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13.05.2014

Biochemie Hormonwirksame Alltags-Chemikalien irritieren Spermien

Forscher haben die Wirkung der sogenannten endokrinen Disruptoren auf menschliche Spermien untersucht. Diese Chemikalien tauchen in Waren wie Plastikflaschen, Textilien und Kosmetika auf.
Im Labor brachten 30 von 100 getesteten Chemikalien den Kalzium-Haushalt der Spermien durcheinander. Dadurch änderte sich ihr Schwimmverhalten, schreiben die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift EMBO reports. Nach ihrer Ansicht könnten die Stoffe Fruchtbarkeitsstörungen mitverursachen. [hell]

 

 

Quelle: Center of advanced European studies and research

Geophysik Die Gletscherschmelze in der Westantarktis scheint unaufhaltsam zu sein

Das berichtet ein amerikanisches Forscherteam. Die Wissenschaftler untersuchten dazu verschiedene Parameter von Gletschern des Westantarktischen Eisschilds mit Hilfe von Satellitendaten.
Besonderes Augenmerk richteten sie dabei auf die Flussgeschwindigkeit der Gletscher und die Linie, ab der sie das Festland verlassen und auf dem Meer treiben. Fast das komplette Abschmelzen der Gletscher findet jenseits dieser Linie statt. Die Forscher stellten fest, dass die Gletscher immer schneller fließen und immer früher zu schwimmen beginnen, schreiben sie im Magazin "Geophysical Research Letters". Beide Effekte beschleunigen sich gegenseitig und führen zu einem unaufhaltsamen Abschmelzen der Gletscher. Mit diesen Erkenntnissen müssten die Prognosen zum Anstieg der Meeresspiegel nach oben korrigiert werden. [hell] 

 

Quelle: Eurerkalert; Geophysical Research Letters

Logistik Ein Computermodell hilft bei der Verteilung von Impfstoffen

Wissenschaftler des Pittsburgh Supercomputing Center und anderer amerikanischer Forschungseinrichtungen haben es entwickelt. Sie nutzten dabei ein System zur Modellierung von Lieferketten. Das wendeten sie auf die Verteilung von Impfstoffen im westafrikanischen Benin an. Wie die Forscher im Fachblatt "Vaccine" schreiben, simulierten sie verschiedene Szenarien. Dabei variierten sie die Anzahl von Lagern für die Medikamente, die Verteilungsrouten und die eingesetzten Impfstoffe. Die Wissenschaftler fanden ein optimales Szenario, das auf weniger Lager setzt als bisher, mehr Impfstoffe beinhaltet und dank dem das Land in den nächsten drei Jahren eine halbe Million Dollar einsparen soll. Ihr Computermodell - so die Wissenschaftler - könnten sie auch für andere Länder verwenden. [hell]

 

Quelle: Eurekalert

Astrophysik Forscher entdecken eine neue Galaxie

Sie befindet sich im Sternbild Löwe, ist relativ lichtschwach und besteht aus nur wenigen Sternen. Wissenschaftler aus Deutschland und Polen haben sie mit Daten des "Very Large Array" in New Mexico entdeckt und im "Astrophysical Journal" beschrieben. Demnach handelt es sich wahrscheinlich um eine so genannte Gezeiten-Zwerggalaxie. Also eine Galaxie, die durch Einfluss von Schwerkräften anderer Galaxien entstand.
Sollte sich das bestätigen, wäre es die uns am nächsten liegende Gezeitengalaxie, die bisher beobachtet wurde. [hell]

 

Quelle: idw, Astrophysical Journal doi: 10.1088/0004-637X/786/2/144

Unfallstatistik Schwangere haben mehr Autounfälle als andere Frauen

Kanadische Forscher haben die Daten von mehr als einer halben Million Schwangeren statistisch ausgewertet. Demnach stieg das Unfallrisiko im zweiten Drittel der Schwangerschaft um 50 Prozent, schreiben die Wissenschaftler im "Canadian Medical Association Journal". Die Studie beachtete dabei nicht, wer die Unfälle verursacht hatte. Die Forscher führen das erhöhte Unfallrisiko auf Begleiterscheinungen einer Schwangerschaft wie etwa Müdigkeit zurück. Sie sehen ihre Ergebnisse jedoch nicht als Aufforderung an Schwangere, weniger Auto zu fahren. [hell] 

 

Quelle: Canadian Medical Association Journal doi: 10.1503/cmaj.131650

Geophysik Lava könnte das Schluchtensystem des Mars geformt haben

Zu dem Ergebnis kommt ein Geophysiker der ETH-Zürich. Bisher gingen Wissenschaftler davon aus, dass Wasser oder tektonische Bewegungen die Schluchten auf der Marsoberfläche geformt haben.
Die neue Theorie: Unterirdische Lavaströme hätten Tunnel durch den Mars getrieben. Später seien sie eingestürzt und hätten so die Schluchten hinterlassen, schreibt der Forscher im "Journal of Volcanalogy and Geothermal Research". Für seine Studie analysierte er Fotos des Mars, die von verschiedenen Sonden erstellt wurden. Dabei fand er Anzeichen, die gegen die gängigen Theorien sprechen. So liegen die oberen Kanten der Schluchten auf demselben Niveau. Hätten tektonische Einflüsse sie geformt, wäre das nicht der Fall. Gegen Wasser als formende Kraft spricht, dass sehr viel davon nötig gewesen wäre, um die bis zu sieben Kilometer tiefen Schluchten entstehen zu lassen. Jedoch würde Wasser wegen der dünnen Marsatmosphäre an der Oberfläche nicht flüssig bleiben. [hell] 

 

Quelle: Eurekaltert; Journal of Volcanology and Geothermal Research doi: 10.1016/j.jvolg

12.05.2014

Zoologie Atlantik-Kärpflinge sind hart im Nehmen

Atlantik-Kärpflinge besiedeln im Süden Mexikos schwefelwasserstoffreiche Quellen vulkanischen Ursprungs. Schwefelwasserstoff ist ein stark wirksames Atemgift. Die Fische können in dieser lebensfeindlichen Umgebung existieren, weil Veränderungen im Erbgut die schädliche Wirkung von Schwefelwasserstoff minimieren, berichten Forscher der Universität Frankfurt am Main und des LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrums im Fachblatt "Nature Communications". Die Forscher entdeckten eine Reihe von Veränderungen in den sogenannten cox1- und cox3-Genen. Sie sind nur bei den Fischen zu finden, die Schwefelwasserstoff-reiches Wasser gewohnt sind. Erstmals sei eine Schlüsselanpassung an einen extremen Lebensraum bis in die molekularen Grundlagen nachvollziehbar, so die Forscher. [mawi]

Quelle: Nature Communications, DOI: 10.1038/ncomms4873

Biologie Jede dritte Art in deutschen Nord- und Ostseegewässern gefährdet

Von 1700 untersuchten Arten - Fische, wirbellose Tiere und Großalgen – sind 30 Prozent gefährdet. Dieses Resümee zog das Bundesamt für Naturschutz (BfN) heute in Bonn bei der Vorstellung der aktuellen Roten Liste der Meeresorganismen. Ein Problem: Bei einem Drittel der Meeresarten gebe es noch gar nicht genug Informationen, um die Gefährdung hinreichend einzuschätzen.Weiter verschärft habe sich insbesondere die Lage der Knorpelfische wie Dornhai und Glattrochen. Ursache für den Rückgang sei hier vor allem das Fischen mit Grundschleppnetzen. Neben der Bodenfischerei tragen nach Meinung der Experten zwei weitere Faktoren besonders zur Gefährdung der Arten bei. Die Einleitung von Abwässern und Düngemittelresten in die Meere erhöhe den Nährstoffgehalt. Dadurch bildeten sich verstärkt Mikroalgen, die den Lichteinfall in größeren Tiefen verringerten. Außerdem zerstörten maritimer Kiesabbau und Baggerarbeiten an Häfen oder Fahrrinnen, den Lebensraum von Arten, die fest auf dem Meeresboden sitzen.[mawi]

