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23.12.2016

Paläontologie Manche Dinos hatten erst Zähne, dann Schnäbel

Dinosaurier der Art Limusaurus inextricabilis, die vor 150 Millionen Jahren in China lebten, machten im Laufe ihres Lebens eine ungewöhnliche Wandlung durch. In ihrer Jugend waren es Fleischfresser mit Zähnen, doch später fielen ihnen die Zähne aus. Als adulte Tiere trugen sie einen Schnabel und ernährten sich von Pflanzen. Das berichten chinesische Forscher im Fachmagazin Current Biology.

Die Wissenschaftler hatten fossile Überreste von Limusaurus-Exemplaren untersucht, die vor rund zehn Jahren in China entdeckt worden waren. Anfangs dachten sie, bei den Tieren mit Zähnen und jenen mit Schnäbeln handele es sich um zwei unterschiedliche Arten. Doch weitere Untersuchungen belegten dann die bislang von keiner anderen Saurierart bekannte Transformation vom Fleisch- zum Pflanzenfresser.

Die Entdeckung könnte helfen, die Evolution der Schnäbel bei Vögeln zu erklären, die als Nachfahren der Saurier gelten.

Quelle: Current Biology

Biologie Ein Highspeed-Film vermisst die Photosynthese

Britischen Wissenschaftlern ist es erstmals gelungen, den Energiefluss der Photosynthese in ultraschnellen Filmaufnahmen festzuhalten. Genauer gesagt konnten sie anhand von Struktur-Analysen kleinster Kristalle des Photosystems II, eines wichtigen Enzyms des Photosynthese-Apparates, nachstellen, wie Lichtenergie von sogenannten Antennen des Enzyms eingefangen und dann zu dessen Kern hingeleitet wird. Dort dient die Lichtenergie dazu, Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff zu spalten.

Bisher gingen Forscher davon aus, dass die Wasserspaltung im Photosystem II den langsamsten Reaktionsschritt der Photosynthese darstellt. Die Filmaufnahmen zeigen aber, dass der Transport der Lichtenergie entlang der Antennen das eigentliche Nadelöhr darstellt. Solche Erkenntnisse könnten helfen, künstliche Photosynthesesysteme zu entwickeln, die effizienter sind als ihr natürliches Vorbild.

Die Studie ist im Fachjournal Nature Communications erschienen.

Quelle: Nature Communications

Biophysikalische Chemie Ein Mikroskop erreicht die ultimative Auflösungsgrenze

Forscher um den Nobelpreisträger Stefan Hell vom Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie haben einen neuen Rekord in der Lichtmikroskopie aufgestellt. Wie sie in Science berichten, entwickelten sie ein sogenanntes Fluoreszenzmikroskop, mit dem sich sogar einzelne Moleküle voneinander unterscheiden lassen, selbst wenn sie nur einen Nanometer voneinander entfernt sind.

Damit übertrifft die neue "Minflux" genannte Technik die bisher besten lichtmikroskopischen Methoden um das 20-fache. Nun sei die ultimative Grenze dessen erreicht, was in der Fluoreszenzmikroskopie möglich ist, so die Forscher. Bei der Fluoreszenzmikroskopie werden in Zellproben fluoreszierende Markermoleküle eingebracht, die sich an bestimmte Zellstrukturen, Proteine oder Botenstoffe heften. Regt man sie mit Laserlicht an, leuchten sie auf. So lässt sich optisch ihre Position bestimmen.

Quelle: Science

DNA-Analyse Iniut haben Denisova-Gene

Die Inuit in Grönland und anderen arktischen Regionen können tiefe Temperaturen besonders gut tolerieren. US-Forscher haben jetzt möglicherweise jene Gen-Varianten gefunden, die für diese Kälteanpassung verantwortlich sind. Die entsprechenden Gene fördern die Bildung wärmender Speicher aus sogenanntem braunen Fett im Körper.

Besonders interessant aus Sicht der Forscher ist dabei die Herkunft dieser Gene. Vergleichende DNA-Analysen zeigen, dass sie in dieser Form sonst nur bei den früheren Denisova-Menschen zu finden sind. Die Denisova sind, ähnlich wie die Neanderthaler, ausgestorbene nahe Verwandte des modernen Menschen. Die Forscher vermuten, dass sich Vorfahren der Inuit vor über 40.000 Jahren mit Denisova-Menschen gepaart haben müssen.

Die Studie ist im Fachmagazin Molecular Biology and Evolution erschienen.

