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06.09.2013

Geophysik Das Tamu-Massiv, das im Nordwest-Pazifik östlich von Japan unter der Meeresoberfläche liegt, ist offenbar ein gigantischer Einzelvulkan.

Es handele sich um einen der größten bekannten Vulkane unseres Sonnensystems, schreiben Forscher aus Texas im Fachmagazin "Nature Geoscience". Die Erhebung sei 650 Kilometer lang und 450 Kilometer breit. Das entspreche ungefähr den Dimensionen des Olympus mons auf dem Mars. Die Forscher hatten Gesteinsproben untersucht und das Gebiet seismologisch vermessen. Danach kamen sie zu dem Schluss, dass das Massiv nicht aus einer Kette von Vulkanen besteht, sondern aus einer einzelnen Eruptionsstelle. [reu]

Quelle: DOI: 10.1038/ngeo1934

Physiologie Mit den Bakterien kam das Bauchfett.

Körperliche Eigenschaften, wie etwa Fettleibigkeit, lassen sich per Darmbakterien auf Mäuse übertragen. Das hat ein internationales Forscherteam demonstriert und im Fachblatt "Science" beschrieben. Die Wissenschaftler hatten menschliche Keime auf Mäuse übertragen, die über keine eigene Darmflora verfügten. Stammten die Bakterien von übergewichtigen Menschen, dann setzten auch die Nager schon bald Fett an. Eine Bakterienspende von einem schlanken Menschen hingegen ließ auch die Mäuse dünn bleiben. Wurden beide Mausgruppen gemeinsam in einem Käfig gehalten, dann nahmen auch die fettleibigen Tiere nach einer gewissen Zeit wieder ab – offenbar weil sie Kot von ihren schlanken Artgenossen gefressen hatten. Dieser Effekt zeigte sich jedoch nur, wenn die Tiere eine Kost erhielten, die reich an Ballaststoffen war. [reu]

Quelle: DOI: 10.1126/science.1241214

Biologie Korallen bleichen auch in Dunkelheit aus.

Das Ausbleichen von Korallen kann allein durch Hitze verursacht werden. Intensives Sonnenlicht ist nicht unbedingt dafür notwendig. Das schreiben Forscher aus Kalifornien im Fachblatt "Current Biology". Von der Bleiche sind nicht die Korallen selbst betroffen, sondern die Algen, die sie mit Nährstoffen versorgen. Bisher war man davon ausgegangen, dass reaktiver Sauerstoff, der bei der Photosynthese entsteht, die Algen schädigt. Die Forscher konnten aber zeigen, dass die Algen auch dann leiden, wenn keine Photosynthese abläuft – solange die Wassertemperatur hoch genug ist. Es müsse daher einen anderen Mechanismus geben, der zum Ausbleichen der Korallen führt. [reu]

Quelle: DOI: 10.1016/j.cub.2013.07.041

Genetik Nicht nur das Gehirn macht die Zappel-Maus.

Eine Fehlfunktion des Innenohrs kann dazu führen, dass sich Mäuse hyperaktiv verhalten. Das berichten Forscher aus New York und Jena im Fachmagazin "Science". Sie hatten bei den Nagern ein bestimmtes Gen ausgeschaltet, das für den Transport von Mineralstoffen verantwortlich ist. Mäuse mit solch einem Genschaden sind nahezu taub. Es zeigte sich, dass diese Tiere anschließend außergewöhnlich aktiv waren. Sie bewegten sich unaufhörlich und jagten ihrem eigenen Schwanz hinterher. Das Verhalten trat aber nur auf, wenn die Forscher die Erbanlage im Ohr ausgeschaltet hatten, nicht im Gehirn. Der Defekt hatte trotzdem Auswirkungen auf den Denkapparat: bestimmte Proteine wurden dort verstärkt gebildet, die vermutlich für die Verhaltensänderung verantwortlich sind. [reu]

Quelle: DOI: 10.1126/science.1240405

Astronomie Der Weltraum-Wind hat seine Richtung geändert.

