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20.08.2013

Medizin Ein Bakterientoxin löst eine tödliche Herzkrankheit aus

Eine Infektion mit dem Bakterium Staphylococcus aureus kann zu einer gefährlichen, häufig sogar tödlichen Entzündung der Innenhaut des Herzens führen. Bisher ist eine solche Endokarditis nur schwer zu behandeln. US-Forscher haben jetzt herausgefunden, dass ein von den Bakterien in großen Mengen produzierter Giftstoff für die Überreaktion des Immunsystems verantwortlich ist. Wie die Forscher im Fachmagazin "mBio" berichten, könnte sich das sogenannte Staphylokokken-Enterotoxin C mit passenden Wirkstoffen oder einer Impfung neutralisieren lassen. In Tierversuchen waren solche Verfahren schon erfolgreich. Weitere Studien sollen nun die Anwendbarkeit solcher Strategien auch beim Menschen klären. [luh]

Quelle: mBio - doi: 10.1128/mbio.00494-13

Geologie/Meeresforschung Auch im Südatlantik gibt es Schwarze Löcher

Zumindest gibt es dort Wasserwirbel, deren Form und Verhalten sich mit den gleichen mathematischen Formeln beschreiben lassen wie Schwarze Löcher im Weltall. Das haben Wissenschaftler aus der Schweiz und den USA herausgefunden. Sie analysierten Satellitenbilder von großen geschlossenen Wasserwirbeln des Agulhas-Stroms im Südatlantik. Die Wirbel verhalten sich wie Linsen kohärenter Strömung, die sich durch eine scharfe Grenze, eine sogenannte Singularität, vom turbulenten Umfeld abschotten. Alles, was innerhalb des Wirbels ist, bleibt darin gefangen – wie Licht in einem Schwarzen Loch. Die Studie liefert neue Erkenntnisse darüber, wie Ozeanströmungen gelegentlich Stoffe auch über große Distanzen nahezu unverdünnt transportieren können. Sie ist auf dem Vorabdruck-Dokumentenserver arXiv zu finden. [luh]

Energie Konsortien aus Pilzen und Bakterien produzieren Treibstoffe

Mit künstlichen Mischkulturen aus Bakterien und Pilzen lassen sich Biokraftstoffe aus zellulosehaltigen Pflanzenresten gewinnen. US-Forscher entwickelten ein mathematisches Modell, mit dem sich die Verträglichkeit und Effizienz verschiedener Bakterien- und Pilzkombinationen simulieren lässt. Anschließend testeten sie ihre theoretischen Ergebnisse praktisch im Labor. Gemäß den Berechnungen kombinierten sie Pilze der Art Trichoderma reesei mit Escherichia coli Bakterien. Die Gemeinschaften erwiesen sich als stabil. Die Pilze bauten die Zellulose zu einfachen Zuckern ab, die dann von den Bakterien in Isobutanol verwandelt wurden – mit einem erstaunlich hohen Wirkungsgrad. Ohne weitere Nährstoffzugaben erreichte die Treibstoffausbeute aus der eingesetzten Biomasse 62 Prozent der maximal möglichen Menge.Die Studie ist in den Proceedings der Nationalen Akademie der Wissenschaften der USA (PNAS) erschienen. [luh]

Quelle: PNAS - doi: 10.1073/pnas.1218447110

Medizin Labormäuse entwickeln die Creutzfeld-Jakob-Krankheit

US-Forschern ist es erstmals gelungen, gentechnisch veränderte Mäuse zu züchten, mit denen sich die Entwicklung von zwei humanen Prionen-Erkrankungen erforschen lässt. Es handelt sich um Mausmodelle für die tödliche familiäre Schlaflosigkeit und die Creutzfeld-Jakob-Krankheit. Bei diesen Krankheiten führen krankhaft verformte Prionen – das sind kleine Eiweißmoleküle – zu unwiderruflichen Schäden im Gehirn. Bisher waren bei Mäusen beobachtete Prionenkrankheiten kaum mit den Varianten bei Menschen zu vergleichen. Wie die Forscher in den Proceedings berichten, konnten sie aber bei den Mäusen das Gen für den Bauplan der Prionen so verändern, dass sie nun den gleichen Krankheitsverlauf wie bei Menschen zeigen. [luh]

