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05.04.2016

Genforschung Rauchen während der Schwangerschaft hinterlässt Spuren im gesamten Genom

Wenn Schwangere rauchen, hinterlässt das Spuren im Erbgut des heranwachsenden Kindes. Es entstehen dann epigenetische Veränderungen. Das sind chemische Markierungen, die bestimmte Gene an- und abschalten. Forscher aus Leipzig und Heidelberg haben nun herausgefunden, dass diese Veränderungen nicht auf einzelne DNA-Regionen begrenzt sind. Sie ließen sich vielmehr im gesamten Erbgut finden. Das berichten die Forscher im Fachmagazin "Molecular Systems Biology".

Solche epigenetischen Veränderungen bei den Föten können nach Aussagen der Forscher zu einem erhöhten Risiko von Lungenerkrankungen führen.

Quelle: idw, Molecular Systems Biology http://dx.doi.org/10.15252/msb.20156520 bif16040

Neurowissenschaften Schlaflosigkeit spiegelt sich im Gehirn

Bei Menschen mit Schlafstörungen haben Forscher aus China Auffälligkeiten in der Weißen Substanz des Gehirns gefunden. Bündel von Nervenfasern, die verschiedene Bereiche des Gehirns miteinander verbinden, seien bei diesen Patienten beeinträchtigt. Das berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin "Radiology". Die Kommunikation zwischen den Gehirnregionen könne dadurch gestört werden.

Betroffen seien auch Faserbündel im Thalamus, der eine wichtige Rolle für die innere Uhr des Menschen spiele.

Untersucht hatten die Forscher 23 Menschen mit einer primären Schlafstörung, die nicht durch sekundäre Faktoren beeinflusst wird, etwa durch eine andere Krankheit.

Quelle: Radiology, Eurekalert bif160405f.docx

Archäometrie Bakterien markieren Hannibals Alpenüberquerung

Ein internationales Forscherteam glaubt die Stelle zu kennen, wo der antike Feldherr Hannibal während des zweiten Punischen Krieges die Alpen überquert hat. Die Stelle befinde sich an der heutigen Grenze zwischen Frankreich und Italien am Gebirgspass "Col de la Traversette" in rund dreitausend Metern Höhe. Das berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin "Archeometry".

Sie stützen sich auf Untersuchungen an einer Bodenschicht vor Ort. Sie hatten Proben von dort mikrobiologisch und chemisch untersucht. Die gefundenen Hinterlassenschaften stammen offensichtlich von Pferden. Darauf weisen langlebige Bakterien aus der Gattung der Clostridien hin. Sie konnten datiert werden auf einen Zeitraum, in dem der zweite Punische Krieg stattfand.

Als Hannibals Truppen die Alpen überquerten, führten sie nicht nur knapp vierzig Elefanten mit sich, sondern auch Tausende von Pferden und Maultieren.

Quelle: Archeometry, Eurekalert, DOI: 10.1111/arcm.12231

Chemie Die kleinste Diode der Welt basiert auf DNA

Forscher aus Israel und den USA präsentieren im Fachblatt "Nature Chemistry" die kleinste Diode der Welt. Dieses elektronische Bauelement besteht aus einem einzigen Molekül der Erbsubstanz DNA. Es wirkt wie ein Ventil, das Ladungen nur in eine Richtung passieren lässt. Das Molekül haben die Wissenschaftler mit einem Schaltkreis verbunden, der nur wenige Nanometer misst. Damit der Stromfluss nur in einer Richtung erfolgt, mussten die Forscher noch ein weiteres organisches Molekül in die DNA einlagern.

Sie hoffen, dass elektronische Elemente auf Basis einzelner Moleküle dabei helfen können, die heutige Halbleitertechnologie auf Basis von Silizium eines Tages zu ersetzen.

Quelle: Nature Chemistry, Eurekalert doi:10.1038/nchem.2480

Paläontologie Ein krebsartiges Tierchen nahm seinen Nachwuchs an die Leine

Britische und US-amerikanische Forscher haben die fossilen Überreste eines kleinen Urzeittierchens gefunden, das seine Nachkommen auf besondere Art schützte: Der kleine Gliederfüßer, der im Wasser lebte, zog seinen eingekapselten Nachwuchs an Fäden hinter sich her - so wie Drachen an Schnüren. Von keinem anderen Tier sei ein solches Vorgehen bekannt, schreiben die Forscher im Fachmagazin "PNAS".

