Freitag, 16.11.2018
 
11.11.2006

Computerspiele und Gewalt Bundestagskommission fordert mehr Schutz gegen Gewalt-verherrlichende Computerspiele

Zu diesem Ergebnis kommt die Kinderkommission des deutschen Bundestages, nachdem sie sich mit dem Thema Kinder und Medien mehrere Monate beschäftigt hat. Danach soll die Bundesregierung gemeinsam mit den Ländern über eine Verbot von gewalttätigen Computerspielen nachdenken. Die Vorsitzende der Kommission, Ekin Deligöz von Bündnis90/Die Grünen, gegenüber Markt und Medien: ##Wir brauchen auf jeden Fall eine verstärkte Selbstkontrolle der Unterhaltungssoftware-Industrie. Das heißt, es müssen Prüfverfahren her, es müssen Qualitätssiegel her, woraus man erklären kann, worum es sich bei den Spielen, die die Eltern für ihre Kinder kaufen, die die Kinder auf ihren Schreibtischen liegen haben oder auch vom Internet herunterladen, worum es sich darin handelt. Das zweite ist: Heutzutage haben 82 Prozent der Jungen und immerhin 69 Prozent der Mädchen täglich mehrfach am PC zu tun, und 50 Prozent dieser Kinder und Jugendliche tun das alleine. Das heißt, wir müssen hingucken, Jugendliche nicht alleine lassen. Und das dritte ist: Wir müssen sinnvolle Alternativen bieten, weil Gewaltspiele führen nur dann zu Gewalt, wenn mehrere Multiplikatoren zusammen kommen. Und diese kommen auch sehr, sehr viel daraus, dass Jugendliche in den Spielen eine Fluchtmöglichkeit in Stress- und in Frustrationssituationen sehen. Und dem müssen wir begegnen.## Außerdem appelliert die Kinder-Kommission an Handy-Hersteller, Geräte mit einer kindersicheren Grundeinstellung anzubieten.

Medienstaatsvertrag zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein Fusion der norddeutschen Landesmedienanstalten gefährdet

Die SPD-Fraktion in Kiel kündigte in dieser Woche an, dem Medienstaatsvertrag zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein in der vorliegenden Form nicht zuzustimmen. Der medienpolitische Sprecher Peter Eichstädt: ##Unterm Strich fehlen uns ganz wesentliche Punkte, und zwar vor allen Dingen Punkte, die vorher unsere Medienanstalt - die OLR in Schleswig-Holstein - abgedeckt hat, die aber in Zukunft durch die neue Medienanstalt nicht mehr abgedeckt sein werden. Es ist zum Beispiel die ausdrückliche Benennung der Vermittlung und Förderung der auditiven und audiovisuellen Medienkompetenz, das erscheint dort überhaupt nicht. Wir haben einen Schwerpunkt unserer Medienanstalt in der Vergangenheit gelegt auf Förderung von technischer Infrastruktur und von Projekten neuartiger Rundfunkübertragungstechniken. Auch dies ist als Aufgabe nicht mehr benannt, und eine ausdrückliche Erwähnung der finanziellen Förderung von Ausbildungseinheiten im Medienbereich können wir auch nicht wiederfinden. Auch das hätten wir dort gerne gesehen.## Die SPD-Fraktion will dem Koalitionspartner vorschlagen, dem Vertragswerk zur Fusion der Landesmedienanstalten von Hamburg und Schleswig-Holstein so nicht zuzustimmen.

Nazis und Medien Reporterin warnt vor zunehmender Gewalt Rechtsradikaler gegen Medien

Die Journalistin Andrea Röpke wurde am vergangenen Samstag von Rechtsextremen aus der Neonazi-Organistion "Heimattreue deutsche Jugend" im brandenburgischen Blankenfelde in einem Supermarkt niedergeschlagen. Sie recherchiert und publiziert seit mehr als zehn Jahren über die rechtsextreme Szene in Deutschland und wurde zuvor schon bedroht. Andrea Röpke: ## Eingeschüchtert bin ich nicht. Ich weiß ja, wir gehören da einfach auch zu einer Risikogruppe. Wenn man sich mit dem Rechtsextremismus heutzutage auseinandersetzt, dann weiß man, dass hinter dem ganzen Biedermann-Image der NPD ganz rohe Gewalt nicht nur nach außen, sondern auch nach innen in die eigene Szene besteht, und dass diese Einschüchterungsmaßnahmen ganz klare Strategie der Neonazis sind. Und ich bin da nicht alleine betroffen, ich hab da auch eine wahnsinnige Solidarität bekommen und ich denke wir machen da weiter. Man muss natürlich ein bisschen umsichtiger noch sein, man muss sich arrangieren und noch bessere Netzwerke knüpfen, aber dann ist es ganz wichtig da einfach weiterzumachen.##

