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28.09.2012

Planetologie Der Mars-Rover Curiosity steht in einem alten Flussbett.

Zu diesem Schluss kommen Forscher der Nasa. Die Wissenschaftler hatten auf einer Gesteinsplatte abgeschliffene Kieselsteine entdeckt. Sie vermuten, dass diese Steine in einem schnell fließenden Bach dorthin gelangt sind. Das Wasser könnte knöchel- bis hüfttief noch vor wenigen Jahrtausenden an dieser Stelle geflossen sein. Heute ist die Landestelle des Rovers sogar trockener als bislang vermutet, das zeigen Messungen von Curiosity. Der ehemalige Bach dürfte Teil einer größeren Schwemmebene sein, die bereits anhand von Bildern aus dem Marsorbit vermutet wurde. Curiosity soll nun tiefer in die geologische Vergangenheit des Mars vordringen und Gesteine suchen, die vor Jahrmilliarden entstanden, als der Mars vielleicht deutlich lebensfreundlicher war als heute. //[ku]//

Quelle: Nasa-Pressemitteilung

Chemie Der experimentelle Beweis für das Element 113 ist offenbar erbracht.

Offen ist allerdings noch, ob ein internationales Gutachterteam den Erfolg einer Forschergruppe aus Japan oder Russland zuerkennen wird. Beide Gruppen hatten auf unterschiedlichem Wege versucht, das Element mit der Ordnungszahl 113 zu erzeugen. Die Forscher aus Tokio versuchten, Wolfram und Zink miteinander zu verschmelzen, die Wissenschaftler aus Dubna in Russland, aus Kalzium und Americum zuerst das Element 115 zu erzeugen, das dann zerfällt – wobei das Element 113 entstehen sollte. Bei beiden Verfahren lässt sich das Element 113 jedoch nur schwer nachweisen. Einem Bericht des Wissenschaftsmagazins "Nature" zufolge, ist dies jetzt jedoch den Physikern aus Tokio offenbar gelungen. Bis das internationale Expertenteam mit seiner Prüfung fertig ist, können bis zu vier Jahre ins Land gehen. Bekommt das japanische Team den Erfolg zuerkannt, wäre es das erste Forscherteam aus Asien, das ein Element benennen darf. Der wahrscheinliche Name des Elements wäre dann "Japonium". Das japanische Forscherteam will ab kommender Woche nach den Elementen 119 und 120 suchen. Nach diesen suchen auch Forscher des GSI Helmholtz Zentrums für Schwerionenforschung in Darmstadt. //[gät]//

Quelle: Nature

Medizin Malaria könnte in Europa wieder Fuß fassen.

Jahrhundertelang erkrankten vor allem in Italien Menschen an Malaria. Bis 1962, als nach 50 Jahren Umweltmanagement, bei der die Lebensräume der übertragenden Moskitos zerstört wurden, der letzte Fall in Sizilien auftrat. Ein britisch-italienisches Forscherteam fürchtet nun, dass die Krankheit nach Europa zurückkehren könnte. Die Wissenschaftler weisen darauf hin, dass seit einigen Jahren Tiger-Moskitos auf dem Kontinent heimisch werden. Die Insekten wurden zuerst in Albanien, dann in Italien, dem Balkan und seit kurzem auch in der Schweiz gefunden. Die Moskitos stammen aus den Tropenwäldern Süd-Asiens. Sie sind sehr anpassungsfähig, übertragen aber neben Malaria auch das Dengue- und das Chikungunya – Fieber. Das Wissenschaftlerteam fordert daher, zum einen die Mediziner in Europa mit dieser Gefahr vertraut zu machen, um eine schnelle Hilfe zu ermöglichen. Zum anderen die Mücken-Einwanderer gezielt zu bekämpfen. //[gät]//

Quelle: <a href="http://www.plosntds.org/article/info:doi/10.1371/journal.pntd.0001836">

Entomologie Bienen schützen sich selbst vor der Varroa Milbe.

