Donnerstag, 29.07.2021
 
Seit 12:00 Uhr Nachrichten
02.09.2013

Planetologie Auf dem jungen Mars gab es reichlich Phosphat

Mehr jedenfalls als auf der jungen Erde. Das berichten US-amerikanische Forscher im Fachblatt "Nature Geoscience". Phosphat findet sich in vielen organischen Molekülen. Ohne Phosphat kein Leben. Phosphat bildet das Rückgrat des Erbmoleküls DNA, es ist wichtig für den Energiestoffwechsel, für den Aufbau von Zellmembranen und für die Regulation des Säure-Basen-Haushalts. Mineralien auf der Erde, so die Forscher, geben in wasserreicher Umgebung Phosphat nur sehr langsam ab. Phosphat-Mangel habe die Entstehung von Lebensformen auf der Erde eher verzögert. Auf dem frühen Mars seien die Bedingungen sehr viel günstiger gewesen. Laborversuche mit Marsmineralien belegten, dass das Phosphat sehr viel leichter in Lösung gehe. Die Phosphatkonzentration auf dem jungen Mars sei wahrscheinlich doppelt so hoch gewesen wie auf der jungen Erde – in dieser Hinsicht hätten ideale Voraussetzungen für die Entstehung von Lebensformen geherrscht. [mawi]

Quelle: Nature Geoscience - doi: 10.1038/ngeo1923

Biologie/Statistik Europas Männer werden immer größer

In der Zeit zwischen 1870 bis 1980 sind die Männer in Europa im Durchschnitt um elf Zentimeter größer geworden, berichten Forscher im den "Oxford Economic Papers". Entscheidende Gründe seien die Entdeckung und Nutzung von Antibiotika sowie verbesserte Gesundheitssysteme. Faktoren wie höhere Einkommen, bessere Bildung und kleinere Familien hätten nur bescheidene Effekte gehabt. Das Forscherteam nutzte militärische und medizinische Archivdaten über junge Männer aus 15 Ländern Europas. In Nordeuropa gab es die steilste Wachstumskurve zwischen den beiden Weltkriegen. In den südlichen Ländern und Frankreich wurden die Männer erst nach dem zweiten Weltkrieg größer. Mit durchschnittlich 1,83 Metern sind die niederländischen Männer die größten Europäer. Am anderen Ende der Skala stehen die Portugiesen mit 1,73 Metern. Über die Größe von Frauen zwischen 1870 und 1980 existieren nur sehr wenige zuverlässige Daten. [mawi]

Zoologie Das richtige Futter bremst bei Fruchtfliegen die Altersvergesslichkeit

Forscher aus Berlin und Graz haben im Tierversuch an Fruchtfliegen gezeigt, dass polyaminreiche Nahrung helfen kann, den altersbedingten Erinnerungsverlust zu stoppen. In der Studie mussten sich die Fliegen zwischen zwei verschiedenen Gerüchen entscheiden und daran erinnern, dass einer der Gerüche mit einer negativen Folge - einem leichten Elektroschock - verbunden war. Alternde Fruchtfliegen, die mit Spermidin gefüttert wurden, schnitten bei dem Experiment deutlich besser ab als konventionell gefütterte Fruchtfliegen, berichten die Forscher im Fachblatt "Nature Neuroscience". Der Spiegel des Polyamins Spermidin nimmt mit dem Alter sowohl bei Fliegen als auch beim Menschen ab. Spermidin ist wichtig für die Entsorgung von zellulären Abfallprodukten oder auch Proteinklumpen im Gehirn. Die Forscher wollen jetzt testen, ob sich mit Spermidin als Nahrungsergänzung beim Menschen das Einsetzen einer Demenz hinauszögern ließe. [mawi]

Quelle: Nature Neuroscience - DOI: 10.1038/nn.3512

Archäologie Die Knochen einer Moorleiche werden neu sortiert

Der Mann vom Bernuthsfeld, eine ostfriesische Moorleiche aus dem 8. Jahrhundert, wird am Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) untersucht. Forscher sollen dort Irrtümer korrigieren. Die 1907 entdeckte Moorleiche war mehrfach öffentlich ausgestellt worden. Dabei seien einzelne Knochen verwechselt oder falsch angeordnet worden, teilte das Ostfriesische Landesmuseum in Emden mit. Ziel sei, ein lebensechtes Skelett zu erhalten – ihm soll nach der Restaurierung nicht anzusehen sein, dass es rund 1200 Jahre im Moor lag und schon einige Restaurierungen hinter sich hat. [mawi]

