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09.03.2016

Biologie Ein Computerprogramm erkennt Pflanzenkrankheiten

Pilzbefall und andere Pflanzenkrankheiten machen sich oft durch typische Verfärbungen von Blättern, Blüten und Stängeln bemerkbar. Bonner Forscher haben ein computergestütztes Verfahren entwickelt, mit der sich diese Symptome automatisiert erkennen lassen. Dabei kommen Methoden aus der computergestützten Bild- und Dokumentenanalyse zum Einsatz, wie sie zum Beispiel Google bei der Inhaltsanalyse von Webseiten einsetzt.

Für eine Diagnose werden Pflanzen mit sogenannten Hyperspektral-Sensoren aufgenommen. Das Ergebnis ist wie ein Digitalfoto, das aber viel differenziertere Informationen über die von den Pflanzen reflektierten Wellenlängen einer Lichtquelle liefert.

Da erkrankte Pflanzen je nach der Art eines Befalls Licht anders reflektieren als gesunde, kann der verwendete Algorithmus auf Bildern die zugehörigen Krankheiten erkennen und sogar zwischen verschiedenen Stadien ihrer Entwicklung unterscheiden.

Die Forscher stellen die Methode im Magazin Scientific Reports vor.

Quelle: Scientific Reports, doi: 10.1038/srep22482

Vogelwelt Kohlmeisen kennen Grammatik

Nicht nur Menschen verbinden Wörter in definierten Reihenfolgen, um bestimmte Dinge zu auszudrücken. Auch Japanische Kohlmeisen kommunizieren nach sprachähnlichen Regeln. Das haben Biologen aus Japan und der Schweiz beobachtet.

Die Warn- und Signalrufe der Japanischen Kohlmeise folgen einer spezifischen Syntax. Die Reihenfolge der Signale bestimmt, wie Artgenossen darauf reagieren. Das haben die Forscher mit Tonexperimenten herausgefunden. Die Forscher spielten eine von den Kohlmeisen genutzte Kombination von Alarm- und Werberufen mal in der richtigen, mal in einer gefälschten Abfolge ab. Die Artgenossen zeigten nur dann eine Reaktion, wenn die Rufe mit der korrekten Syntax erklangen.

Die Studie ist in der Fachzeitschrift Nature Communications erschienen.

Quelle: Nature Communications, doi: 10.1038/ncomms10986

Ichtyosaurier Ein Klimawandel führte zum Aussterben der Fischsaurier

Ichthyosaurier waren prähistorische Meeresechsen, die ähnlich aussahen wie Delfine und zur Zeit der Dinosaurier die Weltmeere bevölkerten. Allerdings starben sie rätselhafterweise vor 93 Millionen Jahren aus – also rund 28 Millionen Jahre, bevor das eigentliche große Sauriersterben auf der Erde einsetzte.

Was genau zu ihrem Ende führte, dazu haben britische Forscher jetzt im Fachmagazin "Nature Communications" eine neue Theorie präsentiert. Demnach erwiesen sich die Ichthyosaurier als zu wenig anpassungsfähig, als vor rund 100 Millionen Jahren ein Klimawandel die marinen Ökosysteme schnell veränderte. Damals erwärmten sich die Ozeane, die polaren Eiskappen schmolzen und der Meeresspiegel stieg stark an.

Quelle: Nature Communications, doi: 10.1038/ncomms10825

Klima Der CO2-Gehalt der Atmosphäre steigt schneller

Eine CO2-Messstation auf dem inaktiven Vulkan Mauna Loa auf Hawaii hat einen neuen Rekord verzeichnet. Das CO2-Level im Februar dieses Jahres lag durchschnittlich um 3,76 ppm höher als noch im Februar 2015. Das ist der höchste jemals über ein Jahr hinweg verzeichnete Anstieg. Der Maßstab "ppm" steht für Teile pro Millionen Teile Luft. Der Gesamtanteil des CO2 in der Atmosphäre liegt derzeit bei rund 404 ppm.

Als Grund für den starken Zuwachs sehen Forscher der US-Klimafachbehörde NOAA zum einen die vom Menschen verursachten CO2-Emissionen, zum anderen das im vergangenen Jahr stark ausgeprägte Klimaphänomen El Niño. Wegen ausbleibender Regenfälle im Pazifikraum gab es zum Beispiel in Indonesien große Waldbrände.

