Montag, 27.09.2021
 
19.10.2016

Verhaltensbiologie Die Pottwale vor den Galapagos-Inseln sprechen einen neuen Dialekt

Anhand dessen haben Forscher aus Kanada und Dänemark herausgefunden, dass dort nicht mehr dieselben Tiere leben wie bis zum Jahr 2000. Stattdessen konnten sie zwei neue Pottwal-Gruppen unterscheiden, deren Laute sich von denen ihrer Vorgänger deutlich unterscheiden. Die Zu- und Abnahme einer Population sei normal, dass ganze Gruppen verschwinden und von anderen ersetzt werden, aber eher ungewöhnlich, schreiben die Wissenschaftler im Fachmagazin Royal Society Open Science.

Grund für den Wechsel könnten ein verändertes Nahrungsangebot oder die intensive Jagd auf die Tiere in den 1990er Jahren sein, die deren Umzug in einen anderen Lebensraum angetrieben haben könnten.

Quelle: RSOS doi:10.1098/rsos.160615

Biologie Am Titicacasee sterben tausende Riesenfrösche

Die Tiere gehören zur Art Telmatobius, dem Titicacasee-Riesenfrosch, der nur auf dem Hochplateau in den Anden vorkommt und bis zu einem Kilo schwer werden kann. Über 10.000 tote Frösche sind in den letzten Tagen am und im Fluss Rio Coata gefunden worden. Das bestätigte die peruanische Umweltbehörde SERFOR. Ursache für das massenhafte Sterben soll die Verschmutzung des Flusses sein, der in den Titicacasee fließt. Auch tote Vögel, die sich von den Fröschen ernähren, sind gefunden worden.

Der Titicacasee-Riesenfrosch wird von der Weltnaturschutzunion als stark vom Aussterben bedroht eingestuft.

Quelle: DPA

Umwelt Forscher finden antibiotikaresistente Bakterien im Abwasser von Pharmafirmen

Wie die Süddeutsche Zeitung unter Berufung auf einen Bericht der Umweltstiftung Changing Markets berichtet, haben britische Infektionsbiologen im Abwasser von 16 indischen Arzneimittelfabriken Keime nachgewiesen, gegen die wichtige Antibiotikaklassen bereits wirkungslos sind. Insgesamt wurden 34 Produktionsstandorte untersucht. Dass dort Antibiotika bei der Herstellung ins Abwasser gelangen, war schon zuvor bekannt, dass dadurch auch multiresistente Erreger entstehen, wurde befürchtet. Es handelt sich dabei um Darmbakterien, die einfach auf den Menschen übertragen werden können.

Eine der Arzneimittelfirmen produziert auch Antibiotika für den deutschen Markt.

Quelle: SZ

Verhaltensbiologie Blauelsterne können großzügig sein

Die Vögel versorgen Artgenossen mit Futter, ohne selbst die Chance auf einen Bissen davon zu haben. Das haben Biologinnen von der Universität Wien nachgewiesen. In dem Versuch konnte eine einzelne Elster einen Wipp-Mechanismus betätigen, der Futter in Reichweite von Artgenossen brachte. Verließ die Elster die Wippstange, war das Futter für keinen der Vögel mehr zu erreichen. Die Studie ist in den Biology Letters erschienen.

In einem Kontrollexperiment betätigten die Vögel den Mechanismus nur, wenn auch tatsächlich Artgenossen in der Nähe waren, die davon profitieren konnten. Das zeige, dass Elstern bewusst selbstlos handeln, schreiben die Forscher.

Derart altruistisches Verhalten war bisher nur von Menschen und bestimmten Affenarten bekannt, die ihre Nachkommen gemeinsam aufziehen.

