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16.09.2013

Technologie Forscher entwickeln ultradünnes Thermometer weiter

Es ist in eine dünne Silikonfolie eingebaut und kann auf die Haut aufgelegt werden. Das präzise Messen der Körpertemperatur, der Durchblutung der Haut und des Feuchtigkeitsgehaltes sei so mit äußerster Präzision und komfortabel möglich, berichten Forscher der Universität von Illinois im Fachblatt "Nature Materials". Das neue Thermometer passe sich mit großer Leichtigkeit der menschlichen Haut an. Die Messergebnisse seien ähnlich präzise wie die von digitalen Infrarotkameras. Der Vorteil des neuen Thermometers: Patienten können aufstehen und sich bewegen, ohne dass die Temperaturkontrolle unterbrochen werden muss. [mawi]

Quelle: Nature Materials - DOI: 10.1038/nmat3755

Zoologie Kleine Tiere nehmen die Zeit langsamer wahr als große Tiere

Insekten oder kleine Vögel etwa nehmen in einer Sekunde mehr Informationen auf als große Lebewesen wie etwa Elefanten. Das bedeutet, sie nehmen Bewegungen auf einer feineren Zeitachse wahr. Das erlaubt ihnen, auf Angriffe von Fressfeinden schneller und gezielter zu reagieren – und wegzulaufen oder zu fliegen. Das berichten irische Forscher vom Trinity College Dublin im Fachblatt "Animal Behaviour". Umgekehrt bedeute dies: Große Tiere nähmen die Welt langsamer und weniger differenziert wahr, ihnen entgingen viele Details. Bei Menschen gebe es in der Hinsicht große individuelle Unterschiede. Athleten etwa könnten oft visuelle Informationen sehr schnell verarbeiten. Ein erfahrener Torwart etwa könne schneller als andere Menschen erahnen, aus welcher Richtung der Ball kommt. Und junge Menschen könnten schneller reagieren als ältere. [mawi]

Raumfahrt Japanische Rakete hat Weltraumteleskop ins All gebracht.

Am Samstag hob die neuartige Feststoffträgerrakete "Epsilon" erfolgreich vom Weltraumbahnhof Uchinoura ab, teilte Japans Weltraumbehörde Jaxa mit. Der Jungfernflug war ursprünglich Ende August vorgesehen, wurde wegen Computerproblemen aber vorzeitig abgebrochen. Die Rakete kann sich selbst überprüfen. Die Vorbereitungszeit zwischen Montage und Start lasse sich so von zuvor sechs auf eine Woche reduzieren. Zudem sei der Raketenstart so einfach geworden wie das Bedienen eines Computers, teilte Jaxa mit. Aufgrund der niedrigen Kosten der Rakete sei es möglich, künftig häufiger kleine Satelliten ins Weltall zu transportieren. Die Epsilon-Rakete brachte das Planetenerforschungs-Teleskop "Sprint-A" auf eine Umlaufbahn um die Erde. [mawi]

Medizin/Pharmazie Antibiotika lassen sich an- und ausknipsen

Forscher von der Universität Groningen haben einen molekularen Schalter in ein Antibiotikum eingebaut, der auf Licht reagiert. Das beschreiben sie in der Fachzeitschrift "Nature Chemistry". Bestrahlt man das Medikament vor der Anwendung mit UV-Licht, wird es aktiviert und antibakteriell wirksam. Anschließend schaltet sich das Antibiotikum selbst wieder ab. Innerhalb von drei Stunden springt der Schalter zurück. Das Medikament verliert seine Wirksamkeit. Der Hintergrund: Ein Teil der eingenommenen Antibiotika gelangt auch in die Umwelt. Sind die Wirkstoffe noch aktiv, können Bakterien unempfindlich gegen sie werden. Antibiotika, die sich rechtzeitig selbst abschalten, bergen dieses Resistenz-Risiko nicht. [mawi]

Quelle: Nature Chemistry - doi: 10.1038/nchem.1750

Medizin Erbgutunterschiede lassen Zellen anders funktionieren.

