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StartseiteEine WeltFlughafen-Neubau sorgt für Diskussionen23.02.2019

Menschenrechte in Honduras Flughafen-Neubau sorgt für Diskussionen

Kurze Landebahn inmitten von Bergen: Der Flughafen in Tegucigalpa, der Hauptstadt von Honduras, ist für Piloten eine Herausforderung. Auch deshalb wird ein neuer Flughafen gebaut. Doch dem Unternehmer, der die Konzession für den Airport bekommen hat, werden Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen.

Von Martin Reischke

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Der Toncontin International Airport, Hauptflughafen in Honduras, ist wegen der hohen Berge ringsherum sehr schlecht anzufliegen. Deshalb wird außerhalb ein neuer Flughafen gebaut. (ORLANDO SIERRA / AFP)
Einer der gefährlichsten Flughäfen der Welt: Der Toncontin International Airport in Honduras (ORLANDO SIERRA / AFP)
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Neben der vierspurigen, viel befahrenen Autobahn in dem trockenen Landstrich von Honduras steht ein riesiges Schild: Ein nagelneuer Flughafen ist darauf zu sehen. Hinter dem Metallzaun, der das Baugelände von der Straße trennt, wächst der neue Terminal langsam in die Höhe.

Doch wie kommt ein neuer Airport mitten in die Pampa, mehr als 70 Kilometer entfernt von der Hauptstadt Tegucigalpa? "Das Projekt basiert auf der interessanten Lage von Honduras. Das Land liegt praktisch im Herzen des amerikanischen Kontinents, genau in der Mitte", sagt Carlos Pineda, der im Auftrag der honduranischen Regierung für die Umsetzung öffentlich-privater Partnerschaften im Land zuständig ist. Auch der neue Flughafen gehört dazu.

Das Modell funktioniert so: Der Staat stellt das Grundstück und die bestehende Infrastruktur zur Verfügung, die Kosten für den Bau teilt er sich mit einem privaten Investor, der den Flughafen anschließend betreibt.

Flughafen, Tourismus, Arbeitsplätze

Der Flughafen Palmerola ist das Herzstück eines ambitionierten Infrastrukturplans, mit dem die honduranische Regierung ihr Land zum Logistikzentrum Zentralamerikas ausbauen will. Dafür werden neue Straßen gebaut, Häfen im Pazifik und Atlantik modernisiert – und eben der neue Flughafen errichtet. Ganz neu ist er eigentlich nicht: Denn schon seit Anfang der 80er-Jahre unterhält das honduranische Militär hier einen Stützpunkt, der vor allem von US-Truppen genutzt wird, eine Start- und Landebahn gibt es bereits.

Landkarte Honduras (federal government)Der neue Flughafen soll 70 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Tegucigalpa entstehen (federal government)

Doch die Pläne gehen noch viel weiter, erklärt Carlos Pineda: "Ein Flughafen würde hier große Investitionen mit sich bringen, nicht nur wegen des Frachtterminals, der für den Export neuer Produkte genutzt werden kann, sondern auch wegen der Möglichkeit, die ganze Region touristisch zu entwickeln, mit Hotels, Dienstleistungen und vielen neuen Arbeitsplätzen."

Nach seiner Fertigstellung soll der neue Flughafen trotz der großen Entfernung zur Hauptstadt den alten Airport in Tegucigalpa ablösen. Denn der zählt mit seiner extrem kurzen Landebahn, umgeben von Bergen, zu einem der anspruchsvollsten Flughäfen der Welt. Immer wieder kam es hier in der Vergangenheit zu Unfällen, weil Maschinen bei der Landung über die Piste hinausgeschossen sind.

Umweltschäden und Menschenrechtsverletzungen?

Die Konzession für den Neubau und Betrieb des Flughafens hat das Unternehmen Palmerola International Airport bekommen, eine Tochter der Holdinggesellschaft EMCO. Hinter dem Konzern steckt der honduranische Unternehmer Lenir Pérez. Beraten wird er von der Munich Airport International GmbH, einem Tochterunternehmen der Flughafen München GmbH. So sollen die Honduraner vom Münchner Know-How profitieren.

Doch die Kooperation hat einen Haken: Denn zivilgesellschaftliche Akteure wie die internationale Nichtregierungsorganisation "Global Witness" werfen Lenir Pérez vor, bei seinen Projekten Umweltschäden in Kauf zu nehmen und Menschenrechte zu missachten. Eine Fallstudie von 2017 beschreibt die Geschäftspraktiken des Unternehmers. Darin geht es um eine Eisenoxid-Mine, die Pérez im Norden des Landes plante – gegen den Willen der lokalen Bevölkerung, die irreversible Umweltschäden befürchtete.

Ein Bericht des honduranischen Umweltministeriums gab ihnen Recht: Wasservorkommen seien durch die Erkundungsarbeiten an der Mine verseucht worden, Fische aus den Flüssen verschwunden, heißt es dort. Anwohnerinnen und Anwohner, die sich gegen das Projekt aussprachen oder weigerten, ihr Land zu verkaufen, erhielten laut Global Witness Morddrohungen.

Übergriff auf Menschenrechtsaktivisten

Als der Schweizer Menschenrechtsaktivist Daniel Langmeier mit einer Begleiterin 2013 in die Region reiste, um die Situation zu dokumentieren, gerieten auch sie in die Schusslinie von Pérez: Schwer bewaffnete Sicherheitskräfte konfiszierten ihre Kameras, hielten die beiden über Stunden fest und bedrohten sie, erzählt Langmeier: "Sie haben alles Material, das wir hatten, gelöscht. Und sie haben uns auch gesagt: Wenn wir jemals wiederkommen, würden sie uns im Wald verschwinden lassen."

Bis heute ist die Mine nicht in Betrieb gegangen. Aktuell betreut Langmeier einen ähnlichen Fall in Bajo Aguán im Nordosten des Landes. Auch hier soll eine Eisenoxid-Mine gegen den Willen der lokalen Bevölkerung ausgebeutet werden. Und auch hier sei es zu Übergriffen der privaten Sicherheitskräfte gekommen, so Langmeier: "Dort wissen wir nicht, wie es weitergeht und wiederum ist es eine Firma von Lenir Pérez und noch haarsträubender ist natürlich, dass das wirklich zur selben Zeit passiert, wo anderswo im Land er sich als ein aufrichtiger Businessman gibt."

Doch Carlos Pineda, der im Auftrag der honduranischen Regierung für die Überwachung des Flughafenprojekts Palmerola zuständig ist, zeigt sich ahnungslos: "Wir haben nie davon gehört, dass die Holdingsgesellschaft EMCO Probleme mit den Menschenrechten hat. Aber ganz allgemein gilt in Honduras natürlich das Prinzip, dass die Menschenrechte respektiert werden müssen."

Beratung aus München

Selbst die bayerische Landespolitik hat sich schon mit den Vorwürfen der Menschenrechtsverletzung durch den Unternehmer Lenir Pérez beschäftigt. In München hat der Grünen-Landtagsabgeordnete Christian Magerl schon vor Monaten die Landesregierung als Hauptgesellschafter des Flughafens um Aufklärung gebeten. In der Antwort auf seine schriftliche Anfrage heißt es, dass weder der Flughafen München noch ihre in Honduras tätige Tochtergesellschaft nach eigenen Angaben Kenntnis über die Vorwürfe gegen Lenir Pérez hätten.

Die Bürgerinnen und Bürger von Comayagua, dem kleinen Kolonialstädtchen, gleich in der Nähe der Flughafenbaustelle, sehen dem Projekt mit gemischten Gefühlen entgegen – allerdings aus ganz anderen Gründen, wie die Anwohnerin Jaqueline Licona erzählt: "Ja, das Projekt ist sehr wichtig, obwohl es gute und schlechte Dinge mit sich bringt, denn wenn es den Flughafen gibt, gibt es mehr Geschäfte und mehr Handel, aber dann gibt es auch mehr Diebstähle und dunkle Gestalten, die hierherkommen, also sollte es dann auch mehr Kontrollen geben."

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