Der Strom von Helium-Atomen, der aus dem Weltall in unser Sonnensystem eindringt, hat im Laufe der vergangenen vier Jahrzehnte seine Richtung um vier bis sieben Grad gedreht. Das berichten Forscher aus den USA und Polen im Fachmagazin "Science". Sie stützen sich dabei auf Messungen von elf verschiedenen Raumsonden. Sie vermuten, dass es sich dabei um Turbulenzen handelt, die in der interstellaren Materie auftreten. Die Richtungsänderung des Teilchenstroms könnte sich auswirken auf die Form der Heliosphäre, also auf den Bereich um die Sonne, in dem der Sonnenwind aktiv ist. Die Heliosphäre schützt unser Sonnensystem vor Strahlung aus dem Weltall. [reu]

Quelle: DOI: 10.1126/science.1239925

Biologie Wanderrouten könnten die Hai-Angriffe vor Hawaii erklären.

Die Wanderbewegungen von Tigerhaien, die rund um die hawaiianischen Inseln leben, unterscheiden sich nach ihrem Geschlecht. Männliche Tigerhaie wandern kaum zwischen den Inseln hin und her. Aber vor allem trächtige Weibchen schwimmen im Spätsommer und im Herbst von den nordwestlichen Hawaii-Inseln zu den Hauptinseln im Südosten. Das berichten US-Forscher im Fachblatt "Ecology". Daher komme es vor allem von August bis Oktober zu einem verstärkten Kontakt zwischen den Tieren und Menschen. Die Biologen hatten sieben Jahre lang die Wanderungen von rund 100 Haien verfolgt und dann mit einem Modell ausgewertet. Im laufenden Jahr sind auf Hawaii acht Hai-Attacken gemeldet worden. Bei einer davon war im August eine deutsche Touristin ums Leben gekommen. [reu]

Quelle: DOI: 10.1126/science.1239925

05.09.2013

Entwicklungsbiologie Kein Wirbeltier vermehrt sich schneller als ein Fisch.

Das hätten Wissenschaftler bis vor kurzem nicht unterschrieben. Denn lange galt, dass es bei den Wirbeltieren die Maus ist, die am schnellsten die Generationen wechselt. Jetzt haben tschechische Forscher jedoch Fische entdeckt, die sich schon 17 Tage nach dem Schlüpfen fortpflanzen. Mäuse brauchen im Vergleich dazu 23 Tage. Im Online-Fachmagazin "EvoDevo" beschreiben die Forscher zwei Arten von so genannten Prachtgrundkärpflingen, die in der ostafrikanischen Savanne leben. Dort besiedeln sie Tümpel und Teiche, die in der Regenzeit entstehen und in der Trockenzeit auch schnell wieder verschwinden können. Die Fische wachsen außergewöhnlich schnell – täglich mehr als 2,7 Millimeter. Vermutlich – so die Wissenschaftler - zwingen die extremen Umweltbedingungen die Tiere dazu schnell zu wachsen, schnell geschlechtsreif zu werden und sich zu vermehren. [tj]

Quelle: DOI: 10.1186/2041-9139-4-24

Medizin Ein Impfstoff gegen das Mers- Coronavirus kommt in Sicht.

Das neue Mers–Coronavirus ist vor einem Jahr erstmals aufgetreten - vor allem im arabischen Raum. Seither sind an der Infektion, bei der es zu grippeähnlichen Symptomen und schweren Lungenentzündungen kommt, mehr als 50 Menschen gestorben. Deutsche und niederländische Virenforscher haben nun einen möglichen Impfstoff entdeckt. Im Zelltest hat er sich gegen das Mers Coronavirus bewährt – ein Erreger, der mit dem Sars-Virus verwandt ist. In der Fachzeitschrift "Journal of Virology" beschreiben die Forscher ihre Experimente: Sie hatten Mäuse mit einem Virus infiziert, der Teile des Mers-Coronavirus enthielt. Die Tiere entwickelten daraufhin Antikörper. Anschließend wurden Blutproben der immunisierten Mäuse im Labor mit infizierten Zellen zusammengebracht – die Antikörper machten das Virus unschädlich. Allerdings, so betonen die Wissenschaftler, hieße das noch nicht, dass der Impfstoff auch im Tierversuch oder bei Menschen sicher und wirksam ist. [tj]

Quelle: DOI: 10.1128/JVI.01672-13

Medizintechnik Neue Implantate zur Knochenheilung baut der Körper selber ab.