Quelle: PNAS - doi: 10.1073/pnas.1312006110

Physik Erdbeschleunigung schwankt stärker als gedacht

Drei Wochen lang musste ein Supercomputer rechnen, bis die bisher genaueste Karte der lokalen Schwerkraft der Erde komplett war. Forscher aus München und Australien kombinierten dafür Schwerkraftmessungen von Satelliten mit topografischen Daten. Dabei zeigte sich, dass die Erdbeschleunigung weitaus größere lokale Schwankungen aufweist als bisher gedacht. Satelliten liefern Schwerkraftdaten nur in einem Raster von mehreren Kilometern. Das neue Verfahren steigert die Auflösung auf rund 250 Meter. Im Ergebnis zeigen sich einige Überraschungen. So ist der Ort mit der weltweit geringsten Erdbeschleunigung gar nicht wie von Standardmodellen postuliert am Äquator zu finden. Den Rekord hält der Berg Nevado Huascarán in Peru, der 1000 Kilometer südlich liegt. Bedingt durch seine Höhe von fast 6800 Metern, kombiniert mit lokalen Anomalien, liegt die Erdbeschleunigung dort bei 9,7639 Meter pro Sekunde Quadrat. Die Studie ist im Fachjournal "Geophysical Research Letters" erschienen. [luh]

Quelle: GRL - doi: 10.1002/grl.50838

Archäologie Ägypter fertigten außerirdischen Grabschmuck

Einige der ältesten jemals gefundenen Schmuckstücke aus dem Gebiet des heutigen Ägyptens sind aus Metall, das von Meteoriten stammt. Das berichten britische Forscher im "Journal of Archaeological Science". Sie hatten die rund 5000 Jahre alten Eisenperlen, die schon 1911 in Grabstätten entdeckt worden waren, jetzt mit Neutronenstrahlen untersucht. So konnten sie die Zusammensetzung des Materials zerstörungsfrei ermitteln. Die Eisen-Nickel-Legierung sei eindeutig außerirdischen Ursprungs, so die Forscher. Die Analysen zeigten auch, dass das Eisen wiederholt erhitzt und mit einem Hammer bearbeitet wurde. Demnach müssen die Ägypter schon 2000 Jahre früher als bisher vermutet in der Lage gewesen sein, Eisen zu schmelzen und zu schmieden. [luh]

19.08.2013

Medizin Immunzellen können in Minutenschnelle aktiv werden

Das Immunsystem des Menschen kann bereits bekannte Erreger schnell und wirkungsvoll bekämpfen. Dafür sorgen spezielle Gedächtniszellen, die sich das Aussehen von Viren und Bakterien merken. Bei einem erneuten Kontakt mit demselben Erreger werden diese Gedächtniszellen aktiv. Baseler Forscher berichten jetzt im Fachblatt "Nature Immunology", dass Gedächtniszellen innerhalb von Minuten aus der Ruhephase in einen aktiven Zustand übergehen können. Sie stellen dazu ihren Stoffwechsel komplett um - von Sauerstoff-Verbrauch auf die Vergärung von Traubenzucker. Andere Zellen brauchen für solch eine Stoffwechsel-Umstellung etwa einen Tag. Die Forscher wollen jetzt untersuchen, ob sich durch die Beeinflussung des Zell-Stoffwechsels von Immunzellen auch die Stärke der Immunantwort steuern lässt. Bei Impfungen etwa ist eine starke Antwort erwünscht. Bei Autoimmun-Krankheiten hingegen, bei denen das Immunsystem körpereigene Strukturen angreift, wäre das Ziel, die Immunantwort abzuschwächen. [ms]

Quelle: Nature Immunology

Zoologie Windkraftanlagen sind gefährlich für Fledermäuse

Aber wie gefährlich, ist noch unklar. Forscher an der Leibniz-Universität Hannover haben 42 Windparks in Deutschland untersucht. Ihr Befund: Im Schnitt verlieren pro Windrad etwa zwölf Fledermäuse im Jahr ihr Leben. Naturschützer hatten diese Zahl auf die gut 23.000 Anlagen in Deutschland übertragen und am Wochenende von einer viertel Million toter Fledermäuse pro Jahr gesprochen. Diese Hochrechnung sei nicht zwingend falsch – aber sie sei hoch spekulativ, sagte heute Michael Reich von der Leibniz-Universität Hannover. Wie groß das Kollisionsrisiko von Fledermäusen an Windenergieanlagen tatsächlich ist, das müsse bundesweit verstärkt untersucht werden. Reich und sein Team arbeiten an Methoden, wie sich Windräder in Zeiten großer Fledermausaktivität bremsen lassen. [ms]

Umwelt Europas Wälder können nicht unbegrenzt Kohlendioxid speichern

Die Wälder in Europa bedecken so weite Flächen wie seit dem Mittelalter nicht mehr. Zurzeit sind die Wälder in der Lage, etwa zehn Prozent der CO2-Emissionen von Industrien, Kraftwerken, Heizungsanlagen und Kraftfahrzeugen aufzunehmen und zu speichern. Aber die Speicherfähigkeit der Wälder ist begrenzt, warnt eine Studie von Forschern aus den Niederlanden, der Schweiz, aus Finnland und Italien. Seit 2005 verlangsame sich das Wachstum der europäischen Wälder. Zudem gebe es mehr alte Bäume, die weniger gut CO2 aufnehmen und als Kohlenstoff in Ästen, Stämmen und Wurzeln speichern könnten, schreiben die Forscher im Fachblatt "Nature Climate Change". Außerdem hätten die Bäume in den letzten Jahren verstärkt unter Feuern, Stürmen und Insektenfraß gelitten. Bereits um das Jahr 2030 herum könnte eine Sättigung erreicht sein: Die Wälder würden dann ebenso viel Kohlenstoff freisetzen, wie sie aufnehmen. Um gegenzusteuern, empfehlen die Forscher, neue, junge Wälder zu pflanzen sowie gezielt ältere Bäume zu ernten. [ms]

Quelle: Nature Climate Change - DOI: 10.1038/NClimate1853

Medizin Bei Blutkrebszellen ist die innere Uhr häufig defekt

Krebsforscher aus London haben das Erbgut von knapp 4700 Menschen mit einer speziellen Form von Blutkrebs, einem Myelom, verglichen mit dem Erbgut von beinahe 11 Tausend gesunden Menschen. Dabei fanden sie vier Gen-Varianten, die die Entstehung eines Myeloms offenbar begünstigen. Eine Gen-Variante betrifft das so genannte TERC-Gen. Es spielt eine entscheidende Rolle bei der Zellalterung. Denn das Gen reguliert die Länge der Enden der Erbgutträger. Normalerweise werden die Chromosomen-Kappen, die Telomere, mit jeder Zellteilung ein kleines Stückchen kürzer. Sind die Telomere aufgebraucht, begeht die Zelle Selbstmord. Ist das TERC-Gen nicht intakt, bleiben die Telomere lang. Die Zelle lebt länger, als sie eigentlich dürfte. Damit steige das Risiko der Krebsentstehung, schreiben die Forscher im Fachblatt "Nature Genetics". Es ist der erste Beleg dafür, dass Alterungs-Gene in direkten Zusammenhang stehen mit einer speziellen Blutkrebsform. Bei Menschen mit einem Myelom teilen sich im Knochenmark unreife weiße Blutzellen unkontrolliert. Die Folge: Die normale Blutbildung ist gestört. Es kann zu Blutarmut, Infekten und Wundheilungsstörungen kommen. [ms]