Physik/IT Quantenbits lassen sich gezielt elektrisch steuern

Ein internationales Forscherteam hat erstmals ein Quantenbit aus drei sogenannten "Quantenpunkten" hergestellt und gesteuert. Der Versuch belege, dass sich solche Triplett-Quantenbits einfacher kontrollieren ließen als Quantenbits aus einem einzelnen oder zwei Quantenpunkten, schreiben die Forscher im Fachblatt "Nature Nanotechnology". Herkömmliche Computer rechnen mit "Nullen" und "Einsen". Bei künftigen Quantencomputern soll als Informationsträger der Drehimpuls, der "spin" von Elektronen dienen, der in zwei Varianten vorkommt. Um die Drehrichtung festzulegen, nutzen Forscher bislang elektrische oder magnetische Felder. Das Problem: Dieses Verfahren ist ungenau. Es kann leicht passieren, dass mehrere Quantenpunkte gleichzeitig beeinflusst werden. Die Forscher haben daher je drei Quantenpunkte zu einer Einheit zusammengefasst. Es gelang ihnen, die Position und Orientierung der Spins in den drei Quantenpunkten durch elektrische Spannung zu steuern und auszulesen. [mawi]

Quelle: Nature Nanotechnology - DOI: 10.1038/nnano.2013.168

30.08.2013

Geologie Unter dem Grönländischen Eisschild liegt eine gewaltige Schlucht, deren Dimensionen mit denen des Grand Canyon vergleichbar sind.

Das berichtet ein internationales Forscherteam heute im Fachmagazin Science. Die Schlucht ist mindestens 750 Kilometer lang und rund 800 Meter tief. Das haben Daten aus Radarmessungen ergeben, die über Jahrzehnte hinweg gesammelt wurden. Die Auswertung zeigt, wie sich der Einschnitt unter dem Eis von der Mitte der Insel bis zu einem Fjord an der Nordküste erstreckt. Die Forscher glauben, dass auf diesem Wege Schmelzwasser unter dem Eisschild vom Landesinneren in den arktischen Ozean transportiert wird. [reu]

Quelle: DOI: 10.1126/science.287.5456.1248

Paläontologie Ein vermeintlicher Fleischfresser war offenbar Vegetarier.

Der urzeitliche Riesenvogel Gastornis ernährte sich vorwiegend von Pflanzen und nicht von Fleisch, wie man bisher aufgrund seines massiven Schnabels angenommen hatte. Das berichten Forscher aus Bonn, Mainz und Halle auf einer Fachtagung für Geochemie in Florenz. Die Forscher stützen sich dabei auf Isotopenmessungen, die sie an fossilen Knochen des Vogels vorgenommen hatten. Diese Methode beruht auf der Tatsache, dass sich entlang der Nahrungskette bevorzugt die leichten Calciumisotope in den Knochen anreichern. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass die Calcium-Werte des Urvogels denjenigen von Pflanzenfressern ähneln. Um dieses Ergebnis noch weiter abzusichern, wollen die Forscher nun zusätzliche Fossilien untersuchen, die von derselben Fundstelle stammen. [reu]

Quelle: Agenturen

Neurowissenschaften Forscher messen die Hirnaktivität von Facebook-Nutzern.

Das Belohnungssystem im Gehirn reagiert auf die Anerkennung, die Nutzer von sozialen Netzwerken erfahren. Das ist das Ergebnis einer Studie von Forschern der FU Berlin. Sie hatten bei rund dreißig Teilnehmern die Aktivität des Nucleus accumbens untersucht. Das ist eine Region im Vorderhirn, die für die Verarbeitung von Belohnungen zuständig ist. Die Forscher konnten zeigen, dass sie bei begeisterten Facebook-Nutzern besonders stark aktiviert wird, wenn die Personen positives Feedback erhalten. Auf diese Weise ließe sich sogar voraussagen, ob jemand Facebook intensiv nutzt oder nicht. Es gebe aber bisher keine Belege dafür, dass soziale Netzwerke Hirnstrukturen verändern, schreiben die Forscher im Fachmagazin "Frontiers in Human Neuroscience". [reu]

Quelle: <a href="http://dx.doi.org/10.3389/fnhum.2013.00439">Frontiers in Human Neurosci

Astronomie Schwarze Löcher können Schluckbeschwerden haben.

