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27.08.2014

Biologie Forscher erschaffen ein Organ aus Bindegewebe

Der Thymus gilt als zentrales Organ des Immunsystems. Er lehrt in Säugetieren die weißen Blutkörperchen, zwischen körpereigenen und körperfremden Molekülen zu unterscheiden. Mediziner der Universität Edinburgh haben aus embryonalen Bindegewebszellen von Mäusen einen funktionalen Thymus gezüchtet, ohne dabei auf Stammzellen zurückzugreifen. Wie die Forscher in der Fachzeitschrift "NATURE Cell Biology" notieren, mussten sie lediglich das in der Maus normalerweise abgeschaltete Gen FOXN1 aktivieren. Wurden die derart behandelten Bindegewebszellen anschließend in die Nierenkapsel der Nager transplantiert, erwuchs daraus ein funktionaler Thymus.

Die Studienautoren hoffen, mithilfe dieser Methode in einigen Jahren auch menschliche Zellen in dieses Gewebe umwandeln zu können, um Patienten mit einem gestörten Immunsystem zu helfen.[Mst]

Quelle: Nature Cell Biology(10.1038/ncb3023)

Biologie Krebsforscher entwickeln ein flexibles Nano-Teilchen

Experten der University of California Davis haben Nanoteilchen synthetisiert, die sowohl als Kontrastmittel eingesetzt werden als auch Tumorzellen abtöten können. Die Forscher präsentieren die winzigen Partikel Namens Nanoporphyrin in der Fachzeitschrift "NATURE Communications". Das Material besteht aus Polyethylenglykol und Porphyrin-Molekülen, die mit der Aminosäure Cystein stabilisiert wurden.

Die Mediziner beluden Nanoporphyrin mit dem Krebswirkstoff Doxorubicin. In ersten Experimenten reicherten sich die Nanoteilchen in den Tumoren an, wo sie mit Licht aktiviert werden konnten. Ebenso gelang es den Forschern, die Nanoporphyrin-Teilchen mit Kontrastmitteln zu beladen. Die Mediziner hoffen, dass die Nano-Teilchen bald als Kandidat für neue Trägermaterialen für gezielte Krebstherapien getestet werden können.

Quelle: Nature Communications (10.1038/ncomms5712)

Astronomie Astronomen beobachten das Verschmelzen zweier Galaxien

Ein internationales Forscherteam hat eine Strahlungsquelle untersucht, die in ihrer Helligkeit durch eine Gravitationslinse im Vordergrund drastisch verstärkt wird. Die Strahlungsquelle H1429-0028, deren Licht acht Milliarden Jahre brauchte, um die Erde zu erreichen, entdeckten die Forscher mit dem Weltraumteleskop Herschel. Die Masse des Gesamtsystems schätzen sie auf rund 130 Milliarden Sonnenmassen.

Als sich die Wissenschaftler die Quelle bei unterschiedlichen Wellenlängen ansahen, bemerkten sie, dass es sich um ein System von verschmelzenden Galaxien mit einer hohen Sternentstehungsrate handelt, heißt es im Fachmagazin "Astronomy & Astrophysics".

Die Beobachtung einer Kohlenmonoxid-Emissionslinie mit dem Observatorium ALMA ergab zudem, dass einer der beiden Komponenten vermutlich rotiert.[Mst]

Quelle: Astronomy and Astrophysics (doi:10.1051/0004-6361-2014244410)

Psychologie Gemeinsames Marschieren lässt Feinde kleiner erscheinen

Dass der militärische Gleichschritt Soldaten zusammenschweißt, war schon länger bekannt. Jetzt haben Verhaltensbiologen aus Los Angeles
bei Experimenten eine weitere Auswirkung dieser Gangart entdeckt. Wie sie im Fachblatt "Biology Letters" schreiben, erscheinen den im Gleichschritt Marschierenden Feinde und bedrohliche Gestalten schwächer und kleiner.

