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07.06.2012

Umwelt Der internationale Handel trägt massiv zum Artenschwund bei.

Fast jedes dritte Tier auf der Roten Liste gefährdeter Arten ist durch globale Konsumverflechtungen bedroht. Das zeigt eine Studie in der Fachzeitschrift "Nature". Ein internationales Forscherteam hat untersucht, inwiefern die Gefährdung von 25.000 Tierarten mit der Produktion und dem Verkehr von rund 15.000 Waren aus aller Welt zusammenhängt. Rechnet man den Einfluss invasiver Arten nicht mit ein, seien allein 30 Prozent der Rote-Liste-Arten durch den internationalen Handel bedroht, so das Ergebnis. Durch die hohe Nachfrage nach Rohstoffen und Waren aus Entwicklungsländern hätten gerade auch Verbraucher in Industrieländern eine große Verantwortung für den Artenschwund, betonen die Forscher. //[luh]//

Quelle: DOI: 10.1038/nature11145

Umwelt Ölpest beeinflusst Bodenlebewesen.

Die Explosion der Bohrplattform Deepwater Horizon und die nachfolgende Ölpest im Golf von Mexiko hat das mikrobielle Leben an den Stränden der US-Küste stark verändert. US-Forscher der Universität von New Hampshire untersuchten Bodenproben von fünf Küstenorten aus der Zeit vor und einige Monate nach der Ölkatastrophe im Jahr 2010. Dabei fanden sie heraus, dass Vorkommen und Vielfalt von Kleinstlebewesen wie Nematoden, Einzeller und Pilze durch das Öl weitaus drastischer verändert wurden als zuvor angenommen. Die Artenvielfalt ging stark zurück, vor allem unter den Nematoden. Nach dem Ölunfall dominierten ölabbauende Pilze das marine Bodenleben. Da Kleinstlebewesen im Meer die Basis der marinen Nahrungskette bilden, rechnen die Forscher mit langfristigen negativen Folgen für das Ökosystem im Golf von Mexiko. Die Studie ist im Fachjournal PLoS One erschienen. //[luh]//

Pharmakologie Die Pharmaforschung hat noch großes Potenzial.

Eine schier unendliche Zahl potenzieller Pharmawirkstoffe ist noch unentdeckt. Zu dieser Einschätzung sind Schweizer Chemiker gelangt. Die Forscher haben hochgerechnet, wie viele verschiedene sogenannte kleine Moleküle, die Zellwände problemlos durchdringen können, gemäß physikalischer und chemischer Gesetzmäßigkeiten theoretisch herstellbar wären. Sie kamen auf die Zahl von einer Dezillion. Das ist eine 1 gefolgt von 60 Nullen. Nach Angaben der Forscher sind bisher weit weniger als 0,1 Prozent der möglichen kleinen Moleküle überhaupt synthetisiert und als Wirkstoffe getestet worden. Die Studie ist im Magazin "ACS Chemical Neuroscience" erschienen. //[luh]//

Quelle: DOI: 10.1021/cn3000422

Mikrobiologie Tripper könnte unheilbar werden.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat davor gewarnt, dass es für die Geschlechtskrankheit Tripper in absehbarer Zeit keine Heilung mehr geben könnte. 
Gegen ein Breitband-Antibiotikum, das bislang allgemein als letzte Behandlungsmöglichkeit für die sogenannte Gonorrhöe galt, seien in vielen Ländern Resistenzen beobachtet worden, teilte die WHO in Genf mit. Dadurch steige die Gefahr, dass sich ein mutmaßlich harmloser Tripper zu einer schweren und schließlich tödlichen Erkrankung auswachse. Jedes Jahr infizieren sich weltweit mehr als 100 Millionen Menschen mit der Krankheit – fast ausschließlich beim Geschlechtsverkehr. //[luh]//