Das Tier lebte vor rund 430 Millionen Jahren in England. Es war ungefähr einen Zentimeter lang. Die zehn Nachkommen in den Kapseln seien unterschiedlich weit entwickelt gewesen. Die Forscher vermuten, dass sich diese Methode der Brutpflege im Lauf der Evolution nicht bewährt habe und deshalb wieder verschwunden sei.

Quelle: PNAS, DOI: 10.1073/pnas.1600489113

Umwelt Ein Pilz springt auf wilde Hummeln über

Der einzellige Parasit Nosema bombi, der für das Massensterben von Hummeln mitverantwortlich ist, dürfte von Zuchthummeln auf wildlebende Stämme übergesprungen sein. Das berichten US-Forscher im Fachmagazin PNAS.

Zu Beginn der 1990er Jahre hatte der parasitäre Pilz kommerziell gezüchtete Hummelkolonien befallen und zum großen Teil ausgelöscht. Diese Insekten waren genutzt worden, um in Treibhäusern Tomaten zu bestäuben. Kurze Zeit nach diesem Hummelsterben sei Nosema bombi auch bei wilden Hummeln aufgetreten, argumentieren die Forscher. Das könne durch Hummeln aus naturkundlichen Sammlungen belegt werden.

Quelle: PNAS, DOI: 10.1073/pnas.1525266113

Medizin Eine Therapie mit Antikörpern aus dem Labor kann vor dem Junin-Virus schützen

Das berichtet ein internationales Forscherteam im Fachmagazin PNAS. Das Junin-Virus tritt vor allem in Argentinien auf. Es verursacht schwere Fieberanfälle, die mit Blutungen einhergehen und häufig tödlich verlaufen. Übertragen wird es von Nagetieren.

Ein gezielt hergestellter Antikörper konnte nun infizierte Meerschweinchen vor den Folgen der Krankheit bewahren. Der Schutz sei umfassend, selbst wenn die Antikörper sechs Tage nach der Infektion verabreicht würden, berichten die Wissenschaftler.

Bisher mussten Menschen, die sich mit dem Junin-Virus angesteckt hatten, mit dem Blutplasma von Überlebenden behandelt werden. Das steht aber selten in ausreichender Menge zur Verfügung.

Quelle: PNAS, DOI: 10.1073/pnas.1600996113

04.04.2016

Biologie Bonner Forschern ist eine bislang unbekannte Mücke in die Falle geflogen

Die Trauermücke wurde im Garten des Zoologischen Forschungsmuseums Alexander Koenig mithilfe einer automatisierten Falle entdeckt. Daher erhielt sie auch den wissenschaftlichen Namen Ctenosiara alexanderkoenigi.

Die Trauermücke weise eine kontrastreiche Färbung auf und unterscheide sich deutlich von den drei bekannten europäischen Arten der Gattung aber auch von den außereuropäischen Arten. Die meisten Arten, mehrere Hundert, lebten in der australasiatischen Region, einige wenige zudem in China und Japan, berichten die Forscher des Leibniz-Instituts für Biodiversität der Tiere im Fachblatt "Biodiversity Data Journal".

Trauermücken sind für den Menschen harmlos, sie stechen nicht. Die Larven der Mücken gelten als Pflanzenschädlinge, da sie sich bevorzugt von Pflanzenwurzeln ernähren.

Quelle: Biodiversity Data Journal

Biologie Hormone aus der Pille machen aus Amphibien-Männchen Weibchen

Ethinyl-estra-diol ist ein synthetisches Östrogen, das häufig in Verhütungspillen verwendet wird. In Kläranlagen wird es nur unvollständig abgebaut und gelangt so in Gewässer. Forscher vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei haben die Wirkung des Östrogens auf die Geschlechts-Entwicklung bei drei Amphibienarten untersucht: beim Afrikanischen Krallenfrosch, beim Laubfrosch sowie der Wechselkröte.

Besonders empfindlich reagierte der Afrikanische Krallenfrosch. Ab einer bestimmten Hormon-Konzentration im Wasser sei es bei allen genetisch männlichen Tieren zu einer Geschlechtsumkehr zu weiblichen Tieren gekommen, berichten die Forscher im Fachblatt "Scientific Reports".

