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27.06.2012

Neurologie Proteine verbreiten Alzheimer

Bislang war unklar, wie sich eine Alzheimererkrankung im Gehirn ausbreitet. Schwedische Neurowissenschaftler aus Linköping konnten dies nun erstmals klären. Wie sie im "Journal of Neurology" schreiben, konnten sie beobachten, wie Alzheimer von Gehirnzelle zu Gehirnzelle übergeht. Demnach übertragen Proteinmoleküle die Demenzerkrankung und zwar immer dort, wo sich zwei Zellen über ihre Ausläufer berühren. Dazu hatten die Wissenschaftler an Gehirnzellen von Mäusen und Menschen geforscht. Bei der Studie färbten sie in Zellkulturen die entsprechenden Proteine ein - und entdeckten sie kurze Zeit später auch in benachbarten Zellen. Den Studienautoren zufolge sind sie Dank dieser Entdeckung ihrem Ziel einen Schritt näher gekommen, Medikamente gegen die Ausbreitung von Alzheimer zu entwickeln.

Biologie Der langsamste Hai jagt seine Beute fast in Zeitlupentempo

Durch die extrem niedrigen Temperaturen von durchschnittlich zwei Grad Ceslisus in den arktischen Gewässern bedingt können Grönlandhaie nur sehr langsam schwimmen. Damit gelten sie als die langsamsten in der Wissenschaft beschriebenen Haie. Obwohl sich diese Fische mit gerade einmal 34 Zentimetern pro Sekunde fortbewegen, was einer Geschwindigkeit von 1,2 Kilometern pro Stunde entspricht, gehen sie auf Robbenjagd, schreibt ein internationales Forscherteam im "Journal of Experimental Marine Biology and Ecology". Vermutlich überwältigen die Grönlandhaie ihre Opfer im Schlaf. Die Wissenschaftler hatten von Bord eines Forschungsschiffes vor der norwegischen Insel Spitzbergen aus mehrere etwa drei Meter lange Grönlandhaie mit Senden ausgestattet.

Ernährung Lebensmittelkonzerne spielen eine große Rolle bei der Gesundheit von Menschen in Schwellenländern

Die Ausbreitung großer Lebensmittelkonzerne in ärmeren Ländern geht mit der Zunahme an Fettleibigkeit und chronischen Krankheiten wie Diabetes einher. Das ist das Ergebnis einer Studie, die Forscher der Universität Cambridge im Magazin "PLoS Medicine" vorstellen. Die Soziologen hatten die offiziellen Verkaufsdaten von Lebensmitteln aus 80 Ländern untersucht. Demnach nehmen in vielen Schwellenländern mit zunehmendem Wohlstand auch die Ernährungskrankheiten zu. So sind in Mexiko heute mehr Menschen fettleibig als in Amerika. Ein Grund hierfür sei ein Freihandelsabkommen mit den USA. Dadurch werde die Bevölkerung durch zahlreiche Lebensmittelkonzerne mit süßen Getränken und Fertigprodukten eindeckt, was zu einer Verschlechterung der Nahrungsqualität führe. In Venezuela dagegen gebe es dieses Handelsabkommen nicht, dort werde auch weniger Limonade getrunken und der Anteil der fettleibigen Menschen sei wesentlich geringer.

Biologie Delfine verdanken ihr großes Gehirn nur wenigen Mutationen

282 Mutationen trennen Delfine von ihren nahen Verwandten, den Kühen und Pferden. 27 davon betreffen das Nervensystem. Diese Veränderungen im Erbgut machten den Meerssäuger zu einem der intelligentesten Lebewesen der Welt, notieren US-amerikanische Forscher in den "Proceedings B der britischen Royal Society". Die Mutationen betreffen unter anderem die Glucoseversorgung des Gehirns oder die Fähigkeit von Nerven zu wachsen und zu schrumpfen – was eine Grundvoraussetzung für das Lernen ist. Eine andere Mutation zeigt sich demnach im Microcephalin-Gen – welches auch beim Menschen mutiert ist. Diese Erbeinheit spielt bei der Festlegung der Gehirn- und Kopfgröße eine Rolle. Bei Delfinen ist das Verhältnis von Gehirn- zu Körpergewicht nur wenig geringer als beim Menschen.

