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22.08.2014

Physik Quantentornados toben in winzigen Helium-Tropfen.

Wenn das Edelgas Helium auf Temperaturen von knapp zwei Grad Kelvin über dem absoluten Nullpunkt abgekühlt wird, dann wechselt es in den Zustand der Superfluidität. Es liegt dann als eine Flüssigkeit vor, die keine innere Reibung besitzt. Nun hat ein internationales Forscherteam herausgefunden, dass dieser Zustand auch dann noch auftritt, wenn das flüssige Helium in Form von rotierenden Nano-Tröpfchen vorliegt. Denn mit Hilfe eines Röntgenlasers konnten die Experten zeigen, dass sich im Inneren der Tröpfchen winzig kleine Wirbel bilden, sogenannte Quantenwirbel. Diese entstehen üblicherweise nur in superfluiden Flüssigkeiten. Es überraschte die Forscher jedoch, dass sich in den winzigen Tropfen verhältnismäßig viele dieser Wirbel bildeten. Sie waren hunderttausendfach dichter gepackt als in anderen Superfluiden, berichten die Wissenschaftler im Fachblatt "Science". [reu]

Quelle: DOI: 10.1126/science.1252395

Neurowissenschaften Das autistische Gehirn entsteht in den ersten Lebensjahren.

Kinder und junge Erwachsene mit Autismus besitzen einen Überschuss von Nervenverbindungen im Gehirn. Dieses Ungleichgewicht entsteht, weil sich diese sogenannten Synapsen in den ersten 20 Lebensjahren nicht ausreichend zurückbilden. Das ist das Ergebnis einer Studie, die heute im Fachblatt "Neuron" erscheint. Wissenschaftler aus New York hatten Gehirnproben von verstorbenen Kindern und jungen Erwachsenen untersucht. Die Hälfte dieser Menschen hatte zu Lebzeiten die Symptome von Autismus gezeigt. Bei Autisten und Nicht-Autisten sank die Zahl der Synapsen im Lauf ihrer Entwicklung. Bei Autisten geschah dies aber deutlich langsamer. Bestimmte Proteine und Biomarker im Gehirn der Autisten deuten darauf hin, dass bei ihnen die Entsorgung alter Zellen nicht so gut funktioniert wie bei Nicht-Autisten. Das könne die Ursache dafür sein, dass sie den Überschuss an Synapsen besitzen, vermuten die Forscher. [reu]

Quelle: DOI: 10.1016/j.neuron.2014.07.040

Neurowissenschaften Junge Fische und die Larven von Korallen "schmecken" die Gesundheit eines Riffs.

Sie nutzen diese Information, um gezielt gesunde Lebensräume anzusteuern. Das berichten Forscher aus den USA und den Vereinigten Arabischen Emiraten im Fachmagazin "Science". Die Fische und Korallen orientieren sich dabei vor allem an den Duftstoffen, die von Seetang abgegeben werden. Seetang siedelt sich dort an, wo Korallenriffe bereits geschädigt sind. Solche Gebiete meiden die Tiere. Diese Erkenntnisse seien wichtig für die Neuansiedlung der Meeresbewohner in geschützten Zonen, wo Korallenriffe wieder entstehen sollen, argumentieren die Forscher. [reu]

Mykologie Ein gefährlicher Pilz wächst auf Bäumen.

Der Hefepilz Cryptococcus gattii, der bei AIDS-Patienten gefährliche Infektionen auslösen kann, kommt im südlichen Kalifornien auf mindestens drei verschiedenen Baumarten vor. Das berichten US-Forscher im Fachmagazin "PLoS Pathogens". Sie hatten Bodenproben und Abstriche von Bäumen untersucht, aus denen der Pilz kultiviert werden konnte. Ein genetischer Vergleich ergab, dass es sich um dieselben Typen handelt, die auch bei AIDS-Patienten gefunden wurden. Die Wissenschaftler stellten außerdem fest, dass die Pilze aus der Natur fortpflanzungsfähig waren. Das spricht nach Angaben der Forscher dafür, dass die Bäume tatsächlich als Quelle für die Übertragung der Pilze auf Menschen in Frage kommen. Cryptococcus gattii kann gefährliche Lungen- und Gehirninfektionen auslösen. Der Pilz ist für rund jeden dritten Todesfall bei AIDS-Patienten verantwortlich. [reu]

Quelle: DOI: 10.1371/journal.ppat.1004285

Robotik hitchBot ist angekommen.

