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StartseiteVerbrauchertippAnspruch auf Wohngeld prüfen28.01.2020

Mieter und WohnungseigentümerAnspruch auf Wohngeld prüfen

Wenn ein Großteil des Einkommens für Miete aufgewandt werden muss, kann es finanziell eng werden. In solchen Fällen besteht ein Anspruch auf einen Zuschuss vom Staat: Etwa 480.000 Haushalte erhalten Wohngeld. Nach Schätzungen hätten aber rund eine Million Haushalte Anspruch - auf bis zu 150 Euro pro Monat.

Von Klaus Deuse

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Zwei Altbauten stehen in Kreuzberg nebeneinander. Das eine Haus (r) ist saniert, das andere nicht.  (dpa/ picture alliance/ Wolfram Steinberg)
Für Wohngeld sind drei Kriterien entscheidend: Wie teuer sind Wohnungen an einem Wohnort, wie groß ist das Einkommen und wie hoch die tatsächliche Mietbelastung? (dpa/ picture alliance/ Wolfram Steinberg)
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Wer eine hohe Miete hat, der sollte nicht zögern, seinen Anspruch auf Wohngeld zu überprüfen, sagt Matthias Urbach vom Verbraucher-Ratgeber Finanztip. Denn:

"Beim Wohngeld ist es so, dass der Gesetzgeber möchte, dass Leute, die vorübergehend finanziell in Engpässen sind oder die auch einfach insgesamt nicht so ein starkes Einkommen haben, trotzdem in ihrem sozialen Umfeld wohnen bleiben können."

Dass viele Berechtigte den Antrag nicht stellen, führt Matthias Urbach auf falsch verstandene Scham und die Befürchtung zurück, dass sie nur Anspruch auf eine bestimmte Wohnungsgröße hätten und in eine kleinere Wohnung umziehen müssten.

"Das ist falsch. Das gilt nur bei Sozialhilfe, bei der Grundsicherung. Beim Wohngeld werden solche Vorschriften nicht gemacht."

Drei entscheidende Kriterien fürs Wohngeld

Für die Höhe des Wohngeldes gibt es allerdings keine bundeseinheitliche Einkommensgrenze. Bei der Berechnung kommt es auf drei Kriterien an. Matthias Urbach:

"Nämlich einerseits wie teuer die Wohnungen in einem Wohnort sind, wie groß das Einkommen ist und wie hoch die tatsächliche Mietbelastung ist."

Die Höhe des Zuschusses hängt auch davon ab, wie viele Personen in dem Haushalt leben. Eine vierköpfige Familie in Berlin beispielsweise kann bei einem Bruttoeinkommen von 2.300 Euro und einer Miete von 700 Euro mit etwa 240 Euro Wohngeld rechnen. Bei einem Einkommen ab 3.000 Euro gäbe es nichts. Vorhandenes Vermögen wird übrigens erst ab einer beträchtlichen Summe berücksichtigt. So steht etwa Alleinlebenden ein Freibetrag von 60.000 Euro zu.

"Und für jedes weitere Haushaltsmitglied kommen 30.000 Euro dazu. Also als Beispiel: Eine vierköpfige Familie hat dann 150.000 Euro, was als Vermögen nicht angetastet wird, wenn sie Wohngeld beantragen."

Auch Wohnungseigentümer sind anspruchsberechtigt

Wohngeld gibt es aber nicht nur Mieter. Auch Eigentümer von Wohnungen oder Einfamilienhäusern können diese Unterstützung erhalten, wenn sie selbst darin wohnen und knapp bei Kasse sind. Diese Form von Wohngeld nennt sich Lastenzuschuss. Auch den beantragt man bei den Wohnungsämtern der Kommunen.

"Zu den Kosten, die Sie als Hausbesitzer zum Ansatz bringen können, gehören halt Versicherungen, dazu gehören Instandhaltungskosten, dazu gehören Zinsen und Tilgung bei der Bank, Verwaltungskosten. Auch in einem bestimmten Maße Heizungskosten." 

Deutlich erhöhte Bemessungsgrundlagen

Nach den bis Ende 2019 geltenden Sätzen liegt dieser Lastenzuschuss im Schnitt bei 215 Euro im Monat. Mit dem am 1. Januar in Kraft getretenen Wohngeldstärkungsgesetz wurden die Bemessungsgrundlagen allerdings deutlich erhöht.

"Der Zuschuss steigt um etwa 30 Prozent für die, die schon jetzt Wohngeld berechtigt sind. Und gleichzeitig erhöht sich der Kreis derjenigen, die Wohngeld bekommen könnten, um etwa 40 Prozent."

Oft auch Anspruch auf den Kindergeldzuschlag

Für diejenigen, die in der Vergangenheit kein Wohngeld bekommen haben, kann es sich also durchaus lohnen, ihren Anspruch noch einmal zu prüfen. Und Familien, die bereits Wohngeld beziehen, haben oft auch Anspruch auf den Kindergeldzuschlag. Ganz unabhängig vom Kindergeld. 

"Und der Kinderzuschlag kann pro Kind im Monat 185 Euro betragen. Natürlich je nach Einkommenshöhe. Also wer Wohngeld beantragt, sollte in jedem Fall schauen, ob er bei der Familienkasse Anspruch auf Kindergeldzuschlag hat."

Hilfe beim Ausfüllen der Wohngeldanträge leisten neben den Mitarbeitern in den Ämtern auch Mietervereine und Beratungsstellen der Arbeiterwohlfahrt, der Caritas und der Diakonie.

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