Quelle: WHO

Klimaforschung Klimaerwärmung geht auch ohne viel CO2

Der Einfluss des CO2-Gehaltes der Atmosphäre auf die Meerestemperaturen war vor mehr als fünf Millionen Jahren noch deutlich geringer als heute. US-Forscher rekonstruierten anhand bestimmter Mikrofossilien aus Bodensedimenten die Wassertemperaturen des Pazifiks vor fünf bis 13 Millionen Jahren. Dabei zeigte sich, dass das Meer damals um rund neun Grad wärmer war als heute, während die CO2-Konzentration deutlich unter den aktuellen Werten lag. Zu jener Zeit waren die Ozeanbecken noch anderes geformt. Das führte zu großräumig veränderten Strömungsmustern. Diese trugen nach Ansicht der Forscher zu einer Erwärmung des Klimas auch ohne den starken Antrieb durch das Treibhausgas CO2 bei. Die Studie ist im Fachmagazin "Nature" erschienen. //[luh]//

Quelle: DOI:10.10387/nature11200

Amphibienkunde Datenbank soll Fröschen helfen.

Wissenschaftler aus der Schweiz und den USA wollen weltweit die Frösche vor dem Aussterben retten – mit Hilfe einer öffentlichen Datenbank. Seit Jahren grassiert unter Amphibienarten eine gefährliche Pilzinfektion. Trotz vieler Versuche haben Forscher bisher keine Lösung gefunden, den Pilz effektiv zu bekämpfen. In der neuen Datenbank sollen nun alle bisherigen und künftigen Studien gesammelt werden, und zwar nicht nur erfolgsversprechende Ansätze, sondern auch alle Fehlschläge. Mit einem solchen Überblick erhoffen sich die Forscher schnellere Fortschritte im Kampf gegen das globale Froschsterben. //[pgi]//

Quelle: Alphagalileo

06.06.2012

Solartechnik Solarflugzeug erreicht Nordafrika.

Der Schweizer Sonnenflieger "Solar Impulse" hat den ersten Interkontinentalflug absolviert. Die Maschine ist von Madrid in Spanien bis nach Marokko geflogen. Der Flug über 830 Kilometer dauerte 19 Stunden. Es ist die bisher weiteste Strecke dieses nur mit Sonnenenergie betriebenen Flugzeugs. Der Experimentalflieger hat die Spannweite eines Airbus A340, wiegt aber nur 1,6 Tonnen. Die Flügel sind mit 12.000 Solarzellen bestückt. Sie liefern die Energie für den Betrieb von vier Elektromotoren mit Propellern. "Solar Impulse" kann dank eingebauter Energiespeicher auch bei Dunkelheit fliegen. Die Maschine erreichte die marokkanischen Hauptstadt Rabat in der Nacht zum Mittwoch. Der Flug gilt als Test für eine geplante Weltumrundung. [luh]

Klimaforschung Geoengineering verändert Niederschlagsmuster.

Gezielte Eingriffe in die Atmosphäre, um den Klimawandel auszugleichen, haben ihre Schattenseiten. Das zeigt eine Studie internationaler Klimaforscher. Die Wissenschaftler haben mit Klimamodellen simuliert, was passiert, wenn feinste Schwefelpartikel künstlich in die obere Atmosphäre eingebracht werden. Damit ließe sich ein Teil der Sonneneinstrahlung abblocken. Die Berechnungen zeigen: Das sogenannte Geoengineering kann zwar den durch hohe CO2-Konzentrationen gesteigerten Treibhauseffekt ausgleichen und die Temperaturen am Boden senken. Doch zugleich würde dann in vielen Regionen der Erde deutlich weniger Regen fallen als heute. Die Forscher schließen daraus, dass Geoengineering den klassischen Klimaschutz durch Reduktion der Treibhausgasemissionen nicht ersetzen könne. Die Studie ist im Magazin "Earth System Dynamics" erschienen. [luh]

Quelle: Earth System Dynamics, doi:10.5194/esd-3-63-2012

Biologie Krabbenlarven siedeln nach Gehör.