Botanik/Zoologie Giftige Pflanzen helfen Antilopen durch die Trockenzeit

In der Kunene-Region im afrikanischen Namibia kann es während der Trockenzeiten tagsüber bis zu 50 Grad Celsius heiß werden. Zudem ist in diesen Zeiten das Futterangebot sehr knapp. Forscher am Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung haben untersucht, wie Springböcke und Orynxantilopen sich auf Dürrezeiten einstellen. Springböcke fressen dann überwiegend Blätter von Büschen und Bäumen. Oryxantilopen tun das auch. Aber sie fressen zudem vom hoch giftigen Damara-Milchbusch. Die Pflanze gilt als sehr wasserhaltig und nährstoffreich. Ob der Konsum des giftigen Damara-Milchbusches auch negative Auswirkungen auf die Oryxantilopen haben könnte, sei noch unerforscht, berichten die Wissenschaftler im Fachblatt "PLOS ONE". Der fortschreitende Klimawandel führe tendenziell zu längeren Dürrezeiten und zunehmend zu einer Versteppung des südlichen Afrikas. Daher sei es wichtig zu verstehen, welche Möglichkeiten Wildtiere hätten, auf eine Verknappung der Nahrung zu reagieren, betonen die Forscher. [ms]

Quelle: PLOS ONE

Raumfahrt Russische Raumanzüge bewähren sich bei Außeneinsatz

Bei einem Außeneinsatz im All haben zwei russische Kosmonauten an der Raumstation ISS ein knapp 40 Meter langes Stromkabel verlegt. Es soll das neue Raumlabor MLM versorgen, das noch in diesem Jahr an der ISS festmachen soll. Außerdem haben sie mehrere Boxen mit Experimenten abgeschraubt und an der Außenwand der ISS Griffe montiert. Sie sollen künftige Arbeiten an der ISS erleichtern, teilte das Flugleitzentrum bei Moskau mit. Die siebeneinhalbstündige Mission war der bisher längste Einsatz mit den neuen russischen Raumanzügen Orlan-MK. Vor einem Monat hatte ein Außeneinsatz abgebrochen werden müssen, nachdem ein ISS-Besatzungsmitglied über Wasser im Helm seines NASA-Anzuges klagte. [ms]

16.08.2013

Zoologie Wissenschaftler aus den USA haben in den Anden ein bisher unbekanntes Raubtier entdeckt: den Olinguito.

Das Tier ähnelt einer Katze und lebt nachtaktiv in den Nebelwäldern der Gebirgskette, wie die Wissenschaftler im Fachblatt "ZooKeys" schreiben. Aufgespürt haben die Forscher die Spezies allerdings nicht in freier Wildbahn, sondern in einem Naturkundemuseum in Washington. Eigentlich wollten sie herausfinden, wie viele Arten von Makibären es gibt, auch Olingos genannt. Dazu hatten sie Museums-Exponate der Tiere untersucht. Dabei fiel ihnen auf, dass der Schädel und die Zähne bei manchen Exemplaren anders geformt waren als bei den übrigen Makibären. Genetische Untersuchungen bestätigten, dass es sich um eine unbekannte Art handelte. Eine Expedition in die Anden konnte die Existenz der Tiere in freier Wildbahn bestätigen. [reu]

Raumfahrt Kepler ist nur noch zweirädrig unterwegs.

Das Weltraumteleskop "Kepler" muss seine Suche nach erdähnlichen Planeten wegen eines technischen Defekts beenden. Die US-Raumfahrtbehörde Nasa kündigte gestern die Einstellung der Mission an. Denn auch nach monatelangen Tests war es nicht gelungen, zwei der vier Schwungräder in Gang zu setzen, die das Teleskop in Position halten sollen. Es werde nun geprüft, ob das Gerät für andere Aufgaben genutzt werden könne, etwa für die Suche nach Kometen und Asteroiden. Dafür seien zwei Räder ausreichend. Kepler war 2009 ins Weltall gestartet und hat seitdem rund 3500 Kandidaten für Exoplaneten aufgespürt. Wegen des großen Erfolges hatte die Nasa im vergangenen Jahr angekündigt, die Mission bis September 2016 verlängern zu wollen. [reu]

Quelle: Pressemitteilung Nasa

Physiologie Pflanzen gedeihen auch ohne hölzernen Zellbestandteil.

