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01.09.2014

Neurowissenschaft Die Fairness sitzt hinter der Stirn

Forscher der Universität von Kalifornien in Berkeley haben Hinweise darauf gefunden, dass Menschen mit Verletzungen oder Schäden in einer speziellen Region im Stirnhirn, dem dorso-lateralen präfrontalen Cortex, dazu neigen, sich eher egoistisch zu verhalten.

Die Forscher hatten Patienten Spiele durchführen lassen, in denen es darum geht, Geld gerecht aufzuteilen. Verglichen mit anderen Studienteilnehmern schummelten die Patienten mit Schäden im dorso-lateralen präfrontalen Cortex überzufällig häufig, um ihren eigenen Gewinn zu vergrößern. Offenbar sei die Hirnregion wichtig, um Ehrlichkeit und Fairness über das Eigeninteresse stellen zu können, schreiben die Forscher im Fachblatt "Nature Neuroscience". [mawi]

Quelle: Nature Neuroscience - Doi: 10.1038/nn.3798

Medizin Experimenteller Ebola-Impfstoff wird erstmals an Menschen getestet

Der Impfstoff sei vom US-amerikanischen Institut für Allergien und ansteckende Krankheiten (NIAID) gemeinsam mit dem Pharmahersteller GlaxoSmithKline entwickelt worden, teilten die Nationalen Gesundheitsinstitute NIH mit. Der Beginn der klinischen Studie sei wegen der grassierenden Ebola-Epidemie in Westafrika vorgezogen worden.

In den kommenden Tagen sollen 20 gesunde Erwachsene im Alter zwischen 18 und 50 Jahren geimpft werden. Die Forscher wollen herausfinden, ob der Impfstoff, der an Affen bereits erfolgreich getestet wurde, auch beim Menschen eine Immunantwort hervorruft. Außerdem prüfen sie, ob der Stoff auch unerwünschte Wirkungen hat.

Während der 48 Wochen dauernden Testzeit werden die Studienteilnehmer regelmäßig ärztlich untersucht. [mawi]

Psychologie Pflanzen in Büros steigern die Produktivität

Zu diesem Ergebnis kommen Forscher der Cardiff University. Sie hatten in zwei Bürogebäuden in Großbritannien und den Niederlanden in Büroräumen Pflanzen platziert. Von jedem Arbeitsplatz waren mindestens zwei Gewächse sichtbar.

Befragungen und die Analyse der Produktivität des Personals ergaben: In grün ausstaffierten Büroräumen waren die Beschäftigten zufriedener, sie berichteten von besserer Luftqualität und gesteigerter Konzentrationsfähigkeit. Die Produktivität lag um durchschnittlich 15 Prozent höher.

Aus früheren Studien ist bereits bekannt, dass der Anblick von Pflanzen Stress mildern und die Aufmerksamkeitsspanne steigern kann.

Arbeitgeber sollten ihre Neigung zu nüchternen Büros überdenken - zum Wohl der Beschäftigten und des Unternehmens, fordern die Wissenschaftler. [mawi]

Klimawandel An den Antarktis-Küsten steigt der Meeresspiegel besonders schnell an

Im südlichen Polarmeer sei der Wasserspiegel um acht statt um sechs Zentimeter angestiegen – und damit stärker und schneller als in anderen Regionen der Welt, berichten Forscher der Universität Southampton im Fachblatt "Nature Geoscience" nach der Auswertung von Satelliten-Aufnahmen aus den letzten 19 Jahren.

Die Ursache des Wasseranstiegs liege im Abschmelzen des antarktischen Eispanzers sowie von Gletschern. So gelangten jährlich an die 350 Milliarden Tonnen Süßwasser ins Meer. Das Süßwasser schwimme auf dem dichteren Salzwasser und führe so zu regionalen Meeresspiegelerhöhungen: vor allem vor der Westküste der Antarktis und entlang der antarktischen Halbinsel.