 

Quelle: Molecular Biology and Evolution

Medizin Ein Hörtest zeigt Gehirnerschütterung

Gehirnerschütterungen bei Kindern zu diagnostizieren, fällt Ärzten nicht immer leicht. Zu vieldeutig sind die möglichen Symptome. Doch jetzt haben US-Forscher ein neues Diagnoseverfahren entwickelt, das offenbar belastbare Ergebnisse liefert.

Es handelt sich um einen speziellen Hörtest. Im Rahmen der Studie wurden verunfallten Kindern mit Gehirnerschütterungen und einer gesunden Vergleichsgruppe verschiedene Sprachaufnahmen vorgespielt. Über Elektroden am Kopf maßen die Forscher dabei die Hirnströme. Probanden mit Gehirnerschütterungen zeigten eindeutig schwächere Reaktionen auf Tonhöhenunterschiede.

Der Test konnte 90 Prozent der Kinder mit einer Gehirnerschütterung korrekt erkennen und bei der Vergleichsgruppe eine Gehirnerschütterung mit 95-prozentiger Sicherheit korrekt ausschließen.

Die Studie ist im Fachmagazin Scientific Reports erschienen.

Quelle: Scientific Reports

WHO Ein Ebola-Impfstoff erweist sich als wirksam

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO gibt es erstmals eine Impfung, die Menschen zu fast 100 Prozent vor dem Ebola-Virus schützt. Das hat ein groß angelegter Feldversuch in Guinea gezeigt, dessen Auswertung jetzt im Fachmagazin The Lancet veröffentlicht wurde. Schon im Frühjahr hatte es erste positive Zwischenergebnisse gegeben.

Während der Ebola-Epidemie 2015 in Guinea waren mehr als 5.800 Menschen, die in Kontakt mit Ebola-Infizierten waren, mit dem Impfstoff "rVSV-ZEBOV" geimpft worden. Nach einer Inkubationszeit von zehn Tagen war keiner der Geimpften an Ebola erkrankt. In einer ähnlich großen Kontrollgruppe, die nicht geimpft wurde, gab es hingegen 23 Krankheitsfälle.

Eine allumfassende Lösung stellt der Impfstoff allerdings nicht dar. So wirkt er offenbar nur gegen einen der fünf bekannten Subtypen von Ebola. Bislang ist auch nicht erwiesen, ob er einen Langzeitschutz bietet.

Hersteller des Impfstoffes ist die US-Firma Merck. Sie will bis Ende 2017 eine Zulassung für die Ebola-Impfung in den USA und Europa erhalten. Bis dahin sollen 300.000 Dosen für mögliche Epidemien bereitgestellt werden.

Quelle: The Lancet

22.12.2016

Genetik Übergewicht zeigt sich auch im Erbgut

Wenn man sich über die Festtage ein paar Pfunde zu viel anfuttert, wird das nicht nur als Speck auf den Hüften sichtbar. Übergewicht führt auch zu sogenannten epigenetischen Veränderungen der DNA in den Zellen. Das berichten Forscher des Helmholtz Zentrums München im Fachmagazin Nature.

Epigenom werden äußere Veränderungen rund um die DNA genannt, die beeinflussen, ob und wie bestimmte Gene abgelesen werden können. Die Wissenschaftler fanden mit ihrer groß angelegten Studie mit mehr als 10.000 Probanden heraus, dass Menschen mit einem hohen Body-Mass-Index an fast 200 Stellen des Erbgutes typische epigenetische Modifikationen aufwiesen.

Weitere Untersuchungen zeigten, dass der Großteil dieser Veränderungen eine Folge des Übergewichts und nicht dessen Ursache war. Die Studie liefert neue Einblicke, welche Signalwege in den Zellen durch die Fettleibigkeit beeinflusst werden. Auf dieser Basis hoffen die Forscher, neue Strategien zum Erkennen und Behandeln von gewichtsbedingten Stoffwechselkrankheiten entwickeln zu können.

Quelle: Nature

Biologie Eine Verwandlung von Krebszellen fördert das Tumorwachstum

Damit Tumore im Körper ungebremst wuchern können, benötigen sie eine stetig steigende Blutversorgung. Nur so bekommen sie den nötigen Sauerstoff und die Nährstoffe für ihr Wachstum. US-Forscher berichten jetzt im Journal of Clinical Investigation, dass Tumore dabei selbst gewissermaßen Hand anlegen. Einige der Krebszellen machen eine Verwandlung durch. Sie werden zu Stützzellen der Blutgefäße und lassen diese so schneller wachsen.