Herkömmlichen Implantate wie Platten, Schrauben oder Nägel müssen nach einer gewissen Zeit wieder operativ entfernt werden. Forscher der TU Graz haben abbaubare Implantate entwickelt, die mit der Zeit vom Körper resorbiert werden. Sie bestehen aus mikrobiellem Polyester, so genannten Polyhydroxyalkanoaten, die von Bakterien produziert werden. Die Implantate führen nicht – wie dies bei alternativen Biopolymeren, zum Beispiel Polymilchsäure, der Fall ist - zu einer Übersäuerung des Körpers und einer chronischen Entzündung. Damit eignen sie sich gerade auch für Kinder, berichten die Forscher. Ein weiterer Vorteil: Da die Implantate biokompatibler seien als Stahl- und Titanwerkstoffe, fördern sie den Heilungsprozess des Knochens. [tj]

Quelle: xPressemitteilung TU Graz

Biologie Die Venusfliegenfalle besorgt sich Stickstoff mit einem Spalttrick.

Normalerweise beziehen Pflanzen ihren Hauptnährstoff – das ist Stickstoff - aus dem Erdboden: in Form von Nitrat und Ammonium. Die Venusfliegenfalle macht es anders: Sie nutzt Insekten, die sich auf ihre Blätter setzen und damit in der blitzschnell zuschnappenden Falle landen. Wie die Pflanze dann zu Stickstoff kommt – das berichten Würzburger Forscher im Fachmagazin "Current Biology". Sie hatten genau analysiert, was beim Verdauungsprozess geschieht: Das Fleisch der Beutetiere wird in seine Eiweißbestandteile, die Aminosäuren zerlegt. Dabei gibt es im Magensaft der Pflanze ein Enzym, das Glutamin spaltet und zwar in Glutamat und Ammonium, das von den Drüsen der Venusfliegenfalle aufgenommen wird. Dass Pflanzen in der Lage sind sich aus tierischem Eiweiß Stickstoff zu erschließen in Form von Ammonium, war bislang nicht bekannt. [tj]

Quelle: DOI: 10.1016/j.cub.2013.07.028

04.09.2013

Astronomie Astronomen untersuchen planetarische Nebel.

Weltraumforscher der Europäischen Südsternwarte haben mithilfe des New Technology Telescope der ESO und dem Hubble Teleskop mehr als einhundert Planetarische Nebel in der zentralen Ausbuchtung der Milchstraße untersucht, dem so genannten Bulge. Dabei sahen die Astronomen, dass viele dieser schmetterlingsförmigen Nebel auf gleiche Art und Weise ausgerichtet sind, obwohl sie unterschiedliche Geschichten und Eigenschaften besitzen. Die Forscher vermuten, dass der Bulge durch seine Magnetfelder einen starken Einfluss auf die Milchstraße hat. Demnach könnten die starken Magnetfelder, die während der Bildung des Bulge präsent waren, die ähnliche Ausrichtung der Planetarischen Nebel verursacht haben. [mst]

Quelle: www.eso.org

Biologie Daten aus Genetikstudien sind nur bedingt zugänglich.