Die Forscher wollen sich jetzt genauer ansehen, welchen Einfluss das salzärmere antarktische Oberflächenwasser auf die Bildung von Eisbergen hat und auch auf die Wasserströme in den Weltmeeren. [mawi]

Quelle: BBC, Nature Geoscience

Gesundheit Weintrinken hilft dem Herzen offenbar weniger als gedacht

Regelmäßiger, moderater Konsum von Rot- oder Weißwein senkt nicht das Arteriosklerose-Risiko. Das ist das Ergebnis einer tschechischen Studie mit Namen "In Vino Veritas", die auf dem Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) in Barcelona vorgestellt wurde.

Die rund 150 Teilnehmer bekamen während der Studie fünfmal die Woche Pinot Noir oder Chardonnay-Pinot zu trinken – Frauen je 0,2 Liter, Männer je 0,3 Liter. Der Weinkonsum habe weder nach sechs noch nach zwölf Monaten einen positiven Einfluss gehabt auf die Blutfettwerte oder andere Marker für das Arteriosklerose-Risiko, berichten die Forscher der Universitäten Olmütz und Prag.

In den letzten 25 Jahren waren immer wieder Studien vorgelegt worden, die zu dem Ergebnis gekommen sind, dass moderater Weinkonsum vor Herz-Kreislauferkrankungen schützt. [mawi]

29.08.2014

Populationsgenetik Neues Bild von der Besiedlung der nordamerikanischen Arktis

Ein internationales Forscherteam berichtet heute im Fachmagazin "Science", dass die Region vor 6000 Jahren zum ersten Mal besiedelt wurde. Eine einzelne Gruppe von Menschen wanderte damals von Sibirien aus ein und begründete die Kultur der sogenannten Paläo-Eskimos. 4000 Jahre später wanderten dann verschiedene Gruppen ein, die die Vorfahren der heutigen indigenen Bevölkerung bildeten. Zwischen Paläo-Eskimos und Neuankömmlingen gab es offenbar keinen näheren Kontakt. Vor rund 700 Jahren verschwanden die Ureinwohner dann relativ schnell aus der Arktis. Die Ergebnisse der Studie beruhen auf der genetischen Untersuchung von menschlichen Überresten und von heute noch lebenden Individuen. [reu]

Quelle: DOI: 10.1126/science.1255832

Geophysik Der Bardarbunga ist ausgebrochen.

In der vergangenen Nacht hat der isländische Vulkan zum ersten Mal seit Beginn der seismischen Aktivitäten vor zwei Wochen Lava ausgespien. Isländische Wissenschaftler entdeckten nördlich des Gletschers Vatnajökull einen 900 Meter langen Riss, aus dem das Magma an die Oberfläche trat. Größere Mengen von Asche in der Luft wurden nicht festgestellt, so dass der Flugverkehr kaum beeinträchtigt wurde. Direkt über dem Vulkan gab es heute jedoch ein Flugverbot. Zwischenzeitlich galt Alarmstufe Rot. [reu]

Genetik Ebola gibt Genom preis

Ein internationales Forscherteam hat das Erbgut von knapp 100 Ebola-Viren der derzeitigen Epidemie entziffert. Die Variante aus Westafrika unterscheidet sich demnach an über 300 Stellen von den Erregern aus vorangegangenen Ausbrüchen, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt "Science". Zudem fanden sie rund 50 Mutationen, die das Virus im Lauf der Epidemie erworben hat. Aus den Daten sei nicht abzulesen, ob der aktuelle Ebola-Typ gefährlicher sei als die bereits bekannten Erreger, erklärten die Wissenschaftler. Sie hoffen allerdings, dass die nun veröffentlichte Genomsequenz dazu beitragen kann, neue Tests, Impfstoffe und Therapien zu entwickeln. Fünf der rund 60 Autoren der Studie sind an Ebola gestorben, bevor der Artikel veröffentlicht wurde. [reu]

Quelle: DOI: 10.1126/science.1259657

Astronomie Forscher finden ein galaktisches Schwergewicht.

