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StartseiteTag für TagDas gespenstische Szenario eines islamischen Gottesstaates 14.01.2015

Michel Houellebecq Das gespenstische Szenario eines islamischen Gottesstaates

Am Tag des Anschlags auf die Redaktion von "Charlie Hebdo" erschien in Frankreich Michel Houellebecqs neuer Roman "Unterwerfung". Darin beschreibt der Autor das Leben in Frankreich unter einer muslimischen Regierung im Jahr 2022. In Deutschland erscheint Houellebecqs Roman "Unterwerfung" am Freitag.

Von Brigitte Neumann

French writer Michel Houellebecq poses during the photocall of the movie "Near Death Experience" presented in the Orizzonti selection at the 71st Venice Film Festival on September 1st, 2014 (AFP / Gabriel Bouys)
Der französische Schriftsteller Michel Houellebecq auf dem Filmfestival in Venedig (AFP / Gabriel Bouys)

Erinnern wir uns: 2001 wurde Houellebecq der Prozess gemacht, weil er gesagt hatte, der Islam sei die dümmste Religion, die es gibt. 2015 erscheint sein Roman "Soumission/Unterwerfung", eine, wie er sagt "politische Fiktion", und darin beschreibt er nun den Islam als machtvolle Religion und als stärkste politische Kraft in Europa. Der Autor sagt:

"Wenn Sie ein Buch lesen, dann deshalb, um zu sehen, wie ein anderes menschliches Wesen die Welt begreift. Sie erwarten doch keine Richtlinien oder Anweisungen. Sondern nur eine Spiegelung der Welt auf künstlerische Weise."

Frankreich im Jahr 2022: Die "Bruderschaft der Muslime" stellt den Präsidenten, und zwar als Ergebnis demokratischer Wahlen und in einer Koalition mit den zur Bedeutungslosigkeit geschrumpften Regierungsparteien der letzten Dekaden. Wieso haben über 20 Prozent der Franzosen die Muslimbrüder gewählt? Frankreich ging an seiner eigenen inneren Leere zugrunde. Was bleibt? Der Islam.

Eine Frau list in Michel Houellebecqs Roman "Soumission". (BERTRAND GUAY / AFP)Eine Frau list in Michel Houellebecqs Roman "Soumission". (BERTRAND GUAY / AFP)

Der Lauf der Welt – wie Houellebecq ihn sieht - hat ergeben, dass die Ur-Europäer keine Idee mehr haben, wie es weitergehen soll. Nicht so Mohammed Ben Abbes, der neue Präsident Frankreichs. Er weiß, was er will: Nämlich Europa in Richtung Maghreb und Türkei erweitern, um so ein europäisch-islamisches Großreich zu schaffen. Aber erst einmal muss er die Franzosen ruhig stellen. Das gelingt ihm erstaunlich schnell, denn die wirtschaftlich zerrüttete, von bürgerkriegsähnlichen Zuständen verunsicherte Nation, hat nur einen Wunsch: Ordnung und Sicherheit. Für Ben Abbes ein Leichtes.

Einmal an der Macht verordnet er die Islamisierung der gesamten Gesellschaft, was vor allen Dingen bedeutet, dass die Frauen zurück ins Haus müssen. Die Unterwerfung der Frauen ist der eigentliche Zweck dieses Paradigmenwechsels, so sieht es jedenfalls Houellebecqs Hauptfigur Francois, ein Literaturprofessors an der "Islamischen Universität Paris-Sorbonne". Francois ist einer der typischen Romanhelden Houellebecqs: ein lebensmüder Säufer, gequält von Fußpilz und Einsamkeit und stets auf der Suche nach Sex. Er nimmt das Angebot des neuen Universitätspräsidenten Robert Rediger an: Er konvertiert und bekommt zusätzlich zu einem gut dotierten Posten das Recht auf drei junge Ehefrauen.

 

Michel Houellebecq: "Unterwerfung"
Aus dem Französischen von Norma Cassau und Bernd Wilczek
300 Seiten, erscheint am 16. .2015, DuMont Verlag, 22,99 Euro

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