Meeresforschung Forschungs-Tauchroboter "Nereus" ist zerstört worden

Am vergangenen Freitag ist das US-amerikanische Forschungs-Tauchboot bei einem Einsatz vor Neuseeland in zehn Kilometern Wassertiefe offenbar implodiert. Der genaue Unfallhergang ist noch unklar. Aufgetauchte Wrackteile sollen bei der Suche nach der Unfallursache helfen. "Nereus" war 2009 bis auf den Grund des Marianengrabens auf 10.902 Meter Tiefe abgetaucht – und war damit das dritte menschgemachte Objekt, das unbeschadet die tiefste Stelle der Weltmeere erreicht hat. [mawi]

Gesundheit Gehst Du zum Kamel ...

... vergiss den Mundschutz und die Handschuhe nicht. Das rät das Gesundheitsministerium in Saudi-Arabien Menschen, die mit Kamelen arbeiten, angesichts der zunehmenden Verbreitung des MERS-Coronavirus. Das Coronavirus sei auch in den Atemwegen von Kamelen nachgewiesen worden. Daher sollten Menschen sich idealerweise ganz von den Tieren fernhalten. Seit September 2012 haben sich mindestens 483 Menschen in Saudi-Arabien mit dem Virus angesteckt. 142 Infektionen endeten tödlich. Das Mers-Coronavirus kann Nierenversagen und schwere Lungenentzündungen verursachen. Eine Schutzimpfung gibt es nicht. [mawi]

Medizin Stammzellenforscher lassen kranke Herzzellen auf Chip wachsen

Forscher der Harvard University in Boston haben auf einem Chip funktionierendes Herzgewebe gezüchtet. Das Besondere: Die Herzzellen tragen einen Defekt im sogenannten TAZ-Gen. Der Gendefekt, von dem vor allem Jungen betroffen sind, ist Ursache für das Barth-Syndrom, eine angeborene Schwäche des Herzmuskels sowie anderer Körpermuskeln. Bislang gibt es keine ursächliche Behandlung für das Barth-Syndrom. Das Herzgewebe auf dem Chip könnte hilfreich sein bei der Entwicklung von Therapien. Im Zellverbund auf dem Chip verhielten die Zellen sich beinahe so wie die Zellen in einem menschlichen Herzen. [mawi]

Klimaforschung Winde halten Antarktis kalt und Australien trocken

Forscher der New Australian National University glauben, jetzt besser erklären zu können, warum die Antarktis weniger stark als andere Kontinente von der Erderwärmung betroffen ist. Die steigenden Kohlendioxid-Konzentrationen in der Atmosphäre hätten zu einer Verstärkung der Winterstürme im Südlichen Ozean geführt. Früher hätten diese Westwinde Regen nach Australien gebracht. Seit etwa 70 Jahren, so berichten die Forscher im Fachblatt "Nature Climate Change", verliefen die stärker werdenden Westwinde immer weiter südlich und brächten Kälte und Niederschläge nicht nach Australien sondern in die Antarktis. Die Veränderung der Windsysteme führe immer häufiger zu langen ausgeprägten Dürreperioden in Australien. [mawi]

Quelle: Nature Climate Change

Gesundheit Die Deutschen trinken unverändert viel Alkohol

In einem aktuellen Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) heißt es, jeder Deutsche über 15 Jahren habe im Jahr 2012 im Schnitt 11,8 Liter reinen Alkohols konsumiert. Das entspricht gut 500 Flaschen Bier.Weltweit liegt der Pro-Kopf-Konsum bei 6,2 Litern reinen Alkohols. Die WHO warnte heute vor den Folgen exzessiven Alkoholkonsums. 2012 habe es weltweit 3,3 Millionen Alkoholtote gegeben. [mawi]

 

