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06.08.2014

Informatik Neue Abhörsoftware rekonstruiert Sprache aus tonlosen Videos.

Eine neue Abhörsoftware kann aus Videos von Gegenständen rekonstruieren, was Menschen in der Nähe gesprochen haben. Wenn Tonwellen auf Gegenstände treffen, dann entstehen Vibrationen und die Bewegung erzeugt ein winziges Bildsignal, das für das bloße Auge unsichtbar ist. Die neue Software setzt auf einen Algorithmus, der die winzigen Vibrationen der Gegenstände in Tonsignale transkribiert.

Forscher vom MIT haben die Software entwickelt und eine Chipstüte mit einem eingesprochenen Kinderreim beschallt. Aus viereinhalb Metern Entfernung nahmen sie die Tüte mit einer Kamera auf. Die Bilder wurden durch die Abhörsoftware geschickt und das Ergebnis war verblüffend. Zwar kann man nicht alles Gesprochene verstehen, aber doch recht viel. Und das ausschließlich aus Bildern einer herumliegenden Chipstüte.
[tj]

 

Quelle: MIT

Genforschung Genveränderte Tomaten vertragen Dauerlicht.

Das schreiben niederländische Wissenschaftler im Fachmagazin "Nature Communications". Sie fanden bei einer Wildtomatenart aus Südamerika das sogenannte CAB-13-Gen. Dieses erlaubt es der Pflanze, 24 Stunden Dauerlicht zu tolerieren. Die Forscher übertrugen das Gen auf Kulturtomaten. Bislang konnten diese Pflanzen nur im Wechsel von 16 Stunden Dauerlicht und acht Stunden Dunkelheit gedeihen. Zuviel Licht schadet ihren Blättern. Bei den genveränderten Kulturtomaten erhöhte sich die Ernte um bis zu 20 Prozent. Negative Auswirkungen auf Geschmack oder Lagerung konnten die Wissenschaftler nach eigener Aussage nicht feststellen.
[tj]

Quelle: Nature Communications doi: 10.1038/ncomms5549

Telekommunikation Cyberkriminelle haben die Daten zu 1,2 Milliarden Internetprofilen geklaut.

Dahinter scheint eine Hackergruppe aus Russland zu stecken. Es sei der bislang größte Datendiebstahl, warnte die amerikanische IT-Sicherheitsfirma Hold Security, die den Fall aufgedeckt hat. Bei den erbeuteten Daten handelt es sich um Einwahlkombinationen für Internetprofile, das heißt Benutzernamen und Passwörter. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik in Bonn prüft derzeit, ob auch deutsche Internetnutzer und Online-Anbieter betroffen seien. Die Wahrscheinlichkeit sei sehr hoch, hieß es. Privatpersonen können derzeit nicht feststellen, ob sie selbst Opfer sind.
[tj]

Biologie Grizzlybären bekommen nur im Winter Diabetes.

Im Frühjahr sind sie wieder gesund. Diese ungewöhnliche Selbstheilung beschreiben Wissenschaftler im Fachmagazin "Cell Metabolism". Sie hatten mehrere Grizzlys verschiedenen Alters und beiderlei Geschlechts vor während und nach der Winterruhe untersucht. Dabei zeigte sich: Im Herbst sind die Tiere zwar dick, aber symptomfrei, ihr Körper ist empfänglich für das Hormon Insulin. Während der Winterruhe sind die Tiere dann diabetisch -ein bestimmtes Protein namens PTEN schaltet die Empfindlichkeit der Fettzellen für Insulin ab und der Körper bedient sich an seinen Fettreserven. Beim Aufwachen im Frühling wird die Empfindlichkeit wieder angeschaltet und das Insulin wirkt wieder. Die Forscher hoffen, dass sich aus dem Regulationsmechanismus der Grizzlys neue Therapieansätze für diabetische Patienten entwickeln lassen.
[tj]

Quelle: Cell Metabolism doi: 10.1016/j.cmet.2014.07.008

Geophysik Gigantische Eisberge haben Kratzspuren auf dem Meeresboden hinterlassen.

