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14.10.2013

Gesundheit Krebserkrankungen kosten die Länder der EU jährlich viele Milliarden

Allein im Jahr 2009 betrugen die volkswirtschaftlichen Kosten insgesamt 126 Milliarden Euro, berichten Forscher der Oxford University und des King’s College London im Fachblatt "Lancet Oncology". Es handele sich um die erste Studie überhaupt, die die Kosten der Krankheit zwischen den EU-Ländern umfassend vergleicht. Europaweit verursachte Lungenkrebs die höchsten Gesamtkosten sowie den höchsten Produktivitätsverlust durch Krankschreibungen und verfrühte Todesfälle. Die medizinische Versorgung an sich war hingegen für Brustkrebspatienten am teuersten, vor allem wegen der hohen Ausgaben für Medikamente. Die Kosten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen liegen in der EU bei jährlich 195 Milliarden Euro – und damit deutlich höher als die von Krebserkrankungen. [mawi]

Quelle: Lancet Oncology - DOI 10.1016/S1470-2045(13)70442-X 1

Soziologie Es zahlt sich aus, Kaiser zu heißen

Herr Kaiser oder Herr König werden eher befördert als ein Herr Koch oder ein Herr Bauer. Dass Träger von Nachnamen mit adeligem oder majestätischem Klang im Schnitt beruflich erfolgreicher sind, entdeckten Forscher von der Universität Cambridge und der Ecole HEC in Paris durch die Auswertung der Daten von knapp 225.000 Mitgliedern des deutschen Internet-Karrierenetzwerks Xing. Die Forscher verglichen die berufliche Position der Träger von 84 geläufigen deutschen Nachnamen – von Bauer, Becker, Fischer, Koch, Schäfer bis Schulz und Winter. Es stellte sich heraus: Der Anteil von Menschen mit Namen Kaiser, König, Fürst, Ritter oder Graf im leitenden Management ist erhöht: Zwar nur leicht aber statistisch signifikant. Einerseits assoziierten viele mit Kaiser, König oder Fürst einen besonderen Status. Möglicherweise färbe auch der Name auf die Haltung der Namensträger ab, versuchen die Forscher das Phänomen zu erklären. Schon frühere Studien haben gezeigt, dass versteckte Faktoren wie Körpergröße, Aussehen oder Stimmlage den beruflichen Erfolg beeinflussen können. [mawi]

Quelle: Psychological Science - doi: 10.1177/0956797613494851

Raumfahrt Satellit GOCE hat seine Mission erfüllt

Mit Messungen des Schwerefelds der Erde hat der Satellit GOCE erstmals ein zentimetergenaues Höhenprofil der Erde geliefert. So können Höhenangaben von Bergen vereinheitlicht und Probleme bei Bauvorhaben besser gelöst werden. Die von GOCE gelieferten Daten dokumentieren auch den Anstieg des Meeresspiegels und Strömungsveränderungen, die für Klimamodelle maßgeblich sind. Diese Woche endet die gut vierjährige Mission des Satelliten. Noch in diesem Monat – spätestens Anfang November - wird er beim Eintritt in die Atmosphäre weitgehend verglühen, teilte die Europäische Raumfahrtbehörde Esa mit. Der genaue Zeitpunkt sei unklar. Der fünf Meter lange und 1,2 Tonnen schwere Satellit wird beim Herabstürzen in mehrere Teile zerbrechen. Der Großteil wird verglühen – einige Teile könnten die Erde erreichen. [mawi]

Neurowissenschaft Forscher entdecken Hirnzellen, die den Appetit zügeln

Wenn eine bestimmte Gruppe von Nervenzellen im sogenannten Nucleus parabrachialis aktiv ist, dann führt dies zu einer Unterdrückung des Appetits, berichten Forscher der Washington University in Seattle nach Experimenten an Mäusen im Fachblatt "Nature". Die Zellen waren vor allem nach einer Mahlzeit aktiv oder aber dann, wenn sich die Mäuse etwa wegen einer Infektion nicht wohl fühlten. Wurden die Zellen experimentell gehemmt, dann nahmen die Mäuse mehr Futter auf – auch wenn sie krank waren oder bereits gefressen hatten. Die Forscher wollen jetzt erforschen, ob und wie sich die Zellen gezielt und gefahrlos aktivieren lassen. In den letzten Jahren sind mehrere medikamentöse Appetitzügler wegen massiver Nebenwirkungen vom Markt genommen worden. [mawi]