Medienübernahmen Finanzinvestoren feilschen um ProSiebenSat.1

Nach dem Ausschluss von Berlusconis Medienunternehmen Mediaset aus dem Bieterwettbewerb, konkurrieren jetzt verschiedene internationale Firmen um die deutsche Senderfamilie, die mehrheitlich im Besitz einer Investorengruppe um den US-Milliardär Haim Saban ist. Mediaset sei gescheitert, weil das italienische Unternehmen den Preisvorstellungen von ProSiebenSat.1 nicht gerecht werden konnte, heißt es in Branchenkreisen. Das Interesse Berlusconis hatte in der vergangenen Woche die Medienbranche und die Politik in Deutschland aufgeschreckt. Zu den derzeitigen Favoriten für die Übernahme von ProSieben.Sat1 gehört die Beteiligungsgesellschaft Permira. In diesem Zusammenhang sagte der Staatsminister für Kultur und Medien Bernd Neumann in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel", dass über eine Änderung des Kartellrechts nachgedacht werden müsste. Es solle darüber diskutiert werden, ob es sinnvoll sei, dass für deutsche Anbieter Obergrenzen bei Beteiligungen gelten, die es für neue ausländische Investoren so nicht gebe.
04.11.2006

Presseurteil Österreich muss insgesamt 73.000 Euro Schadensersatz an Journalisten zahlen

Dies entschied der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in drei Fällen. Gegenstand der Beschwerde war unter anderem ein kritischer Artikel über den früheren Vorsitzenden der FPÖ Jörg Heider. Darin war Heiders Führungsstil kritisiert und eine Verurteilung des Politikers wegen Beleidigung erwähnt worden. Heider verklagte daraufhin die Journalistin und ihren Verlag und erhielt von einem österreichischen Gericht Recht, das eine Geldbuße verhängte. Der Europäische Menschenrechtsgerichtshof sah in diesem Urteil und in zwei weiteren Fällen das Recht auf Meinungs- und Pressefreiheit in Österreich verletzt. Die Journalisten seien nur ihrer Verantwortung als Wachhunde gerecht geworden.

Programmentscheidung SAT.1 verlegt ambitionierte Krimireihe in die Nacht

Der Privatsender zeigt die letzten beiden Teile seiner von der Kritik viel gelobten Thrillerserie „Blackout“ in den Nachtstunden. Grund ist die geringe Zuschauerresonanz von nur rund fünf Prozent Marktanteil. Für den Fernsehkritiker Stefan Niggemeier hat damit die Qualitätsoffensive von SAT.1 einen deutlichen Rückschlag erfahren: ##Ich glaube, die Zahlen sind schon so, dass man sagen muss, das war ein Flop. Ich finde es trotzdem eigentlich enttäuschend, dass SAT.1 jetzt die beiden letzten Folgen in die Nacht verlegt, weil das heißt, dass die anderthalb Millionen Menschen, die es ja doch eingeschaltet haben und vielleicht auch gerne geguckt haben, dass die jetzt auch noch enttäuscht werden. Ich glaube, dass ist keine weise Entscheidung.## In der Presse wurde das Quotendesaster der SAT.1-Produktion damit begründet, dass Qualität und Quote bei den Privatsendern nicht zusammengingen. Der Fernsehkritiker Stefan Niggemeier hält diese Argumentation für zu kurz gegriffen. ##Die meisten Leute haben ja gar nicht eingeschaltet. Das heißt, sie sind gar nicht so lange dran geblieben, um rauszufinden, ob ihnen das gefällt oder nicht. Ich glaube, dass das deutsche Fernsehen den Zuschauern in den letzten Jahren abgewöhnt hat, Sendungen zu sehen, wo die Handlungsstränge über mehrere Folgen gehen. Es gibt fast nur noch Serien im Fernsehen, die ne abgeschlossene Handlung mit einer Folge haben und ich kann mir vorstellen, dass das deutsche Publikum gar nicht mehr daran gewöhnt ist, etwas einzuschalten, wo man weiß, da muss man jetzt über vier Folgen zum Beispiel dranbleiben.##