Davon zeigt sich ein Kanadisches Forscherteam in "Genome Biology" überzeugt. Die Wissenschaftler hatten beobachtet, dass Bienenstöcke auf eine Befall mit der Milbe reagieren: Die ausgewachsenen Tiere entfernen infizierte Larven aus den Brutkammern. Sie verringern so die Zahl der Milben, die sich vermehren können. Eine anschließende Untersuchung zeigte, dass die ausgewachsenen Tiere dabei auf einen Geruchsstoff reagieren, den die befallenen oder erkrankten Larven absondern. Die Forscher schlagen vor, bei der Zucht künftig diese Fähigkeit gezielt zu fördern. Befällt eine Varroa-Milbe ein Bienenvolk, schädigt sie dieses auf zwei Weisen: Zum einen saugt sie das Blut, die Hämolymphe, und schwächt die Tiere, zum anderen überträgt sie Viren. //[gät]//

Chemie Forscher aus Korea, China und den USA haben eine biologisch abbaubare Elektronik entwickelt.

Die Schaltkreise, Spulen und Transistoren besteht aus Magnesium und Silizium, Spurenelementen, die sich im Wasser lösen und vom Körper eines Tieres oder Menschen aufgenommen werden können. Das ganze Element umspann das Forscherteam mit Seide. Wird diese Elektronik in den Körper eingebracht, schützt die Seide die Schaltung vor der unmittelbaren Zerstörung – so lange, bis sie selbst zersetzt ist. Wie lange es dauert, bis sich das Bauteil im Körper auflöst, hängt dabei von der Stärke der Seide und der metallischen Bauteile ab. Bei Tierversuchen konnten die Forscher nach drei Wochen nur noch Reste nachweisen. Die Wissenschaftler sehen einen Anwendung ihrer Technik in der Medizin; zum Beispiel bei Operationen. //[gät]//

Quelle: DOI:10.1126/science.1226325

27.09.2012

Biologie Der Sonnentau fängt seine Beute mit einem Katapultmechanismus.

Freiburger Biologen haben die Fangbewegung einer fleischfressenden Sonnentau-Pflanze analysiert. In der Fachzeitschrift "PLoS One" beschreiben sie die aus Australien stammende Art //Drosera glanduligera//. Diese besitzt auf ihren Blättern neben klebrigen Leimtentakeln zusätzliche Schnapptentakeln. Werden die berührt, dann biegen sie sich innerhalb von 75 Millisekunden falleneinwärts . Dabei sind sie schneller als die Fangeisen der berühmten Venusfliegenfalle. Beute mache der Sonnentau mit einem kombinierten Katapult- und Klebemechanismus: Nähert sich ein Insekt der Schnapptentakel, dann wird es blitzschnell auf die Leimtentakeln geschleudert, wo es erstickt. //[tj]//

Quelle: <a href="http://www.plosone.org/article/info:doi/10.1371/journal.pone.0045735">P

Epidemiologie In China steigt die Zahl tödlicher Lungenerkrankungen.

Das berichtet das Fachmagazin "Nature". So genannte chronisch-obstruktive Lungenerkrankungen nähmen in alarmierendem Maße zu: Im Jahr 2030 – so die Prognose – würden drei Millionen Chinesen jährlich an einer solchen Krankheit sterben – eine Million mehr als heute schon. Verantwortlich seien der starke Zigarettenkonsum der Chinesen, Smog in den Städten, giftige Stoffe am Arbeitsplatz und zu Hause sowie schlechte Diagnose- und Behandlungsangebote. //[tj]//

Biologie Um Angreifern zu entgehen, lassen afrikanische Stachelmäuse die Hüllen fallen.