Auf dem Hovgaard Rücken in der Arktis haben deutsche Forscher in einer Tiefe von 1,2 Kilometern spektakuläre Furchen entdeckt. Sie stammen von riesigen Eisbergen und sind bis zu vier Kilometer lang und 15 Meter tief. Das berichtet das Alfred Wegener Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven. Wann die Eisberge den Meeresboden schrammten, ließe sich nur grob sagen: Es passierte irgendwann in den vergangenen 80.000 Jahren.
Erstaunlich, so schreiben die Forscher in den "Geophysical Research Letters", seien die Ausmaße. Da bei Eisbergen meist nur ein Siebtel der Masse aus dem Wasser ragt, müssen die furchenziehenden Kolosse rund 1,2 Kilometer hoch gewesen sein. Vergleichbare Rieseneisberge gibt es heute nicht mehr. Die größten Vertreter sind derzeit in der Antarktis zu finden, und reichen bis maximal 700 Meter unter Wasser.
[tj]

Quelle: Idw, AWI, Geophysical Research Letters, doi: 10.1002/2014GL060267

05.08.2014

Wissenschaftler Japanischer Stammzellenforscher begeht Selbstmord

Yoshiki Sasai hat sich im Riken-Zentrum für Entwicklungsbiologie im japanischen Kobe das Leben genommen. Das teilte die Forschungseinrichtung heute mit.

Sasai war Co-Autor der umstrittenen Stammzellenstudie von Haruko Obokata. Die im Magazin "Nature" erschienene Arbeit beschreibt einen einfachen Weg, Körperzellen in Stammzellen umzuwandeln. Nachdem eine Untersuchung Unregelmäßigkeiten in der Studie zutage förderte, wurde die Veröffentlichung zurückgezogen.

Sasai wurde daraufhin vorgeworfen, er habe die Arbeit der jungen Forscherin nicht ausreichend überwacht. Das Wissenschaftsministerium reagierte auf den Tod des Forschers. Es würdigte Sasai als einen führenden Vertreter der Stammzellenforschung und sprach von einem großen Verlust. [hell]

Zoologie Forscher beschreiben neu entdeckte Ansammlung von Walhaien

Die Gruppe junger Tiere hält sich in einem Korallenriff des Roten Meeres nahe der saudi-arabischen Küste auf. Sie zählt etwa gleich viele Weibchen wie Männchen, notieren die Forscher im Online-Journal "Plos One".

Normalerweise sind bei Ansammlungen junger Walhaie die Männchen in der Überzahl.Die Wissenschaftler markierten knapp 50 Exemplare mit Sensoren und zeichneten über zwei Jahre die Bewegungsmuster der Tiere auf. Dabei stellten sie fest: Der größte bekannte Meeresfisch taucht regelmäßig in Tiefen von 500 Metern ab. Gelegentlich erreichten die Walhaie Tiefen von über 1000 Metern.

Die meisten Tiere verbrachten die gesamte Zeit im Roten Meer. Nur wenige schwammen bis in den Indischen Ozean. Walhaie zählen seit der Jahrtausendwende zu den gefährdeten Tierarten. Weltweit gibt es derzeit zwölf Populationen. [hell]

Medizin Mausmodell eignet sich bei Entzündungskrankheiten doch zur Beschreibung des Menschen

Das schreiben japanische Forscher im Fachblatt "PNAS". Damit widersprechen sie Ergebnissen ihrer amerikanischen Kollegen aus dem Jahr 2013. Die hatten die Rolle des Mausmodells zur Erklärung menschlicher Entzündungskrankheiten angezweifelt.

