Montag, 17.05.2021
 
Seit 02:30 Uhr Zwischentöne
03.03.2012

Medienskandal James Murdoch zurückgetreten

Der 39-jährige Sohn von Rupert Murdoch räumte am Mittwoch seinen Posten als Verwaltungsratschef der britischen Zeitungsholding News International. Das Unternehmen wird seit Monaten durch einen Abhör- und Korruptionsskandal erschüttert und kommt nicht aus den Schlagzeilen. Erst in der vorletzten Woche musste Rupert Murdoch persönlich die Redaktion der britischen Sun beruhigen, deren E-Mail-Verkehr von der Verlagsleitung an die Polizei übergeben worden war.

Fernsehen Zeitungsverleger kritisieren ProSieben.SAT.1-Pläne

Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger wendet sich gegen das Vorhaben der Sendergruppe, die Werbung im Kabelfernsehen zu regionalisieren. Das würde zu schweren Einbrüchen in ohnehin hart umkämpften Märkten führen und verstoße gegen geltendes Recht. Bereits 1986 habe das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass lokal, bzw. regional ausgespielte Werbung nationaler Fernsehsender den Bestand und die Funktionsfähigkeit der Presse gefährden würden. ProSieben.SAT.1 berät seine Werbepläne zurzeit mit den Landesmedienanstalten.

Meinungsfreiheit Prominenten-Kinder nicht in jedem Fall vor Berichterstattung geschützt

Die Söhne des Schauspielers Uwe Ochsenknecht müssen Berichte über eine nächtliche Randaletour dulden. Dies entschied das Bundesverfassungsgericht. Zum Zeitpunkt der Berichterstattung waren die Jungschauspieler Jimi Blue und Wilson Gonzalez 16 und 18 Jahre alt. Der Artikel in der Online-Ausgabe der "Sächsischen Zeitung" "Polizei schnappt Ochsenknecht-Söhne“ sei vom Grundrecht auf Meinungsfreiheit gedeckt, so das Gericht. Die beiden Nachwuchsakteure hätten selbst ihre Personen in die Öffentlichkeit gestellt, dabei ein Image als "junge Wilde“ aufgebaut und ihre Idolfunktion kommerziell ausgenutzt.

Frauenquote Journalistinnen fordern Quote

30 Prozent aller journalistischen Führungspositionen sollen mit Frauen besetzt werden. Das fordern 340 Journalistinnen aus Presse und Rundfunk, unter ihnen Anne Will, Antonia Rados und RBB-Intendantin Dagmar Reim. Ihrer Initiative haben sich bislang rund 1.000 Kolleginnen und auch einige Kollegen angeschlossen. Laura Himmelreich, Politikredakteurin im Berliner Büro des Stern zu ihrer Motivation, bei dieser Aktion mitzumachen: ##"Wir sollen ja als Medien Themen setzen, Meinungen helfen zu bilden und ein Sprachrohr auch der Bevölkerung sein und es stellt sich halt die Frage: Wie repräsentativ sind wir für die Bevölkerung, wenn auf 98 Prozent aller Chefredakteursposten von Tages- und Wochenzeitungen Männer sitzen? Mein Ziel, das ist jetzt ganz persönlich, ist nicht, dass am Ende 50 Prozent, unbedingt alles pari-pari besetzt werden soll. Mir geht es darum, dass die Frauen, die aufsteigen wollen, die sagen, sie wollen einen Chefposten anstreben, dass die dieselbe Chance haben auf ihrem Weg dorthin wie Männer und ich sehe momentan nicht, dass es schon gegeben ist und daran muss man arbeiten."## Die erst 28-jährige Laura Himmelreich sagt von sich selbst, dass sie bislang noch keine Einschränkungen aufgrund ihrer Geschlechtszugehörigkeit gespürt habe, aber: ##"Es gibt ja viele Frauen, viele junge Frauen in der Politik und Wirtschaft, die eine Quote ablehnen, eben aus dem Grund, weil sie sagen, wir haben das bisher noch nicht erlebt, wir haben eher Vorteile gehabt durch unser Alter. Ich bin da skeptisch. Ich vertraue nicht darauf, dass mein Berufsweg so reibungslos weitergeht wie bisher. Es ist im Prinzip irgendein Anfang und irgendeinen Anfang muss man machen und dann, wenn wir die 30 Prozent erreicht haben, dann können wir sehen, wie wir weitermachen."##