Junge Krabben durchleben fünf Larvenstadien, bei denen sie im Meer frei umherschwimmen. Erst im letzten Stadium sinken sie zu Boden. Den passenden Ort, wo sie sich niederlassen, wählen sie auch nach dem Klang. Das haben neuseeländische Forscher herausgefunden. Die Wissenschaftler spielten Krabbenlarven in einem Aquarium Unterwasseraufnahmen aus verschiedenen Meeresregionen vor. Dabei zeigte sich: Die Tiere ließen sich vor allem dann absinken, wenn die für ihre Art passende Geräuschkulisse zu hören war. Tropische Krabben bevorzugten Tonaufnahmen von Korallenriffen, Kaltwasserkrabben reagierten besonders auf Klänge von felsigen Küsten mit Algenbewuchs. Die Studie ist in den Proceedings der britischen Royal Society erschienen. [luh]

Quelle: Proc. of the Royal Society B., doi: 10.1098/rspb.20120697

Psychologie Die Popmusik tendiert zu Moll-Tönen.

In den vergangenen 50 Jahren ist die Popmusik immer trauriger geworden. Im Vergleich zu den Liedern aus den 1960er-Jahren hat sich der Anteil der Moll-Tonarten in den Musikstücken verdoppelt. Das haben Forscher der Freien Universität Berlin herausgefunden. Die Wissenschaftler werteten mehr als 1000 Titel aus den US-Charts seit 1965 aus. Dabei zeigte sich, dass früher deutlich mehr Lieder in einer fröhlichen Dur-Tonart komponiert wurden. Heute kombinieren immer mehr Songs auch unterschiedlich emotional getönte musikalische Stilmittel und klingen deshalb ambivalent. Die Studie ist in der Online-Ausgabe der Zeitschrift "Psychology of Aesthetics, Creativity and the Arts" erschienen. [luh]

Quelle: Psych. of Aesthetics, Creativity and the Arts, doi: 10.1037/a0028024

Biologie Waschen bekämpft Krankenhauskeime.

Regelmäßiges Reinigen des ganzen Körpers mit antiseptischen Einmal-Waschlappen kann die Ansteckungsrate mit multiresistenten Keimen in Krankenhäusern deutlich senken. Das zeigt eine Studie aus Kanada. Drei Jahre lang wurden auf der geriatrischen Station eines Krankenhauses in Ontario alle Patienten täglich mit Wegwerf-Tüchern gewaschen, die den antimikrobiellen Wirkstoff Chlorhexidin-Gluconat enthielten. In dieser Zeit sank die Rate der Neu-Infektionen von Patienten mit dem Krankenhauskeim MRSA um 82 Prozent. Die Ergebnisse wurden jetzt auf einem Kongress zur Infektionskontrolle und Epidemiologie in San Antonio, Texas, präsentiert. [luh]

Quelle: Eurekalert

Biologie Manta-Rochen atmen im Mutterleib schon selbstständig.

Der Nachwuchs von Manta-Rochen kommt lebend zur Welt. Während der Entwicklung sind die Embryonen aber nicht über eine Nabelschnur mit ihrer Mutter verbunden. Wie sich der Nachwuchs mit Sauerstoff versorgt, war lange Zeit unklar. Japanische Meeresbiologen haben jetzt erstmals ein trächtiges Manta-Rochen-Weibchen mit Ultraschall untersucht. Die Aufnahmen zeigen, dass der Embryo seinen Mund stetig öffnet und schließt. So pumpt er Uterusflüssigkeit durch seine Kiemen und filtert daraus Sauerstoff. Die Fähigkeit zur sogenannten Mundatmung geht bei erwachsenen Mantas verloren. Sie müssen schwimmen, um einen steten Flüssigkeitsstrom durch ihre Kiemen zu erzeugen. Die Studie ist im Magazin "Biology Letters" erschienen. [luh]