Biologie Forscher legen Atlas des menschlichen Stoffwechsels vor

Ein internationales Forscherteam hat 145 Gene identifiziert, die den menschlichen Stoffwechsel beeinflussen. Die Gene stünden im Zusammenhang mit über 400 Stoffwechselprodukten - etwa Kohlenhydraten, Lipiden oder Vitaminen, berichten die Forscher im Fachblatt "Nature Genetics". Die Zusammenhänge zwischen Genen und Stoffwechselprodukten zu entschlüsseln, sei die Grundlage, um Genfunktionen genauer zu verstehen und ihren Einfluss bei der Entstehung von Krankheiten zu erforschen. Die Forscher hatten genetische und Gesundheitsdaten von knapp 8000 Menschen ausgewertet. Die Datensammlung könnte helfen, Veränderungen im Stoffwechsel – ausgelöst etwa von Medikamenten oder durch eine Änderung des Lebensstils – besser zu verstehen. [mawi]

Quelle: Nature Genetics - doi: 10.1038/ng.2982

Schlafforschung Wechselstrom-Impulse verändern die Träume

Frankfurter Wissenschaftler haben das Schlafverhalten von 15 Frauen und zwölf Männern im Alter zwischen 18 und 26 Jahren im Schlaflabor beobachtet. Ein Gerät um den Kopf gab leichte Stromimpulse mit verschiedenen Hertz-Frequenzen (Hz) ab. Auswirkungen auf die Träume, berichten die Forscher im Fachblatt "Nature Neuroscience", gab es bei 25 und bei 40 Hertz. Andere Frequenzen hatten keine Effekte. Die Stromimpulse haben entweder Träume ausgelöst oder verändert. Im Schlaf durchlebt der Mensch unterschiedliche Phasen. Die Wechselstromimpulse wirkten sich nicht auf die REM-Schlaf-Phasen aus, wohl aber auf das Stadium der luziden Träume. Diese Klarträume zeichnen sich dadurch aus, dass der Träumende sich darüber bewusst ist, gerade zu träumen - und bieten bis zu einem gewissen Grad die Möglichkeit, dass der Träumende selbst bestimmt, wie der Traum weitergehen soll. Die Forscher hoffen, dass die Strom-Stimulation Menschen helfen könnte, die häufig von Alpträumen gequält werden, Auswege aus unangenehmen Traumsequenzen zu trainieren. Bislang ist das Verfahren nur zu Forschungszwecken zugelassen. [mawi]

Quelle: Nature Neuroscience

09.05.2014

Krebsforschung Nanopartikel gegen Tumore

Forscher aus Boston haben eine Therapie gegen Krebs entwickelt, bei der die Tumorzellen durch Nanopartikel abgetötet werden. Die winzig kleinen Teilchen transportieren zwei verschiedene Wirkstoffe in die Krebszellen, die dort zeitversetzt an den Tumor abgegeben werden. Die Wirksamkeit der Kombinationstherapie werde auf diese Weise deutlich erhöht, schreiben die Forscher im Fachmagazin „Science Signaling". Der erste der beiden Wirkstoffe schwächt den Abwehrmechanismus der Tumorzellen. Der zweite greift deren DNA an, so dass sie innerhalb kurzer Zeit absterben. Erprobt wurden die Nanoteilchen im Tierversuch an Mäusen, denen menschliches Tumorgewebe implantiert worden war. [reu]

Quelle: Science Signaling, Eurekalert, DOI: 10.1126/scisignal.2005261

Mikrobiologie Meeresbakterium auf Bergkäse entdeckt

Forscher der Universität Wien haben auf der Rinde von Bergkäse ein Bakterium entdeckt, das normalerweise nur im Meer vorkommt. Veröffentlicht haben sie die Studie im „International Journal of Food Microbiology". Welchen Einfluss das Meeresbakterium Halomonas auf die Rinde von Alpenkäse hat, können die Forscher noch nicht sagen. Allgemein bestimmt die Zusammensetzung verschiedener Bakterien- und Pilzarten auf der Käserinde darüber, wie ein Käse schmeckt und riecht. Zudem schützen viele Bakterien davor, dass sich auf der Käse-Oberfläche gefährliche Krankheitserreger ansiedeln. [reu]

Quelle: Eurekalert, International Journal of Food Microbiology, http://dx.doi.org/10.101