Demnach haben jene, die synchron marschieren, weniger Angst und Respekt vor dem jeweiligen Gegner. Dies erkläre die Vorliebe des Militärs für synchrones Marschieren, so die Forscher. Sie warnen jedoch, dass diese Form der synchronen Bewegung etwa bei Polizeieinsätzen ungerechtfertigt aggressives Verhalten fördern könne.[Mst]

Quelle: Biology Letters (doi:10.1098/rsbl.2014.0592)

Umweltverschmutzung Illegale Müllfeuer verschlechtern die Luftqualität

Weltweit werden fast 41 Prozent aller Abfälle unkontrolliert verbrannt, schreiben US-Forscher im Fachblatt "Environmental Science and Technology". Sie hatten für jeden Staat der Erde Daten zu Bevölkerungszahlen und Müllproduktion sowie offizielle Statistiken zur Müllentsorgung gesammelt und hochgerechnet, wie viel Abfall nicht ordentlich entsorgt wird.

Demnach wird jedes Jahr eine Milliarde Tonne ungeregelt durch offenes Verbrennen entsorgt. Der höchste Anteil der durch Müllfeuer erzeugten Emissionen liegt demnach in China, gefolgt von Indien, Brasilien, Mexiko, Pakistan und der Türkei.

Diese Müllfeuer sind für 29 Prozent aller weltweiten Feinstaub-Emissionen, für zehn Prozent der Quecksilberbelastung und für 40 Prozent aller in der Atmosphäre registrierten polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK) verantwortlich.[Mst]

Quelle: www2.ucar.edu

Biologie Schon vor mehr als einer halben Milliarde Jahre gab es Muskeln

Paläontologen der Universität Cambridge haben in Neufundland die versteinerten Überreste eines frühen mehrzelligen Tieres entdeckt. Das Fossil ist 560 Millionen Jahre alt und so gut erhalten, dass sich deutlich feine Fasern des Muskelgewebes abzeichnen. Die wissenschaftliche Beschreibung des polypenähnlichen Tieres erscheint in den „Proceedings B" der britischen Royal Society.

Die Forscher benannten das Tier Haootia quadriformis. Es bestand aus einem trichterförmigen Körper, der aufrecht auf einer Art Grundplatte stand und nach oben in mehrere tentakelähnliche Anhänge mündete.

Auffällig sei auch die vierseitige Symmetrie. Dies spreche dafür, dass es sich um einen frühen Vertreter der Nesseltiere handelt - und damit schon um einen echten Mehrzeller, so die Forscher.[Mst]

Quelle: Pro R Soc B (doi: 10.1098/rspb.2014.1202)

26.08.2014

US-Verteidigung Ein Hyperschall-Geschoss der US-Armee ist abgestürzt

Vier Sekunden nach dem Start explodierte die sogenannte "Advanced Hypersonic Weapon" gestern über Alaska. Wie das US-Verteidigungsministerium mitteilt, habe man beim Start ein Problem festgestellt und die Mission abgebrochen.

Die Waffe stürzte auf den Startkomplex, von dem aus sie abgefeuert worden war. Verletzt wurde niemand.

Das Geschoss wird von einer Feststoffrakete angetrieben. Die Waffe soll mindestens fünffache Schallgeschwindigkeit erreichen können und den USA so erlauben, jedes Ziel auf der Welt innerhalb einer Stunde zu treffen.

Rauchen Die WHO bezieht Stellung gegen E-Zigaretten

In einem Bericht empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation, den Verkauf von E-Zigaretten an Minderjährige zu verbieten. Jugendliche würden verstärkt mit den elektronischen Inhalationsgeräten experimentieren. Von 2008 an habe sich ihr Gebrauch bei jungen Menschen innerhalb von vier Jahren verdoppelt.

Außerdem sollte die Benutzung von E-Zigaretten aus öffentlichen Räumen verbannt werden.

Als Begründung nennt die WHO, dass bislang nicht geklärt sei, welche Wirkung das ausgeatmete Aerosol auf Menschen im selben Raum hat. Im Gegensatz zu den Verlautbarungen in der Werbung, handele es sich dabei nicht um bloßen Wasserdampf, heißt es in dem Bericht.

Luftverschmutzung Chinas Holzöfen begünstigen Kreislauferkrankungen

Diese direkte Verbindung haben Forscher aufgezeigt, indem sie knapp 300 Frauen Geräte zur Analyse der Luftqualität tragen ließen.

Die Maschinen überwachten unter anderem den Anteil von pyrogenem Kohlenstoff in der Luft. Dieser Schadstoff wird bei der Verbrennung von Holz freigesetzt, etwa dann, wenn mit Holzöfen geheizt wird. Gleichzeitig ermittelten die Forscher Werte wie den Blutdruck oder das Gewicht der Frauen.