Sagittarius A*, das Schwarze Loch im Zentrum der Milchstraße, verschlingt weniger als ein Prozent des Gases, das sich in seiner Nähe befindet. Das berichtet ein internationales Forscherteam im Fachblatt "Science" nach der Auswertung von Aufnahmen des Röntgenteleskops Chandra. Demnach erreichten gut 99 Prozent des Gases niemals das Zentrum des Schwarzen Loches. Die Materie würde vielmehr ins All hinaus geschleudert. Damit das Gas überhaupt geschluckt werden könne, müsse es abkühlen und Bewegungsenergie verlieren. Dadurch werde der Großteil des Gases vom Schwarzen Loch weg beschleunigt. Weil Sagittarius A* nur einen kleinen Teil des Gases verschlingt, leuchte die Umgebung des Schwarzen Loches im Röntgenbereich nur schwach. Denn das Röntgenlicht entsteht genau bei diesem Prozess. [reu]

Quelle: DOI: 10.1126/science.1240755

Biologie Auch Wale können Sonnenbrand bekommen.

Blauwale schützen ihre Haut mit dem Pigment Melanin vor der Wirkung von UV-Licht. Das berichten britische und mexikanische Forscher in dem Journal "Scientific Reports". Sie haben heraus gefunden, dass der natürliche Farbstoff die Haut der Säuger vor Schäden an der DNA schützt. Die Wale sind in der Lage, den Gehalt des Melanins in ihrer Haut an die Stärke der UV-Strahlung anzupassen. Das sei notwendig, da die Blauwale weite Strecken wandern und dabei deutlichen Unterschieden im Sonnenlicht ausgesetzt seien. Die Forscher hatten auch Pottwale untersucht. Sie schützen sich auf andere Weise, nämlich indem sie ein biochemisches Programm starten, das ihre Zellen vor dem UV-Licht schützt. Proteine fangen dann die freien Radikale ab, die in der Haut entstehen können. [reu]

Quelle: DOI: 10.1038/srep02386

29.08.2013

Neurowissenschaften Migräne schädigt das Gehirn.

Dänische Wissenschaftler haben in einer Übersichtsstudie 19 Einzeluntersuchungen ausgewertet. Das Ergebnis präsentieren sie im Fachjournal "Neurology". Danach erhöht Migräne das Risiko für strukturelle Veränderungen des Gehirns. Bei Migränepatienten fanden sie Missbildungen von Nervenbahnen, kleine infarktähnliche Läsionen sowie Veränderungen in der grauen und in der weißen Hirnmasse. Besonders deutlich war dies bei der so genannten Migräne mit Aura. Dabei leiden die Betroffenen zusätzlich unter Wahrnehmungsstörungen. Die Nervenbahnen dieser Patienten waren um 60 Prozent häufiger geschädigt. Langzeituntersuchungen sollen den entdeckten Unterschied zwischen Migräne mit und ohne Aura nun bestätigen. [tj]

Quelle: DOI: 10.1212/WNL0b013e3182a6cb32

Astronomie Astronomen haben einen Zwilling unserer Sonne gefunden.

Es ist nicht der erste, dafür aber der bislang älteste Zwillingsstern: er sei 8,2 Milliarden Jahre alt – unsere Sonne bringt es dagegen nur auf 4,6 Milliarden Jahre. Das gab das Astronomenteam der chilenischen Sternwarte Paranal bekannt. Mit dem Very Large Telescope hatten die Forscher den Stern mit dem Namen "HIP 102152" entdeckt. Sie hoffen nun, die Entwicklung unseres Sonnensystems besser zu verstehen und auch Vorhersagen für die Zukunft machen zu können. Eine neue Erkenntnis haben sie bereits: Der Lithiumgehalt der Sterne nimmt offenbar mit zunehmendem Alter ab. [tj]

Quelle: Pressemitteilung Eso

Archäologie Schon vor mehr als 10 000 Jahren lebten Menschen im westlichen Amazonasgebiet.

