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26.08.2015

Biologie Singvögel lernen im Zeitraffer.

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Ornithologie in Seewiesen wollten herausfinden, ob später geschlüpfte Kanarienvögel den arttypischen Gesang ähnlich gut lernen wie die Tiere, die sehr früh in der Brutsaison schlüpfen. Während sich früh geschlüpfte Kanarienvögel beim Lernen ihres Gesangs noch an vielen erwachsenen Vorbildern orientieren konnten, besaßen später geschlüpfte Tiere hingegen nur noch wenige oder überhaupt keine Gesangsvorbilder. Dennoch konnten die Wissenschaftler im Herbst keine Unterschiede mehr in der Gesangsqualität zwischen früh- und spätgeschlüpften Tieren feststellen, schreiben sie im Fachblatt Biology Letters. Offenbar lernten die bis zu drei Monate später geschlüpften Jungvögel den Gesang schneller als ihre älteren Artgenossen. [mst]

Quelle: Biology Letters (10.1098/rsbl.2015.0522)

Statistik Kurztitel sind erfolgreich.

Das gilt zumindest für wissenschaftliche Studien. Je kürzer ihr Titel, desto häufiger werden sie zitiert. Das berichten Datenwissenschaftler aus dem britischen Warwick im Fachmagazin Open Science der Royal Society. Sie hatten 140.000 wissenschaftliche Artikel untersucht und geschaut, wie häufig die Studien in anderen wissenschaftlichen Arbeiten zitiert wurden. Kurze Titel seien demnach leicht zugänglich und einfacher zu verstehen als lange, von Fremdwörtern wimmelnde oder verschachtelte Studientitel. Ein kurzer, prägnanter Titel erhöht demnach die Attraktivität einer Studie, schreiben die Forscher, räumen aber zugleich ein, dass Faktoren wie Daten, Aktualität und Prominenz der Autoren ebenfalls die Zitierhäufigkeit beeinflussen. [mst]

Quelle: Royal Society Open Science (10.1098/rsos.150266)

Paläontologie Schwermetall-Vergiftungen können zu Masseaussterben führen.

Einen derartigen Nachweis haben Paläontologen der Universität Erlangen-Nürnberg erbracht. Wie sie im Fachmagazin NATURE Communications schreiben, haben sie hohe natürlich verursachte Schwermetall-Belastungen im Vorfeld eines Aussterbeereignisses detektiert. Diese führten bei Mikroorganismen wie Plankton zu Fehlbildungen. Die Mutationen könnten wiederum als Vorboten einer Katastrophe gelten. Die Forscher hatten Bohrkerne untersucht, die 420 Millionen Jahre alte Ablagerungen enthielten. Die Mikrofossilien zeigen nicht nur Fehlbildungen, sondern weisen auch deutlich erhöhte Konzentrationen von Arsen, Blei und Mangan auf. Vermutlich wurden toxische Verbindungen durch sogenannte ozeanische anoxische Ereignisse aus Tiefsee-Sedimenten freigesetzt, gelangten an die Wasseroberfläche und bedingten dort schließlich die gehäuft auftretenden Fehlbildungen. [mst]

Quelle: Nature Communications (doi 10.1038/ncomms8966)

Astronomie Auf Ceres gibt es "Pyramiden".

Die Raumsonde Dawn hat neue Bilder des Zwergplaneten Ceres zur Erde gefunkt. Wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) mitteilte, sind darauf ein Krater, Bergrücken und eine riesige "Pyramide" zu sehen. Dabei handelt es sich um einen etwa sechs Kilometer hohen Berg, der einer Pyramide ähnelt. Dieser hat einen Durchmesser von bis zu zwölf Kilometern und zeigt ungewöhnliche Hangrutschungen, instabile Kraterwände und Gebirgsketten. Die Raumsonde ist nur noch 1.470 Kilometer von Ceres entfernt. Ende Oktober soll sie in ihren niedrigsten Orbit fliegen und in 375 Kilometern Höhe um den Himmelskörper kreisen. Ceres ist der kleinste bekannte Zwergplanet und das größte Objekt im Asteroidengürtel. [mst]

Quelle: DLR

Medizin Omega-3-Fettsäuren sind doch keine Alleskönner.