Im Magazin "PNAS" schreiben sie, dass der Kohlenstoff sich negativ auf den Blutdruck – und damit auf den Kreislauf der Frauen – auswirkte.

Die Arbeit soll Behörden helfen, Ziele zur Verbesserung der Luftqualität zu formulieren.

Fluoreszenz-Mikroskopie  Forscher bringen Zellen zum Leuchten

Und können so deren Oberfläche besonders genau betrachten.

Die Wissenschaftler aus Würzburg haben Zuckermoleküle mit einem fluoreszierenden Farbstoff verbunden. Diese Strukturen mischten sie in eine Nährlösung für menschliche Zellen, woraufhin die Zellen den Farbstoff in ihre Membran einbauten.

Mit speziellem Licht bestrahlt, leuchteten die Strukturen auf der Zelloberfläche kurz auf. Mit dieser Form der Fluoreszenz-Mikroskopie erreichten die Forscher zehn Mal bessere Auflösungen als mit bisherigen Methoden. Sie konnten Zell-Strukturen von einigen Nanometern Größe abbilden, schreiben sie im Magazin "Angewandte Chemie".

Das sei besonders bei der Erforschung von Infektionskrankheiten und Krebs von Interesse.

Multipler Sklerose Eine Spielekonsole verändert das Gehirn

Und könnte so Patienten mit multipler Sklerose helfen. Denn Menschen mit dieser Erkrankung des zentralen Nervensystems haben oft Probleme, ihr Gleichgewicht zu regulieren.

Mediziner ließen Multiple-Sklerose-Patienten mit dem so genannten Balance Board einer Spielekonsole trainieren. Dabei mussten die Probanden, den Anweisungen auf einem Bildschirm folgend, bestimmte Bewegungen auf dem Balancierbrett ausführen.

Nach zwölf Wochen verbesserte sich das Gleichgewichtsvermögen der Patienten, notieren die Wissenschaftler im Fachblatt „Radiology". Auch veränderten sich ihre Hirnregionen, die mit der Steuerung des Gleichgewichts in Verbindung stehen.

Laut den Forschern zeigen die Ergebnisse, dass sich aufgabenorientiertes Training eignet, um spezifische Symptome der Krankheit in den Griff zu bekommen.

Gehirnforschung Kinderhirne brauchen mehr Energie als der restliche Körper

US-Forscher haben mit verschiedenen bildgebenden Verfahren den Glukose-Verbrauch von Kinderhirnen ermittelt. Das erlaubte ihnen Rückschlüsse auf den Energieverbrauch der Gehirne. Die Daten vergleichen sie mit dem generellen Energieverbrauch der Kinder.

Demnach verbraucht das Gehirn im Alter von fünf Jahren zwei Drittel der Gesamtenergie, schreiben die Forscher im Fachmagazin "PNAS".

In dieser Phase erreicht der Energieverbrauch des Gehirns im Vergleich zum restlichen Körper sein Maximum. Es ist auch die Zeit, in der Kinder wenig wachsen.

Damit untermauern die Forscher die alte Vermutung, dass der Energiehunger des jungen Gehirns für die vergleichsweise lange Kindheit beim Menschen verantwortlich ist.

In dem Ergebnis spiegelt sich auch eine Alltagsbeobachtung wieder: Bei etwa fünf Jahre alten Kindern sei es schwer, das Alter anhand der Größe abzuschätzen, schrieben die Forscher. Man müsse das Sprachvermögen als Anhaltspunkt nutzen.

Das zeige, dass der Mensch sich in dieser Phase körperlich wenig weiterentwickle, dafür aber geistig.

 

25.08.2014

Medizin Japan bietet ein Grippe-Medikament gegen Ebola an

Japan will zur Eindämmung der Ebola-Epidemie ein neues Medikament zur Verfügung stellen. Im Falle einer Anfrage der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sei man bereit, das Grippemittel Favipiravir zu liefern, teilte ein Regierungssprecher heute in Tokyo mit. Das Medikament mit dem Wirkstoffnamen T-705 ist in Japan zur Behandlung der Influenza zugelassen.