Die Verweiblichung von Populationen könne zum Aussterben von Amphibienarten beitragen, so die Forscher. Sie betonen aber auch, dass die Empfindlichkeit gegenüber dem Östrogen bei verschiedenen Amphibienarten unterschiedlich ausgeprägt ist.

Quelle: Scientific Reports, DOI:10.1038/srep23825

Technik Forscher entwickeln einen Baukasten für künstliche Moleküle

Wissenschaftler der ETH Zürich und von IBM in Rüschlikon haben eine Technik entwickelt, mit der sich aus Mikrokügelchen komplexe Objekte herstellen lassen. In Polymerschablonen mit winzigen Vertiefungen werden nach und nach Kügelchen mit genau definierten Eigenschaften deponiert. Schritt für Schritt lassen sich so größere Objekte aufbauen. Durch kurzes Erhitzen werden die Kügelchen miteinander verbunden.

So ließen sich kontrolliert Mikroobjekte mit präzise definierten magnetischen, nicht-magnetischen und unterschiedlich geladenen Bereichen konstruieren, berichten die Forscher im Fachblatt "Science Advances".

Möglicherweise ließen sich so künftig etwa winzige Mixer konstruieren oder Mikro-Fahrzeuge, die sich in einem elektrischen oder magnetischen Feld vorwärtsbewegen. Bislang sind die Objekte aus Kunststoff oder Siliziumdioxid-Kügelchen zusammengesetzt. Die Methode lasse sich aber auf jedes Material anpassen, auch auf Metalle, betonen die Forscher.

Quelle: Science Advances, doi: 10.1126/sciadv.1501779

Medizin Japanische Forscher haben Haut mit Haaren aus Stammzellen gezüchtet

Die neue Haut bestehe aus drei verschiedenen Gewebeschichten. Darin eingebettet seien Haarfollikel, Schweißdrüsen, Nervenenden und Blutgefäße, berichten die Forscher aus Tokyo, Kobe und Sendai im Fachblatt "Science Advances"

Die Forscher hatten Zahnfleischzellen von Mäusen reprogrammiert. Diese undifferenzierten Stammzellen ließen sie im Labor zu verschiedenen Zelltypen und Geweben heranreifen - mit Hilfe eines speziellen Wachstumsfaktors mit Namen Wnt10b. Die Gewebestücke pflanzten sie Nacktmäusen unter die Haut. Unter dem Einfluss der natürlichen Zellumgebung bildete sich das komplexe Hautgewebe, und es sprossen auch Haare. Die Zahl der Haarfollikel und Haare war jeweils anhängig von der Dosierung des Wachstumsfaktors.

Die Technik könnte helfen, neue Behandlungen für Menschen mit Verbrennungen, Narben oder Haarausfall zu entwickeln, hoffen die Wissenschaftler. Die im Labor gezüchtete Haut ermöglicht auch Kosmetiktests ohne Tierversuche.

Quelle: Science Advances, doi: 10.1126/sciadv.1500887

Klima Vor zehn Millionen Jahren war der Arktische Ozean im Sommer eisfrei

Ein internationales Forscherteam unter Leitung des Alfred-Wegener-Instituts hat mit Hilfe von Bodenproben Teile der Klimageschichte des Arktischen Ozeans rekonstruiert. Die Sedimentproben hatten sie vor zwei Jahren am Westhang des Lomonossow-Rückens genommen, einem großen Unterseegebirge in der zentralen Arktis.

Die zentrale Arktis war vor sechs bis zehn Millionen Jahren im Sommer vollkommen eisfrei, und das Meer war an seiner Oberfläche 4 bis 9 Grad Celsius warm, berichten die Forscher im Fachblatt "Nature Communications". Im Frühjahr, Herbst und Winter dagegen schwammen Eisschollen auf dem Ozean.

Die Wissenschaftler schließen dies aus dem Fund von organischen Verbindungen, wie sie etwa von Kalkalgen oder im Meereis lebenden Kieselalgen gebildet wurden.

Die Rekonstruktion der frühen Klimageschichte könnte helfen, genauere Prognosen über künftige Klima- und Meereisschwankungen in der zentralen Arktis zu geben.

Quelle: Nature Communications, doi:10.1038/ncomms11148

01.04.2016

Astronomie Astronomen haben einen besonderen weißen Zwerg entdeckt.