Bisher hatte man angenommen, dass diese Region in Bolivien nicht von Jäger- und Sammlergesellschaften besiedelt worden war - wegen der ungünstigen Umweltbedingungen. Es finden sich dort nämlich zu Hunderten kleine, bewaldete Hügel aus Erdreich, von denen man glaubte, dass die durch Termiten oder Erosionen entstanden sind. Doch nun haben Archäologen im Dschungel einen überraschenden Fund gemacht: Drei der Hügel bestehen aus Schalen von Wasserschnecken. In der Fachzeitschrift "PLoS One" vermuten die Forscher, dass es Siedler waren - vor etwa 10.400 Jahren – im frühen Holozän - welche die Schalen zurückgelassen haben. Bei der eingehenden Untersuchung der Hügel hatten die Archäologen festgestellt, dass es sich um eine Art Gesteinshügel handele, aus menschlichen Knochen, Schalen von Wasserschnecken und Erde. Vermutlich seien die Hügel in zwei Phasen entstanden. Die untere Schicht bestehe hauptsächlich aus den Schneckenschalen, darüber breite sich dann die zweite aus organischem Material mit Bruchstücken von Keramik, Knochenwerkzeugen und menschlichen Knochen aus. Beide Schichten waren durch eine dünne Lage aus gebranntem Ton und Erde getrennt. [tj]

Quelle: PLoS One

Mikrobiologie Wer wenig Darmbakterien besitzt, hat eher Gesundheitsprobleme.

Die Erkenntnis ist zwar nicht brandneu, doch haben zwei aktuelle Studien im Fachmagazin "Nature" noch einmal sehr deutlich gezeigt, wie wichtig die Darmflora für die Gesundheit ist. Forscher der Universität Kopenhagen untersuchten die Darmflora von knapp 300 Menschen. Jeder Vierte besaß deutlich weniger Darmbakterien als der Durchschnitt, zum Teil bis zu 40 Prozent weniger. Das bedeutete nicht nur eine geringe Artenvielfalt, sondern es zeigte sich auch, dass viele der vorhandenen Bakterien-Spezies gesundheitsschädliche Effekte haben, und im Körper zu entzündlichen Reaktionen führen. Außerdem neigten die betreffenden Personen eher zu Übergewicht als Menschen mit einer bunten Darmflora. Bei der zweiten Studie hatten französische Forscher gezielt Menschen mit Gewichtsproblemen untersucht. Dabei kamen sie zu dem Ergebnis, dass eine Ernährungsumstellung auf weniger fette, dafür aber ballaststoffreiche Kost bereits nach sechs Wochen die Darmflora beeinflusst: Die Bakterienbesiedlung nahm zu und wurde artenreicher. [tj]

Quelle: DOIs: 10.1038/nature12506, 10.1038/nature12480

Klimaforschung Trotz des rasanten Anstiegs der Treibhausgase in der Atmosphäre scheint die Klimaerwärmung gegenwärtig eine Pause einzulegen.

Seit rund 15 Jahren ist die Temperatur der bodennahen Luft im weltweiten Mittel nicht mehr gestiegen – zumindest nicht nennenswert. Diese Entwicklung hat kein Klima-Rechenmodell vorhergesehen. Nun formulieren US-amerikanische Klimaforscher eine Erklärung: Der Pazifik kühlt die Welt. Natürliche Temperaturschwankungen im tropischen Pazifik – und das heißt konkret: eine derzeitige Abkühlung des Pazifiks – führen dazu, dass die globale Erwärmung abgebremst wird. Das berichten die Forscher im Fachjournal "Nature". Dort stellen sie auch ein angepasstes Klima-Rechenmodell vor, das die beobachtete Temperaturentwicklung sehr genau wiedergibt. Allerdings erklärt ihre Studie nicht, weshalb sich der Pazifik abkühlt: ob dies möglicherweise durch andere Klimaeinflüsse verursacht wird. [tj]

Quelle: DOI: 10.1038/nature12534

28.08.2013

Biologie Ein Virus ist offenbar für das Delfinsterben vor der US-Ostküste verantwortlich.