Der Roboter hitchBot, der per Anhalter durch Kanada gereist ist, hat gestern Abend sein Ziel erreicht, nämlich die Provinzhauptstadt Victoria in British Columbia. Gestartet war er Ende Juli an der Atlantikküste in Halifax. Unzählige Reisende nahmen den Roboter ein Stück weit mit, manchmal nur wenige Kilometer weit, ein andermal waren es fast tausend Kilometer. HitchBot sieht aus wie ein Kinderspielzeug: Arme und Beine bestehen aus blauen Schwimmnudeln, der Körper aus einem Eimer. Sein LED-Gesicht wird von einer Tortenhaube geschützt. Mit dem Projekt wollten Forscher aus Toronto nach eigenen Angaben herausfinden, ob Roboter auch Menschen vertrauen können – umgekehrt sei das oft der Fall. [reu]

21.08.2014

Medizin Die Ebola-Epidemie in Westafrika wird noch mehrere Monate Menschenleben fordern.

Diese Warnung sprach heute die Weltgesundheitsorganisation WHO aus. Die Zahl der mutmaßlichen Toten liege derzeit bei mindestens 1350. Unterdessen heißt es, dass ein mit Ebola infizierter Arzt, der in den USA mit dem experimentellen Mittel "ZMapp" behandelt wurde, geheilt sei. Das berichtet der Sender CNN unter Berufung auf das Krankenhaus, aus dem der Arzt heute entlassen werden soll. Ob das an dem Präparat "ZMapp" liegt sei noch nicht klar. Im Fachmagazin "Nature" haben britische Epidemie-Forscher heute eine alarmierende Einschätzung veröffentlicht: Um den Ebola-Ausbruch in Westafrika effektiv bekämpfen zu können, hätten bis heute 30.000 Menschen mit wirksamen Medikamenten behandelt oder vorbeugend geimpft werden müssen. Diese Zahl beruhe auf der Annahme einer Epidemie eher konservativen Ausmaßes. Momentan sei die Situation so, dass selbst die Bestände an noch kaum erprobten Wirkstoffen nicht ausreichen, um den Bedarf auch nur annähernd zu decken, warnten die britischen Wissenschaftler.

Arachnologie Seidenspinnen geht es in der Stadt besonders gut.

Während manche Tierarten durch die Verstädterung der Landschaft völlig verschwinden, profitieren andere davon. Dazu gehören die Seidenspinnen. Im Fachblatt "PLoS One" berichten australische Biologen von ihren Beobachtungen. Sie hatten in Sydney und Umgebung insgesamt 222 weibliche Seidenspinnen der Art Nephila plumipes gesammelt und untersucht. Ihr Ergebnis: Je weniger natürliche Vegetation am Fundort der Spinne zu finden war, desto größer waren Körpergewicht, Eierstöcke und Fettreserven. Besonders deutlich war dieser Effekt in sehr dicht besiedelten Stadtbezirken. Die Forscher vermuten, dass im Vergleich zu Spinnen in natürlicher Umgebung, städtische Spinnen auf ein breiteres Nahrungsangebot und höhere Durchschnittstemperaturen treffen. [tj]

Quelle: DOI: 10.1371/journal.pone.0105480

Medizin Erstmals gibt es ein Medikament, dass Affen vor dem tödlichen Marburg-Virus schützt.