50 Europäische Forschergruppen haben bei Blutzellen von über 450 Menschen untersucht, welche Gene die Zellen tatsächlich nutzen. Bei der Studie in der Fachzeitschrift "Nature" handelt sich um die bislang größte sogenannte RNA-Sequenzieranalyse. In den letzten Jahren haben zahlreiche Großprojekte die genetischen Unterschiede von Mensch zu Mensch untersucht. Ziel der aktuellen Studie war, zu sehen, inwieweit genetische Varianten auch zu Funktions-Unterschieden in Zellen führen. Daher analysierten die Forscher auch, welche Teile der Erbinformation in bestimmten Blutzellen tatsächlich genutzt und also in das Erbmolekül RNA umgesetzt werden. Das Verständnis von genetischen Varianten, die die unterschiedliche Aktivität von Genen in verschiedenen Personen verursachen, könne erste Anhaltspunkte liefern, warum etwa bei einigen Patienten bestimmte Medikamente wirken, bei anderen hingegen kaum oder gar nicht. [mawi]

Quelle: Nature - DOI: 10.1038/nature12531

13.09.2013

Raumfahrt Vor gut einem Jahr hat die Raumsonde Voyager-1 die Heliosphäre verlassen, also den Einflussbereich des Sonnenwindes.

Das berichten Forscher aus den USA, die Messdaten aus dem April 2013 und Oktober 2012 ausgewertet hatten. Demnach war die Zahl der Sonnenteilchen, die auf Voyagers Detektor fielen, im August des vergangenen Jahres ungefähr um den Faktor 100 gesunken. Gleichzeitig nahm die Zahl interstellarer Partikel um knapp zehn Prozent zu. Das sei ein deutlicher Hinweis darauf, dass Voyager die Heliosphäre hinter sich gelassen habe, schreiben die Forscher im Fachblatt "Science". Zuvor war bereits wiederholt gemeldet worden, dass die Sonde den Rand des Sonnensystems erreicht habe. Bei der Zone am Rand der Heliosphäre handelt es sich jedoch um keine scharfe Grenze. [reu]

Quelle: DOI: 10.1126/science.1241681

Ozeanographie Das Polarmeer wird langsam sauer.

Die Versauerung des Arktischen Ozeans hat in jüngster Zeit stärker zugenommen als von Experten befürchtet. Das ist das Ergebnis einer Studie von US-Forschern, die drei Jahre lang Wasserproben gesammelt haben. Die Ursache der Versauerung sehen sie im Abschmelzen des Meereises. Dadurch könne zunehmend Kohlendioxid vom Wasser aufgenommen werden, das sich anschließend in Kohlensäure umwandelt. Außerdem werde durch das Schmelzwasser der Kalk, der im Ozean gelöst ist, verdünnt. Besonders im Kanadischen Becken habe die Versauerung stark zugenommen, schreiben die Forscher im Fachblatt "PLoS One". Das könne das Wachstum von Organismen beeinträchtigen, die auf eine gewisse Konzentration von gelöstem Kalk im Wasser angewiesen sind. [reu]

Quelle: PLoS One

Physik Nano ist nicht immer besser.

Forscher aus Oxford haben das Design einer Solarzelle verbessert, die nicht auf Basis von Silizium arbeitet, sondern mit dem Mineral Perowskit, also Calciumtitanat. Solche Zellen gibt es bereits seit dem Jahr 2009. Weil die Physiker damals davon ausgegangen waren, dass die Calcium-Verbindung die Ladungsträger nicht besonders gut leitet, hatten sie einen Halbleiter in die aktive Schicht eingebaut, in Form einer komplexen Nano-Struktur. Der Halbleiter formte winzig kleine Kügelchen, die miteinander verbunden waren, während der Perowskit sich in einer dünnen Schicht darum legte. Jetzt haben die Forscher herausgefunden, dass diese Nano-Architektur überflüssig ist. Die Zelle funktioniert genauso gut, wenn man den Halbleiter weglässt und einfach nur das Mineral aufdampft, wie die Physiker im Fachblatt "Nature" berichten. [reu]

Quelle: DOI: 10.1038/nature12509

Genetik Fruchtfliegen vererben Methusalem-Gene vom Vater auf den Sohn.

Deutsche und schwedische Forscher haben herausgefunden, dass Fruchtfliegen ihre Lebenserwartung geschlechtsabhängig erben: Männlicher Nachwuchs wird mit hoher Wahrscheinlichkeit so alt wie der Vater. Beim weiblichen Nachwuchs richtet sich die Lebenserwartung vor allem nach der Mutter, wie die Biologen im Fachblatt "American Naturalist" schreiben. Daraus ziehen die Forscher die Schlussfolgerung, dass das Risiko einer tödlichen Erbkrankheit vor allem innerhalb des Geschlechts weiter gegeben wird. Dieses Ergebnis sei prinzipiell auch auf Menschen übertragbar, denn auch beim Menschen ist die Lebenserwartung erblich. [reu]

Quelle: DOI: 10.1086/673296

12.09.2013

Umwelt "Heilige" Quellen in Österreich sind verunreinigt.