Astronomen aus Schweden und Deutschland haben den massereichsten Stern in dem größten Sternentstehungsgebiet unserer Milchstraße entdeckt. Das Objekt wird als W49nr1 bezeichnet und besitzt zwischen 100 und 180 Mal soviel Masse wie unserer Sonne. Das berichten die Wissenschaftler im Fachblatt "Astronomy and Astrophysics". Von der Erde aus gesehen ist die galaktische Kinderstube des Sterns hinter dichten Staubwolken verborgen. Nur mit Hilfe von Infrarot-Beobachtungen gelang es daher, den Stern zu finden und zu bestimmen. Denn Infrarot-Licht kann den Staub weitgehend ungehindert durchqueren. Von der Entdeckung erhoffen sich die Astronomen neue Erkenntnisse über die Entstehung solcher Giganten. Bisher sind nur einige Dutzend Sterne dieser massereichen Klasse bekannt. [reu]

Quelle: DOI: 10.1051/0004-6361/201424154

Genetik Forscher finden die Gene der Zähmung.

Ein internationales Team von Biologen hat herausgefunden, wie sich das Erbgut des Wildkaninchens verändert hat, als es domestiziert wurde. Dabei fanden sie kleine Veränderungen in einer Vielzahl von Genen – anstelle von drastischen Änderungen in nur wenigen Erbanlagen. Beim Übergang vom Wild- zum Hauskaninchen sei die Art und Weise, wie die Gene aktiviert werden, sehr viel wichtiger als die reine Sequenz der DNA, schreiben die Forscher im Fachblatt "Science". Die Gene, die von den Änderungen betroffen sind, seien vor allem für die Entwicklung der Nerven und des Gehirns von Bedeutung. Das lege nahe, dass durch die Zähmung der Tiere bestimmte Verhaltensweisen selektiert wurden. [reu]

Quelle: DOI: 10.1126/science.1253714

28.08.2014

Entwicklungsbiologie Fische lernen laufen.

Als vor 400 Millionen Jahren die ersten Wirbeltiere das Land eroberten, mussten sie das Laufen lernen. Kanadische Forscher haben das nun in einem ungewöhnlichen Experiment nachgestellt. Sie zogen afrikanische Flösselhechte, die dank einer primitiven Lunge auch außerhalb des Wassers überleben können, konsequent auf dem Trockenen auf. Unter den ungewohnten Lebensbedingungen passten die Tiere ihren Körperbau an. Sie bewegten ihre verknöcherten Flossen näher am Körper und staksten darauf herum. Zudem hielten sie ihren Kopf höher. Die anatomischen Veränderungen spiegelten Entwicklungen hin zu den Landwirbeltieren wider, wie sie auch Fossilien zeigen, schreiben die Forscher im Wissenschaftsmagazin "Nature". [luh]

Quelle: DOI: 10.1038/nature13708

Implantologie Nasenknorpel wächst im Knie.

Knorpelschäden im Knie konnten bisher nur schwer wieder geheilt werden. Forscher der Universität Basel haben jetzt entdeckt, dass Knorpelzellen aus der Nasenscheidewand Gelenkknorpel ersetzen können. Es handelt sich zwar um andere Zelltypen, doch in ersten klinischen Versuchen erwiesen sich implantierte Knorpelzellen aus der Nase mit der Gewebeumgebung im Knie kompatibel. Nasale Knorpelzellen haben gegenüber Gelenkknorpel den großen Vorteil, dass sie nachwachsen können. Die Forscher entnahmen bei Probanden sechs Millimeter große Biopsien aus der Nasenscheidewand. Mit den daraus isolierten Knorpelzellen züchteten sie im Labor mehr als drei Zentimeter große Knorpelstücke, die sie ins Knie transplantierten. Die Studie ist im Fachblatt "Science Translational Medicine" erschienen. [luh]

Quelle: DOI: 10.1126/scitranslmed.3009688

Geophysik Tektonische Platten können schrumpfen.

