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21.05.2016

Gender Mainstreaming Erstmals Sitz für Lesben und Schwule im ZDF-Fernsehrat

Auf Initiative der Thüringer Regierung hat der Landtag in Erfurt den Lesben- und Schwulenverband beauftragt, eine Vertretung ins ZDF-Aufsichtsgremium zu entsenden. Der 77 Mitglieder starke Fernsehrat wird sich im Sommer nach den Regeln des neuen ZDF-Staatsvertrages konstituieren. "Staatsnahe" Mitglieder dürfen nur noch ein Drittel des Fernsehrates ausmachen.

Journalisten im Iran Zehn Jahre Haft für Narges Mohammadi

Ein Revolutionsgericht in Teheran verurteilte die Journalistin und Menschenrechtsaktivistin wegen "Verschwörung", "Propaganda" und ihrer Arbeit gegen die Todesstrafe. Christian Mihr, Geschäftsführer von "Reporter ohne Grenzen" bezeichnete das Urteil gegenüber Markt und Medien als "einen Akt der Unmenschlichkeit".

"Weil sie schwer krank ist und eigentlich sie nicht ins Gefängnis, sondern ins Krankenhaus gehört. Sie hat eine schwere neurologische Krankheit seit vielen Jahren, eine Muskellähmung, und sie hat jetzt schon im Gefängnis, sie war ja schon vor der Haftverurteilung im Gefängnis, offenbar keinen Zugang zu Medikamenten."

Trotz der Aufhebung der Sanktionen gegen den Iran durch die EU und die USA habe sich die Situation für die Medien im Land leider nicht gebessert, so Christian Mihr weiter.

Insgesamt sitzen im Iran mindestens 30 Journalisten und Blogger wegen ihrer Tätigkeit in Haft und Iran gehört weiter zu den Ländern mit den meisten Medienschaffenden weltweit. Und das Zensurregime, das Überwachungsregime, wurde auch in den vergangenen Jahren in keiner Weise liberalisiert. D.h. die Unterdrückung für unabhängige Journalisten und Blogger ist genauso schlimm wie vor Rohani.

Berliner Zeitungsmarkt Jochen Arntz neuer Chefredakteur der "Berliner Zeitung"

Der 51-jährige löst Brigitte Fehrle ab. Die Mediengruppe des Berliner Verlages, die zu DuMont gehört, verlässt ihren Stammsitz am Alexanderplatz und zieht an den Spittelmarkt. Sie soll stärker digital ausgerichtet werden. Der Berliner Zeitungsmarkt gilt als extrem schwierig, weil überbesetzt. Fusionen und Käufe sind nahezu unmöglich, da kaum eine Aussicht auf eine Genehmigung durch das Kartellamt besteht.

Netflix und Amazon EU-Kommission stärkt europäischen Produktionen und Sendern den Rücken

Wie das Nachrichtenportal "Euractiv" meldet, sollen US-amerikanische Anbieter wie Netflix oder Amazon dazu gezwungen werden, ihren Internet-Katalog von angebotenen Filmen und Serien zu mindestens 20 Prozent mit europäischen Produktionen zu bestücken. Das "Handelsblatt" berichtet über Pläne, nach denen die Sender mehr Freiheit bei der Platzierung von Werbung bekommen sollen. Bislang gilt eine Obergrenze von 12 Minuten pro Stunde.

Landesanstalt für Medien NRW  Tobias Schmidt soll neuer Direktor werden

Der 46-jährige ist bislang Vorstandsvorsitzender des Verbandes Privater Rundfunk und Telemedien und Bereichsleiter Medienpolitik bei der RTL-Group. Er gilt als einflussreichster Lobbyist der deutschen Privatsender. Für den Posten als Chef der nordrhein-westfälischen Aufsichtsbehörde über den Privatfunk wurde er von einer neunköpfigen Findungskommission vorgeschlagen. Die Wahl soll am 24. Juni stattfinden. Bewerbungen werden noch angenommen.

Rechtsstreit Böhmermann will einstweilige Verfügung nicht hinnehmen

Das Landgericht Hamburg hatte dem Satiriker untersagt, große Teile seines so genannten "Schmähgedichtes" zu wiederholen. Erdogan müsse diese "angesichts ihres schmähenden und ehrverletzenden Inhaltes" nicht hinnehmen. Christian Schertz, Anwalt Böhmermanns, kündigte an, notfalls bis zum Bundesverfassungsgericht zu gehen. Im Interview mit dem NDR warf Schertz den Hamburger Richtern zwei schwere handwerkliche Fehler vor: Zum einen hätten sie Böhmermanns Gedicht nicht gleichzeitig als Kunst betrachten und dann Teile daraus verbieten können. Auch Teile von Gemälden könnten ja beispielsweise nicht einfach untersagt werden.

"Aber noch eklatanter ist: das Gericht lässt völlig außer Acht den Kontext, in dem Böhmermann diesen Text vorgelesen hat. Der Kontext war eine Gesamtperformance über die Frage, was erlaubt ist und was unerlaubt ist in Deutschland. Und er hat vorher angekündigt: das ist erlaubt und dann hat er anmoderiert: jetzt kommt eine Schmähung, die unerlaubt ist, hat diesen naturgemäß überzeichneten Text vorgetragen, um danach aber nochmal zu sagen, dass Erdogan das verbieten kann. D.h. es war insofern in künstlerisch überhöhter Form eine Inszenierung von "Was ist erlaubt und was nicht". Und diesen ganzen Kontext hat das Gericht faktisch überhaupt nicht berücksichtigt, sondern einfach nur solitär das Gedicht betrachtet und dann einfach auch einzelne Sätze rausgeschnitten."