Denn entgegen früheren Vermutungen verlangsamen sie nicht den geistigen Verfall im fortgeschrittenen Alter. Das ist das Ergebnis einer Studie, die im Journal of the American Medical Association - JAMA - vorgestellt wird. Mediziner des US-amerikanischen Gesundheitsinstituts hatten 4.000 Freiwillige fünf Jahre lang untersucht. Die Probanden waren zu Studienbeginn durchschnittlich 72 Jahre alt. Studienziel war herauszufinden, ob die Einnahme von Omega-3-Fettsäuren dem altersbedingten geistigen Verfall entgegenwirkt. Nach Abschluss der Studie sahen die Experten keinen Unterschied innerhalb der Probandengruppen. Versuchsteilnehmer, die regelmäßig Omega-3-Fettsäuren oder andere Pflanzenstoffe eingenommen hatten, schnitten ebenso schlecht bei den Tests ab wie jene, die nur Scheinpräparate verabreicht bekommen hatten. [mst]

Quelle: JAMA/Eurekalert!

25.08.2015

Physik/Chemie Extremer Druck beeinflusst Verhalten von Elektronen

Ein internationales Forscherteam hat das in einem Rekord-Experiment gezeigt. Die Wissenschaftler setzten das Metall Osmium einem Druck von 770 Gigapascal aus. Es war der höchste Druck, der je in einem Labor bei Raumtemperatur erzeugt wurde. Er entspricht etwa dem doppelten Druck des inneren Erdkerns. Die Forscher stellten fest, dass sich die Kernelektronen des Metalls ungewöhnlich verhielten. Es handelt sich dabei um Elektronen, die sich in unmittelbarer Nähe der Atomkerne befinden und die nicht an chemischen Bindungen beteiligt sind. Unter dem hohen Druck blieben diese Elektronen nicht in ihren ursprünglichen Zuständen, sondern begannen miteinander zu interagieren. So beschreiben es die Forscher im Magazin "Nature". [hell]

Energie Forscher zeigen Grenzen von Windparks auf

Windkraftanlagen bremsen den Wind. Darum produzieren Turbinen umso weniger Strom, je weiter hinten sie in einem Windpark stehen. Forscher des Max-Planck-Instituts für Biogeochemie und internationale Kollegen haben diesen bremsenden Effekt jetzt mit Simulationen untersucht. So berechneten sie, wie viel Strom ein großer Windpark maximal produzieren könne. Für den mittleren Westen der USA sei das etwa ein Watt pro Quadratmeter, notieren die Wissenschaftler im Magazin "PNAS". Das liege deutlich unter den bisherigen Schätzungen, die die Bremswirkung der Windturbinen nicht berücksichtigen. [hell]

 

Zoologie Schimpansen stecken den Verlust ihres Lebensraums erstaunlich gut weg

Das zeigt eine Studie von amerikanischen und deutschen Forschern, die im Fachblatt "BMC Ecology" erschienen ist. Die Wissenschaftler untersuchten ein nicht geschütztes Gebiet in Uganda, das aus Wäldern, Dörfern und landwirtschaftlichen Flächen besteht. Dort sammelten sie den Kot von Schimpansen und untersuchten ihn genetisch. Sie kamen zu dem Schluss, dass in dem Gebiet etwa 300 der Tiere leben. Das sind drei Mal so viele wie bisher angenommen.

Das sei "erstaunlich", denn Ugandas Waldbestände seien in den letzten 20 Jahren um knapp 40 Prozent zurückgegangen, heißt es von der Erstautorin der Studie. Dass die Schimpansen dennoch so verbreitet seien, zeuge von ihrer Widerstandsfähigkeit. So könnten sie sich gut anpassen und etwa neue Nahrungsmittel in ihren Speiseplan einbauen. Dennoch sei die Zukunft der Schimpansen ungewiss, wenn sie nicht ausreichend geschützt würden, betont die Erstautorin. [hell]

Biologie Ein Enzym verhindert, dass sich Biofilme bilden

Bakterien können sich zu schleimigen Biofilmen zusammenschließen. Die lassen sich nur schwer beseitigen und werden zum Problem, wenn sie sich etwa auf medizinischem Gerät ausbreiten. Biologen aus den USA ist es nun gelungen, Bakterien am Bau der gefährlichen Schichten zu hindern. Dazu nutzten sie ein bestimmtes Enzym. Es hemmt das Signal, das die Bakterien zum Bau des Biofilms veranlasst.  Die Forscher haben ihre Ergebnisse im Magazin "PNAS" veröffentlicht. Sie könnten dazu dienen, neue Antibiotika, Desinfektionsmittel oder antibakterielle Beschichtungen zu entwickeln. [hell]