Die Erkenntnis bietet möglicherweise neue Ansätze, ein Tumorwachstum einzudämmen. Die Forscher hoffen, eine Art ergänzende Chemotherapie entwickeln zu können, die gezielt die Umwandlung der Tumorzellen zu Blutgefäß-Stützzellen hemmt. Für ihre Studie machten die Wissenschaftler Versuche mit Mäusen, denen sie Brustkrebszellen aus Menschen und Mäusen implantierten.

Quelle: Journal of Clinical Investigation

Chemie Wintersmog verstärkt sich selbst

Im Winter sind Peking und große Teile Chinas von anhaltendem Smog betroffen. Der Feinstaub in der Luft hat dabei einen besonders hohen Sulfatanteil. Bisher galt das als rätselhaft, weil für die Produktion von Sulfat eigentlich photochemische Reaktionen nötig sind. Die Sonneneinstrahlung ist wegen der Dunstglocke aber zu schwach dafür.

Forscher des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz haben jetzt eine Erklärung gefunden. Das Sulfat entsteht durch eine chemische Reaktion zwischen den Luftschadstoffen Stickstoffdioxid (NO2) und Schwefeldioxid (SO2) in wässriger Lösung. Und genau dieser Prozess läuft umso schneller ab, je mehr Smogpartikel schon in der Luft sind, die Wasser an sich binden. Der Smog verstärkt sich im Grunde also selbst.

Um die Bildung von Wintersmog in Peking zu vermeiden, wären deshalb strenge Emissionskontrollen bei Stickstoff- und Schwefeloxiden aus Verkehr- und Industrieabgasen nötig, so die Forscher. Die Studie ist im Fachmagazin Science Advances erschienen.

Quelle: Science Advances

Medizin Ein Bluttest erkennt gefährliche Prionen

Mutierte Prionen sind die Urheber des Rinderwahnsinns BSE wie der vergleichbaren varianten Creutzfeld-Jakob-Krankheit beim Menschen. Es sind kleine, krankmachende Proteine, die ansteckend wirken. Im Blut kommen sie nur in geringen Konzentrationen vor, weshalb es bisher schwierig ist, sie nachzuweisen. Doch das könnte sich in Zukunft ändern.

Forschergruppen aus Frankreich und den USA beschreiben in Science Translational Medicine zwei neue Verfahren für Prionen-Bluttests. Beide nutzen eine ähnliche Technik: Die Prionen werden zusammen mit weiteren Proteinen kultiviert und dann mit Ultraschall gewissermaßen durchgeschüttelt. Dabei zwingen die Prionen den anderen Proteinen ihre krankhafte Form regelrecht auf. So entstehen tausende Prionenkopien, die sich entsprechend leichter erkennen lassen.

Bevor die Tests in der klinischen Praxis eingesetzt werden können, sind allerdings noch weitere Studien nötig. Es geht darum sicherzustellen, dass die Verfahren keine falsch-positiven Signale liefern und einen Patienten für prionenkrank erklären, der es gar nicht ist.

Quelle: Science Translational Medicine

Medizin Die volle Dosis Antibiotika hilft bei Mittelohrentzündung am besten

Wenn Kleinkinder eine Mittelohrentzündung haben, sind Antibiotika noch immer die beste Therapie. Dabei sollte man die Antibiotikagaben allerdings zeitlich nicht zu knapp bemessen. Das berichten US-Forscher im New England Journal of Medicine.

Ursprünglich wollten die Wissenschaftler mit ihrer Studie belegen, dass schon fünf Tage Behandlung mit Antibiotika ausreichen, um eine Mittelohrentzündung sicher in den Griff zu bekommen. Doch am Ende kamen sie zum gegenteiligen Ergebnis: Die längere Therapie über zehn Tage hinweg schnitt eindeutig besser ab.

Zum einen flammte bei längerer Antibiotika-Gabe die Entzündung seltener wieder auf. Zum anderen traten bei den so behandelten Kindern nicht mehr unerwünschte Nebeneffekte oder Antibiotika-Resistenzen auf.

Die Studie umfasste 520 Kinder im Alter bis zu zwei Jahren. Alle litten an einer Mittelohrentzündung. 50 Prozent der Probanden bekamen fünf Tage, die anderen zehn Tage lang Antibiotika.