Quelle: Biology Letters, doi: 10.1098/rsbl.2012.0288

05.06.2012

Paläontologie Rieseninsekten verschwanden, als Vögel den Himmel eroberten

Als sich vor circa 150 Millionen Jahren die Vögel entwickelten, verschwanden allmählich besonders große Insekten, die bis dahin auf der Erde existiert hatten. Denn kleine und wendige Insekten hatten nun einen Überlebensvorteil: Sie konnten den Vögeln besser ausweichen. Das schreiben Forscher aus Kalifornien in den Proceedings der US-Akademie der Wissenschaften. Bisher war man davon ausgegangen, dass die Größe der Insekten ausschließlich mit dem Sauerstoffgehalt der Luft zusammenhängt: Bei sinkenden Konzentrationen des Gases schrumpfen die Insekten, weil dann weniger Sauerstoff ihre Muskelzellen erreicht. Diesen Zusammenhang konnten die Forscher bestätigen, aber nur bis zum Erscheinen der Vögel. Ab diesem Zeitpunkt schrumpften die Insekten, obwohl der Sauerstoffgehalt in der Atmosphäre stieg. //[reu]//

Quelle: PNAS

Zoologie Anopheles ist hart im Nehmen

Stechmücken der Gattung Anopheles überstehen ohne Probleme einen Zusammenprall mit einem Regentropfen, der 50 Mal schwerer ist als sie selbst. Die Insekten werden zwar kurz von der Last nach unten gedrückt, aber sie lassen das Wasser dann einfach abperlen. Das berichten Forscher aus dem US-Bundesstaat Georgia im Fachblatt "PNAS". Bei solch einem Zusammenprall halten die Mücken kurzzeitig eine Beschleunigung aus, die der 300-fachen Erdbeschleunigung entspricht. Diese Widerstandsfähigkeit verdanken sie ihrem Exoskelett, das eine stabile äußere Hülle bildet, und ihrem geringen Körpergewicht. Trifft ein Tropfen die Mücken direkt, dann werden sie von ihm mitgerissen. Sie können sich aber schnell wieder von ihm befreien und ihre ursprüngliche Flughaltung einnehmen. //[reu]//

Quelle: PNAS

Technologie Spionagewerkzeuge könnten zukünftig ins Weltall blicken

Zwei überzählige Teleskope, deren Bau vom US-Verteidigungsministerium in Auftrag gegeben worden war, um von Spionagesatelliten aus die Erde zu beobachten, sollen nun der NASA übergeben werden. Die Raumfahrtagentur möchte die Geräte nutzen, um eine Mission zu unterstützen, die Erkenntnisse über dunkle Energie und Planeten außerhalb des Sonnensystems gewinnen soll. Das teilte ein Sprecher der NASA gestern in Washington mit. Im Moment lagern die Teleskope noch in einer Forschungseinrichtung im US-Bundesstaat New York. Die NASA wird jährlich rund 100.000 Dollar bezahlen müssen, um die empfindlichen Instrumente dort aufzubewahren. Im Jahr 2020 frühestens könnten sie dann in das Weltall starten. Jedes der beiden Teleskope ist ungefähr so groß wie das Hubble-Weltraum-Teleskop. //[reu]//

Energie Ein Windrad misst die Böe, bevor sie kommt

Wissenschaftler aus Stuttgart haben weltweit erstmalig eine Windenergieanlage geregelt, indem sie die Geschwindigkeit des anströmenden Windes mit einem Lidar-System gemessen haben, das auf der Gondel montiert ist. Ein Lidar ist eine laseroptische Methode zur Messung von Distanzen und Geschwindigkeiten. Mit dem System auf der Windenergieanlage ist es nun möglich, die Windgeschwindigkeit frühzeitig zu messen und dadurch die Rotorgeschwindigkeit besser auf den Wind einzustellen. So können Belastungen der Anlage reduziert und die Energieausbeute erhöht werden. Vorgestellt wird die neue Technologie auf einer Windenergiefachmesse, die zurzeit in Atlanta stattfindet. //[reu]//