Zoologie Tiere halten sich bei ihren Wanderungen nicht an mathematische Modelle

Der Lebensraum vieler Tiere ist durch Siedlungen und Straßen zergliedert. Daher wandern sie zwischen einzelnen kleinen Habitaten hin und her. Die Verbindungskorridore haben Forscher bislang vor allem mit mathematischen Modellen berechnet. Die Berechnungen haben mit dem wahren Leben allerdings wenig zu tun, haben Forscher der Max-Planck-Gesellschaft erkannt, als sie Fischermarder mit GPS-Sensoren ausstatteten und über drei Winter ihre Bewegungen beobachteten. Zwei gängige mathematische Modelle konnten gemeinsam nur fünf von 23 Korridoren korrekt vorhersagen. Den Gleichungen lag die Regel zugrunde, dass Fischermarder offene Gebiete meiden. Die realen Marder aber flitzten auch über Wiesen, Felder, Golfplätze oder Friedhöfe, um von einem Ort zum anderen zu gelangen. Wir müssen die Tiere fragen, was sie wirklich brauchen, so die Forscher. Denn dies würde Landschaftsplanungen einfacher und effizienter machen und nebenbei viel Geld sparen. [mawi]

Quelle: Landscape Ecology Oktober 2013, Band 28

11.10.2013

Astronomie Ein Team von britischen und deutschen Astronomen hat erstmals Hinweise darauf gefunden, dass außerhalb unseres Sonnensystems ein wasserreicher Kleinplanet oder Asteroid existiert hat.

Entdeckt haben sie Spuren des Himmelskörpers in der Atmosphäre des Sterns GD61, der sich in einer Entfernung von 150 Lichtjahren zur Erde befindet. Als sich der Stern einst in einen Weißen Zwerg verwandelte, zerstörte seine immense Schwerkraft den Planeten in seiner Nähe. Dessen Trümmer stürzten nach und nach auf den Stern, wo die Forscher nun einen Überschuss von Sauerstoff nachweisen konnten. Der deute darauf hin, dass die Trümmer reich an Wasser waren. Das bedeute, dass die Bausteine für bewohnbare Planeten im Sternensystem GD61 existierten und heutzutage vielleicht noch immer existieren, schreiben die Forscher im Fachblatt "Science". [reu]

Quelle: DOI: 10.1126/science.1239447

Biologie Italien stoppt eine umstrittene Stammzellstudie.

Die italienische Gesundheitsministerin hat gestern angekündigt, dass sie die klinische Erprobung einer Stammzelltherapie der Stiftung Stamina nicht genehmigen werde. Sie folgt damit dem Rat einer Expertengruppe, die den Prüfplan der Studie begutachtet hatte. Die Wissenschaftler hatten scharf kritisiert, dass die Behandlung einer wissenschaftlichen Grundlage entbehre und die Patienten sogar gefährden könne. Das berichtet das Fachjournal "Nature" auf seiner Internetseite. Die Stiftung hatte geplant, über dreißig Patienten mit körpereigenen Stammzellen zu behandeln. Die italienische Regierung hatte im März zunächst beschlossen, die Studie mit drei Millionen Euro zu fördern. [reu]

Biologie Dickhäuter können subtile Gesten deuten.

Afrikanische Elefanten sind in der Lage, den Fingerzeig eines Menschen zu deuten. Auch ohne vorausgegangene Übung finden sie Futter, wenn ein Mensch mit dem Finger darauf zeigt. Viele Menschenaffen könnten das nicht, zumindest nicht, ohne vorher das Verhalten einstudiert zu haben. Das berichten Forscher aus Großbritannien im Fachblatt "Current Biology". Die Forscher hatten elf Elefanten getestet, die in Südafrika für Safaris mit Touristen eingesetzt werden. Vor dem Versuchsleiter standen dabei zwei Eimer, von denen einer Futter enthielt. Auf diesen zeigte der Leiter mit seiner Hand. In mehr als zwei Drittel der Fälle wählten die Elefanten auf den Fingerzeig hin den richtigen Eimer aus. Offenbar ähnelten uns die Tiere kognitiv mehr als bisher gedacht, schreiben die Forscher. [reu]

Current Biology

Medizin Auch Säugetiere verteidigen sich auf altbekannte Weise gegen Viren.

Forscher aus Zürich haben bei Mäusen einen Bestandteil des Immunsystems entdeckt, der bislang nur bei Pflanzen und bei wirbellosen Tieren bekannt war, die sogenannte RNA-Interferenz. Dabei werden die Erbgut-Moleküle der Viren, die RNA, vom Immunsystem förmlich zerhackt, um daraus einen Wirkstoff zu erschaffen, der das Virus daran hindert, sich in den Körperzellen zu vermehren. Bisher war man davon ausgegangen, dass das Immunsystem von Säugetieren diese Fähigkeit im Laufe der Evolution verloren habe. Denn Säugetiere haben einen anderen Mechanismus der Immunabwehr entwickelt. Entdeckt wurde die RNA-Interferenz nun in Stammzellen, die ansonsten über keine andere Verteidigung gegen Viren verfügen, wie die Forscher im Fachblatt "Science" berichten. [reu]

Quelle: DOI: 10.1126/science.1241911

Pharmakologie Ein neuer Wirkstoff könnte bei Alzheimer helfen.

Britische Wissenschaftler haben bei Mäusen mit Erfolg ein Medikament getestet, das künftig eingesetzt werden könnte, um Alzheimer und Parkinson zu bekämpfen. Bei diesen Krankheiten lagern sich fehlgeformte Eiweißmoleküle auf den Nervenfasern ab. Um sich davor zu schützen, stoppt das Gehirn die Produktion neuer Eiweißverbindungen. Dadurch werden auch solche Moleküle nicht mehr gebildet, die für das Überleben der Nervenzellen notwendig sind. Das neu entwickelte Medikament sorgt dafür, dass die Eiweißproduktion fortgesetzt wird. Bei Labormäusen, die ebenfalls unter Eiweißablagerungen litten, konnte der Wirkstoff verhindern, dass Gehirnzellen vermehrt abstarben. Das Ergebnis sei zwar ein Erfolg, schreiben die Forscher in "Science Translational Medicine", aber von einem Medikament für Menschen sei man noch weit entfernt. [reu]

Quelle: DOI: 10.1016/j.cub.2013.08.037

10.10.2013

Biologie Quallen sind energiesparende Schwimmer.

Ihr Rückstoßantrieb ist einer der effektivsten im gesamten Tierreich. Das haben US-amerikanische Biologen festgestellt. Bei Quallen macht die Muskelmasse nur ein Prozent des Körpergewichts aus. Mehr benötigen sie nicht, denn die Muskeln werden beim Schwimmen geschont. Nur für 20 Prozent jedes Schwimmzyklus kontrahieren Quallen ihre Muskeln. Den Rest des Schubes erhalten sie während sich ihr Hut wieder entspannt. Dies liegt an seiner speziellen Konstruktion: Beim passiven Öffnen des elastischen Hutes entsteht ein ringförmiger Wirbel, der für den Extra Schub sorgt. Der größte Teil der zuvor eingesetzten Energie wird so wiedergewonnen und kann erneut eingesetzt werden. Im Fachorgan PNAS hoffen die Forscher, dass sich nach dem Vorbild der Quallen effektivere technische Antriebe für Wasserfahrzeuge konstruieren lassen. [tj]

Quelle: PNAS

Biologie Alpensegler verbringen 200 Tage non stop in der Luft.

Das haben Schweizer Ornithologen herausgefunden. Sie hatten Alpensegler vor ihrem Weg ins Winterquartier mit Miniatur-Sensoren ausgestattet. Die Geräte zeichneten die Aktivitäten der Vögel über die gesamte Zeit ihres Zuges nach Süden und auch im Winterquartier auf. Das Ergebnis überraschte die Forscher: Die Alpensegler legten den gesamten 2000 Kilometer langen Flug nach Westafrika ohne Rast am Boden zurück und selbst im Winterquartier blieben drei der sechs beobachteten Vögel während der gesamten Zeit in der Luft: 200 Tage ohne Unterbrechung. Das bedeutet, dass Alpensegler nicht nur im Flug fressen – was bereits bekannt ist – sondern auch schlafen können. Dabei könnten sie gleichzeitig ihre Fluglage kontrollieren, heißt es in "Nature Communications". Möglicherweise seien Alpensegler in diesem Punkt mit Delfinen vergleichbar. Diese schlafen jeweils nur mit einer Hirnhälfte. Bei Vögeln sei das ein absolutes Novum. [tj]

Quelle: Nature Communications

Physik Die neue magische Zahl der Kernphysik heißt: 34.