Und zwar auch dann, wenn das Präparat den Tieren erst einige Tage nach der Ansteckung gespritzt wird. US amerikanische Forscher hatten Makaken ein gentechnisch hergestelltes Mittel gegeben, das aus winzigen Erbgut-Schnipseln besteht. Diese sogenannten siRNA Moleküle heften sich an Transportmoleküle, die in den Zellen mitverantwortlich sind für den Bau von Virusproteinen. Auf diese Weise wird die Wirkung des Virus unterbunden. Bei ersten Tests überlebten alle infizierten Makaken, die mit dem neuen Medikament behandelt wurden, die unbehandelten Tiere starben. Das getestete Medikament funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie ein experimentelles Ebola-Medikament, das derzeit noch klinisch getestet wird. Interessant sei der Ansatz, weil das Präparat auch einige Tage nach der Infektion noch anschlage, schreiben die Forscher in "Science Translational Medicine". [tj]

Biologie Junge Singvögel machen alles auf den letzten Drücker.

Kanadische Biologen haben junge Walddrosseln beobachtet und dabei festgestellt: Die Jungvögel verlassen ihr Winterquartier in tropischen Regionen einige Tage später als ihre älteren Artgenossen. Auch während ihrer Reise Richtung Norden lassen sie sich deutlich mehr Zeit. Im Durchschnitt kommen die jungen Drosseln zwei Wochen später in den Brutgebieten an. Wie die Forscher im Fachblatt "PLoS One" schreiben, konnten sie -was die physische Kondition der Vögel anbetrifft - keinerlei Unterschiede zwischen jungen und älteren Tieren feststellen. Deshalb vermuten die Biologen, dass die Jungdrosseln aus einem anderen Grund etwas länger für ihre Reise brauchen: Es scheint ein genetisches Programm zu sein, dass die jungen Vögel in ihrer Reisegeschwindigkeit bremst. So kommen sie nicht zeitgleich mit den Älteren an und entgehen einem ungleichen Kampf um die besten Brutplätze. [tj]

Quelle: DOI: 10.1371/journal.pone.0105605

Biologie Robben brachten die Tuberkulose nach Amerika.

Und zwar schon bevor Kolumbus die Neue Welt entdeckte. Bisher galten die spanischen Eroberer als Überbringer der Tuberkuloseerreger. Ein internationales Forscherteam kommt in "Nature" zu einem anderen Ergebnis: Die Tuberkulose-Erreger kamen zwar über das Meer, doch es waren Robben, die sie mitbrachten. Die Wissenschaftler hatten bei drei peruanischen Mumien, die vor über 1000 Jahren an Tuberkulose starben, eine DNA Analyse gemacht. Überraschenderweise fanden sie dabei Erreger, die mit einem Tuberkulosestamm verwandt sind, der heutzutage nur bei Robben und Seelöwen vorkommt. Die Forscher schließen aus diesen und weiteren Erkenntnissen auf folgendes Szenario: Robben steckten sie vor rund 2500 Jahren in Afrika bei anderen Tierarten mit Tuberkulose an. Zu einem späteren Zeitpunkt durchquerten sie den Atlantik und siedelten sich entlang der südamerikanischen Küste an. Die dort lebenden Ureinwohnern ernährten sich unter anderem von Robben und Seelöwen – und steckten sich so bei den infizierten Tieren an. Später wurde dieser Tuberkulosestamm jedoch allmählich verdrängt durch den neu eingeschleppten europäischen Bakterienstamm, den die spanischen Eroberer mitbrachten. [tj]

Quelle: DOI: 10.1038/nature13591

20.08.2014

Biologie Schlangen sind Energieverschwender

Denn sie halten sich in Bäumen mit erheblich mehr Kraft fest, als dies notwendig wäre. Das berichten US-amerikanische Wissenschaftler im Fachmagazin Biology Letters. Die Forscher hatten für ihre Studie fünf Schlangenspezies einen Zylinder erklettern lassen, der mit Drucksensoren versehen war. Demnach gehen Schlangen beim Erklettern von Bäumen auf Nummer sicher, denn sie wenden bis zum Fünffachen der eigentlich benötigten Kraft auf, um nicht abzurutschen. Im Gegensatz zu vielen Tieren, die zum Klettern Krallen verwenden oder sich mithilfe von Scherkräften oder Saugnäpfen festhalten, müssen sich Schlangen mit reiner Muskelkraft in den Bäumen halten. [Mst]