Und zwar sehr stark. Zu diesem Ergebnis kommen Mikrobiologen der Medizinischen Universität Wien nachdem sie in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland Wasser aus so genannten heiligen Quellen untersucht hatten. Das Wasser dieser Quellen habe keine Trinkwasser-Qualitität. Vielmehr sei es fäkal mit E-coli-Bakterien, Enterokokken oder auch Campylobacter verunreinigt. Hinzu kämen Nitrate vor allem aus der Landwirtschaft. Die Untersuchung heiliger Quellen ist weltweit die erste ihrer Art. [tj]

Quelle: Pressemitteilung Medizinische Universität Wien

Klima Heiße Tage in Norddeutschland sind extrem heiß geworden.

Im Vergleich zu vielen anderen Regionen sind in Norddeutschland die Temperaturen der heißen Tage in den vergangenen 60 Jahren deutlich angestiegen. Vergleichbares stellten Forscher der britischen Universität Warwick für ein geografisches Band von Südengland über Nordfrankreich bis nach Dänemark fest. Die Temperaturen stiegen in diesem Bereich vielerorts um mehr als zwei Grad Celsius. Auch die Zahl der durchschnittlichen Sommertage habe zugenommen. [tj]

Quelle: 10.1088/1748-9326/8/3/034031

Onkologie Krebszellen sollen sich selbst verdauen.

Normalerweise bauen Zellen geschädigte Moleküle oder ganze Zellbereiche ab, indem sie diese selbst verdauen. Wenn sie dies nicht mehr tun, dann entsteht Krebs. Forscher der Universität Bern haben sich den Mechanismus der Selbstverdauung - auch Autophagie genannt - beim bösartigen Hautkrebs näher angeschaut. Dabei stellten sie fest, dass bei den Krebspatienten ein Protein nicht in ausreichender Menge vorhanden ist: Das Protein ATG5 , das den Selbstverdauungsprozess reguliert. Das berichten sie im Fachblatt "Science Translational Medicine". In einem Laborexperiment gelang es den Wissenschaftlern sogar therapeutisch einzugreifen. Sie konnten den Selbstverdauungsprozess reaktivieren und so verhindern, dass ein Tumor entsteht. [tj]

Quelle: DOI: 10.1126/scitranslmed.3005861

Paläontologie Das Gebiss kann zum Überlebensvorteil werden.

Bestes Beispiel ist das Urpferd Hippotherium. Es kam vor elf Millionen Jahren über die damals trockengefallene Beringstraße von Nordamerika nach Asien und Europa. Wie Forscher aus Hamburg und Bonn jetzt nachweisen konnten besaß das Hippotherium ein Allzweckgebiss. Es konnte sowohl Gras als auch Laub und Früchte fressen. So war es bei der Nahrungssuche flexibler als seine älteren Verwandten. Dies sei auch die lange gesuchte Erklärung dafür, dass in Europa das Urpferd Anthitherium völlig ausstarb, heißt es im Onlinemagazin "PLoS One". [tj]

Quelle: PLoS One

Verhaltensforschung Orang-Utans planen ihre Reisen schon im voraus.

Orang-Utans lassen sich nicht blind von ihren Instinkten und Bedürfnissen leiten. Sie sind vielmehr dem Menschen und dessen planerischen Fähigkeiten ähnlich. Das konnten Schweizer Forscher zeigen. Sie analysierten die Rufe von in der Wildnis lebenden Orang-Utans: Die Männchen kündigten ihre Wanderroute für den nächsten Tag teils schon vor dem Schlafengehen durch einen lauten Schrei in die Reiserichtung an. Die Weibchen machen sich morgens dann ungefähr in dieselbe Richtung auf. Im Fachmagazin "PLoS One" vermuten die Forscher, dass diese Planungsfähigkeit nicht auf Orang-Utans beschränkt sei, sondern bei vielen Affen und womöglich auch anderen Tieren mit großem Gehirn existiert. [tj]

Quelle: PLoS One

Paläontologie Jurassic-Park bleibt eine schöne Filmphantasie.