Suchtstatistik Vereinten Nationen stellen ihren Weltdrogenbericht vor

Auf 100 Seiten hat die UN-Behörde für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) Zahlen und Fakten des weltweiten Drogenhandels und -konsums aufgelistet. Demnach führten Cannabis und Aufputschmittel wie Opiate die Liste an. Die weltweite Produktion von Opium wird auf 7000 Tonnen geschätzt, 5800 Tonnen davon allein in Afghanistan. Die Anbaufläche dafür beträgt rund 2000 Quadratkilometer, das ist mehr als doppelt so viel wie die Fläche Berlins. Vergangenes Jahr starben demnach mehr als 200.000 Drogensüchtige. 47 Prozent aller Drogenabhängigen weisen eine Hepatitis-C Infektion auf, jeder fünfte ist mit dem HI-Virus infiziert.
26.06.2012

Ernährung Spinat verhilft nicht nur im Comic zu mehr Muskelkraft

Nitrat-Salze können das Muskelgewebe signifikant stärken. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung von schwedischen Forschern, die Nitrat-Salze eine Woche lang dem Trinkwasser von Mäusen zugesetzt hatten. Einen Effekt hatte die Chemikalie vor allem auf die sogenannten Fast-Twitch-Fasern, schnell zuckende Muskelfasern, die für kraftvolle Bewegungen beansprucht werden. Auf langsam zuckende Muskelfasern hatte Nitrat keine Auswirkungen. Das täglich verabreichte Salz habe im Verhältnis derjenigen Menge entsprochen, die ein Mensch beim Verzehr von 200 bis 250 Gramm Spinat zu sich nehme, heißt es im Fachblatt "Journal of Physiology". //[reu]//

Biologie Männer können in Zukunft mit einem Gel verhüten

Das Gel enthält eine Kombination aus Testosteron und einem synthetischen Hormon namens Nestoron. Es sorge für eine verminderte Spermienproduktion, berichteten Mediziner aus Los Angeles auf dem Jahrestreffen der amerikanischen Endokrinologischen Gesellschaft, das zurzeit in Houston stattfindet. Die Fruchtbarkeit der Patienten kehre nach Absetzen des Gels vollständig zurück. Der Wirkstoff Nestoron habe im Gegensatz zu anderen Hormonen kaum Nebenwirkungen. Anders als bisher vorgestellte Verhütungsmittel für den Mann wird das neuartige Gel auf die Haut aufgetragen und wäre somit selbstständig zu Hause anwendbar. Während der 20-wöchigen Behandlung kam es bei 89 Prozent aller Studienteilnehmer zum gewünschten kontrazeptiven Effekt. //[jw]//

Medizin Die Schweinegrippe war tödlicher als bisher angenommen

Die Schweingrippe, die im Jahr 2009 in Mexiko ausgebrochen war, hat weltweit möglicherweise mehr als eine halbe Million Todesfälle verursacht – und damit deutlich mehr als von der Weltgesundheitsorganisation WHO bisher angenommen. Zu diesem Schluss kommen Experten der US-Gesundheitsbehörde CDC in Atlanta. Sie legen erstmals eine weltweite Abschätzung vor, bei der auch Afrika und Asien mit einbezogen werden. Veröffentlicht wurde die Studie im Fachblatt "The Lancet Infectious Diseases". Die WHO war bisher auf eine Zahl von etwa 18-tausend H1N1-Todesfällen gekommen. Dabei stützte sie sich ausschließlich auf Laboranalysen. Dadurch seien Afrika und Teile Asiens, wo es kein ausgeprägtes Meldesystem gibt, bisher kaum berücksichtigt worden, schreiben die US-Forscher. Deren Zahlen basieren auf einem komplexen Rechenmodell, das auch verschiedene Altersgruppen mit einbezieht. //[reu]//