 

Quelle: New England Journal of Medicine

Neurologie Das Gehirn hält DNA-Kopien auf Vorrat

Unser Gehirn ist nicht nur das komplexeste Organ des menschlichen Körpers, sondern auch das flexibelste. Wenn Neuronen im Gehirn auf Reize reagieren, werden Gene abgelesen und anhand dieser Baupläne Proteine produziert. Eine solche Anpassung braucht allerdings seine Zeit. Das Gehirn besitzt aber offenbar Mechanismen, diese Prozesse zu beschleunigen.

Forscher der Universität Basel haben herausgefunden, dass Neuronen in ihrem Zellkern bestimmte DNA-Kopien vorproduzieren und in einer Art Zwischenablage speichern. Darauf können sie dann besonders schnell zugreifen, wenn die Signale für die Produktion eines neuen Proteins kommen. Was sonst Stunden dauert, wird so innerhalb von Minuten erledigt. Die Wissenschaftler sehen darin einen Grund dafür, warum das Gehirn bei Lernprozessen so schnell reagieren kann. Ihre Studie ist im Fachjournal Neuron erschienen.

Quelle: Neuron

Ägypten Frucht-Fledermäuse geben sich zu erkennen

Ägyptische Frucht-Fledermäuse sind sehr soziale Tiere, die in großen Schwärmen zusammen leben. Ihre Kommunikation untereinander findet akustisch über gellende Rufe statt. Israelische Forscher haben herausgefunden, dass der Schrei jedes einzelnen Tieres eine besondere Signatur enthält. So können die Fledermäuse untereinander erkennen, wer einen Ruf ausgestoßen hat.

Die Forscher analysierten Aufnahmen von 15.000 Rufen von 22 ägyptischen Fledermäusen. Anhand typischer Frequenzmuster konnten sie nicht nur zuordnen, von wem der Ruf stammte, sondern auch, an wen er gerichtet war. Die Analysen ließen sogar erkennen, wann es bei den meist aggressiven Rufen um einen Streit um Futter oder um einen Schlafplatz ging. Die Studie ist im Fachmagazin Scientific Reports erschienen.

Quelle: Scientific Reports

21.12.2016

Neurologie Geheimnis des Cocktailparty-Effekts entschlüsselt

Als Cocktailparty-Effekt beschreiben Wissenschaftler selektives Hören, also die Fähigkeit des menschlichen Gehörsinns, trotz mehrerer vorhandener Schallquellen ein bestimmtes akustisches Signal zu extrahieren – beziehungsweise auf einer lauten Party einem bestimmten Gesprächspartner zu folgen.

Forscher aus Berkeley schreiben im Fachblatt "NATURE Communications", dass Experimente darauf hindeuten, dass das Hörzentrum die fehlenden Worte oder Wortteile analog beim Hören auffüllt. Wichtig dabei seien die Erfahrung und der Kontext. War den Probanden das Gesprächsthema bekannt, konnten sie den Inhalt vorgespielter Wörter oder ganzer Sätze, auch wenn Teile davon akustisch maskiert waren, in der Regel gut wiedergeben.

Quelle: NATURE Communications (10.1038/ncomms13654)

Artenschutz Für eine Riesenschildkrötenart besteht wieder Hoffnung

Nach Angaben des Nationalparks Galápagos erhohlt sich der Bestand der nur auf Insel San Cristóbal heimischen Vertreter von Chelonoidis chatamensis zunehmend. Bei einer Zählung im November konnten Biologen fast 6.700 Exemplare der seltenen Riesenschildkröten ausmachen. Unter den Tieren sei ein hoher Anteil von Jungtieren und Weibchen, was eine optimistische Prognose erlaube.

Diese Riesenschildkrötenart auf den Galápagos-Inseln ist international als gefährdet eingestuft. Forscher haben 14 Spezies von Riesenschildkröten auf der zu Ecuador gehörenden Inselgruppe registriert. Drei davon sind mittlerweile ausgestorben, die übrigen elf stehen auf der roten Liste der besonders bedrohten Tiere der Weltnaturschutzunion (IUCN).

Quelle: Agenturen

Vulkanologie Europas Supervulkan könnte ausbrechen

Die Phlegräischen Felder sind ein vulkanisch aktives Gebiet nahe dem Vesuv. Neue Modellrechnungen zeigen, dass das Magma aktuell den größten Teil seines Wasserdampfes an einem kritischen Punkt freisetzt.

