Freitag, 22.02.2019
 
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05.07.2016

Botanik Biologen entlocken Gräsern ein Geheimnis

Pflanzen haben winzige Spaltöffnungen auf der Oberfläche. Darüber nehmen sie Kohlendioxid aus der Atmosphäre auf und geben Wasserdampf ab. Bei den meisten Pflanzen sind die Öffnungen nierenförmig und zufällig angeordnet. Nicht so bei Gräsern, zu denen auch Pflanzen wie Reis und Weizen gehören. Ihre Spaltöffnungen sind hantelförmig und in Reihen angeordnet. Das macht sie besonders effizient.

US-Forscher haben nun die genetische Grundlage dieser Eigenschaft untersucht. Im Magazin "PNAS" kommen sie zu dem Schluss, dass die Gräser zwar die gleichen Gene für Spaltöffnungen besitzen wie andere Gewächse, diese jedoch anders kombinieren. Diese Erkenntnis könnte bei der Züchtung effizienterer Pflanzen nützlich sein. [hell]

 
 
 
 

Quelle: PNAS

Astronomie Computersimulation wirft neues Licht auf die Monde des Mars

Der Mars hat zwei vergleichsweise kleine Monde, sie sind lediglich 12 und 22 Kilometer groß. Eine Theorie besagt, dass es sich dabei um Asteroiden handelt, die irgendwann in einer Umlaufbahn um den Mars eingefangen wurden. Eine andere Theorie lautet, dass sie einst durch einen großen Einschlag entstanden sind. Doch unklar ist, warum ein solcher Einschlag nicht einen großen Mond wie bei unserer Erde entstehen ließ.

Forscher aus Belgien, Frankreich und Japan haben das Einschlags-Szenario nun durchgerechnet. Das Ergebnis: Nach einem Einschlag hätten sich neben den kleinen Monden auch große Monde in engeren Umlaufbahnen geformt. Die wären jedoch mit der Zeit auf den Mars gestürzt. Der Mars könnte also einst mehr Monde gehabt haben als heute, notieren die Forscher im Magazin "Nature Geoscience". [hell]

Quelle: Nature Geoscience

Batterieforschung Mehr Ordnung sorgt für mehr Leistung in Lithium-Ionen-Akkus

Lithium-Ionen-Akkus versorgen Armbanduhren, Smartphones bis hin zu Autos mit Strom. Forscher aus der Schweiz zeigen nun, wie man die Akkus mit einer kleinen Veränderung verbessern kann. Eine der Elektroden der Akkus besteht aus Graphit in Form winziger, chaotisch angeordneter Flocken. Die Wissenschaftler schafften es, diese Flocken parallel anzuordnen. Unter Laborbedingungen hielten die modifizierten Akkus drei Mal länger und ließen sich schneller laden. Dieser Wert wird bei kommerziell produzierten Akkus jedoch kaum zu erreichen sein. Deren Leistung ließe sich mit der Methode aber um immerhin noch 50 Prozent steigern, notieren die Forscher im Magazin "Nature Energy".[hell]

Quelle: Nature Engergy

Materialforschung Ein Material bewegt sich dank Sonnenlicht

Chemiker aus Berlin und Eindhoven haben es entwickelt und im Magazin "Nature Communications" beschrieben. Es besteht aus Farbstoffen, die unter sichtbarem Licht ihre Form ändern. Wenn man sie zu einem dünnen Plättchen zusammensetzt, flattert es bei Sonneneinstrahlung kontinuierlich hin und her. In Zukunft könnte man aus dem Material Oberflächen bauen, die sich im Sonnenlicht selbst reinigen. Sie könnten etwa auf Fenstern Anwendung finden.

Auch autonome, sonnenbetriebene Mikro-Maschinen sind denkbar. Das Besondere an der Technik ist, dass sie die Probleme der Speicherung von Sonnenergie umgeht, denn das Licht wird direkt in mechanische Bewegung umgewandelt und muss nicht einen Umweg über einen Akku gehen. Bisherige Lösungen dieser Art benötigen energiereiche UV-Strahlung und sind für die Nutzung mit größtenteils sichtbarem Sonnenlicht nicht geeignet. [hell]


 
 
 
 