Forscher aus Belgien konnten bei der Ackerschmalwand den Gehalt des Naturstoffs Lignin gentechnisch deutlich reduzieren, so dass die Pflanze sich einfacher zu Biotreibstoff verarbeiten lässt. Die Wissenschaftler hatten dazu aus der Ackerschmalwand das Gen für ein Enzym entfernt, das für die biologische Synthese von Lignin von zentraler Bedeutung ist. Die Stängel der Pflanzen enthielten dadurch rund vierzig Prozent weniger Lignin, ohne entscheidend an Stabilität einzubüßen, wie die Forscher im Fachblatt "Science" schreiben. Aus dem Kraut ließ sich viel mehr Zellulose gewinnen als aus Vergleichspflanzen, bei denen das Gen aktiv war. Lignin und Zellulose verleihen Pflanzen ihre Stabilität. Zellulose lässt sich aufspalten und zu Biotreibstoff vergären. Normalerweise muss dafür aber das Lignin unter hohem Energieaufwand entfernt werden. [reu]

Quelle: Science

Physiologie Zuviel Fett schlägt auf Darm und Gehirn.

Eine fettreiche Kost kann das Kontroll- und Belohnungssystem des Gehirns außer Gefecht setzen. Das berichten Forscher der Yale University im Fachmagazin "Science". Die Wissenschaftler hatten Mäuse auf eine fettreiche Diät gesetzt. Das hatte Auswirkungen auf einen Botenstoff, der im Darm ausgeschüttet wird, um dem Gehirn ein Gefühl von Sättigung zu signalisieren. Eine fettreiche Kost jedoch unterdrückt dieses Signal. Die Konzentration des Botenstoffes war bei den Mäusen außergewöhnlich niedrig. Außerdem wurde im Gehirn der Mäuse weniger Dopamin ausgeschüttet, Dieser Botenstoff vermittelt üblicherweise eine Belohnung. Die Forscher schließen daraus, dass eine fettreiche Kost dazu führt, dass die Mäuse noch mehr Kalorien zu sich nehmen. [reu]

Quelle: Science

Genetik Attraktive Truthähne haben andere Gene aktiviert.

Bei Truthähnen, die auf weibliche Vögel attraktiv wirken, sind andere Gene aktiv als bei jenen Männchen, die von den Puten kaum beachtet werden. Das berichten Forscher aus London und Oxford im Fachmagazin "PLoS Genetics". Die Wissenschaftler hatten Truthähne untersucht, die aus demselben Gelege stammten, also eine hohe Ähnlichkeit der Erbanlagen zeigten. Durch Rangkämpfe in den Wintermonaten, bevor die Vögel geschlechtsreif wurden, entwickelten die Puter Unterschiede im Erscheinungsbild. Dominante Männchen zeichneten sich aus durch eine bunte Kopffärbung und lange Hautlappen über dem Schnabel, also ein für Puten attraktives Äußeres. Bei rangniederen Männchen war dieses Aussehen weniger stark ausgeprägt. Aber nicht nur das Erscheinungsbild unterschied sich, sondern auch die Aktivität vieler Gene. Über die Genaktivität wirke sich die Rangordnung so auf das "männliche", attraktive Aussehen der Truthähne aus, glauben die Forscher. [reu]

15.08.2013

Medizin Die tödliche Vogelgrippe H7N9 könnte sich auch über Fäkalien verbreiten.

Das legt eine Untersuchung der Universität Hongkong nahe. Bislang waren Forscher davon ausgegangen, dass sich Menschen in erster Linie über Geflügel mit dem Erreger anstecken. Nun konnte das Forscherteam aus Hongkong den Erreger H7N9 im Stuhl von zwei lebenden und vier verstorbenen Patienten nachweisen. Das berichten sie im Fachmagazin "Clinical Infectious Diseases". Die Vogelgrippe H7N9 war im März das erste Mal bei Menschen in China nachgewiesen worden. Seither haben sich 136 Menschen infiziert, 45 davon sind gestorben. [tj]

Quelle: Clinical Infectious Diseases

Paläontologie Langhals-Dinosaurier waren halsstarriger als vermutet.