 Proteste gegen Reformen beim WDR-Hörfunk

Journalisten, Autoren, Künstler und Wissenschaftler aus Nordrhein-Westfalen und darüber hinaus wenden sich in der Initiative Die Radioretter mit einem offenen Brief an WDR-Intendantin Monika Piel. Sie protestieren gegen eine Strukturreform des dritten WDR-Hörfunksenders. In rund einer Woche beteiligten sich bis heute fast 8.000 Bürger an der Protestaktion. Der Sprecher der Initiative, der Philosophie-Professor Hans-Joachim Lenger, gegenüber Markt und Medien: ##"Wir beobachten seit vielen Jahren schon, dass in WDR 3 ein Abbau dessen betrieben wird, was Kulturradio heißt und mit der neuesten Reform sollen diese Maßnahmen zur Transformation, zum Abbau dieses Kulturradios eigentlich abgeschlossen werden. Da wird also beispielsweise eine für Nordrhein-Westfalen sehr bedeutende Sendung wie die Resonanzen de facto in ein Wiederholungsformat umgewandelt. Da wird die politische Information, die politische Debatte, der politische Kommentar abgebaut und so weiter und so fort."## Der Hörfunkdirektor des WDR, Wolfgang Schmitz, wies das Anliegen der „Radioretter“ in einem gleichfalls offenen Brief zurück. Die Initiatoren seien von einem Kulturradio-Begriff der 70er Jahre inspiriert, schrieb Schmitz. Professor Lenger verweist hingegen auf den Protest, der sich innerhalb des Senders gleichfalls formiert habe. ##"Unser begründeter Eindruck ist, dass auch die demokratischen Abstimmungsprozesse innerhalb des WDR gar nicht funktionieren. Die Redaktionsvertretung, die sich vor geraumer Zeit schon zu Wort gemeldet hatte zu diesen Plänen, ist bis heute noch mit keiner Antwort beschieden worden. Es muss also Druck von außen gemacht werden, also von den Hörerinnen und Hörern. Wir werden jedenfalls in den Anstrengungen nicht nachlassen, diese Debatte um die Frage, worin öffentlich-rechtlicher Rundfunk seine Aufgaben findet, was die Aufgaben eines Kulturradios sind, diese Fragen weiterhin zu thematisieren, beispielsweise denken wir daran, eine öffentliche Veranstaltung zu machen, an der sich dann Wissenschaftler, Medienexperten, Hörerinnen und Hörer, Journalisten, usw. beteiligen, um die Grundsatzfrage mal aufzuwerfen, in welche Richtung soll sich eigentlich der Rundfunk entwickeln."## Der Rundfunkrat des WDR hat die Geschäftsleitung des Senders gestern aufgefordert, dem Programmausschuss ein Gesamtkonzept für WDR 3 vorzulegen. Es müsse ein anspruchsvolles Kulturprogramm bleiben.
25.02.2012

Kirch Kirch-Vergleich der Deutschen Bank möglicherweise vor dem Scheitern

Das berichten zumindest die Süddeutsche Zeitung und die FAZ. In der Bank gebe es inzwischen viele Bedenken gegen eine Schadensersatzzahlung von 800 Millionen Euro. Diese war von Vorstandssprecher Josef Ackermann mit Leo Kirchs Witwe Ruth ausgehandelt und Mitte Februar bekannt geworden. Hintergrund ist ein Interview des ehemaligen Bank-Chefs Breuer, in dem dieser vor Leo Kirchs Insolvenz dessen Kreditwürdigkeit in Frage gestellt hatte.

Fernsehen Vodafone steigt aus

Der Mobilfunkbetreiber wird nicht mehr für die Übertragungsrechte der Fußballbundesliga mit bieten. In Deutschland schaffe es derzeit kein Anbieter, eine Rendite auf den Erwerb der Rechte zu erzielen, sagte Vodafone-Deutschland-Chef Joussen der Wirtschaftswoche. Die Live-Übertragungsrechte seien viel zu teuer und könnten dem Vodafone-Fernsehgeschäft keinen entscheidenden Wachstumsschub geben.