Die tektonischen Platten, welche die Erdkruste bilden, sind nicht so starr, wie bisher gedacht. US-Geologen der Rice University haben durch Langzeitanalysen der Ränder der Pazifischen Platte und Modellrechnungen herausgefunden, dass die Platte mit der Zeit durch Abkühlung der obersten Gesteinsschichten schrumpft. Dieser Prozess ist für einen Teil der beobachteten Plattenverschiebung verantwortlich. Die Pazifische Platte bewegt sich jedes Jahr rund 50 Millimeter nach Nordwesten. Rund zwei Millimeter davon könnten auf Schrumpfungsprozesse zurückgehen, berichten die Forscher im Fachmagazin "Geology". Das Schrumpfen der tektonischen Platten könnte auch eine Ursache für Erdbeben darstellen. [luh]

Quelle: DOI: 10.1130/G35874.1

Physik Quantenfotografie liefert spukhafte Bilder.

Forscher der Universität Wien haben erstmals ein Objekt fotografiert, ohne dabei das für die Beleuchtung genutzte Licht selbst mit einem Fotosensor aufzufangen. Stattdessen rekonstruierten sie das Bild nur anhand von verschränkten Photonen, die gar nicht direkt mit dem Objekt in Kontakt kamen. Es handelt sich um Fotografie mit Hilfe der Quantenphysik. Wie die Wissenschaftler um Anton Zeilinger im Fachmagazin "Nature" berichten, generierten sie Paare von verschränkten Photonen. In der Quantenwelt bleiben verschränkte Teilchen auch über weite Distanzen hinweg miteinander verbunden. Bestrahlten die Forscher nun das Objekt mit einem Teilchen dieses Photonenpaares, konnten sie das andere getrennt davon mit einem Fotodetektor auffangen und darüber das Bild generieren. Durch die Verschränkung erhielten sie die gleichen optischen Informationen. [luh]

Quelle: DOI: 10.1038/nature13586

Archäologie Die Kanaaniter tranken gewürzten Wein.

Dass in der frühen Bronzezeit schon Wein gekeltert wurde, wussten Historiker schon länger anhand von Berichten auf Tontafeln jener Zeit. Doch greifbare Beweise dafür lieferte erst der Fund eines 3700 Jahre alten Weinlagers im Norden Israels im vergangenen Jahr. Es gehörte vermutlich einst zu einem Palast des Königs von Kanaan. Jetzt präsentieren israelische Forscher im Fachjournal "PLoS One" die Ergebnisse erster chemische Analysen der organischen Überreste in den Amphoren. Sie fanden nicht nur Spuren von Säuren, die typischerweise in Rotwein vorkommen. Der Wein wurde damals offenbar auch stark gewürzt getrunken – mit Zusätzen von Honig, Wacholderbeeren, Therebinth-Harz, Zedernöl und möglicherweise sogar Minze, Myrte und Zimt. [luh]

Quelle: DOI: 10.1371/journal.pone.0106406

27.08.2014

Biologie Forscher erschaffen ein Organ aus Bindegewebe

Der Thymus gilt als zentrales Organ des Immunsystems. Er lehrt in Säugetieren die weißen Blutkörperchen, zwischen körpereigenen und körperfremden Molekülen zu unterscheiden. Mediziner der Universität Edinburgh haben aus embryonalen Bindegewebszellen von Mäusen einen funktionalen Thymus gezüchtet, ohne dabei auf Stammzellen zurückzugreifen. Wie die Forscher in der Fachzeitschrift "NATURE Cell Biology" notieren, mussten sie lediglich das in der Maus normalerweise abgeschaltete Gen FOXN1 aktivieren. Wurden die derart behandelten Bindegewebszellen anschließend in die Nierenkapsel der Nager transplantiert, erwuchs daraus ein funktionaler Thymus.

