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StartseiteMikrokosmos019 Musik und Aufruhr09.02.2018

Mikrokosmos019 Musik und Aufruhr

Über musikalische Extreme zu neuen Erkenntnissen kommen - keinen geringeren Anspruch hat das Festival CTM, das sich auch „Festival for adventurous music“ nennt und seinen Namen ernst nimmt: Musik wird zum Abenteuer. Und eine Antwort auf die gesellschaftliche Krise gibt es auch: Noise und Diskurs.

Von Florian Fricke

Luftkissen in der Ausstellung, Club Transmediale, Berlin 2018 (CTM / Camille Blake)
Das Festival Club Transmediale bietet Hilfe gegen Abstumpfung. (CTM / Camille Blake)
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Club Transmediale Festival-Website

Jedes Jahr Ende Januar, Anfang Februar treffen sich in Berlin Musikbegeisterte aus aller Welt. Was lockt sie? Die neuesten elektronischen Clubsounds abseits der ausgelatschten Technopfade, gewagte Popentwürfen auch aus den entlegenen Winkeln der Erde, Neue Musik, Tanztheater, die queere Grundstimmung, ein anspruchsvolles Diskursprogramm, der Club Berghain, die Kunstausstellung im Kunstquartier Bethanien, die Gemeinschaft mit Gleichgesinnten.

Jace Clayton presents Julius Eastman Memorial Dinner Opening Concert im HAU1 beim CTM 2018 in Berlin. Wir sehen drei Musiker auf der Bühne stehen. (CTM / Udo Siegfriedt )Jace Clayton präsentiert Julius Eastman Memorial Dinner Opening Concert im HAU1 in Berlin (CTM / Udo Siegfriedt )

Jede Ausgabe der CTM steht unter einem Motto, und in den letzten Jahren wurde das immer politischer. "Turmoil" war die diesjährige Ausgabe überschrieben, was man vielfältig übersetzen kann: Unruhe, Umbruch, Tumult, Chaos, Aufruhr. "Es ist erst mal eine Zustandsbeschreibung," sagt Jan Rohlf, einer der drei Co-Direktoren und Mitbegründer des Festivals. "Schon gar nicht mehr in die News gucken wollen, weil man nur das Schlimmste erwartet, aber man diese innere Aufruhr als Dauerzustand nicht halten kann. Man kommt gar nicht umhin das zu normalisieren als Alltag."

Die CTM verspricht einen Gegenentwurf zum Alltag und hält Gegenstrategien zur Abstumpfung bereit: Von der Meditation bis zum aggressiven Agitprop. Jace Clayton eröffnet das Festival mit seinem Julius Eastman Memorial Dinner. Der vergessene Minimal-Komponist Julius Eastman aus New York verbaute sich mit Stücktiteln wie "Evil Nigger" und "Gay Guerilla" bewusst seine eigene Karriere.

Agnes von Naked im Club Ost, Club Transmediale 2018 in Berlin (CTM / Isla Kriss)Agnes von Naked im Club Ost (CTM / Isla Kriss)

Auch das EBM-Duo Naked aus London entzieht sich den Gepflogenheiten der Branche. "Die digitale Präsenz ist doch heute wichtiger als die direkte Erfahrung der Musik", sagt Sängerin Agnes. "Wir wollen das unterlaufen. Wir sind schwierig zu finden im Netz, da unser Name kaum zu googeln ist. Aber auf der Bühne sind wir so weit wie möglich im hier und jetzt."

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