Aus dem gleichen Datensatz zieht das japanische Team nun einen ganz anderen Schluss. Erkenntnisse aus dem Mausmodell gelten demnach mit hoher Wahrscheinlichkeit auch für den Menschen. Grund für die gegenteilige Interpretation der Daten durch das amerikanische Team sei der Einsatz ungeeigneter statistischer Methoden gewesen. [hell]

Zoologie Pferde kommunizieren auch über die Stellung der Ohren

Das haben zwei britische Forscherinnen in einem Experiment gezeigt. Sie ließen Pferde zwischen zwei Futtereimern wählen. Mittig zwischen den Eimern hatten sie ein lebensgroßes Foto eines Pferdekopfes angebracht, der auf einen der beiden Eimer blickte.

In den meisten Fällen gingen die Pferde zu dem Eimer, auf den ihr fotografierter Artgenosse schaute. Anschließend brachten die Biologinnen Fotos von Pferden an, deren Augen oder Ohren von Masken verdeckt waren. Diesmal ließen sich die Versuchstiere nicht von den Fotos leiten.

Die Studie zeige, dass Pferde die Augen und die beweglichen Ohren ihrer Artgenossen als Informationsquelle nutzen, schreiben die Forscherinnen im Magazin "Current Biology". Mit der Ohren-Stellung untersuche die Studie erstmals ein Kommunikationsmerkmal bei Pferden, das Menschen nicht zur Verfügung steht. [hell]

 

 

Quelle: Current Biology

Medizin Ebola-Patient bekommt experimentelles Medikament verabreicht

Kurz nachdem der amerikanische Arzt Kent Brantly ein Mittel mit dem Namen "ZMapp" verabreicht bekam, besserten sich seine Symptome. Wie der Nachrichtensender CNN berichtet, ließen die Atemstörungen des Mannes nach und sein Ausschlag ging zurück. Am nächsten Tag konnte er alleine aufstehen und duschen.

Bei einer mit Ebola infizierten Krankenpflegerin schlug das Mittel zunächst nicht so gut an. Erst eine zweite Dosis brachte ihr Besserung. Das Mittel basiert auf Antikörpern, die in Mäusen gezüchtet wurden. Es soll verhindern, dass das Ebola-Virus neue Zellen befällt.

US-Forscher hatten das Mittel an Affen getestet und vor einem Jahr im Magazin "Science Translational Medicine" beschrieben. Damals überlebte die Hälfte der Versuchstiere eine Ebola-Infektion, nachdem sie das Medikament verabreicht bekamen.

Eine Zulassung des Mittels als Therapeutikum für Ebola ist nicht in Sicht. Bisher haben die Forscher keine klinischen Studien an Menschen durchgeführt. Die wären nötig, um die Wirksamkeit und die Sicherheit des Mittels zu demonstrieren.[hell]

 

Quelle: Science - doi: 10.1126/scitranslmed.3006608

04.08.2014

Zoologie Die Sandmücke hat es bis nach Hessen geschafft

Die beigefarbenen Sandmücken sind nur wenige Millimeter groß. Ihre Hauptverbreitungsgebiete sind die Tropen, Subtropen und der Mittelmeerraum – dort übertragen die winzigen Mücken nicht selten die Infektionskrankheit Leishmaniose.

Jetzt haben Forscher des Senckenberg Forschungsinstitutes erstmals Sandmücken der Art Phlebotomus mascittii in Hessen entdeckt - nördlich von Gießen. Es handele sich um den bislang nördlichsten Fund weltweit, schreiben die Forscher im Fachblatt "Parasitology Research". Bislang sei noch nicht erwiesen, ob über diese Art Erreger von Infektionskrankheiten – etwa der Leishmaniose – übertragen werden können.

