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23.07.2014

Biologie Speichel entgiftet Pflanze.

Einige Pflanzen bilden eine Lebensgemeinschaft mit Pilzen von gegenseitigem Nutzen. Als Dank für die Nährstoffe, die der Pilz erhält, produziert er giftige Alkaloide, die grasende Huftiere von den Pflanzen abhalten sollen. Im Laufe der Evolution haben die Pflanzenfresser im Gegenzug ebenso Strategien entwickelt, notieren britische Botaniker aus Cambridge im Fachblatt Biology Letters. Die Wissenschaftler konnten zeigen, dass der Speichel von Elchen und Rentieren bestimmte Substanzen enthält, die das Wachstum der Pilze in den Pflanzen und die Produktion der Alkaloide hemmen. Beim Grasen gelangen die Hemmstoffe aus dem Speichel in die Pflanzen und machen so das nachwachsende Futter genießbarer.

[mst]

Quelle: Biology Letters (10.1098/rsbl.2014.0460)

Biologie Die Aufzucht großer Pandas in China verzeichnet Erfolge.

Denn die in Gefangenschaft lebenden Tiere zeichnen sich durch einen großen Genpool aus, notieren Forscher der Chinesischen Akademie der Wissenschaften im Fachmagazin "Molecular Biology and Evolution". Sie hatten das Erbgut von 240 Großen Pandas aus vier chinesischen Aufzuchtstationen untersucht. Der Vergleich habe ergeben, dass die Gefahr von Inzucht sehr gering sei. Daher sei es überflüssig, weitere Pandas aus der Wildbahn für die Zucht zu fangen. Der Bestand wild lebender großer Pandas wird auf 1.600 Tiere geschätzt.

[mst]

Medizin In China grassiert die Beulenpest.

Wegen eines Ausbruchs der Pest sind Teile einer Stadt im Norden Chinas unter Quarantäne gestellt worden. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua stehen 151 Bürger von Yumen in der Provinz Gansu unter Beobachtung. Die Betroffenen waren mit einem Mann in Kontakt gekommen, der am 16. Juli an der Beulenpest gestorben war. Das Opfer selbst hatte sich die Bakterien-Infektion durch Kontakt mit einem Murmeltier eingefangen. Die Krankheit wird meist durch Flohbisse übertragen und kann Wundbrand, Krämpfe und Fieber auslösen.

[mst]

Biologie Afrikanische Elefanten verfügen über einen exzellenten Geruchssinn.

Zumindest genetisch betrachtet, denn diese Tiere besitzen fast 2.000 für die Geruchsrezeptoren verantwortliche Gene und damit doppelt so viele wie Hunde - und sogar fünf Mal mehr als Menschen. Das geht aus einer Studie hervor, die Forscher der Universität Tokio im Fachblatt Genome Research vorstellen. Die Wissenschaftler hatten die Gene für die Geruchswahrnehmung bei 13 Säugetieren untersucht, darunter Ratten, Kühe, Pferde, Hunde, Mäuse, Primaten und eben Elefanten. Die Forscher weisen darauf hin, dass Elefanten sehr differenziert und sensibel riechen können. Jedoch sei die blanke Zahl der Gene an sich noch kein absoluter Beweis für die tatsächlichen olfaktorischen Meisterleistungen.

[mst]

Quelle: Genome Research (10.1101/gr.169532.113)

Geophysik Klimaforscher haben die Meereisentwicklung in der Antarktis vermutlich fehlerhaft berechne

Klimaforscher stehen vor einem Rätsel: Obwohl die Erde immer wärmer wird, bildet sich jedes Jahr mehr Meereis rund um die Antarktis. Nun berichten US-Forscher im Fachblatt "The Cyrosphere", dass Satellitendaten, auf denen der Befund beruht, womöglich falsch ausgewertet wurden. Der Fehler liegt demnach vermutlich in einem Algorithmus, der globale Satellitendaten berechnet. 2007 gab es ein Update des Algorithmus. Noch ist unklar, ob der Fehler in der Version vor oder nach dem Update liegt. Klar ist nur, dass sich seit dem Update ein deutlich beschleunigter Eiszuwachs in der Antarktis zeigt. Seit 1978 beobachten Satelliten die Eisausdehnung rund um die Antarktis.
[mst]

Quelle: The Cryosphere (doi: 10.5194/tc-8-1289-2014)

Medizin Die bis vor Kurzem isoliert lebenden Indianer in Brasilien zeigen Grippesymptome.