Kunststoff Selbstheilung größerer Löcher

Einen Kunststoff, der Löcher mit einem Durchmesser von rund einem Zentimeter wieder von alleine verschließen kann, stellen US-Forscher im Fachblatt „Science" vor. Bisher konnten solche selbstheilenden Materialien nur kleine Beschädigungen wieder ausgleichen. Die Kunststoffplatten der Forscher aus Illinois sind von feinen Kanälen durchzogen. Darin befinden sich zwei unterschiedliche Flüssigkeiten. Wird das Objekt beschädigt, vermischen sie sich. Sehr schnell bilden sie zunächst ein Gel, um dann deutlich langsamer auszuhärten. So dauert es rund zwanzig Minuten, bis ein Loch von einem Zentimeter Durchmesser geschlossen ist. Nach drei Stunden ist das Material ausgehärtet. Mögliche Anwendungen sehen die Wissenschaftler zum Beispiel in der Raumfahrt oder für die Beschichtung von medizinischen Implantaten. [reu]

Quelle: Cell, Eurekalert, http://dx.doi.org/10.1016/j.cell.2014.03.054

Genetik Eisbären erben Anpassung an Kälte

Der Eisbär hat sich höchstens vor fünftausend Jahren von der Linie der Braunbären abgespalten. Seitdem hat sich sein Erbgut verhältnismäßig schnell an eine fettreiche Kost angepasst. Das berichtet ein internationales Forscherteam im Fachmagazin „Cell". Die Wissenschaftler hatten die Genome von rund 80 Eisbären mit den Erbanlagen von zehn Braunbären verglichen. Möglicherweise hätten sich Braunbären während einer wärmeren Periode zwischen zwei Eiszeiten weit in den Norden vorgewagt. Als es wieder kälter wurde, sei der Population der Rückweg abgeschnitten gewesen. So hätten sich die Tiere an die Bedingungen der Arktis anpassen müssen. Einen Großteil ihrer Energie beziehen Eisbären aus Robben und aus deren Speck. [reu]

Quelle: Cell, dpa, http://dx.doi.org/10.1016/j.cell.2014.03.054

Hirnforschung Neue Nervenzellen machen vergesslich

Wenn das Gehirn neue Nervenzellen bildet, um Erinnerungen abzuspeichern, dann geht das auf Kosten bereits bestehender Gedächtnisinhalte. Das berichten Forscher aus Kanada und Japan im Fachblatt „Science". Sie hatten Lernexperimente mit Mäusen und Meerschweinchen durchgeführt. Nach der Lernphase setzten die Forscher einen Teil der Nager in ein Laufrad. Durch Bewegung wird die Neubildung von Nervenzellen im Hippocampus üblicherweise stark angeregt. Tiere aus dieser Gruppe konnten sich anschließend deutlich schlechter an das Gelernte erinnern. Die Wissenschaftler glauben, dass ein ähnlicher Zusammenhang auch für Menschen existiert. So ließe sich möglicherweise erklären, weshalb wir uns an die ersten Lebensjahre besonders schlecht erinnern können. In diesem Zeitraum werden die meisten Nervenzellen neu gebildet. [reu]

Quelle: Nature News, Science

08.05.2014

Technologie Eine neue Computersimulation liefert Details zur Geschichte des Kosmos

Einem internationalen Forscherteam ist es gelungen, rund 13 Milliarden Jahre kosmische Geschichte im Computer ablaufen zu lassen. Die Simulationsrechnung hat mehrere Monate Rechenzeit auf 8.000 Computer-Prozessoren gedauert und einen 200 Terabyte großen Datensatz produziert - das entspricht etwa 42-000 DVDs. Für 13 Milliarden Jahre dann doch gar nicht so viel Platz.