Medizin Biologen haben einen Verwandten des Hepatitis-A-Virus gefunden

Und zwar in Robben. Die Wissenschaftler untersuchten ein Influenzavirus, das vor vier Jahren rund 150 Robben vor der Ostküste der USA getötet hatte. Dabei entdeckten sie zufällig ein unbekanntes Virus. Es stellte sich als der bisher nächste Verwandte von Hepatitis A heraus.In drei anderen Robben-Arten fanden die Forscher das Virus ebenfalls. Die Entdeckung wirft neues Licht auf die Ursprünge von Hepatitis A. Sie zeigt etwa, dass Viren dieser Gattung nicht nur Menschen und andere Primaten befallen. Unklar ist noch, ob das Virus von Menschen auf die Robben überging oder umgekehrt, schreiben die Wissenschaftler in Magazin "mBio". Sie wollen nun in Arten, die in der Nähe von Robben leben, nach dem Virus fahnden.[hell]

24.08.2015

Naturschutz Geier-Restaurants sollen vom Aussterben bedrohten Vögeln helfen

In Indien, im Tierschutzgebiet Phansad im Bundesstaat Maharashtra hat ein sogenanntes Geier-Restaurant den Betrieb aufgenommen. Dort wird vom Aussterben bedrohten Bengal-Geiern alle drei bis vier Tage ein Kadaver ausgelegt: Ein Rind, ein Schaf oder eine Ziege.

Ein Massensterben hat vor zwei Jahrzehnten einen Großteil der Geier-Populationen ausgelöscht. Auslöser war das entzündungshemmende Schmerzmittel Diclofenac. Fraßen Geier tote Nutztiere, denen das Medikament  verabreicht worden war, starben die Vögel an Nierenversagen. Seitdem sind Bengalgeier - einst die wohl häufigste Greifvogelart der Welt - in Indien, Nepal und Pakistan vom Aussterben bedroht.

Naturschützer halten die Fütterung von Geiern für sinnvoll, da die ausgelegten Kadaver garantiert Diclofenac-frei sind. Andere Naturschützer wenden ein, Brut- und Auswilderungsprogramme könnten Geier effektiver vor dem Aussterben bewahren.

 

Quelle: mawi, 24.08.2015, Agenturen

Geologie Eine neue Karte zeigt die Antarktis in 3D

.Es handelt sich um die erste gedruckte Karte, die drei geografische Ebenen auf einmal abbildet und sich über eine Objekttiefe von 12.000 Metern erstreckt: vom Antarktischen Eisschild, zu den darunterliegenden Landmassen, bis hinab zu den Unterwassergebirgen des Südpolarmeeres. Entwickelt haben die 3D-Karte, die zur Zeit auf der 27. Internationalen Konferenz für Kartografie in Rio de Janeiro vorgestellt wird, Forscher der TU Dresden sowie des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung.

Den stellenweise an die 4800 Meter mächtigen antarktischen Eisschild bildet die Karte als türkisfarbene, wabenförmige Gitterstruktur ab. Der Betrachter kann daher durch die Waben hindurch auf die Gebirgszüge unterhalb des Eises blicken. Unter dem antarktischen Eisschild, so die Forscher, erstrecke sich nicht eine geschlossene Landmasse sondern ein zerklüfteter Kontinent mit vielen Inseln und Gebirgen.

 

Quelle: mawi, 24.08.2015, idw-Ticker

NASA Curisosity hat ein Selfie zur Erde geschickt

Der Mars-Rover Curiosity hat erstmals wieder seinen Steinbohrer verwendet, seit ihn im Februar ein Kurzschluss beschädigt hatte. Der Rover nahm Proben eines Steins mit Namen "Buckskin" – also "Wildleder". Das Gesteinspulver wird jetzt im bordeigenen Labor untersucht. Der Boden in der Umgebung des Steins enthalte ungewöhnlich viel Silizium und Wasserstoff, teilte die NASA mit. Der Wassergehalt sei hier drei- bis viermal höher als bei bislang untersuchten Mars-Böden.

Curiosity hat auch ein aktuelles Selbstportrait gesendet. 64 Einzelbilder sind zu einem großen Kompositbild mit räumlicher Krümmung zusammengesetzt. Diesmal zeigt das Bild den Rover aus der Froschperspektive.