Rechtsstreit Verleger gehen nach Brüssel

Die deutschen Zeitungs- und Zeitschriftenverleger haben ihre Beschwerde gegen Google beim Bundeskartellamt formal zurückgezogen und bei der Europäischen Kommission eingebracht. Erreichen wollen sie eine finanzielle Beteiligung an den Einnahmen, die Google im Umfeld der Verlagsinhalte erziele. Außerdem fordern sie ein faires Ranking der Verlagsangebote in den Suchergebnissen von Google. Sie werfen dem Internetriesen vor, dass diese im Vergleich zu Googles eigenen Diensten benachteiligt würden.

Medienpolitik Beck erneuert Kritik an digitalen Infokanälen

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident fordert, ARD und ZDF sollten lieber ihren gemeinsamen Informationskanal Phoenix stärken. Auch die Kultursender ARTE und 3Sat sollten nicht länger von weiteren öffentlich-rechtlichen Kulturkanälen „kannibalisiert“ werden. ARD und ZDF müssten ihre Kräfte konzentrieren. Kurt Beck ist Vorsitzender der Rundfunkkommission der Länder und Vorsitzender des ZDF-Verwaltungsrates. Die Länderchefs selbst hatten den öffentlich-rechtlichen Sendern 2010 die Genehmigung erteilt, zusätzlich zu ihren bestehenden Programmen jeweils drei digitale Spartenkanäle aufzubauen. Ein Sprecher des ZDF nannte es gegenüber Markt und Medien legitim, dass ein Medienpolitiker über Weiterentwicklungen in der Medienpolitik nachdenke.

Krisenberichterstattung Journalisten in Syrien ums Leben gekommen

Der 28-jährige französische Fotoreporter Rémi Ochlik und die amerikanische Kriegsreporterin Marie Colvin starben bei einem Granatenangriff auf die Stadt Homs. Marie Colvin arbeitete seit 1985 für die britische Sunday Times in Krisengebieten. Journalistenkollegen erinnerten an ihre feste Überzeugung, dass Berichte über Kriegsgräuel unbedingt notwendig seien, um die Menschen aufzurütteln. Ihren letzten Bericht setzte sie wenige Stunden vor ihrem Tod gegenüber der BBC ab. ##“Es macht einen absolut krank. Heute fing der Beschuss um 6 Uhr 30 morgens an. Ich habe 14 Artillerieeinschläge allein in diesem Wohnviertel gezählt innerhalb von 30 Sekunden. Hier ist eine kleine Klinik, eigentlich nur eine Wohnung. Es gibt einen ständigen Strom verletzter Zivilisten. Ich habe gesehen wie ein kleines Kind dort gestorben ist. Furchtbar. Sie haben es ausgezogen und gesehen, dass das Schrapnell in seine linke Brustseite gegangen ist. Der Arzt sagte, ich kann nichts machen. Und sein kleiner Bauch bäumte sich hoch, bis es starb. So was geschieht die ganze Zeit. Niemand hier versteht, wie die internationale Gemeinschaft das geschehen lassen kann. Es kommt ganz einfach pausenlos Artillerie und Panzerfeuer herab, das unentwegt auf die Wohngebiete hier niedergeht.“##

Pressefreiheit Lateinamerikas Medien solidarisieren sich mit Journalisten in Ecuador

Emilio Palacio von der Tageszeitung Universo sowie die drei Verleger der Zeitung waren in der vorletzten Woche wegen Beleidigung des Staatspräsidenten zu drei Jahren Haft und insgesamt 28 Millionen Euro Strafe verurteilt worden. Auslöser war ein regierungskritischer Artikel gewesen, der sich mit einer Rebellion gegen den Präsidenten beschäftigt hatte. Bei dieser waren im September 2010 fünf Menschen ums Leben gekommen. Zeitungen in ganz Lateinamerika druckten am Freitag eine Kolumne von Emilio Palacio ab mit dem Titel „Nein zu den Lügen“. Ecuadors Staatspräsident Correa wird darin als Diktator bezeichnet. Auch die Interamerikanische Kommission für Menschenrechte forderte Correa gestern auf, das Urteil gegen die Journalisten aufzuheben. In einer Stellungnahme erwiderte der Präsident, diese Aufforderung sei kompletter Unsinn und beweise einmal mehr, dass Lateinamerika ein neues Mediensystem brauche, das unabhängig vom großen Geld der internationalen Mächte sei. Ecuador verstehe die Aufforderung der Kommission als klare Verletzung der Souveränität seines Landes, so Staatspräsident Rafael Correa. Er könne die Forderung der Kommission auf keinen Fall umsetzen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk