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StartseiteHintergrundKooperation statt Konkurrenz11.03.2018

Metropolregion HamburgKooperation statt Konkurrenz

Nicht nur die Großstadt selbst soll wirtschaftlich wachsen, sondern auch die 1.000 Orte und 20 größeren Städte im Hamburger Umland: Das ist die Idee der Metropolregion Hamburg. Statt auf Konkurrenz setzen die Beteiligten auf Zusammenarbeit und Vernetzung. Allerdings: Nicht alle Kommunen profitieren von dem Konzept.

Von Axel Schröder

Ein Mann schaut am 24.10.2013 vom Dach des Energiebunkers auf die Skyline von Hamburg, die Elbphilharmonie (r-l), den Heinrich-Hertz-Turm und die Michaelis Kirche (picture alliance / dpa / Maja Hitij)
Mit einem Ausbau der Infrastruktur will die Metropolregion Hamburg die Attraktivität steigern - auch in den ländlichen Gebieten (picture alliance / dpa / Maja Hitij)
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Für Christiane Spandau und ihre Familie hat sich der Umzug in die Metropolregion Hamburg gelohnt. Die Künstlerin führt vorbei an ihrem alten Fachwerkhaus bei Bispingen, öffnet die Tür zu ihrem Atelier. Seit zwei Jahren lebt sie mit ihrem Mann und den beiden Kindern hier im Grünen, hat München hinter sich gelassen:

"Wir wollten nicht, dass es Stadtkinder sind. Das war uns ganz wichtig. Und wir wollten vor der Einschulung unserer größeren Tochter wollten wir unbedingt noch ein Haus finden. Das war in München und auch rund um München nicht machbar, also für uns zumindest finanziell nicht machbar."   

Hinter der Malerin hängen ihre großformatigen Bilder: Kühe, Wölfe, Hirsche und Keiler in kräftigen Farben, das faltige Gesicht eines alten Seemanns. Bei der Suche nach einem neuen Zuhause kam der Familie ein Programm der Metropolregion Hamburg zugute.  Hier nannte man es: "Storchennest Bispingen – Neue Lösungen für alte Wohngebiete". Die Idee: Städte und Gemeinden werden unterstützt, wenn bei ihnen viele junge Leute abwandern und der Altersdurchschnitt zu sehr steigt:

"In unserem Fall war es so, dass es ein älteres Ehepaar war. Der Herr war 86. Also die wollten sich unbedingt verkleinern, wollten in die Stadt zurückziehen. Aber es geht vor allem auch um das Alter der Immobilie. Die Immobilie muss, glaube ich, 25 Jahre mindestens alt sein. Das war in unserem Fall so. Aber wir hätten auch gar keine andere haben wollen. Ganz ehrlich. Wie charmant ist das bitte, wenn ein Haus schon gewachsen ist. Wir wohnen in einem wunderschönen Fachwerkhaus, Eichenbalken. Also das hat so viel Charme. Das kann eine Neu-Immobilie glaube ich niemals so haben."

Über die Jahre kann die Familie mit rund 6.000 Euro Zuschuss für Umbauarbeiten am Haus rechnen, aus Fördergeldern der Metropolregion Hamburg. 

Fünf Millionen Menschen leben in dieser Region, die, abseits von Hamburg, vor allem ländlich geprägt ist.  Sie erstreckt sich mittlerweile von der Nordseeküste bis weit hinein nach Mecklenburg-Vorpommern und von Ostholstein bis nach Uelzen in Niedersachsen. 

Networking, wie es sein soll

In Bispingen, mitten in der Lüneburger Heide, leben 6.400 Menschen. Der Wilseder Berg ist ein beliebtes Ausflugsziel, es gibt eine Kartbahn – und den "Snowdome", in dem gestresste Städter eine kurze Skipiste herunterwedeln können. Doch der Altersdurchschnitt im Ort steigt von Jahr zu Jahr.

Dass auch Bispingen mit zur Metropolregion gehört, sei ein großer Vorteil für die Gemeinde, erklärt die Bürgermeisterin Sabine Schlüter in ihrem Büro. Die vier beteiligten Länder zahlen Geld in die Fördertöpfe ein. Und ein Teil der Projektmittel käme natürlich auch Bispingen zugute:

"Das kommt aus dem Staatsvertrag der vier Länder. Also die vier Länder Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern haben einen Staatsvertrag gemacht und haben regionale Handlungskonzepte und für die Metropolregion auch Ziele definiert. Und dann gibt es Geschäftsstellen und Zuständige in den Geschäftsstellen für die jeweiligen Bundesländer.