Wie Forscher des italienischen Nationalen Instituts für Geophysik und Vulkanologie berichten, nähert sich Europas größter aktiver Vulkan damit einer Phase neuer Aktivität. Demnach heizt sich das Gestein über dem Magma stark auf, wird gedehnt und destabilisiert. In der nun vorgestellten Simulation eruptiert daraufhin der Vulkan.

Jedoch sei unklar, inwieweit das Modell den tatsächlichen Gegebenheiten entspricht. Damit sei es auch Spekulation, auf einen unmittelbar bevorstehenden Ausbruch zu schließen, warnen die Forscher.

Quelle: NATURE Communications (10.1038/ncomms13712)

Biologie Schon vor 270 Millionen Jahren gab es "wandelnde Blätter"

Um sich vor Fressfeinden zu verstecken, haben viele Tiere Tarntechniken entwickelt, bei denen sie Form und Farbe der Umgebung imitieren. Dazu gehören unter anderem Insekten der Ordnung Gespenstschrecken, deren Vertreter heute teils wie Äste oder Blätter aussehen.

Den bislang frühesten Nachweis einer so genannten Blatt-Mimese präsentieren Biologen aus Paris im "Fachblatt NATURE Communications". Das in Frankreich entdeckte Fossil einer Laubheuschrecke (Permotettigonia gallica) weist blattähnliche Strukturen auf, stammt aus dem mittleren Perm und ist damit rund 270 Millionen Jahre alt. Unklar sei jedoch, welche Pflanze das getarnte Insekt imitiert hat, so die Studienautoren.

Quelle: Nature Communications (10.1038/ncomms13735)

Bevölkerungsentwicklung Männer in Deutschland haben erstaunlich wenig Kinder

Das ist das Resümee einer Studie, die Max-Planck-Forscher aus Rostock im Fachblatt "Demographic Research" vorstellen. Exakte Geburtenraten von Männern in Deutschland waren bisher unbekannt. Die fehlenden Zahlen haben die Forscher nun über statistische Verfahren ermittelt. Demnach lag die durchschnittliche Zahl der Kinder pro Mann seit 1991 in jedem Jahr unter der Zahl der Kinder pro Frau. Für 2013 geben die Forscher eine Quote bei Männern von 1,35 Kindern an, Frauen hingegen kamen auf durchschnittlich 1,42.

Ein Grund, dass die Kinderzahl pro Mann hinter der pro Frau zurückbleibt, ist, dass es einen Männerüberschuss im sogenannten "reproduktiven Alter" gibt, in dem Frauen oder Männer gewöhnlich Kinder bekommen.

Die Geburtenrate ist die Zahl der geborenen Babys geteilt durch alle Männer oder Frauen im reproduktiven Alter – inklusive derer, die kinderlos bleiben. Demnach wird die gleiche Zahl an Kindern auf mehr Männer als Frauen aufgeteilt, was zu einer geringeren Kinderrate bei Männern führt.

Quelle: MPG

Verhaltensforschung Schimpansen sind - doch - unsozial

Zumindest haben Primatologen aus Birmingham bei Experimenten mit unseren nächsten lebenden Verwandten keinerlei Hinweise auf Altruismus entdecken können. Die Forscher hatten in Uganda untersucht, ob Schimpansen Artgenossen helfen oder sie gezielt behindern, wenn es dabei für sie weder positive noch negative Effekte gibt. Dabei sahen die Biologen, dass die Tiere keinerlei Motivation zeigten, etwas für oder gegen andere Affen zu tun, wenn es für sie keine Auswirkungen hatte.

Die Studienautoren gehen daher davon aus, dass die bisherigen Indizien für prosoziales Verhalten bei Schimpansen durch die Versuchsanordnungen vorgetäuscht worden seien. Sie haben keinen Beleg für uneigennütziges Verhalten finden können, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt NATURE Communications.

Quelle: NATURE Communications (10.1038/ncomms13915)

Biologie Salamander müssen meilenweit auf Brautschau gehen

Bislang war unklar, welche Wege manche Vertreter der Querzahnmolche (Ambystoma texanum) für die Fortpflanzung auf sich nehmen. Um das herauszufinden, haben Wissenschaftler der Ohio State University mehr als 440 freilebende Tiere genetisch untersucht.