Quelle: Biology Letters (10.1098/rsbl.2014.0434)

Genetik Besiedlung Südostasiens rekonstruiert

Die Vorfahren aller Austronesier stammen aus Taiwan. Die exakten Besiedlungswellen haben nun US-Genetiker klären können. Die Forscher haben dazu genomweite genetische Marker von Menschen aus 56 Populationen der austronesischen Südseeinselwelten verglichen. Dabei konnten sie die Vermischungsereignisse einzelner großer Untergruppen erkennen, schreiben sie im Fachblatt NATURE Communications. Insgesamt vier größere Gruppen steuerten demnach Erbgut zum heutigen Genpool der Bewohner Ozeaniens und Australiens bei. Demnach wanderten vor 15.000 Jahren die taiwanesischen Ahnen der heutigen Austronesier durch Vietnam oder über die Malayische Halbinsel und vermischten sich später mit Austro-Asiatischen Populationen, bevor sie sich dann im Westen Indonesiens niederließen. [Mst]

Quelle: Nature Communications (10.1038/ncomms5698)

Pandemie Weltweit gibt es immer mehr Ebola-Verdachtsfälle

Während die Ebola-Tests bei einer 30-Jährigen in Berlin alle negativ verliefen, gibt es in den USA einen weiteren Verdachtsfall. Ein Patient wurde in ein Krankenhaus in Sacramento im Bundesstaat Kalifornien eingeliefert, wo Experten der US-Gesundheitsbehörde CDC eine Blutanalyse vornehmen werden. Auch in Vietnam wurde ein nigerianisches Ehepaar unter Ebola-Verdacht in eine Klinik in Ho-Chi-Minh-Stadt auf einer Isolierstation untergebracht. Bislang erwies sich kein Verdachtsfall außerhalb von Westafrika als Ebola, auch zwei Tests in Belgien und Spanien waren negativ. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gab es aufgrund der Ebola-Epidemie mittlerweile mehr als 1.200 Tote und über 2.200 Infizierte. [Mst]

Quelle: Agenturen

Geologie Wissenschaftler warnen vor einem Vulkanausbruch in Island

Aufgrund der verstärkten Aktivität am isländischem Vulkan Bárðarbunga warnen Wissenschaftler vor einer Eruption, die vermutlich den europäischen Flugverkehr behindern könnte. Seit Tagen verzeichnen Meteorologen leichte Erdbeben, nun wurde die zweithöchste Warnstufe ausgegeben. Im Falle eines Ausbruchs droht eine Aschewolke den Flugverkehr zu behindern. Straßen in der Nähe des Vulkans sind bereits gesperrt worden. [Mst]

Quelle: USGS/ Agenturen/icelandreview

Klimawandel Gletscher auf Grönland und in der Antarktis schrumpfen in Rekordtempo

Experten des Alfred-Wegener-Institutes haben mit Hilfe des ESA-Satelliten CryoSat-2 erstmals flächendeckende Karten der Eisschilde auf Grönland und in der Antarktis erstellt. Wie sie im Onlinemagazin der European Geoscience Union (EGU) berichten, konnten sie nachweisen, dass die Eispanzer beider Regionen gegenwärtig extrem schnell schrumpfen. Demnach verlieren die Eisschilde pro Jahr zusammen rund 500 Kubikkilometer Eis. [Mst]