Wissenschaft Open Access Petition findet immer mehr Unterstützer

Über 25.000 Menschen in den USA haben eine Petition unterzeichnet, die den Zugang zu wissenschaftlichen Fachpublikationen erleichtern soll. Das Papier fordert den US-Präsidenten dazu auf, den Zugang auf alle Veröffentlichungen auszudehnen, die mithilfe von öffentlichen Geldern möglich wurden. Im Moment existiert solch ein Verfahren nur für Forscher, die von den Nationalen Gesundheitsinstituten NIH unterstützt werden. Mit 25.000 Unterzeichnenden hat die Petition nun eine Schwelle überschritten, ab der das Weiße Haus mit einer Stellungnahme reagieren muss. //[reu]//

Medizin Infektionen ließen Gen-Funktionen verschwinden

Vor rund 300.000 Jahren haben die damaligen Menschen die Funktionsfähigkeit von zwei Genen eingebüßt, die einerseits wichtig waren für das Immunsystem, die aber andererseits die Träger anfälliger machte für bestimmte bakterielle Infektionen. Das berichtet ein internationales Forscherteam im Fachblatt "PNAS". In diesen Genen liegt der Bauplan für eine Eiweißverbindung, die für die Aktivierung von Immunzellen verantwortlich ist. Bestimmte Streptokokken und Coli-Bakterien können das Eiweiß aber als Andockstelle nutzen, um das Immunsystem zu hemmen. Die Wissenschaftler glauben, dass der Verlust der Genfunktion den damaligen Menschen dabei geholfen hat, eine bakterielle Epidemie zu überleben. //[reu]//

Quelle: PNAS

04.06.2012

Psychologie Japanische Forscher entwickeln "Diät-Brille"

Das von Forschern der Universität Tokio entwickelt Gerät bildet Essbares – etwa einen in der Hand gehaltenen Keks – größer ab, als er ist. Die Hand hingegen wird nicht vergrößert. Versuchspersonen aßen etwa zehn Prozent weniger, wenn die von ihnen verzehrten Kekse doppelt so groß erschienen als sie wirklich waren. Bildete die Brille den Keks ein Drittel kleiner ab, als er in Wirklichkeit war, aßen die Studienteilnehmer 15 Prozent mehr. In einem anderen Experiment nutzten die Wissenschaftler Düfte und Bildbearbeitungstricks, um den Versuchspersonen vorzuspiegeln, sie würden Schokoladenkekse oder Kekse mit Fruchtgeschmack essen statt eines Butterkekses. Bei 80 Prozent der Teilnehmer hatten sie damit Erfolg. Es gehe zunächst darum zu sehen, ob und wie manipulierte Sinneseindrücke das Bewusstsein und das Verhalten veränderten, so die Forscher. Sie wollen jetzt testen, ob ihre Erfindung auch praktischen Nutzen haben könnte. //[mawi]//

Astronomie Licht aus der Frühzeit des Universums entdeckt

Japanische Astronomen haben die bislang fernste Galaxie am Nachthimmel entdeckt. Das Sternsystem ist 12,91 Milliarden Lichtjahre von der Erde entfernt und stammt vom Ende des sogenannten "Dunklen Zeitalters" im jungen Universum, teilte das Subaru-Observatorium auf Hawaii heute mit. Nach dem Urknall vor 13,7 Milliarden Jahren war der Kosmos zunächst erfüllt von einem undurchsichtigen Schleier aus neutralem Wasserstoffgas. Erst das Licht der ersten Sterne und Galaxien lichtete den Wasserstoffnebel. Aus dieser Zeit - rund 750 Millionen Jahre nach dem Urknall - stammt das jetzt empfangene Licht der Galaxie SXDF-NB1006-2. Die japanischen Forscher hatten mit dem Subaru- und dem Keck-Teleskop auf Hawaii gezielt nach fernen Sternsystemen gesucht. //[mawi]//

