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StartseiteMikrokosmos034 Paris, Hoffnung22.06.2018

Mikrokosmos034 Paris, Hoffnung

Theater im Flüchtlingscamp - das Good Chance Theatre hat es ausprobiert. In einem Erstaufnahmezentrum am Stadtrand von Paris haben Geflüchtete die "Hope Show" aufgeführt – ein Theater der Hoffnung, das jeden Samstag den Alltag in der Asyl-Warteschleife unterbricht.

Von Kathrin Hondl

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Beteiligte des Theaterprojekts stehen hinter einem Vorhang und strecken die Köpfe heraus. (Kathrin Hondl / Deutschlandradio)
Das "Good Chance Theatre" veranstaltet Theater in Flüchtlingscamps. (Kathrin Hondl / Deutschlandradio)
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Paris, Porte de la Chapelle. "Life's good" verspricht die Reklame auf dem Dach eines Hochhauses, das das Verkehrschaos am nördlichen Rand der französischen Hauptstadt dominiert. Doch hier zwischen Autobahnen, Bahn- und Tramlinien zeigt sich die "schönste Stadt der Welt" von ihrer unwirtlichen Seite. Auf den Trottoirs und unter Autobahnbrücken campieren Migranten und Flüchtlinge. Denn längst nicht alle finden Platz im Aufnahmezentrum La Bulle, das die Hilfsorganisation Emmaüs im Niemandsland zwischen Stadt und Industriegebiet eingerichtet hat.

Das "Good Chance Theatre" veranstaltet Theater in Flüchtlingscamps. In einem Erstaufnahmezentrum am Stadtrand von Paris führten Geflüchtete die "Hope Show" auf. (Kathrin Hondl / Deutschlandradio)Für neun Wochen hat das "Good Chance Theatre" sein weißes Kuppelzelt aufgeschlagen (Kathrin Hondl / Deutschlandradio)

Flüchtlinge in der Warteschleife               

Auf dem Gelände des Flüchtlingszentrums hat das Good Chance Theatre für neun Wochen sein weißes Kuppelzelt aufgeschlagen. Zwei junge britische Dramatiker, Joe Robertson und Joe Murphy, setzen hier fort, was 2015 im "Dschungel" von Calais begann: Ein Kunstprojekt mit Flüchtlingen in der Warteschleife auf ihren Asylentscheid. Auf der Bühne spricht jeder in seiner eigenen Sprache. Die beiden Joes nennen das "die Erfahrung fröhlicher Missverständnisse".

In Comedy- und Theaterworkshops proben sie jede Woche aufs Neue für die "Hope-Show" am Samstag Nachmittag: Ali aus Afghanistan spielt Slapstick-Szenen des britischen Komikers Mr. Bean. Der 22-jährige Mohammed aus dem Sudan erzählt in einem ergreifenden Monolog von seiner Familie, die er vor drei Jahren in den Bürgerkriegswirren verlassen hat. Zusammen mit dem französischen Schauspieler Mathieu erfinden Geflüchtete aus Ghana, Syrien und Afghanistan das Bild einer Wiedergeburt aus dem Theatervorhang. Die Theaterarbeit an der Porte de la Chapelle, sagt Mathieu, habe ihm gezeigt, "dass es immer die Ränder sind – der Stadt, des Systems oder der Welt -, an denen sich die Welt offenbart."

Das "Good Chance Theatre" veranstaltet Theater in Flüchtlingscamps. In einem Erstaufnahmezentrum am Stadtrand von Paris führten Geflüchtete die "Hope Show" auf. (Kathrin Hondl / Deutschlandradio)Die Hoffnung darauf, in Frieden leben zu können, ist der Leitgedanke im "The Good Chance Theatre". (Kathrin Hondl / Deutschlandradio)

Theater als Hoffnungs-Show

"Ich denke, Kunst kann die Welt verändern. Für mich ist jeder Theaterabend eine Hoffnungs-Show", meint Vincent Mangado. Er ist Schauspieler am Pariser Théâtre du Soleil und hat die künstlerische Leitung der "Hope Show" übernommen. Und die "Hope Show"-Protagonisten? "Ich hoffe einfach nur noch, in Frieden zu leben. Sonst nichts", sagt Zaher aus Afghanistan: "Dafür sind wir geflüchtet, haben viele Länder durchquert und Gefahren auf uns genommen, um hier anzukommen und in Frieden leben zu können." Und der 22-jährige Sudanese Mohammed beschreibt seine Hoffnung so: "Ich möchte jetzt glücklich sein." "Und wenn dieses temporäre Projekt an sein Ende kommt", so Joe Murphy, "darf man fragen: Kann das, was hier im Zelt passiert ist, nicht auch woanders passieren in unserer Gesellschaft?"

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