Quelle: NATUREdoi:10.1038/nature13316

Elektrobiologie Elektrosmog stört Orientierungssinn von Rotkehlchen

Bleibt Elektrosmog unterhalb bestimmter Grenzwerte - hat er keine Auswirkungen auf biologische Prozesse oder auf die menschliche Gesundheit. Das galt bisher als Stand der Wissenschaft. Doch so kann man das offenbar nicht mehr stehen lassen.
Wer die Fachzeitschrift NATURE heute aufschlägt, der findet dort eine Studie der Universität Oldenburg und die widerspricht der bisherigen Aussage, dass schwacher Elektrosmog ganz und gar unbedenklich sei. Die Biologen der Universität haben sich bei ihrer Studie auf Rotkehlchen konzentriert.

In jahrelangen Experimenten haben sie nachweisen können, dass selbst extrem schwache elektromagnetische Abstrahlung in einem Frequenzbereich von etwa zwei Kilohertz bis fünf Megahertz den Orientierungssinn der Vögel stört, der biologische Magnetkompass der Rotkehlchen versagt.

Genau der bezeichnete Frequenzbereich geht auch von Elektrogeräten aus.

Dieses Studienergebnis sei in doppelter Hinsicht bemerkenswert, meinen die Forscher. Zum einen sei jetzt klar, dass ein schwaches elektromagnetisches Feld ist in der Lage, die Funktion eines gesamten sensorischen Systems bei einem gesunden höheren Wirbeltier zu stören. Zum anderen habe sich die Funktionsstörung bei einer Signalstärke eingestellt, die nur ein Tausendstel des Grenzwertes beträgt, die von der Weltgesundheitsorganisation WHO als unbedenklich eingestuft wird. [tj]

Quelle: NATURE doi: 10.1038/nature13179

Epidemologie Seuchen sind gesund

Diesen Schluss legt eine in PLOS One veröffentlichte Studie nahe. Sie beschäftigt sich mit einer der verheerendsten Seuchen der Menschheitsgeschichte: der Pest, die Mitte des 14. Jahrhunderts in Europa wütete und schätzungsweise 25 Millionen Menschen den Tod brachte.

Für die Studie analysierten US-amerikanische Forscher der Universität von South Carolina in Columbia knapp 600 Skelette von mittelalterlichen Londoner Friedhöfen.

Bisherige Studien zur Pest im Mittelalter hatten sich vor allem auf schriftliche Dokumentationen gestützt. Den Skelettanalysen zufolge waren die Menschen nach der Pest gesünder und wurden deutlich älter als vor dem Ausbruch der Pest. Dieser verbesserte Gesundheitszustand hielt über mehrere Generationen an. Ob das allein daran gelegen habe, dass der Schwarze Tod gebrechlichere Menschen traf und die Überlebenden aufgrund biologischer Faktoren die gesünderen waren, läßt sich noch nicht sagen. Möglicherweise hätten auch andere Faktoren, wie eine andere Ernährung, in der Zeit nach der Pest eine Rolle gespielt. [tj]

Quelle: PLOS One doi10.1371/journal.pone0096513

Akustik Die Suche nach Öl- und Gasvorräten im Meer ist zu laut für Wale

Zur Erkundung des Meeresbodens werden sogenannte Airguns oder Luftpulser eingesetzt. Diese seismischen Geräte sind eine Art Unterwasser-Knallgeräte. Durch den hohen Druck zusammengepresster Luft erzeugen sie Schallwellen. Diese Wellen werden von Gesteins- und Sedimentschichten im Boden zurückgestreut und aus den so entstehenden akustischen Mustern ziehen Geologen Rückschlüsse, ob in Bodenschichten Gas oder Öl lagert.

Das Umweltbundesamt hat in einer neuen Studie herausgefunden, dass die Airgun-Schallwellen die Kommunikation von Meeressäugern empfindlich stören - und das sogar noch in einer Entfernung von 2.000 Kilometern. Unter 1.000 Kilometern können sich die Impulse sogar zu einem kontinuierlichen Geräusch ausdehnen. Die Folgen für Blau- und Finnwale sind erheblich: Sie können sich nicht mehr verständigen und hören ein Beutetier oder einen Feind erst sehr spät oder gar nicht. [tj]

Quelle: Pressemitteilung Umweltbundesamt

Klimaforschung Klimawandel führt zu Mangelernährung

Wenn die CO2-Konzentration in der Atmosphäre hoch ist, dann sinkt der Nährwert bei Hülsenfrüchten - wie beispielsweise Soja und Reis - und Getreidesorten wie Weizen und Mais. Sie produzieren weniger Zink und Eisen.

