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StartseiteVerbrauchertippKündigung trotz finanzieller Notlage vermeiden12.06.2019

MietschuldenKündigung trotz finanzieller Notlage vermeiden

Wer in Mietrückstand gerät, sollte sich schnell um Hilfe bemühen: beim Jobcenter, einer Schuldnerberatung oder dem Sozialamt. Doch um eine drohende Kündigung abzuwenden, ist auch der Dialog zwischen Mietern und Vermietern wichtig.

Von Niklas Potthoff

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Unglückliches Paar auf einer Wippe mit Dollarsack über einem Haus  (imago stock&people/Gary Waters)
Bei Mietschulden gibt es zahlreiche Hilfen, bevor es zur Kündigung kommt. (imago stock&people/Gary Waters)
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Thema: Wohnen in Deutschland (picture alliance / dpa / Wolfram Steinberg) (picture alliance / dpa / Wolfram Steinberg)

Wohnen in Deutschland Teure Mieten, wenig Wohnraum, viel Redebedarf

Sei es durch Arbeitslosigkeit, einen Unfall oder finanzielles Missmanagement: Schnell kann man in die Lage kommen, die Miete für seine Wohnung nicht bezahlen zu können. Wichtig ist, dass man als Mieter dann schnell handelt, so Hans-Jörg Depel, Geschäftsführer des Mietervereins Köln.

"Dann sollte er insofern gucken, dass er selbst gegebenenfalls eine Schuldnerberatung aufsucht. Oder schaut, ob er hier einen Anspruch hat gegenüber dem Jobcenter oder dem Sozialamt, dass die seine Miete übernehmen, gegebenenfalls als Darlehen oder Beihilfe."

Beim Jobcenter kann ein Antrag auf Mietschulden-Übernahme gestellt werden. Dabei gibt es Voraussetzungen - zum Beispiel, dass die Wohnung eine dem Einkommen angemessene Größe besitzt. Wer kein Arbeitslosengeld bekommt, kann beim Sozialamt einen Antrag auf die Übernahme der Schulden stellen. Auch die Beantragung von Wohngeld ist für einkommensschwache Mietparteien eine Option.

"Und wenn das alles nicht der Fall ist, würde ich sogar raten, offensiv das Gespräch mit dem Vermieter zu suchen, darauf hinzuweisen das man sich kurzfristig in einer Notlage befindet, damit dort eine Lösung gefunden wird, eine gemeinsame Lösung."

Kommunikation besser als Kündigung

Das wichtigste sei die klare Kommunikation, bevor es zu einer Kündigung oder einem Rechtsprozess kommt. Auf den legen auch Vermieter keinen Wert. Bei einem erstmaligen Mietausfall rät Andreas Geyer, Rechtsexperte der Interessensgemeinschaft Haus und Grund, zur Mahnung:

"Bei der ersten rückständigen Miete sollte man erstmal anmahnen, dass man wohl vergessen hat, die Miete zu überweisen. Eine einfache Zahlungsaufforderung, das alles dann auch schriftlich, damit man das auch dokumentiert."

Diese Dokumentation braucht es für den Vermieter. Wenn sich die Zahlungsausfälle wiederholen, sollte eine Abmahnung folgen. Dies gibt der Forderung Nachdruck. Auch, wenn es sich um ansonsten zuverlässige Mieter handelt, bei denen so ein Vorgang einem Vermieter schwerfallen könne:

"Es gibt viele Mietverhältnisse, die über Jahre gewachsen sind und wo man den Mieter auch kennt und auch vielleicht schätzen gelernt hat. Dann wäre vielleicht so eine Abmahnung zuviel des Guten im zwischenmenschlichen Bereich, aber man will ja rechtlich sicher sein."

Fristen bei Mietausfällen klar geregelt

Kommt es zu wiederholten Mietausfällen rät Geyer zur Kündigung des Mietverhältnisses. Das geht fristgerecht - unter Umständen aber auch fristlos:

"Beim Thema Mietrückstand muss der Mieter zwei Monate in Folge mit der Miete rückständig sein, also zwei Monatsmieten. Es reicht aber nach Gesetz aus: eine Monatsmiete plus ein Cent."

Spricht der Vermieter die fristlose Kündigung aus, kann der Mieter diese durch eine Begleichung der Schulden unwirksam machen. Ansonsten muss er nach 14 Tagen die Wohnung räumen. Eine solche Nachzahlung ist jedoch nur einmal in zwei Jahren möglich. Stellt der Vermieter zusätzlich zur fristlosen noch eine ordentliche fristgerechte Kündigung, bleibt diese auch nach Zahlung der Mietrückstände bestehen.

Mieterverein: "Mieterverhältnis wie eine Beziehung"

Wichtig sei, dass der Vermieter schaut, ob es sich nur um einen vorübergehenden oder dauerhaften Zustand handelt. Auch auf Mieterseite sollte man Verständnis für die Forderungen des Vermieters einbringen. Da helfe der Dialog, so Depel:

"Häufig schaukelt sich ein Mietverhältnis hoch. Von beiden Seiten wird dann häufig direkt gefordert, anstelle dass man nett bittet um etwas. Und das ist eine Sache, wo der andere sich direkt verletzt fühlt. Ein Mieterverhältnis ist wie ein Dauerschuldverhältnis, das ist ein bisschen wie eine Ehe, eine Freundschaft, eine Beziehung. Wo man schauen muss manchmal, wie man miteinander umgeht."

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