In London gewann unterdessen der ehemalige Bürgermeister der Stadt Boris Johnson einen Solidaritäts-Wettbewerb der konservativen Zeitschrift "The Spectator" um das beste satirische Gedicht gegen Erdogan.

14.05.2016

Fernsehen Böhmermann kehrt mit Rekord-Quote und Coup ins Fernsehen zurück

Die jüngste Ausgabe des Neo Magazin Royale hatte mit einem Marktanteil von 2,8 Prozent und gut 600.000 Zuschauern auf ZDFneo die bislang beste Quote. Im Mittelpunkt der Sendung standen Enthüllungen um die RTL-Sendung "Schwiegertochter gesucht".

Jan Böhmermann schleuste einen falschen Kandidaten in die Sendung ein und zeigte mit versteckter Kamera, wie das Produktionsteam den Dreh mit den Protagonisten vorbereitete. Dabei wird unter anderem erwähnt, dass die Aufwandsentschädigung für bis zu 30 Drehtage 150 Euro betrage. Zudem wurde deutlich, dass die Kandidaten unwürdig inszeniert wurden.

Nach den Enthüllungen hat RTL Fehler eingeräumt. Bei der Produktion einer Folge sei die redaktionelle Sorgfaltspflicht vernachlässigt worden, erklärte der Sender. Die Produktion der aktuellen Staffel werde daher von einem neuen Team übernommen.

Auch die Landesmedienanstalt Niedersachsen prüft nun den Fall. Man habe den Vertrag angefordert, den die Produktionsfirma Warner Bros. mit den Kandidaten der Sendung abschließt, hieß es.

Pressefreiheit Persönliche Daten von tausenden Ukraine-Korrespondenten veröffentlicht

Eine pro-ukrainische Internetseite hat eine Liste mit mehr als 4.000 Journalistennamen veröffentlicht, die bei der prorussischen Separatistenführung in Donezk akkreditiert waren. Darin enthalten sind teilweise auch persönliche Daten, wie Telefonnummern und E-Mail-Adressen.

Hinter der Internetseite mit dem Namen "Friedensstifter" steht eigenen Angaben zufolge eine Gruppe von Wissenschaftlern und Experten, die "auf die Recherche von Verbrechen gegen die nationale Sicherheit der Ukraine spezialisiert ist". Aufgeführt sind ukrainische Journalisten und Korrespondenten ausländischer Medien. Aus Deutschland sind unter anderem Mitarbeiter der ARD, der "Frankfurter Allgemeinen" und der dpa betroffen. Der für den Deutschlandfunk tätige Korrespondent Florian Kellermann, der ebenfalls auf der Liste steht, erklärte gegenüber Markt und Medien, welche möglichen Konsequenzen sich aus diesem Veröffentlichungen ergeben könnten:

"Es ist im Moment sowieso sehr schwierig, noch weiter zu berichten über das, was in der Ost-Ukraine passiert, denn die Akkreditierungen werden stark eingeschränkt. In den vergangenen Monaten war es für mich und auch für Kollegen kaum mehr möglich, dorthin zu fahren. Insofern wird sich die Berichterstattung nicht groß verändern durch diese Veröffentlichung."

Journalistenverbände sowie die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hatten wegen des Datenlecks protestiert. Es gefährde die Arbeit von Pressevertretern im Konfliktgebiet. Nachdem die Staatsanwaltschaft in Kiew Ermittlungen wegen der Veröffentlichung aufgenommen hat, ist die Internetseite inzwischen offline gestellt worden.

Soziale Netzwerke Kritik an Facebook wegen möglicher Nachrichten-Manipulation in den USA

Facebook will jetzt offenlegen, welchen Einfluss Mitarbeiter auf die computergenerierte Nachrichtenauswahl nehmen. Dafür hat das Unternehmen seine internen Leitlinien veröffentlicht. Das soziale Netzwerk ist vor allem in den USA in die Kritik geraten wegen Vorwürfen, seine Nachrichten-Inhalte, die sogenannten "Trending Topics", zu manipulieren. Der Kasten mit diesen "Trending Topics" ist derzeit nur auf den US-Seiten von Facebook verfügbar.

Das Nachrichtenportal "Gizmodo" hatte berichtet, dass Artikel konservativer Medien sowie Stimmen aus dem konservativen politischen Lager gezielt unterdrückt würden. Dadurch seien etwa die inzwischen ausgeschiedenen Präsidentschaftsbewerber für die diesjährige Wahl, Ted Cruz und Scott Walker, nicht in den "Trending Topics" aufgetaucht. "Gizmodo" beruft sich auf frühere Facebook-Mitarbeiter.

Der Soziologe und Buchautor Stefan Schulz sagte "Markt und Medien", dass es ein besonderes Vertrauen gegenüber Technologien gebe. "Diesen Nimbus hatte mal das bedruckte Papier. Bei Facebook sehen wir das jetzt wieder. Wir vermuten riesige Maschinen dahinter, die neutral und objektiv arbeiten, weil sie auf mathematische Prinzipien fundiert sind. Jetzt werden wir ein bisschen entzaubert was diesen Punkt angeht und in dieser Hinsicht war es eine bewusste Täuschung, weil Facebook diesen Mechanismus ausgenutzt hat."

Facebook wehrt sich gegen die Vorwürfe. Das Unternehmen habe strenge Richtlinien, um die Neutralität des Nachrichtenangebots zu sichern, erklärte der zuständige Facebook-Manager.

Auch die Bundesregierung und die EU-Kommission verlangen nun von Facebook mehr Transparenz zu den Such-Algorithmen.

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