Quelle: Nature

Chemie Neuronale Netze helfen dabei, die Dichteanomalie von Wasser zu erklären

Wasser hat Eigenschaften, die man als Anomalien bezeichnet. Dazu gehört etwa, dass es bei vier Grad Celsius am dichtesten ist. Darum schwimmt Eis auf flüssigem Wasser. Anhand des chemischen Aufbaus alleine lassen sich diese Eigenschaften nicht erklären. Bisher stand die Theorie im Raum, dass Van-der-Waals-Kräfte, also schwache Wechselwirkungen zwischen Atomen, für diese Eigenschaften verantwortlich sind. Forscher aus Wien und Bochum konnten diese Vermutung nun mit neuen Computersimulationen bestätigen. Im Fachblatt "PNAS" schreiben sie, dass sie dabei sogenannte neuronale Netze nutzten. So bezeichnet man in der Informatik Systeme, die nach dem Vorbild eines menschlichen Gehirns lernen. Mit herkömmlichen Methoden wäre der Rechenaufwand, um die Theorie zu bestätigen, selbst für Supercomputer zu hoch gewesen. [hell]

 

Quelle: PNAS

04.07.2016

Neurowissenschaften Bei Alzheimer funktioniert die Waschmaschine im Gehirn nicht mehr

Darauf weist eine Studie von Medizinern aus Dänemark und den USA hin, die heute auf einer neurowissenschaftlichen Tagung in Kopenhagen vorgestellt wurde. Vorangegangene Experimente mit Mäusen hatten gezeigt: Die Hirnzellen werden von einer Flüssigkeit umspült, die Abfall-Produkte mitführt und ins Lymphsystem ausspült. Mit zunehmendem Alter nimmt dieser Prozess ab und Protein-Müll sammelt sich an. Das könnte nach Ansicht von Medizinern das höhere Risiko von Demenz im Alter erklären.

Die neue Studie zeigt nun: Bei Mäusen, die darauf gezüchtet sind, im späteren Leben an Alzheimer zu erkranken, ist die Spülung im Gehirn bereits eingeschränkt, wenn diese noch jung sind und keine offensichtlichen Krankheitssymptome aufweisen. Die Wissenschaftler hoffen, mit Hilfe der neuen Erkenntnisse einem Früherkennungs-Test für Alzheimer näher zu kommen.

Quelle: Press release, 10th FENS Forum of Neuroscience

Zoologie Großstadt-Igel verhalten sich ähnlich wie ihre Artgenossen auf dem Land

Auch in dicht besiedelten Gebieten fallen die Tiere in einen tiefen Winterschlaf – trotz höherer Temperaturen und dauerhaftem Nahrungsangebot in der Stadt. Das zeigt eine Studie von Zoologen der Universität Hamburg, die 14 Igel mit Sendern ausgestattet haben, um das Verhalten der Tiere zu untersuchen.

Tagsüber halten sich Igel demnach bevorzugt in privaten Gärten auf. Nachts gehen sie auf Streifzüge in Parks und auf öffentlichen Grünflächen. Dabei durchkreuzen die Stadt-Igel ein Gebiet von etwa fünf Hektar Größe. Das entspricht sieben Fußball-Feldern.

Der Aktionsradius der Artgenossen auf dem Land ist zehn Mal größer. Igel haben feste Reviere. In der Stadt rücken sie demnach näher zusammen. Vorgestellt werden die Ergebnisse heute auf einer Fachkonferenz für experimentelle Biologie in Brighton. Die Forscher hoffen, dass ihre Ergebnisse den Schutz von Igeln in der Stadt verbessern, etwa zur Schaffung von Rückzugsmöglichkeiten in Parks führen.

Quelle: DPA, Society for Exp Biology

China Die Installation des weltweit größten Radio-Teleskops ist beendet

In China wurde das letzte Bauteil zum schüsselförmigen Reflektor des "Five hundred meter Aperture Spherical Telescope", kurz FAST, hinzugefügt – die letzte von 4.450 Platten. Wie der Name sagt, hat das Riesenteleskop einen Schüssel-Durchmesser von 500 Metern. Das entspricht etwa 30 Fußball-Feldern. Die Anlage befindet sich in der Guizhou-Provinz im Südwesten Chinas.

Im September soll FAST chinesischen Angaben zufolge den Betrieb aufnehmen. Die Arbeit an dem 160 Millionen Euro-Projekt hatte im Jahr 2011 begonnen. Das Teleskop soll unter anderem für die Suche nach außerirdischem Leben eingesetzt werden und neue Informationen über den Ursprung des Universums liefern.

