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26.09.2012

Biologie Die genetische Vielfalt der Alpenpflanzen ist geringer als gedacht

In den Alpen gibt es eine enorme Vielfalt an Pflanzen. Allerdings hat jetzt ein internationales Forscherteam unter der Leitung der Universität von Grenoble herausgefunden, dass diese Biodiversität nicht - wie bisher vermutet - auch mit einer hohen genetischen Vielfalt innerhalb der Arten einhergeht. Das wirft einen Schatten auf den langfristigen Erhalt der Biodiversität in den Alpen. Denn die genetische Vielfalt ist wichtig, wenn es um die Anpassungsfähigkeit der Pflanzen an eine sich ändernde Umwelt geht. Die Forscher empfehlen auf Basis ihrer Studie im Magazin Ecology Letters angepasste Naturschutzstrategien für den Alpenraum. Bestehende Schutzgebiete mit hoher Artenvielfalt sollten ergänzt werden durch Gebiete, die sich durch eine hohe genetische Vielfalt auszeichnen. [luh]

Quelle: Ecology Letters / doi: 10.1111/ele.12004

Genetik Chinesen kaufen Gen-Sequenzierfirma Complete Genomics

Wenn es um das schnelle Sequenzieren kompletter humaner Genome geht, teilen sich bisher zwei US-Firmen mit jeweils eigenen technologischen Plattformen den Markt: Illumina und Complete Genomics. Allerdings befürchteten Experten bald eine Monopolstellung für Illumina, weil Complete Genomics in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckte. Dieses Szenario ist jetzt abgewendet. Der weltweit größte DNA-Sequenzierdienstleister, BGI aus China, hat angekündigt, Complete Genomics für knapp 118 Millionen US-Dollar zu übernehmen. Damit steigt BGI auch in die Entwicklung der Sequenziertechnik ein. Bisher nutzte BGI nur Sequenzierroboter von Illumina. Im Vergleich zu Illumina gilt die Technologie von Complete Genomics als langsamer, aber genauer. Erst im Juli hatte Complete Genomics eine neue Sequenzier-Technik mit besonders niedriger Fehlerquote vorgestellt. Damit lässt sich auch unterscheiden, ob ein DNA-Fragment von der väterlichen oder mütterlichen Version des gleichen Chromosoms stammt. [luh]

Quelle: Nature / doi: 10.1038/489485a

Ozeanologie Eine Datensteckdose versorgt Messinstrumente vor Helgoland.

Meeresforscher des Helmholtz-Zentrums Geesthacht und des Alfred-Wegener-Instituts haben 700 Meter vor der Küste Helgolands den ersten Unterwasser-Datenknoten der Nordsee eingerichtet. Es handelt sich um eine in zehn Meter Tiefe versenkte Versorgungsstation, an die bis zu zehn Messeinheiten angeschlossen werden können. Dazu zählen zum Beispiel Sonden für den Salz- und Sauerstoffgehalt des Wassers, aber auch Kameras zur Beobachtung von Fischen und Quallen. Die Station versorgt die Sensoren mit Strom, bündelt die anfallenden Daten und leitet sie über ein Glasfaserkabel online an die Wissenschaftler. Da die angeschlossenen Geräte unter Wasser nicht mehr auf Batterien angewiesen sind, können sie wartungsfrei langfristig im Einsatz sein. Der Unterwasserknoten ist Teil des Küstenbeobachtungssystems COSYNA. Dieses dient dazu, langfristige Umweltveränderungen in der Nordsee zu erfassen. [luh]

Quelle: AWI

Geophysik Staatsanwalt fordert vier Jahre Haft für Erdbebenforscher.