Auch wenn der Einfluss des El Niño nur vorübergehend ist, rechnen die Forscher damit, dass der CO2-Gehalt der Atmosphäre auch in Zukunft weiter beschleunigt ansteigen wird.

Quelle: NOAA / New Scientist

Zika-Virus Die WHO warnt Schwangere vor Reisen in Zika-Gebiete

Die Reisewarnung fußt auf einer neuen Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation, wonach das Zika-Virus gefährlicher ist als bisher angenommen. Zwar fehlten weiterhin letzte Beweise dafür, dass das Virus Schädelfehlbildungen bei Neugeborenen verursacht. Doch mittlerweile sei klar, dass das Virus auch die Plazenta und das Nervensystem schädigen könne, gab die WHO-Direktorin Margaret Chan bekannt.

Grund zur Sorge sei auch, dass der Erreger häufiger als bisher angenommen durch Geschlechtsverkehr übertragen werden könne. Zika ist bisher in mehr als 50 Ländern nachgewiesen worden. Das Virus wird vor allem von Steckmücken übertragen. Die WHO hatte wegen der Ausbreitung des Zika-Virus vor allem in Brasilien vor fünf Wochen den globalen Gesundheitsnotfall ausgerufen.

Biologie Ein Schmetterling sieht farbiger

Kolibrifalter in Indonesien können nicht so scharf sehen wie wir Menschen, dafür haben ihre Augen andere herausragende Qualitäten. Japanische Forscher berichten im Magazin "Frontiers in Ecology and Evolution", dass die Kolibrifalter in jedem Auge mindestens 15 Arten von Photorezeptoren besitzen.

Normalerweise kommen Schmetterlinge mit nur vier Rezeptortypen fürs Farbensehen aus. Jeder dieser Rezeptoren nimmt einen anderen Farbbereich des Lichtspektrums wahr, darunter auch Ultraviolett. Warum gerade Kolobrifalter ein so viel differenzierteres Farbensehen entwickelten, ist noch ein Rätsel.

Die Forscher vermuten, dass manche der Rezeptoren den Kolobrifaltern dazu dienen, feinste Farbunterschiede in den blau gemusterten Flügeln ihrer Artgenossen zu unterscheiden.

Quelle: Frontiers in Ecology and Evolution, doi: 10.1126/science.aaf14164

07.03.2016

Medizin Bluttest könnte Hautkrebspatienten vor Rückfall warnen

Tumorzellen geben Bruchstücke des Erbmoleküls DNA in den Blutstrom ab. Britische Krebsforscher am Manchester Institute haben Blutproben von Patienten mit einem fortgeschrittenen Hautkrebs untersucht. Bei den Melanompatienten hatte eine erste Behandlung gut gewirkt. Im Bluttest konnten die Forscher ablesen, ob der Krebs unter Kontrolle blieb oder ob neue Erbgutveränderungen in den Krebszellen entstanden waren. Solche Mutationen in Genen wie NRAS oder PI3K seien ein sicheres Zeichen dafür, dass der Tumor unempfindlich geworden ist für die ursprüngliche Behandlung, berichten die Forscher im Fachblatt "Cancer Discovery".

Der Bluttest eigne sich als Frühwarn-Test. Die Behandlung könne dann umgestellt werden, bevor der Tumor unerkannt weiter wachse. Es handelt sich um eine kleine Studie mit nur sieben Patienten. Ob das Konzept tatsächlich aufgeht, muss noch in größeren Studien gezeigt werden. [mawi]

 

Zoologie Australische Biologin ruft zur Erforschung "hässlicher" Tierarten auf

Koalas und Kängurus sind die bekanntesten Tiere Australiens - und auch die am besten erforschten. Die vielen anderen Säugetiere, die weniger nett anzusehen seien, fänden in der Forschung nicht ausreichend Beachtung, beklagt die Biologin Trish Fleming von der westaustralischen Murdoch University. Australiens Säugetiere würden inoffiziell in "gute" Arten, "schlechte" wie die vom Menschen eingeführten Katzen und Kaninchen sowie "hässliche" Arten wie einheimische Fledermäuse und Nagetiere eingeteilt, schreibt die Forscherin im Fachblatt "Mammal Review".