Quelle: Lancet, New Scientist

Ökologie Die Salzwiesen am Golf vom Mexiko haben sich nur teilweise wieder erholt

Ein internationales Forscherteam hat den Zustand der Salzwiesen an der Küste von Louisiana untersucht. In den Tagen nach der Katastrophe auf der Bohrplattform Deepwater Horizon im April 2010 war der Küstenstreifen südlich von New Orleans stark mit Öl verschmutzt worden. Mittlerweile habe sich das Marschland wieder teilweise erholt, schreiben die Forscher im Fachblatt "PNAS". An vielen Stellen kehre die ursprüngliche Vegetation wieder zurück. Das gelte jedoch nicht für das gesamte Gebiet, beklagen die Wissenschaftler. Küstenstreifen, die vor der Katastrophe bereits geschädigt waren, würden nun deutlich schneller erodieren – mit drei Metern pro Jahr statt eineinhalb Metern versinkt das Land nach Angaben der Forscher dort im Meer. //[reu]//

Quelle: PNAS

Zoologie Der Kalifornische Kondor leidet unter Bleivergiftung

Das ist das Ergebnis einer Studie, die heute im Fachblatt "PNAS" veröffentlicht wird. Jeder fünfte Kondor hat demnach soviel Blei im Körper, dass er einer Behandlung unterzogen werden müsste, um das giftige Schwermetall wieder zu entfernen. Das Blei schädigt das Nervensystem der Vögel und kann Leber und Nieren beeinträchtigen. Mithilfe von Isotopen-Anlaysen konnte die Herkunft des Bleis belegt werden: Es stammt aus Gewehrkugeln und Schrot. Offenbar nehmen die Vögel es auf, wenn sie Aas fressen, das von Wildtieren stammt, die angeschossen wurden und dann verendet sind. Ein kalifornisches Gesetz untersagt es den Jägern, Bleimunition in den Kondor-Gebieten zu nutzen. Die US-Forscher, die die Studie durchgeführt haben, glauben aber, dass dieses Gesetz weitgehend missachtet wird. //[reu]//

Quelle: PNAS

25.06.2012

Biologie Menschliche Darmflora wird von Viren bedroht

In unserem Darm leben viele Milliarden Bakterien. Sie helfen uns bei der Verdauung und schützen uns vor krankmachenden Bakterien. Die Bakterien unserer Darmflora sind aber selbst auch Gegenstand von Angriffen von Viren. Diese sogenannten Phagen versuchen in die Bakterien einzudringen, sich in ihnen zu vermehren und sie dann abzutöten. Die Bakterien wiederum versuchen sich zu wehren, indem sie gezielt Abwehrmoleküle gegen die Phagen produzieren. Im Fachblatt "Genome Research" schreiben Forscher vom Weizmann-Institut im israelischen Rehovot, dass es wahrscheinlich mehrere Hundert verschiedene Phagen gibt, die sich auf Bakterien der Darmflora spezialisiert haben. Beim Vergleich von Stuhlproben von Menschen aus Asien und Europa fanden sie bei der Auswertung der Phagen-Erbinformationen große Übereinstimmungen. Zwei nicht-verwandte Menschen wiesen bis zu 80 Prozent identische Phagen auf. Weil Phagen die Bakterien der für uns wichtigen Darmflora angreifen, so spekulieren die Forscher, haben sie wahrscheinlich auch einen Einfluss auf unser Wohlbefinden. //[mawi]//