Schon von einigen Tieren ist bekannt, dass sie bei Gefahr Teile ihres Körpers abwerfen, die sich dann wieder regenerieren. So opfern Eidechsen beispielsweise ein Stück Schwanz, um fliehen zu können – und der Schwanz wächst wieder nach. Bei der afrikanischen Stachelmaus konnten kenianische Forscher nun beobachten, dass sie Teile ihrer Haut abwirft. Dabei entstehen zum Teil großflächige Wunden. Diese heilen aber innerhalb einer kurzen Zeitspanne von 4 Wochen vollständig. Und das heißt auch: Die Haut der Mäuse vernarbt nicht, sondern wächst komplett mit Drüsen und Haaren nach. Das schreiben die Wissenschaftler in "Nature". Nun hoffen sie, dass sich die Erkenntnisse nutzen lassen, um auch beim Menschen die Neubildung von verletzter Haut anzuregen. //[tj]//

Quelle: DOI:10.1038/nature11499

Archäologie Eine knapp 1000 Jahre alte Buddha-Statue ist aus Meteoriten-Gestein.

An der Universität Stuttgart wurde eine Buddha-Statue untersucht, die "Eisenmann" genannt wird. Diese rund zehn Kilogramm schwere Statue war Ende der 1930er Jahre in Tibet entdeckt worden. Ihre geochemische Analyse förderte nun Erstaunliches zutage: Sie besteht aus eisen- und nickelhaltigem Gestein, das eindeutig dem Meteoriten Chinga zugeordnet werden konnte. Trümmer dieses Meteoriten gingen vor über 15.000 Jahren auf Sibirien und die Mongolei nieder. //[tj]//

Quelle: Pressemitteilung Universität Stuttgart

Neurowissenschaft Mit Schokolade lernt es sich leichter.

Was viele sich längst gedacht haben, hat ein Experiment zumindest für Schnecken nachgewiesen. Kanadische Forscher hatten sich für ihre Experimente die Spitzhornschnecke ausgeguckt, die in Tümpeln, Seen und Flüssen lebt. Sie eigne sich besondern gut, um grundlegende Gedächtnisprozesse zu untersuchen – erläutern die Forscher im "Journal of Experimental Biology". Das Ergebnis der Studie: Die Substanz Epicatechin – die in Schokolade, grünem Tee und Rotwein zu finden ist – erhöht das Langzeitgedächtnis der Schnecken. Sie wirkt direkt auf die Nervenzellen im Zentralen Nervensystem. Wie genau, das sei allerdings noch unklar. //[tj]//

Quelle: DOI:10.1242/jeb.070300

Politik Arzneimitteltests am Menschen sollen in ganz Europa einheitlich sein und in Zukunft erleichtert werden.

So der Plan der Europäischen Union. Gestern hat der Gesundheitsausschuss im Bundestag diese EU-Pläne deutlich kritisiert und will versuchen, die Europaabgeordneten zu einer Änderung des Entwurfs zu bewegen. Deutsche Standards für den Patientenschutz dürften nicht ausgehöhlt werden. Geplant sei etwa, den Gemeinnutzen einer Studie höher zu bewerten als die individuelle Sicherheit eines Studienteilnehmers. Das sei ebenso bedenklich wie entschärfte Schutzbestimmungen für Studien mit Kindern und Jugendlichen. //[tj]//

Quelle: Agenturen

Medizin Forscher haben Vorboten für Typ-II-Diabetes entdeckt.

Ein deutsches Forscherteam hat Biomarker im Blut ausfindig gemacht, die das Risiko anzeigen, an Typ-II-Diabetes zu erkranken. Das Team hatte über sieben Jahre hinweg den Gesundheitszustand von mehr als 1000 Personen untersucht. Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass die Teilnehmer, die im Untersuchungszeitraum an Typ-II-Diabetes erkrankten, bereits zu Beginn der Studie eine erhöhte Konzentration von drei Biomarkern im Blut aufwiesen. Wenn man bei Personen mit leicht erhöhtem Blutzuckerspiegel in Zukunft diese Biomarker testen würde, könnte eine drohende Erkrankung verhindert werden. //[tj]//

