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09.09.2006

Sportfernsehen Neue Stasiunterlagen belasten ARD-Sportkoordinator Hagen Bossdorf

Die Unterlagen enthalten zwar keine inhaltlich neuen Aussagen, ergänzen und erhärten aber das Bild, das die Birthler-Behörde von dem Fall bereits hatte. Die Bundesbehörde für Stasi-Unterlagen hatte im Dezember 2005 mitgeteilt, Bossdorf sei nicht nur für eine Stasi-Tätigkeit vorgesehen gewesen, sondern offenbar auch in konspirativer Kooperation mit Offizieren der DDR-Staatssicherheit tätig geworden. Die ARD will das neue Material nun erst einmal prüfen, Bossdorf selbst wehrt sich gegen die Stasi-Vorwürfe. Er hatte im Februar dieses Jahres von der ARD eine Abmahnung bekommen, weil er dem Sender 2002 unvollständige Auskünfte erteilt hatte. Über eine Verlängerung seines im März 2007 auslaufenden Vertrages wollen die ARD-Intendanten bei ihrer Sitzung in der kommenden Woche entscheiden.

Scheckbuchjournalismus DJV gegen Exklusivrechte im Journalismus

Vor dem Hintergrund der Berichterstattung über das Entführungsopfer Natascha Kampusch warnte der Deutsche Journalistenverband vor Scheckbuchjournalismus in Reinform. Der Vorsitzende Michael Konken: ##Ich kritisiere natürlich, dass hier einfach das Scheckbuch gezückt wird, wenn es hier um exklusive Informationen geht oder um exklusive Interviews geht, dass natürlich die bevorzugt sind, die das Geld haben und die das Geld dann auch auf den Tisch legen können und hier sozusagen eine Mehrklassengesellschaft im Journalismus entsteht. Die über Geld verfügen, die kommen dann auch an exklusive Geschichten. Wobei ich grundsätzlich auch in diesem Fall der Meinung bin, man hätte hier abwägen müssen zum Schutz von Frau Kampusch beziehungsweise dem was jetzt passiert ist, ich habe sie zur Schau gestellt im Journalismus.##

Fernsehen Lobby-Control wirft TalkShow von Sabine Christiansen Einseitigkeit vor

Dem Bildungs- und Informationsauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks werde die ARD-Sendung nicht gerecht, so der unabhängige Verein, der die Sendung über einen längeren Zeitraum untersucht hat. Ihr Sprecher Ulrich Müller: ## Also wir haben untersucht, wie die Gästeliste der Sendung von Januar 2005 bis Juni 2006 zusammengesetzt war. Dabei kommt man eben auf verschiedene Ergebnisse, dass es zwar parteipolitisch relativ ausgewogen ist, aber dass bei den anderen Gästen ein Übergewicht an Unternehmer- und Wirtschaftsverbänden gegenüber Gewerkschaften gibt, dass sehr stark neoliberale Experten zum Teil als Ökonomen eingeladen sind und auch das Themenspektrum eben eher einseitig ist.## Der Produzent von "Sabine Christiansen" Michael Heiks wies die Vorwürfe als unsinnig zurück und bemängelte methodische Schwächen der Studie von Lobby-Control. Dazu noch einmal deren Sprecher Ulrich Müller: ##Also wir halten das methodisch für sauber, vom Ansatz her war unser Ziel zu gucken, wie ist die Gäste- und Themenzusammensetzung. Herr Heiks hat dann gesagt, man muss eigentlich die ganzen Inhalte der Sendungen angucken, was aus unserer Sicht eine zweite Aufgabe, was durchaus lohnenswert ist, wäre. Aber ich glaube erstmal ist es sinnvoll zu gucken, welche Interessen sind da tatsächlich vertreten und welche kommen nicht zu Wort und ein dritter Punkt, den man vielleicht noch ergänzen muss, den wir uns auch noch mal angeguckt haben: Wie transparent ist eigentlich, welche Experten dort geladen sind und da kam eben auch raus, dass der einzige Ökonom mit einer kritischen Perspektive als linker Ökonom bezeichnet wurde, während Leute, die mit Denkfabriken oder Kampagnen wie der neuen sozialen Marktwirtschaft verbunden sind eben nicht, also die Zuschauer nicht darüber aufgeklärt werden.

Musikindustrie Widerstand gegen Musikdeal von Bertelsmann und Vivendi

Der geplante Verkauf des Bertelsmann-Musikverlags BMG-Music-Publishing an die zum Vivendi-Konzern gehörende Universal Music Group stößt in der Branche auf kartellrechtliche Bedenken. Der weltweite Verband der unabhängigen Plattenfirmen Impala will bei der EU-Kommission gegen den Verkauf Beschwerde einlegen. Der Zusammenschluss hätte schwerwiegende Auswirkungen auf den Wettbewerb im Verlags- und Musikgeschäft, so Impala-Vizepräsident Horst Weidenmüller gegenüber Markt und Medien: ## Man kann das mal an einem historischen Beispiel ganz gut belegen. Die Record Company Universal hat vor zwei Jahren einen Deal mit dem Fernsehsender Viva gehabt, in dem vereinbart wurde, dass Viva dem Hause Universal im Vorfeld mitteilt, welches der Promotion-Videos auf Sendung geht, also bevor dieses Video produziert wurde und im Gegenzug dazu, die Universal ihr Werbeetat bei dem Sender Viva erhöhen würde. Dadurch war gegeben, dass die gesamten Produktionskosten für Videos im Hause Universal gesenkt wurden, weil jedes Video, was produziert wurde, wurde auch gesendet, sonst werden manchmal Videos auch abgelehnt und das Haus Viva hatte den Vorteil, dass es höhere Werbeeinnahmen hat. Das bedeutet aber gleichzeitig, dass nicht mehr der Konsument entscheidet oder die Redaktion entscheidet, welches Musikvideo auf Sendung geht, sondern dass letztendlich über die so genannte Marktdominanz entschieden wird. Das führt dazu, dass wir ein vorprogrammiertes Programm haben, wo es gar nicht mehr um die Qualität unserer Musik geht, sondern diese Plätze sind gekauft und das ist ein klassisches Beispiel, was passieren kann, wenn solche hochkonzentrierten Marktanteile zusammengehen. ## Impala hatte bereits gegen die Fusion der Tonträgerfirmen Sony und BMG im Jahr 2004 geklagt und zumindest eine nochmalige Prüfung der Großfusion bei der EU-Kommission erreicht.
02.09.2006

Staatsferne des Rundfunks KEK nimmt Bundesliga-TV der Telekom unter die Lupe

Die Medienaufsicht Kommission zur Ermittlung von Konzentration will klären, ob das im Internet Fernsehen ausgestrahlte Bundesliga-Programm gegen den verfassungsrechtlichen Grundsatz der Staatsferne des Rundfunks verstößt. Dazu der Vorsitzende der KEK Dieter Dörr. ##"Wenn sie als Programmveranstalter angesehen würde beziehungsweise wenn ihr das Programm zugerechnet würde, müßte man die weitere Frage stellen: Darf die Telekom überhaupt maßgeblich auf ein Programm Einfluß nehmen oder daran beteiligt sein, weil es ja den Grundsatz der Staatsfreiheit des Rundfunks gibt. Der Staat darf weder in seiner Form als Staat noch als Beteiligter an einem Unternehmen maßgeblichen Einfluß auf Rundfunk nehmen. Das ist aber eine Frage, die wieder die Landesmedienanstalten zu prüfen haben. Wir dürfen ja erst einschreiten, wenn vorherrschende Meinungsmacht entsteht."##

Verbraucherschutz Europaabgeordnete will Sonderregel für Product Placement

In der geplanten Neufassung der europäischen Fernsehrichtlinie plädiert die CDU-Abgeordnete Ruth Hieronymi für eine klare Begrenzung und Kennzeichnung von Produktplazierung. ##"Eine Forderung ist, dass auf die Produktplazierung, wenn sie denn gemacht wird, auch während der Sendung hingewiesen werden muss, damit die Zuschauer Bescheid wissen, dass hier Werbung im Programm versteckt ist. Und das Zweite ist, dass ich vorgeschlagen habe, dass wir zusätzlich zu dem Vorschlag Produktplazierung auf der europäischen Ebene etwas einführen sollten, dass wir in Deutschland kennen und praktizieren. Und das ist die sogenannte Produktbeistellung, dass heißt entsprechend dem vorgesehenen Inhalt können Unternehmen Produkte zur Verfügung stellen, also zum Beispiel das Auto für den Kommissar im Tatort. Aber darf dann dafür kein zusätzliches Geld auch noch gezahlt werden, dass ein solches Produkt mit hineingenommen wird."##