In der Kernphysik kennt man Atomkerne, die mit einer bestimmten Anzahl von Protonen besonders stabil sind: Helium mit zwei Protonen, Sauerstoff mit acht, Calcium mit 20 und Nickel mit 28 – außerdem Zinn, das 50 und Blei, das 80 Protonen hat. Diese sechs Zahlen gelten deshalb als magische Zahlen. Sie gelten auch bei den Neutronen eines Atomkerns als Indikator für Stabilität. Nun haben Physiker bei Experimenten in Japan eine weitere entdeckt: die 34. Sie hatten Calcium-54 hergestellt, dessen Kern aus 20 Protonen und 34 Neutronen besteht. Im Fachmagazin "Nature" beschreiben die Forscher ihre Experimente. [tj]

Quelle: Nature

Medizin Das Mers-Coronavirus schädigt die menschliche Lunge stärker als gedacht.

Seit 2012 erkranken vor allem in Ländern der arabischen Halbinsel Menschen an dem neuartigen Mers-Coronavirus, über 50 Patienten starben an schweren Infektionen der Lunge. Deutsche Forscher haben nun mit einer speziellen mikroskopischen Technik explantiertes menschliches Lungengewebe untersucht. Offenbar infiziert das Mers-Virus nahezu alle Zelltypen der Lungenbläschen. Im Vergleich dazu befällt das Influenza-Virus nur einen bestimmten Zelltyp. Die Forscher von der Berliner Charité stellen ihre Ergebnisse heute im Fachmagazin "American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine" vor. [ann]

Quelle: Pressemitteilung Charité

Chemie Auch Oxide können eine quasikristalline Struktur ausbilden

Im Gegensatz zu Kristallen, die immer regelmäßig und in einer periodisch wiederkehrenden Struktur aufgebaut sind, haben Quasikristalle ein geordnetes Gitter, das sich aber nirgends wiederholt. Solche Strukturen waren bisher nur bei wenigen Metalllegierungen zu finden. Forscher der Martin-Luther-Universität in Halle-Wittenberg haben eine neue Klasse von Quasikristallen entdeckt. Das berichten sie in "Nature". Sie konnten eine quasikristalline Oxidschicht aufbauen. Sie bietet großes Potenzial für technische Anwendungen da sie stabiler sind als bisherige Metalllegierungen. Sie könnten Werkstoffe wie etwa Turbinenschaufeln widerstandsfähiger machen. Auch wären ultradünne Oberflächenbeschichtungen zum Beispiel im Bereich der Implantationsmedizin denkbar. [ann]

Quelle: DOI: 10.1038/nature12514

04.10.2013

Umwelt In der Atomruine Fukushima sorgt ein Filtersystem für radioaktiv belastetes Wasser erneut für Probleme.

Wie der Betreiber Tepco heute bekannt gab, wurde der Betrieb nach einem Alarmsignal unterbrochen. Ein Leck sei aber nicht festgestellt worden. Am Abend konnte das System wieder eingeschaltet werden. Es dient dazu, radioaktive Nuklide aus dem Wasser zu entfernen. Nach einer ersten Panne im Juni in Folge von Korrosionsschäden war der Betrieb erst vor wenigen Tagen wieder aufgenommen worden. Gestern hatten Arbeiter zudem entdeckt, dass aus einem der Tanks auf dem Gelände erneut radioaktiv belastetes Wasser ausgetreten war. [reu]

Quelle: Agenturen

Patentrecht Ein Genetik-Unternehmen erhält ein umstrittenes Patent.

Der kalifornischen Firma 23andMe wurde vergangene Woche ein Patent erteilt, das nach Ansicht von Kritikern den Weg zu "Designer-Babies" frei machen könnte. Patentiert wurde ein Computerprogramm, mit dem Eltern anhand ihres Erbgutes die Wahrscheinlichkeit bestimmen können, dass ihr Kind bestimmte körperliche Eigenschaften erbt, etwa die Augenfarbe oder die Muskelkraft. Eingereicht hatte die Firma das Patent vor fünf Jahren. Damals hatte sie im Antrag darauf hingewiesen, dass die Software auch genutzt werden könne, um Spermien und Eizellen für eine künstliche Befruchtung auszuwählen. Eine Sprecherin des Unternehmens betonte, mittlerweile verfolge 23andMe solche Pläne nicht mehr. Von Bioethikern wurde jedoch kritisiert, dass das Patent in dieser Form erteilt worden ist. [reu]

Quelle: Nature News, Science Now

Umwelt Auch die Gasförderung bringt Radioaktivität in die Umwelt.