Solche Tiere - etwa die Australische Gespenstfledermaus - würden weitgehend ignoriert. Es sei aber wichtig, ihre Fress- und Fortpflanzungsgewohnheiten und die Auswahl ihrer Lebensräume zu dokumentieren. Ansonsten könnten diese Arten unwissentlich durch Eingriffe in die Umwelt in Gefahr gebracht werden. Seit Beginn der Besiedlung Australiens durch Europäer sind bereits 20 Säugetierarten ausgestorben. 20 weitere gelten als stark bedroht. [mawi]

 

Paläontologie Kleine Echsen sind in 99 Millionen Jahre altem Bernsteinen konserviert

Bislang war nur ein einziger Bernstein aus der Kreidezeit bekannt, in dem ein Fragment eines urzeitlichen Geckos konserviert ist. Forscher der Sam Houston State University in Huntsville haben jetzt etwa 99 Millionen Jahre alte Bernsteine aus Burma untersucht. Sie identifizierten insgesamt zwölf unterschiedliche Arten, die zu fünf verschieden Entwicklungslinien der Schuppenkriechtiere gehören. Darunter seien Frühformen der Agamen, der Geckos sowie der Chamäleons, schreiben die Forscher im Fachblatt "Science Advances".

Die Forscher kombinierten CT- und Mikroskopie-Verfahren und konnten so filigrane Strukturen wie kleine Knöchelchen, Haut und Weichteile der Echsen sichtbar machen. [mawi]

Quelle: Science Advances

Paläontologie Kleine Echsen sind in 99 Millionen Jahre altem Bernsteinen konserviert

Bislang war nur ein einziger Bernstein aus der Kreidezeit bekannt, in dem ein Fragment eines urzeitlichen Geckos konserviert ist. Forscher der Sam Houston State University in Huntsville haben jetzt etwa 99 Millionen Jahre alte Bernsteine aus Burma untersucht. Sie identifizierten insgesamt zwölf unterschiedliche Arten, die zu fünf verschieden Entwicklungslinien der Schuppenkriechtiere gehören. Darunter seien Frühformen der Agamen, der Geckos sowie der Chamäleons, schreiben die Forscher im Fachblatt "Science Advances".

Die Forscher kombinierten CT- und Mikroskopie-Verfahren und konnten so filigrane Strukturen wie kleine Knöchelchen, Haut und Weichteile der Echsen sichtbar machen. [mawi]

Quelle: Science Advances

Medizin Langzeitkosten für Aids-Programme sind hoch

... und für die am stärksten betroffenen Länder im südlichen Afrika unbezahlbar, haben Harvard-Forscher aus Boston berechnet.

Die Wissenschaftler haben Modellrechnungen für die neun Länder erstellt, in denen 70 Prozent der HIV-Infizierten Afrikas leben. Wenn Früherkennungs- und Behandlungsprogramme auf heutigem Niveau durchgeführt würden, würde dies bis zum Jahr 2050 etwa 98 Milliarden US-Dollar kosten. Wenn verstärkt Aids-Tests angeboten würden und alle Infizierten direkt behandelt würden, stiegen die Kosten bis 2050 auf etwa 261 Milliarden US-Dollar.

Die Zahl der Neuinfektionen ließe sich so dramatisch senken, schreiben die Forscher im "British Medical Journal". Das Problem: Länder wie Äthiopien, Malawi, Tansania, Uganda oder Zimbabwe könnten einen Ausbau der Test- und Behandlungsprogramme aus eigener Kraft nicht finanzieren. Internationale Hilfe ist gefragt. Das Problem einer nachhaltigen und verlässlichen Finanzierung sei noch ungelöst, mahnen die Forscher. [mawi]

IT-Sicherheit Auch Apple-Nutzer sind nicht mehr sicher vor Verschlüsselungs-Trojanern

Ein KeRanger genannter Schädling kann Computer mit dem OS-X-Betriebssystem befallen. Anschließend verschlüsselt er die Daten des Nutzers und gibt sie erst nach Zahlung eines Lösegelds in Höhe eines Bitcoins frei.

KeRanger ist der erste voll funktionsfähige Verschlüsselungstrojaner für Macs. Er ist vom IT-Sicherheitsunternehmen Palo Alto Networks entdeckt worden. KeRanger sei "huckpack" mit dem Programm "Transmission" in Version 2.90 verteilt worden. Wie der Schädling in das Programmpaket eingeschleust werden konnte, ist noch unklar. Der Hersteller hat mittlerweile die aktualisierte Version 2.92 bereitgestellt, die den Schädling aus dem System entfernt.