Durch den Klimawandel steigt die CO2-Konzentration in der Atmosphäre seit Jahren an und so wird es weitergehen. Das bedeutet, dass immer mehr Getreide und Hülsenfrüchte in der Nahrungsmittelkette, die Menschen nicht ausreichend mit Zink und Eisen versorgen. Nach Auswertung einer Reihe von Studien zu diesem Thema stellen US amerikanische Forscher im Fachmagazin NATURE fest: Der Klimawandel führt letztlich auch zu Mangelernährung. [tj]

Quelle: NATURE doi: 10.1038/nature13179

07.05.2014

Verhaltensforschung Tauben umfliegen Hindernisse spontan

In einem Versuch an der Harvard Universität mussten Tauben durch einen künstlichen Wald fliegen und dabei Bäumen ausweichen. Aus den dabei erstellten Hochgeschwindigkeitsaufnahmen konstruierten die Wissenschaftler dreidimensionale Karten mit den Flugrouten der Tiere.

Wie sie im Fachblatt Journal of the Royal Society Interface schreiben, veränderten die Vögel stets erst anderthalb Meter vor einem Hindernis die Flugroute. Dieses Verhalten spricht eher für eine spontane Reaktion als für eine Planung des Flugverhaltens im Voraus.

Auch fanden die Forscher heraus, dass die Vögel bei ihren spontanen Ausweichmanövern eher größere Lücken zwischen Bäumen ansteuerten und nicht zwangsläufig die nächstgelegene nahmen.

Diese Erkenntnisse sollen später in der Steuerungsentwicklung von Flugrobotern Anwendung finden. [be/mst]

 

Quelle: J R Soc Interface (10.1098/rsif.2014.0239)

Klima Stadtluft wird immer schlechter

Das geht aus einer Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hervor, die heute in Genf vorgestellt wurde. Für die Analyse hatten Experten Daten aus weltweit 1.600 Städten aus den Jahren 2008 bis 2013 untersucht. Nahezu 90 Prozent der Stadtbevölkerung atmet regelmäßig Luft ein, deren Belastung deutlich über den von der WHO empfohlenen Grenzwerten liegt. Demnach wird vor allem die Luft in den Städten Afrikas und Südostasiens immer schlechter. Als Gründe führte die WHO den zunehmenden Autoverkehr an, sowie das Verbrennen von Kohle, Öl und Gas und die unzureichende Dämmung vieler Häuser. [mst]

 

Quelle: WHO

Geologie Gletscherforscher machen Inventur

Im Journal of Glaciology stellt ein internationales Wissenschaftlerteam die zusammengetragenen Daten aller weltweit rund 200.000 Gletscher vor. Im sogenannten Randolph Gletscher Inventar (RGI) sind für jeden der kartierten Eisströme nicht nur Angaben über Lage, Eisdicke und Volumen aufgeführt, sondern dort ist auch die Form der einzelnen Eisströme festgehalten.

Dieses erste globale Gletscherinventar überhaupt ermöglicht es, zukünftig exakt berechnen zu können, wie stark die Gletscherschmelze zum künftigen Meeresspiegelanstieg beiträgt, hoffen die Studienautoren. [mst]

Quelle: Journals of Glaciology (10.3189/2014JoG13J176)

Materialforschung Kristalle können superelastisch sein

Mit Superelastizität bezeichnen Forscher eine Materialeigenschaft, die auf einer Änderung der Kristallstruktur beruht. Bisher war dies nur bei Legierungen und bestimmten anorganischen Materialien bekannt. Wissenschaftler aus Japan präsentieren im Fachblatt Angewandte Chemie erstmals eine superelastische organische Verbindung.