Sie konnten ihre Hälse nicht flexibel hin und her bewegen. Vielmehr war die Wendigkeit ihres Nackens durch Muskel- und Knorpelgewebe erheblich eingeschränkt. Das hat eine britische Studie ergeben, die im Fachmagazin "PLoS One" veröffentlicht wurde. Dafür untersuchten die Forscher Straußen, da deren Hälse ähnlich aufgebaut sind wie bei den Sauropoden. Dass die Hälse nicht so flexibel waren wie gedacht und hatte Konsequenzen für die Nahrungssuche. Womöglich mussten sich die riesigen Dinosaurier viel mehr anstrengen, um ihre tägliche Ration zusammenzurupfen: immerhin rund 400 Kilogramm Pflanzen. [tj]

Paläoanthropologie Auch Nordchina war schon früh von Menschen besiedelt.

Paläomagnetische Untersuchungen eines Areals im Nihewanbecken in Nordchina an der Grenze zur Mongolei haben ergeben: Frühe Menschen lebten dort vermutlich schon vor 1,7 Millionen Jahren, im Erdzeitalter Pleistozän. Das hat die erstmals vorgenommene Datierung des Areals ergeben. Das Areal ist nur unwesentlich jünger als das Yuanmou Homo erectus Gelände in Südchina. Damit – so schreiben die Wissenschaftler der Chinesischen Akademie der Wissenschaften im Fachjournal "Nature" – sei zu vermuten, dass frühe Menschen schon vor 1,6-1,7 Millionen Jahren weite Teile Chinas besiedelt hatten. [tj]

Quelle: Nature Scientific Reports

Genetik Eine erste Genkarte offenbart, wie Krebs entsteht.

Alle Krebserkrankungen werden dadurch verursacht, dass es im Laufe des Lebens zu Veränderungen in der DNA von Körperzellen kommt: zu sogenannten Mutationen. Welche biologischen Prozesse hinter den Mutationen stecken – darüber weiß man noch recht wenig. Nun hat ein internationales Forscherteam die 30 häufigsten Krebsarten in den Blick genommen. Es analysierte knapp fünf Millionen Mutationen in mehr als 7000 Tumoren. Aus dieser Datenflut konnten sie mit einem speziellen Algorithmus verschiedene Typen von Veränderungen ermitteln und sie dann zu 20 verschiedenen Mustern von Erbgutveränderungen zusammenfassen. Bei einigen konnten die Wissenschaftler ermitteln, welcher Mechanismus zu der Veränderung führt. So können vermutlich auch Krebsmedikamente einen Tumor auslösen. Überraschend für die Forscher: Eine wichtige Rolle spielt das angeborene Immunsystem: es scheint bei der Entstehung von mehr als der Hälfte der untersuchten Krebsarten beteiligt zu sein. [tj]

Quelle: Nature

Astronomie Im Herzen unserer Milchstraße blinkt ein kosmisches Leuchtfeuer.

Diesen so genannten Pulsar entdeckten Astronomen vom Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn. Das gelang ihnen mit dem 100 Meter großen Radioteleskop in Effelsberg in der Eifel. Pulsare sind schnell rotierende Neutronensterne – also die Überreste ausgebrannter Sonnen. Sie senden einen scharf gebündelten Lichtstrahl aus. Wenn dieser die Erde überstreicht, dann blinkt das kosmische Leuchtfeuer auf. Im All wurden bislang schon zahlreiche Pulsare gefunden, warum die Suche im Zentrum unserer Milchstraße so lange erfolglos war, ist auch für die Forscher rätselhaft. [tj]

Quelle: Nature

14.08.2013

Biologie Knochenfressende Tiefseewürmer sind kälteresistent.

Ein internationales Forscherteam hat in der Antarktis unter anderem Walknochen in die Tiefe des Wassers gelassen und geschaut, welche Tiere sich dort ansiedeln. Bislang galt die Vermutung, dass es dort zu kalt für Mikroorganismen sei. Dies widerlegen nun zwei neue entdeckte Arten der Gattung Osedax, die die Forscher in den Proceedings B der britischen Royal Society beschreiben. Diese sogenannten Zombiewürmer siedelten sich jedoch nur an den Knochen an. Die parallel in die Tiefe gelassenen Holzplanken hingegen waren frei von tierischen Siedlern. Diese Würmer besitzen weder einen Magen noch eine Mundöffnung, die Männchen werden im Gegensatz zu den Weibchen nie erwachsen. Bislang wurden sie nur im Nordatlantik und Pazifik gesichtet. [mst]

Quelle: Proc R Soc B (10.1098/rspb.2013.1390)

Medizin Männer erliegen beim Sport häufiger einem Herztod als Frauen.