Und es gibt diese Handlungsfelder. Und man hat, wenn man eine Idee hat, immer diese Geschäftsstelle, an die man sich wenden kann. Und die führt einen dann weiter. In welche Kreise man sich da begeben kann, um das vorzustellen, um sich zu vernetzen, einen Antrag zu stellen und Partner zu finden. Und das funktioniert sehr, sehr unbürokratisch. Also das ist einfach Networking wie es sein soll!"

Und über dieses Netzwerken entstehen Kontakte und Kooperationen, die viele Projekte erst  ermöglichen. Um das Landleben für junge Menschen attraktiver zu machen, hat Sabine Schlüter zum Beispiel den Ausbau des Glasfasernetzes für schnelle Internetverbindungen vorangetrieben. In Eigeninitiative, mit hohem finanziellen Einsatz der Gemeinde. Und weil der Austausch unter Bürgermeistern gut ist, konnten die Bispinger auch anderen Kommunen beim Ausbau des schnellen Internets helfen:

"In diesem interkommunalen Entwicklungskonzept, da saß der Bürgermeister von Egestorf Markus Schreiber. Der wohnt in Döhle. Dann sagt der Markus Schreiber: 'Ihr macht Breitband in Hörpel? Könnt ihr nicht zu uns rüber legen?' Ist fällig! Also das haben wir in einem Jahr geschafft, dass wir die Döhler mit Breitband bis ins Haus auch versorgt haben!"

Nur die Verkehrsanbindung an die Freie und Hansestadt Hamburg könnte besser sein, ärgert sich die Bürgermeisterin. Die Busse kutschieren vor allem Schülerinnen und Schüler über Land. Andere Verbindungen wurden in den letzten Jahren immer weiter ausgedünnt.

Kooperieren statt konkurrieren

Die Idee hinter der Metropolregion Hamburg ist einfach. Nicht nur die Großstadt in ihrem Zentrum soll wirtschaftlich wachsen, sondern auch das Umland. Die 1.000 Orte und 20 größeren Städte sollen durch Kooperationen als Gesamtheit profitieren und, soweit es geht, nicht nur konkurrieren, zum Beispiel um Unternehmensansiedlungen, sondern zusammenarbeiten, um die Wirtschaftskraft der gesamten Region zu stärken. Das erklärt Jakob Richter, Leiter der zentralen Geschäftsstelle der Metropolregion Hamburg: 

"Also für uns als Metropolregion geht es erst mal darum, dass die Unternehmen hierher kommen und nicht nach Barcelona und nicht nach München. Das ist sozusagen unser zentrales Ziel. Und das zentrale Ziel eines Landrats in Harburg oder eines Wirtschaftsförderers im Landkreis Nordwest-Mecklenburg oder in Hamburg ist dann eben zu sagen: 'Komm, die wollen wir aber bei uns haben!' Also, wir haben unseren Job gut gemacht, wenn die zu uns in die Region kommen und die haben ihren Job gut gemacht, wenn sie dann bei sich vor Ort sind."

Die Entscheidungen, welche Projekte überhaupt gefördert werden sollen, welche Schwerpunkte gesetzt werden, darüber entscheidet der so genannte Regionsrat:

"Unser höchstes politisches Gremium, der Regionsrat, trifft sich tatsächlich einmal im Halbjahr. Da sind dann auf Staatssekretärsebene zum Teil die Chefs der Staatskanzleien mit drin. Da sitzen Landräte mit drin, da sitzen Geschäftsführer von Industrie- und Handelskammern mit drin. Da sitzt der DGB mit drin. Also das ist ein bunt gemischtes Gremium von Entscheidungsträgern, die sich eben über die politische Grundausrichtung unterhalten. Und dann gibt es noch ein operatives Gremium, das nennen wir Lenkungsausschuss, das trifft sich sechs Mal im Jahr. Also da wird richtig intensiv gearbeitet, da werden intensiv die Projekte angeguckt, die wir machen."

Eines dieser Projekte ist die Online-Plattform GEFIS. In der Datenbank finden Unternehmen alle Standortdaten von Flächen, die bei einer Neuansiedlung entscheidend sind. GEFIS soll einen schnellen Überblick geben: Über die Verkehrsinfrastruktur an potenziellen Firmenstandorten, über Bebauungspläne oder über die Steuersätze, die dort gelten. Und der sogenannte "Wohn- und Mobilitätsrechner" macht es möglich, sich online genau die Kosten darstellen zu lassen, die bei einem Umzug in Umland fällig werden.