Möglicherweise, betonen die Forscher, sind Sandmücken schon viel weiter im nördlichen Europa verbreitet, als bisher angenommen wurde. [mawi]

Samenspenden Großbritannien richtet nationale Samenbank ein

Nach Angaben des britischen Gesundheitsministeriums soll die staatlich finanzierte nationale Einrichtung im Herbst in Birmingham eröffnet werden und allen Bürgern zur Verfügung stehen. Angehörige ethnischer Minderheiten sollten die Möglichkeit bekommen, unter – so wörtlich - "kulturell passenden" Spenden auszuwählen, teilte die Stiftung National Gamete Donation Trust (NGDT) mit. Insbesondere alleinstehende Frauen und lesbische Paare sollten von der Einrichtung profitieren, heißt es in britischen Medienberichten.

In den kommenden zehn Jahren sollen mindestens 1000 Männer für Samenspenden angeworben werden. [mawi]

Medizin Krebsmedikamente bauen sich selbst zusammen

Peptide sind kleine Moleküle, die der Körper bildet, um Bakterien oder Krebszellen anzugreifen. Forscher der Universität Warwick haben Peptide entwickelt, die sich gezielt gegen Darmkrebszellen richten. Frühere Versuche, Peptide im Labor nachzubauen, sind häufig gescheitert. Die Peptide aus dem Labor waren nicht stabil genug.

Die britischen Forscher haben eine Lösung für das Problem gefunden. Sie geben Grundbausteine, darunter Eisenchlorid, ein spezielles Amino-Alkohol-Derivat sowie ein Methylpyridin zusammen. Daraus bauten sich selbständig sehr stabile künstliche Peptide zusammen, berichten die Forscher im Fachblatt "Nature Chemistry". Sie hoffen, den neuen Darmkrebs-Wirkstoff bald schon klinisch testen zu können. [mawi]

Zoologie Kängurus profitieren von kleinen Buschfeuern

Ureinwohner Australiens vom Volk der Martu jagen im Winter Eidechsen, indem sie kleine Steppenfeuer entzünden. Durch das Feuer werden die Eidechsen aus ihren Bauten und Verstecken vertrieben und sind so leichter zu fangen. Die Martu leben seit 35.000 Jahren im Westen Australiens. Das Feuer nutzen sie seit 2.000 bis 4.000 Jahren für die Jagd. Forscher der Universität von Utah berichten im Fachblatt "Human Ecology", dass das Feuer für den Bestand an Eidechsen keineswegs schädlich ist. Im Gegenteil. Auch die Kängurus profitierten langfristig von dieser Praxis. Das hätten vergleichende Untersuchungen im "Little Sandy Desert" ergeben.

Die kleinen Steppenbrände ließen eine reichhaltiger strukturierte Landschaft entstehen. In länger unveränderten Bereichen fänden die Kängurus gute Verstecke und Schutz vor Fressfeinden. In frisch brandgerodeten Bereichen hingegen sei das Futterangebot besser. Dort gebe es etwa reichlich junge Triebe. [mawi]

Botanik Forscher entdecken, wie Pflanzen Eisen aus dem Boden lösen

Eisen kommt in vielen Böden vor – wenn auch in Form von schwer löslichen Eisenoxiden. Von den Wurzeln der Pflanzen kann es daher nicht unmittelbar aufgenommen werden. Pflanzenforscher der Universität Bayreuth haben entdeckt, dass Aromastoffe wie die Cumarine unentbehrlich sind für den Mineralhaushalt von Pflanzen.

Die Pflanzen geben über das Wurzelwerk Cumarine in den Boden ab und machen Eisen so verfügbar. Pflanzen, die besonders viele Cumarine in den Wurzeln bilden, können besonders viel Eisen aufnehmen, schreiben die Forscher im Online-Fachblatt "PLOS ONE".

Weltweit gibt es ein starkes Interesse an der Züchtung und am Anbau von Pflanzen, die einen hohen Anteil von Eisen abspeichern – und zwar so, dass das Eisen vom menschlichen Organismus aufgenommen und verarbeitet werden kann. Beim Menschen führt Eisenmangel zu Blutarmut.[mawi]

Quelle: PLOS ONE, DOI: 10.1371/journal.pone.0102444

Medizin Wie der Schweinegrippe-Impfstoff Narkolepsie auslöst, bleibt unklar

In den Jahren 2009 und 2010 traten bei Kindern in Skandinavien gehäuft Fälle von Narkolepsie auf. Die Kinder hatten zuvor den Schweinegrippe-Impfstoff Pandemrix erhalten.