Das geht aus einer Mitteilung des US-Meeresforschungsinstituts NOAA hervor. Demnach sei ein Morbillivirus-Ausbruch dafür verantwortlich, dass seit Anfang Juli mehr als 330 Große Tümmler an die Strände entlang der US-Ostküste gespült wurden, von denen die meisten bereits tot waren. Bei dem Morbillivirus handelt es sich um einen masernähnlichen Krankheitserreger, der Lunge und Gehirn befällt und zu Lungenentzündungen und Verhaltensstörungen bei Delfinen führen kann. Häufig endet eine Erkrankung tödlich. Bei 32 der 33 untersuchten Kadaver wurde ein Morbillivirus-Befall bestätigt oder als wahrscheinlich angenommen. Wie es zu dem Virusbefall der Großen Tümmler kam, ist noch nicht klar. [mst]

Quelle: Agenturen

Neurologie Das Langzeitgedächtnis befindet sich in der Großhirnrinde.

Und nicht im Hippocampus wie bislang angenommen. Das ist das Fazit einer Studie, die Max-Planck-Forscher aus Heidelberg im Fachblatt NATURE Communications vorstellen. Demnach liegen Erinnerungen an miteinander verknüpfte Sinneswahrnehmungen in der Großhirnrinde, die nun als ein Gedächtniszentrum im Gehirn angesehen werden muss. Die Forscher hatten das Lernverhalten genetisch veränderter Mäuse untersucht, bei denen bestimmte Rezeptoren ausschließlich in der motorischen Hirnrinde ausgeschaltet sind. Dabei sahen die Neurowissenschaftler, dass Gedächtnisinhalte bei den Nagern dauerhaft an verschiedenen Stellen in der Großhirnrinde abgelegt wurden. Den Studienautoren zufolge ergibt sich damit ein völlig neues Modell für die Organisation des Gedächtnisses. Ihre Erkenntnisse könnten helfen, Gedächtnisverlust im Alter oder bei neurologischen Erkrankungen besser zu behandeln, hoffen die Forscher. [mst]

Quelle: Nature Communications (doi:10.1038/ncomms3258)/MPG

Ingenieurwissenschaften Das Schweizer Geothermieprojekt wird fortgesetzt.

Rund einen Monat, nachdem ein Geothermieprojekt in St. Gallen ein Erdbeben am Bodensee ausgelöst hat, wurden die Arbeiten wieder aufgenommen. Die Schweizer Behörden hätten grünes Licht gegeben, teilte der Leiter der technischen Dienste der Stadt, Fredy Brunner, mit. Nach dem Erdstoß der Stärke 3,5 in der Nacht zum 20. Juli waren die Arbeiten im Bohrloch in 4450 Metern Tiefe gestoppt worden. Nach dem Abschluss der ersten Bohrphase soll das Bohrloch provisorisch verschlossen werden. Das Risiko mit den Bohrarbeiten weitere Erschütterungen auszulösen, nehme der St. Galler Stadtrat in Kauf, hieß es weiter. Bei einem Abbruch der Bohrungen hätte die Stadt für die entstandenen Kosten aufkommen müssen. [mst]

Quelle: Agenturen

Neurologie Wissenschaftler übertragen Gedanken.

Zwei US-Forscher der Universität Washington haben bei einem Experiment mithilfe von Elektroden auf dem Kopf eine Schnittstelle zwischen ihren Gehirnen geschaffen. Per Funksignal waren die beiden Männer miteinander verbunden, hielten sich jedoch in zwei verschiedenen Räumen auf. Während der erste Forscher einen Bildschirm betrachtete, auf dem ein Computerspiel gezeigt wurde, hatte der zweite Wissenschaftler lediglich eine Tastatur vor sich. Konzentrierte sich der erste Wissenschaftler auf einen Gegenstand, den er abschießen wollte, drückte der zweite Forscher darauf hin auf den "Feuer"-Knopf. Die Intention, den Knopf zu drücken, habe sich angefühlt wie ein nervöser Tick, gab der zweite Forscher anschließend zu Protokoll, berichtet das Onlinemagazin SCIENCE Daily. Jedoch habe diese Gedankenfernsteuerung nur funktioniert, weil er auf einen Befehl gewartet habe. [mst]

Quelle: Sciencedaily

Raumfahrt Eine Düse aus dem 3-D-Drucker ist raketentauglich.