Quelle: AWI

Kernenergie Weitere Rostfässer im AKW Brunsbüttel aufgetaucht

Bei einer Inspektion in unterirdischen Depots des Atomkraftwerks Brunsbüttel sind zehn weitere rostige Fässer mit schwach- und mittelradioaktivem Müll entdeckt worden. Nach Angaben des Betreibers Vattenfall wurden neben Korrosion und Lackschäden auch Ablaufspuren und Ablagerungen festgestellt. Der Deckel eines Fasses sei nicht fest mit dem Spannring verbunden. Zudem hätten Experten festgestellt, dass sich auf einer Folie am Kavernenboden Feuchtigkeit angesammelt habe. Bei einer radiologischen Messung wurde Cäsium 137 festgestellt. Nach Angaben des Umweltministeriums von Schleswig-Holstein besteht keine Gefahr für die Bevölkerung oder die Mitarbeiter des Atomkraftwerks. [Mst]

Quelle: Agenturen/NDR

19.08.2014

Medizin Frau in Berlin mit Verdacht auf Ebola isoliert

Die 30-Jährige war heute im Jobcenter Berlin-Pankow zusammengebrochen. Laut einem Feuerwehrsprecher habe sie typische Anzeichen von Ebola gezeigt. Zuvor sei sie in Nigeria gewesen.
Die Frau wurde zunächst in einem Notarztwagen isoliert und dann in die Infektionsabteilung der Charité gebracht.
Die dortigen Experten gingen am späten Nachmittag nicht davon aus, dass es sich um Ebola handelt. Ein Bluttest soll jetzt genauen Aufschluss geben.
Das Klinikum verfügt über eine Sonderisolierstation, die Platz für bis zu 20 Patienten bietet.
Nachdem das Jobcenter zunächst abgeriegelt wurde, durften die Besucher es mittlerweile verlassen. Kontaktpersonen der Frau wurden ebenfalls in eine Klinik gebracht.
Durch die Ebola-Epidemie in Westafrika sind bisher mehr als 1200 Menschen ums Leben gekommen.

Krebsforschung Natürliche Killerzellen könnten Leukämie bekämpfen

Die sogenannten NK-Zellen haben im Körper die Aufgabe, abnormale Zellen zu zerstören, bevor sie krebsartig werden. Wie US-Mediziner nun gezeigt haben, kann man sie auch einsetzen, um akute lymphatische Leukämie zu bekämpfen.
In Laborexperimenten vermehrten die Forscher NK-Zellen eines Patienten und ließen sie gegen Leukämiezellen desselben Patienten vorgehen. Wie die Wissenschaftler im Journal "Leukemia" schreiben, zerstörten die Killerzellen die Krebs-Zellen.
Akute lymphatische Leukämie ist die häufigste Krebsart bei Kindern. Die Forscher versprechen sich aus den Ergebnissen Ansätze für eine Alternative zur Chemotherapie.

Raumfahrt Spuren von Meeresplankton an Außenwänden der ISS

Das hat ein russischer Raumfahrt-Einsatzleiter berichtet.
Demnach seien die Plankton-Spuren bei Tests entdeckt worden, die sich über das vergangene Jahr erstreckt hätten.
Wie die Mikroteilchen an die Wand der ISS gelangten, sei unklar. Man habe ähnliche Teilchen auf der Meeresoberfläche gefunden. Auf dem Weltraumbahnhof Baikonur, wo Raumschiffe zur ISS starten, gebe es sie üblicherweise nicht.

Biologie Training der Finger verbessert den Tastsinn im Gesicht

Ein deutsch-französisches Forscherteam hat den Tastsinn des rechten Zeigefingers von Probanden trainiert. Dazu stimulierten die Wissenschaftler die Fingerspitzen der Testpersonen mit einer vibrierenden Membran.
Nach dem Training konnten die Testpersonen zwei nebeneinanderliegende Reize auf dem Finger leichter auseinanderhalten. Gleichzeitig verbesserte sich auch ihr Tastsinn in den Wangen und den Lippen. So notieren es die Forscher im Magazin "Current Biology".
Als mögliche Begründung nennen sie, dass Sinneseindrücke von Finger und Gesicht im Gehirn dicht nebeneinander verarbeitet werden.
Ähnliche Effekte kannte man bisher von Handamputationen. Hirnareale, die zuvor Sinneseindrücke der Hand repräsentierten, erhielten nach einer Amputation Signale aus der benachbarten Gesichtsregion.
Die aktuelle Studie weist erstmals nach, dass solche Lerneffekte nicht nur nach Amputationen auftreten, heißt es von den Forschern.