Als weltweit größtes Teleskop wird FAST das Arecibo-Observatorium in Puerto Rico ablösen, das einen Durchmesser von 300 Metern hat.

Quelle: RTRE, Xinhua News Agency, BBC

Kernfusionsreaktor Iter wird offenbar vier Milliarden Euro teurer

Der Grund sind nach Agenturangaben jahrelange Verzögerungen beim Bau des internationalen Kernfusionsreaktors in Südfrankreich. An dem Forschungsprojekt sind die Europäische Union, die USA, Russland, China, Japan, Südkorea und Indien beteiligt.

Mitte Juni hatten die Projektpartner einem neuen Zeit- und Kostenplan zugestimmt. Der Experimentalreaktor soll nun bis Ende 2025 fertig gestellt werden, so der Iter-Generaldirektor – sechs Jahre später als zuletzt geplant.

Die Kosten des Projekts waren bislang auf 15 Milliarden Euro geschätzt worden. Mit dem Versuchsreaktor soll die Energiegewinnung durch die Verschmelzung von Atomkernen untersucht werden.

 

Quelle: DPA, AFPD, Der Spiegel

Flora Hobbygärtner sollten nicht immer dem Internet vertrauen

Etwa dann nicht, wenn es um die Bekämpfung von Japanischem Stauden-Knöterich geht. Die Pflanze wurde aus Asien nach Europa und Amerika eingeführt. Dort ist die robuste, schnell wachsende Art gefürchtet, weil sie die einheimische Flora verdrängt. Forscher der University of Exeter haben online verfügbares Material zum Knöterich gesichtet und resümieren im Fachmagazin "Applied Ecology”: Die Informationen sind teils irreführend und könnten die Ausbreitung der invasiven Pflanze sogar begünstigen.

Die Forscher analysierten Informationen von Umweltverbänden, staatlichen Stellen, Unkrautbekämpfungs-Unternehmen und Medien. Die Beschreibung der ökologischen und wirtschaftlichen Folgen der Knöterich-Ausbreitung sowie der richtigen Entsorgung seien mitunter ungenau und widersprüchlich.

In einigen Quellen werde das Risiko durch den Knöterich auch übertrieben dargestellt. Das könne zu überzogenen Reaktionen bei Gartenbesitzern führen, warnen die Forscher.

Allein in Großbritannien verursacht der Knöterich jährliche Kosten von knapp 200 Millionen Euro. Es ist dort gesetzlich verboten, die Art in der Wildnis zu auszupflanzen.

Quelle: Applied Ecology 10.1111/1365-2664.12712

Treibhauseffekt Der Mensch lässt das Indo-Pazifische Wärmebecken wachsen

Die Meeresregion erstreckt sich vom tropischen West-Pazifik bis zum Indischen Ozean und ist gekennzeichnet durch hohe Oberflächen-Temperaturen. Die Region beeinflusst maßgeblich die globale atmosphärische Zirkulation und Regenfälle. Temperatur und Ausdehnung des Beckens haben in den vergangenen 60 Jahren erheblich zugenommen.

Jetzt machen Forscher vor allem menschengemachte Treibhausgase für die Expansion verantwortlich. In "Science Advances" warnen sie vor einschneidenden wirtschaftlichen und sozialen Folgen durch veränderte Wetterphänomene.

Die Wissenschaftler hatten Beobachtungsdaten mit denen diverser Klima-Modelle mit und ohne menschlichen Einfluss abgeglichen. Die Vergrößerung des Wärmebeckens könne sich etwa auf die Monsunzyklen in Indien und die Häufigkeit von Tropenstürmen auswirken, so die Autoren. Auch der Meeresspiegel steigt durch die zusätzliche Erwärmung – mit unmittelbaren Folgen für Inselbewohner in der Region.

 

Quelle: Quelle: Science Advances 10.1126/sciadv.1501719

01.07.2016

Meeresschutz Kegelrobben-Bestände im Wattenmeer erholen sich weiter

An der gesamten Nordseeküste Dänemarks, Deutschlands und der Niederlande wurden dieses Jahr fast 5.000 erwachsene Kegelrobben gezählt – eine neuer Höchststand. 2015 waren es noch 500 Tiere weniger.

Auch die Zahl der Jungtiere ist mit über 1.100 auf einem hohen Niveau.