Ingenieure der US-Luft- und Raumfahrtbehörde NASA haben eine mit einem 3-D-Drucker hergestellte Düse einem ersten Praxistest unterzogen. Dabei wurde flüssiger Sauerstoff und gasförmiger Wasserstoff durch die Düse geleitet und eine sehr starke Antriebskraft erzeugt. Die aus zwei Einzelteilen bestehende Düse wurde aus einem Pulvergemisch aus Nickel und Chrom hergestellt, das ein Laser zuvor in einem 3-D-Drucker verschmolzen hatte. Diese Einspritzdüse sei das bislang größte geprüfte Raketentriebwerksteil aus einem 3-D-Drucker, teilte die NASA mit. Mithilfe dieser Technik sollen zukünftig die Kosten der Flugausrüstung reduziert werden. [mst]

Quelle: NASA

Biologie Jäger und Sammler machten Geschäfte mit Schweinehändlern.

Das geht aus einer Studie eines deutsch-britischen Forscherteams hervor, die im Fachmagazin "NATURE Communications" vorgestellt wird. Die Wissenschaftler hatten Zähne und Knochen von 63 Schweinen genetisch untersucht, die in den Hinterlassenschaften prähistorischer Jäger- und Sammler nördlich der Elbe gefunden wurden. Demnach zeigten drei der Tiere eine andere genetische Signatur als die nordeuropäischen Wildschweine. Das Erbmaterial weist große Ähnlichkeiten mit dem von Hausschweinen aus dem Nahen Osten auf. Die Forscher vermuten, dass diese Schweine vor rund 6.600 Jahren zusammen mit jungsteinzeitlichen Viehzüchtern und Ackerbauern aus dem Gebiet des Fruchtbaren Halbmondes kamen. Diese Funde deuten darauf hin, dass sich nomadisierende Jäger und sesshafte Bauern nicht nur gekannt, sondern auch miteinander Handel getrieben haben, so die Forscher. [mst]

Quelle: Nature Communications (DOI 10.1038/ncomms3348)

27.08.2013

Geologie Der Aufschlag des Tscheljabinsk-Meteoriten war sein zweiter Unfall.

Davon sind Wissenschaftler des Instituts für Geologie in Novosibirsk überzeugt. Sie stützen sich auf die Analyse eines Splitters des Meteoriten. Dieser war von der Hitze beim Flug durch die Lufthülle geschmolzen und wieder erstarrt. Die Mineralogen entdeckten darin einen ungewöhnlich hohen Anteil an Platinmetallen. Nach ihrer Ansicht war der Flug durch die Luft zu kurz, um dieses Phänomen zu verursachen. Sie vermuten, dass der Felsbrocken früher schon einmal sehr heiß wurde - entweder durch einen Zusammenprall mit einem anderen Asteroiden, oder weil er recht nahe an der Sonne vorbeiflog. Die Wissenschaftler präsentieren ihre Ergebnisse auf einer Konferenz in Florenz. [gä]

Quelle: spektrum/abstract/eurekalert

Kognitionswissenschaft Der Mensch lernt die Laute der Sprache schon vor der Geburt.

Das notieren Forscher der Universität Helsinki im Fachblatt PNAS. Die Wissenschaftler hatten Schwangere gebeten, ihrer Leibesfrucht von der 29. Woche an regelmäßig einer mit der Lautfolge "tatata" bespielten CD zu lauschen. Untersuchungen nach der Geburt der Kinder zeigten, dass diese stärker auf jene Lautfolge oder die einzelnen Laute "t" und "a" reagierten als Kinder, die nie diese CD zu hören bekamen. Die Wissenschaftler sehen darin einen Beleg für die These, dass Säuglinge sich an Laute erinnern, die sie schon im Mutterleib gehört haben, das Hirn mithin also schon vor der Geburt trainiert werde, bestimmte Laute zu erkennen. Das könnte eine Erklärung für eine Beobachtung von Forschern aus Würzburg sein. Sie hatten vor fünf Jahren berichtet, dass Babys aus Frankreich mit einem anderen Tonverlauf schreien als solche aus Deutschland. [gä]

Quelle: pnas/sz

Forschung US-Forscher neigen zu Übertreibungen.

