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StartseiteVerbrauchertippNebenkostenabrechnungen genau prüfen28.01.2019

MietrechtNebenkostenabrechnungen genau prüfen

Einmal im Jahr bekommt sie jeder Mieter: die Nebenkostenabrechnung des Vermieters für das abgelaufene Jahr. Hier sollte man nach der Devise verfahren "Kontrolle ist besser als Vertrauen". Das gilt vor allem für die Warmwasserkosten - denn die werden häufig falsch berechnet.

Von Klaus Deuse

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Nebenkostenabrechnung mit Kugelschreiber und Taschenrechner Charge settlement with pen and calculator BLWX062476 Copyright: xblickwinkel/McPhotox/RalphxKerpax In addition to cost accounting with Pen and Calculator Charge Settlement With Pen and calculator Copyright xblickwinkel McPHOTOx RalphxKerpax (imago / xblickwinkel)
Abrechnung der Nebenkosten: Hat man Bedenken, dass die Berechnung nicht stimmt, sollte man nicht gleich zahlen (imago / xblickwinkel)
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Nebenkosten- und Heizkostenabrechnungen sollte man grundsätzlich prüfen, sagt Aichard Hoffmann vom Mieterverein Bochum.

"Auch dann, wenn man keine hohe Nachzahlung hat, weil nach unseren Erfahrungen diese Abrechnungen sehr häufig falsch sind, und zwar immer zum Nachteil des Mieters falsch."

Nach einer Untersuchung des Verbraucherportals Finanztip kann das daran liegen, dass viele Vermieter den Energieverbrauch für warmes Wasser falsch berechnen, indem sie nur die Wassermenge messen und daraus den Energieverbrauch ableiten. Falls der Anteil für die Warmwasseraufbereitung mehr als 30 Prozent der gesamten Energiekosten ausmacht, sollte man genau hinsehen. Lässt sich ein Berechnungsfehler nachweisen, haben Mieter das Recht, die Warmwasserkosten pauschal um 15 Prozent zu kürzen.

Umlegungsfähig sind alle kommunalen Gebühren wie zum Beispiel für Straßenreinigung, Müllabfuhr, Wasser, Entwässerung und Grundsteuer. Hinzu kommen, so Aichard Hoffmann, weitere Ausgaben für den Betrieb eines Mietshauses.

"Beispielsweise der Schornsteinfeger, Hausmeister, wenn es einen gibt, Aufzugswartung, Grünpflege und solche Dinge, die also regelmäßig anfallen. Das ist ein wichtiges Kriterium."

Zur Überprüfung ein Jahr Zeit

Führt ein Hausmeister aber Reparaturen durch oder übernimmt Verwaltungsaufgaben, dann können diese Kosten nicht auf die Mieter umgelegt werden, erläutert Dr. Stefanie Vornholz von Haus und Grundeigentümer Bochum e.V.

"Hausmeisterkosten dürfen nur dann umgelegt werden, wenn der Hausmeister solche Aufgaben übernimmt wie Bedienung, Kontrolle der Heizung, Aufzug, Überwachungsarbeiten. Auch Reinigungsarbeiten, Gartenpflegearbeiten, Hausreinigungsarbeiten. Dann kann man die Kosten für den Hausmeister abrechnen."

Bei der Abrechnung des Wassergeldes sollte man genau hinschauen. Dabei kommt es nach den Worten von Stefanie Vornholz auf den im Mietvertrag festgelegten Verteilerschlüssel an:

"Typischerweise werden Verteilungsschlüssel vereinbart wie zu Beispiel Verteilung nach Personen. Verteilung nach Punkten, wenn Personen und Räume kombiniert werden. Gesetzlicher Auffangtatbestand wäre Verteilung nach Quadratmetern Wohnfläche."

Zur Überprüfung der Nebenkostenabrechnung haben Mieter ein Jahr Zeit. Und sie haben das Recht, alle Unterlagen einzusehen, betont Aichard Hoffmann:

"Über alles, was in Nebenkostenrechnungen steht, muss es ja irgendwo Rechnungen geben, die beweisen, dass der Vermieter das gezahlt hat. Und die müssen auch so aufbereitet sein, dass man als Mieter die mühelos zuordnen kann. Es geht nicht, dass der Vermieter zwei dicke Aktenordner auf den Tisch klatscht und sagt: Hier, suchen Sie sich das Passende raus."

Fehler müssen korrigiert werden

Sollten sich Fehler herausstellen, muss die Abrechnung korrigiert werden. Hat man Bedenken, dass die Abrechnung nicht stimmt, sollte man nicht gleich zahlen. Denn durch die Zahlung erkennt man letztlich den geforderten Betrag an. In Zweifelsfällen rät Aichard Hoffmann darum bei einer Zahlung zu dem ausdrücklichen Hinweis: Nur unter Vorbehalt:

"Dann kann ich also auch später noch, wenn ich mit meiner Überprüfung glaube fertig zu sein, jetzt eventuell dann Rechtsmittel einlegen."

Übrigens: Auch wenn man die Nebenkostenabrechnung zunächst nicht bezahlt, muss kein Mieter deshalb die Kündigung befürchten. Ein Grund für eine Kündigung, so Stefanie Vornholz, besteht erst dann

"... wenn die Miete nicht bezahlt wird, wenn ein Rückstand von zwei Monatsmieten erreicht ist."

Einschließlich der monatlich fälligen Nebenkosten.

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