 

Quelle: mawi, 24.08.2015, NASA

Erdbeben Landschaften verfügen über Selbstheilungskräfte

Erdbeben verursachen in Gebirgsregionen häufig Hangrutschungen. Durch starke Regenfälle können diese noch verstärkt werden. An steilen Hängen nehmen diese Massenverlagerungen im Lauf der Zeit allerdings ab, berichtet ein deutsch-französisch-japanisches Forscherteam im Fachblatt "Geology". Selbst nach starken Erdbeben schwinge sich die Aktivität der Hangrutschungen im Verlauf von ein bis vier Jahren wieder auf den Ausgangszustand vor dem Erdbeben ein.

Die durch das Erdbeben entstandene Destabilisierung der Landschaft baue sich nach und nach ab. Risse schlössen sich wieder oder würden mit Sand und Erde verfüllt. Die Landschaft heile ihre Unterlage selbsttätig.

doi:10.1130/G36961.1

Quelle: mawi, 24.08.2015, Geology

Klima Über den Städten Westafrikas nimmt die Luftverschmutzung zu

In Westafrika wächst die Bevölkerung besonders schnell. Zur Zeit leben dort 340 Millionen Menschen, um 2050 wird es mehr als 800 Millionen Einwohner geben. Vor den Folgen einer wachsenden Luftverschmutzung warnt die Studie einer internationalen Forschergruppe im Fachblatt "Nature Climate Change".

Das Klima Westafrikas werde wesentlich von einem empfindlichen Monsunsystem bestimmt, das Wind, Temperatur, Wolken- und Niederschlagsbildung beeinflusse. Schnell wachsende Städte wie Lagos in Nigeria, Accra in Ghana und Abidja in der Elfenbeinküste produzierten große Mengen schädlicher Aerosole. Die Zunahme dieser kleinsten Partikel in der Atmosphäre könne sich auf Wolkenbildung und Sonneneinstrahlung auswirken – und so Veränderungen bei Niederschlägen und Temperatur zur Folge haben.

Dies könne Folgen für die Gesundheit der Bevölkerung sowie die Ernährungssicherheit haben.

Für ein besseres Verständnis der Zusammenhänge zwischen Luftverschmutzung, Klima und regionalen Auswirkungen des weltweiten Klimawandels sei intensivere Forschung dringend erforderlich, mahnen die Forscher.

 

http://nature.com/articles/doi:10.1038/nclimate2727

Quelle: mawi, 24.08.2015, Nature Climate Change, DOI: 10.1038/nclimate2727

21.08.2015

Physik US-Forscher stellen Kohlefasern aus Treibhausgas her

Kohlenstoff-Nanofasern sind ein begehrter Zusatz für Leichtbaumaterialen. Ihre Produktion durch Pyrolyse ist allerdings ausgesprochen energie-intensiv. US-Forscher haben jetzt ein Verfahren entwickelt, mit dem sie Kohlendioxid aus der Luft einfangen und in Nanofasern aus Kohlenstoff umwandeln können – angeblich bei nur einem Hundertstel der Energiekosten.

Wie die Forscher bei der Jahrestagung der American Chemical Society in Boston berichteten, nutzen sie einen mit Solarstrom betriebenen Reaktor. Er besteht aus einem mit heißen, geschmolzenen Lithiumsalzen gefüllten Aluminiumtank, durch den über zwei Elektroden ein schwacher Strom geleitet wird. Die Salzschmelze bindet CO2 aus der Luft. Durch eine Elektrolysereaktion lagern sich dünne Kohlenstoff-Nanofasern an einer der Elektroden ab.

Die Apparatur im Labormaßstab produziert derzeit 10 Gramm Nanofasern pro Stunde. [luh]

Quelle: ACS / BBC / Welt der Physik

Medizin Ein neuer HIV-Test liefert deutlich früher ein Ergebnis

Bisher mussten Betroffene drei Monate warten, bis sie ein sicheres Ergebnis eines HIV-Tests bekommen konnten. Mit einem neuen Testverfahren können sie jetzt schon nach sechs Wochen Gewissheit erhalten. Die zuständigen medizinischen Fachgesellschaften hätten die Wartefrist schon entsprechend angepasst, teilte die Deutsche Aids-Hilfe heute in Berlin mit.

Das kürzere Zeitfenster bis zur validen Diagnose ist dank eines empfindlicheren Verfahrens möglich.

Der sogenannte Ag-Ak-Kombinationstest prüft sowohl auf Antikörper als auch Antigene.