Einige Mitglieder der bis vor drei Wochen ohne Kontakt zur Außenwelt lebenden indigenen Indianer, die in einer Ashanika-Siedlung an der Grenze zu Peru aufgetaucht sind, zeigten Grippesymptome. Nach einer ersten medizinischen Behandlung sind sie offenbar wieder in ihre Heimat zurückgekehrt. Die für die Belange indigener Gruppen in Brasilien zuständige Behörde FUNAI befürchtet, dass ein möglicherweise nicht völlig geheilter Indigener weitere Mitglieder ansteckt. Gegen Influenza besitzt das Immunsystem der isoliert lebenden Menschen mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Abwehrkräfte. Die Indianer, die sich in einer Sprache der Pano-Familie verständigten, sind vermutlich aus Peru über die Grenze geflüchtet. Die Gebiete dort sind durch illegale Holzfäller und Drogenschmuggelbanden bedroht. Dem Körper- und Haarschmuck zufolge gehören die Indigenen zur Gruppe der Chitonahua, die für ihre kriegerischen Auseinandersetzungen bekannt sind.

[mst]

Quelle: Survival International/Sciencemag/ILFS

22.07.2014

Energietechnik Glasschicht hält Solarzellen kühl ...

... und macht sie somit effizienter. Denn Solarzellen aus Silizium wandeln Licht am besten in Strom um, wenn sie nicht zu heiß werden.

Während die Solarzellen sichtbares Licht besonders gut in Strom umwandeln, werden sie von Infrarotlicht eher aufgeheizt. Wissenschaftler aus Kalifornien haben nun eine Glasschicht mit einem Muster aus winzigen Pyramiden entwickelt.

Wie sie in Laborversuchen zeigen konnten, lässt die Schicht das sichtbare Licht durch. Die Infrarotstrahlung jedoch lenkt sie von der Solarzelle weg, schreiben die Forscher im Fachblatt "Optica".

Als nächstes wollen sie ihre Erfindung im Einsatz unter freiem Himmel testen. [hell]

Biologie Forscher weisen Mers-Virus in der Luft nach

Forscher aus Saudi Arabien haben genetische Fragmente des Mers-Coronavirus in der Luft nachgewiesen. Sie werteten dazu Luftproben aus dem Stall eines Kamelzüchters aus, der an Mers erkrankt war.

Die Wissenschaftler identifizierten exakt den Virusstamm, der den Patienten infiziert hatte, schreiben sie im Fachblatt "mBio".

Bislang sind knapp 700 Fälle bekannt, in denen Menschen am Mers-Virus erkrankten. Mehr als 200 starben. Eine Therapie gegen Mers gibt es bislang nicht.

Nachdem das Virus nun in der Luft gefunden wurde, sind laut den Forschern weitere Studien nötig. Sie sollten zeigen, ob sich Mers auf dem Luftweg übertragen kann. [hell]

Astronomie Forschern gelingt bisher genauste Vermessung eines galaktischen Lichthofs

Als Lichthof oder auch Halo bezeichnet man Sterne und Sternhaufen, die sich weit am Rand einer Galaxie befinden. Dieses Halo ist deutlich dunkler als der Kern oder die Arme einer Galaxie.

Forscher aus Garching haben das Halo der Galaxie "Centaurus A" nun mit dem Hubble-Weltraumteleskop vermessen. Sie stellten wider Erwarten fest, dass das Halo nicht kreisrund ist, sondern in eine Richtung verschoben.

Auch fanden die Forscher mehr schwere Elemente in dem Halo als erwartet, schreiben sie im "Astrophysical Journal".