Quelle: Biology Letters doi:10.1098/rsbl.2016.0649

Medizin Migräne entsteht im Mund

Wer mehr Bakterien im Mund hat, die Nitrat zu Nitrit umwandeln können, bekommt häufiger starke Kopfschmerzen wie Migräne. Das haben Gen-Analysen amerikanischer Mikrobiologen gezeigt, die die Bakteriengemeinschaft in der menschlichen Mundhöhle und im Darm untersucht haben. Auf einem Fragebogen hatten die Studienteilnehmer zuvor angegeben, wie oft sie unter Migräne leiden, sodass die Forscher einen Zusammenhang zwischen dem Vorkommen von Nitrat-umwandelnden Bakterien und Kopfschmerzen herstellen konnten, wie sie im Fachmagazin mSystems berichten.

Im Blut kann aus dem Nitrat Stickstoffmonoxid entstehen. Das wirkt auf die Gefäße und senkt den Blutdruck, verursacht aber wohl gleichzeitig Migräne, vermuten die Wissenschaftler.

Auch nitrathaltige Nahrungsmittel wie Schokolade, Fleischprodukte oder grünes Blattgemüse erhöhen demnach die Kopfschmerz-Wahrscheinlichkeit.

Quelle: mSystems doi: 10.1128/mSystems.00105-16

Astronomie Auf dem Pluto könnte es Wolken

Bei der Auswertung von Aufnahmen, die die Sonde New Horizons bei ihrem Vorbeiflug vom Pluto gemacht hat, haben NASA-Wissenschaftler sieben helle Gebilde knapp über der Oberfläche des Zwergplaneten entdeckt, die Wolken sein könnten. Das würde bedeuten, dass das Wetter auf dem Pluto komplexer ist als bisher angenommen. Die potentiellen Wolken tauchten während der Dämmerung am Morgen oder Abend auf, Tageszeiten, zu denen ihre Entstehung am wahrscheinlichsten ist. Alle sieben Gebilde haben eine Ausdehnung im Kilometer-Bereich und schweben einzeln in der Luft. Wolkenbänke oder eine geschlossene Wolkendecke gibt es nicht.

Bisher hatten die Forscher lediglich Nebel über dem Pluto gesehen, der sich in über zwanzig Schichten bis in eine Höhe von 200 Kilometern ausbreitet.

Im Gegensatz zu Wolken ist Nebel diffus verteilt und schluckt nur einen Bruchteil des auftreffenden Sonnenlichts.

Quelle: NASA/NYT

18.10.2016

Kommerzielle Raumfahrt Der "Schwan" ist gestartet

Gestern Abend hob der private Raumfrachter "Cygnus" im US-Bundesstaat Virginia ab. Der Name stammt von der lateinischen Bezeichnung für das Sternbild Schwan. Der Frachter soll 2300 Kilogramm Nachschub zur ISS bringen.

Eine Antares-Rakete der Firma Orbital hat die unbemannte Raumkapsel ins All gebracht. Es war der erste Antares-Start nach einer längeren Pause: Vor ziemlich genau zwei Jahren war eine solche Rakete zur Explosion gebracht worden, nachdem sie beim Start an Schub verloren hatte.

Quelle: Reuters, DPA

Biologie Die "Schatten-Methode“ entlockt Wasserläufern ihre Geheimnisse.

Wasserläufer sind Insekten, die dank besonderer Beine über Wasser laufen können. Forscher aus China haben nun erstmals am lebenden Tier untersucht, welche Kräfte auf die Beine der Wasserläufer wirken.

Sie entwickelten dazu eine neue Messmethode. Die Beine der Tiere erzeugen Dellen auf der Wasseroberfläche. Die wiederum werfen charakteristische Schatten, die Rückschlüsse darauf erlauben, welche Kräfte im Spiel sind.

Die Wissenschaftler haben diese Art der Kraftmessung "Schatten-Methode" getauft und im Magazin "Applied Physics Letters" beschrieben.

Auf lange Sicht könnte sie dabei helfen, bionische Wasserfahrzeuge zu entwickeln.

