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StartseiteVerbrauchertippRegeln für die Grillparty auf dem Balkon08.06.2018

MietrechtRegeln für die Grillparty auf dem Balkon

Grillen, feiern und ein paar Drinks auf dem Balkon: Dazu laden laue Sommernächte ein. Doch Vorsicht ist geboten. Zwar ist auf dem eigenen Balkon vieles erlaubt, aber es gilt einige Regeln zu beachten, um Nachbarn nicht zu stören - und Abmahnungen des Vermieters zu vermeiden.

Von Claudia Ullrich-Schiwon

Ein gebräunter Mann mit grau melierten Haaren grillt auf einem Balkon. (imago / Westend61)
Grillparty auf dem Balkon - bei Lärm und starker Rauchentwicklung gibt es schnell Ärger mit den Nachbarn (imago / Westend61)
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Ganz oben auf der Hitliste der möglichen Ärgernisse in Mehrfamilienhäusern ist das laute Feiern und Grillen. Oft zum Leidwesen der Nachbarn.

"Als wir eigentlich schön grillten und so eine richtig coole WG-Party hatten, stand plötzlich die Feuerwehr vor der Tür. Die Nachbarn hatten die gerufen, ohne uns Bescheid zu sagen. Wir haben dann einfach ganz schnell Sand auf den Holzkohlegrill geschmissen und bezahlen mussten wir dann glücklicherweise nichts."

Nicht mit Holzkohle grillen

Im Prinzip ist fast alles auf dem Balkon oder Terrasse erlaubt, denn sie gehören zur gemieteten Wohnung, sagt der Hamburger Fachanwalt für Mietrecht, Heiko Pätzmann und erläutert am Beispiel Grillen:

"Das Grillen ist grundsätzlich eine Ausprägung des Mietgebrauchs und der Nutzung der Wohnung, da ist der Mieter so lange in seinem Verhalten und Gewohnheiten frei, solange er andere Mieter nicht beeinträchtigt."

Diese freie Nutzung kann durch eine Hausordnung oder einen Mietvertrag eingeschränkt werden. Es lohnt sich daher zu prüfen, was ist erlaubt und was nicht. Martin Waltring, stellvertretender Geschäftsführer der Wohn+Stadtbau Münster mit über 7.500 Mietwohnungen, nennt ein Beispiel:

"Das Verbot mit Holzkohle zu grillen, weil man davon ausgehen kann die Beeinträchtigungen für Dritte an der Stelle zu groß sind."

Ab 22:00 Uhr Nachtruhe

Wenn Rauch und Qualm in andere Wohnungen dringt, kann auch ein Verstoß gegen das Immissionsschutzgesetz vorliegen. Das kann ein Bußgeld zur Folge haben. Der Deutsche Mieterbund rät deshalb zu Elektro- oder Gasgrills. Auch die Lärmbelästigung ist besonders im Sommer ein Thema. Party, laute Musik, das hat spätestens um 22 Uhr ein Ende. So steht es in den meisten Hausordnungen. Der Deutsche Mieterbund rät deshalb zum Rückzug in die Wohnung, Türen schließen und Musik leiser stellen. Ein weitere Tipp: am Besten vorher die Nachbarn informieren mit der Bitte um Verständnis. Das sei leider nicht selbstverständlich, sagt Martin Waltring von der Wohn+Stadtbau Münster:

"Durchaus stellen wir fest, dass die Gesellschaft streitbarer wird, dass es an der Kommunikation mangelt."

Es zählt immer der Einzelfall

Mancher Nachbarschaftsstreit landet dann am Ende doch vor Gericht. Fachanwalt Heiko Pätzmann:

"Es gibt so eine ganze Reihe von Rechtsprechungen, die zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen geführt haben. Es ist immer im Einzelfall zu bewerten und im Einzelfall auch zu entscheiden."

Aus diesen Urteilen ließen sich keine generellen Verhaltensregeln für andere Streitfälle ableiten, betont der Fachanwalt. Jedoch nach einhelliger Ansicht der Gerichte gelte immer das Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme.

Wenn die Abmahnung nichts bringt

Zoff gibt es zudem wegen lauten Telefonierens oder Kettenrauchens auf dem Balkon. Sowie Blumengießen: Schnell tropft da das Wasser auf dem unteren Balkon und herunterfallende Blumenblätter landen zum Ärger der Betroffenen auf dem Kaffeetisch.

Aufgehängte Wäsche, sichtbar auf einem gespannten Seil, geht gar nicht. Da hilft beispielsweise ein kleiner Wäscheständer, rät der Deutsche Mieterbund. Der Balkon sei auch kein Abstellraum und keine Müllablage. Reagiert der Mieter auf wiederholte Ermahnung des Vermieters nicht, so flattert eine schriftliche Abmahnung ins Haus. Fachanwalt Heiko Pätzmann:

"In der Abmahnung muss aufgeführt sein, welcher Verstoß konkret vorgeworfen wird, um sich dann möglicherweise anders zu verhalten."

Wenn Ermahnung sowie Abmahnung nichts bewirken, kann der Vermieter wegen vertragswidrigen Verhaltens dem Mieter kündigen.

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