Als Breite des Halos ermittelten die Wissenschaftler 295.000 Lichtjahre. Würde man es von der Erde aus sehen, wäre es damit acht Mal breiter als der Mond. [hell]

Biologie Bakterien-Art nutzt gesamten Zellkörper zur Fortbewegung

Viele Bakterien bewegen sich, indem sie mit Geißeln schlagen und so einen Vortrieb erzeugen. Doch zumindest Bakterien der Art Caulobacter crescentus treiben sich zusätzlich auf eine zweite Art voran: Sie vollführen mit ihren Zellkörpern eine spiralförmige Bewegung und sorgen so für Schub.

Diesen bisher unbekannten Mechanismus haben Forscher im Magazin "PNAS" beschrieben.

Sie zeigten damit zum ersten Mal, dass auch der Zellkörper eines Bakteriums an der Fortbewegung beteiligt sein kann. Für ihre Beobachtungen nutzten die Ingenieure und Physiker ein spezielles Mikroskop, das die Bakterien verfolgte, während diese in einer wässrigen Lösung umherschwammen. So konnten die Forscher Bewegungen einzelner Mikroben gut 30 Sekunden lang betrachten.

Die Studie liefert Erkenntnisse darüber, wie sich Krankheitserreger ausbreiten, heißt es von den Wissenschaftlern. [hell]

Quelle: PNAS - doi: 10.1073/pnas.1407636111

Medizin Wissenschaftler kommen genetischen Ursachen von Schizophrenie auf die Spur

Das internationale Forscherteam hat 128 DNA-Veränderungen aufgezeigt, die mit einem erhöhten Risiko einer Schizophrenie-Erkrankung einhergehen. Mehr als 300 Wissenschaftler untersuchten dazu gut 80.000 Erbgut-Proben.

Die betroffenen Regionen des Erbguts stehen mit der Informationsübertragung im Gehirn in Verbindung, schreiben die Autoren der Studie im Fachmagazin "Nature".

Laut den Autoren gab es in den letzten 60 Jahren kaum Innovationen bei der medikamentösen Behandlung von Schizophrenie. Grund hierfür sei, dass die biologischen Mechanismen hinter der Krankheit nicht verstanden sind.

Die Erkenntnisse könnten der Entwicklung von Therapieansätzen neuen Schwung geben. [hell]

Quelle: Nature - doi: 10.1038/nature13595

Zoologie Seehunde suchen gezielt Offshore-Windparks auf

Das zeigt die Studie eines Britisch-Niederländischen Forscherteams. Die Wissenschaftler hatten Seehunde mit GPS-Sendern ausgestattet, um die Bewegungen der Tiere zu dokumentieren.

Ein knappes Dutzend der mehr als 100 markierten Seehunde besuchte Offshore-Windparks. Manche Tiere schwammen zur Nahrungssuche gezielt von einer Wind-Turbine zur nächsten, schreiben die Forscher im Fachblatt "Current Biology".

Sie vermuten, dass die Konstruktionen künstliche Riffe bilden und daher die Tiere anziehen. In weiteren Studien wollen sie genauer herausfinden, warum die Anlagen Seehunde anlocken. Mit diesem Wissen ließen sich Windparks so gestalten, dass ihre positiven Effekte auf die Umwelt verstärkt werden. [hell]

Quelle: Current Biology

21.07.2014

Medizin Aids-Virus kann jahrelang im Gewebe versteckt überdauern

Schon kurze Zeit nach einer Ansteckung nistet sich das HI-Virus offenbar in Geweben ein – noch bevor es im Blut nachweisbar ist. Das berichten Forscher der Harvard Medical School in Boston im Fachblatt "Nature". Die inaktiven Viren könnten sich nach Absetzen von AIDS-Medikamenten jederzeit vermehren und die Infektion neu aufflammen lassen. Die Forscher hatten Rhesusaffen zunächst mit dem Affenvirus SIV infiziert und sie sehr früh mit Medikamenten behandelt: sieben, zehn oder 14 Tage nach der Infektion. Nach sechs Monaten setzten sie die Medikamente ab. Bei sämtlichen Affen vermehrten sich die Viren wieder.