Seit einem Jahr stehen in Italien sieben Erdbebenexperten vor Gericht. Der Anklage nach sollen sie nicht ausreichend vor dem Risiko eines Bebens gewarnt haben, das im April 2009 die Region von L'Aquila verheerend traf und mehr als 300 Tote forderte. Die Staatsanwaltschaft hat jetzt für alle Angeklagten vier Jahre Haft gefordert - wegen fahrlässiger Tötung. Zum Prozessauftakt hatten 5000 Wissenschaftler aus aller Welt in einem offenen Brief an Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano beklagt, dass den Angeklagten ein Strafprozess gemacht werde, obwohl die Vorhersage von Erdbeben bislang technisch unmöglich sei. Die Verteidigung will am 9. und 10. Oktober ihr Plädoyer halten. Ein Urteil wird bis Ende Oktober erwartet. [luh]

Medizin RNA-Blockade schützt vor Herzversagen

Ein Herzinfarkt oder hoher Blutdruck können krankhaftes Herzwachstum auslösen, das zum Herzversagen führt. Forscher der Medizinischen Hochschule Hannover haben jetzt in Versuchen mit Mäusen herausgefunden, wie sich das verhindern lässt. Das berichten sie im Fachmagazin Nature Communications. Sie identifizierten zwei kleine RNA-Moleküle, die beim krankhaften Herzwachstum eine zentrale Rolle spielen. Hemmten sie eines dieser RNA-Moleküle, behielten die Herzen der Versuchsmäuse ihre normale Größe. Die Forscher hoffen, auf Basis dieser Erkenntnissen neue Therapieansätze entwickeln zu können, die auch den Menschen vor Herzversagen schützen. [luh]

Quelle: Nature Communications / doi: 10.1038/ncomms2090

Biologie Der Klimawandel macht Rentieren das Überleben schwer

Für Rentiere und Feldmäuse in der Nordpolarregion stellen milde Winter infolge des Klimawandels eine Gefahr dar. Wird es wärmer, fällt Niederschlag häufiger als Regen anstatt als Schnee. Sickert das Regenwasser durch eine Schneedecke bis auf den gefrorenen Boden, bildet sich Eis, das auch Futterpflanzen wie Flechten überzieht. Die Tiere kommen dann nicht mehr an ihre Nahrung heran, berichten norwegische Forscher in den "Biology Letters". Die Wissenschaftler beobachteten auf der Inselgruppe Spitzbergen zwischen 1995 und 2011, dass die Populationen der Rentiere und Feldmäuse stets in jenen Wintern deutlich zurückging, in denen mehr als 15 Millimeter Regen auf Schnee gefallen waren. [luh]

Quelle: Biology Letters, doi: 10.1098/rsbl.2012.0764

Astronomie An Sylvester 2013 könnte es ein großes Kometenschauspiel am Himmel geben.

Astronomen am ISON-Kislovodsk Observatorium in Russland haben vor zwei Wochen einen neuen Kometen entdeckt, der seither in Fachforen im Internet für erregte Diskussionen sorgt. Ersten, vorläufigen Berechnungen seiner parabolischen Bahn zufolge könnte sich der Komet mit dem Kürzel C/2012 S1 im November nächsten Jahres der Sonne bis auf 1,8 Millionen Kilometer nähern und dann über Wochen hinweg von der Erde aus gesehen heller leuchten als der Vollmond. Laut dem Online-Magazin "Astronomy Now" könnte C/2012 S1 auf Basis der Prognosen zu einem der größten Kometen der Menschheitsgeschichte werden. Einige Experten warnen allerdings vor verfrühten Sensationsschlagzeilen. In der Vergangenheit hätten viele rechnerische Vorhersagen die spätere Leuchtkraft von Kometen überschätzt. Aktuell bewegt sich der neue Komet noch rund 990 Millionen Kilometer entfernt unscheinbar durch das Sternbild Krebs. [luh]