Durch das sogenannte Fracking, wird Gestein mit Hilfe von Wasser und Chemikalien aufgebrochen, um Erdgas frei zu setzen. Dabei werden aber auch radioaktive Stoffe aus dem Boden geschwemmt. Das legen Messungen nahe, die Forscher aus den USA an Flusssedimenten in Pennsylvania durchgeführt haben. Dabei stellten sie fest, dass an den Stellen, wo das Förderwasser in den lokalen Fluss geleitet wird, die Sedimente besonders stark mit Radium belastet sind. Eine akute Gefahr bestehe dadurch nicht, aber die Substanz könne sich in der Umwelt ansammeln, schreiben die Forscher im Fachblatt "Environmental Science and Technology". [reu]

Quelle: DOI: 10.1021/es402165b

Biologie Marine Schwämme füttern ein ganzes Ökosystem.

Schwämme, die in Korallenriffen leben, sorgen dafür, dass auch höhere Organismen in dieser nährstoffarmen Umgebung gedeihen können. Das berichten niederländische Forscher im Fachblatt "Science". Die Schwämme nehmen aus dem Wasser Stoffe auf, die von Korallen oder Algen ausgestoßen wurden. Aus diesen Verbindungen bauen sie im eigenen Körper Nährstoffe auf, die sie in sogenannten Filterzellen einlagern. Schon nach kurzer Zeit werfen sie diese Zelle wieder ins Wasser aus, wo sie als Nahrung dienen, zum Beispiel für Krebse und Schnecken. Diese Beobachtungen könnten erklären, warum Korallenriffe zu den produktivsten Ökosystemen der Welt gehören, obwohl sie arm an Nährstoffen sind, schreiben die Forscher. Sie glauben, dass ihre Ergebnisse eine wichtige Rolle spielen könnten für den Schutz dieser Lebensräume. [ann]

Quelle: DOI: 10.1126/science.1241981

Psychologie Gläubige konsumieren weniger Drogen als Atheisten.

Unter jungen Schweizer Männern, die sich selbst als religiös bezeichnen, gibt es weniger Personen, die zu Suchtmitteln greifen, als unter agnostischen oder atheistischen Gleichaltrigen. Das ist das Ergebnis einer Studie von Wissenschaftlern aus Lausanne, die rund 5000 junge Männer befragt hatten. Unter den religiösen Studienteilnehmern rauchen dreißig Prozent täglich Zigaretten, bei den Atheisten sind es gut fünfzig Prozent. Beim Konsum von Ecstasy und Kokain ist es ein Prozent im Vergleich zu fünf Prozent. Den Forschern zufolge zeigen diese Zahlen, dass es sich bei der Erforschung des Suchtverhaltens lohnt, nicht nur Risikofaktoren zu bestimmen, sondern auch Schutzfaktoren. Der Glaube zähle zu diesen Schutzfaktoren, schreiben die Forscher im Fachblatt "Substance Use and Misuse". [reu]

Quelle: DOI: 10.3109/10826084.2013.799017

02.10.2013

Medizin Psychosozialer Stress kann Alzheimer auslösen.

Forscher der Universität Göteborg berichten im Fachjournal BMJ Open, dass psychosozialer Stress bei Frauen mittleren Alters das Risiko erhöht, auch Jahrzehnte später an Alzheimer zu erkranken. Die Mediziner hatten knapp vier Jahrzehnte lang die Entwicklung von Frauen im Alter zwischen 38 und 54 Jahren verfolgt, die mit verschiedenen psychosozialen Stressfaktoren konfrontiert waren, etwa mit der mentalen Erkrankung eines nahen Verwandten. Je mehr Stressfaktoren die Frauen ausgesetzt waren, desto häufiger trat im Alter die Alzheimer-Krankheit auf. Die Forscher vermuten, dass die Stressfaktoren unter anderem zu Veränderungen im Gehirn führen können. [ann, mst]

Quelle: British Medical Journal Open (doi: 10.1136/bmjopen2013.003142)

Medizin Sport könnte Medikamente ersetzen.

