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StartseiteWissenschaft im BrennpunktDie geheimen Begleiter aller Lebewesen15.03.2015

MikrobenDie geheimen Begleiter aller Lebewesen

Mikroben sind "Die Herrscher der Welt" - so der Titel des unterhaltsamen Buches über die Kleinstlebewesen, das Bernhard Kegel geschrieben hat. Viele sogenannte Superorganismen sind gleichzeitig Ökosysteme für kleinere Lebewesen - das gilt auch für Menschen.

Von Michael Lange

Korallen im Great Barrier Reef (Australien) (picture alliance / dpa - AUSTRALIAN INSTITUTE OF MARINE )
Korallen im Great Barrier Reef - im nährstoffärmeren Meeren brauchen sie Polypen, Algen und Bakterien, um zu überleben. (picture alliance / dpa - AUSTRALIAN INSTITUTE OF MARINE )
Weiterführende Information

Mikrobiologie - Bund fürs Leben. Warum Bakterien unsere Freunde sind
(Deutschlandfunk, Wissenschaft im Brennpunkt, 16.03.2014)

Virolution
(Deutschlandfunk, Wissenschaft im Brennpunkt, 12.12.2010)

Wir sind nicht allein. Es ist Zeit, den Menschen nicht mehr nur als Individuum zu betrachten, sondern als Holobionten. Das ist eine Gemeinschaft verschiedener Lebewesen, die sich zu einem größeren Organismus zusammen getan haben.

Um die neue ökologische Sicht auf das Leben zu verstehen, besucht der Autor Bernhard Kegel Wissenschaftler, die in Jordanien Korallen untersuchen. In griffigen Bildern beschreibt er den Alltag und die Herausforderungen im Alltag der Wissenschaftler. Seine Leser sind live dabei, wenn Forscher den Geheimnissen der Korallen auf den Grund gehen.

Schnell wird deutlich: Nur wenn tierische Polypen, Algen und Bakterien zusammenarbeiten, kann eine Koralle im nährstoffarmen Meer überleben. Als Superorganismus ist sie gleichermaßen ein Lebewesen und ein Ökosystem. Das gleiche gilt im Prinzip für viele Organismen auf der Erde - vom Blauwal bis zum Regenwurm. Sie alle sind Holobionten. Natürlich zählt auch der Mensch dazu. Er braucht die Bakterien auf der Haut zum Schutz und zahlreiche Untermieter im Darm für die Verdauung.

Das Immunsystem ist wählerisch

Auch das Abwehrsystem und die Evolution müssen neu betrachtet werden. In der Zeit der Nationalstaaten vor hundert Jahren sahen Forscher das Immunsystem als Abwehrbollwerk im Krieg gegen die Mikroben. Dieses Bild ist heute laut Bernhard Kegel nicht mehr haltbar. Er spricht stattdessen lieber von einer "Willkommenskultur für Symbionten".

Das Immunsystem ist dabei jedoch durchaus wählerisch. Nicht jeder darf sich im Holobionten niederlassen. Die Arbeit der Zellen und Antikörper besteht darin, schädliche Bewohner zu erkennen und abzuwehren, und freundlichen Bewohnern ihren Platz im Superorganismus zuzuweisen.

Mit einfachen Worten rückt Bernhard Kegel die Welt der Lebewesen zurecht, so wie er sich den Wissenschaftlern seit Neuestem darstellt. Als gelernter Biologe und versierter Romanautor besitzt Bernhard Kegel das nötige Handwerkszeug, um daraus ein gleichermaßen unterhaltsames wie informatives Buch zu machen. Gerne zitiert er verschiedene Wissenschaftler und auch andere Buchautoren, besonders häufig Nick Lane und sein ebenso gelungenes Buch "Leben - verblüffende Erfindungen der Evolution". Schade nur, dass er ihn Rick nennt.

Bernhard Kegel: "Die Herrscher der Welt - Wie Mikroben unser Leben bestimmen"
Dumont-Verlag, 382 Seiten, 22,99 Euro, ISBN: 978-3832197735

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