"Da gucken wir uns an: Wie verhalten sich den die Wohnkosten zu den Mobilitätskosten. Das heißt also, ganz platt gesagt: ‚Wann wird es billiger, näher an das große Zentrum ran zuziehen, einfach, weil die Mobilitätskosten so viel höher werden als die Wohnkosten. Und damit hoffen wir einfach, ein Entscheidungsmerkmal zur Verfügung zu stellen, damit Leute sich transparenter entscheiden können. Bürgerinnen und Bürger: Wo ziehen sie denn in der Metropolregion überhaupt hin."

GEFIS steht also nicht nur Firmen zur Verfügung – sondern allen, die überlegen, wo sie leben und wo sie arbeiten und wie sie beides am besten miteinander vereinbaren können.

Radschnellwege und Fahrradautobahnen für mehr Mobilität

In Zukunft sollen die Pendler aus der nahen Stadtumgebung auf so genannte Radschnellwegen oder "Fahrradautobahnen" morgens in die Stadt hinein, abends wieder hinauspendeln. Eine Million Euro steckt die Metropolregion Hamburg in das Projekt. Sechs bis acht Strecken sollen es werden.

Ein Fahrradweg in Köln (Imago)Nach den Vorbildern aus den Niederlanden und Dänemark sollen auch im Hamburger Umland Radschnellwege entstehen (Imago)

Marcus Peter vom Institut für Verkehrsplanung und Logistik an der Technischen Universität Hamburg hat Konzept der Radschnellwege ins Hamburger Umland untersucht. Auch er geht davon aus, dass das neue Wegenetz ein zukunftsweisender Schritt ist. Andere Länder seien auf diesem Gebiet schon viel weiter:

"Also aktuell sind die Vorbilder noch vor allem im Ausland zu finden, nämlich in den Niederlanden natürlich, wo es ein sehr weites oder dichtes Netz von Radschnellwegen gibt. Auch überregionale Radschnellwege. Es gibt Radschnellwege in Kopenhagen. Und beide Beispiele zeigen ja, welches Potenzial das Fahrrad eigentlich hat. In Kopenhagen wird das Fahrrad auf ungefähr 38 Prozent aller Wege genutzt, in Hamburg ist man bei ungefähr 15, 16 Prozent, 25 Prozent sind das Ziel."

Und gleichzeitig werde auch die Verlängerung der S-Bahn-Strecken tiefer hinein ins Hamburger Umland weiter vorangetrieben.

Rund 330.000 Menschen pendeln täglich nach Hamburg

Nach der jüngsten Pendler-Studie sind jeden Tag rund 330.000 Menschen zwischen ihrem Zuhause und der Arbeitsstelle in Hamburg unterwegs. Die Radschnellwege nützen dabei nur denen, die etwa 20 Kilometer dabei zurückzulegen haben. Alle anderen sind entweder auf das Auto oder gute Zugverbindungen angewiesen, auf die "Deutsche Bahn", auf das private Unternehmen "Metronom" oder den HVV, den Hamburger Verkehrsverbund. 

"Also das heißt, wir müssen mit dem HVV darüber reden, wie man tatsächlich weiterhin in die Region kommt. Das tun wir auch, das wird intensiv besprochen in der Metropolregion. Wir haben unsere letzte Regionalkonferenz zum Thema "Nachhaltige Mobilität" gemacht. Da haben wir all diese und viele mehr intensiv besprochen."

Die Uelzener Pendler,  müssen auf diese kostengünstige Anbindung durch den Hamburger Verkehrsverbund noch warten. Rund 2.000 Uelzener pendeln unter der Woche die rund 100 Kilometer nach Hamburg, mit dem privaten Eisenbahnbetrieb Metronom. Von der Einbindung der Kreisstadt ins HVV-Netz würden nicht nur diese Pendler finanziell profitieren, weil dadurch die Ticketpreise sinken. Vorteile hätten auch die Stadt und ihre Wirtschaftsbetriebe, erklärt Uelzens Bürgermeister Jürgen Markwardt:

Weil sich viele Menschen die Mieten in Hamburg nicht leisten können, pendeln sie täglich in die City (dpa, Daniel Reinhardt)Die Autobahn 7 bei Hamburg (dpa, Daniel Reinhardt)

"Es gibt verschiedene Stufen. Es gibt den Vollbeitritt, wo es nicht nur darum geht, Monatskarten zu sponsern, sondern auch Tageskarten. Und das ist natürlich für eine Stadt wie Uelzen das Attraktivste. Das ist einmal ein Riesenvorteil für die Pendler, weil sie einfach günstiger dann nach Hamburg kommen, um dort zu arbeiten. Aber auch genau andersherum. Denn wir brauchen auch hier Fachkräfte in Uelzen.