Im Mittelalter waren Kegelrobben typisch für das Wattenmeer, sie wurden dann aber fast völlig ausgerottet. Erst seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erholen sich die Bestände wieder.

Männliche Kegelrobben sind mit bis zu 2,5 Metern Länge und bis zu

300 Kilogramm Gewicht die größten Raubtiere in Deutschland. [JSt]

Biologie Binden-Fregattvögel können monatelang in der Luft bleiben

Ein internationales Forscherteam hat herausgefunden, wie die Seevögel dies anstellen: Sie nutzen Aufwinde und ihre langen Flügel, die Spannweite beträgt über zwei Meter.

Die Biologen statteten 50 Binden-Fregattvögel mit Datenloggern und GPS-Geräten aus. Nach der Auswertung der Daten stellten sie fest, dass die Vögel am Tag im Durchschnitt 420 Kilometer zurücklegen.

Oft halten sich die Fregattvögel in 50 bis 600 Metern Höhe unter Kumulus-Wolken auf, wo günstige Aufwinde herrschen und die Vögel kaum mit den Flügeln schlagen müssen, also wenig Energie verbrauchen. Sind sie einmal aufgestiegen, können sie dann kilometerweit gleiten.

Wollen sie noch höher aufsteigen, begeben sie sich in die Kumulus-Wolken hinein und nutzen dort den Aufwind, um bis zu 4.000 Meter Höhe aufzusteigen.

Fregattvögel müssen oft lange Strecken zurücklegen, um an geeignete Futterquellen zu gelangen. [JSt]

Biologie Pflanzen können schneller wachsen, wenn sie mehr Kohlendioxid zur Verfügung haben

Diesen Vorteil können sie aber nur ausnutzen, wenn sie gleichzeitig auch auf Stickstoff zurückgreifen können.

Dies berichtet ein internationales Team von Wissenschaftlern in der aktuellen Ausgabe von "Science".

Schon seit Langem wird darüber diskutiert, ob und wenn ja, welche Rolle der Stickstoff bei der wachstumsfördernden Rolle des Kohlendioxids spielt.

Die Forscher haben über 80 Studien ausgewertet. Das Ergebnis: Ohne Stickstoff können Pflanzen eine erhöhte Kohlendioxid-Konzentration nicht zur Wachstumsförderung nutzen. Steht Stickstoff zur Verfügung, können ihn manche Pflanzen direkt aus dem Boden aufnehmen.

Andere sind auf die Symbiose mit Pilzen, sogenannten Mykorrhiza angewiesen, die den Pflanzen den Stickstoff bereit stellen. [JSt]

Astronomie Mini-Dünen auf dem Mars

Von der Erde ist bekannt, dass Wind Sandkörner entweder zu kleinen Wellen oder riesigen Dünen aufhäufen kann.

Auf Bildern, die der Mars-Rover Curiosity und die Raumsonde Mars Reconnaissance Orbiter aufgenommen haben, sind im Gale-Krater kleine Dünen zu erkennen. Solche Sand-Formationen sind auf der Erde nicht bekannt.

Die Dünen sind nicht glatt, sondern von Wellenkämmen übersät, die etwa einen Meter voneinander entfernt liegen, wie US-Forscher im Fachmagazin "Science" schreiben. [JSt]

Astronomie Auf dem Jupiter gibt es Polarlichter

Astronomen haben mithilfe des Hubble-Weltraumteleskops Polarlichter auf dem Jupiter untersucht.

Polarlichter auf der Erde entstehen, wenn elektrisch geladene Teilchen aus Sonnenwinden auf Sauerstoff- und Stickstoffatome der Erdatmosphäre nahe der Pole treffen.

Bei Jupiter stammen die Teilchen nicht nur von Sonnenwinden, sondern auch von Vulkanen auf dem Jupiter-Mond Io. Sie werden von Jupiters Magnetfeld beschleunigt und können dann sehr hell aufleuchten.

Wie die Wissenschaftler herausgefunden haben, sind die Polarlichter auf Jupiter viel größer als die der Erde: Sie können bis zu fünf Mal die Größe der Erde erreichen und sind zudem viel kräftiger und bewegungsfreudiger. [JSt]

Atmosphäre Ozonloch über der Antarktis schließt sich langsam

Was frühere Studien bereits nahelegten, scheint mit einer aktuellen Untersuchung im Fachmagazin "Science" nun bestätigt zu werden:

Das Ozonloch über der Antarktis wird kleiner.