Quelle: Astronomy Now

25.09.2012

Statistik Statistische Analysen entlarven Wahlfälschung

Forscher der Universität Wien haben eine neue statistische Methode entwickelt, mit der sich ein möglicher Betrug bei politischen Wahlen erkennen lässt. Das Verfahren verrechnet die Wahlbeteiligung und -ergebnisse aller Wahlbezirke und stellt diese in zweidimensionalen, farbigen Punktewolken dar. Bestimmte Auswüchse dieser sogenannten Wahl-Fingerabdrücke machen Manipulationen sichtbar, zum Beispiel wenn einer Partei systematisch mehr Stimmen zugeschlagen wurden. Wie die Wissenschaftler in den "Proceedings der US-amerikanischen Akademie der Wissenschaften" (PNAS) berichten, fanden sie mit dieser Methode in den Auszählergebnissen der jüngsten Wahlen in Russland und Uganda deutliche Anzeichen von Betrug. //[luh]//

Quelle: PNAS / doi: 10.1073/pnas.1210722109

Biologie Im Vergleich zu Affen, isolieren Menschen ihre Nervenfasern erst spät

Viele der Reizleitungen von Neuronen bei Menschen und Affen sind von einem fetthaltigen Mantel umgeben. Diese sogenannte Myelin-Scheide wirkt wie ein Isolator und ermöglicht es, elektrische Potenziale schneller weiterzugeben. US-Forscher haben jetzt herausgefunden, dass die Entwicklung des Myelins bei Menschen im Vergleich zu Schimpansen deutlich langsamer verläuft. Während bei den Affen die Myelinisierung bis zur Sexualreife abgeschlossen ist, zieht sich dieser Prozess beim Menschen bis ins dritte Lebensjahrzehnt hinein. Die verzögerte Myelinbildung bringt den Menschen nach Ansicht der Forscher Vor- und Nachteile: Sie ermöglicht eine flexiblere Verschaltung von Neuronen. Zugleich könnte sie zur zu Ausbildung psychiatrischer Krankheiten wie Schizophrenie oder Depression beitragen. Die Studie ist im Fachmagazin "PNAS" erschienen. //[luh]//

Quelle: PNAS / doi: 10.1073/pnas.1117943109

Psychologie Viele Chefs sind weniger gestresst als ihre Angestellten

Nach einer US-Studie zeigen Menschen in leitenden Positionen weniger Anzeichen von Stress als einfache Angestellte. Und das sogar umso weniger, je mehr die Chefs auch das Gefühl der Kontrolle besitzen. Das berichten Forscher in den "Proceedings". Die Wissenschaftler untersuchten die Gehalte des Stresshormons Cortisol in Speichelproben von Menschen in höheren Positionen bei der US-Regierung und dem Militär sowie von einfachen Angestellten. Dabei zeigte sich, dass die Führungskräfte deutlich geringere Cortisolwerte aufwiesen. Zudem gaben sie in einer standardisierten Befragung auch viel seltener an, unter Unruhe und Unsicherheit zu leiden. //[luh]//

Quelle: PNAS / doi: 10.1073/pnas.1207042109

Medizin Viren könnten gegen Akne helfen

Bakteriophagen sind Viren, die nur Bakterien befallen. US-Forscher haben jetzt solche Viren gefunden, die gezielt jene Bakterien angreifen, die in der menschlichen Haut die Bildung von Pickel auslösen. Andere Hautbakterien lassen sie hingegen unbehelligt. Auch der Mensch ist ungefährdet. Die Viren könnten neue Möglichkeiten zur Behandlung einer hartnäckigen Akne eröffnen, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin "mBio". Insgesamt untersuchten die Forscher elf Arten von Bakteriophagen, die den Akne-Erreger "Propionibacterium acnes" befallen und töten. Die Viren produzieren das Enzym Endolysin, das die Zellwände der Bakterien zerstört. Denkbar sei die Produktion von Medikamenten auf Basis der Viren selbst oder aber dem isolierten enzymatischen Wirkstoff, so die Forscher. Nach ihren Angaben leiden bis zu 90 Prozent der Bevölkerung zeitweilig unter Akne. //[luh]//