Wird ein Terephthalamid-Kristall unter Scherspannung an einer Stelle verformt, geht er alsbald dort in eine andere Kristallphase über. Je mehr Druck ausgeübt wird, desto weiter breitet diese sich entlang des Kristalls aus. Lässt die Spannung nach, wandert die Phasengrenze zurück und die ursprüngliche Struktur wird wiederhergestellt.

Die Forscher konnten die Umformung hundert Mal wiederholen, ohne dass sie Zeichen einer Materialermüdung ausmachen konnten.

Superelastische Materialien könnten in Gelenken aus nur einem Bauteil Anwendung finden oder als Elemente zur Dämpfung von Schwingungen. [mst]

Quelle: Angewandte Chemie (10.1002/ange.201311014)

Paläontologie Klein macht erfolgreich

Auf diese Aussage lässt sich das Ergebnis einer Studie zurückführen, die britische Paläontologen im Fachblatt PLOS Biology vorstellen. Sie sind der Frage nachgegangen, weshalb die Dinosaurier ausgestorben sind, ihre nahen Verwandten, die Linie der Vögel, hingegen nicht.

Während die großen Dinosaurier die meisten Lebensräume besetzt hatten, sank demnach bei ihnen im Laufe der Jahrmillionen aufgrund eines geringen Selektionsdrucks die Geschwindigkeit der Evolution. Weil die Vögel, um sich gegen die großen Saurier behaupten zu können, ständig neue ökologische Nischen suchen mussten, blieb bei ihnen die Evolutionsgeschwindigkeit hoch - und automatisch die Körpergröße gering.

Diese Flexibilität könnte der Schlüssel für ihr Überleben gewesen sein, vermuten die Forscher. [mst]

Quelle: PLoS Biology (10.1371/journal.pbio.1001853)

Klimaforschung Die Klimaerwärmung beschert den USA häufigere und heftigere Wetterextreme

Bei Hitzewellen und Starkniederschlägen sei der Zusammenhang inzwischen eindeutig. Das steht sowohl im neuen US-Klimabericht wie auch in einem gleichzeitig veröffentlichten Artikel von Klimaforschern im Fachblatt EOS. 2011 und 2012 gab es in den USA demnach dreimal so viele Hitzewellen wie im langjährigen Mittel. Zugleich wurden nie zuvor beobachtete Monatsmitteltemperaturen erreicht. Das Ausmaß der Hitze könne nur durch die Klimaerwärmung erklärt werden. Sie habe die Wahrscheinlichkeit für eine Rekord-Hitze und -Dürre wie 2011 in Texas mehr als verdoppelt. Auch Starkniederschläge in den USA seien häufiger und intensiver geworden. Schon seit über 20 Jahren falle bei den stärksten Wolkenbrüchen deutlich mehr Regen als im langjährigen Mittel. Dem neuen Klimabericht zufolge ist damit zu rechnen, dass sich diese Trends weiter verschärfen. [mst]

 

Quelle: U.S. Global Change Research Program, 06.05.2014; EOS, Vol. 95, Nr. 18, 06.05.20

Gesundheit Flughafenlärm kann dick machen

Zu den langfristigen Auswirkungen von Fluglärm auf die menschliche Gesundheit gehören neben Herz-Kreislauf-Erkrankungen auch chronische Auswirkungen auf den Stoffwechsel. Das belegen Forscher des Karolinska-Instituts in Stockholm in einer Studie, die sie im Fachmagazin Environmental Health Perspectives vorstellen. Sie hatten bis zu zehn Jahre lang den Bauchumfang von 5.000 Menschen der schwedischen Hauptstadt untersucht und die Daten in Beziehung zum Anstieg des Geräuschpegels am örtlichen Flughafen gesetzt. Dabei sahen sie, dass ein Anstieg des Lärmpegels um fünf Dezibel eine Zunahme des Taillenumfangs um durchschnittlich anderthalb Zentimeter verursacht. Die Wissenschaftler führen diese Tatsache auf die verstärkte Ausschüttung des Stresshormons Cortisol zurück. [be/mst]

Quelle: Environmental Health Perspectives/Karolinska Institut

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