Quelle: Molecular Systems

26.09.2012

Biologie Die genetische Vielfalt der Alpenpflanzen ist geringer als gedacht

In den Alpen gibt es eine enorme Vielfalt an Pflanzen. Allerdings hat jetzt ein internationales Forscherteam unter der Leitung der Universität von Grenoble herausgefunden, dass diese Biodiversität nicht - wie bisher vermutet - auch mit einer hohen genetischen Vielfalt innerhalb der Arten einhergeht. Das wirft einen Schatten auf den langfristigen Erhalt der Biodiversität in den Alpen. Denn die genetische Vielfalt ist wichtig, wenn es um die Anpassungsfähigkeit der Pflanzen an eine sich ändernde Umwelt geht. Die Forscher empfehlen auf Basis ihrer Studie im Magazin Ecology Letters angepasste Naturschutzstrategien für den Alpenraum. Bestehende Schutzgebiete mit hoher Artenvielfalt sollten ergänzt werden durch Gebiete, die sich durch eine hohe genetische Vielfalt auszeichnen. [luh]

Quelle: Ecology Letters / doi: 10.1111/ele.12004

Genetik Chinesen kaufen Gen-Sequenzierfirma Complete Genomics

Wenn es um das schnelle Sequenzieren kompletter humaner Genome geht, teilen sich bisher zwei US-Firmen mit jeweils eigenen technologischen Plattformen den Markt: Illumina und Complete Genomics. Allerdings befürchteten Experten bald eine Monopolstellung für Illumina, weil Complete Genomics in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckte. Dieses Szenario ist jetzt abgewendet. Der weltweit größte DNA-Sequenzierdienstleister, BGI aus China, hat angekündigt, Complete Genomics für knapp 118 Millionen US-Dollar zu übernehmen. Damit steigt BGI auch in die Entwicklung der Sequenziertechnik ein. Bisher nutzte BGI nur Sequenzierroboter von Illumina. Im Vergleich zu Illumina gilt die Technologie von Complete Genomics als langsamer, aber genauer. Erst im Juli hatte Complete Genomics eine neue Sequenzier-Technik mit besonders niedriger Fehlerquote vorgestellt. Damit lässt sich auch unterscheiden, ob ein DNA-Fragment von der väterlichen oder mütterlichen Version des gleichen Chromosoms stammt. [luh]

Quelle: Nature / doi: 10.1038/489485a

Ozeanologie Eine Datensteckdose versorgt Messinstrumente vor Helgoland.

Meeresforscher des Helmholtz-Zentrums Geesthacht und des Alfred-Wegener-Instituts haben 700 Meter vor der Küste Helgolands den ersten Unterwasser-Datenknoten der Nordsee eingerichtet. Es handelt sich um eine in zehn Meter Tiefe versenkte Versorgungsstation, an die bis zu zehn Messeinheiten angeschlossen werden können. Dazu zählen zum Beispiel Sonden für den Salz- und Sauerstoffgehalt des Wassers, aber auch Kameras zur Beobachtung von Fischen und Quallen. Die Station versorgt die Sensoren mit Strom, bündelt die anfallenden Daten und leitet sie über ein Glasfaserkabel online an die Wissenschaftler. Da die angeschlossenen Geräte unter Wasser nicht mehr auf Batterien angewiesen sind, können sie wartungsfrei langfristig im Einsatz sein. Der Unterwasserknoten ist Teil des Küstenbeobachtungssystems COSYNA. Dieses dient dazu, langfristige Umweltveränderungen in der Nordsee zu erfassen. [luh]

Quelle: AWI

Geophysik Staatsanwalt fordert vier Jahre Haft für Erdbebenforscher.

Seit einem Jahr stehen in Italien sieben Erdbebenexperten vor Gericht. Der Anklage nach sollen sie nicht ausreichend vor dem Risiko eines Bebens gewarnt haben, das im April 2009 die Region von L'Aquila verheerend traf und mehr als 300 Tote forderte. Die Staatsanwaltschaft hat jetzt für alle Angeklagten vier Jahre Haft gefordert - wegen fahrlässiger Tötung. Zum Prozessauftakt hatten 5000 Wissenschaftler aus aller Welt in einem offenen Brief an Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano beklagt, dass den Angeklagten ein Strafprozess gemacht werde, obwohl die Vorhersage von Erdbeben bislang technisch unmöglich sei. Die Verteidigung will am 9. und 10. Oktober ihr Plädoyer halten. Ein Urteil wird bis Ende Oktober erwartet. [luh]