Quelle: mBio / doi: 10.1128/mBio.00279-12

Anthropologie Eunuchen hatten eine überdurchschnittliche Lebenserwartung

Eine Studie koreanischer Forscher liefert neue Hinweise darauf, dass das Geschlechtshormon Testosteron eine Rolle dabei spielt, dass Männer im Durchschnitt früher sterben als Frauen. Die Wissenschaftler berichten im Fachmagazin "Current Biology", dass Kastraten am Hofe der koreanischen Herrscher einst durchschnittlich 14 bis 19 Jahre länger lebten als "normale" Männer der gehobenen Schicht, denen nicht operativ die Hoden entfernt wurden. Testosteron wird in den Hoden gebildet. Bisher war nur von Tieren bekannt, dass eine Kastration eine lebensverlängernde Wirkung hat. Über einen ähnlichen Effekt beim Menschen fehlten statistisch eindeutige Daten. Für die neue Studie werteten die Wissenschaftler historische Aufzeichnungen der Geburts- und Sterbedaten von 81 Eunuchen am koreanischen Hofe aus. //[luh]//

Quelle: Current Biology / doi: 10.1016/j.cub.2012.01.012

Physik Teilchenphysiker setzen auf Open-Access-Publikationen

Das gesamte Forschungsfeld der Hochenergie- und Teilchenphysik soll ab 2014 neue Studien weitgehend nur noch in kostenfrei zugänglichen, so genannten Open-Access Journalen veröffentlichen. Um das zu ermöglichen, hat das internationale Sponsor-Konsortium für Open-Access-Publikationen in der Teilchenphysik, kurz SCOAP, mit zwölf der wichtigsten Fachjournale der Teilchenphysik entsprechende Verträge geschlossen. Die Journale erhalten künftig von SCOAP feste Beitragssätze zwischen 1000 und knapp 2300 US-Dollar für jede veröffentlichte Studie. Im Gegenzug verzichten sie auf Abo-Gebühren oder kostenpflichtige Zugangssperren in Internet. Die Geldgeber hinter SCOAP sind Wissenschaftsorganisationen, große Forschungslabors sowie Universitätsbibliotheken aus 30 Ländern. In Deutschland gehören unter anderem die Helmholtz-Gemeinschaft und die Max-Planck-Gesellschaft dazu. //[luh]//

Quelle: SCOAP / Nature

Medizin Frühgeborene Frauen haben häufiger Schwangerschaftskomplikationen

Das haben kanadische Forscher in einer Langzeit-Studie mit mehr als 24.000 Frauen festgestellt. Darunter waren rund 554 Probandinnen, die selbst als Frühchen vor der 32. Schwangerschaftswoche geboren wurden. Von ihnen entwickelte während einer eigenen Schwangerschaft fast jede Fünfte einen Diabetes Typ-2, Bluthochdruck oder andere Stoffwechselprobleme. Bei den Frauen, die nicht zu früh auf die Welt gekommen waren, war es nur jede Zehnte. Der Einfluss des eigenen Geburtstermins auf die Gesundheitsrisiken einer Schwangerschaft müsse künftig bei der medizinischen Betreuung von werdenden Müttern berücksichtigt werden, schreiben die Forscher im Fachmagazin "Canadian Medical Association Journal".//[luh]//

Quelle: CMAJ / doi: 10.1503/cmaj.120143

24.09.2012

Umwelt Brasiliens Korallenriffe schwinden

Brasilien hat in den letzten 50 Jahren etwa 80 Prozent seiner Korallenriffe verloren. Gründe dafür seien unter anderem Verschmutzungen durch Haushalte, Industrie und Landwirtschaft, teilten das brasilianische Umweltministerium und die Universität von Pernambuco mit. Die Verschmutzung habe zu Anhäufungen von Sedimenten geführt, die das Riffsystem zerstörten. Ursprünglich zog sich das brasilianische Korallenriff auf einer Länge von 3000 Kilometern entlang der Nordostküste. //[mawi]//