Bei den Tieren, die besonders früh behandelt worden waren, kam es etwas später zu einem Rückfall als bei den anderen Tieren. Der Fund belege, wie hoch die Hürden seien auf dem Weg zu einer Aids-Heilung. Wahrscheinlich würden zusätzliche Behandlungsansätze gebraucht, die sich gezielt gegen die versteckten Viren richten. [mawi]

Quelle: Nature - DOI: 10.1038/nature13594

Psychologie Angst vor Spinnen lässt sich morgens besser behandeln als abends

Gegen Angststörungen sind morgendliche Therapien offenbar erfolgreicher als abendliche Sitzungen. Morgens bilde der Körper mehr von dem Hormon Cortisol, teilten Forscher der Universität Saar heute mit. Das Hormon verstärke Lern- und Gedächtnisprozesse.

In einer kleinen Studie hatten die Forscher je 30 Spinnen-Phobiker morgens und abends behandelt. Der Behandlungseffekt bei den Patienten mit Morgentherapie sei sowohl nach einer Woche als auch drei Monate später deutlich höher als bei der Abendtherapie.

Nach der Therapie seien viele Patienten in der Lage gewesen, eine Spinne auf die Hand nehmen zu können. [mawi]

Behaviour Research and Therapy

Physik Forscher bauen Käfig für Edelgase

Physiker der Universität Liverpool haben gemeinsam mit Kollegen in den USA und Frankreich ein neues poröses Material mit Namen CC3 entwickelt. Mit seiner Hilfe könnten Edelgase wie Radon, Xenon oder Krypton aus der Luft gefiltert werden. Die Edelgase würden dabei in den Poren des Materials eingeschlossen, berichten die Forscher im Fachblatt "Nature Materials".

Radon ist ein natürlich vorkommendes radioaktives Gas, das Lungenkrebs verursachen kann. Der neue Werkstoff könnte genutzt werden, um etwa in einem Kellerraum eine Belastung nachzuweisen oder auch, um dort die Luft zu reinigen.

Radon, Xenon oder Krypton aus der Luft zu gewinnen, war bislang nur bei sehr niedrigen Temperaturen möglich und mit einem hohen Energieverbrauch verbunden. [mawi]

Meeresforschung/Geologie Tiefsee-Bohrer soll bei Tsunami-Forschung helfen

Ein vom Bremer Zentrum für Marine Umweltwissenschaften (Marum) entwickelter sechs Meter hoher und zehn Tonnen schwerer Bohrturm kann 200 Meter lange Proben aus dem Boden in der Tiefsee nehmen. Der Spezialbohrer sei für Tiefen von bis zu 2.700 Metern ausgelegt. Dadurch ließen sich auch länger zurückliegende Abschnitte der Klima- und Umweltgeschichte erforschen, potenzielle Rohstoffquellen im Meeresboden erkunden und Informationen zur Entstehung von Tsunamis sammeln. Tsunamis können ausgelöst werden, wenn in der Tiefsee Hänge abrutschen. Im Oktober soll der Bohrer auf einer Expedition des Forschungsschiffs "Sonne" erstmals erprobt werden. [mawi]

Medizin Männer leben nach Beschneidung nicht riskanter

Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt heterosexuellen Männern in Afrika die Beschneidung. Das Risiko, sich mit HIV anzustecken, könne so um etwa 60 Prozent gesenkt werden. Skeptiker warnten, beschnittene Männer, die sich geschützt fühlten, könnten eher zu Sex ohne Kondom und häufig wechselnden Sex-Partnern neigten. Forscher der Universität von Illinois in Chicago in den USA befragten mehr als 3.000 Männer im Alter zwischen 18 und 35 Jahren in Kenia zwei Jahre lang alle sechs Monate zu ihrem Sex-Leben. Jeder zweite Mann ließ sich zu Studienbeginn beschneiden. In beiden Gruppen stieg die sexuelle Aktivität an. Doch riskanter Sex wurde seltener praktiziert, und gleichzeitig wurde häufiger ein Kondom benutzt.