Seine Atmosphäre besteht hauptsächlich aus Sauerstoff. Es sei das erste Mal, dass solch ein weißer Zwerg aufgespürt werden konnte, wie die Forscher in "Science" berichten. Der weiße Zwerg habe seine äußeren Schichten aus Helium und Wasserstoff verloren und besitze nun eine Atmosphäre fast nur aus Sauerstoff. Als weiße Zwerge werden kleine, alte Sterne bezeichnet, deren Masse geringer ist als zehn Sonnen-Massen.

Quelle: doi: 10.1126/science.aad6705

BMI Weltweit sind 640 Millionen Menschen übergewichtig

Auf diese Zahl ist ein internationales Team von Wissenschaftlern gekommen, nachdem sie 1.700 Studien zum Body-Mass-Index (BMI) ausgewertet hatten. Demnach ist die Weltbevölkerung seit 1975 alle zehn Jahre um durchschnittlich 1,5 Kilogramm schwerer geworden, wie die Forscher im Fachblatt "The Lancet" schreiben. Erstmals sind weltweit mehr Menschen über- als untergewichtig. Unter den Industrieländern haben Japaner den niedrigsten BMI, US-Amerikaner den höchsten. Nach Meinung der Autoren sei das von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) angepeilte Ziel unrealistisch, die Adipositas im Jahr 2025 auf dem Niveau von 2010 zu stabilisieren.

Quelle: idw

Biologie Das Weißnasen-Syndrom breitet sich in den USA weiter aus

Seit 2006 hat die Erkrankung mehrere Millionen Fledermäuse an der Ostküste der USA dahingerafft. Nun ist das Weißnasen-Syndrom vermutlich über 2.000 Kilometer weiter westlich an der Pazifikküste aufgetaucht. Dort hat ein Wanderer eine Fledermaus entdeckt, die von der Krankheit befallen sein könnte. Erste Laboruntersuchungen deuten darauf hin, dass es sich tatsächlich um das Weißnasen-Syndrom handelt. Biologen befürchten nun, dass auch an der Westküste ganze Fledermaus-Populationen der Erkrankung, die durch einen Pilz ausgelöst wird, zum Opfer fallen könnten.

Mehr dazu:

Interview mit Dr. Gudrun Wibbelt vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW)

Massensterben bei Fledermäusen

Quelle: BBCNews

Klimaforschung Der Klimawandel beeinflusst Vogelpopulationen im großen Stil

Ein internationales Forscherteam hat Populations- und Klimadaten von 1980 bis 2010 ausgewertet. Dabei schauten sie sich 145 häufig vorkommende Vogelarten in Europa und 380 in den USA an. Diese Arten spielen eine wichtige Rolle im Ökosystem, etwa, weil sie Pflanzen-Schädlinge fressen.

Das Ergebnis der Studie: Sowohl in Europa als auch in den USA profitieren die Arten vom Klimawandel, von denen Forscher das zuvor angenommen hatten. Bei etlichen Arten ging der Bestand aber zurück. In Europa zum Beispiel konnte sich der Zaunkönig weiter nach Norden ausbreiten, weil die Winter milder geworden sind. In einigen südeuropäischen Ländern ist er hingegen seltener zu finden.

Artikel auf BBC.com

Quelle: doi: 10.1126/science.aac4858

Neuromedizin Synapsen im Gehirn könnten ein neuer Ansatzpunkt im Kampf gegen Alzheimer sein

Zu diesem Schluss kommen US-amerikanische Forscher in "Science". Synapsen verbinden Nervenzellen miteinander. Im Gehirn werden im Kindesalter unzählige Synapsen gebildet, manche davon sterben aber wieder ab. Dabei spielt ein Protein mit Namen C1q eine entscheidende Rolle: Es "markiert" nicht mehr benötigte Synapsen, die anschließend von bestimmten Immunzellen beseitigt werden.

Die Wissenschaftler wollten testen, ob dieser Vorgang auch bei Mäusen, die Alzheimer haben, zu finden ist. Die Forscher konnten bei den Tieren in der Tat erhöhte Konzentrationen des Proteins C1q nachweisen, die Zahl der Synapsen reduzierte sich. Blockierten die Wissenschaftler das Protein mit einem Antikörper, konnten sie das Absterben der Synapsen aufhalten. Auch bei Alzheimer-Patienten gehen zahlreiche Synapsen verloren. Die Wissenschaftler hoffen, dieses Absterben eines Tages verhindern zu können und so die Erkrankung bereits in einem sehr frühen Stadium zu stoppen.

Quelle: doi: 10.1126/science.aad8373

Genetik Das Gorilla-Genom ist entschlüsselt – zum zweiten Mal

Bereits 2012 war die DNA eines Gorillas sequenziert worden. Nun haben US-amerikanische Forscher das Erbgut eines Westlichen Flachland-Gorillas mit neuen Methoden ein zweites Mal entschlüsselt. Das neue Verfahren kann längere DNA-Abschnitte sequenzieren, außerdem setzten die Wissenschaftler spezielle Algorithmen ein. So konnten sie etwa 90 Prozent der 2012 noch vorhandenen Lücken im Gorilla-Erbgut schließen. Damit sei es nun möglich, die genetischen Unterschiede zwischen den Großen Menschenaffen genauer zu erforschen, wie die Wissenschaftler in "Science" berichten. Die neue Sequenziermethode könnte auch bei anderen Säugetieren angewendet werden, um noch mehr Informationen aus dem Erbgut zu gewinnen.

Quelle: doi.org/10.1126/science.aae0344

Medizin Amerikanische Forscher haben die Fein-Struktur des Zika-Virus entschlüsselt

Wie sie im Fachmagazin "Science" schreiben, ähnelt das Zika-Virus sehr dem Dengue-Virus und weiteren Vertretern aus der Gattung der Flavi-Viren. Allerdings unterscheidet sich das Zika-Virus von anderen Flavi-Viren vor allem durch ein Protein auf der Virushülle. Dieses Glykoprotein weist beim Zika-Virus eine veränderte Struktur auf.

Diese Erkenntnis könnte helfen zu verstehen, wie das Zika-Virus in menschliche Zellen eindringt, so die Wissenschaftler. Außerdem liefere das Protein einen möglichen Ansatzpunkt für die Entwicklung von Medikamenten oder einer Impfung. Das Zika-Virus steht im Verdacht, bei Babys die Schädelfehlbildung Mikrozephalie auszulösen. Beim aktuellen Ausbruch sind Zika-Infektionen aus 30 Ländern bekannt, vor allem in Brasilien wurden vermehrt Fälle von Mikrozephalie registriert.

Zum Volltext auf Eurekalert

Quelle: doi: 10.1126/science.aaf5316

31.03.2016

Biomedizin Eine mysteriöse Krankheit wurde enträtselt

Sie quält seit drei Generationen die Mitglieder einer belgischen Familie mit Fieber, Schmerzen und großflächigen Hautwunden. In "Science Translational Medicine" decken Mediziner jetzt die zugrunde liegende Ursache auf. Die Forscher hatten das Erbgut der Erkrankten sequenziert. Dabei identifizierten sie eine Mutation im Gen MEFV. Aufgrund dieser Veränderung reagiert der Körper, als ob die Haut mit Bakterien infiziert sei. Die Krankheit wird dominant vererbt: Eine einzige Kopie der Mutation führt zum Ausbruch.

Als Gegenmittel haben die Wissenschaftler bereits bei einem Erkrankten erfolgreich ein Arthritis-Medikament getestet. Es zielt auf das Protein ab, das die entzündliche Reaktion des Körpers bewirkt. Untersuchungen mit weiteren Familienmitgliedern sollen zeigen, ob die Behandlung tatsächlich zuverlässig heilt.

Gesamter Artikel auf VIB-Biotechnologie

Quelle: Science Translational Medicine 10.1126/scitranslmed.aaf1471

Biologie Fledermäuse behalten trotz Lärm scharfe Ohren

Durch Lärm nimmt bei Menschen und vielen Tieren die Empfindlichkeit des Gehörs ab und eine gewisse Taubheit tritt ein. Fledermäuse fliegen und jagen in einer Umgebung, die durch die Rufe ihrer Artgenossen extrem laut ist – doch ihre Ohren bleiben gleich empfindlich. Das zeigt eine Studie im "Journal of Experimental Biology". Im Labor trainierten Forscher Große Braune Fledermäuse darauf, bei einem bestimmten Klang einen Lautsprecher anzufliegen. Dann testeten sie, wie leise das Signal sein durfte, damit die Tiere es noch wahrnahmen. Einen Teil setzten sie danach eine Stunde dem natürlichen Lärmpegel ihrer Artgenossen aus. Anschließende Hörtests mit dem trainierten Klang zeigten: Die Tiere reagierten praktisch genauso empfindlich wie die Vergleichsgruppe.

Die Wissenschaftler vermuten, dass das Innenohr der Fledermäuse sich durch spezielle Anpassungen vor den alltäglichen lauten Geräuschen schützt. Diese Anpassungen aufzuklären, könnte helfen, künftig Implantate für Menschen in lärmender Umgebung zu entwickeln, hoffen die Forscher.  

Quelle: Journal of Experimental Biology doi:10.1242/jeb.135319

Umwelt Einem Großteil Asiens droht Wasserknappheit

Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler vom MIT in der Fachzeitschrift "Plos One". Neben der Klimaerwärmung führen sie dabei als Ursachen das Wachstum von Bevölkerung und Wirtschaft an. Die Forscher fütterten ein Modell mit Daten zu Bevölkerungswachstum, industrieller Entwicklung und Treibhaus-Emissionen. Das kombinierten sie mit Modellen zur Wasser-Nutzung in Asien. Dabei zeigten sich regionale Unterschiede: So könne in China künftig vor allem das Wirtschaftswachstum die Wasserverfügbarkeit gefährden. In Indien spiele das Bevölkerungswachstum eine große Rolle. Der Klimawandel könne die Effekte dann noch verstärken.

Von der Wasserknappheit könnte der Großteil einer Region betroffen sein, in der etwa die Hälfte der Weltbevölkerung lebt, warnen die Forscher. Im nächsten Schritt untersuchen die Wissenschaftler, wie das Risiko eingedämmt werden könnte – etwa mit effizienteren Bewässerungsmethoden.

Quelle: Plos One http://dx.doi.org/10.1371/journal.pone.0150633

Politik Die Mehrheit der Forscher ist gegen einen "Brexit"

Die Fachzeitschrift "Nature" hat knapp 2000 Wissenschaftler online und per E-Mail befragt, ob sie einen Austritt Großbritanniens aus der EU befürworten oder nicht. Knapp 1000 der Teilnehmer arbeiten im Vereinigten Königreich. Noch einmal so viele außerhalb davon aber in der EU. Das Ergebnis ähnelt sich: Jeweils etwa 80 Prozent der Befragten in beiden Gruppen sind gegen einen Austritt. Die Forscher befürchten negative Auswirkungen für den Wissenschaftsstandort Großbritannien, aber auch für die EU. Durch einen "Brexit" drohe Großbritannien Forschungsgelder zu verlieren. Zudem könne die länderübergreifende Zusammenarbeit komplizierter werden.  

Zum sogenannten "Brexit" soll am 23. Juni ein Referendum abgehalten werden. Andere Umfragen haben gezeigt, dass insgesamt fast die Hälfte der Briten einen Austritt aus der EU befürwortet.

Quelle: Nature doi:10.1038/531559a

Physik Forscher haben ein Mini-Gravimeter konstruiert

Gravimeter sind Geräte, mit deren Hilfe sich lokale Unterschiede im Schwerefeld messen lassen. Vulkanologen verwenden sie, um die Bildung von Magma-Blasen zu verfolgen. In kommerzieller Hinsicht werden sie genutzt, um Öl-Vorkommen aufzuspüren. Bislang waren genau arbeitende Gravimeter teuer und mehrere Kilogramm schwer. Physiker aus Glasgow präsentieren nun in "Nature" ein ebenso preiswertes wie präzises Gravimeter von der Größe einer Briefmarke.

Die Geräte bestehen aus einem 15 Millimeter großen Silikon-Quadrat. Die technische Konstruktion basiert auf den winzigen elektromechanischen Beschleunigungssensoren von Smartphones. Nach Ansicht der Forscher könnten die Miniatur-Geräte künftig etwa an Drohnen montiert werden, um Schwerefelder zu vermessen.

Quelle: Nature DOI 10.1038/nature17397

Biologie In Indien haben Biologen grabende Kaulquappen entdeckt

Die kleinen, aalförmigen Tiere sind das Jugendstadium von Indischen Tanzfröschen der Art Micrixalus herrei. Bis zu ihrer Verwandlung in erwachsene Frösche leben die Kaulquappen verborgen in sandigen Flussbetten. Das berichten Wissenschaftler im Fachmagazin "Plos One". Die Forscher wurden in Waldflüssen der West-Ghats fündig, einer bergigen Region im Westen Indiens.

