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MigrationsberichtZuwanderung nach Deutschland auf Rekordhoch

Zuwanderer aus verschiedenen Ländern nehmen am 18.09.2014 in Berlin an einem "Integrationskurs Deutsch" im Sprach- und Integrationszentrum in der Braunschweiger Straße in Neukölln teil. (dpa / picture-alliance / Jens Kalaene)
Menschen bei einem "Integrationskurs Deutsch" in Berlin-Neukölln. (dpa / picture-alliance / Jens Kalaene)

Deutschland hat 2015 die höchste Zahl an Zuwanderern seit Beginn der Aufzeichnung der Daten 1952 verzeichnet. Hauptgrund ist die hohe Zahl Asylsuchender. Aber auch bei anderen Europäern ist Deutschland beliebt.

Wie aus dem am Mittwoch vom Bundeskabinett verabschiedeten Migrationsbericht hervorgeht, wurden 2015 insgesamt 2,14 Millionen Zuzüge registriert - ein Anstieg um 45,9 Prozent gegenüber dem bereits zuwanderungsstarken 2014. Gleichzeitig zogen 2015 knapp eine Million Menschen aus Deutschland weg, womit ein Zuwanderungsgewinn von rund 1,14 Millionen Menschen bleibt. 2014 lag dieser Saldo bei 550.000 Menschen. Knapp drei Viertel der Zuwanderung entfielen auf die Länder Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Bayern, Niedersachsen und Hessen.

Der starke Anstieg im vergangenen Jahr ist vor allem auf die hohe Zahl Asylsuchender zurückzuführen. Rund 890.000 Flüchtlinge kamen 2015 in die Bundesrepublik. 

Zwischen 4,4 und 4,7 Millionen Muslime leben in Deutschland

Erstmals erhob der Bericht die Zahl der Muslime in Deutschland. Demnach lebten zum Stichtag 31. Dezember 2015 zwischen 4,4 und 4,7 Millionen Muslime in Deutschland. Der Anteil der Muslime an der Gesamtbevölkerung liegt damit zwischen 5,4 und 5,7 Prozent. Seit dem letzten Zensus im Jahr 2011 bedeutet das einen Zuwachs von rund 1,2 Millionen muslimischen Menschen, rund jeder vierte Muslim ist somit erst kürzlich nach Deutschland gekommen. Und dies vorrangig aus bislang in Deutschland weniger vertretenen Herkunftsregionen, so etwa dem Nahen Osten und Süd-/Südostasien. "Der Anteil der Muslime mit türkischen Wurzeln ist hierdurch von 68 Prozent im Jahr 2008 auf 51 Prozent im Dezember 2015 gesunken", heißt es in dem Bericht. Muslime aus dem Nahen Osten stellen dem Bericht zu folge nun mit 17 Prozent die zweitgrößten Herkunftsgruppe dar. 

Erstmals war das im Krieg versinkende Syrien Hauptherkunftsland der Zuwanderer in Deutschland. Gezählt wurden rund 327.000 Zuzüge. Auf dem zweiten Platz folgte Rumänien, auf dem dritten Polen. Um fast 30 Prozent ist der Zuzug von Familienangehörigen gestiegen. Mehr als 82.000 Familiennachzüge wurden im Ausländerzentralregister verzeichnet. Insbesondere der Zuzug von Syrern zu Angehörigen nach Deutschland stieg (knapp 16.000 Zuzüge). In den ersten sechs Monaten dieses Jahres wurden den Angaben zufolge 44.000 Visa für den Familiennachzug erteilt. Im ersten Quartal sind demnach 4.289 zu Angehörigen nach Deutschland gekommen.

Deutsche schätzen muslimischen Bevölkerungsanteil zu hoch ein

Die gefühlte Wahrheit ist in Deutschland und in Europa eine andere. Das Meinungsforschungsinstitut Ipsos veröffentlichte eine Umfrage, nach der die deutschen Bürger den Anteil von Muslimen an der Bevölkerung auf 21 Prozent schätzen - und damit rund 16 Prozent über der Realität liegen. Nur in Frankreich und in Italien gingen Schätzung und Wirklichkeit noch weiter auseinander.

Viele Frauen aus Thailand, wenige aus Pakistan

Thailand, Kasachstan und Russland sind derweil die einzigen Staaten, aus denen 2015 überproportional viele Frauen kamen. Gut 72 Prozent der neu Zugezogenen aus Thailand im vergangenen Jahr waren weiblich. Bei den Zuwanderern aus Russland und Kasachstan lag der Frauenanteil bei jeweils rund 60 Prozent.

Den höchsten Männeranteil unter den zugezogenen Ausländern stellten die Behörden für das Herkunftsland Pakistan (90 Prozent) fest. Bei den Zuwanderern aus Marokko, Somalia, Afghanistan, Syrien und dem Irak lag der Anteil der Männer bei jeweils mehr als 70 Prozent.

Der Migrationsbericht

Der Migrationsbericht gibt jährlich detailliert Auskunft über die Wanderungen von und nach Deutschland. Erstellt wird der Bericht vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, auf dessen Internetseiten es eine Übersicht mit den Berichten der vergangenen Jahre gibt.

Deutschland auch bei Europäern beliebt

Deutschland war 2015 aber erneut auch bei anderen Europäern beliebtes Zielland. 45 Prozent der Zuwanderer kamen 2015 aus einem EU-Mitgliedstaat - sechs Prozent davon waren Deutsche. Zusätzliche 13 Prozent waren Bürger eines anderen europäischen Landes. 30 Prozent der Migranten und Asylsuchenden kamen aus asiatischen Ländern, fünf Prozent aus afrikanischen Ländern.

Insgesamt hätten von 81,4 Millionen Einwohnern 17,1 Millionen Menschen einen Migrationshintergrund. In Deutschland lebten im vergangenen Jahr rund 7,8 Millionen Ausländer, von denen 1,3 Millionen in Deutschland geboren und aufgewachsen seien, fast 54 Prozent der ausländischen Bevölkerung lebt danach 10 Jahre und länger in Deutschland, etwa 36 Prozent seit mindestens 20 Jahren und 20 Prozent schon seit 30 Jahren.

(nch/fwa)

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