Der Test kann Antikörper früher und sicherer nachweisen als frühere Versionen. Zudem wird im Blut nach einem bestimmten Virusprotein als Antigen gesucht. [luh]

Quelle: Agenturen

Klima Der Juli war der heißeste Monat seit Beginn der Aufzeichnungen 1880

Im weltweiten Durchschnitt wurden 16,61 Grad Celsius gemessen. Das haben Wissenschaftler der US-amerikanischen Wetterbehörde NOAA auf Basis globaler Messungen bekannt gegeben. Der bisherige Julirekord stammte aus dem Jahr 1998, lag aber um knapp ein Zehntel Grad niedriger als die aktuelle Marke.

Die Forscher rechnen mittlerweile fest damit, dass das Jahr 2015 insgesamt als das bisher wärmste Jahr in die neuere Wettergeschichte eingehen wird. Nicht nur der Juli, sondern die ersten sieben Monate des Jahres zusammen betrachtet lieferten schon neue Rekordwerte.

Als Auslöser für die aktuellen Temperaturrekorde gelten der globale Klimawandel, verstärkt durch das zyklische regionale Klima-Phänomen "El Niño". Dabei erwärmt sich das Oberflächenwasser großer Teile des Pazifiks sehr stark und sorgt weltweit für Wetterkapriolen. [luh]

Quelle: Agenturen / NOAA

Medizin Bakterien in der Lunge bilden isolierte Populationen

Viele Patienten mit der Erbkrankheit Mukoviszidose leiden unter bakteriellen Atemwegserkrankungen. US-Forscher haben beobachtet, dass Antibiotika-Behandlungen bei ein und demselben Patienten in verschiedenen Teilen der Lunge unterschiedlich gut wirken.

Wie die Forscher im Magazin Cell Host & Microbe berichten, zeigten Analysen, dass alle Bakterien der untersuchten Art Pseudomonas aeruginosa in der Lunge eines Patienten in der Regel den gleichen genetischen Ursprung besitzen. Doch über die Zeit entwickeln sich die Bakterienpopulationen in einzelnen Lungenbereichen isoliert voneinander weiter. So bilden sie unterschiedliche Eigenschaften aus. Das kann die Behandlung der chronischen Begleitinfektionen von Mukoviszidose deutlich erschweren. [luh]

Quelle: Cell Host & Microbe, doi: 10.1016/j.chom.2015.07.006

Biologie Rotkehl-Hüttensänger rufen bei Straßenlärm lauter – wenn es sein muss

Der Mensch prägt seine Umwelt durch einen Lärmteppich, der von Verkehr und Industrie verursacht wird. Biologen von der University of Exeter haben beobachtet, dass Rotkehl-Hüttensänger, eine Vogelart aus der Familie der Drosseln, gegen diesen Lärm geradezu anschreien – allerdings nur bei Bedarf.

In einem Experiment platzierten die Forscher Hüttensänger-Männchen mal in lärmbelasteten, dann wieder in ruhigen Umgebungen. Die Vögel reagierten auf Lärm, indem sie lauter und in schrilleren Tönen sangen. In ruhiger Umwelt hingegen waren sie leiser und nutzten tiefere Frequenzen für ihren Gesang.

Schon länger ist bekannt, dass viele Vögel in Siedlungsgebieten ein verändertes Gesangsverhalten zeigen. Allerdings konnten frühere Studien nicht belegen, ob es sich um eine dauerhafte, evolutorische Anpassung handelt, oder ob die Tiere flexibel auf den Lärm reagieren.

Die Studie ist im Fachmagazin Integrative and Comparative  Biology erschienen. [luh] 

        

Quelle: Integr. Comp. Biol., doi: 10.1093/icb/icv070

20.08.2015

Neurowissenschaftler Bei blinden Kindern reagiert die Sehrinde auf Töne

Neurowissenschaftler der Johns Hopkins Universität haben die Gehirnaktivität von Kindern ab 4 Jahren mit der funktionellen Magnetresonanztomographie überwacht, während sie Musik , Geräusche und menschliche Stimmen in bekannter und unbekannter Sprache hörten. Bei blinden Kindern reagierte der „visuelle Cortex" deutlich, vor allem auf Sprache. Bei Kindern, die sehen konnten und sei es auch nur eingeschränkt, reagierte dieser Gehirnbereich nicht.