Energie Klimawandel könnte Stromerzeugung in Kraftwerken empfindlich stören

Bei Wassertemperaturen von mehr als 23 Grad Celsius und zu niedrigen Wasserständen dürfen Kraftwerke in Europa nur noch begrenzte Mengen Kühlwasser aus Gewässern entnehmen oder einleiten. Ein internationales Forscherteam hat berechnet, dass sich bereits in rund 20 Jahren die Tage häufen, an denen Kraftwerke gedrosselt oder abgeschaltet werden müssten, weil sie nicht mehr ausreichend gekühlt werden können. Im Zeitraum von 2031 bis 2060 werde dies zu Einbußen in der Stromerzeugung von bis zu 19 Prozent in Europa und bis zu 16 Prozent in den USA führen. Die Wahrscheinlichkeit für Situationen, in denen einzelne Kraftwerke komplett abgeschaltet werden müssten, werde um das Dreifache steigen, berichten die Forscher im Fachblatt "Nature Climate Change". Kraftwerke mit einer höheren Effizienz sowie ein verstärkter Ausbau von erneuerbaren Energien, so die Forscher, könnten die Klimaanfälligkeit der Stromproduktion mildern. //[mawi]//

Quelle: Nature Climate Change - doi:10.1038/NCLIMATE1546

Neurowissenschaft Ungenutzte Synapsen im Gehirn werden gefressen

Im Gehirn gibt es Zellen, die Krankheitserreger und abgestorbene Nervenzellen beseitigen. Diese Mikrogliazellen fressen aber auch gesunde Nervenbahnen, die wenig genutzt werden, haben Neurologen am Kinderkrankenhaus der Harvard Medical School in Boston bei Tierversuchen entdeckt. Die Neurologen hatten Mäuse so manipuliert, dass sie das eine Auge öfter benutzen mussten als das andere. Anschließend fanden die Forscher im Augen-Hirn-Schaltkreis des weniger benutzten Auges deutlich weniger synaptische Verbindungen, als im Schaltkreis des oft benutzten Auges. Im Fachblatt "Neuron" berichten die Neurologen, dass die Mikrogliazellen nur solche Synapsen vertilgt hatten, die mit einem speziellen Immunmarker gekennzeichnet waren - sozusagen einem "Iss-mich"-Signal. Sie schlussfolgern daraus, dass Mikrogliazellen auch eine wichtige Rolle bei der Entwicklung unseres Gehirns spielen. //[mawi]//

Biologie Algen, Flechten und Moose binden riesige Mengen klimarelevanter Gase

Die auf Bäumen, Dächern, Mauern, Felsen und Böden wachsenden Algen, Flechten und Moose binden jährlich etwa 14 Milliarden Tonnen Kohlendioxid, also etwa die gleiche Menge die jedes Jahr durch Waldbrände und Biomasseverbrennung freigesetzt wird. Das haben Forscher des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz gemeinsam mit Kollegen der Universität Kaiserslautern und der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung in Frankfurt berechnet. Außerdem binden diese Pflanzen etwa 50 Millionen Tonnen Stickstoff jährlich - dies entspricht der Hälfte des gesamten von Landpflanzen aufgenommenen Stickstoffs weltweit, berichten die Forscher im Fachmagazin "Nature Geoscience". Der Beitrag von Algen, Moosen und Flechten zur globalen Kohlenstoff- und Stickstoffbilanz sei bislang vernachlässigt worden. Dank der neuen Berechnungen sei es jetzt möglich, Stoffkreislauf- und Klimamodelle zu verbessern. //[mawi]//

Quelle: Nature Geoscience - doi: 10.1038/NGEO1486

01.06.2012

Raumfahrt Der Drache ist gelandet.

Die erste privat finanzierte Raumkapsel wasserte am Donnerstag gegen 17:45 Uhr im Pazifik. Sie hatte in den Vormittagsstunden von der Raumstation abgedockt und 620 Kilogramm Fracht an Bord: Bestandteile von Experimenten, Ausrüstungsgegenstände und Fracht. Damit hat die Dragon-Kapsel ihren Test-Flug nach einer Verzögerung von rund einem halben Jahr erfolgreich absolviert. Noch in diesem Jahr soll der erste reguläre von zwölf vertraglich vereinbarten Flügen zur ISS starten; dabei wird die Kapsel bis zu 3,3 Tonnen Fracht ins All tragen. Die Nasa plant unterdessen, die Weiterentwicklung der Dragon-Kapsel für die bemannte Raumfahrt zu finanzieren. Die Kapsel soll in drei Jahren in der Lage sein, sieben Astronauten zur ISS zu fliegen. //[gät]//

Quelle: Agenturen

Neurologie Forscher brachten gelähmten Ratten das Laufen bei.