Eine britische Studie hat untersucht, ob es - wie im Film "Jurassic Park" -möglich ist, im Blut von Insekten, die seit Jahrmillionen in Bernstein eingeschlossen sind, noch brauchbare DNA zu finden. Die Antwort der Forscher von der Universität Manchester lautet: Nein. Sie hatten zwei Bienenfossilien untersucht- eine war vor gut 10 000 Jahren und die andere erst vor 60 Jahren in Kopalharz eingeschlossen worden – Kopalharz ist ein Vorläufer von Bernstein. Obwohl die Exemplare vergleichsweise jung sind, konnte keine erhaltene Erbsubstanz gefunden werden, berichtet die Zeitschrift "PLoS One". Das mache es äußerst unwahrscheinlich bei älteren Bernsteinfossilien fündig zu werden. [tj]

Quelle: PLoS One

Astronomie Von oben sehe das Zentrum unserer Galaxie zwar aus wie ein langgezogener Balken, aber von der Seite wie eine Erdnuss eingehüllt in ihre Schale.

So beschreiben es Forscher der Europäischen Südsternwarte Eso. Sie haben eine neue 3D-Karte vom Zentrum unserer Galaxie erstellt und zwar mit Hilfe von Infrarotteleskopen. Das rund 27.000 Lichtjahre entfernte Zentrum unserer Galaxie ist schwer zu beobachten, weil von der Erde aus gesehen große Gas- und Staubwolken die Sicht versperren – mit Infrarot läßt sich durch die Wolken hindurchblicken. [tj]

Quelle: DOI: 10.1093/mnras/stt1376

11.09.2013

Biologie Auch bei Pflanzen gibt es Hochspringer.

Die Sporen von Schachtelhalmen katapultieren sich aus eigener Kraft bis zu einem Zentimeter hoch in die Luft. Den Impuls dafür liefern bandartig gewundene Strukturen an der Außenhülle, die sich plötzlich entfalten und so wie Sprungfedern wirken können. Als Antrieb für diese sprunghafte Bewegung wirkt Forschern der Universität Grenoble zufolge die Veränderung der Luftfeuchtigkeit, wie sie im Fachblatt Proceedings of the Royal Society B berichten. Sinkt der Wassergehalt der Luft unter 75 Prozent, trocknen die Bänder aus und entfalten sich ruckartig. Wird es wieder feuchter, wickeln sich die Bänder auf. Die hohen Sprünge dienen der effektiven Verbreitung der Sporen. Diese können beim Sprung vom Wind erfasst und davongetragen werden. [mas, mst]

Quelle: Proc R Soc B (doi:10.1098/rspb.2013.1465)

Medizin In Deutschland gibt es wieder mehr Maserninfektionen.

In diesem Jahr hat es bereits fast zehn Mal so viele gemeldete Masernfälle gegeben wie im gesamten Jahr zuvor. Bis zum 1. September waren es nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums 1.542 Fälle. 2012 wurden insgesamt nur 165 Masernerkrankungen gemeldet. Die Zahlen unterliegen regelmäßigen Schwankungen. 2010 etwa waren es offiziellen Angaben zufolge 780 Maserninfektionen, 2001 hingegen mehr als 6000. [mst]

Quelle: Agenturen

Ozeanologie Preise sollen die Wissenschaft voranbringen.

Um die zunehmende Ozeanversauerung messen, analysieren und verstehen zu können, hat die X Prize Foundation zwei neue Wissenschaftspreise ausgelobt. Demnach sollen Forscher je eine Million US-Dollar erhalten, die besonders günstige beziehungsweise besonders genaue pH-Messgeräte für den Meereseinsatz entwickeln. Der Wettbewerb um den Wendy Schmidt Ocean Health Prize läuft über 22 Monate. Die X Prize Foundation wurde 1995 als Non-Profit-Organisation gegründet. Bekannt wurde die Stiftung 2004, als sie zehn Millionen US-Dollar für den ersten privaten suborbitalen Raumflug auszahlte, nachdem das SpaceShipOne eine Höhe von 100 Kilometern erreicht hatte. [mst]

Quelle: http://oceanhealth.xprize.org

Paläontologie Mosasaurier waren schnelle Schwimmer.

