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StartseiteVerbrauchertippErnten auf Zeit09.07.2020

MietackerErnten auf Zeit

Wer keinen eigenen Garten hat, muss auf selbstgezogenes Gemüse und Obst nicht verzichten. Denn es gibt zahlreicher sogenannte Mietacker-und Saisongarten-Angebote. Die Mieten und Leistungen fallen allerdings sehr unterschiedlich aus, daher gilt: vorher gründlich informieren.

Von Angelika Gördes-Giesen

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Eine Hand hält eine lilafarbene Kartoffelblüte auf dem Feld des Biolandgartens von Bio-Landwirt Benjamin Herkner. (picture alliance / Jens Kalaene)
Gemüse vom eigenen Acker ist nicht unbedingt preiswerter als das im Supermarkt (picture alliance / Jens Kalaene)
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Einen Gemüsegarten zur Eigenversorgung wünschen sich immer mehr, aber Schrebergärten sind oft zu groß, zu teurer und die Wartezeiten sind lang. Ganz anders sogenannte Miet- oder Saisongärten. Klein aber effektiv, sagt Natalie Kirchbaumer, die Gründerin von "meine-ernte.de" Ihr Motto: "Wir pflanzen, Sie ernten", aber es gibt keine Schrebergarten-Romantik, nur Beet-Reihen: "Wir möchten, dass es eine natürliche große Fläche bleibt, die möglichst grün und bunt ist und deswegen gibt es zwischen den einzelnen Gärten nur Trampelpfade."

Der Gartenstandort sollte auf jeden Falls gut erreichbar sein, damit es auch Spaß macht, sich ein ganzes Jahr lang um Salat und Co zu kümmern. Zwei bis drei Stunden Gartenarbeit muss man pro Woche schon rechnen. Angeboten werden verschiedene Gartengrößen: 30, 45 oder 80 Quadratmeter große Flächen, aufgeteilt in mehrere Reihen. Bevor man mietet, sollte man sich überlegen, ob sich das auch finanziell lohnt. Jürgen Hess, Fachbereichsleiter für Ökologischen Land- und Pflanzenbau an der Uni Kassel, hat nachgerechnet:
 
"Wir haben das immer mal wieder berechnet, zunächst mal für die 80-Quadratmeter-Parzelle. Und wenn ich zum gleichen Zeitpunkt das Biogemüse im Supermarkt kaufen würde, dann kommen wir zu einem Wert, der liegt zwischen 500 und1.000 Euro. In der Dimension bewegt sich das und in der Regel wird auf den Flächen auch Überschuss erzeugt. Und dann kann man auch mal seinen Nachbarn mit Salat, einer Gurke beglücken oder auch mal mit einer Möhre."

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Mietpreise variieren

Mietpreise zu vergleichen lohnt sich, denn auch Landwirte bieten mittlerweile Saisongärten direkt auf dem Bauernhof an. Das Konzept des Saisongartens ist einfach: Außer ein paar Gummistiefeln müssen man nichts mitbringen, erklärt Antonia Hanhardt, die in Münster mit anderen Auszubildenden das Startup "Junges Gemüse" gegründet hat.

"70 Prozent der Fläche des Beetes ist vorgepflanzt. 30 Prozent sind dann noch da für den Gärtner zur Eigenverfügung. Man gießt natürlich so gut es geht selber, wenn man die Zeit dazu hat. Wir haben aber auch John auf dem Feld, der für unsere Gärtner auch noch da ist und mal mit drüber geht und guckt, wenn es mal besonders trocken ist an den heißen Tagen und gießt, wenn er sieht, wo noch Wasser benötigt wird."

Ob solche Service-Leistungen im Preis inbegriffen sind, das regeln die Allgemeinen Geschäftsbedingungen und der Mietvertrag, so die Erfahrungen von Jürgen Hess:

"Die Preisgestaltung ist in den einzelnen Projekten sehr unterschiedlich. Es kommt ja auch immer auf die Zusatzleistungen an. Wenn zum Beispiel auch Obst angeboten wird oder Kochkurse oder sonstige Dinge. Das ist ja von Projekt zu Projekt sehr unterschiedlich."

Vertragsleistungen nachfragen

Die Flächen, die man mietet, werden einmal aufbereitet, gedüngt und eingesät. Alles weitere erfolgt dann in Eigenregie, aber es gibt Regeln, sowohl beim Pflanzenschutz, der Unkrautbekämpfung und beim Düngen. Man kann wählen zwischen ökologischem oder konventionellem Garten, das regelt der Mietvertrag.

"Das würde ich als Verbraucher, Verbraucherin natürlich nachfragen. Stark verunkrautete Flächen werden vom Betrieb abgehäckselt. So etwas gibt es durchaus in Nutzervereinbarungen."

Und darauf sollte man achten. Und wer sich für einen Biogarten entscheidet, muss sich streng an die Regeln halten, so die Erfahrung von Jürgen Hess:

"Biobetriebe werden ja kontrolliert und wenn dann ein Kontrolleur feststellen würde, dass in der Selbsternte einer der Gärtner ein Herbizid einsetzt, dann würde der Betrieb dafür sanktioniert werden."

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