Die Studienautoren hoffen, mithilfe dieser Methode in einigen Jahren auch menschliche Zellen in dieses Gewebe umwandeln zu können, um Patienten mit einem gestörten Immunsystem zu helfen.[Mst]

Quelle: Nature Cell Biology(10.1038/ncb3023)

Biologie Krebsforscher entwickeln ein flexibles Nano-Teilchen

Experten der University of California Davis haben Nanoteilchen synthetisiert, die sowohl als Kontrastmittel eingesetzt werden als auch Tumorzellen abtöten können. Die Forscher präsentieren die winzigen Partikel Namens Nanoporphyrin in der Fachzeitschrift "NATURE Communications". Das Material besteht aus Polyethylenglykol und Porphyrin-Molekülen, die mit der Aminosäure Cystein stabilisiert wurden.

Die Mediziner beluden Nanoporphyrin mit dem Krebswirkstoff Doxorubicin. In ersten Experimenten reicherten sich die Nanoteilchen in den Tumoren an, wo sie mit Licht aktiviert werden konnten. Ebenso gelang es den Forschern, die Nanoporphyrin-Teilchen mit Kontrastmitteln zu beladen. Die Mediziner hoffen, dass die Nano-Teilchen bald als Kandidat für neue Trägermaterialen für gezielte Krebstherapien getestet werden können.

Quelle: Nature Communications (10.1038/ncomms5712)

Astronomie Astronomen beobachten das Verschmelzen zweier Galaxien

Ein internationales Forscherteam hat eine Strahlungsquelle untersucht, die in ihrer Helligkeit durch eine Gravitationslinse im Vordergrund drastisch verstärkt wird. Die Strahlungsquelle H1429-0028, deren Licht acht Milliarden Jahre brauchte, um die Erde zu erreichen, entdeckten die Forscher mit dem Weltraumteleskop Herschel. Die Masse des Gesamtsystems schätzen sie auf rund 130 Milliarden Sonnenmassen.

Als sich die Wissenschaftler die Quelle bei unterschiedlichen Wellenlängen ansahen, bemerkten sie, dass es sich um ein System von verschmelzenden Galaxien mit einer hohen Sternentstehungsrate handelt, heißt es im Fachmagazin "Astronomy & Astrophysics".

Die Beobachtung einer Kohlenmonoxid-Emissionslinie mit dem Observatorium ALMA ergab zudem, dass einer der beiden Komponenten vermutlich rotiert.[Mst]

Quelle: Astronomy and Astrophysics (doi:10.1051/0004-6361-2014244410)

Psychologie Gemeinsames Marschieren lässt Feinde kleiner erscheinen

Dass der militärische Gleichschritt Soldaten zusammenschweißt, war schon länger bekannt. Jetzt haben Verhaltensbiologen aus Los Angeles
bei Experimenten eine weitere Auswirkung dieser Gangart entdeckt. Wie sie im Fachblatt "Biology Letters" schreiben, erscheinen den im Gleichschritt Marschierenden Feinde und bedrohliche Gestalten schwächer und kleiner.

Demnach haben jene, die synchron marschieren, weniger Angst und Respekt vor dem jeweiligen Gegner. Dies erkläre die Vorliebe des Militärs für synchrones Marschieren, so die Forscher. Sie warnen jedoch, dass diese Form der synchronen Bewegung etwa bei Polizeieinsätzen ungerechtfertigt aggressives Verhalten fördern könne.[Mst]

Quelle: Biology Letters (doi:10.1098/rsbl.2014.0592)

Umweltverschmutzung Illegale Müllfeuer verschlechtern die Luftqualität

Weltweit werden fast 41 Prozent aller Abfälle unkontrolliert verbrannt, schreiben US-Forscher im Fachblatt "Environmental Science and Technology". Sie hatten für jeden Staat der Erde Daten zu Bevölkerungszahlen und Müllproduktion sowie offizielle Statistiken zur Müllentsorgung gesammelt und hochgerechnet, wie viel Abfall nicht ordentlich entsorgt wird.