Medizin RNA-Blockade schützt vor Herzversagen

Ein Herzinfarkt oder hoher Blutdruck können krankhaftes Herzwachstum auslösen, das zum Herzversagen führt. Forscher der Medizinischen Hochschule Hannover haben jetzt in Versuchen mit Mäusen herausgefunden, wie sich das verhindern lässt. Das berichten sie im Fachmagazin Nature Communications. Sie identifizierten zwei kleine RNA-Moleküle, die beim krankhaften Herzwachstum eine zentrale Rolle spielen. Hemmten sie eines dieser RNA-Moleküle, behielten die Herzen der Versuchsmäuse ihre normale Größe. Die Forscher hoffen, auf Basis dieser Erkenntnissen neue Therapieansätze entwickeln zu können, die auch den Menschen vor Herzversagen schützen. [luh]

Quelle: Nature Communications / doi: 10.1038/ncomms2090

Biologie Der Klimawandel macht Rentieren das Überleben schwer

Für Rentiere und Feldmäuse in der Nordpolarregion stellen milde Winter infolge des Klimawandels eine Gefahr dar. Wird es wärmer, fällt Niederschlag häufiger als Regen anstatt als Schnee. Sickert das Regenwasser durch eine Schneedecke bis auf den gefrorenen Boden, bildet sich Eis, das auch Futterpflanzen wie Flechten überzieht. Die Tiere kommen dann nicht mehr an ihre Nahrung heran, berichten norwegische Forscher in den "Biology Letters". Die Wissenschaftler beobachteten auf der Inselgruppe Spitzbergen zwischen 1995 und 2011, dass die Populationen der Rentiere und Feldmäuse stets in jenen Wintern deutlich zurückging, in denen mehr als 15 Millimeter Regen auf Schnee gefallen waren. [luh]

Quelle: Biology Letters, doi: 10.1098/rsbl.2012.0764

Astronomie An Sylvester 2013 könnte es ein großes Kometenschauspiel am Himmel geben.

Astronomen am ISON-Kislovodsk Observatorium in Russland haben vor zwei Wochen einen neuen Kometen entdeckt, der seither in Fachforen im Internet für erregte Diskussionen sorgt. Ersten, vorläufigen Berechnungen seiner parabolischen Bahn zufolge könnte sich der Komet mit dem Kürzel C/2012 S1 im November nächsten Jahres der Sonne bis auf 1,8 Millionen Kilometer nähern und dann über Wochen hinweg von der Erde aus gesehen heller leuchten als der Vollmond. Laut dem Online-Magazin "Astronomy Now" könnte C/2012 S1 auf Basis der Prognosen zu einem der größten Kometen der Menschheitsgeschichte werden. Einige Experten warnen allerdings vor verfrühten Sensationsschlagzeilen. In der Vergangenheit hätten viele rechnerische Vorhersagen die spätere Leuchtkraft von Kometen überschätzt. Aktuell bewegt sich der neue Komet noch rund 990 Millionen Kilometer entfernt unscheinbar durch das Sternbild Krebs. [luh]

Quelle: Astronomy Now

25.09.2012

Statistik Statistische Analysen entlarven Wahlfälschung

Forscher der Universität Wien haben eine neue statistische Methode entwickelt, mit der sich ein möglicher Betrug bei politischen Wahlen erkennen lässt. Das Verfahren verrechnet die Wahlbeteiligung und -ergebnisse aller Wahlbezirke und stellt diese in zweidimensionalen, farbigen Punktewolken dar. Bestimmte Auswüchse dieser sogenannten Wahl-Fingerabdrücke machen Manipulationen sichtbar, zum Beispiel wenn einer Partei systematisch mehr Stimmen zugeschlagen wurden. Wie die Wissenschaftler in den "Proceedings der US-amerikanischen Akademie der Wissenschaften" (PNAS) berichten, fanden sie mit dieser Methode in den Auszählergebnissen der jüngsten Wahlen in Russland und Uganda deutliche Anzeichen von Betrug. //[luh]//