Bei den Wasserläufern haben die Forscher festgestellt, dass die Tiere ihre Beine zum Mund führen, wenn deren Wasserdellen ungleichmäßige Schatten werfen. Wahrscheinlich erhöhen sie damit die wasserabstoßende Wirkung der Beine.

Man könnte die Analysen auf andere Gliederfüßer, die über Wasser laufen, ausweiten oder mit ihr auch winzige schwimmende Partikel besser untersuchen.

Quelle: http://scitation.aip.org/content/aip/journal/apl/109/16/10.1063/1.4964788

Genetik Weinzüchter sorgen für den Klimawandel vor

Für den Klimawandel ist nun vorgesorgt: Das gilt zumindest aus Sicht der Weinconnaisseure und anderer Weinliebhaber. Denn das wärmer werdende Klima und Dürren bedrohen zwar die Weinernten. Aus Italien und den USA kommt nun jedoch möglicherweise eine Lösung für dieses Problem. Dort haben Molekularbiologen eine neue Methode entwickelt, um das Erbgut der beliebten Rebsorte Cabernet Sauvignon schneller als bisher zu entschlüsseln. 

Die Forscher haben die Methode im Magazin "Nature Methods" beschrieben. Sie basiert auf einer neuen Technologie zur Genom-Sequenzierung und auf modernen Algorithmen. Damit lässt sich schnell auf die genetischen Informationen eines Cabernet Sauvignon zugreifen. Das wiederum soll dabei helfen, Reben zu züchten, die widrigen Bedingungen widerstehen und für einen vollmundigen Wein sorgen.

Quelle: http://nature.com/articles/doi:10.1038/nmeth.4035

Biologie Rotbrauner Reismehlkäfer riecht mit Mund und Antennen

Seit langem wissen Forscher, dass bei Insekten die Antennen hauptsächlich für die Geruchswahrnehmung zuständig sind und so genannte Mundtaster für den Geschmackssinn sorgen.

Marburger Forscher haben nun den Rotbraunen Reismehlkäfer genetisch unter die Lupe genommen und festgestellt: In den Mundtastern dieses Insekts sind viele Gene aktiv, die Baupläne für Duftrezeptoren enthalten. Das deutet darauf hin, dass bei diesem Käfer die Mundtaster wichtiger für den Geruchssinn sind als bei anderen untersuchten Insekten. So beschreiben es die Forscher im Fachblatt "BMC Biology".

Das zeige wiederum, dass Antennen und Mundwerkzeuge nicht exklusiv entweder für das Riechen oder für das Schmecken zuständig sind.

Quelle: https://idw-online.de/de/news661187

Verhaltensbiologie Die menschliche Mimik ist nicht so universal wie gedacht

Lange bestand die These, dass bestimmte Gesichtsausdrücke weltweit ähnlich interpretiert werden. Ein offener Mund und weit aufgerissene Augen sollen etwa überall Angst zum Ausdruck bringen.

Doch das stimmt nicht, wie Forscher aus Spanien und den USA nun gezeigt haben. Sie führten dazu Experimente auf den westlich von Papua Neuguinea gelegenen Trobriand-Inseln durch. Die dortige Bevölkerung lebt weitgehend abgeschottet und interpretiert die weit aufgerissenen Augen und den offenen Mund als Zeichen von Ärger oder Bedrohung.

Das hätten Befragungen der Trobriander ergeben, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt "PNAS" und zeigen damit, dass auch grundlegende Gesichtsausdrücke abhängig von der Kultur interpretiert werden müssen.

Quelle: http://www.pnas.org/cgi/doi/10.1073/pnas.1611622113

17.10.2016

Biokraftstoff Forscher haben etwas erfunden, was in der Natur schon lange existiert

2014 sorgte es für Aufsehen: Forscher hatten genetisch veränderte Pappeln erzeugt, deren Lignin - eine Substanz, die Zellen verholzen lässt - eine Sollbruchstelle aufweist. Die Hoffnung dahinter: Pflanzen leichter zu Biokraftstoff oder Papier abbauen zu können. Jetzt schreiben Biologen - darunter auch Autoren der damaligen Studie - in "Science Advances", dass viele Pflanzen auf natürliche Weise ein vergleichbares Sollbruch-Lignin produzieren können.