Und was die Einzelkarten angeht: ich höre ganz oft in Hamburg: ‚Mensch, am Wochenende waren wir da und da!‘ Aber für uns wäre es wichtig, dass sie am Wochenende nicht ‚da und da‘ sind, sondern in Uelzen. Und wenn wir auf dem Fahrplan HVV als Vollmitglied mit aufgetragen sind, ist es viel leichter mit der HVV-Karte einfach mal nach Uelzen zu fahren und sich auch die Stadt anzugucken. Wäre für uns ein toller Vorteil!"

Aber auch ein teuer erkaufter Vorteil. Jedes Jahr fiele für diese Vollmitgliedschaft ein siebenstelliger Betrag an. Viel Geld für eine Stadt mit knapp 35.000 Einwohnern. Aus den Töpfen der Metropolregion Hamburg gibt es keine Mittel für die HVV-Anbindung. Möglicherweise aber vom Land Niedersachsen. Die Verhandlungen laufen noch.

Die Diskussion-, Planungs- und Förderplattform "Metropolregion Hamburg" möchte Jürgen Markwardt nicht missen. Wie seine Bispinger Kollegin Sabine Schlüter betont auch er, wie wichtig die Gespräche untereinander seien, das Abstimmen der Pläne der einen Stadt auf die der Nachbarn. Trotz dieser guten Zusammenarbeit bleibe die Konkurrenz untereinander, um Firmenansiedlungen und Einwohner, auch in der Metropolregion bestehen:

"Im Endeffekt sind alle Kommunen natürlich auf Wachstum ausgelegt, wenn es geht, und auf Attraktivität. Und die meisten tragen auch das Plakat vor, familienfreundlich zu sein und sicherlich wird es auch immer wichtiger, seniorengerecht zu sein. Aber Konkurrenz belebt ja auch das Geschäft. Und ich glaube, dass man von Best-Practice-Beispielen auch viel lernen kann. Deswegen sehe ich das eher nicht als hinderliche Konkurrenz, sondern eher als gegeneinander wachsende Arbeit in die gleiche Richtung."

Henning Vöpel, Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts, bestätigt diese Einschätzung:

"In dem Moment, wo es um die Ansiedlung, also um die Bereitstellung von Flächen geht für Unternehmen, denkt natürlich doch jeder an sich und sagt nicht: ‚Ich habe hier eine Fläche, möchtest du oder kann hier jemandem etwas anbieten?‘ Diese Art von Geben und Nehmen ist schwer zu organisieren."

Unterm Strich, resümiert der Wissenschaftler, mache die Idee der Metropolregion mit einer abgestimmten Wirtschaftspolitik durchaus Sinn. Allerdings würden nicht alle Kommunen und Kreise von dem Konzept und dem Förderinstrumentarium in gleicher Weise wie die Stadt Hamburg profitieren:

"Es ist immer so, dass der Kern natürlich die größte Zentralität ausprägt, also die größte Anziehungskraft für Menschen, für Arbeitnehmer, für Unternehmen haben. Und auch im Kreis der Peripherie um den Kern herum, gibt es einige, die profitieren. Das sind insbesondere solche, die natürlich an der Infrastruktur hängen. Die haben die Chance, davon zu profitieren. Die, die davon ein Stück weg sind, die können eben auch Nachteile dadurch erleiden, dass sie gewissermaßen in einem Boot sitzen, aber nicht direkt an der Infrastruktur liegen. Und insofern sind das sehr unterschiedliche Ausgangsbedingungen."

Nicht alle Komunen profitieren

In den letzten Jahren ist die Metropolregion immer weiter gewachsen, zuletzt um weite Teile Mecklenburg-Vorpommerns. Dass dabei immer nur wirtschaftliche Faktoren im Vordergrund standen, dass also um die Frage ging: Was kann ein Landstrich aus einer rein ökonomischen Logik heraus für die Metropolregion leisten?, das bezweifelt Henning Vöpel.

Reisende stehen in Uelzen (Niedersachsen) auf einem Bahnsteig des Hundertwasser-Bahnhofs. (picture-alliance/epa/Philipp Schulze/dpa)Gemeinden wie Uelze im Hamburger Umland hoffen auf einen Ausbau der Infrastruktur - zum Beispiel hier am Bahnhof (picture-alliance/epa/Philipp Schulze/dpa)

"Die Metropolregion ist tatsächlich in diesem Sinne auch ein politisches Konstrukt und einige wollen zwar dazugehören, wollen irgendwie so ein bisschen partizipieren am Kuchen, der vielleicht dann auch dort liegt und zu holen ist. Aber tatsächlich muss man erkennen, dass räumlich-funktional diese Städte und Regionen zu weit weg sind, um eigentlich wirklich eine Rolle spielen zu können."

