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StartseiteMikrokosmos - Die Kulturreportage042 Müll für Millionen07.09.2018

Mikrokosmos042 Müll für Millionen

Die meisten Menschen wollen mit ihrem Müll so wenig wie möglich zu tun haben - schnell weg damit. Dabei schlummert in den Abfällen ungeahntes Potential: Energie und wertvolle Metalle zum Beispiel. Das Müllgeschäft ist ein Millionenbusiness, Tendenz steigend.

Von Manuel Waltz

Eine Mülldeponie bei Köln (imago / Felix Jason )
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Etwa 450 Kilogramm Haushaltsmüll produziert jeder Bundesbürger im Jahr: Papier und Plastik, Bioabfälle, Glas. Einiges davon landet auf der Deponie Cröbern in der Nähe von Leipzig. Dort werden die Abfälle voneinander getrennt, vieles wird verbrannt, manches recycelt oder deponiert. Willkommen in einer Welt der Gärungshallen, endlosen Rollbänder und riesigen Magneten.

Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft. Konsum gehört zu unserem Selbstverständnis. Doch die Wahrnehmung endet an der Mülltonne. Deckel zu und fertig. Der Müll wird abgeholt und dann? Seit 2005 darf er nicht mehr einfach auf eine Deponie gekippt werden. Denn organisches Material verwest und setzt Methan frei, ein Treibhausgas, das zum Klimawandel beiträgt. Regen wäscht Gifte aus dem Müll, wodurch das Grundwasser mit Schwermetallen und Ölen verseucht wird.

Vieles kann verwertet werden

Heute sind Müllkippen, wie die Deponie Cröbern bei Leipzig, High-Tech-Unternehmen. In riesigen Sortieranlagen wird Metall vom Rest getrennt, denn Altmetall ist wertvoll. Kunststoffe und Holz werden ebenfalls aussortiert. Sie werden als Brennmaterialien verwertet und bringen so Energie.

Auch die organischen Materialien wie Essensreste sortieren die riesigen Maschinen aus. Dieser Abfall kommt in die Intensivrotte, eine industrielle Kompostieranlage. Hier verwest der Abfall unter idealen Bedingungen. Luft wird zugeführt, der Abfall immer wieder durchmischt und auch die Temperatur wird überwacht, Gase werden aufgefangen und anschließend verbrannt.

Plastik ist ein Problem

Probleme bei der Aufbereitung macht jedoch das Plastik. Meist wird es verbrannt, obwohl das Material auch recycelt werden könnte. Da aber der Wiederaufbereitungsprozess so aufwendig ist, dass recyceltes Plastik teurer ist als neu gefertigtes, wird es von der Industrie nur schlecht angenommen. Auch im Bio-Abfall befindet sich immer mehr Plastik, das von den Anlagen nicht komplett aussortiert wird und nach der Kompostierung auf dem Acker landet. Sowieso ist es beeindruckend, was alles im Hausmüll landet. Von Heizkörpern und Munitionsresten berichtet Bernd Beyer, der Geschäftsführer der Deponie Cröbern.

Geschäftsführer Bernd Beyer unterwegs auf der Deponie Cröbern bei Leipzig (Deutschlandradio / Manuel Waltz)Geschäftsführer Bernd Beyer unterwegs auf der Deponie Cröbern bei Leipzig (Deutschlandradio / Manuel Waltz)

Ein Tunnel schützt das Grundwasser

Was weder verbrannt, kompostiert noch recycelt werden kann, landet auf der Deponie. Unter dem Berg haben die Ingenieure einen Tunnel gebaut, in dem das Sickerwasser aufgefangen und gereinigt wird. Der ganze Berg steht wie auf einem Trichter, so fließt das Regenwasser in diesem Tunnel zusammen. Das Gelände ist allerdings tückisch: Die Mülldeponie Cröbern steht auf einem ehemaligen Tagebau und senkt sich leicht ab. Deshalb ist der Tunnel aus einzelnen Betonteilen gebaut, die flexibel miteinander verbunden sind. In ein paar Jahrzehnten wird er durchhängen und wie ein flaches U aussehen.

Ein Berg aus Müll

Der Abfall wird so verbaut, dass der Müllberg möglichst stabil ist. Dazu werden die unterschiedlichen Materialien gemischt. Straßenabbruch beispielsweise wird in feinen Aschen eingegraben, aus Kompostresten werden Wälle gebaut. Riesige Maschinen schieben dort oben den Müll zusammen und bauen stetig an einem Berg aus Schutt. Auch giftige und gefährliche Stoffe wie Asbest oder Dämmplatten, die gesundheitsgefährdend sind, bauen die Arbeiter ein, sodass keine Schadstoffe mehr in die Umwelt gelangen.

Schöne Aussichten

So wächst der Müllberg in die Höhe und bietet eine wunderbare Aussicht auf Leipzig. Irgendwann wird er fertig sein, dann wird die Mülldeponie geschlossen. Der Berg soll dann für Freizeitaktivitäten genutzt werden, zum Skifahren möglicherweise.

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