Zoologie Meisenmännchen helfen lieber schönen Weibchen

Das elterliche Verhalten männlicher Blaumeisen hängt vom Aussehen des Vogelweibchens ab. Das berichten österreichische Forscher im Online-Magazin "Frontiers in Zoology". Die Forscher konnten erstmals zeigen, dass die Art und Farbe des weiblichen Gefieders nicht nur Auswirkungen auf die Partnerfindung und Vermehrung hat: Auch die väterliche Einsatzbereitschaft bei der Brutpflege schwankt mit der Optik der Weibchen. Blaumeisenweibchen haben eine Federkrone, die ultraviolettes Licht reflektiert. Je mehr solcher Federn sie besitzen, desto mehr Zeit und Mühe investieren die Blaumeisenmännchen in die Brutpflege. Hat die Partnerin nur wenige UV-reflektierende Federn, beschützen die Männchen zwar das Nest der Jungen, gehen aber nur selten auf die Jagd. Dadurch werden die Nachkommen schlechter versorgt. Die Schönheit des Blaumeisenweibchens bedingt somit indirekt die Versorgung der Brut. //[jw]//

Quelle: "Frontiers in Zoology"

Raumfahrt China dockt an

Erstmals ist eine chinesische bemannte Raumfähre von Hand an eine Station im All angedockt worden. Die Volksrepublik feierte den Erfolg gestern als wichtige Etappe auf ihrem Weg zu einem eigenen Raumfahrtprogramm. Das staatliche Fernsehen übertrug das Manöver live. Die Raumfähre Shenzhou 9 hatte mit drei Besatzungsmitgliedern an Bord vor wenigen Tagen zunächst automatisch die Verbindung zu der Station hergestellt. Am Sonntag steuerte die Crew die Technik selbst. Die Raumfähre legte ab, entfernte sich rund 400 Meter von der Station und legte dann nach rund zwei Minuten wieder am "Himmelspalast" an. //[mawi]//

Medizin Bewegung senkt das Brustkrebsrisiko

Mediziner der Universität von North Carolina in Chapel Hill haben die Gesundheitsdaten von über 3000 Frauen ausgewertet. Sie wollten wissen, inwieweit Sport das Brustkrebsrisiko senken kann. Das Ergebnis: Bewegung – egal ob intensiv oder moderat, ob vor nach den Wechseljahren – hat immer einen positiven Effekt. Den größten Effekt sahen die Forscher bei Frauen, die sich 10 bis 19 Stunden in der Woche sportlich betätigten. Allerdings, so schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt "Cancer", kann der Schutzeffekt teilweise oder ganz wieder aufgehoben werden, wenn Frauen über einen längeren Zeitraum deutlich an Gewicht zunehmen. //[mawi]//

Zoologie In Indonesien hat das seltene Sumatra-Nashorn Nachwuchs

Der Jung-Bulle kam im Rhinozeros-Reservat auf der Insel Sumatra zur Welt. In den letzten 100 Jahren hatten erst drei Mal Sumatra-Nashorn-Weibchen in Gefangenschaft Nachwuchs geworfen - im Zoo von Cincinnati im US-Bundesstaat Ohio. Die kleinen, behaarten und mit zwei Hörnern bestückten Sumatra-Nashörner gelten als scheue Einzelgänger. Sie sind vom Aussterben bedroht. In Südostasien leben nur noch weniger als 200 Exemplare in der Wildnis. Sie sind Opfer von Horndieben, aber vor allem Opfer der Zerstörung ihres Lebensraumes. //[mawi]//

Psychologie Melodien lassen sich im Schlaf lernen

Wenn man etwas lernt – zum Beispiel Vokabeln oder ein Musikstück - und das Gelernte während des Schlafs erneut hört, kann man es sich besser merken. Das haben US-amerikanische Forscher herausgefunden. Wissenschaftlich belegt war schon vorher, dass Gelerntes während des Schlafs im Gedächtnis gespeichert wird. Neu ist, dass ein wiederholtes Hören des Gelernten im Schlaf den Lernprozess noch effektiver macht. Die Forscher sehen dank dieser Erkenntnis ein großes Potenzial, die Gedächtnisspeicherung zu optimieren, so berichten sie im Magazin "Nature Neuroscience". Als nächstes wollen sie herausfinden, wie das verbesserte Lernen praktisch nutzbar gemacht werden kann – zum Beispiel zur Festigung von Verhaltensweisen oder sogar motorischen Fähigkeiten. //[jw]//