Das geht aus einer Studie hervor, die Wissenschaftler der Universität von Florida im Fachblatt PLOS Biology vorstellen. Sie hatten die Daten verschiedener Erbgutdatenbanken unter die Lupe genommen, in denen die Ergebnisse genomweiter Studien von Tieren, Pflanzen und Pilzen zugänglich sind. Dabei sahen sie, dass viele Daten von den Fachautoren nicht freigeschaltet worden waren, oft aus Unwissenheit der einzelnen Forscher. Diese hätten die Daten dort gesichert ablegt, sie aber nach Veröffentlichung ihrer begutachteten Studie oftmals nicht freigeschaltet. Daher plädieren die Wissenschaftler für einheitliche Regeln der Datenbanken, damit die frei zugänglichen Daten tatsächlich öffentlich und weltweit nutzbar sind. [mst]

Quelle: PLOS Biology (10.1371/journal.pbio.1001636)

Medizin Richard III. litt an Spulwürmern.

Das berichten Mediziner der University of Cambridge im Fachblatt The Lancet. Das Skelett des 1485 in einer Schlacht verstorbenen englischen Königs wurde erst 2012 unter einem Parkplatz in der Stadt Leicester entdeckt. In Proben aus den Hüftknochen entdeckten die Forscher nun Eier von parasitischen Spulwürmern. Da die Molekularbiologen in der umgebenden Erde keine Spuren solcher Wurmeier fanden, gehen sie davon aus, dass die Darmparasiten mit dem Leichnam ins Grab gelangten und im Zuge der Verwesung vom Darm auf den Hüftknochen gelangten. Spulwürmer werden meist über verunreinigte Nahrung aufgenommen, wo sich die Eier und Larven im Darm ihres Wirtes weiter entwickeln. Später bohren sie sich durch die Darmwand und gelangen von dort aus über das Blut in die Leber und die Lunge. Die Parasiten können Koliken und im Extremfall sogar einen Darmverschluss verursachen. [mst]

Quelle: The Lancet

Geophysik In Japan bebte erneut die Erde.

Ein Erdbeben der Stärke 6,9 hat am Mittwochmorgen den Großraum Tokio erschüttert. Das Epizentrum befand sich nach Angaben der US-Erdbebenwarte rund 600 Kilometer südlich der japanischen Hauptstadt unter dem Pazifik. Der japanische Wetterdienst teilte mit, dass keine Tsunami-Gefahr bestehe. Das 2011 bei einem schweren Erdbeben und anschließenden Tsunami havarierte Atomkraftwerk Fukushima wurde laut der Betreiberfirma Tepco bei dem jetzigen Beben nicht weiter beschädigt. [mst]

Quelle: Agenturen

Biologie Affen verfügen über komplexe Warnsysteme.

Die in den brasilianischen Regenwäldern beheimateten Schwarzstirn-Springaffen warnen ihre Artgenossen durch spezifische Rufe, bei denen sie angegeben, ob Gefahr von oben durch einen Greifvogel droht oder von einem Räuber am Boden. Das berichten britische Forscher im Fachmagazin Biology Letters. Bei ihren Beobachtungen sahen die Wissenschaftler, dass die Tiere die Rufe auch kombinieren können, etwa wenn ein Raubvogel auf einem Ast in niedriger Höhe lauert. [mst]

Quelle: Biology Letters (10.1098/rsbl.2013.0535)

Paläontologie Paläontologen entdecken ein 350 Millionen Jahre altes Skorpion-Fossil.

Der Fund in Südafrika sei in mehrfacher Hinsicht bedeutsam, teilte die Universität von Witwatersrand in Johannesburg mit. Die im Fachmagazin African Invertebrate beschriebene Art Gondwanascorpio emzantsiensis ist zum einen der älteste Nachweis von Leben, der jemals auf dem Festland der südlichen Hemisphäre entdeckt wurde. Das Fossil, bei dem deutlich Schere und Stachel zu erkennen sind, sei zum anderen auch der erste Beleg dafür, dass auf dem Urkontinent Gondwana bereits vor mehr als 350 Millionen Jahren wirbellose Tiere gelebt haben. [mst]

Quelle: www.wits.ac.za

Medizin Bluthochdruck wird nur selten erkannt.