Länder, die sich bisher mit Kampagnen für die Beschneidung zurückgehalten hätten, sollten keine Bedenken mehr haben, schreiben die Forscher im Fachblatt "AIDS and Behavior". Bislang bleiben die meisten Länder, was die Zahl der Beschneidungen angeht, weit hinter ihren selbst gesteckten Zielen zurück. [mawi]

18.07.2014

Physik Laser geben den Takt vor

US-Forscher haben eine neue Technik entwickelt, um elektronischen Schaltkreisen extrem schnelle Arbeitsrhythmen vorzugeben. Sie arbeitet mit Laserlicht. Fast alle elektronischen Geräte brauchen Oszillatoren, die ihnen einen Referenztakt liefern. Bisher kommen dafür Quarzkristalle zum Einsatz. Doch deren relativ niedrige Schwingungsrate im Frequenzbereich von Megahertz setzt der Entwicklung von immer schneller schaltender Elektronik Grenzen. Bei den neuen optischen Oszillatoren liefern zwei parallele Laserstrahlen stabile Referenzschwingungen im Gigahertz-Bereich. Die Studie ist im Wissenschaftsmagazin "Science" erschienen. [luh]

Quelle: DOI: 10.1126/science.1252909

Planetologie Der Mond ist löchrig

Die Oberfläche des Mondes ist nicht nur mit Millionen von Kratern gespickt. Forscher der Nasa haben auf Bildern der Sonde "Lunar Reconnaissance Orbiter" auch Hinweise auf mehr als 200 Löcher in der Mondoberfläche entdeckt. Es sind tiefe Gruben mit steilen Seitenwänden, die möglicherweise den Eingang zu Höhlensystemen darstellen. Die Größe der bisher gefundenen Gruben reicht von fünf bis über 900 Meter Durchmesser. Die Forscher vermuten, dass sie durch das Einstürzen der Deckschichten von Lava-Röhren entstanden sein könnten. Interessant sind die Gruben nicht nur aus geologischer Sicht. Bei künftigen, längeren bemannten Missionen zum Mond könnten sie Astronauten Schutz vor Strahlung und Mikrometeoriteneinschlägen bieten. [luh]

Biologie Nicht alle Radnetzspinnen sind miteinander verwandt.

Alle Arten von Radnetzspinnen bauen große räderförmige Netze, mit nur feinen Unterschieden. Bisher gingen Biologen davon aus, dass diese Fähigkeit evolutionär auf einen gemeinsamen Vorfahren zurückzuführen ist. Doch US-Forscher haben das jetzt widerlegt. Wie sie im Fachmagazin "Current Biology" berichten, führten sie die bislang umfangreichsten genetischen Untersuchungen zum Spinnenstammbaum durch. Tausende Genvergleiche lieferten keinen eindeutigen Hinweis darauf, dass die zwei heute existierenden Gruppen von Radnetzspinnen einen gemeinsamen Ursprung besitzen. Die Forscher folgern daraus, dass sich die Fähigkeit des Radnetzbaus zwei Mal im Zuge der Evolution entwickelt haben muss. Oder der gemeinsame Urahn liegt so weit zurück, dass sich dessen genetische Spuren nicht mehr eindeutig zuordnen lassen. [luh]

Quelle: DOI: 10.1016/j.cub.2014.06.035

Medizin Größere Säugetiere haben weniger Retroviren.

Die Krebsstatistik kennt ein Paradoxon: Große Tiere mit vielen Zellen sollten eigentlich mehr Tumoren entwickeln als kleine Tiere. Und dennoch kommt Krebs zum Beispiel bei Mäusen viel häufiger vor als beim Menschen. Forscher der Universität Oxford haben dafür eine mögliche Erklärung gefunden: Beim Vergleich des Erbguts von 38 Säugetierarten fanden sie im Genom kleinerer Tiere allgemein mehr Spuren endogener Retroviren. Retroviren bauen ihre Erbinformation fest in die DNA des Wirtes ein. Normalerweise gelten sie als harmlos, doch gelegentlich können sie der Auslöser dafür sein, dass Zellen entarten. Die Forscher vermuten, dass größere Tierarten im Laufe der Evolution bessere Abwehrmechanismen gegen Retroviren entwickelt haben. Und so ergibt sich die Formel: Je weniger Retroviren, desto seltener Krebs. Die Studie ist im Fachmagazin "PLoS Pathogens" erschienen. [luh]

Quelle: DOI: 10.1371/journal.ppat.1004214

Genetik Das Genom von Weizen ist sequenziert.