Quelle: Nature Neuroscience

Zoologie Der "einsame George" ist tot

Die über 100 Jahre alte Galapagos-Riesenschildkröte "Lonesome George" wurde gestern auf einer Forschungsstation der Galapagosinseln leblos in seinem Gehege entdeckt. Mit dem Tier ist die Unterart Chelonoidis abing-doni ausgestorben. Das Männchen war 1972 von Ziegenhirten auf der Galapagos-Insel Pinta gefunden worden. Expeditionen mit dem Ziel, auf anderen Inseln weitere Artgenossen zu finden, schlugen fehl. Zudem versuchten Biologen vergeblich, "Lonesome George" mit Weibchen einer verwandten Unterart zu paaren. Jede dritte Unterart der Riesenschildkröten auf den Galapagosinseln ist bereits ausgestorben. //[mawi]//
22.06.2012

Technologie Das Hitzeschutzschild-Experiment Shefex-II soll in dieser Nacht starten.

Das teilte das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR in Stuttgart mit. Shefex-II ist eine Rakete, die von der nordnorwegischen Insel Andøya aus 250 Kilometer hoch geschossen werden soll. Bei der Rückkehr wird das Experiment eine Geschwindigkeit von etwa 11.000 Kilometer pro Stunde erreichen, und entsprechend bis zu 2000 Grad Celsius heiß. Gegen diese Temperaturen sollen neun neu entwickelte Hitzeschilde sowie deren eckige Anordnung schützen. Während des Fluges sammelt Shefex-II Daten, aus denen die Forscher auf die beste Hitzeschutztechnik schließen wollen. Üblicherweise sind Hitzeschilder an Raumfahrzeugen rund oder abgerundet. Die Wissenschaftler des DLR versprechen sich von einer kantigen Anordnung einen robusteren und billigeren Schutz. Der Start von Shefex-II war für Mittwoch vorgesehen. Er musste wegen schlechten Wetters auf Freitag verschoben werden. //[gät]//

Quelle: Agenturen

Astronomie Ein fernes Planetenpaar gibt Astrophysikern Rätsel auf.

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass in der Nähe eines Sterns kleine, schwere Planeten entstehen, wie die Erde oder die Venus. Weiter entfernt ballen sich leichtere Materialien wie Methaneis zu großen Gasbällen, wie etwa Jupiter oder Neptun. Wird ein solcher Gasriese in die Nähe des Sterns abgelenkt, schleudert er die kleinen Felsplaneten aus ihrer Bahn. Soweit die Theorie. Die Praxis aber entspricht dieser Theorie offenbar nicht immer: Um den Stern Kepler 36 kreisen eng beieinander ein Gasriese und ein Felsenplanet. Der Gasriese zieht dabei alle 97 Tage näher als zwei Millionen Kilometer an der Innenseite des Felsplaneten vorbei, berichtet ein US-Forscherteam in "Science". Wie diese Planeten auf diese Umlaufbahnen gelangen konnten, ist den Wissenschaftlern ein Rätsel. //[gät]//

Quelle: DOI:10.1126/science.1223269

Biologie Apfelschalen machen Mäuse schlank.

Fressen Mäuse zusätzlich zu fetthaltiger Nahrung Apfelschalen, wachsen ihre Skelettmuskeln stärker. Gleichzeitig bildet sich mehr braunes Fettgewebe, das mehr Wärme produziert und dabei Energie verbraucht. Auf diese Weise könnte ein hoher Anteil braunen Fettgewebes die Tiere vor Übergewicht schützen. Das schreibt ein Forscherteam aus den USA in "PLoS One". Die Wissenschaftler führen Muskelwachstum und Fettgewebebildung auf die in den Apfelschalen enthaltene Ursolsäure zurück. Diese hat offenbar noch einen weiteren Effekt: Die Mäuse litten seltener unter Diabetes. Ob Ursolsäure auch Menschen zu Gute kommt, wollen die Wissenschaftler in künftige Studien untersuchen. //[jw]//

Ökologie Auch Pilze helfen Pflanzen, an Stickstoff heranzukommen.

Stickstoff ist für das Pflanzenwachstum sehr wichtig. Allerdings sind Pflanzen nicht in der Lage, das Element selbst aufzunehmen. Sie leben daher in Symbiose mit Mikroorganismen im Boden, die Stickstoffe für die Pflanzen nutzbar machen. Biologen kannten dabei bis jetzt nur ein Zusammenleben von Bodenbakterien und Wurzeln. Forscher der Brock-University in Kanada beschreiben jetzt in "Science" eine Symbiose zwischen dem Pilz //Metarhizium robertii// sowie der Gartenbohne oder der Rutenhirse. Die Forscher hatten Larven der Großen Wachsmotte mit dem Pilz infiziert und in den Boden zu den Pflanzen gesteckt. Nach etwa einem Monat konnten sie Stickstoff-Isotope aus den Larven in den Gewächsen nachweisen. Die Wissenschaftler vermuten, dass eine Insekten-verdauende Symbiose aus Bodenpilzen und Pflanzenwurzeln sehr verbreitet sein könnte. //[gät]//

Quelle: DOI:10.1126/science.1222289

Medizin Wundheilung und Schuppenflechte hängen zusammen.

Forscher aus China haben ein Protein entdeckt, das eine entscheidende Rolle während der Wundheilung spielt, aber auch Schuppenflechte auslösen kann. Das "REG 3A" genannte Eiweiß aktiviert regenerative Enzyme und ist damit an der Wundheilung beteiligt. Bilden die Zellen jedoch zuviel von diesem Molekül, führt das zu einer übermäßigen Zellteilung und löst Schuppenflechte aus. Im Magazin "Immunity" weisen die Forscher nun auf die Möglichkeit hin, mit diesem Wissen neue Therapien zu entwickeln: Ein Medikament, das "REG 3A" blockiere, könnte gegen Schuppenflechte helfen, und bisher nicht zufriedenstellende Behandlungsmethoden ablösen. Ein Mittel wiederum, das die "REG 3A"-Produktion stimuliere, könne die Wundheilung verbessern. //[jw]//

Quelle: DOI:10.1016/j.immuni.2012.04.010

21.06.2012

Medizin Forscher haben einen Antikörper isoliert, der gegen Dengue-Fieber helfen könnte.

Bislang gibt es für Patienten, die an Dengue-Fieber erkranken, keine Behandlung, sehr viele sterben. Das könnte sich jetzt ändern. Forscher in Singapur haben bei einem Patienten, der die Virus-Erkrankung überstanden hat, einen Antikörper isoliert. Wie heute das Wissenschaftsmagazin "Science Translational Medicine" berichtet, scheint der Antikörper viel versprechend: Sobald das Dengue-Virus nämlich versuche, Zellen anzugreifen, müssen sich dessen Proteine an der Oberfläche verändern. Genau das aber verhindert der Antikörper. Nach erfolgreichen Tierexperimenten sollen nun klinische Tests mit Patienten beginnen. Die Forscher betonen allerdings, dass der gefundene Antikörper nicht gegen alle vier Subtypen des Dengue-Virus wirke, sondern nur gegen den Subtyp 1. //[tj]//

Quelle: Science Translational Medicine

Umwelt Wenn die globale Erwärmung so voranschreitet wie bisher, dann könnten bis zum Jahr 2100 über 80 Prozent der Kaiserpinguine in der Antarktis verschwunden sein.