Im Dezember 2013 veröffentlichte eine Internationales Forschergruppe eine Studie, die den Zusammenhang von Narkolepsie und Impfung zu erklären schien: Die Studie wies auf strukturelle Ähnlichkeiten zwischen einem Teil des Virus und dem körpereigenen Wachmacher-Hormon Orexin hin. Wahrscheinlich führe die Impfung mit Pandemrix in seltenen Fällen dazu, dass das Immunsystem Orexin bildende Zellen im Gehirn angreife. Die Folge: Narkolepsie.

Die Forschergruppe hat ihre im Fachblatt "Science Translational Medicine" erschienene Studie jetzt zurückgezogen. Die Begründung: Die Ergebnisse hätten sich nicht zweifelfrei reproduzieren lassen.

Die Suche nach dem Zusammenhang von Narkolepsie und Pandemrix beginnt wieder von vorne. [mawi]

Quelle: Science Translational Medicine

01.08.2014

Paläontologie Der Übergang von den Dinosauriern zu den Vögeln dürfte ungefähr 50 Millionen Jahre gedauer

Diese Abschätzung legt ein internationales Forscherteam im Fachblatt "Science" vor. Die Experten präsentieren einen detaillierten Stammbaum der sogenannten Theropoden. Die Körpergröße dieser schwerfälligen Zweibeiner nahm im Lauf der Evolution kontinuierlich ab – von rund 160 Kilogramm bei den frühen Vertretern der Gruppe bis zu ungefähr 800 Gramm beim Urvogel Archaeopteryx. Gleichzeitig veränderte sich das Skelett der Tiere, es entstanden Federn und Schwingen. Dieser Prozess lief vierfach schneller ab als bei anderen Dinosauriern, wodurch sich die Theropoden besser an veränderte Umweltbedingungen anpassen konnten. [reu]

Quelle: DOI: 10.1126/science.1252243

Astronomie Novae senden Gammastrahlen durchs All.

Nicht nur eine Supernova, sondern auch eine klassische Nova erzeugt hochenergetische Gammastrahlung. Das berichtet ein internationales Team von Astronomen im Fachblatt "Science". Eine Nova entsteht in einem Doppelsternsystem, in dem ein eigentlich erloschener Stern durch seinen Begleiter neue Materie erhält. Dadurch setzt die Fusionsreaktion wieder ein, was sich durch einen Helligkeitsausbruch bemerkbar macht. Das System schleudert dabei Materie ins Weltall. Bisher war man davon ausgegangen, dass deren Beschleunigung nicht ausreiche, um Gammastrahlung entstehen zu lassen. Nun aber hat das Fermi-Weltraumteleskop gleich vier Novae beobachtet, bei denen das Sternsystem auch Gammastrahlung aussandte. Die Forscher wagen daher die Hypothese, dass alle klassischen Novae mit diesem Phänomen einhergehen. [reu]

Quelle: DOI: 10.1126/science.1253947

Präparation Tote Mäuse lassen tief blicken.

Forschern aus Kalifornien ist es gelungen, das Gewebe eines Mäusekadavers so zu verändern, dass der Körper weitgehend transparent erscheint. Wie sie im Fachblatt "Cell" berichten, dauert die Prozedur ungefähr zwei Wochen. Dabei wird zunächst ein Hydrogel in die Blutbahnen der Mäuse injiziert. Seine Aufgabe besteht darin, das Gewebe zu stützen und die Zellstruktur zu erhalten, während Fettverbindungen mit Hilfe von Reinigungsmitteln aus dem toten Körper ausgeschwemmt werden. Das transparente Gewebe ermögliche Untersuchungsmethoden, die vorher nicht möglich gewesen seien, zum Beispiel zum Erstellen von dreidimensionalen anatomischen Karten. [reu]

Quelle: DOI: 10.1016/j.cell.2014.07.017

Tiergesundheit Umstrittene Antibiotika in der Tierzucht nehmen zu.

2013 wurden in Deutschland weniger Antibiotika für die Tierhaltung abgegeben als in den beiden Vorjahren. Die Menge lag bei rund 1450 Tonnen. Das sind ungefähr 250 Tonnen weniger als im Jahr 2011. Diese Zahlen teilte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit heute mit. Auf die Wirkstoffklasse der Fluorchinolone entfielen rund dreizehn Tonnen. Hier hat die Menge allerdings zugenommen – von acht Tonnen im Jahr 2011. Ihr Einsatz wird als besonders kritisch eingestuft, da sie in der Humanmedizin als Reserve-Antibiotika gelten. Sie werden bei Menschen für besonders schwere Infektionen verwendet, wenn konventionelle Antibiotika nicht mehr anschlagen. Experten befürchten, dass durch ihre Verwendung in der Tiermast weitere Resistenzen entstehen könnten. [reu]

Quelle: BVL

Raumfahrt Die Nasa möchte Sauerstoff auf dem Mars erzeugen.

Der Nachfolger des Marsrovers "Curiosity" soll im Jahr 2020 sieben verschiedene wissenschaftliche Instrumente mit auf den Roten Planeten nehmen. Das teilte die Nasa gestern in Washington mit. Unter den Geräten befindet sich auch ein Versuchsaufbau, der aus dem Kohlendioxid in der Marsatmosphäre Sauerstoff gewinnen soll. Damit möchte die Nasa erproben, ob sich das CO2 als Sauerstoffquelle eignet für eine Besiedlung des Planeten durch Menschen. Die sieben Forschungsinstrumente hat die Nasa aus insgesamt 58 Vorschlägen ausgewählt. Sie sollen nun an verschiedenen Universitäten in den USA und Europa entwickelt werden. Die Kosten dafür schätzt die Raumfahrtbehörde auf umgerechnet 97 Millionen Euro. [reu]

31.07.2014

Medizin In Südostasien breiten sich gegen Medikamente resistente Malaria-Erreger aus.

Im Fachmagazin "New England Journal of Medicine" zeigen sich Wissenschaftler alarmiert. Ihrer Studie zufolge breiten sich Malariaerreger aus, die auf das Standardmedikament Artemisinin nicht mehr reagieren. Die Forscher hatten resistente Erreger in den Grenzregionen von Kambodscha, in Myanmar, Thailand und Vietnam nachgewiesen. Auch im Süden von Laos gebe es schon Anzeichen für eine Resistenz. Dies sei dramatisch, da Artemisinin zu den besten Anti-Malaria-Medikamenten gehört habe, schreiben die Forscher. Sie hoffen nun, dass sich die resistenten Erreger nicht von Asien nach Afrika ausbreiten. Eine Maßnahme, um das zu verhindern, sei, die Behandlung mit dem Medikament von bislang drei auf sechs Tage zu verlängern. Denn wenn die Behandlung zu früh beendet wird und Erreger überleben, können sie mutieren und gegen den Wirkstoff immun werden. [tj]

Quelle: DOI: 10.1056/NEJMoa0808859

Anthropologie Das Rätsel der Mumien-Arteriosklerose.