Die Vaterschaftstests ergaben, dass die rund 18 Zentimeter langen Salamander durchschnittlich neun Kilometer bis zum geeigneten Partner zurückgelegt hatten. Einige Tiere waren sogar 14 Kilometer für einen Reproduktionserfolg auf ihren kurzen Beinen gelaufen, notieren die Forscher im Fachblatt Functional Ecology. Das entspricht - auf den Menschen hochgerechnet - einem Fußmarsch von rund 120 Kilometern Länge, so die Studienautoren.

Quelle: Ohio University

20.12.2016

Biologie Sonnenlicht bringt Bewegung ins Immunsystem

Dass Sonnenlicht die Vitamin-D-Produktion anregt und damit die Gesundheit fördert, ist bekannt. Nun haben Forscher aus Vietnam und den USA einen komplett neuen Zusammenhang zwischen Sonnenlicht und der Gesundheit aufgezeigt.

Blaues Sonnenlicht fördere die Mobilität von T-Zellen des Immunsystems, berichten die Wissenschaftler in den "Scientific Reports". Diese Zellen sind dafür zuständig, Infektionen zu bekämpfen und müssen sich dafür bewegen können.

T-Zellen befinden sich unter anderem in der menschlichen Haut, wo sie vom Sonnenlicht erreicht werden können. Welche Bedeutung die Entdeckung tatsächlich für das Immunsystem hat, müssten weitere Studien zeigen, heißt es von den Forschern.

Quelle: "Scientific Reports"

Neurologie Eine Schwangerschaft verändert das Gehirn

Darauf deutet eine Studie von Forscher aus den Niederlanden und Spanien hin. Die Wissenschaften haben die Gehirne von Frauen untersucht, die bis dahin noch nie schwanger gewesen waren.

25 der Frauen wurden im Zeitraum der Studie schwanger und bekamen Kinder. Danach wurden sie erneut untersucht. Das Ergebnis: Das Volumen der grauen Substanz in den Gehirnen dieser Frauen hatte sich verringert. Das betraf die Teile im Gehirn, die für das Erkennen sozialer Signale wichtig sind.

Dank dieser Veränderung könnten die Gehirne der Mütter effizienter auf die Bedürfnisse der Kinder reagieren, berichten die Forscher in Magazin "Nature Neuroscience".

Quelle: Magazin "Nature Neuroscience"

Kraken-Art Caspers Nachwuchs braucht Manganknollen

Vor einigen Monaten entdeckten Forscher in der Tiefsee vor Hawaii eine neue Kraken-Art. Sein graues Erscheinungsbild brachte dem kleinen Kraken den Spitznamen "Casper" ein – benannt nach einem bekannten Comic-Gespenst.

Wissenschaftler aus Deutschland und den USA haben die Lebensweise dieser Tiere nun im Fachblatt "Current Biology" genauer beschrieben. Demnach legen die Kraken ihre Eier in toten Tiefsee-Schwämmen ab, die auf Manganknollen wachsen.

Diese Knollen sehen in etwa so aus wie Kartoffeln und bestehen aus verschiedenen Mineral-Schichten. Es gibt Pläne, solche Manganknollen zu bergen, um daraus Rohstoffe für die Elektronik-Produktion zu gewinnen. Das könnte jedoch die Kraken gefährden, heißt es von den Forschern.

Quelle: "Current Biology"

Werkstoffkunde Das Geheimnis des Stradivari-Klangs könnte im Holz liegen

Wissenschaftler aus Taiwan und Deutschland haben Holzproben von fünf der berühmten Geigen aus dem 17. Jahrhundert untersucht. Verglichen mit dem Holz moderner Geigen, zeigte der Ahorn der Stradivaris drei altersbedingte Unterschiede:

Die Hemicellulose – ein Bestandteil pflanzlicher Zellwände – war zu einem Drittel abgebaut. Die Feuchtigkeit des Holzes war geringer. Und das Lignin – ein weiterer Bestandteil von Holz – war oxidiert. Auch fanden die Forscher Veränderungen, die auf die jahrhundertelangen Vibrationen beim Musizieren zurückzuführen seien.

Die Wissenschaftler haben ihre Ergebnisse im Magazin "PNAS" veröffentlicht. Weitere Studien müssten zeigen, ob die Veränderungen des Holzes tatsächlich für den berühmten Klang der alten Geigen verantwortlich sind.