Besonders bei Verhaltensforschungen in den Disziplinen Biologie, Medizin, Genetik und Psychiatrie. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher der University of Edinburgh nach einem Vergleich von mehr als 1100 Studienergebnissen in 82 Metastudien. Die schottischen Wissenschaftler erklären diese Beobachtung mit den besonderen Bedingungen für US-Forscher: Zum einen hänge ihr Berufserfolg von der Zahl der Veröffentlichungen ab, zum anderen spiele die Nachvollziehbarkeit eine untergeordnete Rolle. Das macht sich bei experimenteller Verhaltensforschung bemerkbar, weil deren Methoden international nicht festgelegt seien. US-Forscher kämen hier überdurchschnittlich oft zu extremen Ergebnissen, weil sie vorgefasste Meinungen mit eigenwilligen Methoden zu beweisen suchten. Studien mit international einheitlichen Methoden - etwa physikalischen oder chemischen Messungen - ließen dagegen keinen Raum für übertriebene Tendenzen. [gä]

Quelle: pnas

Biologie Zwei unbekannte Spinnenwasserkäfer tummeln sich in den Bächen der Philippinen.

Das berichten Forscher der Ateneo de Manila Universität und der Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen Dresden im Fachblatt ZOOKEYS. Die Wissenschaftler stießen eher zufällig auf Spuren der beiden neuen Spinnenkäferarten: Sie entdeckten mit Hilfe von DNA-Tests unter Larven bekannter Arten die Nachkommen der unbekannten. Spinnenwasserkäfer sind Insekten mit sehr langen Beinen, sie können bis zu 35 Zentimeter groß werden. Oberflächlich betrachtet ähneln sie Spinnen. Die Insekten leben in sauberen, fließenden Gewässern und reagieren sehr empfindlich auf eine Veränderung der Wasserqualität. Die Forscher vermuten daher, dass die Tiere als Indikator für die Wasserqualität dienen können. Bis jetzt sind 20 Spinnenwasserkäferarten bekannt. Zehn davon kommen nur auf den Philippinen vor. Einige davon leben nur auf einer Insel. Die neuen Arten hören auf die Bezeichnungen Ancyronyx buhid und Ancyronyx tamaraw. [gä]

Quelle: idw

Klimaforschung Die Sonneneinstrahlung ist seit 1970 in etwa konstant.

Die steigende Durchschnittstemperatur der Erde kann daher nicht mit einer intensiveren Sonneneinstrahlung erklärt werden. Davon zeigen sich Forscher der Beijing Normal University und der University of Texas überzeugt. Im Fachblatt PNAS präsentieren sie eine Auswertung von Daten, aus denen sie Rückschlüsse auf einen Zusammenhang zwischen Sonneneinstrahlung und Temperaturänderungen auf der Erde ziehen. Diese zeigen, dass die Sonneneinstrahlung über Land 1930 am höchsten war, seit den 40er-Jahren sinkt und sich seit 1970 kaum noch ändert. Dass die mittlere Temperatur trotzdem nahezu konstant blieb, führen die Forscher auf den steigenden Ausstoß von Klimagasen zurück. Da sich die Sonneneinstrahlung nicht veränderte, könne sie keinen Einfluss auf die Temperaturänderungen auf der Erde gehabt haben. [gä]

Quelle: pnas

MO DI MI DO FR SA SO
26 27 28 29 30 31 1
2 3 4 5 6 7 8
9 10 11 12 13 14 15
16 17 18 19 20 21 22
23 24 25 26 27 28 29
30 1 2 3 4 5 6

Forschung Aktuell

Computer und Kommunikation

Sternzeit

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk