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StartseiteMusikjournalKomponistinnen zwischen genial und gehemmt09.08.2021

Mentoring im klassischen MusikbetriebKomponistinnen zwischen genial und gehemmt

Musik zu komponieren ist ein kreativer, persönlicher, manchmal einsamer Prozess. Junge Komponisten brauchen dabei Feedback, Beratung und Kritik. Bei diesem Mentoring spielen nicht nur Lehrkräfte eine wichtige Rolle, sondern auch Musikverlage.

Von Marie König

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Eine junge Frau mit langen braunen Haaren sitzt selbstverloren auf einem Stuhl mit hochgezogenem Bein und stützt mit geschlossenen Augen ihre Stirn auf die Hand. (imago /  agefotostock)
Wie weiterarbeiten, wenn der musikalische Flow abbricht oder die Selbstsicherheit beim Komponieren pausiert? (imago / agefotostock)
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Neue Musik von Sarah Nemtsov Geschichtete Klänge

Inmitten von Bäumen mit Blick auf den See sitzt der Komponist und schreibt selbstsicher Musik. Dieses Bild des einsamen Genies ist eine verklärte Vorstellung. Im realen Leben stellt sich die Frage: Wo kann sich eine Komponistin heute Feedback holen?

Sarah Nemtsov holt sich zum Beispiel ein "Spezialisten-Feedback" vom Dirigenten, oder, was ihr besonders wichtig ist, noch vor der Aufführung: "erstmal ein Feedback von Musikerinnen und Musikern zu bekommen, wie sie es spielen, was schwierig ist, womit sie was anfangen können, womit sie nichts anfangen können."

Komposition – ein intimer, persönlicher Prozess

Der Kompositionsprozess ist etwas sehr Intimes, Persönliches. Und doch vermisst Sarah Nemtsov manchmal den fachlichen Austausch.

"Ich glaube, in der Szene ist das auch nicht so üblich. Manchmal beneide ich meine Studierenden, weil sie solche Menschen noch in ihrem Leben haben."

Anna Gabler bei den Salzburger Festspielen 2013 (picture alliance / Barbara Gindl ) (picture alliance / Barbara Gindl )Mentoring im klassischen Musikbetrieb - Mehr als nur einen Trainer
Die Sopranisten Anna Gabler, der Pianist Jan Jiracek von Arnim oder das Kuss Quartett: Sie alle vertrauen auf Coaching und Weiterbildung – wenn auch ganz unterschiedlich.

Isabel Mundry ist Komponistin und Professorin für Komposition in München und Zürich. Wenn sie die Entwürfe ihrer Studierenden sieht , gibt sie Rückmeldung.

Kompositions-Studierende unterstützen bei ihren Suchbewegungen

Ihr ist es dabei wichtig, das eigene Wissen zu vermitteln, ohne den Studierenden eine bestimmte Ästhetik aufzudrücken. "Also ich hatte mal einen Kollegen, der hat seine Kompositionsklasse wirklich genutzt, um seine Feindbilder mit ihnen zu teilen." Isabel Mundry möchte vor allem Raum zur Entfaltung geben, Ermutigung und Rückhalt.

Kontakt zu einem Musikverlag

Wer mit dem Studium fertig ist, muss sich als Komponistin auf dem Markt etablieren. Ein sensibler Übergang, bei dem Mentorinnen helfen können: mit ihrem Netzwerk, Empfehlungen oder öffentlichen Auftritten. Auch den Kontakt zu einem Notenverlag kann der Mentor herstellen. 

"Diese Fälle gibt es bei uns sehr häufig, dass ältere Komponisten, die bei uns unter Vertrag sind, entweder einen Schüler haben, den sie uns empfehlen oder auch ein Werk mal irgendwo gehört haben und mit einem jungen Autor in Kontakt getreten sind. Das ist aber noch kein Freifahrtschein." So Paul Schäffer, Lektor für zeitgenössische Musik beim Schott-Verlag. In dieser Position übernimmt er durchaus auch Mentoren-Tätigkeiten.

Hilfestellungen der Lektoren

Beim Schott-Verlag hat jeder Komponist einen Lektor, der ihn betreut: von der Vertragserstellung über die Komposition bis hin zum Druck und Produktmanagement. So entsteht eine enge Zusammenarbeit, manchmal sogar eine Freundschaft.

Der Komponist, Pianist, Autor, Sänger, Schauspieler & Dirigent Moritz Eggert (Moritz Eggert/ Felix Poehland) (Moritz Eggert/ Felix Poehland)Mentoring im Musikbetrieb - Wie können toxische Beziehungen verhindert werden?
Ein Mentor ist ein Förderer, ein Fürsprecher oder ein Berater. Es gibt aber auch toxische Beziehungen zwischen Lehrenden und Schülern, die im schlimmsten Fall die Entwicklung bremsen oder übergriffig werden.

Seine Arbeit sei inhaltlich ganz anders als in der Literatur, so Paul Schäffer weiter. "Dort ist der Lektor ja auch tatsächlich ein sehr redigierendes Element, was sehr intensiv in den Text einsteigt, sicherlich auch Sachen kürzt oder verbessert. Das ist bei uns nicht so der Fall."

Es geht eher um technische Aspekte, zum Beispiel um den Tonumfang eines Instruments oder Fragen der Notation. Am Ende sieht sich Paul Schäffer aber auch in der Verantwortung zu kritisieren. "Und das wird auch sehr positiv aufgenommen."

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