Unter anderem mit Hilfe von Massen-Spektrometrie gelang es den Forschern, Sollbruch-Lignin in unterschiedlichen Pflanzen nachzuweisen, darunter in Pappeln, Strelitzien-Gewächsen und Reis.

An der Bildung von Sollbruch-Lignin sind dabei unterschiedliche Gene beteiligt. Sie hat sich also in der Evolution mehrfach unabhängig voneinander entwickelt, schließen die Forscher.

Die Entdeckung könnte helfen, gezielt leichter abbaubare Pflanzen aus vorhandenen zu züchten.

Bis jetzt ist unklar, welchen evolutionären Vorteil Pflanzen davon haben, leicht abbaubares Lignin zu bilden.

Quelle: Science Advances

Medizin Darmbakterien beeinflussen die Heilung bei Rückenmarksverletzungen

Solche Verletzungen könnten etwa zu Stuhl-Inkontinenz führen, was die Zusammensetzung der Bakterien im Darm verändert. Das wiederum kann neurologische Schäden verstärken und die Heilung behindern. Diesen Zusammenhang beschreiben Neurowissenschaftler im "Journal of Experimental Medicine" mit Verweis auf Tierversuche. Die Behandlung mit einem ausgewählten Bakterien-Cocktail wiederum könne die Heilung der Nervenschäden unterstützen.

In Experimenten mit Mäusen entdeckten die Forscher, dass Rückenmarksverletzungen die Darmflora der Nager stark veränderten. So wanderten etwa Bakterien in umliegende Gewebe ab. Die Mäuse mit den größten bakteriellen Veränderungen erholten sich besonders schlecht.

Erhielten verwundete Mäuse dagegen täglich Probiotika, um ihre Darmflora zu regenerieren, gewannen die Tiere mehr Bewegungsfähigkeit zurück.

Die Probiotika aktivierten entzündungshemmende Immunzellen. Außerdem könnten die Bakterien Moleküle bilden, die das Nervenwachstum fördern, schreiben die Autoren.

Quelle: Journal of Experimental Medicine

Meereskunde Buckelwale nutzen über Generationen dieselben Futterplätze

Die Säugetiere können tausende Kilometer zwischen unterschiedlichen Nahrungsgründen in den Ozeanen zurücklegen. Dabei kehren sie immer wieder zu einzelnen Orten zurück, die bereits ihre Vorfahren besucht haben. Das Wissen um die Wanderrouten zwischen den Futterplätzen wird von den Müttern an die Kälber weiter gegeben. Diese Regionen zu schützen, sei für das Überleben der Art entscheidend, schlussfolgern Meeresbiologen im Fachmagazin "Endangered Species Research".

Die Wissenschaftler untersuchten Buckelwale in zwei Gebieten Südost-Alaskas anhand von Fotografien und DNA-Proben. Dabei verglichen sie die Identität von Tieren aus den 70er und 80er Jahren mit der von Walen, die 2004 und 2005 gesichtet worden waren. Die Analysen zeigten: Drei Viertel der Tiere waren identisch oder Nachkommen von Müttern der ursprünglichen Besucherschaft.

Weitere Erbgut-Analysen weisen darauf hin, dass keine oder nur wenige Wale im Untersuchungszeitraum von anderen Futterplätzen zugewandert sind.

Quelle: Endangered Species Research

Umwelt Die EU hat einen Antrag für das größte Meeresschutzgebiet der Welt eingereicht

Er betrifft etwa 1,8 Millionen Quadrat-Kilometer im Weddell-Meer - dem größten Randmeer des Südlichen Ozeans am antarktischen Kontinent. Die wissenschaftliche Basis für den Antrag haben Forscher des Alfred-Wegener-Instituts in Bremerhaven geliefert.