Neue Leitlinie Berliner Zeitung verabschiedet Redaktionsstatut

Damit wurde zum 1. Mal ein Statut mit Finanzinvestoren abgeschlossen, so Ewald Schulte Vorsitzender des Redaktionsausschusses. ##"Wir hatten vorher ein Blatt, dass a) keine feste Linie hatte - wo im Prinzip jeder Chefredakteur auch das Blatt so gestalten konnte wie er wollte. Das erklärt sich daraus, dass in der Berliner Zeitung früher sehr prägende Persönlichkeiten tätig waren, wie beispielsweise früher Erich Böhme, der als Person schon für eine Linie des Blattes stand. Und jetzt haben wir halt die Situation, dass solche Personen nicht mehr da waren, sodaß wir im Prinzip einen Leitplanken einziehen mußten, innerhalb derer sich der aktuelle Chefredakteur, aber auch seine späteren Nachfolger bewegen müssen. Und wir haben reingeschrieben in dieses Statut, dass die Berliner Zeitung weiterhin eine Qualitätszeitung ist, und dass sie zwar in Berlin der führende Abozeitung ist, ja auch die wichtigste Abozeitung ist, aber das eben nicht nur Regionalberichterstattung macht, sondern am Sitz der Bundesregierung selbstredend eine bundespolitische Aufgabe hat, und diese auch weiter wahrnehmen wird."## Die Redaktion findet es allerdings bedauerlich, dass sie kein Vetorecht bei der Wahl des Chefredakteurs hat. Noch einmal Ewald Schulte. ##"Stattdessen ist von Verlagsseite angeboten worden, dass der Redaktionsausschuß eine Hitliste anlegt von potentiellen Kandidaten, die für die Leitung der Berliner Zeitung in Frage kommen. Und diese Hitliste kann jederzeit aktualisiert werden. Ich formuliere das jetzt mal ein bisschen zynisch, also wir könnten jetzt sagen, Stefan Aust, das wär ein toller Kandidat für die Leitung der Berliner Zeitung, und wenn wir dann mitbekämen, dass es bei den Reiteraktivitäten von Herrn Aust zu einem Vorfall gekommen ist, nach dem Motto 'Aust hat sein Pferd geschlagen' können wir ihn auch wieder von der Liste streichen. Nach dem Motto wer Pferde schlägt, schlägt auch Redakteure. Das ist ein bisschen gaga, diese Regelung, aber es ist ein Kompromisspapier und wir können damit leben."## Das Statut trat gestern in Kraft. Die Berliner Zeitung ist seit Ende vergangenen Jahres an ein Finanzkonsortium um den britischen Zeitungsmanager David Montgomery verkauft worden. Die Redaktion hatte sich lange gegen die Übernahme gewehrt, weil sie fürchtete, dass das Blatt wegen Rationalisierungsmaßnahmen seine Qualität nicht beibehalten könne.

Russland Regierungskritsche Zeitung verkauft

Der Metallmagnat Alischer Usmanow hat das Verlagshaus Kommersant mit der gleichnamigen Tageszeitung als Flaggschiff nach eigenen Angaben für rund 160.000 Euro erworben. Medienexperten befürchten, dass durch den Verkauf der offen kremlkritischen Tageszeitung eine wichtige Stimme unter die Aufsicht eines regierungsloyalen Unternehmers gestellt werde. Der russische Präsident Wladimir Putin hat in den vergangenen Jahren alle landesweiten Medien unter die Kontrolle des Staates oder regierungsnaher Großunternehmer gebracht. Viele Journalisten glauben nun, dass es bald gar keine freie Presse in Russland mehr geben wird.

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