Wie Forscher aus den USA und Großbritannien berichten, ist es zwischen 2000 und 2015 um etwa 4,5 Millionen Quadratkilometer geschrumpft.

2015 war das Ozonloch jedoch besonders groß. Die Wissenschaftler führen das zum Teil auf einen Vulkanausbruch in Chile im April 2015 zurück. Der dabei freigesetzte Schwefel habe Reaktionen in Gang gesetzt, die das Ozon abgebaut haben.

Das Ozonloch könnte nach Ansicht der Forscher bis Mitte des Jahrhunderts ganz geschlossen sein, andere Wissenschaftler meinen, dass es noch bis zum Ende des Jahrhunderts dauern könnte.

Für das kleiner werdende Ozonloch machen die Forscher das seit 1987 bestehende Verbot von Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW) verantwortlich, die die Ozonschicht schädigen. Somit kann mehr ultraviolette Strahlung zum Erdboden gelangen. [JSt]

30.06.2016

Zoologie Neu entdeckte Spinnenart verteidigt sich mit ihren Haaren

Die Vogelspinne, die Biologen aus Uruguay im Fachmagazin "ZooKeys" erstmals beschreiben, ist bestens für den Nahkampf gerüstet. Ein Teil ihres Hinterleibs ist mit Haaren mit winzigen Widerhaken bewachsen, die sich in Haut und Schleimhaut eines Angreifers bohren und dadurch juckende Schwellungen verursachen. Damit unterscheidet sich die Verteidigungsstrategie der neu entdeckten Spinne von der verwandter Arten, die den direkten Kontakt mit einem Angreifer meiden und ihm ihre Brennhaare stattdessen entgegenschleudern. Deshalb sei sie nicht nur eine neue Art, sondern auch einer eigenen Klasse zuzuordnen, schlussfolgern die Forscher.

Entdeckt wurde die neue Spinnenart in der Sierra Nevada de Santa Marta in Kolumbien. Deshalb haben ihre Entdecker ihr den Namen Kankuamo marquezi gegeben. Kankuamo sind die Ureinwohner der Fundgegend, während marquezi an den kolumbianischen Schriftsteller Gabriel Garcia Marquez erinnern soll. [mas]

Quelle: ZooKeys - doi:10.3897/zookeys.601.7704           

Technologie Eine Espressomaschine kann nicht nur Kaffee kochen…

… sondern auch Schadstoffe aus Bodenproben extrahieren. Das haben Spanische Chemiker festgestellt. Sie suchten nach einer einfachen und schnellen Methode, um Polyzyklische Kohlenwasserstoffe nachzuweisen. Dazu füllten sie verunreinigte Bodenproben in eine leere Kaffee-Kapsel und brühten sie in einer handelsüblichen Kapsel-Espressomaschine mit Wasser und einem Lösungsmittel auf. Im Durchlauf fanden die Forscher anschließend die giftigen Chemikalien wieder, die sie der Erde zuvor zugesetzt hatten.

Die Espresso-Methode sei einfach, günstig und genauso effizient wie der konventionelle Weg zur Extraktion der Schadstoffe, schreiben die Forscher in der Fachzeitschrift "Analytical Chemistry". Außerdem spart sie eine Menge Zeit. Während die Kaffeemaschine elf Sekunden für einen Durchlauf benötigt, dauert das klassische Verfahren bis zu 16 Stunden. [mas]

Quelle: Analytical Chemistry - doi:10.1021/acs.analchem.6b01400   

Ökologie Forscher messen, wie der Wald atmet

Bäume und kleinere Pflanzen verbrauchen tagsüber Kohlenstoffdioxid, wenn sie Photosynthese betreiben, geben gleichzeitig aber auch CO2 als Produkt der Zellatmung ab. Amerikanische Ökologen haben diese Kohlenstoffströme jetzt gemessen und die Gas-Bilanz eines Laubwaldes erstellt. Die zeigt unter anderem, dass tagsüber in der Summe weniger CO2 abgeben wird als nachts, obwohl bei höheren Temperaturen mehr Zellatmung stattfindet. Außerdem haben die Forscher entdeckt, dass die die Photosyntheserate der Bäume über den gesamten Sommer konstant bleibt, obwohl ihre Blätter altern. Die Studie ist im Fachjournal "Nature" erschienen. Sie könnte helfen, Klimamodelle genauer zu machen, in die die CO2-Bilanz der Wälder einfließt. [mas]