Quelle: PNAS / doi: 10.1073/pnas.1210722109

Biologie Im Vergleich zu Affen, isolieren Menschen ihre Nervenfasern erst spät

Viele der Reizleitungen von Neuronen bei Menschen und Affen sind von einem fetthaltigen Mantel umgeben. Diese sogenannte Myelin-Scheide wirkt wie ein Isolator und ermöglicht es, elektrische Potenziale schneller weiterzugeben. US-Forscher haben jetzt herausgefunden, dass die Entwicklung des Myelins bei Menschen im Vergleich zu Schimpansen deutlich langsamer verläuft. Während bei den Affen die Myelinisierung bis zur Sexualreife abgeschlossen ist, zieht sich dieser Prozess beim Menschen bis ins dritte Lebensjahrzehnt hinein. Die verzögerte Myelinbildung bringt den Menschen nach Ansicht der Forscher Vor- und Nachteile: Sie ermöglicht eine flexiblere Verschaltung von Neuronen. Zugleich könnte sie zur zu Ausbildung psychiatrischer Krankheiten wie Schizophrenie oder Depression beitragen. Die Studie ist im Fachmagazin "PNAS" erschienen. //[luh]//

Quelle: PNAS / doi: 10.1073/pnas.1117943109

Psychologie Viele Chefs sind weniger gestresst als ihre Angestellten

Nach einer US-Studie zeigen Menschen in leitenden Positionen weniger Anzeichen von Stress als einfache Angestellte. Und das sogar umso weniger, je mehr die Chefs auch das Gefühl der Kontrolle besitzen. Das berichten Forscher in den "Proceedings". Die Wissenschaftler untersuchten die Gehalte des Stresshormons Cortisol in Speichelproben von Menschen in höheren Positionen bei der US-Regierung und dem Militär sowie von einfachen Angestellten. Dabei zeigte sich, dass die Führungskräfte deutlich geringere Cortisolwerte aufwiesen. Zudem gaben sie in einer standardisierten Befragung auch viel seltener an, unter Unruhe und Unsicherheit zu leiden. //[luh]//

Quelle: PNAS / doi: 10.1073/pnas.1207042109

Medizin Viren könnten gegen Akne helfen

Bakteriophagen sind Viren, die nur Bakterien befallen. US-Forscher haben jetzt solche Viren gefunden, die gezielt jene Bakterien angreifen, die in der menschlichen Haut die Bildung von Pickel auslösen. Andere Hautbakterien lassen sie hingegen unbehelligt. Auch der Mensch ist ungefährdet. Die Viren könnten neue Möglichkeiten zur Behandlung einer hartnäckigen Akne eröffnen, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin "mBio". Insgesamt untersuchten die Forscher elf Arten von Bakteriophagen, die den Akne-Erreger "Propionibacterium acnes" befallen und töten. Die Viren produzieren das Enzym Endolysin, das die Zellwände der Bakterien zerstört. Denkbar sei die Produktion von Medikamenten auf Basis der Viren selbst oder aber dem isolierten enzymatischen Wirkstoff, so die Forscher. Nach ihren Angaben leiden bis zu 90 Prozent der Bevölkerung zeitweilig unter Akne. //[luh]//

Quelle: mBio / doi: 10.1128/mBio.00279-12

Anthropologie Eunuchen hatten eine überdurchschnittliche Lebenserwartung

Eine Studie koreanischer Forscher liefert neue Hinweise darauf, dass das Geschlechtshormon Testosteron eine Rolle dabei spielt, dass Männer im Durchschnitt früher sterben als Frauen. Die Wissenschaftler berichten im Fachmagazin "Current Biology", dass Kastraten am Hofe der koreanischen Herrscher einst durchschnittlich 14 bis 19 Jahre länger lebten als "normale" Männer der gehobenen Schicht, denen nicht operativ die Hoden entfernt wurden. Testosteron wird in den Hoden gebildet. Bisher war nur von Tieren bekannt, dass eine Kastration eine lebensverlängernde Wirkung hat. Über einen ähnlichen Effekt beim Menschen fehlten statistisch eindeutige Daten. Für die neue Studie werteten die Wissenschaftler historische Aufzeichnungen der Geburts- und Sterbedaten von 81 Eunuchen am koreanischen Hofe aus. //[luh]//

Quelle: Current Biology / doi: 10.1016/j.cub.2012.01.012

Physik Teilchenphysiker setzen auf Open-Access-Publikationen

Das gesamte Forschungsfeld der Hochenergie- und Teilchenphysik soll ab 2014 neue Studien weitgehend nur noch in kostenfrei zugänglichen, so genannten Open-Access Journalen veröffentlichen. Um das zu ermöglichen, hat das internationale Sponsor-Konsortium für Open-Access-Publikationen in der Teilchenphysik, kurz SCOAP, mit zwölf der wichtigsten Fachjournale der Teilchenphysik entsprechende Verträge geschlossen. Die Journale erhalten künftig von SCOAP feste Beitragssätze zwischen 1000 und knapp 2300 US-Dollar für jede veröffentlichte Studie. Im Gegenzug verzichten sie auf Abo-Gebühren oder kostenpflichtige Zugangssperren in Internet. Die Geldgeber hinter SCOAP sind Wissenschaftsorganisationen, große Forschungslabors sowie Universitätsbibliotheken aus 30 Ländern. In Deutschland gehören unter anderem die Helmholtz-Gemeinschaft und die Max-Planck-Gesellschaft dazu. //[luh]//

Quelle: SCOAP / Nature

Medizin Frühgeborene Frauen haben häufiger Schwangerschaftskomplikationen

Das haben kanadische Forscher in einer Langzeit-Studie mit mehr als 24.000 Frauen festgestellt. Darunter waren rund 554 Probandinnen, die selbst als Frühchen vor der 32. Schwangerschaftswoche geboren wurden. Von ihnen entwickelte während einer eigenen Schwangerschaft fast jede Fünfte einen Diabetes Typ-2, Bluthochdruck oder andere Stoffwechselprobleme. Bei den Frauen, die nicht zu früh auf die Welt gekommen waren, war es nur jede Zehnte. Der Einfluss des eigenen Geburtstermins auf die Gesundheitsrisiken einer Schwangerschaft müsse künftig bei der medizinischen Betreuung von werdenden Müttern berücksichtigt werden, schreiben die Forscher im Fachmagazin "Canadian Medical Association Journal".//[luh]//

Quelle: CMAJ / doi: 10.1503/cmaj.120143

24.09.2012

Umwelt Brasiliens Korallenriffe schwinden

Brasilien hat in den letzten 50 Jahren etwa 80 Prozent seiner Korallenriffe verloren. Gründe dafür seien unter anderem Verschmutzungen durch Haushalte, Industrie und Landwirtschaft, teilten das brasilianische Umweltministerium und die Universität von Pernambuco mit. Die Verschmutzung habe zu Anhäufungen von Sedimenten geführt, die das Riffsystem zerstörten. Ursprünglich zog sich das brasilianische Korallenriff auf einer Länge von 3000 Kilometern entlang der Nordostküste. //[mawi]//

Biologie Genetiker haben Brustkrebs neu katalogisiert

Forscher in den USA haben über 800 Brustkrebsproben genetisch analysiert. Die heute im Fachblatt "Nature" veröffentlichte Studie ist Teil des "Cancer Genome Atlas". Die genetische Analyse bestätigt weitgehend frühere Einteilungen in Brustkrebs-Untergruppen. Bei einer Unterform allerdings ergaben sich Überraschungen. So weisen die so genannten "duktalen" oder "basal-like" Tumore, die besonders jüngere Frauen treffen, große genetische Übereinstimmungen mit Eierstockkrebs auf. Duktale Tumore machen etwa 10 Prozent der Brustkrebserkrankungen aus. Bei der Behandlung kommt es überdurchschnittlich häufig zu schweren Nebenwirkungen. Die genetische Analyse wird helfen, besser verträgliche und wirksamere Behandlungen zu entwickeln, hoffen die Forscher. //[mawi]//