Bislang gingen Paläontologen davon aus, dass die bis zu 17 Meter langen Meeressaurier vor 90 bis 70 Millionen Jahren nur sehr langsam schwimmen konnten. Nun präsentieren schwedische Forscher der Universität Lund im Fachblatt Nature Communications den Fund einer gut erhaltenen Schwanzflosse, bei der noch Weichteile erhalten sind. Dies ermöglichte den Paläontologen erstmals eine Rekonstruktion des Heckantriebs. Demnach sei die Wirbelsäule der Mosasaurier in eine gegabelte Schwanzflosse übergegangen. Diese sei so geformt, dass die Tiere sich wellenförmig und schnell fortbewegen konnten - ähnlich der Schwimmbewegung heutiger Haie. [mst]

Quelle: Nature Communication (10.1038.ncomms3423)

Neurologie Erinnerungen können gezielt gelöscht werden.

Das berichten Forscher vom Scripps Research Institute in Florida. In einer Studie mit Mäusen gelang es ihnen, deren Erinnerung an die angenehme Wirkung von Methamphetamin aufzuheben. Alle anderen Erinnerungen blieben dabei intakt. Die Tiere waren mit einem Wirkstoff behandelt worden, der die Informationsspeicherung beeinflusst. Dabei verändern Nervenzellen ihre Form und gehen neue Verbindungen mit anderen Nervenzellen ein. Blockierten die Wissenschaftler diesen Prozess mit Hilfe des verabreichten Wirkstoffs, war auch die Erinnerung verschwunden. Die Ergebnisse könnten in Zukunft bei der Therapie von Drogenabhängigkeit oder Posttraumatischen Belastungsstörungen genutzt werden, um unerwünschte Erinnerungen aufzuheben, hoffen die Studienautoren. [mas, mst]

Quelle: Scripps Research Institute, PM

Neurologie Schärfe lässt die Lippen vibrieren.

Der Szechuanpfeffer wird in vielen asiatischen Küchen als scharfes Gewürz geschätzt. Bislang war unklar, ob und wie das für dieses Mittel charakteristische Prickeln auf Lippen und Zunge funktioniert. Forscher vom University College London haben diesen Vorgang genauer untersucht. Wie sie in den Proceedings B der britischen Royal Society schreiben, kommt es beim Kontakt von Pfeffer und Lippe zu Nervenreizen, die der Wirkung einer physikalischen Vibration entsprechen. Demnach prickelt der Pfeffer durchschnittlich mit einer Frequenz von 50 Hertz. Für diese taktile Wahrnehmung sind bestimmte Mechanorezeptoren verantwortlich, die so genannten Meißner-Körperchen. Den Forschern zufolge erzeugt der Pfeffer aber lediglich das Gefühl einer Vibration auf den Lippen, obwohl er selbst nicht im mechanischen Sinne vibriert, denn es handelt sich um eine sensorische und nicht um eine taktile Wahrnehmung. [mst]

Quelle: Pro R Soc B (doi:10.1098/rspb.2013.1680)

Astronomie Ein toter Himmelskörper entpuppt sich als Komet.

Der 1983 entdeckte Himmelskörper Don Quixote wurde bislang als steinähnlicher Asteroid eingestuft. Die US- Raumfahrtbehörde NASA revidiert diese Einschätzung nun nach neuen Beobachtungen mithilfe des Weltraumteleskops SPITZER. Demnach handelt es sich um einen aktiven Kometen mit Kohlendioxid und Wassereis. Die Aufnahmen des Infrarot-Teleskops zeigen einen schwachen Kometenschweif und eine Staub- und Gashülle um den Kern des Himmelskörpers. Don Quixote wird mit seinen 19 Kilometern Durchmessern bislang als drittgrößter erdnaher Asteroid geführt. Die Entscheidung über eine Neuklassifizierung fällt demnächst die Internationale Astronomische Union (IAU). [mst]

Quelle: NASA.gov

10.09.2013

Energie Energiewende ohne gut ausgebautes Stromnetz nicht möglich

Zu diesem Schluss kommt das Bundesumweltamt in Dessau. Die Experten hatten durchrechnen lassen, ob es möglich ist, in Deutschland ganze Kommunen autark mit Strom aus regenerativen Quellen zu versorgen. Das Ergebnis zeigt, dass einzelnen Dörfern das tatsächlich gelingen kann – aber nur unter besonders günstigen Bedingungen und unter Einsatz von Stromspeichern, die je nach Lage sehr groß und teuer ausfallen können. Städte und Industriebetriebe ließen sich lokal jedoch nicht mit Strom versorgen. Für deren Energiebedarf und um so wenig teure Speicher wie möglich bauen zu müssen, sei ein gut ausgebautes Stromnetz unverzichtbar. [gä]

