Montag, 10.12.2018
 
Seit 16:30 Uhr Nachrichten
StartseiteSport AktuellDie Kanzlerin schaut Basketball15.11.2018

Merkel-Besuch in ChemnitzDie Kanzlerin schaut Basketball

Gut drei Monate nach den fremdenfeindlichen Demonstrationen in Chemnitz besucht Bundeskanzlerin Angela Merkel die Stadt. Sie wird dort auch dem lokalen Basketball-Verein Chemnitz Niners einen Besuch abstatten. Der Verein will sich aber nicht instrumentalisieren lassen.

Von Jonas Panning

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Teilnehmer einer Demonstration der rechtspopulistischen Bewegung Pro Chemnitz ziehen mit Deutschlandfahnen durch die Stadt. (picuture alliance / ZB)
Teilnehmer einer Demonstration der rechtspopulistischen Bewegung Pro Chemnitz ziehen mit Deutschlandfahnen durch die Stadt. (picuture alliance / ZB)
  • E-Mail
  • Teilen
  • Tweet
  • Drucken
  • Podcast
Mehr zum Thema

Chemnitz nach den Ausschreitungen Kein Weg aus dem Alltagsrassismus

Gewalt gegen Flüchtlinge in Chemnitz Aus dem großen in den kleinen Bürgerkrieg

Rechtsradikale Demos "Chemnitz ist ein kleiner Bürgerkrieg"

Es wird trainiert bei den Niners Chemnitz. Für die U16 steht am Wochenende ein wichtiges Spiel an. Sie sind schon in der Erwachsenen-Oberliga mit dabei und wollen gewinnen, um den letzten Tabellenplatz zu verlassen. Da kommt die zusätzliche Trainingseinheit unter den Augen der Kanzlerin gerade recht. Dominik Tittmann ist 15 und morgen bei dem Treffen mit Angela Merkel mit dabei.

"Ja, ich denke schon, dass es ein bisschen um die Lage geht. Sie will sich ein Bild machen, wie das hier aussieht. Ist, denk ich, auch logisch, was in den letzten Wochen und Monaten hier passiert ist und deshalb finde ich es sehr schön, dass sie mal her kommt und sich das mal anschaut."

"Chemnitz ist kommt in der Außendarstellung zu schlecht weg"

Erst geht es für den Spielmacher der U16-Mannschaft noch in die Schule. Dann nimmt Merkel an einem Schautraining der Niners Chemnitz teil. Dominik Tittmann ist in Chemnitz geboren und findet, dass mit seiner Heimatstadt zuletzt nicht immer fair umgegangen worden sei. Zum Teil sei es hier anders als in der Öffentlichkeit dargestellt.

"Ich finde, es wird sehr viel verallgemeinert. So wie ich Chemnitz als meine Heimatstadt kenne, ist es nicht so wie es in der Außendarstellung ist. Und ich finde das etwas traurig. Aber es ist halt so. Kann man nicht ändern."

Die Senioren-Mannschaft der Niners Chemnitz ist in der zweiten Liga gerade auf Erfolgskurs. Am Freitag muss der Tabellenführer zum Auswärtsspiel nach Paderborn. Den einstündigen Besuch mit der Kanzlerin absolvieren deshalb die U16- und die U19-Jugendmannschaften. Matthias Pattloch, Sprecher des Vereins, sagt, was bei dem Treffen genau geplant ist.

Der Verein will sich nicht instrumentalisieren lassen

"Wir möchten die Gelegenheit nutzen, um ihr unser Wirken hier in der Stadt, unser Engagement als Sportverein vorzustellen, natürlich auch ein kleiner Blick hinter die Kulissen. Frau Merkel wird unsere Vereinsführung kennenlernen und wir hoffen, dass das für alle Beteiligten ein schöner Termin wird."

Auf die Frage, von wem die Idee für das Treffen ausging, weicht der Sprecher aus. Merkel in Chemnitz - gut drei Monate nach den fremdenfeindlichen Demonstrationen. Dass sie hier einen Basketballverein besucht und sich dabei wohl von über hundert Journalisten begleiten lässt. Niners-Sprecher Matthias Pattloch fühlt sich und seinen Verein nicht instrumentalisiert.

"Es ist für sie eine Gelegenheit, einen Teil von Chemnitz kennenzulernen. Natürlich kann sie man einem eintägigen Besuch nicht alles, was es in der Stadt zusehen gibt, nicht jeden einzelnen Verein, nicht jedes einzelne soziale Projekt, nicht jede fantastisch engagierte Person kennenlernen. Wenn sie die Niners besucht, wird sie einen sehr populären Verein aus der Stadt kennenlernen. Und sie hat die Möglichkeit, eben Chemnitzer kennenzulernen bei einer Geschichte, die denen Spaß macht. Denn das trifft auf alle unsere Jugendbasketballer zu. Denn die machen unglaublich gerne diesen Sport. Warum dann nicht die kennenlernen?"

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk