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StartseiteCampus & Karriere"Das Bundesteilhabegesetz ist ein richtiger Schritt"22.09.2016

Menschen mit Behinderung"Das Bundesteilhabegesetz ist ein richtiger Schritt"

Durch das Bundesteilhabegesetz werde der Arbeitsmarkt für Menschen mit Behinderung etwas flexibler gestaltet, sagte Robert Freumuth vom Internetportal MyHandicap im DLF. Denn neben Werkstätten für Menschen mit Behinderung könnten nun auch andere Träger hinzukommen.

Robert Freumuth im Gespräch mit Kate Maleike

Ein junger Mann sitzt in einem Rollstuhl. (Imago / Westend61)
Die Ausbildungssituation werde flexibler und für manche Menschen mit Behinderung auch passender gemacht, sagte Robert Freumuth von MyHandicap.de im DLF. (Imago / Westend61)
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Kate Maleike: Mehr Rechte, mehr Geld und bessere Chancen für Beschäftigung für Menschen mit Behinderung – das sind die Forderungen, die sich rund um das geplante Bundesteilhabegesetz ranken, das heute im Bundestag debattiert wird. Von Behindertenverbänden bekommt dies allerdings einige Kritik, unter anderem von der Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen. Die Tendenz des Gesetzes von der Fürsorge zur Teilhabe sei zwar begrüßenswert, heißt es von dort, aber das Gesetz fördere die Beschäftigung von Behinderten nicht ausreichend. Robert Freumuth ist Geschäftsführer des Internetportals MyHandicap, das die einzige deutschlandweite Jobbörse für Menschen mit Handicap betreibt. Guten Tag, Herr Freumuth!

Robert Freumuth: Guten Tag!

"Die Lage auf dem Beschäftigungsmarkt für Menschen mit Behinderung hat sich leicht verbessert"

Maleike: Wie beurteilen Sie denn allgemein die aktuelle Beschäftigungssituation im Moment? Wie inklusiv ist unser Arbeitsmarkt?

Freumuth: Man kann auf jeden Fall festhalten, dass sich die Lage auf dem Beschäftigungsmarkt für Menschen mit Behinderung leicht verbessert hat, und das heißt, es gibt eine Tendenz in die richtige Richtung, wobei man immer auch noch unterscheiden muss: Behinderung ist ein sehr breit gefasster Begriff, also spricht man von Menschen mit körperlicher oder geistiger Behinderung. Der Zugang für Menschen mit körperlicher Behinderung zum Arbeitsmarkt ist sicherlich besser geworden, für Menschen mit geistiger Behinderung ist es nach wie vor sehr, sehr schwierig, auf dem allgemeinen oder ersten Arbeitsmarkt unterzukommen.

Maleike: Jetzt haben wir ja durch die UN-Konvention die inklusive Schule in Deutschland seit einigen Jahren – hilft das auch, die Beschäftigungsverhältnisse zu verbessern?

Freumuth: Enorm, weil es tatsächlich von Kindheit an das Thema Behinderung und Inklusion in die Köpfe rückt, das heißt, es wird normal schon für die Kinder, die miteinander, das heißt mit einem behinderten Kind in der Schule groß werden. Auch ist es für die Kinder selber, die inklusiv geschult werden, sicherlich, wenn es den Fähigkeiten entspricht, der bessere Weg, weil man sich schnell auch an den Leistungsgedanken gewöhnen muss, der auch auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt Gültigkeit hat. Insofern trägt es sicherlich auf Dauer gesehen dazu bei, dass sich das inklusive Klima und der Zugang zum Arbeitsmarkt weiter verbessern wird.

Maleike: Die Ausbildungsmöglichkeiten, das hatte eine Studie der Bertelsmann Stiftung vor zwei Jahren gezeigt, die sind für Jugendliche mit Behinderung noch immer Mangelware. Damals hat es geheißen, dass nur jeder vierte Ausbildungsbetrieb überhaupt Erfahrungen mit dieser Gruppe gemacht hat. Hat sich das Ihrer Erfahrung nach verbessert?

Freumuth: Es hat sich auf jeden Fall leicht verbessert. Das heißt, die Zugänglichkeit wird etwas größer. Das Thema wird auch immer mehr an die Arbeitgeber herangetragen. Das heißt, man hat Möglichkeiten, sich zu informieren und auch Angebote wahrzunehmen, sodass sicherlich über das Viertel hinaus der Zugang sich weiter verbessert hat. Jetzt bleibt wieder das Thema, wie vorhin schon angesprochen, für Menschen mit körperlicher Behinderung insgesamt wird der Zugang besser werden oder ist besser geworden, wenn es sich um Behinderungsarten dreht und ein Arbeitgeber natürlich sehr viel Wissen selber aufbauen muss oder deutlich mehr Berührungsängste hat wie bei geistigen Behinderungen oder auch bei manchen psychischen Behinderungen, die in Gewalt oder lauten Schreien ausarten können, da bleibt es natürlich nach wie vor sehr, sehr schwierig, als Mensch mit Behinderung unterzukommen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt.

Plattform MyHandicap mit Stellenbörse für Menschen mit Behinderung

Maleike: Kommen wir mal auf die Arbeit Ihrer Jobbörse zu sprechen: Wie bringen Sie Suchende Unternehmen und Arbeitssuchende sozusagen zusammen?

Freumuth: Zum einen tatsächlich über ganz klassische Tools, wie man es von der Stellenbörse her kennt. Wir bieten Menschen mit einer Behinderung an, einen Stellengesuch bei uns auf der Plattform zu hinterlegen, in der man die Behinderung gar nicht weiter ausführen muss, wo aber für die Arbeitgeber, die ganz gezielt auf der Suche nach einem Menschen mit Behinderung sind, natürlich aufgrund der Plattform klar ist, okay, hier treffe ich ganz gezielt auf Arbeitgeber, die eine Behinderung mitbringen. Menschen mit Behinderung haben ergänzend auch noch die Möglichkeit, zu dem Stellengesuch noch ein Fähigkeitsprofil auszufüllen, um sich wirklich noch mal ganz bewusst auch die eigenen Stärken und Talente vergegenwärtigen zu können, das, was auch dann tatsächlich der absolute Mehrwert für den Arbeitgeber ist, der Menschen mit Behinderungen anstellt.

Arbeitgeber haben natürlich die Möglichkeit, selbst Stellenangebote zu schalten, und das Ganze wird dann umfassend flankiert von einem Forenangebot, von Beratungsmöglichkeiten, um dann natürlich auch noch mal aufzuklären, an welchen Stellen kann ich als Arbeitgeber jetzt Beratung bekommen, was gibt es für Fördermöglichkeiten und genauso das Gleiche natürlich auch für den Arbeitsuchenden mit Behinderung. Grundsätzlich kann man festhalten, es gibt mittlerweile eine Vielzahl an guten Beispielen, in denen Menschen mit Behinderung am allgemeinen Arbeitsmarkt teilhaben und sehr gut integriert sind, und das ist sicherlich auch die beste Überzeugungsarbeit für Arbeitgeber, anhand dieser Beispiele zu motivieren, sich auch des Themas anzunehmen und zu sehen, dass auch ein Mensch mit Behinderung sehr gut integriert, inkludiert für ein Unternehmen arbeiten kann und auch seine Leistung bringen, im Fall von manchen Behinderungsarten vielleicht sogar noch mit einem höheren Leistungsergebnis als das der eine oder andere Mitarbeiter ohne Behinderung hat.

Maleike: Wir haben ja das Bundesteilhabegesetz sozusagen als Anlass für unser Interview. Wie, würden Sie denn sagen, ist das Teilhabegesetz ein richtiger Schritt, um eben Beschäftigungs- und Ausbildungsmöglichkeiten zu erhöhen?

Freumuth: Man kann auf jeden Fall sagen, dass es ein richtiger Schritt ist. Das ist in der Tag richtig: Zu einen wird der Arbeitsmarkt etwas flexibler gestaltet, indem neben der Werkstatt für Menschen mit Behinderung auch andere Träger hinzukommen können, die als Leistungsanbieter infrage kommen. Insofern wird die Ausbildungssituation flexibler und für manche Menschen mit Behinderung auch passender gemacht. Das ist sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung. Dann ist auch das Budget für Arbeit, das geplant ist, das in einem Bundesland ja auch schon eingesetzt wird, das ist sicherlich auch ein sehr positiver Schritt, weil es dann dauerhaft auch für Unternehmen tatsächlich Unterstützungsleistungen vorsieht, was dann sowohl den Übergang in die Arbeit als auch die Beschäftigung auf Dauer sichern kann.

Maleike: Robert Freumuth war das über MyHandicap und die dortige Jobbörse, die Unternehmen und Menschen mit Behinderung zusammenbringt. Im Internet zu finden unter myhandicap.de.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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