Quelle: Nature

Medizin Beifuß-Ambrosie könnte Behandlung von Allergien verteuern

Die nordamerikanische Beißfuß-Ambrosie breitet sich zunehmend in Europa aus - und ist hoch-allergen. Eine weitere Ausbreitung der Pflanze könnte in Deutschland Kosten in Millionenhöhe verursachen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Medizinern der Ludwig-Maximilian-Universität München. Das Problem: Die Beifuß-Ambrosie blüht von August bis Oktober, also deutlich später als heimische Beifuß-Gewächse. Mit ihrem späten Pollenflug verlängert sie für Allergiker die Allergie-Saison. Die dadurch entstehenden zusätzlichen Kosten, etwa für Behandlungen oder durch krankheitsbedingte Fehlzeiten, beziffert die Münchner Pilotstudie für Deutschland auf mindestens 200 Millionen Euro im Jahr. Die Forscher regen an, die Kosten der Ambrosia-Allergien in Relation zu setzen zu den Kosten, die eine Eindämmung der Pflanze verursacht. Sie plädieren dafür, eine weitere Ausbreitung der Pflanze zu verhindern. //[mawi]//

Quelle: Umweltmedizin in Forschung und Praxis

Medizin/Umwelt Krebsgene weisen den Weg zu umweltfreundlichen Kunststoffen

Forscher am US-amerikanischen Duke Krebsforschungsinstitut in Durham haben in aggressiven Hirntumoren, sogenannten Glioblastomen, eine Veränderung in einem Gen für ein Enzym entdeckt. Anschließend haben sie die Mutation in ein Gen für ein verwandtes Enzym in Bakterien und Hefen eingebaut. Dieses Enzym lässt sich für die Kunststoffherstellung nutzen – genau gesagt für den Umbau von billigen Zuckern zu Adipinsäure. Aus dem lässt sich gemeinsam mit einem Diamin Nylon herstellen. //[mawi]//

Medizin WHO warnt vor neuem SARS-ähnlichen Corona-Virus

Entdeckt worden sei das Virus bei einem 49-jährigen Mann, der derzeit in London behandelt wird, teilte die Weltgesundheitsorganisation WHO gestern mit. Der Mann ist seit dem 3. September wegen einer akuten Atemwegsinfektion in ärztlicher Behandlung. Am 7. September kam er in Katar auf die Intensivstation einer Klinik. Am 11. September wurde er nach Großbritannien gebracht. Dort diagnostizierten Ärzte das neuartige Virus. Es besitzt weitgehende Übereinstimmungen mit einem Virus, das in Saudi-Arabien bereits mindestens ein Menschenleben gefordert hat. In den Jahren 2002 und 2003 waren weltweit 800 Menschen an den Folgen einer SARS-Infektion gestorben. Damals war das Virus zuerst in China nachgewiesen worden. Die WHO erklärte gestern, derzeit würden weitere Informationen gesammelt, um die Gefährlichkeit des Virus besser einschätzen zu können.//[mawi]//

Medizin Jeder zweite Erwachsene in Deutschland putzt sich falsch die Zähne

Die meisten Deutschen putzen sich zweimal täglich die Zähne. Jeder zweite nutzt aber eine Technik, die Kindern beigebracht wird. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie mit mehr als 1000 Teilnehmern, die Forscher der Universität Witten/Herdecke gemeinsam mit einem Versicherungsunternehmen durchgeführt haben. Für Kinder bis zum Grundschulalter seien kreisende Putz-Bewegungen eine richtige, weil einfache Technik. Erwachsenen aber würden fegende und rüttelnde Bewegungen mit der Zahnbürste empfohlen, die das Zahnfleisch vor Verletzungen schützten und bakterielle Beläge am besten entfernten. //[mawi]//
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