Die Auswertung hunderttausender Daten habe gezeigt, dass der Klimawandel bisher wenige Auswirkungen auf die Meeresregion hat. Damit sei das Weddell-Meer ein wichtiger Rückzugsort für kälteliebende Arten.

Über den Antrag entscheidet die "Internationale Kommission zur Erhaltung der lebenden Meeresschätze in der Antarktis". Das Gremium, dem 24 Einzel-Staaten und die EU angehören, trifft sich ab heute für elf Tage im australischen Hobart. Die Abstimmung muss einstimmig erfolgen.

Im Weddell-Meer leben etwa 14.000 Tierarten, darunter Blauwale, Kaiserpinguine und sechs Robben-Spezies.

Quelle: DPA, BMEL

Raumfahrt China hat zwei Astronauten ins All geschickt

Das Raumschiff "Shenzou 11" mit der Trägerrakete "Langer Marsch 2F" startete nach offiziellen Angaben am Montagmorgen vom Raumfahrtzentrum Jiuquan im Nordwesten Chinas. Es soll innerhalb von 48 Stunden an das Raumlabor "Tiangong 2" andocken. Das war Mitte September ins All transportiert worden.

30 Tage werden die beiden Astronauten - oder Taikonauten - im Raumlabor bleiben. Während dieser Zeit sollen die Männer Reparaturarbeiten und naturwissenschaftliche Experimente durchführen.

Die Mission ist Chinas sechster bemannter Weltraum-Flug. Im April 2017 soll es einen ersten unbemannten Nachschub-Flug geben, um Fracht zu liefern und das Raumlabor aufzutanken.

China plant, bis zum Jahr 2022 eine eigene, permanent besetzte Raumstation im Orbit in Betrieb zu nehmen.

Quelle: DPA, AFPD

14.10.2016

Prothetik Ein Roboter-Arm lässt Querschnittsgelähmte fühlen

Mit Hilfe des künstlichen Arms und Elektroden war es erstmals einem Querschnittsgelähmten möglich, Berührungen zu spüren.

Wie US-amerikanische Wissenschaftler im Fachblatt Science Translational Medicine berichten, bekam ein 28-jähriger Mann vier Elektroden in die Gehirnbereiche implantiert, die für die Wahrnehmung von Berührungen zuständig sind.

Stimulierten die Forscher dann die Hirnbereiche mit Hilfe der Elektroden, fühlte es sich für den Querschnittsgelähmten so an, als würden seine eigenen Finger berührt, obwohl es sich nur um die des Roboter-Arms handelte.  

Der 28-Jährige kann den Roboter-Arm mit Hilfe seiner Gedanken und einem an die Elektroden angeschlossenen Computer steuern.

Quelle: Eurekalert, NatureNews

Ichthyologie Im Irak sind blinde Fische aufgetaucht

Nach heftigen Regenfällen mit Überschwemmungen sind im irakischen Zagros-Gebirge mehrere etwa acht Zentimeter lange, farblose Fische aus einer Quelle an die Oberfläche gespült worden. Die Fische haben weder Augen noch Schuppen.

Untersuchungen in Deutschland ergaben, dass die Tiere zu den Schmerlen gehören. Es handele sich um eine neue Art, wie das Zoologische Forschungsmuseum Alexander Koenig in Bonn mitteilte.

Die farblosen Fische leben vermutlich in unterirdischen Höhlen.

Die neue Fischart ist im Fachblatt Zootaxa beschrieben.

Quelle: idw, dpa

Epidemiologie Zugvögel zu überwachen könnte helfen, Ausbrüche von Vogelgrippe frühzeitig zu erkennen

Davon zeigt sich ein internationales Forscherteam in Science überzeugt.