Auch Jakob Richter, der Leiter der zentralen Geschäftsstelle der Metropolregion Hamburg, streitet nicht ab, dass die Förderprojekte nicht allen Kommunen gleichermaßen zugutekommen. Ein Instrument, das die Probleme des ländlichen Raums, fernab der Großstädte allein lösen könnte, sei die Metropolregion tatsächlich nicht. Aber sie mache das Wirtschaften leichter:

"Es geht ja letztlich darum, dass sich die gesamte Region entwickelt. Und ehrlich gesagt, ist es ja auch gar nicht schlimm, wenn es eine gewisse Konkurrenz gibt. Im Kern geht es aber darum, dass man eine vertrauensvolle Zusammenarbeit hat. Und das man das auch einfach ausspricht. Also das Schlimmste ist ja, wenn man in der Metropolregion zusammenarbeitet und feststellt, da ist irgendwas verdeckt und an dieser und jener Stelle wird da eine heimliche Agenda von irgendeinem Partner verfolgt. Das ist zum Glück in der Metropolregion Hamburg schon lange nicht mehr so. Also solche Sachen können ausgesprochen werden. Und es gibt eben legitime Eigeninteressen."

Kein Allheilmittel gegen die Landflucht

Im Bispinger Rathaus bestätigt Bürgermeisterin Sabine Schlüter: die Metropolregion Hamburg berge nicht für alle die gleichen Vorteile. Sie sei kein Allheilmittel gegen die Landflucht, gegen fehlende Verkehrsanbindungen oder einen schwächelnden Einzelhandel in Kleinstädten.

Dafür könnten unter dem Dach der Metropolregion Kooperationen entstehen, für die nicht mal zusätzliche Mittel aus den Töpfen des Wirtschaftsverbunds nötig sind. So habe sie als Bürgermeisterin erreichen können, dass die Wirtschaftsförderungsgesellschaft im Landkreis Harburg auch die Gewerbeflächen in Bispingen mit in ihr Vermarktungs-Portfolio aufnimmt.      

"Das ist ein Projekt, wo die kommunale Wirtschaftsfördergesellschaft Harburg die sieben direkt an der A7 liegenden Gewerbegebiete von Stadtgrenze Hamburg bis nach Bispingen, also bis in den Heidekreis rein, gemeinsam vermarktet. Das heißt, jedes Unternehmen, das anfragt, hat sieben Gewerbegebiete zur Auswahl. Und über Landkreisgrenzen hinweg. Das wäre ohne die Metropolregion so nicht zustande gekommen."

In Uelzen setzt Bürgermeister Jürgen Markwardt vor allem auf den Weiterbau der Autobahn 39. Von Wolfsburg kommend soll sie Ende der 2020er-Jahre eine durchgehende Verbindung zum Autobahnkreuz Maschen schaffen. Und Uelzen viel stärker als bisher in den Fokus von Menschen rücken, die in Hamburg arbeiten, aber die steigenden Mieten im Zentrum der Metropolregion nicht mehr zahlen wollen.

"Wenn dieser unfassbare Hunger nach Fläche und nach Wohnraum aus Hamburg auf das unfassbar günstige Angebot hier in Uelzen trifft, dann wird das funktionieren. Da muss ich kein Wirtschaftsweiser sein. Das ist ein Trend, der sich zurzeit sich bis nach Lüneburg, vielleicht bis nach Bienenbüttel abzeichnet und bei uns noch nicht so ganz ankommt. Aber die ersten Vorbereitungsmaßnahmen im Hintergrund, weil die A39 ja nun geplant ist, die beginnen. Wir haben jetzt in den letzten Jahren wieder deutlich mehr Nachfragen nach Baugebieten und nach Baugrundstücken. Das war mal abebbend und ist jetzt in den letzten Jahren immer nur ansteigend."

Und so hofft Jürgen Markwardt, dass die Bande, die in der Metropolregion entstehen, mit den Jahren immer stärker werden. Und dadurch mehr Unternehmen auf die Idee kommen, in Uelzen zu investieren. Auch wenn man hier, am äußeren Rand des Verbundes, ebenso gut wie überall weiß: Die Metropolregion Hamburg kann gute Strukturpolitik in der Region nur ergänzen - nicht ersetzen.

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