Der Wirkstoff hemmt ein Enzym des Influenza-Virus, die so genannte RNA-Polymerase.

Forscher vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg hatten kürzlich im Tierversuch an Mäusen zeigen können, dass der Wirkstoff auch die Vermehrung von Ebola-Viren hemmt.

Quelle: mawi, Agenturen, Antiviral Research,

Augenheilkunde Ein winziger Sensor misst rund um die Uhr den Augeninnendruck

Israelische Forscher der Bar-Ilan Universität in Ramat Gan stellen im Fachblatt Nature Medicine einen Sensor zur Messung des Augeninnendrucks vor. Er ist nur wenige Millimeter lang und kann in eine Kunstlinse eingebettet werden, wie sie Menschen mit Grauem Star als Ersatz für ihre natürliche eingetrübte Linse eingepflanzt bekommen. Der Sensor funktioniert wie ein Miniatur-Barometer. Steigt der Druck im Augeninnern an, kommt es zu einem Anstieg einer Flüssigkeitssäule. Der Wert kann jederzeit mit einem handelsüblichen Smartphone mit einem vorgeschalteten optischen Adapter ausgelesen werden. Ein Computerprogramm analysiert und bewertet die Messwerte.

Der Sensor könnte helfen, die Behandlung von Menschen mit erhöhtem Augeninnendruck deutlich zu verbessern, hoffen die Forscher. Ein unerkanntes oder auch unbehandeltes Glaukom kann Ursache sein für eine Erblindung.

Quelle: mawi, Nature Medicine

Biologie Der Urahn der heutigen Honigbiene summte in Asien...

... und nicht in Afrika. Schwedische Forscher der Universität Uppsala berichten im Fachblatt "Nature Genetics", sie hätten bei einer vergleichenden Erbgutanalyse deutliche Hinweise darauf gefunden, dass sich die Honigbienen vor etwa 300.000 Jahren in Asien aus in Höhlen nistenden Vorfahren entwickelt haben. Sie verbreiteten sich dann nach Europa und Afrika. Bislang hieß es, die Honigbienen stammten ursprünglich aus Afrika.

Ein weiterer Befund der Forscher: Die Bienenvölker weisen eine größere genetische Varianz auf als sie bei anderen Haustieren zu finden ist. Und sie sind weltweit genetisch stark durchmischt. Damit ist klar: Inzucht ist nicht die Hauptursache des Bienensterbens.

Die Forscher wollen jetzt in den genetischen Daten nach Hinweisen suchen, wie genau sich Honigbienen an verschiedene Lebensräume weltweit angepasst haben.

 

 

Quelle: mawi, Nature Genetics,

Wissenschaft Bakterien verstecken sich in Gefäß-Wänden

Das Bakterium Streptococcus pyogenes verursacht Mandelentzündungen, Scharlach und bedrohliche Wund- und Weichteilinfektionen. Oft kommt es auch nach einer erfolgreichen Behandlung mit Antibiotika zu einem erneuten Aufflammen der Infektion. Den Grund dafür haben Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig jetzt entdeckt: Die Streptokokken können in Endothelzellen, die die Innenseite der Blutgefäße auskleiden, eindringen. In dieser Nische seien sie vor dem menschlichen Immunsystem und auch vor Medikamenten geschützt, schreiben die Forscher im "Journal of Innate Immunity".

Wie genau sich die Fähigkeit der Erreger, in das Innere der Zellen einzudringen, auf den Verlauf verschiedener Krankheiten auswirkt, müsse noch genau erforscht werden, betonen die Wissenschaftler.

 

Quelle: mawi, idw-Ticker, Journal of Innate Immun

Satelliten Zwei Galileo-Satelliten kreisen auf der falschen Bahn um die Erde

Beim Start von zwei Galileo-Satelliten am Freitag hat es eine schwere Panne gegeben. Die Trägerrakete setzte die Navigations-Satelliten in einer falschen Umlaufbahn aus.Sie bewegen sich auf einer elliptischen Bahn in etwa 17.000 Kilometern Höhe statt auf einer Kreisbahn in einer Höhe von mehr als 23.000 Kilometern.

Ob die Satelliten genügend Treibstoff an Bord haben, um aus eigener Kraft an die richtige Position zu kommen und dann dort arbeiten zu können, war zunächst unklar.

Die Europäische Kommission fordert eine Untersuchung, wie es zu der Panne kam.

Ursprünglich sollte das europäische Satelliten-Navigationssystem Galileo mit geplanten 30 Satelliten bereits 2008 an den Start gehen. Wegen Streitigkeiten unter den Partnerländern gab es aber immer wieder Verzögerungen. Ein eingeschränkter Betrieb soll ab 2015 möglich sein. Die volle Einsatzfähigkeit ist bis 2020 vorgesehen.

 

Quelle: mawi, Agenturen

Antarktisforschung  Ein neuer Atlas erfasst die Lebewesen in antarktischen Gewässern

Ein internationales Team von knapp 150 Wissenschaftlern aus 91 Instituten hat einen neuen Atlas des Lebens in den antarktischen Gewässern vorgelegt.

Es handele sich um den umfangreichsten Katalog seiner Art seit 1969, teilte das an dem Projekt beteiligte Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven mit.

In 66 Kapiteln werden mehr als 9000 Arten dargestellt, dazu kommen Karten sowie Daten zu physikalischen Prozessen.

Der heute auf der Konferenz des Wissenschaftskomitees für Antarktisforschung (SCAR) im neuseeländischen Auckland vorgestellte Atlas soll wissenschaftlich fundierte Informationen liefern -  etwa für Klimaschutz-Maßnahmen oder die Debatte um die Einrichtung von Meeresschutzgebieten.

 

Quelle: mawi, AFP

22.08.2014

Physik Quantentornados toben in winzigen Helium-Tropfen.

Wenn das Edelgas Helium auf Temperaturen von knapp zwei Grad Kelvin über dem absoluten Nullpunkt abgekühlt wird, dann wechselt es in den Zustand der Superfluidität. Es liegt dann als eine Flüssigkeit vor, die keine innere Reibung besitzt. Nun hat ein internationales Forscherteam herausgefunden, dass dieser Zustand auch dann noch auftritt, wenn das flüssige Helium in Form von rotierenden Nano-Tröpfchen vorliegt. Denn mit Hilfe eines Röntgenlasers konnten die Experten zeigen, dass sich im Inneren der Tröpfchen winzig kleine Wirbel bilden, sogenannte Quantenwirbel. Diese entstehen üblicherweise nur in superfluiden Flüssigkeiten. Es überraschte die Forscher jedoch, dass sich in den winzigen Tropfen verhältnismäßig viele dieser Wirbel bildeten. Sie waren hunderttausendfach dichter gepackt als in anderen Superfluiden, berichten die Wissenschaftler im Fachblatt "Science". [reu]

Quelle: DOI: 10.1126/science.1252395

Neurowissenschaften Das autistische Gehirn entsteht in den ersten Lebensjahren.

Kinder und junge Erwachsene mit Autismus besitzen einen Überschuss von Nervenverbindungen im Gehirn. Dieses Ungleichgewicht entsteht, weil sich diese sogenannten Synapsen in den ersten 20 Lebensjahren nicht ausreichend zurückbilden. Das ist das Ergebnis einer Studie, die heute im Fachblatt "Neuron" erscheint. Wissenschaftler aus New York hatten Gehirnproben von verstorbenen Kindern und jungen Erwachsenen untersucht. Die Hälfte dieser Menschen hatte zu Lebzeiten die Symptome von Autismus gezeigt. Bei Autisten und Nicht-Autisten sank die Zahl der Synapsen im Lauf ihrer Entwicklung. Bei Autisten geschah dies aber deutlich langsamer. Bestimmte Proteine und Biomarker im Gehirn der Autisten deuten darauf hin, dass bei ihnen die Entsorgung alter Zellen nicht so gut funktioniert wie bei Nicht-Autisten. Das könne die Ursache dafür sein, dass sie den Überschuss an Synapsen besitzen, vermuten die Forscher. [reu]

Quelle: DOI: 10.1016/j.neuron.2014.07.040

Neurowissenschaften Junge Fische und die Larven von Korallen "schmecken" die Gesundheit eines Riffs.

Sie nutzen diese Information, um gezielt gesunde Lebensräume anzusteuern. Das berichten Forscher aus den USA und den Vereinigten Arabischen Emiraten im Fachmagazin "Science". Die Fische und Korallen orientieren sich dabei vor allem an den Duftstoffen, die von Seetang abgegeben werden. Seetang siedelt sich dort an, wo Korallenriffe bereits geschädigt sind. Solche Gebiete meiden die Tiere. Diese Erkenntnisse seien wichtig für die Neuansiedlung der Meeresbewohner in geschützten Zonen, wo Korallenriffe wieder entstehen sollen, argumentieren die Forscher. [reu]

Mykologie Ein gefährlicher Pilz wächst auf Bäumen.

Der Hefepilz Cryptococcus gattii, der bei AIDS-Patienten gefährliche Infektionen auslösen kann, kommt im südlichen Kalifornien auf mindestens drei verschiedenen Baumarten vor. Das berichten US-Forscher im Fachmagazin "PLoS Pathogens". Sie hatten Bodenproben und Abstriche von Bäumen untersucht, aus denen der Pilz kultiviert werden konnte. Ein genetischer Vergleich ergab, dass es sich um dieselben Typen handelt, die auch bei AIDS-Patienten gefunden wurden. Die Wissenschaftler stellten außerdem fest, dass die Pilze aus der Natur fortpflanzungsfähig waren. Das spricht nach Angaben der Forscher dafür, dass die Bäume tatsächlich als Quelle für die Übertragung der Pilze auf Menschen in Frage kommen. Cryptococcus gattii kann gefährliche Lungen- und Gehirninfektionen auslösen. Der Pilz ist für rund jeden dritten Todesfall bei AIDS-Patienten verantwortlich. [reu]

Quelle: DOI: 10.1371/journal.ppat.1004285

Robotik hitchBot ist angekommen.

Der Roboter hitchBot, der per Anhalter durch Kanada gereist ist, hat gestern Abend sein Ziel erreicht, nämlich die Provinzhauptstadt Victoria in British Columbia. Gestartet war er Ende Juli an der Atlantikküste in Halifax. Unzählige Reisende nahmen den Roboter ein Stück weit mit, manchmal nur wenige Kilometer weit, ein andermal waren es fast tausend Kilometer. HitchBot sieht aus wie ein Kinderspielzeug: Arme und Beine bestehen aus blauen Schwimmnudeln, der Körper aus einem Eimer. Sein LED-Gesicht wird von einer Tortenhaube geschützt. Mit dem Projekt wollten Forscher aus Toronto nach eigenen Angaben herausfinden, ob Roboter auch Menschen vertrauen können – umgekehrt sei das oft der Fall. [reu]

21.08.2014

Medizin Die Ebola-Epidemie in Westafrika wird noch mehrere Monate Menschenleben fordern.

Diese Warnung sprach heute die Weltgesundheitsorganisation WHO aus. Die Zahl der mutmaßlichen Toten liege derzeit bei mindestens 1350. Unterdessen heißt es, dass ein mit Ebola infizierter Arzt, der in den USA mit dem experimentellen Mittel "ZMapp" behandelt wurde, geheilt sei. Das berichtet der Sender CNN unter Berufung auf das Krankenhaus, aus dem der Arzt heute entlassen werden soll. Ob das an dem Präparat "ZMapp" liegt sei noch nicht klar. Im Fachmagazin "Nature" haben britische Epidemie-Forscher heute eine alarmierende Einschätzung veröffentlicht: Um den Ebola-Ausbruch in Westafrika effektiv bekämpfen zu können, hätten bis heute 30.000 Menschen mit wirksamen Medikamenten behandelt oder vorbeugend geimpft werden müssen. Diese Zahl beruhe auf der Annahme einer Epidemie eher konservativen Ausmaßes. Momentan sei die Situation so, dass selbst die Bestände an noch kaum erprobten Wirkstoffen nicht ausreichen, um den Bedarf auch nur annähernd zu decken, warnten die britischen Wissenschaftler.

Arachnologie Seidenspinnen geht es in der Stadt besonders gut.

Während manche Tierarten durch die Verstädterung der Landschaft völlig verschwinden, profitieren andere davon. Dazu gehören die Seidenspinnen. Im Fachblatt "PLoS One" berichten australische Biologen von ihren Beobachtungen. Sie hatten in Sydney und Umgebung insgesamt 222 weibliche Seidenspinnen der Art Nephila plumipes gesammelt und untersucht. Ihr Ergebnis: Je weniger natürliche Vegetation am Fundort der Spinne zu finden war, desto größer waren Körpergewicht, Eierstöcke und Fettreserven. Besonders deutlich war dieser Effekt in sehr dicht besiedelten Stadtbezirken. Die Forscher vermuten, dass im Vergleich zu Spinnen in natürlicher Umgebung, städtische Spinnen auf ein breiteres Nahrungsangebot und höhere Durchschnittstemperaturen treffen. [tj]

Quelle: DOI: 10.1371/journal.pone.0105480

Medizin Erstmals gibt es ein Medikament, dass Affen vor dem tödlichen Marburg-Virus schützt.

Und zwar auch dann, wenn das Präparat den Tieren erst einige Tage nach der Ansteckung gespritzt wird. US amerikanische Forscher hatten Makaken ein gentechnisch hergestelltes Mittel gegeben, das aus winzigen Erbgut-Schnipseln besteht. Diese sogenannten siRNA Moleküle heften sich an Transportmoleküle, die in den Zellen mitverantwortlich sind für den Bau von Virusproteinen. Auf diese Weise wird die Wirkung des Virus unterbunden. Bei ersten Tests überlebten alle infizierten Makaken, die mit dem neuen Medikament behandelt wurden, die unbehandelten Tiere starben. Das getestete Medikament funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie ein experimentelles Ebola-Medikament, das derzeit noch klinisch getestet wird. Interessant sei der Ansatz, weil das Präparat auch einige Tage nach der Infektion noch anschlage, schreiben die Forscher in "Science Translational Medicine". [tj]

Biologie Junge Singvögel machen alles auf den letzten Drücker.

Kanadische Biologen haben junge Walddrosseln beobachtet und dabei festgestellt: Die Jungvögel verlassen ihr Winterquartier in tropischen Regionen einige Tage später als ihre älteren Artgenossen. Auch während ihrer Reise Richtung Norden lassen sie sich deutlich mehr Zeit. Im Durchschnitt kommen die jungen Drosseln zwei Wochen später in den Brutgebieten an. Wie die Forscher im Fachblatt "PLoS One" schreiben, konnten sie -was die physische Kondition der Vögel anbetrifft - keinerlei Unterschiede zwischen jungen und älteren Tieren feststellen. Deshalb vermuten die Biologen, dass die Jungdrosseln aus einem anderen Grund etwas länger für ihre Reise brauchen: Es scheint ein genetisches Programm zu sein, dass die jungen Vögel in ihrer Reisegeschwindigkeit bremst. So kommen sie nicht zeitgleich mit den Älteren an und entgehen einem ungleichen Kampf um die besten Brutplätze. [tj]

Quelle: DOI: 10.1371/journal.pone.0105605

Biologie Robben brachten die Tuberkulose nach Amerika.

Und zwar schon bevor Kolumbus die Neue Welt entdeckte. Bisher galten die spanischen Eroberer als Überbringer der Tuberkuloseerreger. Ein internationales Forscherteam kommt in "Nature" zu einem anderen Ergebnis: Die Tuberkulose-Erreger kamen zwar über das Meer, doch es waren Robben, die sie mitbrachten. Die Wissenschaftler hatten bei drei peruanischen Mumien, die vor über 1000 Jahren an Tuberkulose starben, eine DNA Analyse gemacht. Überraschenderweise fanden sie dabei Erreger, die mit einem Tuberkulosestamm verwandt sind, der heutzutage nur bei Robben und Seelöwen vorkommt. Die Forscher schließen aus diesen und weiteren Erkenntnissen auf folgendes Szenario: Robben steckten sie vor rund 2500 Jahren in Afrika bei anderen Tierarten mit Tuberkulose an. Zu einem späteren Zeitpunkt durchquerten sie den Atlantik und siedelten sich entlang der südamerikanischen Küste an. Die dort lebenden Ureinwohnern ernährten sich unter anderem von Robben und Seelöwen – und steckten sich so bei den infizierten Tieren an. Später wurde dieser Tuberkulosestamm jedoch allmählich verdrängt durch den neu eingeschleppten europäischen Bakterienstamm, den die spanischen Eroberer mitbrachten. [tj]

Quelle: DOI: 10.1038/nature13591

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