Wenn Vögel in ihre Winter- oder Sommerquartiere ziehen, können sie Vogelgrippe-Viren in andere Erdteile bringen. Die Wissenschaftler haben die Verbreitung eines H5N8-Virus nachgezeichnet, das 2014 in Südkorea aufgetaucht ist. Dazu haben sie den genetischen Code des Virus bestimmt. Das Virus stammte aus infizierten Vögeln aus 16 Ländern.

Demnach hat sich das Virus über zwei Zugvogelrouten verbreitet: Von Südkorea nordwärts zur arktischen Küste und weiter nach Europa. Die andere Route führte von Südkorea über die Beringstraße nach Nordamerika.

Eine intensivere Beobachtung von Zugvögeln an deren Brutplätzen könne helfen, Vogelgrippe-Ausbrüche frühzeitig zu erkennen, so die Wissenschaftler.

Quelle: Eurekalert, BBCNews

Ornithologie Der Waldkauz ist Vogel des Jahres 2017

Dies gab der Naturschutzbund Deutschland bekannt.

Die etwa 40 Zentimeter große Eule benötige für ihr Überleben vor allem alte Bäume mit Höhlen. Nur wenn diese in ausreichender Zahl zur Verfügung stünden, sei ein Überleben der Waldkäuze auf Dauer gesichert, so die Naturschützer.

Nach Schätzungen gibt es zwischen 40.000 und 75.000 Brutpaare in Deutschland.

Seit 1971 küren der Naturschutzbund und der Landesbund für Vogelschutz den Vogel des Jahres.

Quelle: Agenturen

Teilchenphysik Forscher wollen Neutrinos wiegen

Wissenschaftler vom Karlsruher Institut für Technologie wollen die Masse der winzigen Elementarteilchen mit einer 200 Tonnen schweren und 70 Meter langen Waage bestimmen. Heute starten die Forscher das Experiment.

Neutrinos entstehen bei atomaren Zerfallsprozessen, etwa in der Sonne. Weil sie nicht elektrisch geladen sind, durchdringen sie jegliche Materie.

Quelle: Agenturen

Paläontologie Ein Kometeneinschlag könnte eine Warmzeit vor 55 Millionen Jahren ausgelöst haben

Diese These vertreten US-amerikanische Forscher im Fachmagazin Science.

Schon lange rätseln Wissenschaftler, was die Ursache für das sogenannte Paläozän/Eozän-Temperaturmaximum war. Diese Warmzeit war mit 200.000 Jahren recht kurz, die Temperatur stieg um fünf bis neun Grad Celsius.

Die Forscher der aktuellen Studie hatten in Bohrkernen aus New Jersey winzige Tektite gefunden. Das sind Glassplitter, die entstehen, wenn ein Komet irdisches Material aufwirbelt, das dann zu Glas erstarrt.

Die Warmzeit wurde durch einen deutlichen Anstieg von Treibhausgasen verursacht. Der Komet habe möglicherweise Kohlenstoff unterhalb der Erdkruste freigesetzt, sowie gefrorenes Methan vom Meeresgrund. Er könnte außerdem gewaltige Vulkanausbrüche in Gang gesetzt haben.

Einige Forscherkollegen unterstützen diese These, andere Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Warmzeit andere Auslöser hatte.

Quelle: Eurekalert, ScienceNews, BBCNews

Astronomie Das Weltall besitzt zehn Mal mehr Galaxien als bislang gedacht

Zu diesem Schluss kommen britische Astronomen im Fachmagazin The Astrophysical Journal. Sie hatten Aufnahmen des Hubble-Weltraumteleskops und mehrerer Observatorien ausgewertet.

Über mathematische Modelle schätzten sie die Zahl jener Galaxien, die mit heutigen Teleskopen noch gar nicht beobachtet werden können. Die Gesamtzahl der Galaxien liege demnach bei etwa einer Billion.

Bisherige Schätzungen gingen von etwa 100 Milliarden Galaxien aus.