 

Quelle: Nature                      

Ernährung Butter ist ungefährlich

Wer Butter isst, hat kein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Typ 2-Diabetes. Das ist das Ergebnis einer Übersichtsstudie amerikanischer Ernährungswissenschaftler, für die die Daten von mehr als 600.000 Personen ausgewertet wurden. Im Durchschnitt aßen die befragten Probanden 14 Gramm Butter pro Tag, Spitzenesser bis zu 45 Gramm, ohne dass ihre Gesundheit darunter litt. Auch auf die Sterblichkeit hat Butter keinen nennenswerten Einfluss, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin "PLOS ONE". Butter gehöre damit zu den Mittelklasse-Lebensmitteln. Sie sei weniger bedenklich als stärke- und zuckerreiche Nahrungsmittel wie zum Beispiel Weißbrot, aber weniger gesundheitsfördernd als Pflanzenöl oder Margarine. [mas]

Quelle: PLOS ONE - doi:10.1371/journal.pone.0158118  

Biologie Forscher finden den Schalter für nachwachsende Gliedmaßen

Bestimmte Fischarten wie Zebrafische und Reptilien wie Salamander sind in der Lage, verletzte oder verlorene Flossen oder Beine nachwachsen zu lassen. Aus einem speziellen Gewebe, dem Blastem, entstehen dabei Knochen, Muskeln, Nerven und Blutgefäße neu. Amerikanische Biologen haben jetzt herausgefunden, welche Signalmoleküle die Neubildung der Gliedmaßen regulieren, wie sie im Fachmagazin "PLOS ONE" berichten. Auffällig dabei ist, dass bei allen untersuchten Tierarten die gleichen Signalmoleküle die Neubildung steuern. Das deutet darauf hin, dass sie einen gemeinsamen Vorfahren haben, von dem sie die Fähigkeit zur Regeneration geerbt haben. [mas]

Quelle: PLOS ONE - doi10.1371/journal.pone.0157106     

29.06.2016

Biologie Alter Bernstein konserviert moderne Vögel.

2015 haben Bergarbeiter in Myanmar Bernstein gesammelt und Stücke mit sogenannten Inklusen poliert. Forscher der China University of Beijing haben einige der Funde aufgekauft und untersucht. Dabei entdeckten sie in zwei Fundstücken Flügel urzeitlicher Vögel. Die in allen Details erhaltenen beiden Flügel sind 99 Millionen Jahre alt und stammen von zwei Küken einer ausgestorbenen Vogelgruppe, schreiben die Forscher im Fachblatt NATURE Communications. Die bereits voll ausgebildeten Federn geben Hinweise darauf, dass die Jungvögel Nestflüchter waren. Die Anatomie zeigt, dass diese Vögel schon relativ weit entwickelt waren und schon modernere Merkmale aufweisen als der Urvogel Archaeopteryx oder Confuciusornios. Die Forscher vermuten, dass die neuen Funde zu Vertretern von Enantiornithes gehören. Diese weitverbreiteten Urvögel lebten während der Kreidezeit und starben gleichzeitig mit den Dinosauriern vor rund 65 Millionen aus. [mst]

Quelle:  Nature Communications (10.1038/ncomms12089)

Biologie Kein Schwein grunzt wie das andere.

Hausschweine sind soziale Tiere und kommunizieren grunzend mit ihrer Umgebung. Die Laute, die ein Hausschwein von sich gibt, sind nicht nur individuell, sondern sie vermitteln auch Informationen über den emotionalen, körperlichen und Motivationszustand des Tieres. Das notieren Forscher der Queen's University Belfast im Fachblatt Royal Society Open Science. Bei ihren Versuchen konnten die Forscher die Grunzlaute von mehr als 70 Tieren individualisieren und dann deren Veränderungen in stressigen und entspannten Situationen aufnehmen und analysieren. Dabei sahen die Wissenschaftler unter anderem, dass Säue chronischen Stress besser verarbeiten können als Eber. [mst]

Quelle: R Soc open sic 10.1098/rsos.2016.160178)

Biologie Kunstlicht legt den Frühling nach vorne.