Diplomatische Verstimmung Polnischer Botschafter legt wegen Satire Beschwerde ein

Erneut sorgt eine deutsche Zeitungssatire für Ärger im politischen Verhältnis zu Polen. Der polnische Botschafter in Berlin beschwerte sich am Freitag offiziell über einen Artikel in der Online-Ausgabe der Zeitung „Die Welt.“ Unter dem Titel „So haben uns die Polen garantiert wieder lieb“, schlug sie unter anderem vor, Neuwagen in Deutschland offen stehen zu lassen. Im Juli hatte bereits eine Glosse der taz mit dem Titel „Polens neue Kartoffel“ für Verärgerung beim betroffenen polnischen Präsidenten Kaczynski gesorgt.

Gerichtsentscheidung Kündigung nach Grimme-Affäre war nicht rechtens

Das Berliner Landesarbeitsgericht hat die Kündigung eines Tagesspiegel-Redakteurs im Zusammenhang mit dem Entführungsfall Osthoff aufgehoben. Der Journalist hatte die im Irak verschleppte Archäologin Osthoff für den Grimme-Preis vorgeschlagen und darüber die Medienredaktion seines Blattes unterrichtet. Diese hatte über den Vorschlag berichtet, ohne den Urheber zu benennen. Da der zuständige Ressortleiter Medien über die Hintergründe informiert gewesen war, hoben die Richter die Kündigung des Politikredakteurs wieder auf. Als Sanktionsmaßnahme komme höchstens eine Abmahnung in Betracht.

Umsatzplus Zeitschriftenverleger sehen sich auf der Gewinnerstraße

Grund dafür sind die überdurchschnittlich hohe Zahl von 75 neuen Titeln in diesem Jahr sowie das Umsatzplus von fast neun Prozent im Anzeigengeschäft. Wolfgang Fürstner, Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Zeitschriftenverleger: ##Die Verlage profitieren im laufenden Jahr von einem anhaltend straffen Kostenmanagement bei gleichzeitig steigenden Erlösen aus insbesondere dem verbesserten Anzeigengeschäft, aber auch Zusatzerlösen aus Nebengeschäften. Genannt seien Buch, DVD oder CD-Editionen, sowie immer stärker wachsenden Einnahmen aus der Online-Werbung.## Die Umsätze der Zeitschriftenverleger stiegen 2005 um 2,7 Prozent auf 7,3 Milliarden Euro. Trotz oder gerade wegen des wachsenden Zusatzgeschäftes setzen die Unternehmer aber vor allem auf Markenpflege, so Wolfgang Fürstner: ##Wir wollen aber nicht vergessen, dass es gerade die starken Printmarken sind, die das stabile Fundament zur erfolgreichen Umsetzung digitaler Trends wie Internet, Mobile Content, Communities oder IP-TV bilden. Nicht umsonst schnitten Online-Ableger von Zeitungen und Zeitschrift bei einer Umfrage von 700 Internet-Nutzern zur Qualität von Online-Angeboten deutlich besser ab als TV- und Portal-Websites.##

TV-Markt Berlusconi zeigt Interesse an ProSiebenSAT.1

Die Medienholding Mediaset, die dem früheren italienischen Ministerpräsidenten Berlusconi gehört, prüft den Kauf eines Anteils am größten deutschen Fernsehkonzern. In einer Verwaltungsratssitzung am kommenden Dienstag soll entschieden werden, ob Mediaset ein Angebot vorlegen wird. Schon seit einigen Wochen kursieren Meldungen, dass die Anteilseigner von ProSiebenSAT.1 um Haim Saban Investmentbanken beauftragt haben, den Markt zu sondieren und Angebote möglicher Käufer einzuholen. Ein Verkauf an den Axel Springer Verlag scheiterte Anfang des Jahres am Einspruch des Bundeskartellamtes. Italiens größtes Medienunternehmen darf im eigenen Land nicht weiter expandieren. Sonja Rabussier, Medienanalystin beim Bankhaus Sal.Oppenheim, hält ein Engagement bei der deutschen Sendergruppe aus italienischer Sicht deshalb für sinnvoll: ProSieben ist der größte Privatsender in Deutschland mit einem Zuschaueranteil, Marktanteil von 30 Prozent. Eigentlich für jemand, der einen Fuß in Deutschland setzen möchte, ist natürlich der beste Privatsender, den man kaufen kann. Kommt dazu, dass die Werbeeinnahmen, die Haupteinnahmen bei ProSieben, nächstes Jahr noch gut steigen werden.

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