Quelle: dpa, NatureNews

Arachnologie Springspinnen können prima hören

Von den kleinen Spinnen wusste man bislang, dass sie vor allem sehr gut sehen können. Nun haben Experimente US-amerikanischer Forscher gezeigt, dass Springspinnen auch einen ausgeprägten akustischen Sinn besitzen, obwohl sie keine Ohren im klassischen Sinn haben.

Die Wissenschaftler beobachteten die Aktivität bestimmter Nervenzellen im Gehirn der Gliederfüßer. Die Zellen reagierten auf Geräusche, die bis zu drei Meter entfernt waren. Bislang ging man davon aus, dass die Tiere nur Geräusche aus wenigen Zentimetern Entfernung wahrnehmen können.

Die Nervenzellen reagierten auch, wenn die Forscher winzige Härchen auf den Vorderbeinen berührten - ein Hinweis darauf, dass diese Härchen mit dem Hörvorgang zu tun haben.

Wie die Biologen im Fachmagazin Current Biology schreiben, diene der akustische Sinn vermutlich dazu, Feinde sowie Beute wahrzunehmen.

Quelle: dpa, EurekAlert, ScienceNews

13.10.2016

Medizin Die Zahl der Tuberkulose-Neuinfektionen steigt wieder

Laut dem Tuberkulose-Bericht der Weltgesundheitsorganisation WHO haben sich 2015 10,4 Millionen Menschen erstmals mit Tuberkulose infiziert. Das sind 600.000 mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig starben weltweit 1,8 Millionen Menschen an der Lungenkrankheit, auch das ist ein Anstieg.

Die höheren Zahlen werden unter anderem mit neuen Daten aus Indien begründet. Das Land gehört neben Indonesien, China, Nigeria, Pakistan und Südafrika zu den am stärksten betroffenen Nationen. Auf diese sechs Länder entfallen etwa sechzig Prozent der Tuberkulose-Toten.

Bis 2030 wollen die WHO und die Weltgesundheitsversammlung der Vereinten Nationen die Todesfälle durch Tuberkulose um 90 Prozent senken.

Quelle: WHO/epd

Ornithologie Die individuelle Persönlichkeit von Blaumeisen beeinflusst ihr Zugverhalten

Das haben Ornithologen von der Universität Oslo herausgefunden. Blaumeisen in bestimmten Regionen Europas entscheiden jedes Jahr neu, ob sie im Winter Richtung Süden ziehen oder in ihrem angestammten Lebensraum bleiben. Wie einzelne Tiere diese Entscheidung treffen, war bisher unklar. Die Forscher fingen deshalb Blaumeisenweibchen während ihrer Reise an der Südspitze Schwedens ab. Je nachdem, ob die Vögel früher oder später in der Saison dort ankamen, zeigten sie unterschiedliche Persönlichkeitsmerkmale, wie die Forscher in der Fachzeitschrift PLOS One berichten.

Individuen, die erst spät ihr angestammtes Quartier verlassen hatten, zeigten sich erkundungsfreudiger als Vögel, die früh auf die Reise gegangen waren. Das ist auch nötig, weil sie, am Zielort  angekommen, schneller in der neuen Umgebung zurechtkommen und Nahrung finden müssen.

Darüber hinaus sei auch die Figur der Vögel aufschlussreich. Große und schlanke Tiere ziehen früher in den Süden als kleine oder solche mit ausreichende Fettreserven.

Das zeige, dass auch der individuelle Energiebedarf bei der Entscheidung über den Start der Reise eine Rolle spielt, schreiben die Forscher.

Quelle: PLOS One

Raumfahrt Asgardia soll die erste Nation im Weltraum werden

Eine Gruppe aus Wissenschaftlern und Rechtsexperten hat den virtuellen Staat im All gegründet, um eine Debatte über die internationale Regulation der Raumfahrt anzuregen. Bisher ist jeder Staat, der Objekte ins All schickt, alleine für sie zuständig. Eine gemeinsame, staatenübergreifende Verantwortung für die Aktivitäten im All gibt es nicht.