Quelle: Magazin „PNAS“

Wattenmeer In Schleswig-Holstein gibt es weniger Seehunde

Die Zahl der Seehunde ist seit letztem Jahr um 21 Prozent auf 6.600 Tiere zurückgegangen. Das teilte das Wattenmeer-Sekretariat in Wilhelmshaven mit. Betrachtet man das komplette Wattenmeer, so sind die Zahlen stabil geblieben. Seit einer großen Seuche im Jahr 2002 haben sich die Populationen stetig erholt. Nun könnte dieses Wachstum an die natürlichen Grenzen gestoßen sein.

In Hamburg und Niedersachsen blieb die Zahl der Seehunde auf dem Niveau von 2015. In den Niederlanden ist sie in diesem Zeitraum etwas gestiegen. In Dänemark ist die Zahl der Tiere im letzten Jahr um 25 Prozent gesunken. Dort zählten die Experten noch 2.150 Seehunde.

Als Grund nennen die Biologen eine Verschiebung der Alters- und Geschlechtsstruktur wegen eines Grippe-Virus. Das habe zwischen 2014 und 2015 für viele tote Tiere gesorgt.

Quelle: Wattenmeer-Sekretariat

Klima El-Nino könnte die Zika-Virus-Epidemie verstärkt haben

Britische und schwedische Wissenschaftler schließen das aus einem neuen Computermodell. Es nutzt die Verteilung der Zika-übertragenden Stechmücken und temperaturabhängige Faktoren wie die Häufigkeit von Stichen und Sterberaten. Daraus berechnet es den Einfluss des Klimas auf die Ausbreitung des Virus.

Die Ergebnisse zeigen, dass ein besonders starker El-Nino im Jahre 2015 und der Klimawandel den Ausbruch der Krankheit in Südamerika begünstigt haben. Als El-Nino bezeichnet man ein widerkehrendes Wetterphänomen, das für hohe Temperaturen und starke Regenfälle sorgen kann.

Die Forscher haben ihr Modell im Magazin "PNAS" beschrieben. Es könnte dazu dienen, zukünftige Ausbrüche besser vorherzusagen.

Quelle: Magazin "PNAS"

US-Forscher Kinder, die zu Fettleibigkeit neigen, reagieren stärker auf Fastfood-Werbung

US-Forscher haben die Hirnaktivität von knapp 80 Kindern untersucht, während diese sich ein Fernsehprogramm ansahen. In diesem Programm kam unter anderem Werbung für Fastfood vor. Bei Kindern, die genetisch zu Übergewicht neigten, stellten die Forscher eine stärkere Aktivität in einem Belohnungszentrum des Gehirns fest. So beschreiben sie es im Magazin "PNAS". Das sei ein Hinweis darauf, warum manche Kinder dazu neigen, zu viel zu essen.  

Quelle: Magazin "PNAS"

16.12.2016

Multiresistente Bakterien Reisende bringen Fleisch aus fernen Ländern mit

Und damit potenziell gefährliche Krankheitserreger. Deutsche Wissenschaftler haben illegal nach Deutschland eingeführtes Fleisch untersucht, das an den Flughäfen Frankfurt am Main und Berlin-Schönefeld aus dem Verkehr gezogen wurde.

Wie die Forscher im Fachmagazin "PLOS One" berichten, waren einige Fleischstücke mit multiresistenten Bakterien wie etwa Staphylococcus aureus kontaminiert.

Die Keime stammten nicht von den Tieren selbst, sondern waren menschlichen Ursprungs und lassen auf mangelnde Hygiene-Standards bei der Schlachtung und Verarbeitung schließen, so die Forscher.

Allein an den Flughäfen Frankfurt und Berlin-Schönefeld wurden 2014 insgesamt 2,8 Tonnen Fleisch illegal von Passagieren mitgeführt. Dies erhöhe das Risiko für die Ausbreitung multiresistenter Keime in Europa, so die Wissenschaftler. [JSt]

Luftverschmutzung In Peking herrscht dicke Luft

Chinas Hauptstadt hat wegen enormer Luftverschmutzung die höchste Alarmstufe "Rot" ausgerufen. Damit gelten weitreichende Fahrbeschränkungen für Autos, einige Fabriken müssen die Produktion drosseln oder ganz stoppen.

Kindergärten und Schulen wurden geschlossen. 2014 hatte die chinesische Regierung Reformen angekündigt, die zur Verbesserung der Luftqualität beitragen sollen. [JSt]

Biologie Ein Frosch kann 50.000 Mal pro Nacht quaken

Zu diesem Schluss kommen Forscher des Senckenberg Forschungsinstituts in Frankfurt am Main. Sie hatten Lautaufnahmen des Pfeiffroschs Leptodactylus mystacinus ausgewertet, die sie in der bolivianischen Savanne aufgenommen hatten.