Bluthochdruck gilt als Hauptrisikofaktor für Herz- und Gefäßerkrankungen, jedoch wissen viele Menschen überhaupt nicht, dass sie an Bluthochdruck leiden. Das ist das Ergebnis einer Metastudie, die ein internationales Medizinerteam im US-amerikanischen Fachmagazin JAMA vorstellt. Die Forscher hatten die Daten von mehr als 140.000 Personen aus 17 Staaten im Alter zwischen 35 und 70 Jahren ausgewertet. Demnach litten knapp 41 Prozent der Studienteilnehmer an Bluthochdruck, jedoch wusste nur knapp die Hälfte der Probanden davon. Die Studie zeigte zudem, dass Männer häufiger erkranken als Frauen. Diese wussten auch von ihrer Erkrankung häufiger als Männer und ließen sich in zudem erfolgreicher behandeln. [mst]

Quelle: JAMA

03.09.2013

Neurowissenschaft Hirn filtert Töne beim Hören in Oktaven

Konzentriert es sich auf einen schwachen Ton, filtert es störende Geräusche heraus. Dadurch kann der Mensch den schwachen Ton besser wahrnehmen. Diesen Mechanismus kannten Biologen bereits. Er kann jedoch deutlich mehr, berichten Wissenschaftler aus den Niederlanden und Belgien nun in "PNAS": Konzentriert sich das Hirn auf einen Ton, verstärkt es zusätzlich höhere Töne im Intervall von einer Oktave. Das ergaben Hörtests, bei denen die Probanden aufeinanderfolgende Töne in unterschiedlichen Intervallen erkennen sollten. Die Wissenschaftler vermuten, dass die Menschen damit Sprache besser erkennen können. Die Forscher sehen eine mögliche Anwendung bei der Entwicklung von Hörgeräten. [gä]

Quelle: pnas/spektrum

Zoologie Auch in Europa sterben Amphibien durch Pilzerkrankung

Seit einigen Jahren sterben in den Tropen ganze Amphibienarten durch den Befall eines aggressiven Pilzes aus. Der Pilz gehört zur Gattung Batra-chochytrium, er befällt die Haut der Tiere. Seit 2010 tritt eine Art dieser Gattung offenbar auch in Europa auf und infiziert die Salamander im Nordwesten. Das berichten Forscher aus den Niederlanden in "PNAS". Die Wissenschaftler haben den Pilz auf der Haut toter Tiere nachgewiesen. Bei Versuchen beobachteten sie, dass infizierte Salamander in kurzer Zeit verendeten. Der neu entdeckte Pilz gedeiht besonders gut bei Temperaturen um die 15 Grad Celsius, oberhalb von 25 Grad stirbt er ab. Allein in Holland verendeten in den vergangenen Jahren fast 96 Prozent der Feuersalamander. Ob der Pilz auch andere Amphibienarten befallen kann, ist unbekannt – ebenso, ob es noch weitere Pilzarten dieser Gattung in Europa gibt. [gä]

Biologie/Geologie Meteoriteneinschlag besiegelte das Ende der Mammuts

Vor rund 12.900 Jahren rammte ein Asteroid die Erde in der Region von Quebec. Staub wurde emporgewirbelt, Wälder brannten ab, Rauch und Ruß verschleierten die Sonne. Die Temperaturen auf der Erde sanken als Folge rasch ab, der Planet wurde zudem trockener, die jüngere Dryas-Zeit begann. Große Tiere wie das Mammut oder das Woll-Nashorn fanden nicht mehr genug zu fressen und starben aus; der Mensch fing an, in Dörfern zusammenzuleben und mit Ackerbau zu experimentieren. Von diesem Szenario zeigt sich ein US-Forscherteam in PNAS überzeugt. Die Wissenschaftler stützen sich auf Felseinschlüsse im Boden von Pennsylvania: Sie waren mindestens 2000 Grad heiß und flogen durch die Luft, wo sie miteinander verschmolzen. Ihre Zusammensetzung deutet darauf hin, dass sie aus der Region von Quebec in die Luft geschleudert wurden, wahrscheinlich durch einen Meteoriten. Die Theorie, wonach ein Meteoriteneinschlag die Eiszeit verschärfte, entwickelten Forscher 2007. Seitdem gewinnt sie an Anhängern. Bis jetzt fehlt jedoch der beste Nachweis: Der Einschlagkrater. [gä]