Eine internationale Gruppe von Wissenschaftlern hat das Genom von Weichweizen entschlüsselt. Mit dem Überblick über die Weizengene könnte es in Zukunft leichter fallen, ertragreiche und schädlingsresistente Weizensorten zu züchten. Noch handelt es sich nur um eine Art Rohfassung der Genom-Sequenz. Wie die Forscher des Internationalen Weizen-Genom-Sequenzierkonsortiums in "Science" berichten, wird es noch etwa drei Jahre dauern, bis eine vollständige Sequenz vorliegt. Eine besondere Herausforderung bei der Entschlüsselung war die schiere Größe des Genoms. Weizen besitzt sechs Chromosomensätze mir rund 17 Milliarden Bausteinen. Damit ist es etwa fünf Mal so groß wie das menschliche Genom. Weizen ist neben Reis und Mais das wichtigste Nahrungsmittel für die wachsende Weltbevölkerung. In den letzten Jahren stagnieren aber die Erträge. [luh]

Quelle: DOI: 10.1126/science.1249721

Ernährung Die Welt könnte weitere Milliarden Menschen ernähren.

Sieben Milliarden Menschen leben auf der Erde und rund eine Milliarde davon leidet Hunger. Doch die Lage ist nicht hoffnungslos, wie eine weitere Studie in Science nahelegt. Eine internationale Forschergruppe hat untersucht, welche konkreten Maßnahmen in den verschiedenen Regionen der Welt auf nachhaltige Weise den größten Zuwachs an Nahrungsmitteln bringen könnten. Viele Möglichkeiten sind demnach noch ungenutzt. In Afrika beispielsweise könnten auf den bestehenden Flächen durch optimierte Bewirtschaftung und Düngereinsatz die Erträge stark gesteigert werden. In Europa wäre es angebracht, Flächen verstärkt für Nahrungsmittel anstatt für Futtermittel zu nutzen. Die Reduzierung von Lebensmittelabfällen würde helfen, mehrere Hundert Millionen Menschen satt zu bekommen. Insgesamt ließen sich laut der Studie weltweit vier Milliarden Menschen zusätzlich ernähren. [luh]

Quelle: DOI: 10.1126/science.1246067

17.07.2014

Entomologie Bienen praktizieren offenbar nicht nur strikte Arbeitsteilung, sondern haben auch getrennt

Im Bienenstock leben Bienen in Berufsgruppen zusammen – so gibt es junge Arbeiterinnen, die im Innendienst tätig sind, dort Waben reinigen, Wachs produzieren oder die Königin und die Brut füttern. Ältere Bienen arbeiten im Außendienst und sammeln Nahrung. Und damit auch jede fleißige Bienen stets an der richtigen Stelle ist, schlafen die Innendienstmitarbeiterinnen mitten im Zentrum des Bienenstocks und die Nahrungssammler am Rand. Das haben Forscher der Universität Würzburg herausgefunden. Junge Bienen schlafen nicht am Stück, sondern in mehreren Schlafphasen, die sich auf Tag und Nacht verteilen. Bei dem emsigen Treiben im Zentrum des Bienenstocks, wäre auch keine lange Erholungsphase möglich und so schlafen die Bienen In der Nähe des Brutbereiches. Je älter Bienen werden, desto weniger schlafen sie insgesamt, aber sie schlafen nach einem klaren Tag-Nacht-Rhythmus. Am Rand der Waben sind sie nachts wohl weitgehend ungestört und können sich am besten erholen. Die Würzburger Forscher wollen jetzt weitere Erkenntnisse sammeln. Dazu überwachen sie den Bienenstock rund um die Uhr online. [tj]

Entomologie Termiten orten Vibrationen mit ihren Beinen.

