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17.04.2010

Ausstehende Zahlung Freie Radios in Sachsen abgeschaltet

Damit reagiert Radio Apollo, das für die Nutzung der Radiofrequenzen verantwortlich ist, auf ausstehende Zahlungen der Sender Radio Blau, Coloradio und Radio T. Für die Monate Januar bis April stünden Zahlungen in Höhe von 16.000 Euro aus. Erst nach Zahlung dieser Summe könnten die freien Radios wieder ausgestrahlt werden.

Pulitzer-Preis Erstmals Vergabe an Online-Medium

Ausgezeichnet wurde das gemeinnützige Nachrichtenportal „Pro Publica“ für eine Enthüllungsreportage über ein Krankenhaus in New Orleans nach dem Hurrikan „Katrina“. "Pro Publica" unterstützt seit 2008 investigative Recherchen zu gesellschaftlich relevanten Themen. Insgesamt vier Preise bekam in diesem Jahr die "Washington Post" und schnitt damit etwas besser ab als ihr Konkurrent die "New York Times". Der Pulitzer Preis wird seit 1917 verliehen. Er ist die wichtigste Auszeichnung für Journalisten in den USA.

Französische Traditionszeitung "Le-Monde"-Redakteure müssen Anteile abgeben

Angesichts der schlechten finanziellen Lage der „Le Monde“ müssen die Redakteure ihre Mehrheitsanteile voraussichtlich verkaufen, um die Zukunft der Zeitung zu retten. Allein im vergangenen Jahr hatte das Blatt einen Verlust von 10-15 Millionen Euro gemacht. Der Medienexperte Jürgen Ritte von der Sorbonne in einem Gespräch mit dem Deutschlandradio. ##"Das war die Spezialität von Le Monde, das war das Besondere von Le Monde seit 1951 war der Mehrheitsaktionär von Le Monde die Journalistengesellschaft von Le Monde und die müssen nun einwilligen darin, bei der Rekapitalisierung dieser Zeitung minoritär zu werden. Das ist die große Kulturrevolution bei Le Monde, nicht mehr die Journalisten sind Hauptanteilseigner, sondern irgendwelche Finanzgruppen, von denen man noch nicht genau weiß, wer es sein soll. Ja Prisa wird hoch gehandelt, das ist ein spanisches Unternehmen, ein spanisches Presseunternehmen auch und Liberation brachte auch den Namen der Expresso-Gruppe aus Italien mit ins Spiel, also der Gruppe, die relativ gut prosperiert in Italien und die La Republica herausgibt. Das wären immerhin zwei Unternehmen, die nicht medienfern sind. Was in gewisser Weise beruhigend wirkt, denn in Frankreich sind ja die Medien größtenteils in den Händen von Finanzgruppen und Rüstungsunternehmen, die absolut medienfern sind."##

Neuer BR-Intendant Wahl am 6. Mai

Der neue BR-Intendant wird am 6. Mai gewählt. Diesen Termin legte gestern Abend der Ältestenrat des Rundfunkrats in München fest. Neben dem Regierungssprecher Ulrich Wilhelm stellt sich der langjährige Landtagskorrespondent des Bayerischen Rundfunks Rudolf Erhard zur Wahl. In dieser Woche hatte es einen öffentlichen Streit um die Kandidatur Wilhelms gegeben. Neben den Gewerkschaften und den Freien Wählern sehen auch die Grünen des Bayerischen Landtags in dem bisherigen Verfahren eine Bevorzugung Wilhelms. Margarete Bause, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bayerischen Landtag gegenüber Markt und Medien. ##"Also wir kritisieren zwei Punkte, also das eine ist das Verfahren und die Funktion, in der der aussichtsreichste Kandidat ist. Das Verfahren ist aus unserer Sicht völlig intransparent und undemokratisch abgelaufen. Es wurde in Hinterzimmern schon mal ausgemauschelt, es wurde zur Überraschung der allermeisten hat der jetzige Intendant vorzeitig seinen Rücktritt verkündet und in dergleichen Sitzung als er diesen Rücktritt angekündigt hat, wurde auch schon der Zeitplan präsentiert zur Wahl seines Nachfolgers. Das Zweite ist die Person Ulrich Wilhelm. Wir haben nichts gegen seine Person, und wir sehen auch, dass er eine hohe Professionalität hat. Wir sehen nur, dass er in seiner Funktion nicht geeignet ist, der Vertreter einer öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt zu sein. Herr Wilhelm war viele Jahre in Diensten der Regierung - erst in Bayern der Sprecher des Ministerpräsidenten Stoiber, danach in Berlin Regierungssprecher in den verschiedenen Regierungen, und das ist nun völlig unverträglich mit dem Gebot der Staatsferne im öffentlich-rechtlichen Rundfunk."##
10.04.2010

Satire Beschwerdewelle gegen "Titanic"

Der aktuelle Titel des Satire-Magazins thematisiert den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche. Man sieht Jesus am Kreuz, seine Genitalien werden von dem Kopf eines Bischofs verdeckt, dazu die Unterzeile: "Kirche heute". Bei der Frankfurter Staatsanwaltschaft gingen zwei Strafanzeigen ein wegen des Verdachts auf Volksverhetzung und der Beschimpfung von Religionsgemeinschaften. Der Presserat verzeichnete mehr als 120 Beschwerden. Eine ähnlich hohe Zahl habe es bisher nur gegen die Veröffentlichung der dänischen Mohammed-Karrikaturen in der Zeitung "Die Welt" gegeben.

Quelle: Brigitte Baetz

Werbung Springer & Jacoby hat Insolvenz angemeldet.

Die bekannteste deutsche Werbeagentur, die 2009 noch ihr 30-jähriges Bestehen gefeiert hatte, hat sämtliche Geschäfte eingestellt. Die Suche nach einem Käufer ist gescheitert. 2006 verlor Springer & Jacoby den Schlüsselkunden Mercedes, der rund ein Drittel zum Umsatz beigetragen hatte. Für Florian Zettel, Hamburg-Korrespondent des Fachblattes werben &verkaufen, ist das Scheitern der Werbeagentur, die zeitweise mehrere Hundert Mitarbeiter beschäftigt hatte, vor allem auf eigene Fehler und erst in zweiter Linie auf die Werbekrise zurückzuführen. ##"Zum einen ist es so, dass da Missmanagement über viele Jahre betrieben wurde. Das war jahrelang die größte Agentur Deutschlands mit einer Umsatzrendite von 30 Prozent. Und das war dann halt so, dass die geschrumpft sind und die Struktur nicht angepasst wurde. Im Grunde genommen hat die Werbekrise, die jetzt in den letzten Monaten stattfindet, sozusagen der Agentur den letzten Schuss gegeben."##

Quelle: Brigitte Baetz

Ausland Wikileaks veröffentlicht Video von Massaker amerikanischer Soldaten im Irak.

Bei dem Beschuss unbewaffneter Zivilisten waren auch zwei irakische Mitarbeiter der Nachrichtenagentur Reuters ums Leben gekommen. Die Agentur hatte vergeblich versucht, bei amerikanischen Behörden die Herausgabe der Dokumente aufgrund des Freedom of Information Act zu erreichen. Die Internetplattform Wikileaks, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, geheime Dokumente öffentlich zugänglich zu machen, stellte das Video auf YouTube. Deutsche Medien berichteten erst einige Tage nach der Veröffentlichung. Kai Gniffke, Chefredakteur von ARD-aktuell, verteidigte im NDR-Magazin "Zapp" diese zeitliche Verzögerung mit der Pflicht der Medien, sorgfältig zu recherchieren: ##"Ich würde bei Wikileaks auch nicht generell sagen, das ist alles ganz wunderbar. Da können auch Nutzer versuchen, ein Fake unterzubringen. Insofern ist man da auch nicht ganz sicher. Klar gibt es einige Mitarbeiter bei Wikileaks, die auch da die Authentizität prüfen, sodass es da eine Vorinstanz gibt. Das ändert für uns aber überhaupt nichts daran, dass wir noch mal ganz, ganz sorgsam mit unseren Korrespondentinnen und Korrespondenten drangehen und noch mal den Inhalt genau prüfen. Erst dann verwenden wir es. "##

Quelle: Brigitte Baetz

Presseagenturen Der Ton zwischen dpa und ddp wird schärfer.

Die Deutsche Presseagentur verklagt ihren Konkurrenten ddp auf Unterlassung geschäftsschädigender Äußerungen. Gleichzeitig beschwerte sich die dpa beim Bundeskartellamt: Die Übernahme des deutschen Dienstes der Associated Press durch ddp bedürfe einer Genehmigung durch die Kartellbehörde. Wie Wolfgang Zehrt, der Sprecher von ddp gegenüber Markt und Medien sagte, bewerte er das Vorgehen der dpa als Zeichen von Hilfslosigkeit: ##"Zwei juristische Schritte innerhalb von sechs Tagen und das alles am 1. April. Da ist nicht nur die Klage eingegangen, am 1. April hat ja auch unser neuer geschäftsführender Chefredakteur Cord Dreyer seine Tätigkeit aufgenommen. Wir halten das nicht für Zufall, wir halten das schon für ein juristisches Störfeuer, um von unserer eigentlichen Arbeit abzulenken, nämlich: eine zweite vollwertige Vollnachrichtenagentur in Deutschland zu etablieren. Das wird sicherlich nicht gelingen."##