Biologie Genetiker haben Brustkrebs neu katalogisiert

Forscher in den USA haben über 800 Brustkrebsproben genetisch analysiert. Die heute im Fachblatt "Nature" veröffentlichte Studie ist Teil des "Cancer Genome Atlas". Die genetische Analyse bestätigt weitgehend frühere Einteilungen in Brustkrebs-Untergruppen. Bei einer Unterform allerdings ergaben sich Überraschungen. So weisen die so genannten "duktalen" oder "basal-like" Tumore, die besonders jüngere Frauen treffen, große genetische Übereinstimmungen mit Eierstockkrebs auf. Duktale Tumore machen etwa 10 Prozent der Brustkrebserkrankungen aus. Bei der Behandlung kommt es überdurchschnittlich häufig zu schweren Nebenwirkungen. Die genetische Analyse wird helfen, besser verträgliche und wirksamere Behandlungen zu entwickeln, hoffen die Forscher. //[mawi]//

Quelle: Nature

Medizin Beifuß-Ambrosie könnte Behandlung von Allergien verteuern

Die nordamerikanische Beißfuß-Ambrosie breitet sich zunehmend in Europa aus - und ist hoch-allergen. Eine weitere Ausbreitung der Pflanze könnte in Deutschland Kosten in Millionenhöhe verursachen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Medizinern der Ludwig-Maximilian-Universität München. Das Problem: Die Beifuß-Ambrosie blüht von August bis Oktober, also deutlich später als heimische Beifuß-Gewächse. Mit ihrem späten Pollenflug verlängert sie für Allergiker die Allergie-Saison. Die dadurch entstehenden zusätzlichen Kosten, etwa für Behandlungen oder durch krankheitsbedingte Fehlzeiten, beziffert die Münchner Pilotstudie für Deutschland auf mindestens 200 Millionen Euro im Jahr. Die Forscher regen an, die Kosten der Ambrosia-Allergien in Relation zu setzen zu den Kosten, die eine Eindämmung der Pflanze verursacht. Sie plädieren dafür, eine weitere Ausbreitung der Pflanze zu verhindern. //[mawi]//

Quelle: Umweltmedizin in Forschung und Praxis

Medizin/Umwelt Krebsgene weisen den Weg zu umweltfreundlichen Kunststoffen

Forscher am US-amerikanischen Duke Krebsforschungsinstitut in Durham haben in aggressiven Hirntumoren, sogenannten Glioblastomen, eine Veränderung in einem Gen für ein Enzym entdeckt. Anschließend haben sie die Mutation in ein Gen für ein verwandtes Enzym in Bakterien und Hefen eingebaut. Dieses Enzym lässt sich für die Kunststoffherstellung nutzen – genau gesagt für den Umbau von billigen Zuckern zu Adipinsäure. Aus dem lässt sich gemeinsam mit einem Diamin Nylon herstellen. //[mawi]//

Medizin WHO warnt vor neuem SARS-ähnlichen Corona-Virus

Entdeckt worden sei das Virus bei einem 49-jährigen Mann, der derzeit in London behandelt wird, teilte die Weltgesundheitsorganisation WHO gestern mit. Der Mann ist seit dem 3. September wegen einer akuten Atemwegsinfektion in ärztlicher Behandlung. Am 7. September kam er in Katar auf die Intensivstation einer Klinik. Am 11. September wurde er nach Großbritannien gebracht. Dort diagnostizierten Ärzte das neuartige Virus. Es besitzt weitgehende Übereinstimmungen mit einem Virus, das in Saudi-Arabien bereits mindestens ein Menschenleben gefordert hat. In den Jahren 2002 und 2003 waren weltweit 800 Menschen an den Folgen einer SARS-Infektion gestorben. Damals war das Virus zuerst in China nachgewiesen worden. Die WHO erklärte gestern, derzeit würden weitere Informationen gesammelt, um die Gefährlichkeit des Virus besser einschätzen zu können.//[mawi]//