Verschlüsselungstrojaner, auch Ransomware genannt, gelangen willkürlich auf die Zielrechner und erpressen die Betroffenen. In den vergangenen Wochen rollte eine sehr große Welle dieser Schädlinge meist als unscheinbarer E-Mail-Anhang getarnt durchs Netz. Getroffen wurden unter anderem PCs diverser Krankenhäuser, die ihren Betrieb in Teilen einstellen mussten. Zu den Geschädigten zählen auch zahlreiche weitere Unternehmen und private Anwender. [jr]

 

04.03.2016

Astronomie Weltraumteleskop Hubble hat die bislang fernste Galaxie entdeckt

Sie ist 13,4 Milliarden Lichtjahre entfernt. Das Licht des bisherigen Rekordhalters benötigte 13,2 Milliarden Lichtjahre zu uns. Hubble sieht die Galaxie mit Namen GN-z11 so, wie sie gerade mal 400 Millionen Jahre nach dem Urknall war. Die junge Galaxie sei 25 Mal kleiner als die Milchstraße und leuchte überraschend hell, wie Forscher des Space Telescope Science Institute in Baltimore mitteilten. [jst]

 

Geologie Der grönländische Eispanzer wird dunkler

Seit den letzten zwei Jahrzehnten absorbiere er dadurch mehr Sonnenlicht, was zu seinem Abschmelzen beitrage, berichten US-Forscher im Fachmagazin "The Cryosphere". Sie hatten Satellitenbilder von 1981 bis 2012 ausgewertet. Die Schneeoberfläche der Eismassen werde bis zum Ende des Jahrhunderts etwa zehn Prozent weniger Sonnenlicht reflektieren können als heute, die Eismassen erwärmen sich also weiter. Als Ursache für den dunkler werdenden Schnee sehen die Wissenschaftler weniger herbeigewehte Rußpartikel als vielmehr das Abschmelzen der oberen Schneeschicht. Darunter befinden sich dunklere Schichten aus Staubteilchen. Hinzu kommt: Wenn Schnee schmilzt und wieder gefriert, werden die Kristalle größer und können mehr Sonnenstrahlung absorbieren – das Abschmelzen beschleunigt sich. [jst]

 

Geologie Der grönländische Eispanzer wird dunkler

Seit den letzten zwei Jahrzehnten absorbiere er dadurch mehr Sonnenlicht, was zu seinem Abschmelzen beitrage, berichten US-Forscher im Fachmagazin "The Cryosphere". Sie hatten Satellitenbilder von 1981 bis 2012 ausgewertet. Die Schneeoberfläche der Eismassen werde bis zum Ende des Jahrhunderts etwa zehn Prozent weniger Sonnenlicht reflektieren können als heute, die Eismassen erwärmen sich also weiter. Als Ursache für den dunkler werdenden Schnee sehen die Wissenschaftler weniger herbeigewehte Rußpartikel als vielmehr das Abschmelzen der oberen Schneeschicht. Darunter befinden sich dunklere Schichten aus Staubteilchen. Hinzu kommt: Wenn Schnee schmilzt und wieder gefriert, werden die Kristalle größer und können mehr Sonnenstrahlung absorbieren – das Abschmelzen beschleunigt sich. [jst]

 

Robotik Forscher bauen kriechenden, leuchtenden Mini-Roboter

Das Besondere daran: Seine flexible Außenhaut aus Silikon ist fünf Mal dehnbarer als bisherige Entwicklungen, wie amerikanische und italienische Wissenschaftler heute im Fachblatt "Science" berichten. Der wurmartige Roboter besteht aus drei Kammern, in jeder befindet sich eine Licht emittierende Schicht, die aufleuchtet, wenn sich der Roboter kriechend vorwärts bewegt.

Solch eine elastische Haut, die ihre Farbe ändert, könnte eines Tages bei Robotern zum Einsatz kommen, die ihre Umgebung beobachten und dann Menschen zum Beispiel über mögliche Gefahren informieren. [jst]

Wissenschaft  Streit um die Reproduzierbarkeit psychologischer Studien

Im August 2015 erschien eine Veröffentlichung im Fachmagazin "Science", die für erhebliches Aufsehen sorgte: 270 Forscher aus aller Welt, zusammengeschlossen in der Open Science Collaboration, hatten 100 Studien, die in Psychologie-Fachmagazinen veröffentlicht worden waren, ein zweites Mal durchgeführt. Das Ergebnis: Weniger als die Hälfte der ursprünglichen Ergebnisse konnte bestätigt werden.