Die Kaulquappen haben einen muskulösen Schwanz, Rippen und ihre Augen sind mit Haut überzogen – alles Eigenschaften, die das Graben erleichtern. Im Verdauungstrakt der Tiere fanden die Wissenschaftler kleine Sandkörner und organisches Material, von dem sich die Kaulquappen ernähren. Sägeartige Strukturen am Kiefer dienen den Tieren vermutlich dazu, Nahrungspartikel von größeren Sandkörnern zu filtern. Indische Tanzfrösche winken beim Paarungsspiel und zur Reviermarkierung mit den Beinen. Trotz des auffälligen Verhaltens der erwachsenen Tiere, waren ihre Jugendstadien bislang völlig unbekannt, notieren die Forscher.

Quelle: doi:10.1371/journal.pone.0151781

Klimaforschung Wenn die Antarktis taut, steigt der Meeresspiegel

Das Schmelzen des antarktischen Inland-Eises könnte bis zum Jahr 2100 mehr als einen Meter zum Meeresspiegel-Anstieg beitragen – vorausgesetzt der Ausstoß von Treibhausgasen nimmt weiter zu wie bisher. Das ist das Ergebnis einer Studie von Geowissenschaftlern im Fachmagazin "Nature". Treffen die Ergebnisse zu, würde das die Schätzung des Weltklima-Rates von 2013 zum Anstieg des Meeresspiegels in den kommenden 100 Jahren verdoppeln.

Die Wissenschaftler nutzten ein Modell, das die Klimaerwärmung mit bislang unzureichend berücksichtigten Vorgängen im antarktischen Eis verbindet. Dazu zählen durch Regen begünstigte Risse im Eis und das Abbrechen von Eisklippen an der Küste. Die Forscher kalibrierten ihr Modell mit geologischen Meeresspiegel-Daten, etwa aus der letzten Warmzeit vor 120.000 Jahren. Bis zum Jahr 2500 könnte das Schmelzen des Inland-Eises in der Antarktis sogar 15 Meter zum Meeresspiegel-Anstieg beitragen, schreiben die Forscher.

IPCC-Bericht

Quelle: DOI 10.1038/nature17145

30.03.2016

Medizin Viele Yanomami sind stark mit Quecksilber belastet

Das hat eine Studie brasilianischer Gesundheitsexperten ergeben. Die Forscher analysierten Haarproben der Bewohner von 19 Yanomami-Dörfern im Amazonasgebiet. Dabei fanden sie erhöhte Quecksilbergehalte, die teilweise sogar deutlich über dem Grenzwert lagen, bei welchem laut Weltgesundheitsorganisation WHO schon ein hohes Risiko für Gesundheitsbeschwerden wie neuronale Störungen besteht.

Das Quecksilber stammt offenbar aus illegal betriebenen Goldminen in der Region. Dort wird das Schwermetall eingesetzt, um das Gold von Fremdstoffen abzutrennen. Die Yanomami nehmen das Umweltgift über verseuchtes Trinkwasser und durch den Verzehr von belasteten Fischen in den Körper auf. Die Forscher empfahlen ein entschiedenes Vorgehen gegen illegale Goldsucher. Zudem seien weitere Studien erforderlich, um die Gesundheitsfolgen für die Yanomami genauer abschätzen zu können.

Biologie Manche Olivenbäume ertragen Killerbakterien

Xylella fastidiosa gilt seit rund zwei Jahren als Schreckgespenst für den Olivenanbau in Europa. Diese vermutlich vor einigen Jahren in Zierkaffeesträuchern aus Südamerika nach Italien eingeschleppte Bakterienart lässt jahrhundertealte Olivenbäume vertrocknen.
Um weitere Infektionen aufzuhalten, empfahlen Experten den Kahlschlag ganzer Olivenhaine in Süditalien. Doch neuere Forschungen zeigen, dass bei einem Befall nicht alle Bäume als hoffnungslos verloren gelten müssen. In Experimenten haben Forscher der Europäischen Agentur für Ernährungssicherheit EFSA beobachtet, dass manche der künstlich mit Xylella infizierten Olivenbäume nur sehr abgeschwächte Symptome der Krankheit zeigen und überleben. In weiteren Tests wollen die Forscher nun genauer herausfinden, welche der vielen Olivenarten bakterienresistent sind.