Wie sie im Fachmagazin "Salamandra" schreiben, könne der nur wenige Zentimeter große Frosch in einer Nacht über 50.000 Rufe von sich geben. Mit den Rufen wollen männliche Tiere die Weibchen anlocken.

Die Forscher wollen nun untersuchen, wie die Frösche es schaffen, diese anstrengende Leistung über einen so langen Zeitraum aufrecht zu erhalten. [JSt]

Biologie Forscher haben das Altern von Mäusen verlangsamt

Wie die Wissenschaftler aus den USA und Spanien im Fachmagazin "Cell" berichten, veränderten sie dafür nicht direkt das Genom der Tiere, sondern das sogenannte Epigenom. Das sind Molekül-Anhängsel an der DNA, die sich im Laufe der Zeit, etwa durch Umwelteinflüsse, verändern.

Die Forscher verabreichten Mäusen, die bereits deutliche Alterserscheinungen zeigten, das Antibiotikum Doxycyclin. Dadurch verwandelten sich ausgewachsene Zellen im Körper der Mäuse zu stammzellähnlichen Zellen, die in einem noch jungen Zustand sind.

Die Lebensdauer der Mäuse verlängerte sich von 18 auf 24 Wochen. Die Haut der Nager machte auf die Forscher einen vergleichsweise jugendlichen Eindruck, ebenso die Nieren, der Magen und das Herz-Kreislauf-System.

Die Wissenschaftler betonen, dass sich die Ergebnisse nicht direkt auf den Menschen übertragen lassen. [JSt]

Virus In den USA leiden vier Prozent der Neugeborenen von Zika-infizierten Müttern an Mikrozepha

Das geht aus einer Studie im Fachmagazin "JAMA" hervor. An ihr hatten 442 schwangere Frauen teilgenommen. 18 von ihnen brachten ein Kind mit Mikrozephalie zur Welt. Zu ähnlichen Zahlen kam unlängst eine Studie in Brasilien.

Betroffene Babys haben einen kleineren Kopf als gewöhnlich und leiden an Hirnschäden. Bei Erwachsenen verläuft eine Zika-Infektion meist eher mild. Das durch Stechmücken übertragene Virus ist derzeit vor allem in Süd- und Mittelamerika verbreitet. [JSt]

Geologie Die größten und wertvollsten Diamanten entstanden tief im Erdinneren

Und zwar etwa 350 bis 750 Kilometer tief unter der Erdoberfläche, wo flüssige Metalle vorkommen. Das berichtet ein internationales Team von Forschern im Fachblatt "Science".

Sie hatten 53 besonders große Diamanten untersucht, vor allem die Einschlüsse darin. Bei 38 von ihnen bestanden diese unter anderem aus Eisen und Nickel.

Die Wissenschaftler gehen deshalb davon aus, dass diese großen Diamanten tief im Erdinneren entstehen, wo die gefundenen Metalle in flüssiger Form vorkommen.

Allerdings können diese Diamanten nicht in größerer Tiefe als 750 Kilometer unter der Erdoberfläche entstanden sein: Die Forscher haben in einigen Exemplaren Einschlüsse aus Granat gefunden. Dieses Mineral ist nur bei einem Druck stabil, wie er oberhalb von 750 Kilometern herrscht. [JSt]

Asteroid Forscherteams haben sich das Eis auf Ceres genauer angeschaut

Bereits bekannt war, dass es auf Ceres Wassereis gibt. Wie die nun ausgewerteten Bilder und Daten der Raumsonde Dawn zeigen, nimmt der Anteil des Eises Richtung der beiden Pole zu. An den Polen beträgt der Eis-Anteil etwa 30 Prozent des gesamten Materials. Das berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin "Science".

Eine zweite Forschergruppe hatte Aufnahmen der Nordpolarregion ausgewertet, genauer, die von 634 Kratern. Bei zehn entdeckten die Wissenschaftler helle Ablagerungen im Inneren. Bei einem Krater konnten sie nachweisen, dass es sich dabei um Wassereis handelt, wie die Wissenschaftler im Fachblatt "Nature Astronomy" schreiben. Sie gehen davon aus, dass es sich auch bei den hellen Ablagerungen der anderen Krater um Eis handelt. [JSt]

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