Quelle: pnas/nature

Biologie In Säugetieren können gut 320.000 Viren existieren

Das notieren Forscher der University of Columbia im Fachblatt MBIO. Die Wissenschaftler stützen sich auf eine Untersuchung von rund 1900 Fledermäusen. In den Proben entdeckten sie 60 Virustypen, von denen die meisten bislang unbekannt waren. Eine Hochrechnung auf alle Säugetiere ergab dann, dass es mindestens 320.000 verschiedene Viren geben könnte. Mehr als zwei Drittel aller Viren, an denen Menschen erkranken, stammen aus dem Tierreich. Diese zu entdecken, und vor allem diejenigen zu beschreiben, die auf den Menschen überspringen könnten, wäre nach Ansicht der Wissenschaftler eine große Hilfe, um Pandemien vorzubeugen. Die Kosten dafür bezifferten die Forscher mit sechs Milliarden Dollar – eine Summe, die ihrer Meinung nach nur den Bruchteil dessen ausmacht, was eine Pandemie verursachen würde. [gä]

Wirtschaft Die Welt ist immer noch weit entfernt davon, nachhaltig zu wirtschaften

Davon zeigt sich ein internationales Forscherteam im Fachblatt "PNAS" überzeugt. Die Wissenschaftler kritisieren vor allem Berechnungen, die zeigen sollen, dass sich in westlichen Nationen das Wirtschaftswachstum vom Rohstoffverbrauch getrennt habe. Dabei werde unterschlagen, dass diese Nationen inzwischen viele Güter einführen und nicht mehr selbst produzieren. Berücksichtigt man, dass für diese Güter neue Maschinen und Rohstoffe notwendig sind, zeigt sich, dass eine solche Trennung von Wirtschaftswachstum und Rohstoffverbrauch viel kleiner ausfällt als in offiziellen Statistiken angegeben, und oft sogar gar nicht existiert. [gä]

02.09.2013

Planetologie Auf dem jungen Mars gab es reichlich Phosphat

Mehr jedenfalls als auf der jungen Erde. Das berichten US-amerikanische Forscher im Fachblatt "Nature Geoscience". Phosphat findet sich in vielen organischen Molekülen. Ohne Phosphat kein Leben. Phosphat bildet das Rückgrat des Erbmoleküls DNA, es ist wichtig für den Energiestoffwechsel, für den Aufbau von Zellmembranen und für die Regulation des Säure-Basen-Haushalts. Mineralien auf der Erde, so die Forscher, geben in wasserreicher Umgebung Phosphat nur sehr langsam ab. Phosphat-Mangel habe die Entstehung von Lebensformen auf der Erde eher verzögert. Auf dem frühen Mars seien die Bedingungen sehr viel günstiger gewesen. Laborversuche mit Marsmineralien belegten, dass das Phosphat sehr viel leichter in Lösung gehe. Die Phosphatkonzentration auf dem jungen Mars sei wahrscheinlich doppelt so hoch gewesen wie auf der jungen Erde – in dieser Hinsicht hätten ideale Voraussetzungen für die Entstehung von Lebensformen geherrscht. [mawi]