Wenn der Untergrund anfängt zu vibrieren, dann können Termiten sofort spüren, aus welcher Richtung ihnen Gefahr droht. Die Insekten besitzen offenbar hochempfindliche Sensoren an den Beinen. Das haben Forscher der Ruhruniversität Bochum entdeckt, als sie südafrikanische Termiten der Art Macrotermes natalensis untersuchten. Die Insekten nehmen die zeitliche Verzögerung wahr, mit der Vibrationen an den Beinen ankommen. Aus dieser so genannten Laufzeitdifferenz, entnehmen sie die Richtung und reagieren je nach Aufgabe : Soldatentermiten gehen auf die Gefahrenquelle los, Arbeitertermiten fliehen. Wie die Forscher im Fachorgan "Journal of Experimental Biology" schreiben, erfasst auch der Mensch Richtungen durch die geringe Verzögerung von Signalen – die allerdings nicht nacheinander die Beine, sondern die Ohren erreichen. [tj]

Quelle: DOI: 10.1242/jeb.103184

Archäologie Uralter Zahnstein verrät, dass Steinzeitmenschen Pflanzen liebten.

Ein Team europäischer Archäologen hat Skelette von Menschen untersucht, die zwischen 6700 Jahren vor Christus und dem Jahr Null im Sudan lebten. Die chemischen und mikroskopischen Analysen des Zahnsteins ergaben: Prähistorische Menschen kannten sich lange vor der Entwicklung des Ackerbaus sehr gut mit Pflanzen aus. Sie aßen diese nicht nur, sondern nutzten sie auch zu medizinischen Zwecken. Besonders beliebt war die Pflanze Cyperus rotundus – auch Nussgrass genannt. Die Pflanze ist reich an Kohlenhydraten, sehr aromatisch und wird in der Pflanzenheilkunde verwendet. Vermutlich erklärt der prähistorische Verzehr des Krautes auch, weshalb Menschen im Niltal ungewöhnlich wenige Löcher in ihren Zähnen hatten. Nussgrass hemmt nämlich den häufigsten Kariesverursacher: Das Bakterium Streptococcus mutans. [tj]

Quelle: DOI: 10.1371/journal.pone.0100808

Genetik Eine Gentherapie könnte eines Tages elektronische Herzschrittmacher ersetzen.

US-amerikanische Forscher haben in Tierstudien vielversprechende Ergebnisse erzielt. Aus Versuchen mit Mäusen war schon länger klar, dass ein bestimmtes Gen, TBX18 genannt, normale Herzmuskelzellen in Taktgeberzellen umwandeln kann. In der neuen Studie gelang es den Wissenschaftlern nun, Schweinen einen biologischen Herzschrittmacher zu verpassen. Sie spritzten den Tieren eine Lösung mit Adenoviren, die das Taktgeber-Gen in die Herzzellen des rechten Vorhofes der Schweine schleusen sollte. Dort wird normalerweise der elektronische Herzschrittmacher aktiv. Schon am zweiten Tag nach der Injektion begann sich der Herzschlag der Schweine zu erhöhen. Zudem passte sich der biologische Herzschrittmacher automatisch an die physische Aktivität der Tiere an und wies einen deutlichen Tag-Nacht Rhythmus auf. Für die Forscher sind diese Ergebnisse vielversprechend, denn das Herz von Menschen ist dem von Schweinen sehr ähnlich. Klinischen Studien mit Patienten sollen indrei Jahren beginnen. [tj]

Quelle: DOI: 10.1126/scitranslmed.3008681

Raumfahrt Die Esa-Raumsonde "Rosetta" nähert sich langsam ihren Zielkometen, und der steckt voller Ü

Der Zielkomet: 67P/Churyumov-Gerasimenko unterscheidet sich offenbar deutlich von allen Kometen, die Raumsonden bisher besucht haben. Der Himmelskörper scheint aus zwei Teilen zu bestehen. Das legen Bilder nahe, die im Netz aufgetaucht sind und derzeit von Europas Kometen- und Planetenforschern heftig diskutiert werden. Noch ist die Raumsonde Rosetta etwa 10.000 Kilometer von ihrem Zielkometen entfernt. Die Kameras an Bord sehen den Kometen nur als Wolke aus wenigen Pixeln. Mit Hilfe von Algorithmen lassen sich in den Bildern Details deuten, die es tatsächlich gibt, oder auch nicht. Die beteiligten Forscher wollen die Aufnahmen jetzt in Ruhe auswerten. Am 11. November soll Rosetta dann einen Roboter auf seinem Zielkometen absetzen. Sollte dieser tatsächlich aus zwei Teilen bestehen, könnte sich die Landung als kompliziertes Manöver herausstellen. [tj]

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