Mediziner aus Paris haben untersucht, ob die Todesfälle bei Sport treibenden Männern in Frankreich vergleichbar mit den Todesfällen bei Frauen sind. Dazu haben die Forscher die landesweiten Todesraten zwischen 2005 und 2010 untersucht. Demnach wurden 775 Todesfälle gemeldet, die in direktem Zusammenhang mit einem Ausdauersport standen. Unter den Toten befanden sich nur 42 Frauen. Den Studienautoren zufolge liegt die Todesrate für Frauen in Frankreich damit bei 1:2.000.000. Bei Männern hingegen bei 1:100.000, notieren die Forscher im Fachmagazin JAMA. Ob die Männer gefährdeter sind, weil sie sich vor dem Sport nicht aufwärmen und sich überanstrengen oder ob sie generell ein erhöhtes Risiko für verstopfte Arterien haben, ist noch unklar. [mst]

Quelle: Eurekalert!

Medizin Forscher züchten menschliches Herzgewebe aus Stammzellen.

Dieses ziehe sich wie ein funktionierendes Organ zusammen, schreiben die Mediziner aus Pittsburgh im Fachmagazin Nature Communications. Mithilfe dieser Methode könnte zukünftig bei einem Herzinfarkt beschädigtes Gewebe ersetzt werden. Die Forscher hatten aus menschlichen Hautzellen gewonnene induzierte pluripotente Stammzellen, sogenannte iPS-Zellen, verwendet, um daraus Vorgänger von Herzzellen zu züchten. Diese Zellen pflanzten die Mediziner in das Gerüst eines Mäuseherzens. Nach 20 Tagen Blutversorgung habe das Gewebe begonnen, sich wie ein menschliches Herz mit 40 bis 50 Schlägen pro Minute zusammenzuziehen. [mst]

Quelle: Nature Communications (doi:10.1038/ncomms3307)

Biologie Schmetterlinge hören ihre Feinde.

Bislang war nicht geklärt, ob die Hörorgane von Insekten in der Lage sind, frühzeitig Feinde wahrzunehmen und so durch Flucht oder Verstecken einem Angriff entgehen zu können. Dass zumindest die Aschgraue Höckereule (Trichoplusia ni), ein Nachtfalter und der tropische Blaue Morphofalter (Morpho peleides) ihre Angreifer hören können, konnten kanadische Entomologen nachweisen. Wie sie im Fachmagazin Biology Letters schreiben, reagieren die Hörnerven dieser Schmetterlinge tatsächlich auf Fluggeräusche insektenfressender Vögel. Ob die Beutetiere diese Fähigkeit aber auch zu ihrem Schutz nutzen, konnten die Forscher noch nicht belegen. [mst]

Quelle: Biology Letters (10.1098/rsbl.2013.0319)

Physik Gedopte Solarzellen bringen mehr Leistung.

Schweizer Wissenschaftlern ist eigenen Angaben zufolge ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Industrialisierung von Cadmiumtellurid-Solarzellen auf Metallfolie gelungen. Wie sie im Fachmagazin Nature Communications darlegen, konnten sie den Wirkungsgrad der flexiblen Dünnschichtsolarzellen von unter acht auf 11,5 Prozent steigern. Dies gelang ihnen, indem sie die Zellen des Halbleiters mit Kupfer dotierten. Zurzeit sind die höchsten Wirkungsgrade von flexiblen CdTe-Solarzellen auf Metallfolie noch immer tiefer als diejenigen flexibler Superstrat-Zellen auf speziellen transparenten Polyimidfolien. Die neue Methode könnte langfristig eine schnelle und kostengünstigere Produktion ermöglichen, hoffen die Studienautoren. [mst]

Quelle: Nature Communications (doi:10.1038/ncomms3306)

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