Künstliches Licht verschiebt nicht nur die innere Uhr von Menschen und Tieren, sondern auch die von Pflanzen. Zu diesem Ergebnis kommen Ökologen der University of Exeter nach der Auswertung einer Langzeitstudie. Wie sie in den Proceedings B der britischen Royal Society darlegen, verlagert sich der Zeitpunkt, wann Laubbäume im Frühjahr ausschlagen, unter Kunstlichteinfluss im Schnitt etwa sieben Tage nach vorn.      Zwölf Jahre lang hatten die Forscher mithilfe von freiwilligen Helfern im Vereinigten Königreich notiert, wann Bergahorn, Rotbuche, Stieleiche, und Esche das erste Grün zeigten. Um die Lichtverschmutzung an den jeweiligen Standorten zu bestimmen, verwendeten die Forscher hochauflösende Nachtlichtaufnahmen. In die Analyse flossen auch die Umgebungstemperaturen ein. Demnach gab es bei drei Baumarten einen signifikanten Effekt des künstlichen Nachtlichts. Je heller die Umgebung war, desto früher bildeten Stieleiche, Rotbuche und Esche im Frühjahr ihre Knospen. [mst]

Quelle: Proc R Soc B (10.1098/rspb.2016/0813)

Forschungspolitik Die Wissenschaft im Vereinigten Königreich soll weiter auf "Weltklasse-Niveau" bleiben.

Dieses Vorhaben nach dem Brexit verkündete gestern der britische Forschung- und Wissenschaftsminister Jo Johnson auf einem Treffen der Society of Biology. Offiziell habe sich für die Wissenschaft bislang nichts verändert, das Vereinigte Königreich werde weiter Teil der Europäischen Forschungslandschaft bleiben, Studierende aus der EU könnten ihre Kurse im Herbst wie geplant aufnehmen und deren Finanzierung sei ebenfalls gesichert. Ein hochrangiger Beamter, der nicht namentlich genannt werden wollte, sagte gegenüber der BBC, dass der Brexit das Ministerium völlig unvorbereitet getroffen hätte und dass kein Plan bezüglich einer Forschungsfinanzierung außerhalb der EU-Fördergelder ausgearbeitet wurde. [mst]

Quelle: BBC, Statement Jo Johnson 

Biologie Menschen vernichten nicht nur viele Tier- und Pflanzenarten.

Sie sind darüber hinaus auch für die Entstehung zahlreicher neuer Spezies verantwortlich. Das ist das Ergebnis einer Studie dänischer und australischer Biologen, die sie in den Proceedings B der britischen Royal Society vorstellen. Anthropogene Einflüsse wie der Klimawandel oder die Landnutzung haben die biologische Vielfalt in den vergangenen 40 Jahren um die Hälfte schrumpfen lassen. Dennoch beschleunigt der Mensch gleichzeitig die Evolution durch die Domestizierung von Tieren und Pflanzen, exzessives Jagen, das Einbringen invasiver Arten in neue Gebiete oder durch das Schaffen neuer Ökosysteme. Als Beispiel nennen die Forscher die in London ansässige Gemeine Stechmücke (Culex pipiens molestus), die sich an das Leben im U-Bahn-Netz angepasst hat. Die im Untergrund lebende Population hat sich so weit entwickelt, dass sie sich nicht mehr mit den Mücken über Tage fortpflanzen kann. [mst]

Quelle: Proc R Soc B (10.1098/(rspc.2016.0600)

Geologie Forscher entdecken ein riesiges Heliumvorkommen.

Im Untergrund des Rift Valley im ostafrikanischen Tansania sind britische Wissenschaftler auf ein gigantisches Helium-Reservoir gestoßen. Ersten Schätzungen zufolge befinden sich dort rund 1,5 Milliarden Kubikmeter Helium, das entspricht dem Siebenfachen des globalen Helium-Jahresbedarfs, teilte die Universität von Oxford mit. Wichtig sei zudem, dass nun geologische Bedingungen identifiziert wurden, unter denen solche Heliumvorkommen entstehen. Das gilt als wichtige Voraussetzung für das Entdeckungen weiterer Vorkommen. Helium wird als Kühlmittel in der Medizin und Forschung verwendet. Nur unter Einsatz des Edelgases funktionieren Magnetresonanz-Tomographen und supraleitende Magnete von Teilchenbeschleunigern. Mit dem neuen Fund ist die befürchtete weltweite "Helium-Krise" abgewendet. In den USA wurden bereits einige MRT wegen Helium-Knappheit zeitweilig abgeschaltet. [mst]

Quelle: University of Oxford   

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