Nun hat sich ein Team von US-Psychologen diese Wiederholungsstudien der Open Science Collaboration genauer angesehen und kommt in der heutigen "Science"-Ausgabe zu dem Schluss: Den Kollegen seien bei den Wiederholungsstudien statistische Fehler unterlaufen, die Reproduzierbarkeit psychologischer Studien sei ihrer Meinung nach recht hoch.

Schon in der aktuellen Science kontern die Wissenschaftler der Open Science Collaboration: Sie werfen den US-Psychologen methodische Fehler in deren Arbeit vor. [jst]

Medizin Toxoplasmose bleibt bei Neugeborenen oft unentdeckt

Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Robert-Koch-Instituts in Berlin. Berechnungen zufolge müsste es in Deutschland jährlich 345 Neugeborene mit Beschwerden geben, die durch den Erreger Toxoplasma gondii ausgelöst werden. Gemeldet werden aber nur 8 bis 23 Fälle jährlich.

Zwar würden die Symptome nach der Geburt erkannt, aber meist nicht auf diesen Erreger zurückgeführt. Toxoplasmose kann für Neugeborene gefährlich werden, wenn die Mutter mit dem Erreger infiziert ist und ihn dann auf das Baby überträgt. Es kann zu Fehlgeburten oder schweren Nervenschäden kommen, allerdings nur in einem Bruchteil der Fälle. Der Toxoplasmose-Erreger wird vor allem durch Katzen und den Konsum von rohem Fleisch verbreitet. [jst]

03.03.2016

Insekten Eine kleine Libelle ist Weltmeisterin im Weitflug

Das passenderweise Wanderlibelle heißende Insekt ist nur wenige Zentimeter groß, überquert aber offenbar Ozeane und legt dabei tausende Kilometer zurück. Das berichten Forscher der Rutgers University im Fachmagazin "Plos One".

In Laboruntersuchungen hatten die Biologen entdeckt, dass sich das genetische Profil von Wanderlibellen in Kanada, Südamerika, Japan und Indien stark ähnelt. Daraus schließen sie, dass sich Tiere von unterschiedlichen Kontinenten miteinander paaren und so einen gemeinsamen, weltweiten Genpool bilden.

Vermutlich nutzen die Insekten Winde, um die weiten Strecken segelnd zu überwinden.

Die Libellen wandern feuchtem Wetter hinterher, vermuten die Forscher. Das benötigen die Tiere, um sich fortzupflanzen.

Bislang galten Monarchfalter als Rekordhalter für Insektenwanderungen. Die Schmetterlinge fliegen mehrere tausend Kilometer aus den USA in ihr mexikanisches Winterquartier.

Quelle: Plos One http://dx.doi.org/10.1371/journal.pone.0148949

Strahlung Es kann auch mehrfach blitzen

"Fast Radio Bursts" nennen Astronomen blitzartige Strahlungsausbrüche in den Tiefen des Kosmos. Bislang wurden die extragalaktischen Radiosignale als Einzelereignisse beschrieben. Dementsprechend wurden einmalige Phänomene als Ursache vermutet – zum Beispiel eine Supernova. In "Nature" beschreiben jetzt Astronomen erstmals mehrere FRBs aus derselben kosmischen Quelle.

Die Forscher hatten Daten des Arecibo-Teleskops in Puerto Rico analysiert und stießen auf elf Strahlungsausbrüche desselben Ursprungs. Dabei könnte es sich um einen rotierenden Neutronenstern handeln, vermuten die Forscher.

Die Studie muss nicht im Widerspruch zu vorangegangenen stehen. Es könne auch mehrere Klassen von FRBs mit unterschiedlichem Ursprung geben, schlussfolgern die Astronomen.

Quelle: Nature DOI 10.1038/nature17168

Tierwelt Vögel nutzen Alligatoren als Schutz – und helfen ihnen damit

In den Tropen brüten Reiher, Ibisse oder Löffler über den Ruheplätzen von Krokodilen, um Nesträuber wie Waschbären und Opossums abzuschrecken. Wissenschaftler der University of Florida berichten nun im Fachmagazin "Plos One", dass auch die Reptilien davon profitieren: Sie fressen offenbar Küken, die überforderte Vogel-Eltern bei großen Gelegen aus dem Nest fallen lassen.