Medizin Jeder zweite Erwachsene in Deutschland putzt sich falsch die Zähne

Die meisten Deutschen putzen sich zweimal täglich die Zähne. Jeder zweite nutzt aber eine Technik, die Kindern beigebracht wird. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie mit mehr als 1000 Teilnehmern, die Forscher der Universität Witten/Herdecke gemeinsam mit einem Versicherungsunternehmen durchgeführt haben. Für Kinder bis zum Grundschulalter seien kreisende Putz-Bewegungen eine richtige, weil einfache Technik. Erwachsenen aber würden fegende und rüttelnde Bewegungen mit der Zahnbürste empfohlen, die das Zahnfleisch vor Verletzungen schützten und bakterielle Beläge am besten entfernten. //[mawi]//
21.09.2012

Anthropologie Schon vor 13.000 Jahren setzten Menschen auf Recycling

Funde aus der Grabungsstätte Molí de Salt im spanischen Tarragona zeigen, dass die Menschen in der Jungsteinzeit gelegentlich abgenutzte Steinwerkzeuge überarbeiteten und dann für andere Zwecke nutzten. Das berichten spanische Anthropologen im Journal of Archaeological Science. Die Forscher bezogen in ihre Studie nur Funde mit ein, die Zeichen einer Feuereinwirkung aufwiesen. An den Rußspuren konnten sie eindeutig erkennen, welche Steine nach einem Brand überarbeitet worden waren. Den Erkenntnissen nach setzten die Menschen jener Zeit nur bei einfachen Werkzeugen für den häuslichen Alltag auf das Stein-Recycling. Bei Jagdwerkzeugen wie zum Beispiel Pfeilspitzen fanden die Forscher keine Hinweise auf eine Zweitnutzung.

Quelle: Journal of Archaeological Science

Psychologie Psychopathen können schlecht riechen

Menschen mit psychopathischen Wesenzügen weisen Funktionsstörungen im Vorderhirn auf. Das haben schon frühere Studien gezeigt. Im vorderen Teil des Gehirns werden allerdings nicht nur das impulsive Handeln und soziales Verhalten kontrolliert, sondern auch Gerüche verarbeitet. Australische Forscher haben jetzt herausgefunden, dass ein gestörter Geruchssinn Hinweise auf psychopathische Tendenzen liefert. In ihrer Studie, die im Fachjournal Chemosensory Perception erschienen ist, unterzogen sie 79 Probanden sowohl einem Geruchstest als auch diversen psychologischen Tests. Jene Versuchsteilnehmer, die gemäß der Tests psychopathische Wesenzüge trugen, konnten nachweisbar schlechter riechen. Die Forscher empfehlen, bei der Diagnose psychopathischer Störungen künftig auch Riechtests in die Bewertung mit einzubeziehen.

Quelle: Chemosensory Perception

Biologie Eine Symbiose mariner Mikroorganismen düngt die Meere

In Plankton hat ein internationales Team von Meeresforschern kleine einzellige Algen und Cyanobakterien gefunden, die in einer ungewöhnlichen symbiontischen Beziehung leben. Die Mikroorganismen tauschen Kohlenstoff und Stickstoffverbindungen untereinander aus. Dabei spielen sie eine wichtige Rolle bei der Düngung der Weltmeere mit Stickstoff. Die beteiligten Cyanobakterien gehören zu einer besonderen Spezies: Ihnen fehlen Gene für die Photosynthese und andere wichtige Stoffwechselwege. Die fehlenden Funktionen werden offenbar von der Wirtszelle, einer photosynthetisch aktiven Alge, übernommen. Aufgrund der weiten Verbreitung rechnen sie die Forscher den Zellen eine bedeutende Rolle bei der globalen Stickstofffixierung zu. Die Studie ist im Magazin Science erschienen.