Die Wissenschaftler aus der Schweiz fügten den Versuchstieren zunächst eine schwere Verletzung des Rückenmarks zu. Diese Verletzung unterbrach die Nervenverbindung vom Hirn zu den Beinmuskeln. Anschließend verabreichten sie den Tieren ein spezielles Medikament, das sich an die abgerissenen Enden dieser Nerven anlagerte. Kurze Zeit später schickten die Forscher elektrische Impulse in die Nervenbahnen. Dadurch überbrückten sie quasi die Lücke zwischen den Nerven und machten eine Weiterleitung von Nervenimpulsen möglich. Wurden die Tiere anschließend einige Wochen trainiert, wuchsen die Nerven und überbrückten selbst die Schnittstelle. Die Tiere konnten sich dann wieder fortbewegen, berichten die Wissenschaftler in "Science". //[gät]//

Quelle: Science

Evolution Die Sprache könnte sich aus Grimassen entwickelt haben.

Einige Biologen vertreten die These, dass sich die Sprache nicht aus den Lauten der Primaten entwickelt hat, sondern aus dem Mienenspiel, mit dem Affen kommunizieren. Ein Forscherteam aus Österreich und den USA präsentiert jetzt in "Current Biology" Beobachtungen, die diese These stützen. Die Wissenschaftler hatten Lippenschmatzen von Affen auf Röntgenfilme gebannt. Die Analyse dieser Filme zeigte, dass bei diesem Schmatzen Lippen, Kiefer, Zunge und Zungenbein sich sehr komplex bewegen – und zwar ähnlich wie bei einem sprechenden Menschen. Da diese Bewegungen obendrein auch gelernt werden können – im Gegensatz etwa zum Brüllen – hält das Forscherteam es für wahrscheinlich, dass im Schmatzen und den damit verbunden Grimassen der Ursprung der Sprache zu finden sei. //[gät]//

Quelle: Current Biology

Umwelt Bäume sollten wachsen, um das Klima zu schützen.

Als klimaschützender Ersatz für fossile Brennstoffe in Öfen taugen sie nicht. Davon zeigen sich Forscher der Duke und Oregon State Universities überzeugt. Sie wenden sich damit gegen den Trend, mit Holz zu heizen oder aus Zellulose Treibstoff zu gewinnen. Die Wissenschaftler hatten mit selbstentwickelten Programmen berechnet, wie lange es dauert, bis das im Ofen freigesetzte Kohlendioxid durch Pflanzenwachstum wieder gebunden ist. Ihr Ergebnis: Es würde mehr als 100 Jahre dauern. Sie plädieren daher dafür, die Bäume im Wald zu lassen. //[gät]//

Quelle: Eurekalert

Endlagerung Die Kammer 7 der Asse wird angebohrt.

In der Kammer lagern mehr als 1200 Fässer mit radioaktivem Abfall, die mit gemahlenem Steinsalz überdeckt und anschließend unter betonummantelten Fässern begraben wurden. Seit 1982 ist diese Kammer verschlossen. Weil in das alte Salzbergwerk jeden Tag 12.000 Liter Wasser strömen, soll der radioaktive Müll jetzt geborgen werden. Ob das überhaupt möglich ist, soll mithilfe der Bohrung untersucht werden: Durch das Loch soll eine Mini-Kamera Bilder vom Zustand in der Kammer liefern. Die Bohrung wird rund sechs Wochen dauern, weil die Trennwand etwa zwanzig Meter stark ist. //[gät]//

Quelle: Agenturen

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