Die Forscher hatten etwa 40 Alligatoren-Weibchen in den Sumpfgebieten der Everglades untersucht. Nur ein Teil der Tiere lagerte unter Vogel-Nestern. Blutproben und Körpermaße zeigten: Die Krokodile unter den Nestern waren im Durchschnitt in besserer Verfassung als ihre vogelfreien Artgenossen.

Die Alligatoren lebten ansonsten unter ähnlichen Umweltbedingungen.

In den gesamten Tropen träten brütende Vögel und Krokodile gemeinsam auf, schreiben die Forscher. Die artübergreifende Verbindung könne daher eine wichtige ökologische Rolle spielen.

Quelle: Plos One doi:10.1371/journal.pone.0149572

Hirnaktivität Forscher entwickeln einen Hirn-gesteuerten Rollstuhl

In der Vergangenheit konnten Affen bereits mit Hilfe von Hirn-Maschine-Schnittstellen künstliche Gliedmaßen bewegen. Jetzt haben Wissenschaftler eine drahtlose Schnittstelle entworfen, mit der Affen einen Roboter-Rollstuhl über ihre Gehirn-Aktivität navigieren können. Die Studie erscheint heute im Fachmagazin "Scientific Reports".

Die Neurowissenschaftler implantierten zwei Rhesusaffen Elektroden, die die Hirnaktivität registrierten, und mit einer Sendeeinheit verbunden waren. Um aus der Hirnaktivität die Rollstuhlbewegung zu dekodieren, saßen die Affen zunächst im Stuhl und beobachteten passiv, wie er sich im Raum bewegte. Anschließend steuerten die Tiere den Stuhl selbstständig nur mit Hilfe der Hirn-Maschine-Schnittstelle von einer Startposition zu einer ausgelegten Weintraube.

Die Forscher hoffen, dass künftig ähnliche Schnittstellen gelähmten Patienten zu neuer Mobilität verhelfen könnten.

Quelle: Scientific Reports DOI 10.1038/srep22170

Tako-Tsubo-Syndrom  Auch frohe Ereignisse können Menschen das Herz brechen

Hinter dem Tako-Tsubo-Syndrom steckt eine plötzlich auftretende Schwächung des Herzmuskels. Dadurch bläht sich die linke Herzkammer ballonartig auf. Die Folgen können tödlich sein. Als Ursache galten bislang stressreiche, negative Ereignisse wie der Tod eines Verwandten, weshalb es auch Gebrochenes-Herz-Syndrom genannt wird. Jetzt schreiben Mediziner im "European Heart Journal", dass das Syndrom auch durch positive Erlebnisse eintreten kann.

Die Forscher sichteten eine internationale Datenbasis und fanden knapp 500 Fälle des Syndroms mit eindeutig emotionalem Auslöser. Überraschenderweise hatten 20 Patienten die Herzprobleme nach freudigen Erfahrungen entwickelt: der Geburt eines Enkelkindes oder dem Sieg des Lieblings-Rugby-Teams.

In fast allen Fällen litten Frauen zwischen 65 und Anfang 70 unter dem Syndrom.

Die körperlichen Ursachen sind unklar. Eventuell führen die emotionalen Ereignisse zu einer Überaktivierung von Hormonen.

Quelle: European Heart Journal DOI: http://dx.doi.org/10.1093/eurheartj/ehv757

02.03.2016

Astronomie Wir sollten uns bei Außerirdischen auf diejenigen konzentrieren, die uns sehen können

So lautet die Empfehlung zweier Astronomen aus Deutschland und Kanada im Magazin "Astrobiology". Wenn fremde Lebewesen unser Sonnensystem beobachten sollten, könnten sie aus bestimmten Perspektiven sehen, wie sich die Erde vor die Sonne schiebt. Aus Analysen unserer Atmosphäre könnten sie dann erkennen, dass es Leben auf der Erde geben muss. Das würde sie motivieren, Kontakt mit uns aufzunehmen. Dieser Blick auf unsere Erde ist jedoch nur aus bestimmten Orten in unserer Galaxie möglich. Auf diese Orte sollte man sich konzentrieren, wenn man nach Signalen von Außerirdischen horcht, empfehlen die Forscher. [hell]