Ursache dafür wird der drastische Rückgang des Meereises rund um den Südpol sein. Dieses Fazit ziehen Forscher aus einer Simulationsstudie, die berechnet, wie sich die Eisbedeckung in der Antarktis weiterentwickeln wird. Für die Simulation verwendeten die Forscher nur diejenigen Klimamodelle, die in der Vergangenheit die besten Voraussageergebnisse erreicht hatten. Im Fachmagazin "Global Change Biology" stehen die Einzelheiten. Danach wird die Zahl der Pinguine bis ins Jahr 2040 langsam abnehmen. Dann allerdings wird die Eisbedeckung der Antarktis unter einen kritischen Schwellwert gesunken sein, was zu einem drastischen Rückgang der Kaiserpinguine führen wird. //[tj]//

Quelle: Global Change Biology

Biologie Tropische Ameisenmännchen lassen ihre Rivalen ermorden.

Bei den meisten Ameisenarten werben die Männchen friedlich um die Königinnen. Bei der tropischen Art namens //Cardiocondyla obscurior// herrschen andere Sitten. Ein Teil der Männchen sei zwar auch friedfertig, schreiben Forscher der Universität Regensburg im Fachmagazin "BMC Ecology", ein anderer sei es jedoch nicht. Diese Männchen haben keine Flügel. Sie sind hochaggressiv und schaffen sich jüngere Konkurrenten vom Hals, ohne dabei selbst zu kämpfen. Stattdessen beschmieren sie ihre Rivalen mit einer chemischen Substanz. Dieser Duft bringt Ameisen-Arbeiterinnen dazu, die markierten Männchen zu töten. //[tj]//

Quelle: BMC Ecology

Psychologie Verwirrung hilft beim Lernen.

Wie US-amerikanische Forscher im Magazin "Learning and Instruction" berichten, lernen Menschen effektiver, wenn während des Lernprozesses verwirrende Doppeldeutigkeiten oder auch Fehler eingebaut werden.Das so erworbene Wissen sei anschließend auch bei komplexen Problemstellungen abrufbar. Zur Erklärung dieses Phänomens heißt es: Wer mit verwirrenden Aussagen konfrontiert sei, müsse sich intensiver mit einer Materie beschäftigten. Nur so könnten die zwischenzeitlich auftretenden Unsicherheiten aufgelöst werden. Allerdings warnen die Forscher davor, den Lernenden zu sehr in die Irre zu führen. Wenn jemand hoffnungslos verwirrt sei, könne er nichts lernen. //[jw]//

Quelle: Learning and Instruction

Neurologie Armbewegungen lassen sich in Echtzeit von der Hirnoberfläche ablesen.

Dass sich mit den Gedanken ein Roboterarm oder der Cursor einer Computermaus problemlos bewegen läßt, ist für Patienten mit schweren Lähmungen noch Zukunftsmusik. Freiburger Forscher haben jetzt aber eine Methode entwickelt, mit der sich ein Cursor per Gedankenbefehl in Echtzeit zumindest hin- und herbewegt. Bisherige Computer-Hirn-Schnittstellen konnten das nicht. Sie zeichneten in einem ersten Schritt Hinströme eines Menschen auf, die anschließend über Wochen analysiert werden mussten. Die neue - im "Journal of Neural Engineering" beschriebene Methode – ist schnell. Das über eine auf den Kopf gelegte Elektrodenmatte empfangene Signal wird sofort in Bewegungen des Mauscursors übertragen. Allerdings funktioniert das zunächst nur in zwei Richtungen. Aber es funktioniert: ohne langwieriges Training oder ins Gehirn implantierte Elektroden. //[tj]//

Quelle: Pressemitteilung Uni Freiburg

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