Demnach wird jedes Jahr eine Milliarde Tonne ungeregelt durch offenes Verbrennen entsorgt. Der höchste Anteil der durch Müllfeuer erzeugten Emissionen liegt demnach in China, gefolgt von Indien, Brasilien, Mexiko, Pakistan und der Türkei.

Diese Müllfeuer sind für 29 Prozent aller weltweiten Feinstaub-Emissionen, für zehn Prozent der Quecksilberbelastung und für 40 Prozent aller in der Atmosphäre registrierten polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK) verantwortlich.[Mst]

Quelle: www2.ucar.edu

Biologie Schon vor mehr als einer halben Milliarde Jahre gab es Muskeln

Paläontologen der Universität Cambridge haben in Neufundland die versteinerten Überreste eines frühen mehrzelligen Tieres entdeckt. Das Fossil ist 560 Millionen Jahre alt und so gut erhalten, dass sich deutlich feine Fasern des Muskelgewebes abzeichnen. Die wissenschaftliche Beschreibung des polypenähnlichen Tieres erscheint in den „Proceedings B" der britischen Royal Society.

Die Forscher benannten das Tier Haootia quadriformis. Es bestand aus einem trichterförmigen Körper, der aufrecht auf einer Art Grundplatte stand und nach oben in mehrere tentakelähnliche Anhänge mündete.

Auffällig sei auch die vierseitige Symmetrie. Dies spreche dafür, dass es sich um einen frühen Vertreter der Nesseltiere handelt - und damit schon um einen echten Mehrzeller, so die Forscher.[Mst]

Quelle: Pro R Soc B (doi: 10.1098/rspb.2014.1202)

26.08.2014

US-Verteidigung Ein Hyperschall-Geschoss der US-Armee ist abgestürzt

Vier Sekunden nach dem Start explodierte die sogenannte "Advanced Hypersonic Weapon" gestern über Alaska. Wie das US-Verteidigungsministerium mitteilt, habe man beim Start ein Problem festgestellt und die Mission abgebrochen.

Die Waffe stürzte auf den Startkomplex, von dem aus sie abgefeuert worden war. Verletzt wurde niemand.

Das Geschoss wird von einer Feststoffrakete angetrieben. Die Waffe soll mindestens fünffache Schallgeschwindigkeit erreichen können und den USA so erlauben, jedes Ziel auf der Welt innerhalb einer Stunde zu treffen.

Rauchen Die WHO bezieht Stellung gegen E-Zigaretten

In einem Bericht empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation, den Verkauf von E-Zigaretten an Minderjährige zu verbieten. Jugendliche würden verstärkt mit den elektronischen Inhalationsgeräten experimentieren. Von 2008 an habe sich ihr Gebrauch bei jungen Menschen innerhalb von vier Jahren verdoppelt.

Außerdem sollte die Benutzung von E-Zigaretten aus öffentlichen Räumen verbannt werden.

Als Begründung nennt die WHO, dass bislang nicht geklärt sei, welche Wirkung das ausgeatmete Aerosol auf Menschen im selben Raum hat. Im Gegensatz zu den Verlautbarungen in der Werbung, handele es sich dabei nicht um bloßen Wasserdampf, heißt es in dem Bericht.

Luftverschmutzung Chinas Holzöfen begünstigen Kreislauferkrankungen

Diese direkte Verbindung haben Forscher aufgezeigt, indem sie knapp 300 Frauen Geräte zur Analyse der Luftqualität tragen ließen.