Zoologie Mancher Buckelwal verbringt auch den Winter am Südpol

Und hält sich damit nicht an die Theorien, die Biologen über ihn entwickelt haben. Das berichten Forscher des Alfred-Wegener-Instituts. Biologen des Instituts hatten im April die Rufe eines Buckelwals auf dem 70. Breitengrad ausgemacht. Zu dieser Zeit sollten sich - der gängigen Theorie nach - alle Wale 7000 Kilometer entfernt in den warmen Gewässern Afrikas tummeln. Die so entdeckten Wale verstießen gleich auch noch gegen eine zweite Annahme: Sie tauchten viel zu weit südlich. Biologen waren sich sicher, dass Buckelwale auf der Jagd nach Krill nicht weiter als bis zum 60. Breitengrad nach Süden vorstoßen. Eine Analyse von Aufnahmen aus den vergangenen Jahren zeigte, dass Buckelwale auch schon 2008 und 2009 im östlichen Weddellmeer überwinterten. Eine stichhaltige Erklärung für dieses Verhalten haben die Meeresbiologen noch nicht. Die Wissenschaftler wollen nun anhand der Aufnahmen untersuchen, zu welcher Gruppe die Buckelwale zählen. [gä]

Quelle: Alfred-Wegener-Institut

Medizin Vogelgrippevirus H7N9 bindet sich sowohl an Zellen in der Nase als auch in der Lunge

Das ist eine Eigenschaft, die bei Vogelgrippeviren noch nicht beobachtet wurde, schreiben Forscher der Erasmus Universität, Rotterdam, im "AMERICAN JOURNAL OF PATHOLOGY". Das Virus könne damit sowohl die oberen Atemwege befallen und sich durch Niesen leicht weiter verbreiten, als auch schwere Lungenentzündungen hervorrufen. Die Forscher vermuten daher, dass das Virus H7N9 das Potenzial habe, eine Pandemie zu verursachen. Sie weisen allerdings darauf hin, dass weitere Untersuchungen über die Vorgänge in den Zellen folgen müssten, um das Gefahrenpotential besser abzuschätzen. Die Wissenschaftler stützen sich auf Laborversuche mit menschlichem Gewebe und mehreren verschiedenen Vogelgrippe-Viren. [gä]

Zoologie Söldner schützen pilzzüchtende Ameisen

Wandert die Königin einer diebischen Ameisenart bei den pilzzüchtenden Verwandten der Sericomyrex ein, fügt sie der Kolonie großen Schaden zu: die Wirte verlieren jungfräuliche Königinnen sowie einen Teil der Brut. Biologen hatten daher in der diebischen Ameisenart einen Parasiten gesehen. Zu Unrecht, schreiben jetzt Forscher der Universität Kopenhagen in "PNAS". Wird die Kolonie der Wirte von räuberischen Ameisen überfallen, werden die Parasiten zu Söldnern und verteidigen ihre Wirte viel besser, als diese selbst es könnten. Unter anderem versprühen sie eine giftige Substanz, die die Angreifer tötet – oder dazu führt, dass diese von ihren Artgenossen angegriffen werden. Ohne Schutz würde die Kolonie vollständig ausgeräubert. Die Forscher wollen nun untersuchen, ob die Sericomyrex die kämpferischen Plagegeister nur dulden, wenn gefährliche Räuber in der Nachbarschaft hausen. [gä]

Geophysik Auf dem Brocken erreicht die Fallbeschleunigung Lehrbuchwerte

Mit Fallbeschleunigung bezeichnen Geophysiker die Beschleunigung, die ein Gegenstand erfährt, wenn er zu Boden stürzt – und dabei nicht von der Luft gebremst wird. Sie beträgt im Mittel 9,81 Meter pro Sekunde Quadrat, schwankt aber geringfügig: Faktoren wie der Abstand zum Erdmittelpunkt oder die Rotation können die Fallbeschleunigung beeinflussen. Nicht aber auf dem Brocken: Messungen ergaben, dass sie auf dem 1141 Meter hohen Berg im Harz genau dem Lehrbuchwert entspricht. [gä]

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