Quelle: Brigitte Baetz

05.04.2010

Presserat prüft Beschwerden über das aktuelle Titelbild des Satiremagazins "Titanic" Zeichnung mit Jesus am Kreuz sorgt für Aufregung

Wie der Presserat auf Nachfrage von Markt & Medien mitteilte, seien inzwischen mehr als ein Dutzend Beschwerden eingegangen, in denen Leser die Illustration massiv kritisierten. Die Zeichnung zeigt Jesus am Kreuz und einen Priester, der dem Betrachter den Rücken zuwendet und dessen Gesicht sich dem Genitalbereich des Gekreuzigten zuwendet: Ende Mai sollen die Beschwerden im Beschwerdeausschuss des Gremiums geprüft werden.

DJV veröffentlicht Stellungnahme zu Fälschungsvorwürfen gegen einen 25-jährigen freien Journalisten Verband rechtfertigt Namensnennung

Der DJV-Bundesvorstand meldete sich als Herausgeber des "journalist" zu Wort. Die Zeitschrift hatte auf ihrer Internetseite Ende März einen Beitrag über die Recherchepraktiken eines freien Journalisten veröffentlicht. In dem Artikel äußert die Zeitschrift den Verdacht, dass mindestens drei Redaktionen mit Artikeln des besagten Journalisten beliefert wurden, in denen Zitate von Experten frei erfunden sein könnten. Dabei nannte der "journalist" explizit den Namen des jungen Autors. In seiner Stellungnahme erachtet der DJV-Bundesvorstand die Namensnennung als gerechtfertigt. Eva Werner, stellvertretende Pressesprecherin des DJV: ##"Wir gehen davon aus, dass ein 25-Jähriger, der seit einigen Jahren tätig ist, der mehr als 400 Artikel verfasst hat und der nach eigenen Angaben selbst eine Medienseite betreut, dass man dem durchaus zutrauen kann, dass er weiß, was er tut. Und er hat ja auch mit seinem Vorgehen dem Journalismus an sich geschadet, nämlich der Glaubwürdigkeit des Journalismus."## Der "journalist" war außerdem in Kritik geraten, weil der Beitrag, der auch als Pressemitteilung die Redaktionen erreichte, online gestellt worden war, ohne eine Stellungnahme des Autors abzuwarten.

Peter Fry tritt als neuer Chefredakteur des ZDF an Online-Auftritt und TV-Programm sollen enger verknüpft werden

Schon seit 1985 ist der bisherige ZDF-Hauptstadtstudioleiter journalistisch für das ZDF tätig. Frys Berufung ging ein Eklat voraus: Der Vertrag seines Vorgängers Nikolaus Brender war nicht verlängert worden. Obwohl ZDF-Intendant Markus Schächter für eine Verlängerung der Amtszeit plädiert hatte, war sie am Widerstand von Unionspolitikern im ZDF-Verwaltungsrat gescheitert. Uwe Kammann, Geschäftsführer des Adolf-Grimme-Instituts, sagte dazu in diesem Programm: ##"Zum Glück ist der Nachfolger von Brender, Peter Fry, ein sehr guter Mann. Er kennt den Sender von der Pike auf. Also von daher ist das der einzige Lichtblick darin, dass eine gute Nachfolge gefunden wurde. Allerdings wird sicher erst ein Schatten darüber liegen. Denn es sind ja alle beschädigt worden. Und eben auch Fry, der nicht unter den Umständen Chefredakteur werden konnte, wie es richtig gewesen wäre, nämlich zu einem anderen Zeitpunkt, und ohne irgendeinen Druck von außen."## Mit dem Vorwurf der politischen Einflussnahme wird sich das ZDF noch eine Weile beschäftigen müssen: Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck hat vor wenigen Tagen eine Verfassungsklage gegen des Staatsvertrag des Senders angekündigt. Ziel sei mehr Staatsferne. Der neue Chefredakteur, der im Dezember einstimmig vom Verwaltungsrat gewählt worden war, setzt auf einen ruhigen Amtseintritt. Programmlich will er Online-Auftritt und Fernsehprogramm enger miteinander verknüpfen und auch die Erscheinung des neuen virtuellen Nachrichtenstudios überarbeiten.

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