Gesichtserkennung Grenzbeamte können falsche Passfotos oft nicht erkennen

Das zeigt ein Experiment australischer Forscher. Dabei bekamen Grenzbeamte das Passbild einer Person zu sehen. Sie sollten entscheiden, ob das Foto einen Menschen zeigte, der direkt vor ihnen stand.
Die Beamten irrten sich in 15 Prozent der Fälle.
Damit hatten die geschulten Grenzbeamten ähnliche Trefferquoten wie eine Gruppe ungeübter Studenten, schreiben die Forscher im Journal "Plos One". In beiden Gruppen – bei den Grenzbeamten und bei den Studenten – fanden sich jedoch Personen, die die Aufgabe nahezu perfekt meisterten.
Die Wissenschaftler schließen daraus, dass es sich womöglich nicht lohnt, Grenzbeamte aufwendig zu schulen. Vielmehr sollte man bei der Auswahl des Personals darauf achten, dass es das Talent besitzt, Gesichter mit Fotos abzugleichen.

Demografie Wilderei bedroht Afrikas Elefanten

Wegen der illegalen Jagd schrumpft die Zahl der Tiere seit 2010 um gut zwei Prozent pro Jahr. Das berichtet ein Forscherteam in Magazin "PNAS".
Die Biologen haben Daten zur Demografie und zu Todesursachen von Elefanten aus ganz Afrika analysiert. Damit schätzten sie zum ersten Mal das Ausmaß der Wilderei auf kontinentaler und regionaler Ebene.
Einen Höhepunkt hatte die illegale Jagd demnach im Jahre 2011 erreicht. Damals seien rund acht Prozent der afrikanischen Elefanten Wilderern zum Opfer gefallen.
Die Tiere werden wegen ihrer Stoßzähne gejagt. In einer Region, die die Forscher besonders genau beobachtet hatten, hing die Zahl der illegal getöteten Elefanten mit dem Schwarzmarktpreis für Elfenbein in China zusammen.

18.08.2014

Zoologie Hallucigenia hat seinen Platz im Stammbaum des Lebens gefunden

Es ist ein merkwürdig anzusehendes Tier gewesen: Ein Wurm mit Füßen, Stacheln auf dem Rücken und einem Schwanz, der kaum vom Kopf zu unterscheiden ist. Seit dem ersten Fund von Fossilien des Hallucigenia sparsa genannten Tieres hatten Forscher Schwierigkeiten, ihm einen Platz im Stammbaum des Lebens zuzuweisen. Forscher der Universität Cambridge haben mithilfe bildgebender Verfahren und vergleichender Untersuchungen starke Indizien dafür gefunden, dass Hallucigenia mit den heutigen Stummelfüßern verwandt ist, die in tropischen Lebensräumen und in der gemäßigten Zone der Südhalbkugel leben. Wichtigster Hinweis auf die Verwandtschaft sei der Bau der Klauen an den Füßen der Tiere, schreiben die Forscher im Fachblatt "Nature". Hallucigenia wurde zwischen fünf und 35 Millimeter lang und lebte im Kambrium – also vor 541 bis 485 Millionen Jahren - auf dem Boden der Ozeane. [mawi]

Medizin Neue Behandlung stoppt Haarausfall

US-amerikanische Mediziner haben drei Patienten mit Haarausfall erfolgreich behandelt. Die Männer litten unter alopecia areata, dem sogenannten kreisrunden Haarausfall. Das ist eine Erkrankung, bei der das körpereigene Abwehrsystem die Haarfollikel angreift. Die Forscher der Columbia University in New York City entdeckten, dass eine bestimmte Gruppe von T-Helferzellen die Follikel attackiert. Mit zwei bereits zugelassenen Wirkstoffen lässt sich der Angriff der Immunzellen gezielt unterbinden.