Quelle: http://www.nature.com

Schlafforschung Kreativität kommt nicht im Schlaf

Forscher aus Freiburg ließen 60 Probanden Aufgaben lösen, die Rückschlüsse auf deren Kreativität erlauben. Ein Teil der Gruppe absolvierte die Tests abends und durfte danach schlafen, ein anderer Teil musste wach bleiben und ein dritter Teil der Gruppe machte die Tests morgens und verbrachte danach einen normalen Tag. Nach acht Stunden wiederholten die Forscher die Tests. Das Ergebnis: Wer schlafen durfte, der erinnerte sich besser an bereits korrekt gelöste Aufgaben.  Jedoch waren die "Schläfer" nicht besser darin, neue Aufgaben korrekt zu lösen. Das zeige, dass Schlaf zwar beim Lernen, nicht aber beim kreativen Denken helfe, resümieren die Wissenschaftler im Fachblatt "Sleep". [hell]

Quelle: http://www.journalsleep.org/ViewAbstract.aspx?pid=30497

Genetik Forscher haben ein Graue-Haare-Gen gefunden

Das internationale Team analysierte für seine Studie das Erbgut von über 6.000 Menschen. Die Wissenschaftler waren auf der Suche nach Genen, die die Eigenschaften der Haare bestimmen. Wie sie im Fachblatt "Nature Communications" schreiben, fanden sie dabei erstmals ein Gen, das beim Ergrauen der Haare eine Rolle spielt. Das gefundene Gen regelt die Produktion und die Lagerung von Melanin. Dieses Pigment bestimmt die Farbe von Haaren, Haut und Augen. Den Einfluss des Gens zu verstehen, könnte neuen kosmetischen Anwendungen den Weg ebnen. Die Arbeit könnte aber auch die Verbrechensbekämpfung voranbringen: Sie hilft dabei, das Aussehen von Menschen anhand von deren DNA-Spuren zu bestimmten. [hell]

Quelle: http://nature.com/articles/doi:10.1038/ncomms10815

Internetsicherheit Eine Verschlüsselungsaltlast macht das Internet unsicher

Wer im Internet einkauft, Bankgeschäfte erledigt oder Emails verschickt, kennt das kleine grüne Schloss. Es taucht in der Adressleiste des Browsers auf und bedeutet: Die Daten, die man zum Server des Online Shops oder der Bank schickt, sind mit den Protokoll TLS verschlüsselt. Doch diese Verbindung ist nicht immer sicher. Wie Forscher aus Deutschland, Israel und den USA herausgefunden haben, lässt sie sich auf jedem Dritten Server aushebeln. Der Grund: Auf diesen Servern schlummert SSLv2 – eine unsichere Vorgängerversion von TLS. Sie bietet ein Einfallstor für Hacker, die so Benutzernamen, Passwörter oder Kreditkartennummern erbeuten können. Die Forscher raten Webadministratoren daher, das alte SSLv2 auf ihren Servern zu deaktivieren. [hell]

Quelle: https://drownattack.com/; https://idw-online.de/de/news646991

Zoologie Deutsche und iranische Forscher haben neue Flohkrebsarten entdeckt

Die iranischen Wissenschaftler hatten Flohkrebse im Norden ihres Landes untersucht, konnten sie aber nicht eindeutig einzelnen Arten zuordnen. Auf Einladung kamen sie mit knapp 190 Flohkrebsen nach Deutschland, um die Tiere per DNA-Analyse zu untersuchen. Zunächst dachten die Forscher, neun verschiedene Arten dabei zu haben. Wie sich herausstellte, waren es jedoch 42 Arten. Über 90 Prozent davon waren der Wissenschaft bisher unbekannt, berichten die Forscher in den "Scientific Reports". Der überwiegende Teil der neuen Spezies wurde an nur einem Ort gefunden. Einige der neuen Arten seien akut bedroht, heißt es von den Wissenschaftlern. Sie können den iranischen Behörden nun einen Überblick geben, welche Arten besonders selten und schützenswert sind. Bedroht seien die Flohkrebse, weil der Pflanzenbewuchs an den Ufern ihrer Flüsse immer weiter zurückginge und weil andere Tierarten sie verdrängten. [hell]

Quelle: http://www.nature.com/articles/srep22507

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