Im "Journal of Neuroscience" resümieren die Forscher: Das Gehirn sei als Computer zu denken, mit einer Festplatte, die zum programmieren aber auch reprogrammieren bereit sei. Bei Blinden übernehme die Sehrinde einfach schon

[Tj]

Quelle: früh eine andere Funktion.

Kohlendioxidausstoß Möglicherweise stößt China weniger Co2 aus als alle denken

Ein internationales Forscherteam hat jetzt ausgerechnet, dass die CO 2 Bilanz für 2013 um 14 Prozent nach unten korrigiert werden müsse. In absoluten Zahlen bedeutet das: China hat 1,3 Milliarden Tonnen Kohlendioxid weniger freigesetzt. Diese Menge entspricht dem Anderthalbfachen der deutschen Emissionen im selben Jahr.

Die Erklärung der Forscher in NATURE: Emissionsfaktoren, die bislang benutzt wurden, um den Kohlendioxidausstoß zu schätzen, waren falsch. So ist die Kohle, die China für die Stromproduktion und in der Industrie verfeuert schlechter als angenommen und enthält weniger Kohlenstoff, dafür mehr Asche. Dadurch reduziert sich der Co2 Ausstoß pro verbrauchter Tonne um durchschnittlich 40 Prozent.

 

Quelle: Nature: doi: 10.1038/nature14677

Gutachten Bei der Begutachtung von Wissenschaftspublikationen wurde offenbar gemogelt

Das hat eine Überprüfung von Fachartikeln ergeben, die der Wissenschaftsverlag Springer veröffentlicht hat. Als Reaktion darauf hat der Verlag jetzt 64 Artikel zurückgezogen.  Die Gutachten zu den betroffenen Aufsätzen waren offenbar nicht von seriösen Fachgutachtern erstellt worden,  die üblicherweise Gehalt und Methodik wissenschaftlicher Artikel überprüfen. Stattdessen stammen sie von Betrügern. Die Autoren der Aufsätze scheinen unschuldig zu sein. Vermutlich habe eine Agentur die Fäden gezogen, die den Fachautoren beim Verfassen der Aufsätze zur Seite stehen sollten. Das sagte ein Sprecher Verlagssprecher gegenüber dem Weblog "retractionwatch.com".

Auch andere Verlage mussten in der Vergangenheit Fachveröffentlichungen wegen falscher Gutachten zurückziehen.

 

[Tj]

Quelle: Süddeutsche.de, retractionwatch.com

Biologie Wie groß sind die Ausmaße der "Pflanzenverschleppung" ?

Diese Frage beantwortet die weltweit erste Bestandsaufnahme, über die NATURE berichtet. Einer internationalen Studie zufolge wurden weltweit bereits über 13.000 Pflanzenarten vom Menschen verschleppt. Das entspricht rund 3,9 Prozent der weltweiten Flora. Nordamerika hat die meisten eingebürgerten Pflanzenarten, gefolgt von Europa. Hier ist jede vierte Pflanzenart eingeschleppt.

Allerdings: Europa ist auch der größte "Pflanzenexporteur". Im Zuge der Kolonialisierung wurden viele Pflanzen in andere Erdteile mitgenommen.

 

Quelle: NATURE doi: 10.1038/nature14910 und idw

Medizin-Studie Je mehr man arbeitet, desto höher ist das Risiko eines Schlaganfalls

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die in der Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlicht wurde. Dafür wurden 17 Einzeluntersuchungen mit über einer halben Million Probanden ausgewertet. Danach haben diejenigen, die zwischen 41 und 48 Stunden arbeiten, bereits ein um 10 Prozent erhöhtes Schlaganfallrisiko gegenüber Kollegen, die weniger arbeiten. Bei 49-54 Stunden pro Woche war die Gefahr sogar um 27 Prozent gestiegen. Alle anderen Risikofaktoren - wie Rauchen, Alkoholkonsum oder mangelnde körperliche Bewegung – waren bereits herausgerechnet worden.

Auch das Risiko für Herzgefäßerkrankungen steigt mit der Zahl der Wochenarbeitsstunden. Das belegt die Analyse von 25 Einzelstudien aus Europa, den USA und Australien. Ihr Ergebnis: Bei einer 55  Stundenwoche steigt das Risiko für Herzgefäßerkrankungen um 13 Prozent.

[Tj]

 

 

Quelle: The Lancet DOI: http://dx.doi.org/10.1016/S0140-6736(15)60295-1

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