Fünf Monate nach Beginn der Behandlung hätten drei Patienten wieder volles Kopfhaar gehabt, berichten die Forscher im Fachblatt "Nature Medicine". Die Wirksamkeit der Präparate müsse aber noch in größeren Studien endgültig belegt werden. [mawi]

Quelle: Nature Medicine

Biologie Winzige genetische Veränderung macht das Leben in großer Höhe einfacher

Die Luft ist dünn auf dem Hochplateau in Tibet. Der Austausch eines einzigen Erbgut-Bausteins im sogenannten EGLN-1-Gen hat dafür gesorgt, dass Menschen dort besser mit der Sauerstoffknappheit zurechtkommen. Die genetische Variante sei vor etwa 8.000 Jahren entstanden und habe sich sehr schnell verbreitet. Etwa 88 Prozent der Tibeter trügen die Genvariante. Bei Menschen im nahen asiatischen Tiefland hingegen sei die Variante beinahe nicht zu finden, berichten Forscher der Universität von Utah im Fachblatt "Nature Genetics".

Die Genvariante der Tibeter sorge dafür, dass der Körper nicht allzu stark auf den Sauerstoffmangel reagiere. Normalerweise bilden Menschen bei Sauerstoffknappheit besonders viele rote Blutzellen. Das Blut dickt regelrecht ein und das Risiko für gesundheitliche Schäden steigt. [mawi]

Medizin Bakterien lassen Tumor schrumpfen

Mediziner am Johns-Hopkins-Krebszentrum in Baltimore haben einer Patientin mit einem Muskelkrebs, der bereits Tochtergeschwülste gebildet hat, Bakterien-Sporen in eine Schultermetastase gespritzt. Es handelt sich um Sporen des Bakteriums Clostridium novyi. Der Verwandte des Botulismus-Erregers gedeiht nur bei Sauerstoffmangel. Im Inneren von Tumoren herrscht Sauerstoffknappheit. Im Fachblatt "Science Translational Medicine" berichten die US-Mediziner, dass der Tumor deutlich geschrumpft sei. Die Bakterien hätten möglicherweise nicht alleine dazu beigetragen, wahrscheinlich habe das Immunsystem der Patientin mitgeholfen. Darauf deuteten auch vorherige Versuche an Hunden hin.

Krebs mit Bakterien zu bekämpfen, ist eine Idee aus dem 19. Jahrhundert. Die Methode hat sich bislang allerdings nicht durchgesetzt. Die US-Forscher in Baltimore wollen ihr Konzept in einer Studie mit 18 Patienten weiter erproben. [mawi]

Quelle: Science Translational Medicine - DOI: 10.1126/scitranslmed.3008982

Geologie In Taiwan verschwindet eine Schlucht im Eiltempo

Aus einer schmalen Schlucht wird mit der Zeit ein breites Tal mit einem flachen Flussbett. Wissenschaftler sind bislang davon ausgegangen, dass dieser Übergang Tausende Jahre dauert und im Wesentlichen durch die Erosion der seitlichen Ränder der Schlucht vorangetrieben wird. Ein Forscherteam des Deutschen Geoforschungszentrums GFZ hat in einer Schlucht im Flusslauf des Da'an Chi in Taiwan einen neuen Mechanismus entdeckt, mit dem dieser Erosionsprozess vor sich geht. Vor dem Eingang in die Schlucht macht der Flusslauf scharfe Kurven. In diesen Kurven prallen die Steine und das Geröll, das der Fluss mit sich führt, auf die Wände der Schlucht und verursachen so eine starke flussabwärts fortschreitende Erosion. Dieser Mechanismus spüle so nach und nach das gesamte Gestein der Schlucht weg, berichten die Forscher im Fachblatt "Nature Geoscience". Mit einer momentanen Abtragungsrate von 17 Metern pro Jahr werde es am Da'an Chi nur 50 bis 100 Jahre dauern, bis die Schlucht verschwunden ist. [mawi]

Quelle: Nature Geoscience - DOI: 10.1038/ngeo2224

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