Quelle: European Shell Eco-marathon

Medizin Kleinkinder soll man von Katzen fernhalten

Das raten Mediziner der Universität von Arizona in Tucson. Denn Neugeborene, die mit Katzen zusammen aufwachsen, entwickeln häufiger ein Ekzem als Kinder aus Haushalten ohne diese Tiere. Für ihre Studie hatten die Forscher rund 500 Kinder ein Jahr nach ihrer Geburt untersucht. In Haushalten mit Katzen lag das Ekzem-Risiko bei 28 Prozent, im katzenfreien Umfeld bei nur 17. Für Hunde konnten die Forscher diesen Zusammenhang nicht belegen. Wenn die Kinder ihr erstes Lebensjahr zusammen mit ihnen verbrachten, schien sie das sogar zu einem gewissen Grad vor einem Ekzem zu bewahren. //[reu]//

Quelle: Spiegel, Newswise

19.05.2006

Forschungspolitik Die Privat-Universität Witten-Herdecke erhält einen Aufschub.

Der Wissenschaftsrat hat seine Entscheidung über die Ausbildung von Medizinern an der Privatuniversität Witten-Herdecke aufgeschoben. Die Universität hat jetzt bis zur nächsten Sitzung des Rates im Juli Zeit, ein überarbeitetes Konzept vorzulegen. Der Wissenschaftsrat hatte im vergangen Jahr die Ausbildung der Mediziner in Witten als zu forschungsfern kritisiert. Er hatte die Universität aufgefordert, ein neues Konzept vorzulegen. Bereits vorab war bekannt geworden, dass die zuständige Arbeitsgruppe des Wissenschaftsrat dieses Konzept nicht als ausreichend für eine weitere Ausbildung von Medizinern an der Privathochschule ansieht. Auf Drängen des Landes Nordrhein-Westfalen hat der Rat jedoch eine Entscheidung über eine Empfehlung aufgeschoben. //[gät]//

Astronomie Das größte Einzel-Teleskop der Welt soll in Chile gebaut werden.

Das Fernrohr erhält einen Spiegel von 8,4 Metern Durchmesser und soll in der Lage sein, den gesamten sichtbaren Himmel in drei Tagen zu erfassen. Bisher benötigen Teleskope dafür deutlich länger. 2012 wird das Large Synoptic Survey Telescope getaufte Observatorium in Betrieb gehen. Das Astrophysikalische Institut in Potsdam hat unterdessen auf der Insel Teneriffa eine vollautomatische Sternwarte in Betrieb genommen. Das Observatorium verfügt über zwei Spiegelteleskope von je 1,2 Metern Durchmesser und soll computergesteuert den Himmel nach fremden Sonnensystemen absuchen. //[gät]//

Astronomie Neptuns Dreizack könnte einen erdähnlichen Planeten haben.

Ein internationales Forscherteam hat drei Planeten entdeckt, die um einen sonnenähnlichen Stern kreisen. Wie die Forscher aus Genf und Bern berichten, zieht dabei einer der Planeten seine Bahn innerhalb der Zone, in der auf Planeten gemäßigte Temperaturen herrschen. Damit könnte sich auf diesem Himmelskörper prinzipiell Leben entwickelt haben. Weil die drei Planeten in etwa die Größe des Neptuns haben, tragen sie die Bezeichnung Neptuns Dreizack. Die Planeten des Sterns mit der offiziellen Bezeichnung HD 69 830 sind deutlich schwerer als die Erde. Im Vergleich mit den übrigen bereits entdeckten Exoplaneten sind sie jedoch verhältnismäßig leicht. //[gät]//

Biologie Affen können im voraus planen.

Das berichten Forscher des Max Planck Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig im Fachblatt "Science". Die Wissenschaftler hatten den Tieren die Aufgabe gestellt, ein Werkzeug auszuwählen, mit dem diese mehrere Stunden später an Futter herankommen würden. Mit der Zeit lernte ein Teil der Versuchstiere tatsächlich, dieses Instrument zu nehmen und später wieder mitzubringen. Die Forscher werten das als Beleg dafür, dass auch Menschenaffen wie Schimpansen oder Orang-Utans im voraus planen. Bislang hatten Biologen diese Fähigkeit ausschließlich dem Menschen zugeschrieben. //[gät]//

Quelle: Science, Band 312, Seite 1038

Physik Laser scheren Atome passgenau vom Molekül.

Forschern der Yale-University ist es gelungen, Wasserstoffatome gezielt von Silizium-Molekülen zu lösen. Die Wissenschaftler hatten dazu die Verbindung mit einem Laser beschossen, der eine genau zu den Schwingungen der Atome passende Frequenz hatte. Die Folge davon war, dass sich die Bindung zwischen den Wasserstoff- und den Siliziumatomen löste. Einzelne Silizium-Schichten auf Chips werden durch eine Wasserstoffschicht versiegelt. Soll eine neue Schicht auf die vorhandene aufgelegt werden, muss die Wasserstoffschicht jedoch entfernt werden. Die Wissenschaftler hoffen, mit ihrem Verfahren dafür einen einfachen Weg gezeigt zu haben. //[gät]//

Evolution Die Entwicklung des Lebens könnte anders verlaufen sein, als Forscher bislang vermuten.

Während der Evolution haben sich zuerst die einfachen Einzeller ohne Zellkern – die Prokaryonten - entwickelt, dann erst die komplexen, die über einen Zellkern verfügen, die so genannten Eukaryonten. Aus diesen konnten dann mehrzellige Lebensformen entstehen. Diese Annahme gilt derzeit als Stand der Forschung. Ihr widerspricht jetzt jedoch ein Forscherteam der Universitäten Lund in Schweden und der Massey-University in Neuseeland. Die Wissenschaftler vertreten im Fachblatt „Science“ die These, die vorhandenen Daten zur Geschichte der Evolution wiesen auf eine umgekehrte Entwicklung hin. Zuerst seien Einzeller mit Zellkern, die Eukaryonten, entstanden. Aus diesen hätten sich dann die einfacheren Prokaryonten entwickelt – zum Beispiel, um den ersten zellfressenden Organismen entwischen zu können. //[gät]//
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