Lange Zeit dachte man, dass Arteriosklerose – zu deutsch Gefäßverkalkungen - eine typische Folge unseres modernen Lebensstils seien: zu wenig Bewegung, falsche Ernährung, Rauchen– Eine Zivilisationserkrankung eben. Doch im vergangenen Jahr veröffentlichten US-amerikanische Forscher eine Studie , für die sie Mumien aus verschiedenen Kulturen untersucht hatten. Darunter waren zahlreiche ägyptische Mumien, Relikte prähistorischer Menschen aus dem heutigen Peru, den Aleuten und einer Pueblo-Kultur aus Nordamerika. Bei allen Mumien fanden die Forscher überraschenderweise Anzeichen für Arteriosklerose. Und jetzt haben sie eine erste Erklärung: der Rauch der offenen Feuerstellen – der vergleichbar schädlich wie das Tabakrauchen ist - könnte die Arteriosklerose verursacht haben. Aber auch chronische Entzündungen. Viele Kulturen lebten damals in der Nähe von Gewässern, hatten aber weder Kanalisation noch hygienisches Wissen. Die Menschen hielten sich zudem auf engem Raum auf. Mikrobielle Infektionen und anhaltender Parasitenbefall waren die Folge. Da der Körper versucht Infektionen abzuwehren, war der Körper der Menschen damals vermutlich in einem permanenten Entzündungszustand. Und das wiederum hat wohl die Arteriosklerose ausgelöst. [tj]

Quelle: Global Heart

Biologie Tiefsee-Oktopusse halten den Brutrekord.

Wie US-Forscher herausfanden, bebrüten die achtarmigen Kraken aus der Tiefsee ihre Eier viereinhalb Jahre lang. In dieser Zeit bleibt das Weibchen die gesamte Zeit bei dem sich im Ei entwickelnden Nachwuchs und frisst selbst fast nichts. Sobald die Jungkraken geschlüpft sind, stirbt das Weibchen. Das haben die Forscher mit einem Tauchroboter beobachten können. Dieser hatte in einer Tiefseeschlucht vor der kalifornischen Küste einen Tiefsee Oktopus der Art Graneledone boreopacifica entdeckt. Diese im Nordpazifik und im Atlantik verbreitete Krakenart ist knapp zehn Meter lang. Durch das extrem lange Brüten, sind die Jungen beim Schlüpfen schon sehr weit entwickelt und können sofort auf Beutefang gehen. [tj]

Quelle: DOI: 10.1371/journal.pone0103437

Geologie Asteroiden bombardierten die Erde in ihrer Frühzeit.

Gewaltige Gesteinsbrocken schlugen vor 4,6 bis 4 Milliarden Jahren auf die Erde. Das zeigt eine in "Nature" veröffentlichte Computersimulation der damaligen Zeit. Sie stützt sich auf geologische Daten von Erde und Mond. Danach schlugen im Zeitalter des Hadaikum neben kleineren Meteoriten mindestens vier Himmelskörper auf die Erde, die einen Durchmesser zwischen 1000 und 3000 Kilometern hatten. Da die Erde zunächst nur eine dünne Kruste hatte, verschmolzen sie mit der Erde und vergrößerten sie. Das zumindest vermuten die Forscher des Southwest Research Institute in Boulder, Colorado. Als Folge der gewaltigen Meteoriteneinschläge verdampften alle Ozeane nicht nur einmal sondern mehrfach. Dennoch konnte auf der Erde Leben entstehen. Die Wissenschaftler schließen daraus, dass das aufkeimende Leben widerstandsfähig gegenüber hohen Temperaturen war. [tj]

Quelle: DOI: 10.1038/nature13539

Planetologie Der Mond ist keine perfekte Kugel.

Er hat vermutlich eher die Form einer Zitrone und daran ist die Erde schuld, heißt es heute im Fachmagazin "Nature". Denn als der Mond vor etwa 4,4 Milliarden Jahren bei einem Zusammenstoß der jungen Erde mit einem anderen Himmelskörper entstand, da waren mächtige Gravitationskräfte am Werk. Der Mond war damals noch extrem heiß. Die Gravitationskräfte von Erde und Sonne wirkten ungleichmäßig auf das abkühlende weiche Mondgestein und so bildete sich die ungewöhnliche zitronenähnliche Gestalt. [tj]

Quelle: DOI: 10.1038/nature13639

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