Quelle: EFSA / BBC

Biologie Wildhunde jagen wie Geparden

Afrikanische Wildhunde standen lange Zeit im Ruf, sehr effizient im Rudel zu jagen. Kilometerweit verfolgten sie als Meute Antilopen über die Savannenlandschaften Afrikas, um sie schließlich als Gruppe zu erlegen. Doch dieses Verhalten hat sich offenbar verändert. Britische Forscher beobachteten  Wildhunde monatelang und erfassten die Position einzelner Tiere mittels GPS-Halsbändern. Die Auswertung zeigte, dass heutige Tiere alleine jagen, und das jeweils nur mit kurzen schnellen Antritten. Ihre Jagdstrategie gleicht der von Geparden. Die Forscher sehen das neue Verhalten als Anpassung an veränderte Lebensbedingungen. Früher lebten Wildhunde hauptsächlich in offenen Grassavannen. Da sie dort aber stark vom Menschen bejagt wurden, haben sich die verbliebenen Wildhunde in dichtere Baumsavannen zurückgezogen. Die Studie ist im Fachmagazin Nature Communications erschienen.

Quelle: Nature Communications

Raumfahrt Russen setzen auf eine neue Internationale Raumstation

2024 ist das geplante Betriebsende der Internationalen Raumstation ISS. Wie es danach weitergeht, ist noch unklar. Der Chef der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos, Igor Komarow, hat sich dafür ausgesprochen, die ISS dann durch ein neues internationales Gemeinschaftsprojekt zu ersetzen. Es sollte allen Staaten offen stehen.

Die ISS wird von den Raumfahrtbehörden der USA, Russlands, Kanadas, Japans sowie der Europäischen Raumfahrtagentur ESA betrieben. Aufstrebende Raumfahrtnationen wie China, Indien und Südkorea haben bereits Interesse angemeldet, sich bei einem möglichen ISS-Nachfolger zu beteiligen. Zuletzt hatte Russland noch angekündigt, nach dem Ende der ISS-Mission wieder eine eigene Forschungsstation im erdnahen Orbit zu betreiben. Von 1986 bis 2001 hatte die russische Raumstation Mir die Erde umkreist.

Geologie In den USA löst Fracking immer mehr Erdbeben aus

Bei der Erdöl- und Erdgasförderung mit Hilfe der sogenannten Fracking-Technik wird Wasser in tiefe Gesteinsschichten gepresst, um diese aufzubrechen. Eine der Folgen können lokale Erdbeben sein. Und das Risiko dieser menschengemachten Beben steigt an, wie Forscher des US Geological Survey berichten. Ihrer Studie nach sind mittlerweile Millionen Menschen in mittleren und östlichen Regionen der USA von stärkeren Erdstößen bedroht. Viele dieser Gegenden galten früher als erdbebenarm. Doch in manchen Fracking-Hotspots, beispielsweise in Texas oder Oklahoma, sind Erschütterungen mittlerweile ähnlich häufig wie im Erdbebenstaat Kalifornien. Das stärkste bislang gemessene Erdbeben, das die Forscher mit Fracking als Ursache erklären, erreichte eine Stärke von 5,7.

Quelle: US Geological Survey

WHO Internationaler Ebola-Notstand aufgehoben

Die tropische Fieberkrankheit stelle keine besondere Bedrohung für die Bevölkerung in Westafrika mehr dar, teilte Margaret Chan, die Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation mit. Ungeachtet noch vereinzelt aufgetauchter Fälle sei das Risiko einer internationalen Ausbreitung mittlerweile als gering einzustufen. Alle Handels- und Reisebeschränkungen, die mit der Furcht vor Ebola in den drei Schwerpunktländern Guinea, Liberia und Sierra Leone verbunden sind, sollten deshalb mit sofortiger Wirkung aufgehoben werden, so die WHO. Die Ebola-Epidemie war im Dezember 2013 in Guinea ausgebrochen. Die WHO hatte allerdings erst im August 2014 den globalen Gesundheitsnotstand erklärt. Insgesamt sind der Epidemie mehr als 11.000 Menschen zum Opfer gefallen, mehr als 28.000 hatten sich mit dem Virus infiziert.

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