Darüber hinaus will die Gemeinschaft laut ihrer Internetseite Raumfahrt-Technologien zugänglicher machen und die Erde vor Bedrohungen durch Weltraummüll oder Asteroiden schützen. Nächstes Jahr soll ein erster eigener Satellit ins All geschickt werden, der die Nation repräsentiert.

Asgardianer kann jeder werden, der auf der Internetseite ein Formular ausfüllt. Knapp 50.000 Bürger haben sich dort bisher registriert.

Wenn 100.000 Staatsangehörige zusammengekommen sind, wollen die Gründer der Gruppe die Mitgliedschaft ihres Staates in der UN beantragen.

Quelle: Asgardia

Agrarwissenschaften Vielfalt schützt vor Schädlingen

Während Monokulturen, also die Bepflanzung eines Feldes mit einer einzigen Pflanzenart, zwar hohe Erträge bringen, aber auch Fraß-Schädlingen optimale Bedingungen bieten, reduzieren Mischkulturen sowohl den Schädlingsbefall als auch die Ernte. Amerikanische Populationsbiologen schlagen in der Fachzeitschrift Nature deshalb einen dritten Weg vor, der die Erträge konstant hoch halten und gleichzeitig schlechtere Bedingungen für Raupen und Käfer schaffen soll.

Sie empfehlen Landwirten, eine Mischung innerhalb der Pflanzenart anzubauen, also zum Beispiel verschiedene Brokkolisorten, bei denen der Kopf zwar gleich ist, die Blätter sich aber im Nährstoffgehalt unterscheiden. Dadurch soll ein Feld für die Insekten vom Schlaraffenland zum spärlich gedeckten Tisch werden und so den Befall reduzieren.

Quelle: Nature

Medizin Das X-Chromosom hat keinen Einfluss auf das Auftreten von Herzinfarkten

Ein internationales Forscherteam unter Leitung von Wissenschaftlerinnen aus Lübeck hat das X-Chromosom nach genetischen Faktoren untersucht, die einen Einfluss auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben könnten. Gefunden haben die Forscher - trotz groß angelegter Suche bei rund 100.000 Personen - nichts. Damit scheiden das X-Chromosom und die darauf enthaltenen Erbanlagen als Ursache für die Unterschiede bei Herzinfarkten von Männern und Frauen aus.

Die Studie lege nahe, dass andere Faktoren wie Hormone, Ernährung oder Lebensweise für das unterschiedliche Auftreten verantwortlich seien, schreiben die Wissenschaftler im Fachjournal Scientific Reports.

Insgesamt sind Männer häufiger von Herzinfarkten betroffen als Frauen. Wenn Frauen einen Herzinfarkt erleiden, sterben sie allerdings häufiger daran.

Quelle: Scientific Reports

Astronomie Der Mond verändert alle 80.000 Jahre sein Aussehen

In diesem Zeitraum entstehen durch herabstürzende Asteroiden und Kometen so viele neue Einschlagskrater, dass die Oberfläche des Mondes sich komplett verändert. Zu diesem Ergebnis kommen amerikanische Wissenschaftler, die mit einer speziellen Software Bilder der Mondoberfläche aus den letzten sieben Jahren ausgewertet haben. Die Forscher verglichen die Aufnahmen von einzelnen Mond-Regionen zu unterschiedlichen Zeitpunkten und konnten so die Einschlagsrate für den gesamten Himmelskörper ermitteln. 222 neue Krater mit einem Durchmesser von mindestens zehn Metern kamen im beobachteten Zeitraum allein in den abgebildeten Regionen dazu. Ein Drittel mehr als bisher gedacht. Das berichten die Forscher im Fachmagazin Nature.

Zusätzlich wühlten tausende kleinerer Einschläge die oberste Schicht des Mondes auf. Sie hinterließen zwar keine Krater sondern kleine Narben, tragen aber auch zum veränderten Antlitz des Mondes bei, schreiben die Wissenschaftler.

Quelle: Nature

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