Von dieser Gleichung zeigen sich britische und US-amerikanische Wissenschaftler im British Medical Journal überzeugt. Ihrer Studie zufolge ist Sport für Patienten nach einem Schlaganfall oder mit einer Erkrankung der Herzkranzgefäße mindestens ebenso wirksam wie der Einsatz von Medikamenten. Die Forscher hatten für ihre Studie die Daten von mehr als 300.000 Patienten ausgewertet. Dabei konzentrierten sie sich darauf, welchen Einfluss die Einnahme von Medikamenten oder sportliche Betätigung auf die Sterblichkeit der Patienten hatte. Die Studienautoren kritisieren, dass in der medizinischen Forschung zunehmend Medikamenten mehr Gewicht beigemessen werde als einem gesunden Lebenswandel. [mst]

Quelle: Eurekalert!

Archäologie Die ersten Bauern waren nicht sehr erfolgreich.

Das geht aus einer Studie hervor, die britische Forscher um Mark Thomas vom University College London im Fachmagazin Nature Communications vorstellen. Sie hatten die Bevölkerungsdichte Westeuropas im Zeitraum von 8000 bis 4000 Jahren vor heute simuliert. Grundlage war die Häufigkeit von Funden, aus denen sie die Bevölkerungszahlen abschätzen konnten. Demnach waren die ersten Ackerbauern mitnichten erfolgreich, wie dies bislang vermutet wurde. Die Umstellung der Lebensweise zu Beginn der Jungsteinzeit hatte mehrere starke Populationsschwankungen zufolge, bei denen die Bevölkerung mitunter auf bis zu ein Drittel schrumpfte. Als Grund vermuten die Forscher, dass die ersten Bauern noch nicht nachhaltig agierten und zu stark von wenigen Feldfrüchten abhängig waren. Trotz dieser Einbrüche stieg die Bevölkerung über den Untersuchungszeitraum hinweg exponenziell an. [mst]

Quelle: Nature Communications (doi:10.1038/ncomms3486)

Biologie Ameisen wägen gemeinsam Nutzen und Gefahren ab.

Forscher der Universität Bristol konnten erstmals beweisen, dass eine Gemeinschaft von Tieren geschlossen auf Nachteile reagiert und ihre Alternativen abwägt. Wie die Wissenschaftler im Fachblatt Biology Letters schreiben, ließen sie europäische Ameisen bei Experimenten die Wahl zwischen mehreren Nestern, die im Vergleich zu ihrer derzeitigen Behausung unterschiedlich viele Vorteile wie Nahrung oder Nistplätze boten. Je gewinnbringender ein Nest erschien, desto mehr Ameisen waren demnach an der Erkundungstour beteiligt und desto mehr Risiko ging das ganze Ameisenvolk auf der Suche nach einem neuen Bau ein. [ann, mst]

Quelle: Biology Letters (doi: 10.1098/rsbl.2013.0685)

Paläontologie Blütenpflanzen gibt es schon viel länger als bisher angenommen.

Paläontologen der Universität Zürich haben in Bohrkernen aus der Schweiz 240 Millionen Jahre alte Pollen entdeckt. Damit sind Blütenpflanzen bereits 100 Millionen Jahre früher entstanden als dies Lehrbücher bislang vorgeben, notieren die Forscher im Fachmagazin Frontiers in Plant Science. Die bislang ältesten bekannten fossilen Pollen sind rund 140 Millionen Jahre alt und stammen aus der frühen Kreidezeit. Die nun entdeckten Pollen lassen vermuten, dass diese frühen Blütenpflanzen von Insekten befruchtet wurden, am wahrscheinlichsten von Käfern, so die Studienautoren. Blütenpflanzen haben sich aus heute ausgestorbenen Pflanzen entwickelt, die mit Palmenfarnen, Koniferen oder Farnkraut verwandt waren. [mst]

Quelle: www.frontiersin.org (doi:10.3389/fpls.2013.00344)

Medizin Die Zahl der Patienten mit Multipler Sklerose steigt.

Weltweit leiden 2,3 Millionen Menschen an der chronischen Krankheit. Das entspricht einer Steigerung von knapp zehn Prozent binnen fünf Jahren. Das geht aus dem "Atlas der MS" der Internationalen Multiple Sklerose Gesellschaft (MSIF) hervor. Den neuen Zahlen zufolge erkranken in Nordamerika etwa 140 von 100.000 Menschen an Multipler Sklerose, in Europa liegt die Zahl bei 108. Die bislang unheilbare Krankheit kündigt sich oftmals mit Sehstörungen und Taubheitsgefühlen in Händen und Beinen an, meist folgen im weiteren Krankheitsverlauf Schwindel und Muskelschwäche. Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer. [mst]

Quelle: DMSG

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