Die Maschinen überwachten unter anderem den Anteil von pyrogenem Kohlenstoff in der Luft. Dieser Schadstoff wird bei der Verbrennung von Holz freigesetzt, etwa dann, wenn mit Holzöfen geheizt wird. Gleichzeitig ermittelten die Forscher Werte wie den Blutdruck oder das Gewicht der Frauen.

Im Magazin "PNAS" schreiben sie, dass der Kohlenstoff sich negativ auf den Blutdruck – und damit auf den Kreislauf der Frauen – auswirkte.

Die Arbeit soll Behörden helfen, Ziele zur Verbesserung der Luftqualität zu formulieren.

Fluoreszenz-Mikroskopie  Forscher bringen Zellen zum Leuchten

Und können so deren Oberfläche besonders genau betrachten.

Die Wissenschaftler aus Würzburg haben Zuckermoleküle mit einem fluoreszierenden Farbstoff verbunden. Diese Strukturen mischten sie in eine Nährlösung für menschliche Zellen, woraufhin die Zellen den Farbstoff in ihre Membran einbauten.

Mit speziellem Licht bestrahlt, leuchteten die Strukturen auf der Zelloberfläche kurz auf. Mit dieser Form der Fluoreszenz-Mikroskopie erreichten die Forscher zehn Mal bessere Auflösungen als mit bisherigen Methoden. Sie konnten Zell-Strukturen von einigen Nanometern Größe abbilden, schreiben sie im Magazin "Angewandte Chemie".

Das sei besonders bei der Erforschung von Infektionskrankheiten und Krebs von Interesse.

Multipler Sklerose Eine Spielekonsole verändert das Gehirn

Und könnte so Patienten mit multipler Sklerose helfen. Denn Menschen mit dieser Erkrankung des zentralen Nervensystems haben oft Probleme, ihr Gleichgewicht zu regulieren.

Mediziner ließen Multiple-Sklerose-Patienten mit dem so genannten Balance Board einer Spielekonsole trainieren. Dabei mussten die Probanden, den Anweisungen auf einem Bildschirm folgend, bestimmte Bewegungen auf dem Balancierbrett ausführen.

Nach zwölf Wochen verbesserte sich das Gleichgewichtsvermögen der Patienten, notieren die Wissenschaftler im Fachblatt „Radiology". Auch veränderten sich ihre Hirnregionen, die mit der Steuerung des Gleichgewichts in Verbindung stehen.

Laut den Forschern zeigen die Ergebnisse, dass sich aufgabenorientiertes Training eignet, um spezifische Symptome der Krankheit in den Griff zu bekommen.

Gehirnforschung Kinderhirne brauchen mehr Energie als der restliche Körper

US-Forscher haben mit verschiedenen bildgebenden Verfahren den Glukose-Verbrauch von Kinderhirnen ermittelt. Das erlaubte ihnen Rückschlüsse auf den Energieverbrauch der Gehirne. Die Daten vergleichen sie mit dem generellen Energieverbrauch der Kinder.

Demnach verbraucht das Gehirn im Alter von fünf Jahren zwei Drittel der Gesamtenergie, schreiben die Forscher im Fachmagazin "PNAS".

In dieser Phase erreicht der Energieverbrauch des Gehirns im Vergleich zum restlichen Körper sein Maximum. Es ist auch die Zeit, in der Kinder wenig wachsen.

Damit untermauern die Forscher die alte Vermutung, dass der Energiehunger des jungen Gehirns für die vergleichsweise lange Kindheit beim Menschen verantwortlich ist.

In dem Ergebnis spiegelt sich auch eine Alltagsbeobachtung wieder: Bei etwa fünf Jahre alten Kindern sei es schwer, das Alter anhand der Größe abzuschätzen, schrieben die Forscher. Man müsse das Sprachvermögen als Anhaltspunkt nutzen.

Das zeige, dass der Mensch sich in dieser Phase körperlich wenig weiterentwickle, dafür aber geistig.

 

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