Quelle: Nature Geoscience - doi: 10.1038/ngeo1923

Biologie/Statistik Europas Männer werden immer größer

In der Zeit zwischen 1870 bis 1980 sind die Männer in Europa im Durchschnitt um elf Zentimeter größer geworden, berichten Forscher im den "Oxford Economic Papers". Entscheidende Gründe seien die Entdeckung und Nutzung von Antibiotika sowie verbesserte Gesundheitssysteme. Faktoren wie höhere Einkommen, bessere Bildung und kleinere Familien hätten nur bescheidene Effekte gehabt. Das Forscherteam nutzte militärische und medizinische Archivdaten über junge Männer aus 15 Ländern Europas. In Nordeuropa gab es die steilste Wachstumskurve zwischen den beiden Weltkriegen. In den südlichen Ländern und Frankreich wurden die Männer erst nach dem zweiten Weltkrieg größer. Mit durchschnittlich 1,83 Metern sind die niederländischen Männer die größten Europäer. Am anderen Ende der Skala stehen die Portugiesen mit 1,73 Metern. Über die Größe von Frauen zwischen 1870 und 1980 existieren nur sehr wenige zuverlässige Daten. [mawi]

Zoologie Das richtige Futter bremst bei Fruchtfliegen die Altersvergesslichkeit

Forscher aus Berlin und Graz haben im Tierversuch an Fruchtfliegen gezeigt, dass polyaminreiche Nahrung helfen kann, den altersbedingten Erinnerungsverlust zu stoppen. In der Studie mussten sich die Fliegen zwischen zwei verschiedenen Gerüchen entscheiden und daran erinnern, dass einer der Gerüche mit einer negativen Folge - einem leichten Elektroschock - verbunden war. Alternde Fruchtfliegen, die mit Spermidin gefüttert wurden, schnitten bei dem Experiment deutlich besser ab als konventionell gefütterte Fruchtfliegen, berichten die Forscher im Fachblatt "Nature Neuroscience". Der Spiegel des Polyamins Spermidin nimmt mit dem Alter sowohl bei Fliegen als auch beim Menschen ab. Spermidin ist wichtig für die Entsorgung von zellulären Abfallprodukten oder auch Proteinklumpen im Gehirn. Die Forscher wollen jetzt testen, ob sich mit Spermidin als Nahrungsergänzung beim Menschen das Einsetzen einer Demenz hinauszögern ließe. [mawi]

Quelle: Nature Neuroscience - DOI: 10.1038/nn.3512

Archäologie Die Knochen einer Moorleiche werden neu sortiert

Der Mann vom Bernuthsfeld, eine ostfriesische Moorleiche aus dem 8. Jahrhundert, wird am Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) untersucht. Forscher sollen dort Irrtümer korrigieren. Die 1907 entdeckte Moorleiche war mehrfach öffentlich ausgestellt worden. Dabei seien einzelne Knochen verwechselt oder falsch angeordnet worden, teilte das Ostfriesische Landesmuseum in Emden mit. Ziel sei, ein lebensechtes Skelett zu erhalten – ihm soll nach der Restaurierung nicht anzusehen sein, dass es rund 1200 Jahre im Moor lag und schon einige Restaurierungen hinter sich hat. [mawi]

Physik/IT Quantenbits lassen sich gezielt elektrisch steuern

Ein internationales Forscherteam hat erstmals ein Quantenbit aus drei sogenannten "Quantenpunkten" hergestellt und gesteuert. Der Versuch belege, dass sich solche Triplett-Quantenbits einfacher kontrollieren ließen als Quantenbits aus einem einzelnen oder zwei Quantenpunkten, schreiben die Forscher im Fachblatt "Nature Nanotechnology". Herkömmliche Computer rechnen mit "Nullen" und "Einsen". Bei künftigen Quantencomputern soll als Informationsträger der Drehimpuls, der "spin" von Elektronen dienen, der in zwei Varianten vorkommt. Um die Drehrichtung festzulegen, nutzen Forscher bislang elektrische oder magnetische Felder. Das Problem: Dieses Verfahren ist ungenau. Es kann leicht passieren, dass mehrere Quantenpunkte gleichzeitig beeinflusst werden. Die Forscher haben daher je drei Quantenpunkte zu einer Einheit zusammengefasst. Es gelang ihnen, die Position und Orientierung der Spins in den drei Quantenpunkten durch elektrische Spannung zu steuern und auszulesen. [mawi]

Quelle: Nature Nanotechnology - DOI: 10.1038/nnano.2013.168

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