Quelle: Science

Biologie Die afrikanischen Khoi-San sind das älteste Volk der Welt

Die Stammeslinie der früher diskriminierend als Buschleute bezeichneten Menschen entstand bereits vor rund 100.000 Jahren – früher als alle anderen Volksgruppen des modernen Menschen. Das berichtet ein internationales Forscherteam in Science. Die neuen Erkenntnisse basieren auf der bisher umfangreichsten Genanalyse, die im südlichen Afrika gemacht wurde. Für die Studie wurden Teile des Erbguts von 220 Probanden untersucht. Dabei fanden die Forscher große genetische Unterschiede innerhalb der Khoi-San. Sie deuteten das als Hinweis darauf, dass der moderne Mensch vermutlich nicht an einem einzigen geografischen Ort entstanden ist. Schon die frühe Menschheitsgeschichte sei von Vermischungen und Abspaltungen geprägt gewesen.

Biologie Hummeln beherrschen die Routenplanung

Auf der Suche nach Nektar fliegen Hummeln immer wieder mehrere Blüten hintereinander an. Dabei optimieren sie von Mal zu Mal verblüffend schnell und effektiv ihre Flugroute hin zum kürzesten Weg, haben britische Forscher beobachtet. Die Insekten behalten auf ihren Sammelflügen nur dann eine Route bei, wenn sie kürzer ist als eine zuvor geflogene. Ist sie hingegen länger als die alte, suchen die Tiere beim nächsten Mal eine andere Streckenvariante. Dieses einfache Auswahlprinzip auf Basis von Versuch und Irrtum ermögliche den Insekten trotz ihres kleinen Gehirns eine komplexe Navigation, berichten die Forscher im Fachmagazin PLoS Biology. Für ihr Experiment statteten die Wissenschaftler Hummeln mit einem kleinen Radartransponder aus. So konnten sie deren Flugwege genau verfolgen.

Chemie Der kleinste Eiskristall der Welt

Der kleinste Eiskristall der Welt besteht aus 475 Wassermolekülen Das haben Göttinger Forscher herausgefunden. Sie gingen der Frage nach, wie viele Wassermoleküle nötig sind, um beim Gefrieren einen Eiskristall zu bilden. Die Antwort ermittelten sie mit Hilfe eines Vibrationsspektroskops. Damit lässt sich detailliert beobachten, wie sich Infrarotspektren des Wassers beim Phasenübergang von flüssig nach fest verschieben. Die ersten Ansätze eisförmiger Strukturen zeigten sich ab 275 Wassermolekülen. Eine echte kristalline Ordnung ergab sich bei 475 Molekülen, berichten die Forscher in Science. Bisher galten laut Schätzungen etwa 1000 Moleküle als Minimum für einen vollständigen Eiskristall aus Wasser.
20.09.2012

Medizin Fumarsäure wirkt bei schubförmiger Multipler Sklerose

Das belegen Studien mit dem Wirkstoff Fumarsäure, die im New England Journal of Medicine veröffentlicht wurden. Über einen Zeitraum von zwei Jahren nahmen Studienteilnehmer täglich zwei bis drei Kapseln mit Fumarat B 12. Im Vergleich zur Kontrollgruppe halbierte sich bei den Patienten die Rate der Krankheitsschübe. Aufnahmen des Gehirns mit einem Magnetresonanztomograf ergaben zudem: Die Therapie dämpfte bei Patienten mit Multipler Sklerose nicht nur die Überreaktion des Immunsystems sondern schützte auch die Nervenzellen. Die Zahl neuer entzündlicher Herde verringerte sich um bis zu 90 Prozent. [tj]

Quelle: New England Journal of Medicine, Deutsche Gesellschaft für Neurologie

Biologie Austern haben wenig Stress.

Eine Erbgutanalyse hat ergeben, dass Austern über zahlreiche Anti-Stress-Gene verfügen. Die Genkarte der Pazifischen Auster enthalte mehrere Tausend Gene. Ein Großteil davon böte einen Schutz gegen die wechselnden Umweltfaktoren, denen Austern ausgesetzt sind. Das berichten chinesische Wissenschaftler im Fachmagazin "Nature". Sie setzten die Austern durch höhere Temperaturen oder steigenden Salzgehalt unter Stress. Dadurch nahm die Aktivität bei 5844 Genen zu. Das zeige, wie groß der Raum sei, den Mechanismen zur Bewältigung von Umweltstress im Genom der Auster einnehmen. [tj]

Quelle: Nature

Medizin Die vermutlich älteste Zahnfüllung der Welt war aus Bienenwachs

6500 Jahre ist es alt, ein in Slowenien ausgegrabenes und gut erhaltenes menschliches Kieferstück. Und es hat die Forscher überrascht. Als sie die Zähne mit Hilfe von Röntgen- und Infrarotstrahlen durchleuchteten, entdeckten sie einen Eckzahn mit einer Bienenwachsfüllung. Der Zahn war stark abgenutzt und wies einen vertikalen Riss auf. Bis dorthinein waren Spuren von Bienenwachs zu finden. Im Fachmagazin "PLOS One" räumen die Forscher allerdings ein, dass sie nicht genau sagen können, ob die Zahnfüllung vor oder nach dem Tod des betreffenden Menschen gemacht wurde. [tj]

Quelle: PLOS One

Biologie Der Ur-Riesensalamander lebte zu Land und zu Wasser,

Geowissenschaftler der Universität Tübingen Fossilien eines vor 56 Millionen Jahren in der Südmongolei lebenden Aviturus exsecratus analysiert und festgestellt: Die urzeitlichen Riesensalamander haben im Wasser und an Land nach Nahrung gesucht und nicht ausschließlich in einem Element gelebt. Das unterscheide den Urfahren von allen späteren Riesensalamander-Arten, die ausschließlich im Wasser lebten und leben. Im Fachblatt PLOS One versuchen die Forscher eine Erklärung für die drastische Veränderung in der Salamanderentwicklung zu geben : Die kurze globale Klimaerwärmung vor 55,8 Millionen Jahren könnte die Ursache gewesen sein. [tj]

Quelle: PLOS One

Biologie Ein Gen macht Fischlarven hyperaktiv.

ADHS - also die Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörung - wird vermutlich durch eine Reihe von Genen mit ausgelöst. Ein deutsch-französisches Forscherteam hat sich nun zumindest mit einem möglichen Übeltäter näher beschäftigt: dem Latrophilin-3-Gen. Um zu verstehen, welche Rolle dieses Gen bei der Entwicklung von ADHS-Symptomen hat, experimentierte das Forscherteam mit Zebrafischlarven. Nachdem sie das Gen während einer bestimmten Entwicklungsphase blockiert hatten, schwammen die Fischlarven deutlich längere Distanzen und waren auch erheblich schneller. Die Ursache dafür erläutern die Forscher im Fachblatt" Molecular Psychiatry". Offenbar sei die Entwicklung neuronaler Netzwerke des Dopamin-Systems im Gehirn der betreffenden Zebrafischlarven gestört. Und: Je stärker der Bewegungsdrang bei den Fischen ausgeprägt war, desto niedriger war die Zahl der entsprechenden Neuronen. Die Forscher schlussfolgern daraus: Wahrscheinlich führe auch bei Menschen eine verringerte Funktion des Latrophilin-3-Gens in der Embryonalphase zu einer gestörten Entwicklung des dopaminergen Signalweges im Gehirn - und damit zu ADHS-Symptomen. [tj]

Quelle: Universität Würzburg

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